Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87708
Momentan online:
272 Gäste und 4 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Das Leben und Leiden vor dem ersten Mal
Eingestellt am 04. 09. 2007 23:21


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Janno
Hobbydichter
Registriert: Aug 2007

Werke: 4
Kommentare: 2
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Janno eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Verdammt, entweder will mich der Spiegel ├Ąrgern oder meine Haare f├╝hren ein Eigenleben und haben sich gegen mich verschworen. Wieso wollen sie gerade heute nicht so, wie ich will?!
Oh, bevor ich es vergesse - ich bin Logan. Okay, bisher nichts au├čergew├Âhnliches, doch es gibt da eine Sache, die f├╝r die meisten recht au├čergew├Âhnlich klingt. Ich bin sechsundzwanzig Jahre alt und hatte in meinem ganzen Leben noch nie ein richtiges Date. Klingt eigenartig? Glaubt mir, das ist es auch. Woran es liegt? Ich habe nicht die geringste Ahnung. Ich wei├č jedoch, dass heute alles anders werden soll.
Ein wichtiger Abend steht mir bevor. Ein gro├čer Schritt f├╝r mich, ein kleiner (oder eher gar kein) Schritt f├╝r die Menschheit. Sein oder nicht sein? Pizza oder Spaghetti? Ist eine fettige Pizza ├╝berhaupt das richtige f├╝r das erste Date? Spaghetti sind da doch viel dezenter und angebrachter. Und wenn ich da an Susi und Strolch denke, wo sie sich das Fleischb├Ąllchen mit der Nase entgegenrollen. Na gut, das w├╝rde bei diesem Date sicherlich nicht passieren, aber s├╝├č ist es trotzdem. Vielleicht sollte ich mit der Geschichte ganz vorne anfangen.

Es war einer dieser Samstagabende, an denen die meisten Leute auf die Piste gehen, literweise Alkohol in sich hineinsch├╝tten und beim Tanzen schwitzen wie die Tiere. F├╝r mich war das noch nie das Bild eines gelungenen und erf├╝llenden Abends. Mein bester Freund Denton pflegte immer zu sagen: \"Du musst die Nacht zum Tag machen. Das ist das wahre Leben.\" Ich hielt das alles f├╝r dummes Gerde und sah mir lieber DVDs in meiner kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung an. Ich hatte mir am Tag des Einzuges noch ein altes abgewracktes Stoffsofa aus der ├Ârtlichen M├Âbelfundgrube gekauft. Es hatte ein gro├čes Loch in seinem rot/gr├╝n karierten Bezug und es roch etwas nach nassem Hund. Einfacher gesagt: es war potth├Ąsslich. Aber eine Sache hat mich an dieser muffigen Couch sofort angesprochen: sie war g├╝nstig. Sie war sogar sehr g├╝nstig. Zwanzig M├╝cken hab ich f├╝r dieses alte Teil hingebl├Ąttert. Und so fl├Ązte ich mich jedes Wochenende auf eben dieses Sofa und schaute mir Filme s├Ąmtlicher Jahrzehnte an. Von dem Klassiker \"Nosferatu\", bis hin zu aktuellen Blockbustern wie \"Fluch der Karibik\".
Eigentlich hatte ich auch an diesem letzten Wochenende vor gehabt, mich voll und ganz dem Glanze Hollywoods hinzugeben, doch pl├Âtzlich stand Denton vor meiner T├╝r und rief hysterisch durch das Haus, in dem meine Wohnung ist, noch bevor ich die T├╝r ├Âffnen konnte. \"Aaaaaaaaaalter, du musst mit zu dieser absolut geilen Party! Halbnackte Chicas und k├╝belweise Alk! Mach schon auf und lass mich rein!\" rief er durch den Hausflur gegen meine wei├če, leicht gesplitterte Wohnungst├╝r. Ich schlurfte also langsam zur Wohnungst├╝r und sah durch den T├╝rspion. Dort sah ich Denton, der wie immer l├Ąssig gekleidet war. Labberige Skaterhosen und ein T-Shirt, worauf eine gro├če Hand abgebildet war, die den Stinkefinger zeigte. Darunter stand in gro├čen schwarzen Buchstaben \"THIS IS FOR YOU\". Und wie immer steckte in seinem rechten Ohr ein Ohrstecker, dessen anderes Ende in einen kleinen kompakten iPod f├╝hrte, den er unter seinem Shirt verstaut hatte. Er hielt es f├╝r unglaublich cool, mit nur einem Ohrstecker herumzulaufen, ohne das auch nur ein Ton daraus kam.
Ich ├Âffnete langsam die T├╝r und noch bevor er in die Wohnung getreten war, sagte er: \"Das wird der Hammer. Das wird der ab-so-lu-te Hammer.\" Ich schaute ihm verschlafen nach, wie er mit gro├čen Schritten zur Couch wanderte und sich wie ein nasser Sack hinein plumpsen lie├č. Ich schlurfte gem├Ąchlich zu der Armlehne des Sofas und setzte mich, w├Ąhrend ich Denton, der aufgekratzt wie nach einer ganzen Kanne Kaffee wirkte, mit einem verschlafenen Blick ansah. \"Und sonst so?\" fragte ich gelangweilt.
\"Junge, mach dich fertig. Du kommst mit zu der geilsten Party des Jahres. Nach, was rede ich?! Die geilste Party des Jahrtausends\", gab Denton aufgeregt zur├╝ck.
