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Das Schloss in Bobbin
Eingestellt am 28. 08. 2005 10:50


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Zwillingsjungfrau
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Das Schloss in Bobbin ĂŒberarbeitet

Liebe Lupianer,

ich soll meine erste Lesung halten und bin wahnsinnig unsicher. Deshalb möchte ich euch diesen Text vorstellen und bitte um Hilfe.


Lesung aus der Chronik

Guten Tag, meine Damen und Herren,

es freut mich sehr, dass Sie gekommen sind.

Sie alle kennen – viel lĂ€nger als ich - das Herrenhaus, oder wie Sie es liebevoll nennen, „das Schloss“. Die meisten von Ihnen haben 40 Jahre lang in diesem Haus gefeiert, einkauft oder ihre Kinder haben in diesen RĂ€umen vielleicht den Kindergarten besucht. Ich lerne das Haus gerade erst kennen und lieben. In den vergangenen Monaten habe ich bei der Suche nach der Vergangenheit ich sehr viel ĂŒber das Haus und das Schicksal der Menschen gerade hier in Bobbin erfahren. Und darĂŒber möchte ich Ihnen berichten.

Wissen Sie eigentlich, wie alt Bobbin ist? SchÀtzen Sie mal.

Bobbin ist 723 Jahre alt!

Sie fragen sich jetzt gewiss: „Wie bestimmt man das Alter eines Ortes?“

Als sogenannte „Geburtsurkunde“ eines Ortes wird auf die erste urkundliche ErwĂ€hnung zurĂŒckgegriffen. Der Verein fĂŒr Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde hat fĂŒr die erste urkundliche ErwĂ€hnung von Bobbin, Amt Gnoien, das Jahr 1282 festgelegt!

In zwei Jahren könnte Bobbin somit 725jĂ€hriges Bestehen feiern. Ein genaues Tages- oder Monatsdatum ist nicht bekannt. Da die GeschĂ€fte und neue VertrĂ€ge fast immer zu Johanni abgeschlossen wurden, wie wĂ€re es mit einem tollen Fest mitten im Sommer? In den Schulferien? Grillen, tanzen, lachen. Welch ein Spaß fĂŒr jung und alt!

Vielleicht ein Umzug mit historischen KostĂŒmen, so wie die Ritter sich frĂŒher kleideten?


Ja, ja, die Rittersleut,

wenn Sie nicht gerade feierten und es sich gut gehen ließen, zogen sie mit ihren FĂŒrsten in Schlachten und kĂ€mpften. Kriege gab es in Mecklenburg viele. Anfangs wurden die Ritter dafĂŒr mit Land belohnt belohnt. Das nannte man Lehen.

In alten Dokumenten des Landesarchivs Schwerin wird der Ritter Otto van Dewytzke oder Dewyke – die Schreibweise der Namen verĂ€nderte sich hĂ€ufig – als erster Besitzer von Bobbin genannt.

Damit die neuen Grundbesitzer am FĂŒrstenhof feudal leben konnten, verpachteten sie das Land.

Die Ritter bewirtschafteten das Land nicht selbst, denn sie zogen ja mit ihrem FĂŒrsten in den Krieg. Also benötigten sie Bauern, welche das Land bewirtschafteten. Das Land gehörte dem Adel und die Bauern zahlten die Schulden Ihrer Grundherren und FĂŒrsten.

So war es frĂŒher und ist es noch heute. Die Regierenden machen Schulden und die „kleinen Leute“ mĂŒssen sie bezahlen. Stimmts?

Zum Ende des Mittelalters begann der Adel kaufmÀnnisch zu denken und wahrzunehmen, dass im Umfeld und spÀter im Ausland, ein steigender Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten vorhanden war. WÀhrend die Preise im gesamten ein Jahrhundert stabil waren, stiegen sie Anfang des nÀchsten rasch gewaltig an. Korn verteuerte sich um 500-600 %, Butter, ebenso Schlachtvieh um 400-500 %.

In der Ritterschaft verstĂ€rkte sich das Streben nach Eigenbewirtschaftung. Das hatte handfeste wirtschaftliche GrĂŒnde. Der Adel trat in sein "Goldenes Zeitalter" ein, seine Besitzungen wurden mit einem Mal zu ungeahnten Wertobjekten.

