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Leselupe.de > Humor und Satire
Das verregnete Schützenfest
Eingestellt am 27. 01. 2012 15:43


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Hagen
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Das verregnete Schützenfest

Darenweder Bürger lassen sich nicht aus der Fassung bringen und ihr traditionelles Schützenfest durch nichts, aber auch gar nichts vermiesen. Was auch immer passiert, man nimmt es mit Gelassenheit und die eine oder ‘Lütge Lage’ im Festzelt mehr zu sich, wenn auf dem Festplatz mal ein Regenschauer nieder geht. Anschließend schaut man kurz nach draußen, blinzelte in die Sonne und ein gestandener Schütze stößt mit einem Besen von innen unter die Zeltplanen, damit das Regenwasser von der Dachbeplanung abfließt. Danach wendet man sich wieder dem Bierkonsum, den Festreden sowie dem Tanze zu, und - wie es sich für ein ordentliches Schützenfest gehört - einer mehr oder weniger gelungene Rauferei zum Abschluss des jeweiligen Abends.
Eines Jahres jedoch, vor langer Zeit, hörte es nicht auf zu regnen. Bevor es richtig los ging, mit Königsschießen, Marschieren, Reden, Ehren, Musizieren und feiern; - also allem, was zu einem mustergültigen Schützenfest gehört, - nieselte es ein wenig vor sich hin. Das nahm man während des Königsschießens mit Gelassenheit, und spannte anschließend auf dem Weg zum Festzelt die vorsorglich mitgebrachten Schirme auf. Dort angekommen, schüttelte man die Schirme aus, faltete sie zusammen und stellte sie in die bereit gestellten Schirmständer. Einige Damen platzierten ihre Schirme jedoch aufgespannt neben besagte Ständer obwohl jeder weis, dass es Unglück bringt, wenn man in einem geschlossenen Raum einen Schirm aufspannt. Allgemein jedoch fühlte man sich viel zu behaglich, als dass man mit den Damen diskutieren wollte, zumal der aus einem benachbarten Ort eingeladene Bogenschützenverein eintraf.
Diese Bogenschützen hatten als besondere Attraktion ein Schauschießen mit Pfeil und Bogen angekündigt, welchem man mit Spannung entgegen sah. Während man nun die Zielscheiben aufstellte und die Schießbahnen absicherte, kleideten sich die Bogenschützen um. Kaum dass die letzte Scheibe aufgestellt und die letzte Sicherungsleine gespannt war, traten die Bogenschützen in Erscheinung; - gewandet in indianischer Kleidung mit Federschmuck und Kriegsbemalung. Doch bevor sich der erste Pfeil von der Sehne löste, entzündete der Häuptling des Vereins eine Friedenspfeife, begrub vorsorglich ein Kriegsbeil damit alles friedlich verlaufen möge, schlug eine mitgebrachte Trommel und erbat die Aufmerksamkeit das Wohlwollen des großen Manitu für dieses Schützenfest.
Kaum dass der erste Bogenschütze seinen Pfeil auf die Sehne setzte, hörte der Nieselregen auf, und Pfeil auf Pfeil traf ins Schwarze. Zeitzeugen berichten, dass nicht genug Platz für alle Pfeile in der Mitte der Scheibe war, so dass gar mancher Pfeil in der Scheibe von dem folgenden gespalten wurde.
Nachdem die Pfeile verschossen und der donnernde Applaus verklungen war, legten die Bogenschützen ihre Schützenuniformen an, wuschen die Kriegsbemalungen aus den Gesichtern, man begab man sich in das Festzelt, und begann mit dem Schützenfest.
In diesem Moment setzte der Regen wieder ein, was man indes mit typisch Darenweder Kontenance hinnahm. Festessen, Festreden, Ehrungen, alles ging glatt und ohne Komplikationen einwandfrei durch, und während die Tanzkapelle ihre Verstärker und Lautsprecher aufbaute, nahmen die Teilnehmer des bisher mustergültig verlaufenden Schützenfestes zahlreiche ‘Lütge Lagen’ zu sich.