Er schaltete meinen Fernseher ab, sah zu mir auf und grinste bis ├╝ber beide Ohren. Da ich genau wusste, dass er nicht verschwunden w├Ąre, wenn er nicht meine Zusage bekommen h├Ątte, ging ich ins Schlafzimmer und zog mir die Jeans an, die am wenigsten Falten hatte und suchte mir ein T-Shirt, welches keinen d├Ąmlichen Spruch auf der Brust hatte. Ich zog meine schwarzen Schuhe der Marke Converse unter dem Bett hervor und schl├╝pfte rein. Da trotz Nieselregen eine f├╝rchterliche Hitze drau├čen herrschte, verzichtete ich an diesem Abend auf meine Jacke und ging zur├╝ck zu Denton ins Wohnzimmer, sah zu ihm herunter und sagte: \"Wenn das wieder so eine beschissene Technoparty ist, denn gnade dir Gott. Du schuldest mir was. Ich hoffe, dass dir das klar ist?\"
Denton sprang auf, packte mich und sagte: \"Wie auch immer. Alter, das wird unser Abend. Ich und mein bester Freund sind die Herren der Nacht. Also, ab geht\'s.\" Nun zog er mich mit zur Wohnungst├╝r, blieb aber noch im T├╝rrahmen stehen. \"Alter, hast du Kondome dabei? Man kann ja nie wissen?\" fragte er mich mit einem verschmitzten L├Ącheln. Ich sch├╝ttelte den Kopf. Als ob jemals Kondome n├Âtig gehabt h├Ątte. Ich war selten drau├čen und traf mich auch selten mit anderen Leuten, um irgendwas zu unternehmen. Ich war mehr wie ein Einsiedler, der seine Zeit alleine genoss. An M├Ądchen war in meinem Leben gar nicht zu denken. Ich sprach selten mit ihnen, au├čer wenn ich im Supermarkt an der Kasse stand oder im Kino Eintrittskarten kaufte.
Wir fuhren also zu diesem Club, der, wie Partybruder Denton sagte, der absolute Bringer sein sollte. Allein die Autofahrt war die reinste Tortur. Im Radio liefen die ganze Zeit Songs aus den Siebzigern, welche Denton alle auswendig kannte und lauthals mitsang. Ich dachte ich m├╝sste bei \"Stayin\' Alive\" langsam taub werden. Und um ehrlich zu sein, h├Ątte ich mir das in diesem Moment auch sehnlichst gew├╝nscht. Es dauerte gerade mal f├╝nfzehn Minuten, bis wir den Club erreichten. Ein normaler Autofahrer h├Ątte bestimmt gute f├╝nfundvierzig Minuten gebraucht, aber Denton ist ein verdammter H├Âllenjockey, der seinen Wagen bis zum Anschlag ausreizt. Es war immer wieder wie eine Achterbahnfahrt, wenn ich auf seinem Beifahrersitz platz nahm.
Der Club lag mitten in der Innenstadt und wirkte wie ein pomp├Âser Tempel. ├ťberall grelle Lichter, die sich in den Pf├╝tzen auf der Stra├če spiegelten. ├ťber dem Eingang prangte der Name des Ladens: JOLLY\'S FUNHOUSE. F├╝r mich klang es eher wie ein Puff, jedoch nicht wie ein Club oder einer Diskothek. Eine gro├če Schlange an Menschen stand vor dem gro├čen Eingang, der aus zwei gl├Ąsernen Schwingt├╝ren bestand. Ein bulliger T├╝rsteher, dessen kahler Kopf eine Flamment├Ątowierung zierte, winkte die Leute einem nach dem anderen herein. Und auch die Musik drang bereits zu uns durch. Es war beatlastiger Techno - mein schlimmster Albtraum. Ich wies Denton auf einen freien Parkplatz hin, w├Ąhrend er noch ganz aufgeregt zu der Leuchtschrift starrte und fast in ein anderes Auto krachte. Er bog in den freien Parkplatz ein und kam schlussendlich zum Stehen. \"Denn lass die Party beginnen\", sagte Denton selbstsicher. Ich murmelte lediglich ein leises und unmotiviertes \"Na yippie\" vor mich hin und stieg aus dem Auto.
Als wir den Eingang erreichten, schl├Ąngelten wir uns an der wartenden Meute vorbei und Denton wandte sich gleich an den T├╝rsteher: \"Terry, alter Kumpel. Wie geht\'s, wie steht\'s? L├Ąsst uns gleich rein, oder wie seh ich das?\" Ich schaute erst den T├╝rsteher an und schwenkte erstarrt zu Denton. Terry schlug ihm leicht auf seinen rechten Arm und sagte: \"Logo, geht ruhig rein und lasst es ordentlich krachen.\"
Immer noch erstaunt sah ich Denton an und fragte ihn, ob er jeden in dieser Stadt kennen w├╝rde. Er lachte nur und sagte mir: \"Mach dir dar├╝ber mal keinen Kopf. Hab einfach Spa├č und lass ordentlich die Puppen tanzen.\" Kaum hatte er den Satz zu Ende gesprochen, stand ich auch schon alleine neben der Tanzfl├Ąche. \"Super\" dachte ich mir und schaute mich ein wenig um, indem ich durch den verrauchten Club wanderte. Die Luft war abgestanden und roch nach Schwei├č, doch die umherwippende Meute schien das nicht zu st├Âren.
Dr├Âhnende Technobeats pusteten durch meine Ohren und ich wusste genau, dass ich sp├Ątestens in zwanzig Minuten Kopfschmerzen von dem Krach bekommen w├╝rde. ├ťberall waren tanzende Leute. Einige von ihnen waren nicht mehr bekleidet, als in diversen Schmuddelfilmen, die oft Nachts im Fernsehen liefen. Die Frauen waren zwar freiz├╝giger als die M├Ąnner, aber selbst die waren hier nur knapp betucht. BHs waren wohl ebenso ungern gesehen, wie T-Shirts oder Hemden. Die meisten M├Ąnner tanzten oben ohne ├╝ber die Tanzfl├Ąche. Zudem vermutete ich, dass Slips in diesem Laden auch eher eine Seltenheit waren.
Mit einem bleiernen H├Ąmmern im Kopf machte ich mich also auf den Weg an die Bar. Ein Zufluchtsort, an dem ich mich den Abend ├╝ber verkriechen konnte, ohne das mich irgendein tanzender Technojunkie anrempeln konnte. Ich setzte mich auf einen freien Barhocker und richtete meinen Blick auf den Barkeeper, der gerade einem t├Ąnzelnden M├Ądchen etwas zu trinken einschenkte. Mein Blick blieb starr auf ihr gerichtet, bis er auch mich bemerkte, auf mich zukam und mir zunickte. Ich bestellte eine einfache Cola und lie├č anschlie├čend meinen Kopf auf den Tresen knallen. Ich wusste genau, dass dieser Abend ein kompletter Reinfall werden w├╝rde und Denton nur nicht alleine fahren wollte. Tja, denn musste halt wieder herhalten - wie immer. Ich h├Ątte mich in diesem Moment von Keira Knightley oder Halle Berry verzaubern lassen k├Ânnen, doch stattdessen donnerte pausenlos Technoget├Âse in meinen Kopf.
