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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Das Geheimnis des Toten
Eingestellt am 31. 12. 2005 12:41


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sb
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Registriert: Oct 2001

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Kalt war es an diesem Abend im MĂ€rz; unter null Grad, schĂ€tzte Joey. Die scharfen Böen, die aus Norden kamen, machten den Tag noch unerfreulicher. Vor ihm wurden Nuancen des Waldes sichtbar, dessen Schweigsamkeit bei angenehmeren Temperaturen Anziehungspunkt fĂŒr Jogger und Liebespaare war. Joey verließ den kieselĂŒbersĂ€ten Pfad und stapfte ĂŒber eine Wiese direkt in den Wald, der ihn fĂŒr eine weitere Nacht und einen weiteren Morgen der Stadt ausliefern wĂŒrde. Main Church war kein Ort, der einem Aussicht auf Zerstreuung bot, und er hasste es, dort zu sein. Die Leute lebten, aßen und starben in dem Kaff, das von WĂ€ldern und kalten Seen umgeben war, und offensichtlich waren sie zufrieden mit diesem Schicksal.

Er dachte an Ken, seinen einzigen Freund, und an ihre langen GesprĂ€che, die sie gelegentlich fĂŒhrten. Oft waren sie einander gleich in ihren Köpfen, wenn es darum ging, dieses Prinzip purer MittelmĂ€ĂŸigkeit zu unterwandern. Im Winter, wenn das Kaff seine ganze HĂ€sslichkeit zur Schau stellte, war es ein unfairer Kampf; ihre TrĂ€ume von Cadillacs und New York wurden unter einem eisigen Leichentuch aus schlechter Laune begraben, das sie mit Alkohol und Ausschweifung wegzuschmelzen versuchten.

Unversehens lachte er auf, als wollte er den Abend am Ende eines unergiebigen Winters verhöhnen, wĂ€hrend der Wald ihn vollends schluckte. Wenn ihm wirklich etwas an diesem Wald gefiel, dann waren es die nĂ€chtlichen GerĂ€usche. Es war nie wirklich still hier. FĂŒr einen guten Lauscher gab es Dutzende von GerĂ€uschen zu unterscheiden und Joey kannte sie alle. Die Flucht der durch seine Schritte aufgeschreckten Tiere, das Aneinanderreiben der Zweige im Wind, fallendes Laub. Schon als Kind war er ein talentierter Zuhörer gewesen; andere in seinem Alter hatten gezetert und gebrĂŒllt; er hatte ihnen zugehört.

Es war die einzige Waffe, die er besaß, und er brauchte sie, um die Schlachtfelder zu ĂŒberleben. Seine Augen waren zu sanft, um Kontrahenten zu verschrecken, seine HĂ€nde zu schmal, um sich ihrer zu bedienen, sein Körper war zu wenig narbenĂŒbersĂ€t, um Geschichten zu erzĂ€hlen. Es ergab wenig Sinn, ĂŒber die Rolle des Zuhörers hinauswachsen zu wollen.

Und genau dies fĂŒhrte ihn in dieser Nacht auf eine neue FĂ€hrte. Das GerĂ€usch, das sich geheimnisvoll in seine Gedanken schlang, war ihm unbekannt: ein Reiben, ein Knirschen. Joey blieb stehen und versuchte, das funkelnde Mondlicht zu seinem Vorteil zu nutzen. Und tatsĂ€chlich: Dort vorn, kaum zwanzig Meter von ihm entfernt und geschĂŒtzt von Dickicht und Dunkelheit, sah er etwas; eine Regung vielleicht, vielleicht eine Farbe.

Er bewegte sich darauf zu und duckte und reckte sich dabei und schließlich fiel sein Blick auf den Mann, der dort stand. Oder nein, korrigierte er sich sogleich und ein Schauer glitt ĂŒber seinen RĂŒcken, der Mann hing. Joey streifte das GeĂ€st beiseite, das vor seinem Gesicht war, und ging nĂ€her hin. Im Licht des Mondes, das schwach durch die nackten Kronen der BĂ€ume fiel, konnte er den Mann nun besser sehen. Er baumelte sacht im Wind, der den unsteten Rhythmus in Gang hielt.

Joey fingerte sein Feuerzeug aus der Hosentasche und fĂŒhrte die Flamme nah an den Selbstmörder heran. Das Seil um seinen Hals sah neu und ungebraucht aus, als wĂ€re es eigens fĂŒr den Zweck, ein Leben zu beenden, gekauft worden. Es hatte dem weichen Fleisch am Hals schlimme Verletzungen zugefĂŒgt; die Wunde schimmerte in sanften, warmen Farbtönen.

Das zuckende Licht, das im Wind zu verlöschen drohte, entlockte dem Fund schreckliche Details. Am Ende seines Lebens war der Mann ein menschliches Wrack gewesen. Das wurde an der alten, ausgebeulten Kleidung sichtbar, die ganz das Flickwerk eines Clowns zu sein schien und den Toten jeglicher WĂŒrde beraubte, und am unrasierten, dreckverschmierten Gesicht. Schlimmer als diese NebensĂ€chlichkeiten war der Ausdruck der Totenaugen, welche auf Joey niederstarrten. Die Flamme hauchte ihnen neues unheimliches Leben ein. In ihnen war pure Verzweiflung unverkennbar und nicht der Tod hatte sie in seinen Blick hineingezaubert, da war Joey sicher. Was hatte der Tote gesehen, dass er so schauen musste? Ganz gleich, was es gewesen war: dass er danach seinem eigenen Fleisch Gewalt zufĂŒgen musste, wurde dadurch verzeihlich. Joey spĂŒrte ein Brennen in seinen Augen, hinter seinen Augen, als ihm klar wurde, dass er diesen Blick kannte, wenn auch in abgeschwĂ€chter Form. Er kannte ihn von sich selbst, von seinem Spiegelbild, in das er morgens starrte: ganz so, als wĂ€re dies ein letztes verschrecktes Indiz Minuten vorher durchlebter AlptrĂ€ume.

Das Wrack hatte den Mund geöffnet; manchmal fingen sich Böen des Windes in ihm und zeugten eine traurige Melodie. Das flackernde Feuerzeuglicht prÀsentierte dem Betrachter eine blauschwarz gefÀrbte Zunge, die sich aus dem Mund herausgewunden hatte. Der Kontrast zum blutleeren Gesicht hÀtte nicht grÀsslicher sein können.

Es fiel ihm nicht leicht, der Faszination zu widerstehen, die in der Luft lag. Er blieb so lange beim Leichnam, bis die KĂ€lte seine Glieder fĂŒhllos machte und seine Augen trĂ€ge vor MĂŒdigkeit wurden.

Schließlich ging er heim, wĂ€hrend seine Gedanken um Tod und Verzweiflung schwirrten.


Es war ein aussichtsloser Kampf, den der Selbstmörder fĂŒhrte. Er diente den Tieren als Futtertrog. Sie kamen und nahmen, was sie brauchten. Die ersten warmen FrĂŒhlingstage taten ihr ĂŒbriges. Der einzige menschliche Besucher war Joey. Oft kam er, wenn die Sonne aufging, und er verabschiedete sich erst bei Anbruch der DĂ€mmerung und wurde in dieser Zeit Zeuge menschlicher VergĂ€nglichkeit. Es dauerte eine Woche, bis er den Wunsch verspĂŒrte, mehr ĂŒber den Mann zu erfahren. Joey war sicher, dass sein VermĂ€chtnis Hinweise barg, die seinen rĂ€tselhaften Tod entschlĂŒsseln konnten.