So kaufte die Familie v. Hobe das Lehngut Bobbin, da es an ihren Besitz in Wasdow und Quitzenow grenzte. In einigen Berichten werden die Moorhoben auch als Raubritter bezeichnet und es existiert noch immer die Sage vom versunkenen Schatz im Moor, den angeblich nur eine Jungfrau finden kann.


Bobbin war fĂŒr die nĂ€chsten 200 Jahre ein reines Wirtschaftsobjekt, wie ein Mietshaus in der Stadt, dass man nicht selbst bewohnt, sondern von den Mietern Einnahmen zieht. Die Familie v. Hobe nahm in Bobbin zu keiner Zeit ihren Wohnsitz. Bobbin war verpachtet, wurde immer wieder beliehen und verpfĂ€ndet. Obwohl es verboten war, wurden die vier selbstĂ€ndigen Bauern in Bobbin spĂ€ter von der Familie v. Hobe kurzerhand nach Quitzenow verlegt. Die Bauernstellen in Bobbin wurden abgerissen.

Sollten die Menschen in Bobbin immer nur geben? Ging es so weiter?

Nein, dies Ànderte sich durch den Besitzwechsel.

Helmuth Hartwig von BlĂŒcher
Er war zweimal verheiratet und hatte insgesamt 26 Kinder. Der Feldmarschall - Gebhard Leberecht, Graf v. BlĂŒcher - war sein Vetter.

Helmuth Hartwig von BlĂŒcher kaufte fĂŒr seine Söhne durch öffentliche Versteigerung die drei GĂŒter Wasdow, Quitzenow und Bobbin. Bobbin war durch die Fruchtbarkeit seines Bodens das wertvollste Gut.

Das Gut Wasdow gab er dem Ă€ltesten Sohn Ludwig, Bobbin dem zweiten, Anton Friedrich. Seinem Sohn Friedrich Wilhelm ĂŒberließ er das Gut Quitzenow.

Helmuth Hartwig v. BlĂŒcher sorgte fĂŒr seine Gutsinsassen. Diese erfreuten sich nicht nur eines materiellen Wohlstandes, sondern er sorgte auch fĂŒr ihr geistliches Wohl. Um ihnen den Besuch der Kirche nicht zu erschweren, sollten sie all ihre eigenen Arbeiten am Haus und auf dem eigenen Land an den Wochentagen erledigen. Wer aber am Sonntag bei der Arbeit angetroffen wurde, durfte auch am Montage nicht bei dem Gutsherrn zur Arbeit kommen. Er bĂŒĂŸte seinen Tagelohn ein.

Die von Helmuth Hartwig von BlĂŒcher eingerichteten Dorfschulen galten in weiter Runde als die besten. In seinem Testament setzte er einen jĂ€hrlichen Betrag zur Anschaffung einiger Bibeln, Katechismen und GesangbĂŒcher fĂŒr arme Schulkinder ein. Gleiche BetrĂ€ge erhielten die Kranken und die KrĂŒppel. Sein Haus war nicht nur fĂŒr rat- und hilfsbedĂŒrftige Mitglieder der Familie ein Zufluchtsort, auch Arme aller Art fanden sein Haus stets offen.

Wurden die Zeiten nun tatsÀchlich besser? Nicht unbedingt, denn es gab immer wieder

Kriege.

Obwohl Mecklenburg hÀufig gar nicht unmittelbar beteiligt war, die Bevölkerung hatte darunter zu leiden.

WĂ€hrend der französischen Kriegswirren war das Gut vielfach und oft lĂ€ngere Zeit mit Einquartierung belegt und es ging die ErzĂ€hlung, die Franzosen hĂ€tten die aufgetragene Suppe ganz besonders gern gegessen, wenn recht viel Schaben hineingefallen waren und dann oft „noch mehr von der Suppe mit die kleine Krebs“ verlangt.

Schwere Zeiten brachten die vielen Kriege auch Bobbin. Eine der großen Heerstraßen in Mecklenburg fĂŒhrte durch GĂŒstrow, Gnoien, Wasdow, Bobbin ĂŒber Tribsees nach Polen und Russland.

Im Winter 1814/15, als die russisch-polnische Reservearmee auf ihrem RĂŒckmarsch Mecklenburg durchzog, - Bobbin lag an der Heerstraße - hatte das Gut an fĂŒnf verschiedenen Tagen, mit je fĂŒnftĂ€giger Unterbrechung eine Einquartierung von insgesamt 305 Offizieren, 10.862 Mann und 5.891 Pferden.