Stundenlang verharrte ich in dieser Position, die aussah, als sei ich am Tresen gestorben. Ich mu├č zugeben, dass ich mir den Tod nicht schlimmer vorgestellt hatte, als in dieser Disco zu sitzen.
Pl├Âtzlich sp├╝rte ich einen stechenden Schmerz im R├╝cken, der mich blitzartig aufsehen lie├č. Ich streckte mich und dr├╝ckte mir eine Hand ins Kreuz. Ich lie├č meinen Blick in alle Richtungen schweifen und sah rechts neben mir ein junges M├Ądchen sitzen. Sie konnte nicht ├Ąlter als zweiundzwanzig Jahre alt sein. Eine H├Ąlfte ihres Gesichtes wurde von ihren schulterlangen schwarzen Haaren verdeckt, was sie geheimnisvoll erschienen lie├č. Au├čerdem gl├Ąnzte ein Ring an der rechten Seite ihrer Unterlippe hervor. Sie hatte ihre Fingern├Ągel schwarz lackiert, trug ein schwarzes Oberteil, welches wie ein Unterhemd aussah, und kurz ├╝ber dem Bauchnabel abgerissen wurde. Darauf war ein Totenkopf zu sehen. Unterhalb des Oberteils blitzte ein weiteres Piercing, diesmal in ihrem Bauchnabel. Sie trug einen schwarzen Rock, der kurz ├╝ber ihrem Knie endete. Gehalten wurde er mit einem Nieteng├╝rtel. Mein Blick wanderte an ihren makellosen Beinen herunter und traf auf etwas, was so nicht in dieses Erscheinungsbild passen wollte. Sie trug pinke Schuhe von Converse. Es traf mich wie ein Blitz. Ich glaubte zwar nie an Liebe auf den ersten Blick, aber was nun f├╝hlte, war ├╝berw├Ąltigend.
\"Hey, alles klar bei dir?\" fragte sie mit lauter Stimme, da die Musik fast ohrenbet├Ąubend war. W├Ąhrend sie mir diese Frage stellte, verpasste sie mir einen kleinen Sto├č gegen die Schulter. Ich bemerkte erst jetzt, dass ich sie die ganze Zeit ├╝ber angestarrt habe. Peinlich ber├╝hrt und leicht err├Âtet riss ich meine Augen weit auf und sagte erschrocken: \"Ja ja, klar. Alles super. Alles paletti. Alles in Butter. Alles total funky.\" Ich ballte vor ├ärger, wegen dem, was ich grad gesagt hatte, eine Faust hinter meinem R├╝cken. Etwas Bl├Âderes als \"Alles total funky\" h├Ątte ich wohl nicht sagen k├Ânnen, hm? Jetzt sa├č ich also meiner Traumfrau gegen├╝ber und sagte \"Alles total funky\". So wurde ein grausamer Abend zum schlimmsten Abend meines Lebens. Trotz meiner st├╝mperhaften Reaktion lachte die unbekannte Sch├Âne und sagte: \"Ja, alles total funky.\"
Um nicht noch in meiner Scham zu ersticken, lachte ich einfach herzlich mit, was jedoch mehr gespielt klang. Sie schaute mich an und fragte noch immer am├╝siert: \"Das ist dir peinlich, hm?\"
Mein Lachen flaute etwas ab und antwortete: \"Ja, schon ein wenig.\"
\"Ist doch kein Problem. Mein Name ist Patricia, aber Freunde nennen mich...na, wei├čt du\'s?\"
In meinem Kopf schwirrten diverse Spitznamen f├╝r sie herum. Erst fiel mir \"Engel\" ein, dicht gefolgt von \"Traumfrau\". Doch das waren nicht die einzigen Namen. Ich schaute ihr in die Augen und sagte einfach: \"Patty?\"
Sie nickte und l├Ąchelte mich an. \"Genau\", erwiderte sie.
Gott, was war das f├╝r ein L├Ącheln? Mir blieb fast die Luft weg und ich merkte, wie aufgeregt ich in ihrer N├Ąhe wurde. Ich war wie hypnotisiert. w├Ąhrend mir ganz warm wurde. Ich sp├╝rte ein Kribbeln im Bauch, was ich vorher noch nie gesp├╝rt habe und mir wurde etwas schwindelig. Was war blo├č los mit mir? Ich bekam schwei├čnasse H├Ąnde und mein Herz raste. Konnte es wirklich nur an diesem einen L├Ącheln gelegen haben? Ich war mir nicht sicher, konnte es mir aber nicht anders erkl├Ąren.
Ihr L├Ącheln verschwand, als sie ihren bestellten Drink bekam. Meine Nervosit├Ąt blieb jedoch weiterhin bestehen. Nachdem sie einen ordentlichen Zug aus ihrem Drink genommen hatte, stellte sie das Glas wieder vor sich auf den Tresen und musterte mich. \"Wie hei├čt du denn?\" fragte sie.
Ich war wie erstarrt und konnte kaum ein richtiges Wort heraus bringen. \"Wer? Ich? Mein Name? Ah, schon klar\", stammelte ich, nerv├Âs wie ich war.
\"Und? Wie hei├čt du denn nun?\" fragte sie in einem heiteren Tonfall.
\"Oooh, tschuldigung. Ich hei├če Logan. Logan Dingsda...├Ąhm...Logan Madsen. Genau, so hei├č ich.\"
\"Freut mich Logan. Ich bin normal nicht in solchen L├Ąden. Mir gef├Ąllt die Musik nicht, die Leute sind mir einfach zu nackt und die Drinks zu teuer. Bist du ├Âfter hier?\"
Langsam beruhigte ich mich wieder und meine Arme und Beine wurden wieder etwas lockerer. Am liebsten h├Ątte ich ihr erz├Ąhlt, dass mir dieser nikotinverseuchte Laden geh├Âren w├╝rde, damit ich sie irgendwie beeindrucken konnte, doch ich sagte ihr die Wahrheit: \"Nein, ich find es furchtbar hier. Ich finde die Musik auch grausig. Aber gegen nackte Leute hab ich nichts.\" Gro├čer Gott, ich hatte tats├Ąchlich gesagt, ich h├Ątte nichts gegen nackte Leute. Sie w├╝rde sicher glauben, dass ich ein kleiner Perverser bin und mich allein am Tresen sitzen lassen. Doch das tat sie nicht. Sie blieb neben mir sitzen und fing an zu lachen. Etwas irritiert lachte ich mit, obwohl ich nicht wusste, ob sie vielleicht ├╝ber mich in Gel├Ąchter ausbrach.
Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Denton auf uns zukam. Er legte den Arm um mich und sagte: \"Hey Alter, komm doch auch mal auf die Tanzfl├Ąche. Da geht doch die ganze Party ab.\" Er sah zu Patty r├╝ber und musterte sie von oben bis unten. \"Jesus, Maria und Josef. Sag mal Logan, willst du mir die nette Lady nicht mal vorstellen?\" fragte er mich in einem etwas ├╝berheblichen Ton. Das war wieder typisch Denton. St├Ąndig musste er den gro├čen Macker raush├Ąngen lassen und brachte mich von einer peinlichen Situation in die n├Ąchste. Ich l├Ąchelte verlegen und wurde ein weiteres Mal leicht rot im Gesicht. \"Denton, das ist Patricia. Patrica, das ist mein Freund Denton\", sagte ich und zeigte jeweils auf die jeweilige Person.
Patty sah mich entgeistert an. \"Oh, dein Freund? Wie lange seid ihr denn schon ein Paar?\", fragte sie neugierig. Ich erstarrte innerlich zu Stein und gab mir in Gedanken Ohrfeigen. Denton hingegen brach in schallendes Gel├Ąchter aus und hielt sich dabei den Bauch. War f├╝r ihn urkomisch zu sein schien, war f├╝r mich ein Schlag ins Gesicht. Ich stand meiner absoluten Traumfrau gegen├╝ber und sie dachte, ich sei schwul. Super. Jetzt konnte es wohl kaum noch schlechter werden, au├čer vielleicht, wenn ich mich eingen├Ąsst h├Ątte. Nachdem Dentons Lachen etwas abgeklungen war, sah er Patty an und sagte: \"Fein Patty, hat mich gefreut. Und jetzt mu├č ich auch wieder los. Da wartet noch ein hei├čes Eisen auf mich. Ciao bella.\" Somit verschwand er wieder in der schwitzenden Menschenmenge auf der Tanzfl├Ąche.
Patty schaute mich etwas besorgt an. \"Findest du das okay, wenn dein Freund mit anderen Kerlen rummacht?\" fragte sie. Ich gestikulierte wild mit den Armen umher, was sicherlich so aussah, als h├Ątte ich versuchen wollen zu fliegen. \"W-Was? Wie? Nein, um Gottes Willen. Wir sind doch nicht SOLCHE Freunde. Wir sind kein Paar. Ich kenne Denton schon seit dem Kindergarten. Er ist in Ordnung, nur immer etwas aufgedreht. Ganz anders als ich\", rechtfertigte ich mich und musste ein wenig zu grinsen anfangen. Patty nickte mir zustimmend zu: \"Ja, das kann ich mir vorstellen.\"
Sie nahm ihren Drink und leerte ihn mit einem langen Zug. \"So, es war nett, aber leider werd ich jetzt meine Freundin einsammeln und verschwinden. So sehr ich deine Gesellschaft auch genossen hab, ich werd jetzt abdampfen\", sagte sie mit ihrem unvergleichlichen L├Ącheln und gab mir die Hand zum Abschied. \"Mach\'s gut Logan Madsen.\" Auch ich verabschiedete mich und sah ihr nach, bis sie in dem Menschenpulk verschwand.
So ging diese Frau nicht nur aus meinem Sichtfeld, sondern auch aus meinem Leben. Irgendwie f├╝hlte ich mich in diesem Moment leer, als h├Ątte man mir mein Geld oder mein teures Fahrrad gestohlen. Doch das einzige, was mir gestohlen wurde, war mein Herz. Mein Herz schlug f├╝r Patricia und ich wusste nicht, ob ich sie je wiedersehen w├╝rde. Jede Faser meines K├Ârpers hatte es sich gew├╝nscht, ihr ein weiteres Mal gegen├╝ber zu treten. Doch standen die Chancen daf├╝r mehr als schlecht. Bedr├╝ckt und sichtlich geknickt wandte ich mich wieder meiner Cola zu. Ich lie├č meinen Kopf jedoch nicht wieder auf den Tresen fallen. Ein winziger Keim von Hoffnung bl├╝hte in mir auf, dass Patty wieder zu mir zur├╝ckkommen w├╝rde. Doch schon bald merkte ich, dass das nicht passieren w├╝rde. Entt├Ąuscht setzte ich das halbvolle Glas an meine Lippen. In diesem Moment war das Glas f├╝r mich jedoch nicht halbvoll, sondern halbleer. Ich fand es schade, dass sie nicht l├Ąnger bleiben wollte. Der Abend w├Ąre mit ihr sicherlich ertr├Ąglicher geworden.
W├Ąhrend ich im Mitleid versank, kam Denton zu mir an den Tresen. Wie immer war er aufgekratzt und schwei├čgebadet. \"Ich hab \'ne Braut kennengelernt, die ist der Oberhammer. Super Gestell und zwei wahnsinnig gro├če...\", Denton sah sich um und kam n├Ąher an mich heran. \"Zwei wahnsinnig gro├če Augen.\" Das sah Denton ├Ąhnlich. Er achtete nur auf das ├äu├čerliche. Er wollte einfach nur Sex. F├╝r eine Beziehung war er nicht geschaffen. Er w├╝rde es nie l├Ąnger mit nur einer Frau aushalten. Und das wollte er auch gar nicht. Er genoss sein Leben in vollen Z├╝gen und das konnte er eben nur, wenn er fast t├Ąglich neue \"Freundinnen\" hatte. Ich konnte mir so ein Leben nicht vorstellen. Ich w├╝rde eine Frau wollen, mit der ich so lange wie nur irgendm├Âglich zusammen sein kann. Eine traumhafte Beziehung, in der man sich vertraut und gemeinsam lachen kann.