Joey verließ seinen weichen Beobachtungsposten aus Gras und Moos und nĂ€herte sich dem baumelnden Mann, dessen ungeschĂŒtztes Gesicht neue VerwĂŒstungsspuren aufwies. Das linke Auge war von Vögeln herausgehackt worden, das Fleisch an Wange und am Kinn war stellenweise herausgerissen worden. Der Verlust jeglicher StĂ€rke, welche den Mann frĂŒher womöglich ausgezeichnet hatte, wurde deutlich, als durch Joeys AnnĂ€herung eine Spinne die weiche, vor den kalten Abenden schĂŒtzende Mundhöhle verließ.

Joey verzog das Gesicht und fĂŒr einen Moment empfand er panische Angst vor seinem eigenen Tod. Die Gewissheit von menschlicher Großartigkeit ging hier und jetzt zum Teufel. Ein ĂŒbler Geruch ging von dem Mann aus, bemerkte er, als er noch nĂ€her herantrat. Er war streng und bitter und Joey musste eine Weile den Atem anhalten, um sich daran zu gewöhnen. Eine Entschuldigung floss ihm unhörbar ĂŒber die Lippen, als er am Reißverschluss zog und die zerschlissene Jacke öffnete. Darunter sah er kein weiteres KleidungsstĂŒck. Das musste ein weiterer Hinweis auf den Schock sein, ĂŒberlegte er, der den Mann trotz der damals vorherrschenden KĂ€lte zum Ort seines Todes gefĂŒhrt hatte. Die Brust war schmal und knöchern, von Oasen farbloser HaarbĂŒschel umgeben, das Fleisch so bleich wie der Bauch eines Fisches; und genauso kalt. Joey entfuhr ein leiser Entsetzensseufzer, als sein HandrĂŒcken mit dem Toten in BerĂŒhrung kam.

Es dauerte eine Weile, bis er seine HĂ€nde erneut ausstreckte und in den Taschen der Jacke wĂŒhlte. Er hatte die Augen geschlossen, wĂ€hrend er das tat, und er dachte dabei an Dinge, die schöner waren als LeichenschĂ€ndung. Er stellte fest, dass es leichter als vermutet war, den menschlichen Geist in die Irre zu fĂŒhren. Sobald sein Verstand erneut der Spur des Grauens hinterherschnĂŒffelte, lockte ein unbekannter Instinkt ihn wieder davon fort. Vielleicht war es die Logik eines Schwachsinnigen, die er da anwandte, oder die eines Mannes im Schlachthaus oder eines Psychiaters: Er wusste es nicht, aber es erfreute ihn, wie spielerisch einfach das Prinzip der Abstumpfung umzusetzen war.

In der Jacke fand er nichts. Beinah bereitwillig tastete sich eine Hand in eine der vorderen Hosentaschen voran. Ihre Fingerspitzen waren empfindsam genug, das Oberschenkelfleisch zu ertasten, welches kalt und schlaff war. Dem Toten widerstrebten die BerĂŒhrungen. Er zuckte am Seil hin und her und seine HĂ€nde und FĂŒĂŸe berĂŒhrten wiederum Joey.

Der Mann besaß eine Brieftasche und einen SchlĂŒsselbund. Die SchlĂŒssel steckte Joey ein, ohne einen Blick auf sie zu werfen, dann trat er einige Schritte zurĂŒck, bis das Licht gĂŒnstiger, der Gestank ertrĂ€glicher wurde. Die Brieftasche bestand aus altem, abgegriffenem Leder, das an den NĂ€hten stellenweise aufgeplatzt war. Ihr Inhalt war spĂ€rlich. Joey fand eine Kreditkarte, etwas Geld, das er achselzuckend einsteckte, Quittungen fĂŒr Lebensmittel und, worauf er gehofft hatte, den Ausweis des Mannes.

Stanton, las er, Robert Stanton war der Name des Toten. Das Foto mochte vielleicht drei Jahre alt sein. Ein Bild aus zweifellos glĂŒcklicheren Tagen; Stanton lĂ€chelte und strahlte Zufriedenheit aus. Er hatte in Hemingford gewohnt, kein Ort, der einen Besuch lohnte, wie Joey wusste, aber es war dort besser als in Main Church.

Vielleicht, dachte er, gab es Möglichkeiten, sich in Stantons Wohnung umzuschauen. Das Geheimnis des Mannes zu lĂŒften, die wahren GrĂŒnde seines einsamen Todes zu erkunden.


Die Line Street mochte frĂŒher einmal Anziehungspunkt fĂŒr die Menschen der Stadt gewesen, eine Straße mit GeschĂ€ften und CafĂ©s. Die heutigen Besucher hießen Dreck und Dunkelheit. Joey kannte die GrĂŒnde fĂŒr den plötzlichen Exodus nicht, er sah nur, dass die meisten HĂ€user leer standen. Wer hier noch wohnte, dem fehlte vielleicht das Geld fĂŒr ein schöneres Zuhause, oder er war ein TrĂ€umer, der sich an die Vergangenheit klammerte.

Die Nr. 11 war ein altes Haus, das Spuren von Verwahrlosung aufwies, aber nicht so sehr, um unbewohnbar zu sein. Hinter einigen der vor Schmutz starrenden Fenster sah er Gardinen, hinter einem im Erdgeschoss stand ein Topf mit einer verdorrten Pflanze.

Neben der EingangstĂŒr, die so brĂŒchig aussah, als könne man sie mĂŒhelos aufdrĂŒcken, waren Klingelknöpfe angebracht, aber die Namen der Bewohner entdeckte Joey nicht.

Mit dem ersten SchlĂŒssel, den er ins Schloss steckte, konnte er die TĂŒr öffnen. Dahinter wurde es dunkel. Das Licht, das durch die Fenster fiel, verbarg mehr als es enthĂŒllte. Joey war sicher, dass Menschen hier lebten, er konnte ihre Anwesenheit riechen. Vermutlich besaß jedes Haus auf der Welt seinen eigenen Geruch, dachte er, wĂ€hrend er langsam auf die Treppe zuging, die in engen Windungen nach oben fĂŒhrte. Hinter manchen der verschlossenen TĂŒren vernahm er GerĂ€usche – eine leise Frauenstimme einmal, dann ein RĂ€uspern -; zwei oder drei Etagen ĂŒber ihm wurde eine TĂŒr geöffnet und sogleich wieder geschlossen und Joey blieb stehen, damit sein Einbruch nicht offenkundig wurde, bevor er vollendet war. Mit zusammengekniffenen Augen starrte er auf bleichgrĂŒne Wand ihm gegenĂŒber, auf der Bewohner Parolen und Figuren gemalt hatten. Eine Frau war darunter, die nichts ausstrahlte, das den Betrachter hĂ€tte beruhigen können. Ihr Körper war eine ungenaue Skizze, aber ihr Geschlecht beruhte auf monströser Übertreibung. Es versprach eher Angst als Lust, mehr Verstörung als Befriedigung; es war nicht dazu da, Kindern Leben zu schenken, es verschlang sie.