Diese Zahlen muss man sich einmal bewusst machen: Es war Winter. Am Sonntag waren sie da und am drauffolgenden Freitag schon wieder und das fĂŒnf mal hintereinander. 305 Offiziere, 10.862 Mann und 5.891 Pferde. Und alle sollten ernĂ€hrt werden!

Den hin und herflutenden Truppen war jedes Mittel recht. Um das Vieh von den Weiden zu stehlen, wurden die HĂŒteknechte einfach erschlagen. Die KĂ€mpfe wurden hauptsĂ€chlich auf den RĂŒcken der Bauern ausgetragen. Ganze Dörfer wurden vernichtet. Die meisten, ja man kann wohl sagen nahezu alle verwĂŒsteten Dörfer Mecklenburgs sind wĂ€hrend des 30jĂ€hrigen Kriegs entstanden. So hoffnungslos erschien den Bewohnern mancher Dörfer in jener Zeit ihre Lage, dass sie lieber Haus und Hof im Stich ließen, als in ihrem Dorf in ewiger Angst vor feindlichen Angriffen zu leben. Die verursachten Hungersnöte und Seuchen verheerten und entvölkerten ganze Landstriche.

Menschen und Vieh starben an Seuchen, die HĂ€user verbrannten oder wurden als Heizmaterial bei den Lagerfeuern verbraucht. Unter den TruppendurchzĂŒgen, Belagerungen, Brandschatzungen, Einquartierungen und gewaltsamen Werbungen hatte auch die Gegend um Bobbin schwer zu leiden.

Und so ging es in jedem Krieg, auch im letzten. Die Auswirkungen des zweiten Weltkriegs waren fĂŒr den damaligen Besitzer des Gutes Bobbin, Richard Schmidt, und seine Familie besonders dramatisch. Am 1. Mai 1945 wurde er vor dem Haus, im Fliedergang, durch Russen erschossen. Seine Frau musste mit den Kindern zuschauen.

Das muss ganz schrecklich gewesen sein.

Doch zurĂŒck zu den erfreulicheren Dingen, die in Bobbin passierten.

Anton Friedrich von BlĂŒcher auf Bobbin ließ neu bauen.

Trotz der schweren Zeiten waren vielerlei Neubauten nötig. Die vier Bauernhöfe waren abgerissen, das alte PĂ€chterhaus war klein und baufĂ€llig und die Wohnungen fĂŒr die Tagelöhner reichten nicht aus.

In einfachster Weise ließ Anton Friedrich die Katen, den damaligen ZeitverhĂ€ltnissen entsprechend, in Fachwerk und Strohdach herstellen. Es wird erzĂ€hlt, er habe, nachdem Fachwerk und Dach aufgerichtet waren, seinen Leuten gesagt: „Kinder, jeder Vogel baut sich sein Nest selbst; nun geht bei und lehmt Euch die WĂ€nde aus.“ Diese Katen mit Lehmfachwerk, Lehmdiele und Strohdach waren 70 Jahre spĂ€ter zum grĂ¶ĂŸten Teil noch gut erhalten und sie konnten noch eine lĂ€ngere Dauer halten, wenn nicht die sozialen VerhĂ€ltnisse höhere AnsprĂŒche gerechtfertigt hĂ€tten.

Er heiratete Karoline von Schack. FĂŒr seine Frau errichtete Anton Friedrich das stattliche Wohnhaus, in dem wir uns heute befinden. GrĂ¶ĂŸere Park-, Garten- und Hofanlagen wurden angelegt. Ihr Heim wurde ihren WĂŒnschen gemĂ€ĂŸ eingerichtet und zu einem selten schönen Besitz gestaltet.

Ein Enkel Anton Friedrichs berichtet in der BlĂŒcher-Chronik von schönen Erinnerungen aus seiner Jugendzeit. Bei den sonntĂ€glichen Besuchen in Bobbin und besonders zu den Geburtstagsfeiern der Großmutter Karoline ergab die Zahl der Kinder und Enkel, zusammen mit der Nachbarschaft oft eine Mittagstafel von ĂŒber 30 Personen. Der Geburtstag – 23. Juli – fiel mitten in die Rosenzeit und im Bobbiner Garten waren fast sĂ€mtliche Steige mit Rabatten voller hundertblĂ€ttriger Rosen eingefasst.

