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Leselupe.de > Erzählungen
Das Flöz - 5 - Der Brief
Eingestellt am 11. 11. 2002 10:41


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doktordigitalis
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Der Brief
Sebastian hatte einem kribbeligen Bauchimpuls folgend, einen Liebesbrief an Mercola verfasst, den er in den Händen hin und her wiegte. Sollte er den abschicken? Als sie ihn öffnete, rieselten aus den Blättern farbige Gesteinskörnungen heraus. Ungläubig begann sie zu lesen:

Bei unserem Treffen neulich blitzte in deinem Blick eine Verheißung auf, zu kurz, um sie bestimmen zu können, aber lang genug, um Spielraum für meine Phantasie zu schaffen. Umhüllt von leichtem Spott über meine Unsicherheit, war er doch gewürzt mit einer Prise Mutmachen; so etwas wie ein Aufruf zum Sichtrauen, ein versteckter Hinweis in eigener Sache; der blitzartige Entwurf eines amourösen Einfalls. Das Lächeln, das diesen Vorgang begleitete, mutete an, wie ein Fliegender Teppich; ich war unsicher: würde ich damit abheben, oder drohte ein Absturz......

„Schau an, er legt sich ja richtig ins Zeug.“ schmunzelte sie und griff in die Nusstüte.

Dein Gesicht ist ein architektonisches Arrangement. Welcher Plan, welche Kreativität liegen dahinter verborgen? Ein genialer, leicht spöttisch veranlagter Geist muss das konzipiert haben.
Während deine Augen zwei Leitstrahlen in stereometrischer Achse aussenden, um meine Konturen abzuscannen, entdecke ich die Möglichkeit, eine Sympathie geschenkt zu bekommen, wenn auch mit einer darunter lauernden Rätselstellung, einschattiert in deine Mimik, fordernd, wartend auf Spritziges von meiner Seite. Ein Teil von mir fällt in Trance und gleitet weg aus der Alltagsrealität weit zurück in entlegene Gebiete, einen Tagtraum entfernt.


„Nicht schlecht! Wenn auch etwas gestelzt...mal sehen, wie es weitergeht“, murmelte sie kauend.

Die Prise milder Ironie, die es so herausfordernd gestaltet, deine Gegenwart zu teilen, würde mich zu Höchstleistungen anspornen. Es würde sich ein eigenartiges Gefühl bemerkbar machen; ein Drängen, ein Schieben aus tiefen Schichten des Bauches.

Sie verschluckte sich am Rotwein und hielt kichernd die Hand vor den Mund.

Dann sollte sich meine Hand mit dem Impuls herumquälen dürfen: Berühr sie, streichle sie! Meinen Verstand umgehend, würde der Wunsch, deine Lippen zu küssen unabweisbar. Ich möchte mein Ohr näher an deinen Mund halten. Oh, wie schade, dass Ohren nicht küssen können, süße Schöne.

Sie hatte glasige Augen bekommen. Den nahenden Schluss hinauszögernd, las sie genüsslich:

Gleich lege ich mich in die Mulde des Schlafes, und decke mich mit einem Traum zu.
Und während der rüde November Winterregen an mein Fenster wirft, arbeite ich mich im Traum bis zu deinen Lippen vor.

Wenn Du herausfindest, auf welchen Bahnen
Dein Lächeln den Weg in Deine
Augen findet, kannst Du eines Tages den Weg
zurückverfolgen bis dahin,
wo es zu Hause ist.



--------------

Zwei Jahre später

Das Multimediazentrum „Das Flöz“ war in den alten Büroräumen der Verwaltung der Zeche Bonifazius untergebracht. Hier wurden früher die Löhne ausgezahlt. In der angrenzenden „Kaue“, den Duschen der Bergleute, waren zwar noch die alten Kacheln und von der Decke herab hingen die Seilzüge, an denen die Kleidung aufgehängt und hochgezogen wurde, aber überall wo hier Duschköpfe aufgedreht werden konnten, rieselten jetzt sanfte homöo-akkustische Druckwellen von der Decke, und vom Boden stiegen Duftnebel auf, die von bunten Laserrn durchbohrt wurden. An den Seilzügen konnte man jetzt seidige Wäsche herunterlassen. Nichts Zwingendes. Es war ja nur ein Angebot. Gut, das Einzelticket kostete 157 Euro, Gruppenticketts gab es ab 97 Euro. Die Frei-Zech-Tickets im Flöz 7 waren sehr beliebt.