Fröstelnd setzte Joey seinen Weg fort und stieß dank eines Zufalls bald auf die Wohnung, die er suchte. Jemand hatte in der TĂŒr grob den Umriss eines Grabsteins geschnitzt und darin Stanton geschrieben. Der Verdacht, dass jemand etwas von Stantons Tod wissen konnte, verflĂŒchtigte sich, als Joey die Zeichnung nĂ€her untersuchte und feststellte, dass sie bereits lange dort war, womöglich bereits seit Jahren. Die Wunden im Holz waren verwittert wie das Holz selbst.

Er kramte erneut den SchlĂŒsselbund hervor und öffnete, nachdem er den passenden SchlĂŒssel gefunden hatte, die TĂŒr, die mit ihrer Unterkante vernehmlich ĂŒber den Boden schleifte und in den Angeln quietschte. Niemand kam, um die Ursache des LĂ€rms zu erforschen, dennoch befĂŒrchtete Joey, dass man ihn gehört hatte. Er zuckte bei dem Gedanken zusammen, dass jemand – der Portraitmaler vielleicht – nach dem Rechten sehen wĂŒrde, wĂ€hrend er in Stantons Eigentum schnĂŒffelte.

Die Wohnung war dunkel und die Luft in ihr beinah so tot wie ihr Bewohner; dennoch machte Joey kein Licht und öffnete kein Fenster. Links an der Wand hing ein Spiegel. Joey konnte nicht anders, als sich einer Betrachtung zu unterziehen. Verdutzt seufzte er auf, als er sich groĂŸĂ€ugig und schmallippig im Spiegel sah. HĂ€tte er sich ein Kompliment gemacht, es wĂ€re eine LĂŒge gewesen.

Er wandte sich wieder dem Raum zu, in dem er stand. Alles was sein Auge erfasste, wirkte verbraucht und billig. Was er sah, deprimierte ihn, und er fragte sich, wie ein Mann hier leben und wirken konnte, ohne Selbstverachtung sich selbst gegenĂŒber zu empfinden. Joey bohrte einen Finger in das durchgesessene, grobe Polster einer Couch, an deren Ende zwei nachlĂ€ssig zusammengefaltete Wolldecken lagen. Ein vorsintflutlicher Fernseher stand neben ihr auf einem kleinen Holztisch.

Er suchte die KĂŒche auf, die das Ausmaß einer winzigen Kammer hatte und kein Fenster besaß. Die Dunkelheit war hier noch undurchdringlicher – es war beinah Nacht hier -, genau wie der Gestank. Joey kniff die Augen zusammen und sah in der SpĂŒle die Umrisse Schimmel ĂŒbersĂ€ten Geschirrs. Als er zur Seite trat, damit aus dem anliegenden Raum wenigstens ein dĂŒrres Lichtgerinnsel hereinlugen konnte, fĂŒhlte er unter seinem Fuß eine schlaffe Masse. Joey schaute zu Boden und erkannte ein BĂŒndel, das er fĂŒr ein Laken hielt, bis er in die Hocke ging und Konturen sich vor seinem Auge entblĂ€tterten. Entsetzt hielt er die Luft an. Dort lag ein Tier, ein Hund, ein toter Hund, der ein Opfer von Fliegen und Luft gefunden war.

Mehr Ekel als Mitleid war in ihm, als er sich hastig wieder aufrichtete und die KĂŒche und den vor Hunger und Durst gestorbenen Hund verließ. Er betrat ein anderes Zimmer, das vom Raum mit dem Fernseher abzweigte. Es war heller hier und allein dieses Geschenk, das seinen Augen bereitet wurde, lockte Joey ĂŒber die Schwelle, fort aus der Finsternis und vom Kadaver weg. Auch war hier die Luft besser. Joey bemerkte das offenstehende Fenster, das den Vorhang durcheinander wirbelte, und sog einen frischen Schwall Sauerstoff ein, sodass ihm schwindlig wurde von der Überdosis. Offensichtlich ein Arbeitszimmer, auch wenn die Vorstellung, Stanton wĂ€re einer ernsthaften BeschĂ€ftigung nachgekommen, beinah rĂŒhrend war. Aber er sah Regalstreben mit vollgestopften Ordnern und am Fenster einen Schreibtisch, auf dem Papiere und ein Stapel BĂŒcher lagen. Joey trat nĂ€her zu dem Tisch hin und entdeckte sogleich ein Blatt Papier, auf dem ein klobiger Brieföffner lag. Dort stand etwas in großen, ungelenken Buchstaben, die bewiesen, dass Stanton selten handschriftliche Notizen gemacht hatte. Joey zog das Papier unter dem Brieföffner hervor und las den kurzen Hinweis: Ich wollte es nicht tun. Gott ist mein Zeuge!

Darunter stand in kleinerer Schrift eine Adresse: Industry Street neun.

Langsam und mit einem in die Ferne gerichteten Blick ließ Joey das Papier sinken. Diese verzweifelten Worte, dachte er, und dann der Selbstmord. Welches Unheil hatte der Mann angerichtet?


Die Industry Street befand sich in einem alten, zum Teil aufgegebenen Gewerbegebiet außerhalb von Hemingford, wie Joey nach einem Blick in den Stadtplan feststellte. Dunkel entsann er sich, dass er vor langer Zeit manchmal dort gewesen war, zuerst mit seinem Vater, der ihm die GebĂ€ude erklĂ€rt hatte, spĂ€ter mit seinen Freunden, mit denen er manchmal, wenn sie sich unbeobachtet wĂ€hnten, die vor Schmutz starrenden Fenster der Fabrikhallen eingeworfen hatte. In seinem kindlichen Eifer hatte er mit großem Interesse den Weg der Lastwagen und anrollenden GĂŒterzĂŒge verfolgt. Er konnte sich ohne große MĂŒhe an den betĂ€ubenden Geruch von aufwirbelndem Staub und Diesel erinnern, der sich in seinen KleidungsstĂŒcken einnistete, und an die krĂ€ftigen MĂ€nner, die so finster dreinschauten, als empfĂ€nden sie ihre Arbeit als Strafe, aber zu den Kindern meist nachsichtig waren.

Vor mehr als zehn Jahren waren die ersten Unternehmen fortgezogen oder aufgegeben worden und damit wurde das Ende der BlĂŒtezeit dieser Gegend eingelĂ€utet. Die Zulieferer der großen Werke kehrten der Industry Street ebenfalls den RĂŒcken, wodurch der Prozess des Zerfalls drastisch beschleunigt wurde. Heute war jeder Ansatz des frĂŒheren Glanzes völlig verschwunden. Nur wenige Firmen hatten noch ihren Sitz hier, in der Hauptsache kleine Unternehmen, welche die RĂ€umlichkeiten der alten Fabriken nutzten, die sie zu einem Spottpreis gekauft oder angemietet hatten.