Körbeweise wurden sie zur AusschmĂŒckung der Tafel gepflĂŒckt. Ein langer Tisch im Esszimmer wurde bei geöffneten TĂŒren im anstoßenden Raum fĂŒr die zahlreiche Enkelschar geschmĂŒckt. Zum Ende des Essens, wenn das ĂŒbliche Vanilleeis, die Bobbiner Streiftorte und Cardinal, ein damals sehr beliebtes GetrĂ€nk aus Moselwein, Zucker und Zitronen den Abschluss bildeten, dann artete die Munterkeit zum großen Ergötzen des Geburtstagskindes hĂ€ufig in einen Beschuss mit Rosen aus.

Lange beschnittene WeißbuchengĂ€nge teilten zu damaliger Zeit den Bobbiner Garten quadratisch ein und in diesem fanden am Nachmittag die AuffĂŒhrungen und TĂ€nze zu Ehren des Geburtstagskindes statt. Es bestand ein besonders herzliches Einvernehmen zwischen Vettern und Kusinen. Sobald die Kinder mit den AuffĂŒhrungen fertig waren, genossen sie ihre Freiheit in gesellschaftlichen Spielen. Das „Begegnenspiel“ war das beliebteste. Der halbe Garten war mit dichtem FliedergebĂŒsch eingefasst, durch das sich gewundene Wege schlĂ€ngelten. Begegnete ein PĂ€rchen dem anderen, so mussten die Damen ausgetauscht werden. Ein Umkehren war nicht gestattet. Da die PĂ€rchen sich meist zuerst nach Herzensneigung zusammenfanden, war ein Austausch in den meisten FĂ€llen wenig erwĂŒnscht.

Weiße Musselinkleider und fĂŒr die Jungens weiße Hosen von sog. Englischem Leder waren das ĂŒbliche FestkostĂŒm. Die Mutter hatte oft Not, ihre Kinder erst einmal sauber und blendend weiß der Großmutter vorzustellen. SpĂ€ter verrieten dann grĂŒne Flecken auf den Knien von UnfĂ€llen beim Spiel auf den RasenflĂ€chen.

Eine besondere Zierde des Hofes war das zahlreiche Federvieh. Zwischen HĂŒhnern, Perl- und TruthĂŒhnern stolzierten Rad schlagende Pfauen auf dem großen Rasenplatz vorm Hause. Verschiedene Sorten Enten, GĂ€nse und ein Schwanenpaar bevölkerten den Hofteich.

Im Alter von 89 Jahren starb Karoline in Rostock. Die Beisetzung fand in Bobbin in der von ihr erbauten und von Anton Friedrich seinerzeit entworfenen Kapelle statt.

Eine seltene Gastfreiheit herrschte in Bobbin und der anregende geistige Mittelpunkt des oft sehr großen Kreises war die Gutsherrin.

EinprĂ€gsam wird in der BlĂŒcher-Chronik auch die KĂŒche mit ihrem kolossalen Rauchfang geschildert, wo bei offenen Feuern auf DreifĂŒĂŸen, in hĂ€ngenden Kesseln mit Kesselhaken die Mahlzeiten hergerichtet wurden und sich der Braten am Spieß drehte.

Was fĂ€llt Ihnen zum Stichwort KĂŒche ein? 
 Ich denke dabei an Essen.

Überhaupt das Essen zu damaliger Zeit

Es war frĂŒher sehr einfach. Bevor die Kartoffel in Mecklenburg eingefĂŒhrt wurde, lebten die Menschen vor allem von Getreidebrei und Brot.
Das ist ein anderes Kornn, sĂ€ de Möller, do beet he up’n Muskötel.

Kohl, auch als Sauerkraut, gehörte ebenfalls zum Speiseplan.
BĂ€ter ne Luus in Kohl, als gar kein Fleisch!

Daneben wurden in geringem Umfang auch Milchprodukte und Salzheringe gegessen.