Sollen wir nun erst zu den sozuidal-ökonalistischen Auswirkungen kommen, oder zögen Sie es vor, den Erlebnisparcour ein wenig näher kennen zu lernen?



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doktordigitalis

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visco
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Das Flöz

Hallo Doc!

Ich habe alle Teile Deines „Das Flöz“ mit Interesse verfolgt. Der 5. und bisher letzte Teil endet mit einer Frage an uns Leser, wenn ich sie richtig deute. Meine persönliche Antwort darauf ist ein eindeutiges Weder Noch! Ich möchte an dieser Stelle weder etwas über die „sozuidal-ökonalistischen Auswirkungen“ – was immer das sein mag – des neu eingerichteten Multimediazentrums erfahren, noch wünsche ich mir eine ausführliche Beschreibung des Erlebnisparcours. Statt dessen hoffe ich auf eine spannungssteigernde Verknüpfung angefangener Handlungsstränge, am liebsten mit unterschwelligen oder auch konkreten Anhaltspunkten, die eine drohende Katastrophe erahnen lassen.

Erlaube mir, daß ich einmal kurz rekapituliere, was ich bisher über den Inhalt der Geschichte (immerhin etwa 5.000 Wörter) sagen kann:

  • der Protagonist, ein (Physik-)Student namens Sebastian, hat die Vision einer „gigantischen Unterhaltungs-Maschinerie, so eine Mischung aus Kirmes und Love-Parade“ auf dem Gelände einer stillgelegten Zechenanlage.
  • Sebastian beschließt, zu einem Vortrag an der Uni über Gentechnologie zu gehen.
  • Aus einem Buch fällt die Visitenkarte von Mercola Gentilini, von der man vermutet, daß sie Dozentin für ‚Informatik und fraktale Geometrie’ an der Hochschule ist. Sebastian und sie waren sich in der Mensa begegnet, und er scheint sie zu mögen.
  • In einer Vorlesung über Teilchenbeschleuniger fordert Sebastian einen „interdisziplinären Austausch“, da der Mensch ein geistiges Wesen sei, „Berührungspunkte zwischen Sport und Geisteswissenschaft. Analyse und Kreativität, Zusammenführung beider Gehirnhälften. Erschließung unseres gesamten geistigen Potentials, nicht nur der Ratio!“
  • Teil 1 endet mit der Überlegung, ob es vielleicht doch möglich sei, im Universum einen Körper schneller als das Licht zu beschleunigen.
  • Sebastian lädt Mercola per Email zu einem gemeinsamen Abend ein; vorher möchte er mit ihr zu dem Vortrag über Gentechnologie gehen.
  • Mercola begleitet Sebastian zu dem Vortrag, den ein Biochemikers namens Neuwirth hält, und der sich herber Kritik ausgesetzt sieht. Neuwirth nennt als Fernziel der Gentechnologie das Erschaffen künstlicher Intelligenz.
  • In einer Kneipe kommen sich anschließend Sebastian und Mercola näher. Er erzählt ihr von seiner Idee, in einer stillgelegten Zechen einen gigantischen Vergnügungspark aufzubauen, und sie empfiehlt ihm, er solle mit seinem Professor darüber sprechen.
  • Sebastian trifft sich mit seinem Professor in einem Lokal und erzählt ihm von seiner Idee. Dabei äußert er haufenweise abstruse und sicher nicht ernst gemeinte Vorschläge zu möglichen Attraktionen. Der Professor bietet Sebastian das „Du“ an.
  • Man erfährt, daß Sebastian sich gleich in Mercola verliebt hatte, als er sie das erste Mal sah.
  • Am PC in seinem Laboratorium zeigt der Professor Sebastian die Simulation eines Teilchenbeschleunigers, der Lichtgeschwindigkeit erreicht. Der Professor äußert die Idee, einen tatsächlichen Teilchenbeschleuniger in einem Bergwerk zu bauen.
  • Sebastian schreibt Mercola einen Liebesbrief.
  • Zwei Jahre später eröffnet das Multimediazentrum „Das Flöz“ in einer stillgelegten Zeche.
Ich finde, der Zeitsprung ist in Ordnung. Trotzdem möchte ich erfahren, wie es zu der Eröffnung des Multimediazentrums kam, und wer daran beteiligt ist.