Die Industry Street war die Hauptstraße des großen, unĂŒbersichtlichen Areals, sie wurde in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden von kleineren Straßen und verrosteten und mit Pflanzen bewucherten Eisenbahnschienen durchkreuzt, sodass es aus der Vogelperspektive wie ein Geflecht wirken musste. Die nicht mehr befahrenen FlĂ€chen und die ParkplĂ€tze vor den Hallen waren lĂ€ngst wieder von der Natur zurĂŒckerobert worden. Der Anblick der VergĂ€nglichkeit erinnerte Joey an Stanton, dessen Fleisch schneller und radikaler dahinschwand als der Asphalt. FĂŒr eine Weile kreisten seine Gedanken um den Toten, aber sie fanden keinen neuen Anhaltspunkt.

Er wĂŒnschte sich, er hĂ€tte den Mann gekannt, als noch Luft und TrĂ€ume in ihm gewesen waren. Wie war er gewesen? Etwa ein labiler Mensch, den schon ein kleines Missgeschick an den primitiven Galgen befördert hatte? Die scheinbare ZurĂŒckgezogenheit, in der er gelebt hatte, deutete darauf hin. Vielleicht weniger labil als verdorben, dachte Joey, der das Bild des verhungerten Hundes vor Augen hatte

Plötzlich blieb er stehen und schreckte aus seinen Gedanken auf, der Hauch eines unhörbaren Fluches quetschte sich ĂŒber seine zusammengepressten Lippen, wĂ€hrend er auf den zerlumpten Mann blickte, der rĂŒcklings auf einem schmalen wuchernden GrĂŒnstreifen zwischen Straße und Eisenbahnschienen lag und die Sonnenstrahlen genoss. Er hielt die Augen geschlossen, soweit Joey das erkennen konnte, aber er schlief nicht. Die Finger seiner linken Hand klopften eine unruhige Melodie auf dem weichen Boden.

Joey ĂŒberlegte, welche Möglichkeiten er hatte, ungesehen am Mann vorbei zu kommen, da öffnete der MĂŒĂŸiggĂ€nger schon seine Augen, als hĂ€tte er die Anwesenheit des zaudernden Joeys gespĂŒrt, und starrte zu ihm herĂŒber. Eilig stand er auf und wischte sich Gras von den schmutzigen Kleidern. Er trug einen braunen Pullover, der ihm mindestens zwei Nummern zu klein war, und alte Hosen in einer ganzen Ă€hnlichen Farbe und Beschaffenheit. Am Boden und jetzt erst fĂŒr Joey zu sehen stand eine zu einem Drittel geleerte Flasche; billiger Schnaps, wie Joey vermutete. Durch all diese EindrĂŒcke wurde der Mann in eine Ecke gedrĂ€ngt, die es Joey ermöglichte, Dominanz dort zu prĂ€sentieren, wo sonst nur MittelmĂ€ĂŸigkeit und Verdruss war.

"Was tun Sie hier?", fragte er. Er hörte seine eigene Stimme laut in seinem Kopf dröhnen. Durch die LautstĂ€rke schien sie gleichzeitig tiefer und brummiger geworden zu sein. Sie erzeugte eine angenehme Vibration in seinem Kehlkopf. Warum redete er nicht immer so? Wie um seiner Stimme nochmals die Möglichkeit zu geben, ihre StĂ€rke zu zeigen, fĂŒgte er hinzu: "Dies ist PrivatgelĂ€nde!"

"Entschuldigung", nuschelte es aus dem Mund seines GegenĂŒbers zurĂŒck. "Das wusstÂŽ ich nicht."

"Das Management sieht es nicht gerne, wenn Eindringlinge hier herumstreunen", sagte Joey herrisch, ohne weiter darauf einzugehen, wer sich hinter dem Management verbergen mochte.

"Ich streune ja hier nicht herum. Ich..." Der Mann glotzte Joey an, dann blickte er plötzlich zu Boden, als wĂŒrde ihn mit Furcht erfĂŒllen, was er dort sah. "Ich wollte nur eine Pause machen."

NachdrĂŒcklich schĂŒttelte Joey mit dem Kopf. Ein wenig machte es ihm Spaß, den Kerl derart bloßzustellen. "Überall", sagte er, "aber nicht hier. Die Welt ist groß genug. Suchen Sie sich einen Platz, an dem Sie ungestört Ihrer BeschĂ€ftigung nachgehen können." Dann hob er die Arme in einer entschuldigenden Geste leicht an. "Das Management hat mich befugt, sĂ€mtliche Maßnahmen zu ergreifen, die nötig sind, fĂŒr Ruhe zu sorgen. Tut mir wirklich leid."

Der Mann legte sein schmutziges Gesicht in betrĂŒbte Falten und nickte. "Ich verstehe."

"Nichts fĂŒr ungut."

Der Mann erwiderte nichts darauf, sondern ergab sich in sein Schicksal, klaubte seine Flasche auf und ging mit schlurfenden Schritten davon.

Joey atmete hörbar auf. Es dĂ€mmerte ihm, dass seine Leistung die eines guten Schauspielers wĂŒrdig gewesen war. "Nichts fĂŒr ungut", murmelte er mit seiner neu entdeckten Intonierkunst und kicherte, wĂ€hrend er dem Mann hinterher schaute, der sich, um den Weg abzukĂŒrzen, durchs Buschwerk kĂ€mpfte und bald darauf aus Joeys Blickfeld verschwunden war.


Das GebÀude mit der Nummer neun wirkte zwischen seinen wuchtigeren Nachbarn unscheinbar und armselig. Da es, wie Joey aus Stantons kurzer Beichte wusste, ein Geheimnis wahrte, wirkte es auf ihn gleichzeitig auch wie eine unausgesprochene Drohung.

Scheiß drauf!, dachte er mit einer Verbissenheit, die seine ZĂ€hne zum Knirschen brachte, und machte einen großen Schritt auf das verwilderte GrundstĂŒck zu. Es handelte sich um ein zweistöckiges, recht schmales, aber langgezogenes GebĂ€ude mit einer schmutziggrauen Fassade und einem flachen Dach. Joey schaute auf zwei mit RolllĂ€den geschĂŒtzte Fenster – wie zwei geschlossene Augen, dachte er – links und rechts der rostigen EisentĂŒr, ĂŒber welcher in beinah völlig verblassten Lettern der Name der Firma geschrieben stand, die frĂŒher einmal hier ihren Sitz gehabt hatte. Joey ĂŒberlegte, ob Stanton auch einmal einer ihrer Mitarbeiter gewesen war.

Von weit entfernt hörte er ein klirrendes GerĂ€usch, als fiele ein MetallstĂŒck zu Boden. Er wusste, dass in einigen Fabriken immer noch gearbeitet wurde. Da er nicht gesehen werden wollte, beendete er seine nachlĂ€ssige Inspizierung des GebĂ€udes und trat auf die TĂŒr zu. Er murmelte ein Wort der Überraschung, als er feststellte, dass sie nicht verschlossen war, wie es die ganze Zeit seine BefĂŒrchtung gewesen war. Diese NachlĂ€ssigkeit musste er dem Toten zu verdanken haben.

Hinter der Öffnung fĂŒhrte ein langer und dunkler Gang tiefer in den kalten Schlund des Hauses hinein. Joey stand auf der Schwelle, sĂ€uberlich aufgeteilt von Licht und Schatten, die um ihn rangelten, und lauschte in die DĂ€mmerung hinein, aber er vernahm keinen Laut. Totenstill, dachte er und er spĂŒrte, wie KĂ€lte ĂŒber seinen RĂŒcken wanderte.