Ich wollte gerade auf die Toilette gehen, als mich Denton jedoch am Arm festhielt. \"Pass auf, ich hol mir noch \'nen letzten Drink und denn hauen wir ab. Ich hab eine Schnalle klargemacht und du findest es hier bestimmt ├Ątzend. Also lass uns einfach gleich fahren\", schlug er vor. Endlich kam etwas Vern├╝nftiges aus seinem Mund und ich willigte ein. Eine Chance, dass ich Patty hier wiedersehen w├╝rde, war mehr als gering. So bestellte Denton einen weiteren Drink, sp├╝lte ihn schnell herunter und zehn Minuten sp├Ąter waren wir auch schon auf dem Heimweg.

Es war Mittwoch und ich kam gerade von meinen Eltern, die eine kleine sommerliche Grillparty veranstalteten. Jedes Jahr war es das Highlight f├╝r meinen Vater, seine Sch├╝rze mit der Aufschrift \"KISS THE COOK\" anzuziehen und Burger f├╝r die komplette Familie zu brutzeln. Seitdem er im Ruhestand war, gab es f├╝r ihn nicht mehr viel, auf das er sich richtig freuen konnte. Ihm hatte die Arbeit als Bauarbeiter Spa├č gemacht, was ich nie nachvollziehen konnte. Er hatte es geliebt auf Ger├╝ste zu klettern und schwere Metallstangen in zu schleppen. F├╝r ihn war es die Erf├╝llung. Er h├Ątte es gerne gesehen, wenn ich in seine Fu├čstapfen getreten w├Ąre, aber die Bauindustrie war nichts f├╝r einen so schm├Ąchtigen Typen wie mich. Ich spielte zwar kurzzeitig mit dem Gedanken Bauzeichner zu werden, doch dieser verflog schnell wieder, als ich h├Ârte, welche Noten f├╝r den Job verlangt wurden. Ich besch├Ąftigte mich nun lieber mit Computern. Das war meine Berufung.
Es war schon sp├Ąt, als ich nach Hause kam und mein Telefon klingelte. Ich eilte so schnell es ging an den Apparat und nahm den H├Ârer ab. Als h├Ątte ich es geahnt: es war Denton, der, nicht wie sonst, aufgekratzt klang, sondern eher gelassen: \"Hi Logan. Sag mal, hast du nicht Lust, mit ins Kino zu kommen? Wir wollen diesen besonderen Film sehen, der heute l├Ąuft. Du wei├čt schon - dieser Aktionstag ist doch heute.\"
Ich bl├Ątterte in der Zeitung, in der das Kinoprogramm abgedruckt war, damit ich verstehen konnte, wovon Denton sprach. Dort stand in einer gro├čen Spalte \"Aktionstag: Klassiker, die man gesehen haben muss - Eintritt 6$\". Ich ├╝berlegte einen kurzen Moment und fragte: \"Wir? Wen meinst du mit WIR?\"
Denton schluckte so laut, dass ich es durch das Telefon h├Âren konnte. \"Ich meine mich und das M├Ądel, welches ich am Samstag im Jollys kennengelernt habe. Dieses hei├če Ger├Ąt, von dem ich dir erz├Ąhlt habe. Amanda hei├čt sie\"
\"Na spitze\" dachte ich. Ich fragte mich, weswegen ich mitkommen sollte. Ich w├Ąre doch lediglich das f├╝nfte Rad am Wagen. Und einen Aufpasser brauchte Denton mit Sicherheit auch nicht. Diese Amanda h├Ątte vielleicht einen Aufpasser gebraucht, denn Denton konnte nie die Finger von M├Ądchen lassen. Dennoch konnte ich mich alten Filmklassikern nicht entziehen und willigte seiner Einladung mit knirschenden Z├Ąhnen ein.
\"Super Alter\", jubelte Denton in den H├Ârer. \"Denn treffen wir uns um acht vor dem Kino. Nicht vergessen - ACHT UHR.\"
Er hatte das Gespr├Ąch bereits beendet, bevor ich noch irgendwas sagen konnte. Auch das sah ihm wieder ├Ąhnlich, wor├╝ber ich mir aber keine Gedanken machte. Ich schaute auf meine Uhr und bemerkte, dass es noch vier Stunden bis zum Film waren. Ich nahm also erstmal eine ausgedehnte Dusche und rasierte mir die Brust. Nachdem ich noch einen ordentlichen Imbiss (in Form von Pizza Funghi) hatte, schl├╝pfte ich in meine d├╝nne blaue Stoffjacke, setzte mir eine M├╝tze auf und machte mich auf den Weg zum Kino.
Nach einem Fu├čmarsch von drei├čig Minuten erreichte ich das Kino und sah mit Erschrecken auf die gro├če Anzeigetafel ├╝ber dem Eingang. Dort stand in gro├čen rot leuchtenden Buchstaben \"Klassiker, die man gesehen haben muss - Heute: DIRTY DANCING\". Pl├Âtzlich wurde mir alles klar. Denton hatte sich diesen Film ausgesucht, weil er seine neue Flamme ins Bett kriegen wollte. Er war der Meinung, dass Liebesfilme die Frauen mehr anmachen w├╝rden als Blumen oder andere Geschenke. Ich war zirka f├╝nfzehn Minuten zu fr├╝h, musste also damit rechnen, noch gute 25 Minuten auf Denton warten zu m├╝ssen.
Zu meiner ├ťberraschung kam er mehr als p├╝nktlich. Das war ich nicht von ihm gewohnt und sah ihn entgeistert an, als er Hand in Hand mit seiner neuen Errungenschaft auf mich zukamen. \"Das ist Amanda\", sagte Denton und zwinkerte mir zu. Ich konnte das Zwinkern sofort deuten und wusste, dass dieser Abend sicherlich der letzte Abend f├╝r die beiden als Paar war. Amanda reichte mir ihre Hand. \"Freut mich Logan. Mein Schatzi hat schon so viel von dir erz├Ąhlt.\" Sie nannte ihn \"mein Schatzi\". Da schien sich der gute Denton ja eine richtige Intelligenzbestie an Land gezogen zu habe. Denn wird sie der n├Ąchste Morgen bestimmt hart treffen, wenn sie alleine in dem Hotelzimmer aufwacht. Denton mietete immer ein Hotelzimmer, wenn er ein M├Ądchen ins Bett kriegen wollte. So auch an diesem Abend.