Hier noch ein paar Fragen, die mich beschäftigen:
  • Was hat der Vortrag über Gentechnologie und das Fernziel „künstliche Intelligenz“ eines Biochemikers mit dem Vorhaben eines (noch immer namenlosen) Physik-Professors zu tun, in einem stillgelegten Bergwerk einen Teilchenbeschleuniger zu installieren?
  • Und wo ist die Verbindung zu dem gigantischen Vergnügungspark, aus dem plötzlich ein Multimediazentrum geworden ist?
  • Sollte ich mir um Sebastian Sorgen machen? Und wenn ja, welche?

Ich würde mir wünschen, wenn die Fortsetzung zumindest Vermutungen als Antwort auf diese Fragen lieferte.

Viele Grüße,
      Viktoria

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Ich hatte eine Lösung gefunden, nur passte sie nicht zum Problem.

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doktordigitalis
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Hallo Visco!
Deine Zusammenfassung wäre eine gute Vorlage für einen Klappentext!
Mit den „sozuidal-ökonalistischen“ Auswirkungen habe ich mir ein Wortschöpfung erlaubt, die mit den aus der Presse so gängigen Formulierungen spielt.

Und „ auf eine spannungssteigernde Verknüpfung angefangener Handlungsstränge“ hoffe ich auch,
bevor ich mich in denselben verheddere, oder sich der Leser an diesen aufhängt.

die eine drohende Katastrophe erahnen lassen.
Aha. Na, schauen wir mal.

(immerhin etwa 5.000 Wörter) Gut, dass Dein Computer zählen kann.

Was hat der Vortrag über Gentechnologie und das Fernziel „künstliche Intelligenz“ eines Biochemikers mit dem Vorhaben eines (noch immer namenlosen) Physik-Professors zu tun, in einem stillgelegten Bergwerk einen Teilchenbeschleuniger zu installieren?
Da zeige für welche Themen er sich interessiert. Vielleicht wäre ein Vortrag über Astrophysik besser gewesen, aber da waren wir ja schon im Hörsaal. Beim Schreiben dieser Geschichte kamen mir Themen wie Genmanipulation und Weltraumtechnik immer wieder in den Sinn, und ich hab sie miteingearbeitet. Dass damit die Geduld des Lesers auf die Probe gestellt wird, hat mir Zefira schon bescheinigt. Ich solle aufpassen, dass der wissenschaftliche Teil nicht zu groß wird.

Und wo ist die Verbindung zu dem gigantischen Vergnügungspark, aus dem plötzlich ein Multimediazentrum geworden ist?
Das Multimediazentrum ist die Zentrale des Vergnügungsparks und der astrophysischen Abteilung, die nun bald eröffnet werden sollen. (Kommt in der nächsten Folge)

Sollte ich mir um Sebastian Sorgen machen? Und wenn ja, welche?
Vielleicht die, ob er an Mercola rankommt?

Ich danke für Deine Aufmerksamkeit und hoffe Dich – und alle kommentarlosen Leser – nicht zu enttäuschen.
-----
Take it easy, but take it!

__________________
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visco
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nachgehakt

Hallo Doc!

Ich muß da doch nochmal nachhaken. Ich habe da nämlich eine ganz vage Vermutung, wie die drei Themen Teilchenbeschleuniger (Lichtgeschwindigkeit), Gentechnologie (künstliche Intelligenz) und gigantischer Vergnügungspark zusammenhängen, und ich bin einfach zu neugierig, ob ich damit vielleicht richtig liege, obwohl es im Text dazu ja leider noch keine Anhaltspunkte dafür gibt.
Aaalso, ...
Punkt 1: der Biochemiker Neuwirth wird von den Zuhörern ziemlich hart angegangen, weil man seine geplanten Eingriffe in die natürliche Entwicklung durch Genmanipulation für gefährlich hält.