Jetzt lese ich Ihnen einen Speiseplan von einem Gutshof fĂŒr Knechte, MĂ€gde, Tagelöhner usw. vor, der so Ă€hnlich wohl auch auf dem Bauernhof galt.
Montag: morgens Melksupp dick, ungezuckert mit Magermilch
mittags und abends: Arwtensupp mit Kartoffeln und Hammel
Dienstag: morgens Melksupp
mittags Kartoffeln mit Schausterstipp
abends Bratkartoffeln
Mittwoch: morgens Melksupp
mittags ind abends Bohnensuppe
Donnerstag: morgens Melksupp
mittags PelltĂŒffeln mit Hering
abends Bratkartoffeln
Freitag morgens Melksupp,
mittags und abends Kohlsupp
Sonnabend morgens – na? Richtig Melksupp
mittags und abends TĂŒftensupp mit Speck
FĂŒr Sonntags schweigt sich der Speiseplan aus.

Gegessen wurde an einem Tisch, an dem sich alle Hofbewohner versammelten. MĂ€nner und Frauen saßen getrennt und nach Wichtigkeit ihrer Arbeit geordnet.

Oft wurde aus einer SchĂŒssel gegessen, manchmal sogar von allen gemeinsam ein Holzlöffel genutzt. Als Geschirr benutzte man ursprĂŒnglich einfaches Keramikgeschirr, Holzbretter als Teller, selbstgeschnitzte Löffel und Messer. SpĂ€ter kam dann Zinngeschirr auf.

Brot wurde einmal in der Woche gebacken. Normalerweise gab es nur saures, dunkles und hartes Roggenbrot. In Notzeiten wurde das Mehl auch schon mal mit Eichelmehl (da mussten dann auch die Schweine hungern), Rinde oder Lindenknospen gestreckt. Weizenbrot, die beliebten Stuten, gab es nur an Festtagen.

Zu trinken gab es außer Wasser, das nicht sehr beliebt war - (kein Wunder, wenn es mit toten Katzen und vergammelten Ratten aromatisiert war, die sich schon mal im Brunnen anfanden) - besonders Bier. In den Dörfern braute jeder Bauer selbst, trotz Verbot von offizieller Seite. In bĂ€uerlichen Inventaren wurden auch immer ein oder zwei Biertonnen aufgefĂŒhrt.

Als Branntwein nach Mecklenburg kam, trat er, besonders auf dem Land, seinen manchmal verheerenden Siegeszug an. UrsprĂŒnglich aus Getreide („Korn“), spĂ€ter aus Kartoffeln oder sogar RĂŒben hergestellt, konnten sich sogar Tagelöhner ihr tĂ€gliches Quantum leisten.

Was brauchen wir Alkohol, sÀ Johann, solange wir Bier und Brandwein haben.

(Schluck Wasser aus einem Glas trinken)

Prost, un wenn’s mien Leven kost!

In Bobbin war und ist man gesellig, hÀlt zusammen und besucht sich hÀufig. Dazu muss man kurze oder lÀngere Strecken unterwegs sein. Das bringt mich zum Kapitel

Reisen

Na, das Reisen in frĂŒheren Zeiten hatte so seine TĂŒcken. Die Straßen waren mit dem heutigen asphaltierten Wegenetz nicht zu vergleichen. Vor 200 Jahren gab es noch keine festen Landstraßen. Es handelte sich um unbefestigte Wege.

Doch mal ehrlich:
FĂ€hrt man heute ĂŒber die Landstraßen Mecklenburgs, so fragt man sich: „Gehört die Gefahr damaliger Zeit, mit gebrochenen Achsen und zerschmetterten Gliedern irgendwo im Schlamm des Straßengrabens zu liegen, tatsĂ€chlich der Vergangenheit an?“

„O Wagenrungen, Achsen, Speichen und Felgen! O Knochen, Rippen, Muskeln und Sitzfleisch. Was ist das fĂŒr ein Weg!“. Diesen Ausruf legte Fritz Reuter seinem ‚Herrn von Hakensterz’ in den Mund.