Langsam und stĂ€ndig bestrebt, jedes Detail, das er sah, hörte oder roch, in sich aufzunehmen, betrat er das alte GebĂ€ude. Er entdeckte einen altmodischen schwarzen Lichtschalter und betĂ€tigte ihn. Joey verzog das Gesicht, als er die dicke ölige Staubschicht bemerkte, die das Plastik bedeckte. Schon jetzt, kaum dass er einen Fuß hinter die Schwelle gesetzt hatte, wĂŒnschte er sich wieder fort; der Dreck und die Dunkelheit und Stantons Geheimnis, das hier herumlungerte, waren womöglich nichts fĂŒr seine schreckhaften Sinne. Doch dann dachte er an sein tristes Zimmer in Main Church, in dem die Luft schwer war von vernachlĂ€ssigten TrĂ€umen und er schĂŒttelte trotzig den Kopf.

Klackend und summend flackerten die Neonröhren an der Decke auf, aber sie konnten den Gang kaum erhellen. Die Röhren, sah er, waren ebenfalls mit Staub und einer unkenntlich miteinander verwobenen Schar aus toten Insekten bedeckt. Vereinzelt sah er zuckende Beine oder FlĂŒgel, aber das lag vermutlich eher an dem Luftzug, der durch die offene TĂŒr wehte.

Nach wenigen Schritten bemerkte er an der Wand auf seiner rechten Seite eine verschlossene TĂŒr, neben der ein Fenster eingelassen war. Das Glas war derart verschmutzt, dass Joey einige Male mit dem Ärmel seiner Jacke den Ă€rgsten Dreck fortwischen musste. Er schaute durch den schmalen Streifen, den er geschaffen hatte, aber dennoch konnte er nicht viel erkennen; schemenhafte Umrisse eines altmodischen Schreibtisches aus hellem Holz, verschiedene GegenstĂ€nde wie Telefon und eine Lampe darauf, einige StĂŒhle und in der Ecke einen offenen Aktenschrank.

Die Reizlosigkeit, die dieser Blick in die verschwommene DĂŒsternis offenbarte, war verstörend. Joey stierte darauf und versuchte, diesem abscheulichen Bild einen Namen zu geben, einen Begriff, der sich wie ein KrebsgeschwĂŒr in sein GedĂ€chtnis einnisten und ihn auffressen konnte. Aber dieser Versuch lebte nur wenige Augenblicke, dann verlor er seinen Reiz und Joey wandte sich ab von diesem Stilleben. Erstaunt stellte er fest, dass Schweiß auf seiner Stirn stand und sein Atem so schnell ging, als sei er gerannt.

Wovor habÂŽ ich Angst?, fragte er sich, aber er bekam keine Antwort.

Er ging weiter den Gang entlang, seine Schuhe, obgleich sie kaum mit dem rauen Betonboden in BerĂŒhrung kamen, erzeugten die einzigen GerĂ€usche, ansonsten war das GebĂ€ude in völliger Ruhe erstarrt. Der schwache Schein der Neonröhren hatte von irgendwoher Insekten herangelockt, welche unentwegt das Licht und ihre toten Artgenossen umschwirrten. Joey wischte sie mit einem Anflug von Panik fort, wenn sie ihm zu nahe kamen. Er mochte keine Insekten, besonders solche, die mit schnellen und unkontrollierten Bewegungen durch die Luft flogen, waren ihm verhasst.

Es gab weitere TĂŒren, die er passierte, und sie alle waren verschlossen, aber nach der HĂ€lfte der Strecke konnte Joey bereits erkennen, dass im Schloss der letzten TĂŒr ein SchlĂŒssel steckte und er war sicher, dass er dort auf Stantons Geheimnis traf.

Bevor er die TĂŒr öffnete, legte er ein Ohr an die kalte OberflĂ€che und lauschte mit geschlossenen Augen, aber er vernahm nichts, das auf eine Gefahr hindeutete. Leise, als wĂŒrde zuviel LĂ€rm einen möglichen Bewohner wecken und reizen, zog er die TĂŒr auf. Dunkelheit und eine aufgestaute Wand aus höllischem Gestank kippten ihm entgegen und Joey taumelte zwei, drei Schritte zurĂŒck, sein Gesicht war verzerrt im BemĂŒhen, den Inhalt seines aufgepeitschten Magens zurĂŒckzudrĂ€ngen. Gebeugt blieb er stehen, TrĂ€nen und Speichel rannen aus Augen und Mund. Nur langsam ließ der WĂŒrgereiz nach. Mit einer unsicheren Hand wischte er sich den TrĂ€nenschleier fort und blinzelte zur TĂŒr hinĂŒber. Kleine schwarze Punkte taumelten bis zur Schwelle oder knapp darĂŒber hinaus und verschwanden dann wieder im Dunkel: Fliegen! Joey verzog den Mund. Es kostete ihn nun sehr viel Überwindung, wieder Kurs auf die jetzt wie eine Drohung wirkende Schwelle zu nehmen. Etwas Schreckliches lauerte hinter ihr, das war Joey nun klar. Wenngleich der Reiz des Geheimnisses nun nicht mehr sein kindlich-unschuldiges Gewand trug, sondern von etwas GrĂ€sslich-Blutigem umhĂŒllt war, konnte Joey ihm immer noch nicht widerstehen.

Er durchbrach das surrende Gewusel der fetten, wohlgenÀhrten Fliegen, welche ihm, feigen WÀchtern gleich, bedrohlich nah kamen, ihn jedoch nicht aufhielten.


Sein erster Blick, als er die Schwelle zum unheilvollen Raum ĂŒberschritt, galt der gegenĂŒberliegenden Wand, die in Wallung geraten war. Einzelne schwarze Farbkleckse schienen aus dem starren GefĂŒge heraus zu tropfen, andere nach oben hin weg zu platzen. Joey starrte stirnrunzelnd auf dieses RĂ€tsel, bis er es endlich lösen konnte. Er begriff, dass es Insekten waren, welche wild umherwuselten, als sie Luft und Fleisch bemerkten, die zur TĂŒr hereingekommen waren; unzĂ€hlige, sich gegenseitig fressende, begattende, ertastende Insekten. Ihre kleinen Stimmen wisperten und brummten aus dem Dunkel zu ihm herĂŒber, dass es ihm kalt den RĂŒcken runterlief. Jetzt, da er sie erspĂ€ht hatte, konnte er auch ihre Leiber hören, wie sie ĂŒber Gestein und abgesondertem Schleim krochen und liefen. Beobachteten sie ihn? Beinah konnte er den tausendfachen Blick aus ihren Stecknadelaugen spĂŒren.

Einige flogen nah an ihn heran, an seinem Gesicht vorbei oder ĂŒber seinen Kopf. Er unterließ es diesmal, sie mit hektischen Bewegungen davon zu jagen. Er wollte sie und die noch wartende Armee im Hintergrund nicht reizen.

Die grauenhafte Konfrontation raubte ihm beinah jeglichen Elan, dem Geheimnis auf der Spur zu bleiben, und so war mehr ein Reflex als Absicht, dass er nach einem Lichtschalter tastete, ihn fand und betĂ€tigte. Das Licht war kaum durchschlagkrĂ€ftiger als jenes im Gang, aber es genĂŒgte, ihn das Wesentliche erkennen zu lassen. Zögernd schĂ€lten sich die grauenhaften Details aus der DĂ€mmerung und brannten sich wie ein Blitz in Joeys vor Furcht geweitete Augen.