Ich wollte gerade in das Kino spazieren, als mich Amanda am Arm festhielt und sagte: \"Warte mal, es kommt noch jemand. Sie parkt nur grad das Auto.\" Sp├Ątestens jetzt wusste ich, wie der Hase l├Ąuft. Ich sollte hier verkuppelt werden. Ein Loserjunge sollte mit einem Loserm├Ądchen in einen Topf geworfen werden, damit ein Loserp├Ąrchen entstehen konnte. Ich h├Ątte den Braten doch eigentlich auch gleich riechen k├Ânnen. Aber naja, Filme wirken auf mich halt immer sehr einladend. Und so warteten wir noch f├╝nf Minuten, bis die letzte Person zu uns stie├č.
Ich konnte meinen Augen nicht trauen, als ich sah, wer da Richtung Kino spazierte. Diese Haare, diese Beine und dieses unvergleichliche L├Ącheln. Es war Patricia. Sie trug eine eng anliegende Jeans und ein wei├čes T-Shirt mit der Aufschrift \"SAVE THE BEST FOR LAST\". Auch die pinken Schuhe von Converse trug sie wieder. Ihre Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Ich fl├╝sterte Denton zu: \"Was zum Geier wird das denn hier?\" Er lie├č die Frage unbeantwortet und grinste mir einfach nur breit ins Gesicht. Tausend Sachen gingen mir durch den Kopf. Tausend Sachen h├Ątte ich gerne zu ihr gesagt. \"Wie wundersch├Ân du bist\" oder \"wie sch├Ân, dich wiederzusehen\" waren nur ein paar S├Ątze, die ich ihr h├Ątte sagen wollen. Doch das, was ich rausbrachte, war ein einfaches und emotionsloses \"Hi\".
\"Hey Logan\", sagte Patty in einem hohen piepsenden Tonfall. \"Ich glaub, wir sollen hier verkuppelt werden.\" Sie fing an zu lachen, wonach mir jedoch nicht zumute war. Ich war peinlich ber├╝hrt, da ich lediglich in Schlabberklamotten und Baseballm├╝tze vor ihr stand. Ich w├Ąre am liebsten im Boden versunken oder tot umgefallen. Patty musterte mich von Kopf bis Fu├č. \"H├╝bsch siehst du aus\", sagte sie und ich hatte das Gef├╝hl, dass das eine glatte L├╝ge war. \"Ja, du bist auch h├╝bsch. Also ich meine, du hast tolle Haare und so\", stammelte ich und man konnte sehen, dass Patty sich ein Lachen kaum verkneifen konnte. Denton hielt jedoch nicht an sich und prustete los.
\"├ähm, lasst uns doch einfach reingehen\", sagte ich hektisch und ging mit gesenktem Kopf voran. Ich orderte vier Eintrittskarten und wir gingen in den den Kinosaal, welcher jedoch nicht sonderlich voll aussah. Ich sah auf den Karten nach, welche Sitzpl├Ątze wir bekommen hatten. Letzte Reihe und die mittleren vier Pl├Ątze.
Als es dunkel wurde und der Film anfing, waren gerade mal noch vier andere Leute im Saal. Nur f├╝nfzehn Minuten sollte es dauern, bis Denton und Amanda vom Film nichts mehr mitbekommen w├╝rden, da ihre M├╝nder wie zusammengeklebt wirkten. \"Diese Kids\", sagte Patty ironisch. Ich grinste und sch├╝ttelte mit dem Kopf. Sie sah mich an und fl├╝sterte mir l├Ąchelnd ins Ohr: \"Und, willst du auch knutschen?\"
\"Knutschen? So richtig? Ehrlich jetzt?\" stotterte ich irritiert und leicht verlegen.
\"War nur ein Scherz. Mach dich locker und sei nicht so angespannt.\"
\"Hey, ich bin locker. Es ist nur...\", fl├╝sterte ich, brach den Satz jedoch ab, da ich schwer schlucken musste.
\"Was?\" fragte Patty neugierig.
\"Wei├čt du, ich glaub, ich mag dich\", sagte ich und merkte, wie ich rot anlief.
\"Ehrlich? Ich dachte schon, du k├Ânntest mich nicht leiden, da du dich immer so komisch verhalten hast.\"
\"Das hat andere Gr├╝nde, glaub mir. Ich hab es nicht so mit M├Ądchen.\"
\"Also doch schwul?\" sagte Patty und stie├č ein kurzes Lachen aus.
\"Nein, ich bin einfach sch├╝chtern und wei├č nie, was ich sagen soll\"
Mir war nicht ganz klar, warum ich ihr das alles erz├Ąhlte, doch ich merkte, wie meine Anspannung langsam aber sicher verflog. Patty sah kurz auf die Leinwand und dann wieder zu mir: \"Mach dir keine Sorgen, das wird schon.\"
Ich nickte ihr zu und drehte mich wieder zur Leinwand, um dem Film zu folgen. Ich mochte \"Dirty Dancing\" nicht, da es wirklich ein Film f├╝r Frauen war, aber ich genoss die Minuten, die ich dadurch mit Patty verbringen konnte. Denton und Amanda haben bis zum Schluss nichts von dem Film mitbekommen, was sie aber wohl nicht weiter st├Ârte. Wir verlie├čen das Kino nach dem Abspann recht z├╝gig und blieben am Haupteingang stehen. Patty wollte sich noch ein Hot Dog bei dem Imbiss kaufen, der neben dem Kino stand. \"Hey, geht doch schon mal zum Auto. Ich komm denn gleich nach\", schlug sie Denton und Amanda vor.
Sie trollten also gemeinsam zum Auto, w├Ąhrend ich mit Patty zu \"The hottest dogs\" ging. Laut Patty hatten sie die besten Hot Dogs der gesamten Gegend. Sie wollte mich ├╝berreden, auch eines von diesen fetttriefenden W├╝rstchen im Br├Âtchen zu nehmen, aber ich lehnte dankend ab. W├Ąhrend sie ihr Geld z├Ąhlte, um das Essen zu bezahlen, fragte sie mich: \"Sag mal, warum bist du mit Denton befreundet?\"
Ich fand, dass diese Frage durchaus berechtigt war und dachte einen Moment dar├╝ber nach, bis ich antwortete: \"Er war der Einzige, der mich in meiner Kindheit beachtet hat. Der Einzige, der mit mir geredet hat.\"
Patty bezahlte ihr Hot Dog und sah mich betroffen an. \"Nur weil er mit dir geredet hat, ist er ├╝ber all die Jahre ein Freund von dir?\" fragte Patty skeptisch.