Die Straßen wurden nicht nur von Kutschen befahren. Auch Fuhrwerke mit schweren Lasten, beladen mit Handelsware oder ErnteertrĂ€gen, zerstörten immer wieder die unbefestigten Wege. In der BlĂŒcher-Chronik wird dies so beschrieben: „Ein stolzes Bild war es und seine Leute erzĂ€hlten gern davon, wenn mehrmals im Jahre in einer langen Reihe von Wagen hoch mit Korn oder WollsĂ€cken beladen, die Erzeugnisse des Gutes an die nĂ€heren oder entfernteren MĂ€rkte zum Verkauf gebracht wurden.“

Der Zustand der Landwege erforderte feste Wagen mit vier krĂ€ftigen Pferden; wenn man sein Ziel erreichen wollte und fĂŒr alle FĂ€lle wurde noch ein Reserverad hinten aufgebunden. Das Silbergeld in kleineren oder grĂ¶ĂŸeren Beuteln war abgezĂ€hlt und unter dem Sitz wohlverpackt. So machte sich der Einzelne mit seiner Dienerschaft auf den Weg und brauchte oft mehr als eine Tagereise, bevor er seinen Bestimmungsort erreichte.

Und natĂŒrlich gab es auch schon eine Straßenverkehrsordnung, die Wege-Policei-Ordnung von 1824:

Darin gab es Trost: „Falls der Reisende verunglĂŒckt, muss ihm jeder Ortsvorstand oder Schulze allen Beistand mit Menschen, Pferden oder Werkzeug leisten.“

Die Straßen von Schwerin nach Wismar und von Rostock nach GĂŒstrow und Neubrandenburg waren berĂŒchtigt und gefĂŒrchtet. Zerbrochene, im Schlamm versunkene Wagen und krepierte Pferde am Straßenrand waren nichts Seltenes.

Mit allzu vielen Verkehrsregeln wurden die Menschen der damaligen Zeit nicht belastet. Von den insgesamt 11 Punkten, die bei Gebrauch der Wege zu beachten waren, seien hier folgende genannt:

„Böse Hunde dĂŒrfen nicht frei herumlaufen.“ Ebenso war das hirtenlose Herumlaufen der Schweine auf den Wegen verboten.

Untertanen, die auf Feldern neben der Straße arbeiteten, war es untersagt, beim Herannahen eines Fuhrwerkes ihre Sensen zu streichen oder andere, die Pferde scheu machende Bewegungen auszufĂŒhren, wie Klatschen oder Schreien.

Ein Absatz betraf die Frauen: Das AufhĂ€ngen der WĂ€sche, FarbtĂŒcher und anderer, die Pferde scheu machender GegenstĂ€nde vor und an den HĂ€usern oder auf den ZĂ€unen war verboten. Als Strafe waren Geldbußen vorgesehen. Weiter heißt es: „Wer das Geld nicht bezahlen kann, ist einer angemessenen körperlichen Bestrafung – dem Halseisen – zu unterziehen.

Es war eine Gewohnheit der Postkutscher, in allen Orten rasch zu fahren. Dies war nĂŒtzlich und darĂŒber sollte niemand schimpfen.

Ist nĂ€mlich an der Kutsche etwas zerbrechlich, so wĂŒrde es besser sein, wenn es im Ort bricht und reißt, wo die Hilfe nahe ist, als auf offner Straße. HĂ€lt aber das Fuhrwerk die Probe des Rasselns auf dem Kopfsteinpflaster aus, so kann man hoffen, heil und gesund ans Ziel zu kommen."

Mir scheint, mit diesen rasenden Belastungsproben testen auch noch heute einige Autofahrer ihre Fahrzeuge.

Das Reisen in Mecklenburg war in vergangenen Jahrhunderten zeitraubend, mĂŒhsam und strapaziös. Außerdem war es oft wegen der ĂŒblichen StraßenrĂ€uberei nicht ungefĂ€hrlich.



Hiermit möchte ich meine Lesung schließen und kann Ihnen nur wĂŒnschen, dass Sie ohne gebrochene Achsen und ohne StraßenrĂ€uber - heut nennt man es Radarfallen - heil wieder nach Hause kommen.

Ich hoffe, wir sehen uns gesund wieder.






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Marius Speermann
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Zuerst mal: ich finde die ganze Chronik gut und interessant, aber gerade am Anfang holpert es etwas. Du beginnst mit relativ viel Detailinformationen zum Gut, die den Zuhörer verwirren könnten. Nicht zuviele Jahreszahlen (das erinnert an den Geschichtsunterrricht) und wer wann geboren und wie geheissen hat.

Konzentriere Dich lieber auf einige wenige Anekdoten und Beschreibungen des alltÀglichen Lebens, der 2-3 wichtigsten oder interessantesten Gutsherren (gerade der eine Ritter) und der grossen Ereignisse (wie die durchziehenden Truppen). Auch die Beschreibung des Speiseplans ist gut.