Der Raum hatte tatsĂ€chlich einen Bewohner und der Gestank, den Joey nun benennen konnte, strömte und sickerte aus seinen Poren. Es war beinah wie im Wald, dachte Joey. Es war Stantons Duft, den Joeys Nase aufsog, nur war er hier ungleich intensiver, da es hier in der Zelle keine Brisen gab, die ihn verdĂŒnnen konnten. Hier war Verwesung am Werk, unverfĂ€lscht und bitter; feuchtes Fleisch und erstarrtes Blut.

Joey blickte auf eine schmale Pritsche links an der Wand, auf der ein bis zum Hals von Laken umhĂŒllter Körper lag.

"Mein Gott!", stieß er hervor, dann folgten weitere Worte, die er als unsinnigen Kauderwelsch vernahm und vergaß. Innerlich war er fĂŒr einen Moment wie erstarrt, sein Herz schien in einem alten GemĂ€uer zu schlagen und das Blut durch finstere KanĂ€le zu strudeln. Seine Augen verströmten mit einem heißen Glanz die Panik, die er verspĂŒrte. Fette Fliegen torkelten gegen sein Gesicht, eine versuchte brummend, sein rechtes Ohr zu entern, aber er schĂŒttelte sie davon.

Die Leiche hatte blondes Haar und ein eingefallenes, zur geschlechtslosen Skizze zerfressenes Gesicht. Auf dem Laken hatten sich große dunkle Flecken gebildet. Trotz des FĂ€ulnisgestanks, der so eifrig Joeys Galle lockte, als wĂŒrde zwei unsichtbare Finger seinen Rachen ausloten, tat Joey einen Schritt auf die TodesstĂ€tte zu, wĂŒrgend und mit trĂ€nenden Augen, dann noch einen und einen weiteren, bis er schließlich sein Ziel erreichte und die Gestalt hĂ€tte berĂŒhren können, die reglos vor ihm lag.

Ihr Mund grinste ihm mit gebleckten ZÀhnen entgegen, das weiche Fleisch der Lippen sÀuberlich abgenagt von den ihn umschwirrenden Bestien.

Die summende Wand aus Insekten regte sich und Joey linste erschrocken in ihre Richtung. Formierten sie sich zu einem Angriff? Aus der wuselnden Masse wurden immer wieder einzelne Exemplare ausgespuckt, die ihm in der Enge des Raums sehr nah kamen und dann wieder abdrehten. Sie vegetierten in Schichten ĂŒbereinander, erkannte Joey, Lagen von mehrbeinigem Fleisch ĂŒber Fleisch, welches nur kriechend und langsam vorankam. Fliegen waren in der Überzahl, wie er vermutete, aber es waren auch viele Maden und anderes kriechendes GewĂŒrm dabei. Sie befanden sich hier im Paradies, wusste Joey, solange ihnen das Fleisch als Futter, wĂ€rmendes Bett und GeburtsstĂ€tte diente, wĂŒrden sie gedeihen.

Sein Blick zuckte zurĂŒck zum Leichnam, zweifellos eine Frau.

Nein, korrigierte er sich sofort, keine Frau, sondern ein MĂ€dchen, dessen Namen er nun auch kannte: Julia.

Joey durchblĂ€tterte die SchnappschĂŒsse, die sich vor seinen Augen auftaten: gelesene Artikel, Fotos des zu Beginn des Winters entfĂŒhrten MĂ€dchens, die weinende Mutter, der bittende Vater.

Das also war Stantons VermĂ€chtnis. SpĂ€ter konnte Joey vielleicht darĂŒber nachdenken, ob es eine ĂŒble Laune des Schicksals war, dass er nach dem TĂ€ter auch das Opfer fand; jetzt jedoch wollte er sich nicht mit solchen Fragen beschĂ€ftigen. Wie konnte Philosophie bestehen angesichts des puren Grauens, das er sah und empfand.

Er sah keine Zeichen von menschlicher Gewalt, also war Julia vermutlich verdurstet und verhungert oder an Kummer gestorben. Warum war Stanton zum Schluss offenbar nicht mehr zu ihr gegangen, um sie mit Nahrung zu versorgen und ihr einzureden, dass sie bald wieder frei wĂ€re? Warum hatte er sie aufgegeben und war zum Mörder geworden, der keinen anderen Ausweg sah, als sich schließlich selbst Gewalt anzutun?

Joey zuckte mit den Schultern. Diese Antworten hĂ€tten ihn interessiert, aber er wusste, dass er sie niemals im Dickicht menschlicher IrrefĂŒhrungen entdecken wĂŒrde. Von Tragödien blieb selten mehr ĂŒbrig als das, worauf er nun schaute: traurige Überreste und offene Fragen.

Ihre geöffneten, zur Decke gerichteten Augen hatten keinen Blick mehr; der frĂŒhere Glanz in ihnen war zu einer grauen Masse geronnen und tief in den SchĂ€del eingesunken. An der Nase der Leiche hing ein zitterndes BĂŒndel aus GewĂŒrm und fraß sich geduldig durch das Fleisch des MĂ€dchens. Er beobachtete das Ungeziefer, das sich aus sich selber schuf. Maden krochen aus den Höhlungen des verdorbenen Fleisches und wieder hinein. Der lippenlose Mund des MĂ€dchens war derart angereichert mit kriechendem Leben, dass Joey es leise aus ihm schmatzen hörte; wie ein Kind mit schlechten Manieren.

Aus totem Leben entstand tausendfach neues, dachte Joey schaudernd.

Eine Zeile aus einem melancholischen Artikel ĂŒber Julia fuhr ihm in den Sinn, in dem es geheißen hatte, wie wichtig ihr die Natur gewesen war, wie sehr sie die gesamte Schöpfung geliebt hatte.

Welch ein Widerspruch!, dachte er und wunderte sich ĂŒber die Verbitterung, die diesem Gedanken folgte und die ihn dazu brachte, die HĂ€nde zu FĂ€usten zu ballen. Das MĂ€dchen konnte keiner Fliege etwas zu Leide tun, aber die Fliegen ihm hingegen durchaus.

Ein Zittern durchfuhr ihn, wĂ€hrend er dem Schmaus der hungrigen Schöpfung folgte. Dem Schauspiel haftete nichts an, mit er dem seine Wut hĂ€tte lindern können. Die Natur war ein Monster, sah er jetzt, das seinesgleichen fraß. Daran war nichts Verniedlichendes. Er hatte nie Angst vor dem Tod gehabt – jetzt war sie plötzlich da; mit hĂ€mmernden SchlĂ€gen war sie drauf und dran, die dĂŒnne Schicht aus Gelassenheit zu durchbrechen. Auch ihn wĂŒrden sie StĂŒck fĂŒr StĂŒck ausnehmen und fressen, mit MĂ€ulern, Klauen und ihren SĂ€uren, mit dem sie ihn aufweichen konnten.