Zeitzeugen berichten von einem kleinen Umtrunk der Herren des Vorstands mit dem Leiter der Tanzkapelle zu diesem Zeitpunkt. Der Kapellmeister äußerte Bedenken zum weiteren perfekten Ablauf dieses Schützenfestes, weil die Noten seiner Musiker beim Einmarsch etwas feucht und damit ein ganz klein wenig unleserlich geworden waren. Das dürfte zwar generell kein Problem darstellen, aber einige Stücke waren frisch eingeübt und nur mit Ansicht des betreffenden Notenblattes perfekt zu spielen. Innerhalb einer Stunde könnte er neue, lesbare Notenblätter beibringen, was leider eine kleine Verzögerung im Programmablauf bedeuten würde.
Da legten sich die Gesichter der Vorstände in arge Falten, zwei ‘Lütge Lagen’ lang grübelte man beharrlich und entschied sich dann, trotz der feuchten Noten programmgemäß zum Tanze aufzuspielen, was man auch tat. Bald war die Tanzfläche mit sich harmonisch wiegenden Paaren zahlreich bevölkert, doch als die Kapelle die neu eingeübten Stücke spielte, welche die Musiker von den feuchten Noten abzulesen genötigt waren, kam es zu leichten Disharmonien. Der Musik folgend tätigten einige Paare furiose Sprünge, welche von weiteren Tänzern begierig aufgenommen und nachgeeifert wurden.
Doch bevor diese leichte Ausschweifung zu eskalieren drohte, ließ der Kapellmeister den klassischen ‘Ententanz’ spielen und kündigte sodann eine kleine Tanzpause an.
Diese wurde dankbar angenommen und die meisten Teilnehmer des Schützenfestes begaben sich nach draußen, um ein wenig frische Luft zu schnappen. In diesem Moment öffnete der Himmel alle seine Schleusen, man sprach sogar von ‘geplatzten Wolken über Darenwede‘; - es prasselten Wassermassen nieder, wie sie seit Darenweder gedenken noch nicht und bis heute nicht mehr nieder gegangen waren.
Vier gestandene Schützen mussten mit Besen die Wassermassen von der Dachbeplanung des Festzeltes drücken, ein Brauereifahrzeug, welches Bier nachzuliefern hatte, wühlte sich bis zu den Achsen in den ruckartig schlammig gewordenen Boden und eine Würstchenbude wurde vor das Rathaus am Ende des Festplatzes geschwemmt.
Ansonsten ließ man sich nicht beirren, mit wilder Entschlossenheit feierte man das Schützenfest trotz des andauernden Regens hartnäckig zuende. Das örtliche Fachgeschäft für Regenbekleidung machte das Geschäft seines Lebens, und dem Betreiber der Feldküche wurde bei Strafe verboten, seine Töpfe, die Erbsensuppe beinhalteten, länger als zehn Sekunden offen zu halten.
Wie gesagt, Darenweder lassen sich durch nichts aus der Fassung bringen, erst Recht nicht, wenn es um ihr Schützenfest geht; - nur bei der Nachbesprechung äußerte jemand die Vermutung, das die als Indianer verkleideten Bogenschützen die Aufmerksamkeit des großen Manitu erbeten hatten. Der große Manitu hatte dem Schützenfest sicherlich wohlwollend seine Beachtung geschenkt und die absonderlichen Tänze, die von den schlecht lesbaren Noten gespielt wurden, als ‘Regentänze’ aufgefasst, zumal der ‘Ententanz’ der anschließend gespielt worden war, stark an besagte Regentänze der Apachen erinnert.
Dieser Vermutung wurde zunächst wenig Beachtung geschenkt; - ob ein Zusammenhang besteht, ist bis heute jedoch heftig umstritten. Dass während dieses Schützenfestes keine Rauferei absolviert worden war, wurde allgemein mit Erleichterung aufgenommen. Der Tatsache, dass vorsorglich ein Kriegsbeil vergraben worden war, wurde keine Anerkennung gezollt.
Seltsam ist nur, das man den Bogenschützenverein aus dem Nachbarort nahe legte, in Zukunft auf indianische Kleidung und Bräuche zu verzichten, sollten sie sich jemals wieder Darenweder Boden nähern.

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