Auf diese Weise können sich die Zuhörer besser reindenken, sich damit identifizieren und schlafen nicht ein.

Generell ist das vermutlich weniger als "Lesung", denn als Vortrag/PrĂ€sentation zu sehen, wo Du einige wenige (3-5) SchlĂŒsselszenen aus der Geschichte des Gutes schilderst. Weniger, das aber lebendig beschrieben, ist da mehr.

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Rumpelsstilzchen
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Genau!
Anekdötchen musst du erzÀhlen.
So zum Beispiel wie hier:

quote:
Ein Enkel Anton Friedrichs berichtet von schönen Erinnerungen aus seiner Jugendzeit. Bei den sonntĂ€glichen Besuchen in Bobbin und besonders zu den Geburtstagsfeiern der Großmutter Karoline ergab die Zahl der Kinder und Enkel, zusammen mit der Nachbarschaft oft eine Mittagstafel von ĂŒber 30 Personen. Der Geburtstag – 23. Juli – fiel mitten in die Rosenzeit und im Bobbiner Garten waren fast sĂ€mtliche Steige mit Rabatten voller hundertblĂ€ttriger Rosen eingefasst...
Na und so weiter.

Dein Anfang, mit Verlaub, ist grauslich.
quote:
Wie Sie wissen, schreibe ich an einer Chronik ĂŒber das Herrenhaus Bobbin. Die Bobbiner nennen es ĂŒbrigens „das Schloss“. Bei meinen Recherchen bin ich nun auf eine FĂŒlle von Material gestoßen, das in der Chronik keinen Platz findet. Sonst wĂŒrde diese Chronik ein mehrbĂ€ndiger Brockhaus.

Du musst den Leuten doch nicht erzÀhlen, was sie wissen.
Erst mal nett begrĂŒĂŸen, dann zur Sache, SchĂ€tzchen: Bei meiner Recherche fĂŒr die Chronik ĂŒber das Herrenhaus Bobbin...

quote:
Damit einiges der sehr interessanten Funde nicht verloren geht, habe ich es fĂŒr diese Lesung zusammengestellt. Und so berichte ich Ihnen heute von traurigen und erheiternden Geschichten rund um das Bobbiner Schloss.
Uff. Lies den ersten Satz mal laut.
Beim zweiten Satz machst du gleichen Fehler wie eingangs: du erzÀhlst den Leuten, was sie schon wissen. Du musst ihnen doch nicht erklÀren, was du gerade vor ihren Augen tust!

quote:
Ein genaues Tages- oder Monatsdatum ist nicht bekannt, wie wĂ€re es mit einem Fest mitten im Sommer? In den Schulferien? Welch ein Spaß fĂŒr jung und alt!
Wenn du die Begeisterung deiner Worte nicht ehrlich verspĂŒrst und auch zu deinem Publikum transportieren kannst, wirken sie ziemlich aufgesetzt. Ich weiß es ja nicht, sage es dir nur sicherheitshalber.

Ja, mit den Zahlen und den Namen ist das so eine Sache. NatĂŒrlich bei dem Thema unabdingbar, insgesamt sicher auch nicht zu viel. Aber schlecht verteilt. Irritierend fand ich auch die ZeitsprĂŒnge. Erst rappelst du einmal durch die ganze Geschichte von 1282 bis 1945, plötzlich haben wir wieder 1822 und bauen ein Herrenhaus.
Ha! Jetzt, wo ich dies gerade schreibe, wird mir der Grund fĂŒr ein generelles Unbehagen an dem Text klar: du wechselst mitten im Ritt das Schemapferd: erst sortierst du chronologisch, mit einem Male thematisch. Du solltest dich entscheiden und diese Linie dann konsequent verfolgen. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.
Solltest du die chronologische Variante wĂ€hlen, entfĂ€llt das Problem der ThemenĂŒbergĂ€nge. Die sind dir teilweise sehr hölzern geraten. Zum Beispiel hier:
quote:
Reisen

Na, und dann das Reisen in frĂŒheren Zeiten....

Den Speiseplan wĂŒrde ich an deiner Stelle nicht in dieser VollstĂ€ndigkeit vortragen. Das wirkt fĂŒr den Zuhörer sehr ermĂŒdend.
Sehr gut gelungen ist dir dagegen die Einbindung der Straßenverkehrsordnung, die auch fĂŒr sich schon anekdotischen Charakter hat.