Langsam wischte er sich mit einer zitternden Hand ĂŒber das Gesicht und wandte den Blick ab von der Leiche. Die Bewegung seiner Hand erstarb, als er den Gegenstand bemerkte, der am Boden stand, zum Großteil verdeckt durch die Pritsche. Er trat einen Schritt zurĂŒck und sah, dass es sich um einen Lederkoffer handelte; ein teures StĂŒck, stellte er fest, als er ihn zu sich heranzog, und nicht nur deshalb völlig fehl am Platz. Der Zwillingslaut der nach oben schnappenden MetallverschlĂŒsse dröhnte wie ein Pistolenschuss in seinen Ohren. Zahlreiche Insektenleichen rutschten vom glatten Leder, als Joey den Koffer öffnete.

Mit aufgerissenen Augen starrte er auf den Inhalt und versuchte, seiner widersprĂŒchlichen GefĂŒhle Herr zu werden. Er stöhnte leise auf, als ein Taumel ihn erfasste, der seinen Blick verschwimmen ließ. Aber das Bild hatte sich bereits so sehr in sein Hirn eingebrannt, dass er sich genauso gut auch die Augen aus den Höhlen hĂ€tte kratzen können; es wĂ€re ihm stets prĂ€sent geblieben.

Er grub seine HĂ€nde in die zahllosen BĂŒndel aus Geld und hörte ihr geheimnisvolles Knistern und Rascheln.

Das Lösegeld!, schoss es ihm wie ein Blitz durch den Kopf. Sie hatten das Geld gezahlt, obwohl das Kind zu diesem Zeitpunkt offensichtlich bereits tot gewesen war. Dann war dies die letzte menschliche Tat Stantons gewesen, bevor er die tödliche Schlinge in das Seil knotete: voller Reue, Schmerz und Angst den Koffer zu dem MĂ€dchen zu bringen. Glaubte er an Gott und wollte dessen Zorn auf ihn abmildern? Das Fegefeuer, in dem der Mann nun schmorte, war sicherlich immer noch heiß genug, mutmaßte Joey.

Ein Laut wie Jauchzer und Lachen in einem entfuhr seinem Mund, Gestank und summende Insekten waren auf ein zu vernachlĂ€ssigendes Minimum reduziert. Er nahm eines der BĂŒndel, das sicherlich tausend Dollar schwer war, in die Hand.

Es gab nichts, was Joey mit dem Geld tun konnte, außer es sein eigen zu nennen. Niemand besaß grĂ¶ĂŸeren Anspruch darauf als er und er wusste, Stanton und Julia wĂ€ren seine VerbĂŒndeten gewesen. Er war angesichts ihres hĂ€sslichen Todes nicht davongelaufen, um sie ihrem traurigen Schicksal zu ĂŒberlassen – gab es einen grĂ¶ĂŸeren Beweis fĂŒr die Richtigkeit seiner Überzeugung?

Das Geld gehörte ihm! Selbst die Angriffslust der surrenden Fliegen schien fĂŒr einen Moment einzuschlafen, als spĂŒrten sie seine Entschiedenheit.

Er schreckte auf, als er ein leises Scharren hinter seinem RĂŒcken vernahm, doch er konnte es nicht zuordnen. Der Taumel aus unglĂ€ubiger Freude und jĂ€h erblĂŒhten alten TrĂ€umen machte ihn trunken und unbeholfen. Er wandte genau in dem Moment den Kopf, als ein Hieb auf ihn niedersauste und ihn ĂŒber dem linken Ohr traf. In seinem Innern schien ein lodernder Feuerball aufzuplatzen, der seinen SchĂ€del zu sprengen drohte. Der Schmerz war so groß, dass er es unterließ, einen Schrei auszustoßen, aus Angst, sein Leben könnte mit ihm entweichen. Mit einem matten Laut kippte er zur Seite, in einem blinden Reflex streckte er beide Arme aus und umklammerte den harten Rand der Pritsche. Trotz des ihn betĂ€ubenden Schmerzes registrierte er das kalte Laken und den noch kĂ€lteren Körper, den es schĂŒtzte.

Wieder dieses Scharren und er wusste, dass er auf verlorenem Posten stand. Diesmal war es ein gemeiner Tritt in die Magengrube. Joey krĂŒmmte sich zusammen und lag wie ein monströser Embryo halb unter der TotenstĂ€tte und rang nach Atem. Die Farbe von Blut schimmerte hinter seinen Augen; dahinter drohte tiefe SchwĂ€rze. Er begriff nicht, wie die Situation sich so schnell hatte wandeln können. Ein ungewohntes GerĂ€usch schrillte zwischen seinen Ohren hin und her, als sei irgendetwas mit dem ersten Schlag in ihm entzwei gegangen.

"Ich wusste doch, dass du nicht der bist, fĂŒr den du dich ausgegeben hast, Mistkerl!"

Joey kannte die Stimme, aber es dauerte eine Weile, bis er sie dem Mann zuschreiben konnte, den er wenige Minuten zuvor noch davongejagt hatte.

"HabÂŽ dich beobachtet, wie du hier eingebrochen bist." Die Stimme kam nĂ€her, als sei der Kerl in die Hocke gegangen. "Du Scheißkerl hast die Kleine umgebracht, was? An Kindern kannst du dich vergreifen, was?"

"Nein." Das Wort troff zÀh wie Glut aus Joeys Mund. Nur ein Wort, aber er war bereits mit seinen KrÀften am Ende.

"Hast dich an ihr vergriffen, nehmÂŽ ich an. Und sie dann hier sich selbst ĂŒberlassen."

"Nein", keuchte Joey unter Aufbringung aller KrĂ€fte, da ihm dĂ€mmerte, dass Worte seine einzige verbliebene Waffe waren; sein zerschundener Körper konnte seinem Gegner höchstens noch ein mĂŒdes LĂ€cheln abringen. "Sie irren sich", fiepte er. Er spĂŒrte das Getippel leichfĂŒĂŸiger Wesen in Gesicht und Nacken. Es störte ihn nicht; nun, da die Gefahr von anderer Seite drohte, hĂ€tte er sich unter Bergen dieser Viecher verkrochen, um in Sicherheit zu sein. "Ich..."

Den Rest seiner ErklĂ€rung brachte er nicht ĂŒber die
Lippen, da ihn ein neuerlicher Tritt traf. Mit dem Hinterkopf knallte er gegen ein Bein der Liege, die polternd verrutschte. Was der Mann zu ihm sagte, vernahm er nur als undeutliches Rauschen. Vage nahm er eine Bewegung in seinem Blickfeld wahr, dem ein metallisches GerĂ€usch folgte. MĂŒhsam hob er den Kopf, es kam ihm so vor, als hielte ein tonnenschweres Gewicht ihn unten. Der Koffer klemmte nun unter dem Arm seines Bezwingers, der seinen Mund zu einem breiten Grinsen verzog.

"Dein Management wird sicher die richtigen Entscheidungen treffen. Es wird kommen und dich befreien, nehme ich an. Und dann wird wieder alles in Ordnung sein, richtig?"

Joey sah eine Kolonie von Maden, die ĂŒber seine HĂ€nde krochen und er zerquetschte sie schaudernd zu einer farblosen Masse. Taumelnd kam er in die Höhe, das Blut rauschte unheilvoll in seinem Kopf und er hatte MĂŒhe, das Gleichgewicht zu bewahren.