\"Freunde zu finden ist nicht leicht. Vor allem wahre Freunde sind selten. Und Denton ist ein wahrer Freund, obwohl er ganz anders ist als ich. Aber er h├Ąlt in jeder Situation zu mir. Und genau das sch├Ątze ich an Denton\" erkl├Ąrte ich ihr.
Patty nickte mit einem L├Ącheln und wir blieben noch eine Weile an dem Hot Dog-Stand stehen, bis wir Amanda rufen h├Ârten: \"Macht mal hin, wir wollen los!\"
Doch Patty schien es nicht eilig zu haben. \"Fahrt ohne mich. Ich gehe nach Hause. Fahrt ruhig schon los\", rief Patty zur├╝ck.
Ich sah sie verwirrt an und wusste nicht, was sie vorgehabt hatte. Ihr Weg nach Hause war nicht gerade kurz. Zumindest sagte sie mir das w├Ąhrend des Films. \"Wo willst du denn noch hin?\" fragte ich sie.
Sie lachte und sagte: \"Ich begleite dich noch nach Hause. Ich hatte einfach keine Lust, bei den anderen im Auto zu sitzen. Da knisterte so derma├čen zwischen denen, dass es kaum zum aushalten war.\"
Ich l├Ąchelte und verschr├Ąnkte meine Arme vor der Brust. Ich sah ihr tief in die Augen und sagte: \"Aber Sex ist heute tabu.\"
Gott, was war ich f├╝r ein Idiot?! Wie konnte ich sowas nur sagen? Wieder ein kl├Ąglicher Versuch, witzig zu sein. Schlimmer h├Ątte es nicht mehr werden k├Ânnen. F├╝r was sollte sie mich denn jetzt halten? Innerlich starb ich tausend Tode. Ich h├Ątte mich am liebsten stundenlang mit einem Baseballschl├Ąger verpr├╝gelt. Doch selbst das w├Ąre zu wenig Strafe f├╝r mich gewesen. Noch mehr ins Abseits h├Ątte ich mich bestimmt nicht spielen k├Ânnen.
Doch sie tat nicht das, womit ich gerechnet h├Ątte. Sie lief nicht mit erhobenen H├Ąnden vor mir davon. Nein, nahm meine Hand und sagte: \"Keine Angst. Ich bringe dich einfach nur nach Hause. Alles ganz gesittet und zwanglos.\"
Meine Herz blieb stehen, als sie meine Hand ber├╝hrte. Ich f├╝hlte mich wie in Trance. Diese eine Ber├╝hrung wirkte auf mich mehr, als ein Schlag in den Magen. Jedoch war die Intensit├Ąt ihrer Ber├╝hrung anders druckvoll. Mir wurde hei├č und kalt gleichzeitig. Eine G├Ąnsehaut ├╝berrannte mich und meine Knie wurden weich, dass ich fast zu Boden gesackt w├Ąre. Doch ich hielt mich wacker auf den Beinen, nahm meine ganze Kraft zusammen und ging mit ihr zu meiner bescheidenen Wohnung.
Ich dachte, wir w├╝rden uns den gesamten Weg ├╝ber anschweigen. Wenn es nach mir gegangen w├Ąre, h├Ątten wir pausenlos reden k├Ânnen, doch wollte mir einfach nichts einfallen. Auch Patty schien es zu st├Âren, das niemand etwas sagte, also machte sie einen Anfang: \"Also Logan, was treibst du so in deiner Freizeit? Was sind deine Hobbies\"?
Ich ├╝berlegte einen Moment, da meine Hobbies nicht sonderlich vielseitig waren. \"Ich mag Filme. Ich schaue gerne DVDs bei mir daheim\" sagte ich, weil mir einfach nichts Besseres einfallen wollte.
Patty nickte und hielt bereits die n├Ąchste Frage parat: \"Und du schaust die DVDs alleine oder gibt es da jemanden, mit dem du sie guckst? Vielleicht eine potentielle Mrs. Logan Madsen?\"
Sie konnte ihr Grinsen bei dieser Frage nicht verstecken, obwohl sie es versuchte. Mir war die Frage etwas unangenehm. Ich senkte den Kopf und sah auf meine Schuhe. \"Nun, bis jetzt ist mir die Richtige noch nicht begegnet. Doch vielleicht ├Ąndert sich das bald. Vielleicht sogar sehr bald\", sagte ich in einem etwas wehleidigen Tonfall.
Patty legte mir ihre Hand auf meine linke Schulter und sagte: \"Ich wei├č es. Das richtige M├Ądchen ist nicht mehr weit entfernt. Du wirst sie erkennen, glaub mir.\" Daraufhin sah auch sie zu Boden.
Ich erhob den Kopf und sah sie mit einem hoffnungsvollen Blick an. \"Ja, ich erkenne sie\", sagte ich und f├╝hlte, wie es in meinem Bauch kribbelte. \"Und ich hoffe, sie wird auch mich erkennen. Erkennen, das ich der Richtige f├╝r sie bin.\"
Patty drehte ihren Kopf zu mir und ich wandte meinen Blick blitzartig wieder meinen Schuhen zu. Wenige Minuten sp├Ąter erreichten wir meine Wohnung. Wir blieben vor der Haust├╝r stehen und sahen uns eine Weile an, ohne nur ein Wort zu sagen. Dann brach ich das Schweigen: \"Patricia, es war nett, dass du mich begleitet hast. Vielleicht sehen wir uns ja mal wieder. Mich w├╝rd\'s freuen.\"
Patty sch├╝ttelte nur den Kopf, was mich etwas entsetzt dreinschauen lie├č. \"Nein, ich werd dich anrufen. Ich fand es heute n├Ąmlich auch ganz nett und ich will dich auf jeden Fall wiedersehen. Schreib mir doch einfach deine Telefonnummer auf und ich meld mich bei dir\", sagte sie in einem leicht herrischen Ton, bevor sie mir ihre Kinokarte und einen Kugelschreiber reichte.