So.
Und weil ich jetzt so furchtbar viel gemeckert habe, gibt es noch einen Tipp fĂŒr den Vortrag:
Guck dir jemanden im Publikum aus, der dir halbwegs sympathisch ist. Wohlwollend sind sowieso alle, sonst wĂ€ren sie wohl kaum gekommen. Diese nette Person, die möglichst in der Mitte des Publikums sitzen sollte, siehst du immer mal wieder wĂ€hrend deines Vortrages an. Das stĂ€rkt dein Selbstvertrauen und erweckt Sympathie bei den Zuhörern, von denen sich zumindest jeder im nĂ€heren Umfeld deines Sympathisanten angesprochen fĂŒhlt.

Hielt den Daumen und hat sich verdrĂŒckt

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Zwillingsjungfrau
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Das Schloss Bobbin

Hallöchen, ihr zwei Lieben,

vielen herzlichen Dank fĂŒr eure MĂŒhe und Stellungnahmen. Ihr hab ja Recht. Ich hab mir eure Antworten ausgedruckt und so werde ich jetzt nachdenken, umstellen, neu formulieren und vor allem streichen. Den roten Faden möchte ich thematisch gliedern, dann haben die einzelnen Geschichten einen Anfang und ein Ende. Das fĂŒhrt natĂŒrlich zu ZeitsprĂŒngen. Deshalb werde ich die Jahreszahlen weit-gehend rausnehmen und dafĂŒr beispielsweise von „im Mittelalter“ sprechen. DafĂŒr hab ich dann aber Überleitungen, die ich mit „persönlicher Ansprache“ und Fragestellungen wie die Moderatoren formuliere.

Ich gehe davon aus, dass in erster Linie Bobbiner zum Tag des offenen Denkmals kommen werden. Doch habe ich auch die Gemeindevertreter eingeladen, die bei kĂŒnftigen Entscheidungen ein Wörtchen mitzureden haben. Bobbin, Gemeinde Wasdow, hat etwa 200 Einwohner. Die Bevölkerung ist ĂŒberwiegend Ă€lter. Ich sprach mit der DorfĂ€ltesten, sie war Melkerin auf dem Gut, spĂ€ter in der LPG. Zumindest die Ă€lteren Dorfbewohner waren alle in irgendeiner Position auf dem Gut tĂ€tig. An der Geschichte des Schlosses und der Bauern in frĂŒheren Jahrhunderten war die 78jĂ€hrige sehr interessiert. Die angefĂŒhrten Namen von Anton Friedrich und Karoline sind allen aus den Grabinschriften gut bekannt.

Wenn es euch interessiert, wovon ich spreche, das Herrenhaus findet ihr unter gutdshÀuser.de, Bobbin. Ich melde mich wieder mit dem neuen Ergebnis.

Der Tipp, eine Person bei der Lesung anzusehen, ist Gold wert.

Knuddel, knuddel
Ingrid

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Marius Speermann
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Re: Das Schloss Bobbin

TatsĂ€chlich solltest Du bei einem Vortrag nicht nur eine Person ansehen, sondern jedem das GefĂŒhl geben, zu ihm/ihr gesprochen zu haben. Also im Verlaufe des Vortrags bemĂŒhe Dich, Augenkontakt mit jedem gemacht zu haben (sofern das möglich ist).
Damit vermeidest Du auch, Dich auf einen dieser "Ja-Nicker" zu konzentrieren, und den falschen Eindruck zu bekommen, dass alles wunderbar in Deinem Vortrag ist.

Mario

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Zwillingsjungfrau
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Hallöchen ihr zwei,

die ihr mir so nett geholfen habt. Ich hab meinen Text ĂŒberarbeitet und den vorherigen rausgenommen. Eure RatschlĂ€ge hab ich mir zu Herzen genommen. Jetzt spreche ich ihn noch einmal laut und nehme dabei die Zeit. Ich soll etwa eine halbe Stunde reden. An den Rand meines Konzeptpapieres werde ich mir vorsichtshalber die genauen Jahreszahlen notieren, falls jemand diesbezĂŒglich fragt:
"Wann war das?"

Ist das Unbehagen jetzt weg?

LG
Ingrid
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