Der Mann, mittlerweile auf der Schwelle der TĂŒr stehend, redete weiter. "Musst nur ein wenig Geduld haben. Die Kleine dort wird dir zeigen, wie einfach es ist zu warten."

"Warten Sie", keuchte Joey; die Panik rĂŒttelte an ihm wie ein Guss aus eiskaltem Wasser. "Bitte, gehen Sie nicht!"

Der Mund des Mannes klaffte zu einem bösen LĂ€cheln auf. "Nichts fĂŒr ungut." Die Worte schwebten noch in der Luft, als er die TĂŒr bereits hinter sich zuzog. Dem Dröhnen der schweren TĂŒr folgte leiser das knirschende Mahlen des SchlĂŒssels, der draußen im Schloss gedreht wurde.

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HFleiss
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Das Geheimnis des Toten

Eine spannende Geschichte. Wobei mir der Schluss irgendwie nicht ganz erklĂ€rlich ist, ich hĂ€tte ihn im Zusammenhang mit Stanton vermutet - aus dramaturgischen GrĂŒnden. Nicht ganz klar ist mir die Rolle des Unbekannten: ein Kumpan von Stanton? Mir fehlt ein bisschen die ErklĂ€rung. Es gibt ein paar gutgeschriebene, dennoch LĂ€ngen. Vielleicht solltest du, so schwer es fĂ€llt, auf ein bisschen Text verzichten um der Spannung Willen?

Hanna

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sb
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Hallo Hanna,

vielen Dank fĂŒr Deinen Kommentar. Wahrscheinlich hast Du Dir ĂŒber den Schluss zuviel Gedanken gemacht, im Grunde verhĂ€lt es sich ziemlich simpel. der Unbekannte ist letztlich nichts weiter als eine zufĂ€llig auftauchende Person, die ins Geschehen eingreift, weil sie Verdacht schöpft. Mit Stanton hat sie nichts zu tun.

Es ist aber gut, dass Du nachfragst. So ergibt sich fĂŒr mich die Notwendigkeit, das vielleicht eindeutiger zu beschreiben.

Eine KĂŒrzung im eigenen Text vorzunehmen, ist ungefĂ€hr immer so angenehm wie eine Amputation, aber dennoch oft unvermeidlich. Gewiss lĂ€sst sich hier die eine oder andere Passage kĂŒrzen. vielleicht werde ich das noch in Angriff nehmen.

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Dominik Klama
???
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Dem Toten widerstrebten die BerĂŒhrungen

Ein Mann, Bewohner einer apokalyptisch dĂŒsteren Industriegegend, findet im Wald die Leiche eines erhĂ€ngten Selbstmörders, nimmt dessen Sachen an sich und entdeckt anschließend in der Wohnung des Toten Anzeichen fĂŒr ein Verbrechen, das in einer Fabrikruine stattgefunden hat. Auf dem Weg dorthin verscheucht er einen herumlungernden Alkoholiker. Durch Leichengestank und Unmengen von Fliegen und Maden kĂ€mpft er sich einen Weg frei bis zu einer verwesenden MĂ€dchenleiche. Anscheinend hatte der ErhĂ€ngte das Kind entfĂŒhrt und sehr viel Geld fĂŒr dessen Freilassung erpresst. Doch das MĂ€dchen ist unter unaufklĂ€rbaren UmstĂ€nden zu Tode gekommen. Das Geld ist noch da. Der Mann will es stehlen, fĂ€llt aber seinerseits jetzt dem Alkoholiker zum Opfer, der ihn fĂŒr einen Sittenstrolch und Kindsmörder hĂ€lt, ihn zusammen mit der Kinderleiche einsperrt, damit auch er stirbt.


Mir ist als „Beantworter“ von BeitrĂ€gen Anderer mehrfach gesagt worden, ich wĂŒrde viel zu viel Worte machen. Man könne alles viel rascher auf den Punkt bringen.

Das habe ich mir jetzt mal zu Herzen genommen. Ich gebe allen Lesern die Gelegenheit, viel Zeit zu sparen, indem ich den ĂŒberquellenden Wortwust von „Das Geheimnis des Toten“ auf die wenigen unverzichtbaren Highlight-SĂ€tze eindampfe.



> „Joey ... stapfte ... in den Wald, der ihn fĂŒr eine weitere Nacht und einen weiteren Morgen der Stadt ausliefern wĂŒrde.“

> „Der Dreck und die Dunkelheit und Stantons Geheimnis, das hier herumlungerte, waren womöglich nichts fĂŒr seine schreckhaften Sinne.“

> „Dort lag ein Tier, ein Hund, ein toter Hund, der ein Opfer von Fliegen und Luft gefunden war.“

> „Dem Toten widerstrebten die BerĂŒhrungen.“

> „Die Natur war ein Monster, sah er jetzt, das seinesgleichen fraß. Daran war nichts Verniedlichendes.“

> „Zögernd schĂ€lten sich die grauenhaften Details aus der DĂ€mmerung und brannten sich wie ein Blitz in Joeys vor Furcht geweitete Augen.“

> „Es kostete ihn nun sehr viel Überwindung, wieder Kurs auf die jetzt wie eine Drohung wirkende Schwelle zu nehmen. Etwas Schreckliches lauerte hinter ihr, das war Joey nun klar.“

> „Die Panik rĂŒttelte an ihm wie ein Guss aus eiskaltem Wasser.“

> „Es dĂ€mmerte ihm, dass seine Leistung die eines guten Schauspielers wĂŒrdig gewesen war.“

> „Oft waren sie einander gleich in ihren Köpfen, wenn es darum ging, dieses Prinzip purer MittelmĂ€ĂŸigkeit zu unterwandern.“

> „Warum hatte er sie aufgegeben und war zum Mörder geworden, der keinen anderen Ausweg sah, als sich schließlich selbst Gewalt anzutun?“

> „Diese Antworten hĂ€tten ihn interessiert, aber er wusste, dass er sie niemals im Dickicht menschlicher IrrefĂŒhrungen entdecken wĂŒrde.“

> „Es gab nichts, was Joey mit dem Geld tun konnte, außer es sein eigen zu nennen.“

> „Der Schmerz war so groß, dass er es unterließ, einen Schrei auszustoßen, aus Angst, sein Leben könnte mit ihm entweichen.“

> „Der Koffer klemmte nun unter dem Arm seines Bezwingers, der seinen Mund zu einem breiten Grinsen verzog.“

> „Sein zerschundener Körper konnte seinem Gegner höchstens noch ein mĂŒdes LĂ€cheln abringen.“

> „Joey stierte darauf und versuchte, diesem abscheulichen Bild einen Namen zu geben, einen Begriff, der sich wie ein KrebsgeschwĂŒr in sein GedĂ€chtnis einnisten und ihn auffressen konnte.“



Solche „sprachlichen Finessen“ werden auf einer von eins bis zehn ansteigenden Skala von den Lesern der Leselupe mit den Noten acht und neun bewertet. Von Moderatoren nach Jahren ausgegraben und als „Werk des Monats“ uns zur Erbauung dringlich ans Herz gelegt.

Na denn.


__________________
14.11.2015 Forum Lupanum Threads Höhe Zeit AufklÀrung Verteidiger: Es ist genug.

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