Etwas irritiert schrieb ich meine Nummer auf die Karte. Ich schrieb so klein es ging, aber noch gro├č genug, dass es lesbar war. Sie nahm die Karte und den Stift wieder an sich und sagte: \"Wir h├Âren uns also.\"
Ich nickte ihr zu und gab ihr die Hand. Sie streckte mir ihre jedoch nicht entgegen, sondern trat einen Schritt n├Ąher an mich heran und gab mir einen Kuss auf die Wange. Kurz darauf machte sie sich auf den Weg und verschwand wenige Sekunden sp├Ąter in der Dunkelheit.
Ich blieb noch ein wenig vor der Haust├╝r stehen und genoss die frische Nachtluft. Ich hatte einen Kuss von einem absoluten Traum von M├Ądchen bekommen. Das war etwas, was ich bisher noch nie erleben durfte. Dieser Abend war f├╝r mich wie ein wahr gewordener Traum. Ich dachte, es w├╝rde einige Zeit dauern, bis ich dieses Gef├╝hl des Schwebens loswerden w├╝rde. Doch dies geschah schneller, als ich dachte, als ein Krankenwagen mit Blaulicht an mir vorbeirauschte. Ersch├Âpft und m├╝de ging ich also hoch in meine Wohnung und legte mich ins Bett.
Schon am n├Ąchsten Morgen klingelte mich das Telefon wach. Voller Vorfreude nahm ich den H├Ârer ab, doch es war nicht der Anruf, den ich mir erhofft hatte. Es war Denton. Er wollte mir lediglich erz├Ąhlen, wie er noch am letzten Abend Amanda ins Bett gekriegt hatte. Dabei lie├č er kein Detail aus, sondern erz├Ąhlte mir alles haarklein. Meine Gedanken kreisten jedoch um Patty, daher verstand ich auch nur das wenigste, was Denton zu sagen hatte.
Zwei ganze Wochen vergingen, als das Telefon ein weiteres Mal klingelte. Denton konnte es nicht sein, denn er war mit Amanda im Urlaub. Ja, sie waren noch immer zusammen, obwohl er sie bereits ins Bett gekriegt hatte. Er sagte, dass sie eine richtige Offenbarung sei und im Bett Sachen kannte, von denen er noch nie etwas geh├Ârt hatte. Ich konnte mir also lebhaft vorstellen, wie ihr Urlaub ausgesehen hat. Auch meine Eltern konnten es nicht sein, da sie um diese Zeit schon schlafend im Bett lagen.
Ich schlurfte zum Telefon und schaltete auf Lautsprecher, bevor ich deutlich meinen Namen sagte. Die Stimme, die mir antwortete kam mir sehr vertraut vor: \"Logan? Hier ist Patricia. Wei├čt du noch?\"
Ich st├╝rzte ans Telefon und riss den H├Ârer von der Gabel. \"Hey Patricia. Na, alles klar?\" stie├č ich heraus.
\"Ja, alles klar bei mir. Tut mir Leid, aber ich konnte nicht eher anrufen. Meine Oma musste ins Krankenhaus und ich war die meiste Zeit bei ihr.\"
\"Kein Problem. Hab dich nicht vermisst\" sagte ich und biss mir, wie schon etliche Male vorher, w├╝tend auf die Zunge. \"Ich meine, es ist sch├Ân, dass du doch noch anrufst.\"
Ein Lachen am anderen Ende der Leitung. \"Ich rufe an, weil ich dich fragen wollte, ob wir nicht mal alleine irgendwo ausgehen wollen. Also ein Date oder sowas. W├Ąr das was?\" fragte Patty.
\"Ein Date?! ├ähm, klar. Wieso eigentlich nicht? K├Ânnen wir machen. Find ich gut. Find ich super. Bin ich f├╝r. Ist gro├čartig. Bin dabei.\"
\"Wie w├Ąre es denn am Samstag - also morgen?\"
\"Klingt super. K├Ânnen ja was essen gehen. Italienisch?\"
\"Klingt gut. Fiorino w├╝rd ich vorschlagen. Ist mein Lieblingsitaliener.\"
\"Den kenn ich auch. Der ist gut. Okay, gehen wir morgen um acht zu Fiorino.\"
\"Super, ich freu mich. Denn bis morgen. Bye Logan\" sagte Patty und beendete das Gespr├Ąch.
\"Bye Patricia\", sagte ich noch, obwohl die Verbindung bereits getrennt wurde. Ich f├╝hlte mich wie neugeboren. Ich hatte ein Date. Das erste Date in meinem Leben. Ein entscheidender und wichtiger Schritt f├╝r mich. Ich durfte jetzt nur nicht die Nerven verlieren. Es musste perfekt werden.
Am n├Ąchsten Tag ging ich los, um ein dutzend Rosen zu kaufen. Ich dachte, mit Rosen k├Ânnte ich nichts falsch machen. Zudem lie├č ich mir noch die Haare schneiden. F├╝r meinen Geschmack wurden sie etwas zu kurz geschnitten, jedoch machte ich mir keine weiteren Gedanken dar├╝ber. Ich kaufte im n├Ąchstgelegenen Supermarkt das Deodorant \"Old Spice\". Man sagte, dass Frauen total darauf stehen w├╝rden. Und so bereitete ich mich auf dieses eine gro├če Date mit der Frau meiner Tr├Ąume vor.

So, und nun stehe ich hier vor dem Spiegel und meine Haare lassen mich im Stich. Es sind nur noch f├╝nf Minuten, bis die Uhr acht schl├Ągt und ich bin nicht fertig. Das ist wieder typisch. Ich werde einfach rennen. Ich habe so viel Old Spice aufgetragen, dass Schwei├čgeruch bestimmt gar nicht erst durchkommt. Ich werd jetzt wohl meine Haare so lassen m├╝ssen. So schlecht sehen sie auch gar nicht aus. Dieser Alternativlook soll doch total ankommen.
Und ich denke, ich werd Pizza nehmen. Morzarellapizza.
Das wird ein toller Abend. Hoffentlich rede ich nicht wieder so viel dummes Zeug. Also Logan, ├╝berlege vorher, bevor du etwas sagst.
Patty, ich bin schon auf dem Weg...

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Erz├Ąhlungen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!