Punkt 2: der namenlose Physik-Professor scheint einen Weg gefunden zu haben, Einstein zu widerlegen und Materie auf Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen.

Punkt 3: in dem gigantischen Vergnügungspark halten sich Massen von Menschen auf.


Und jetzt die Katastrophe:
Als in der astrophysischen Abteilung (finanziert über die Einnahmen des "Flöz") der Teilchenbeschleuniger tatsächlich funktioniert, sind erst alle begeistert von dem entwicklungstechnischen Durchbruch, aber wie schon bei der Atombombe sind im Vorfeld nicht alle Auswirkungen bekannt (denn die konnte die Simulation mangels Daten nicht errechnen).
Die vielen Besucher des "Flöz" sind trotz aller erdenklichen - aber eben herkömmlichen - Vorsichtsmaßnahmen diesen ungeahnten Auswirkungen ausgesetzt. Sie werden völlig verändert. Vielleicht machen sie einen Sprung in der Evolution, verfügen plötzlich über besondere Fähigkeiten, werden für alle anderen Menschen gefährlich oder was auch immer ... die totale Katastrophe eben ... oder der Beginn einer neuen Epoche?
Sebastian, der Professor und auch Mercola sind davon natürlich ebenso betroffen.


Und zum Thema Weltraumtechnik vom Anfang der Geschichte:
Die versehentlich erschaffene menschliche Rasse entwickelt aus dem Teilchenbeschleuniger einen Raumschiffantrieb, baut ein Schiff und entkommt damit der drohenden Vernichtung durch die aufgebrachte Weltbevölkerung.


Ich weiß, es ist nur eine sehr, sehr vage Vermutung, aber bitte, bitte, sag mir, daß ich nicht total daneben liege, ja?

Viele Grüße,
      Viktoria

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Visco!
Ich lerne von deinen Bemerkungen etwas über Sturkturierung.
Bisher habe ich immer aus dem Bauch heraus geschrieben. Bis auf Reiseberichte, die bin ich mehr kopfig angegangen.

Aber diese Reise untertage ist aus dem Bauch entstanden. Nachdem ich genug Material "ausgestoßen" hatte, begann ich erst an der Form der Story zu arbeiten. Aber, wie herum das Pferd auch aufgezäumt wird: am Ende will es geritten werden!
Ich hoffe nur, dass es mich nicht abwirft! Aber vielleicht lerne ich ja „unterwegs“, meine Reitkunst so zu verfeinern, dass ich mit dem Pferd schließlich so gut umgehen kann, daß es mich nicht mehr abwirft.


Was Deine Vermutungen angeht, so bin ich davon angetan, wie Du mit forscher Hand mal eben einen Romanentwurf skizzierst. Ich glaube da, in deine Wortschmiede zu schauen, wie du über deinem eigenen Roman sitzt und brütest.

Ich finde die Vermutungsvorschläge alle super interessant. Wenn sie auch in dieser Form nicht kombiniert sind, und die Katastrophen eher Randerscheinungen sein werden. Ich will mehr Fokus auf den Spaß und die Abenteuerlust legen, als auf Horrorszenarien.

Aber, ich merke den versteckten Hinweis, genügend Spannung durch Antagonisten und Störfaktoren zu erzeugen. Darauf komm ich vielleicht später noch einmal zurück.

Bist Du zufrieden, wenn ich Dir sage: Ich habe noch keinen richtigen Schluß für die Story. Aber Deine Ideen geben mir blitzartig die Ahnung davon, wie es weitergehen könnte....nach Folge soundsoviel....
Danke!
d(ein)d(oc)





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Howdi, Du Schlingel!

Hahahaha ... ich glaube Dir kein Wort! ;-) Na schön, ich kann also anstellen, was ich will, Du läßt Dir einfach nicht in die Karten schauen und schon gar nichts aus der Nase ziehen. Okay, dann warte ich jetzt einfach mal ab, wie es weitergeht.

Frohes Zureiten ;-)
und bis Folge 6 dann,
      Viktoria

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