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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Dekalog (1.Teil)
Eingestellt am 13. 01. 2004 23:49


Autor
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Sascha Noe
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jan 2004

Werke: 6
Kommentare: 1
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DEKALOG




1


Als Herr Adam auf die Stra├če trat, lag der wei├če Himmel wie in Eierschale. Es war fr├╝h genug, vorbeigehend die W├Ąrme aus den B├Ąckereien zu riechen, wo die Br├Âtchen noch frei, wie Geschenke, auf eben hingestellten Blechen lagen. Und von der Sonne war noch nicht die k├╝hle Milch des Morgens abgelaufen. Herr Adam n├Ąmlich erwartete jeden Tag den Augenblick, wo sie goldgelblich, wie ein aus der Stadt gehobener L├Âffelvoll Honig, vor seiner frischen Stirn aufsteigen w├╝rde. Dann sog er ihr Licht lang in seinen Atem, da├č sich die Schultern hoben vor Aufgang.




2


Da war der Park. Ein Baum herabgew├Âlbt zu einer H├Âhle. Sie stellten sich ins schattenschwarze Innere. Drau├čen war die Zeit voll gelben Lichts gegossen, durchquert von Stimmen und K├Ârpern. Die Kletterstangen glitzerten gegen├╝ber. Ein silbriger Brunnen inmitten von eiligen Kiesschritten. Beete und Flaschen. V├Âgel. Weil ihre kleine Hand kalt war, fragte er: ob sie in die Sonne gehen sollten. Denn es war Mai, und die Leute gingen unter dem Himmel wie unter einem Dach. Deine Hand ist auch kalt, sagte sie. H├Âr mal, sagte er ÔÇô aber ein grauer Mann kam nah vor├╝ber, schlurfend und staubig. Eine Taube flog vor ihn hin. Und er schlich, b├╝ckte sich und streckte langsam die Hand aus. Schon flog sie weg. Und er ging weiter. Einer, der seinem Ungl├╝ck folgt. Denn was gibt sonst die Richtung. Dachte er. Gl├╝ck hat keine Richtung. Die einzige Richtung ist Fortwollen. Wie lange bleiben wir hier stehen, fragte sie. Willst du weiter? Nein. Jetzt k├Ânnte er. Es roch nach Bl├╝ten, einen Windzug lang: Blau und k├╝hles Gr├╝n, einmal um die Rinde bewegt. Wohl aus Langeweile begann sie, gegen die hervorgewachsene Wurzel zu treten. Mir ihren kleinen wei├čen Schnallenschuhen. Ihre Lider zuckten dabei schwach. Wenn er genau hinsah. Schon davon zuckten sie. Morgen war auch noch Zeit. Es w├╝rde jetzt mehr Zeit sein.
Er w├╝rde sagen: Mama kommt morgen.




3


Ich bin dein Vater! Amen. Eine Fliege, steigend auf Seinem Fr├╝hst├╝cksei. Und Er, Vater, k├Âpfte ihren Berg und kaute ihn. Und ich sage: Nein!! Wohin sind meine Knie geschmolzen, da├č ich drauf falle. O Herr ├╝ber f├╝nf Zimmervoll Volk, pantoffelgewaltig. W├Ąhrend Antonia sehr sittsam ein r├Âtlich Dotterbr├Âckchen in ihr spitzes L├Ącheln l├Âffelt. Und Alice zum Kauen den Ring auszieht, damit er sich nicht abnutzt: so ruhe auf wollenem Eierw├Ąrmer: wo er morgengoldig blinzelt. Denn sengend f├╝llt der Schein des gro├čen Lichtes, das da dumpfe Tage von dumpferen Tagen trennt, den gro├čen dumpfen Tag. So wird aus Morgen und Abend ein t├Ągliches Dumpfsein. Und Zeit h├Ąuft sich auf Zeit zu einem gro├čen Haufen. Und Haufen auf Haufen zu einer gro├čen Zeit. Und So auf Weiter bis in alle Undsoweiter. ÔÇô Nur bis jene Zeit kommt: seines Auszugs. Er: mit der Gitarre auf der Schulter, die Sonne tief im Abend und neben der Stra├če dreihundertsechzig L├Ąngengrade: Er. ÔÇô Ob du das verstanden hast, frage ich! Du sollst antworten!! Nicke listig. Jetzt la├č doch den Jungen erst fr├╝hst├╝cken. Sie spricht ja, die Mutter ÔÇô: wie nasse Asche von verfallnen Schatten hin und wieder wohl zum Blitz aufgl├╝ht. Du sollst ÔÇô, du sollst mich nicht unterbrechen!! Und den Rucksack kann er sofort auspacken! Sofort!! ÔÇô Sechs Stahlsaiten Freiheit: in die greift man sein eigenes Lied, unterm eigenen Himmel, dem allereigensten Dach: dem Wind. Antonia sch├╝ttelt ihr eigenes K├Âpfchen. Wisch dir mal die Dotterlippe. Den Flaum im h├Ą├člichen Sonnengelb. Sofort!! Nicke feig. Die Fliege kriecht ihm schweigend ins Ei: die Fliege Gerechtigkeit. Jetzt la├č doch ÔÇô ÔÇô Adelheid, du sollst ÔÇô! Du sollst ÔÇô!! Ja, Adelbert.
Ein himmlischer Fluch, Aurelius zu hei├čen.-




4


ÔÇ×Kaffee still!ÔÇť Eberhard wies mit dem Mittelfinger auf die Glaskanne. Er nahm sie und go├č ein. Ja, Eberhard wollte auch. Er schenkte ihm zwei Schlucke aus, f├╝llte die graue Tasse mit Milch und stellte sie vor Eberhard hin. Der fing sofort zu schl├╝rfen an und rief wie immer: der guuute Kaffee! W├Ąhrend er wieder am Fenster stand und rauchte. Immer noch sa├č auf dem Zaun das Vogelpaar. Gertrud lag ausgestreckt im Gras. Wie er wu├čte, fand sie so Kontakt zum Erdinnern. Die Sonnenf├Ąrbung hatte sich ausgebreitet bis an ihr Haar und Zaun und V├Âgel schon hell ├╝berzogen. Den Zaun hatte er gestern repariert. Ein faules Brett abgeschlagen und ein andres, gr├╝nes, angeh├Ąmmert, das im Schuppen gelehnt hatte. Eberhard, zwei N├Ągel haltend, hatte wie immer danebengestanden. Die Kippe knirschte leise unter seinem Finger; dann kam kein Rauch mehr. Es war still heute morgen. Er sah hinaus, schlo├č die Augen halb, da├č das gr├╝ne Brett in der Wiese verschwand und der Zaun zwischen zwei Pfosten offen schien. Gertrud war blinzelnd aufgestanden und setzt sich dort: in die Luft. ÔÇ×Gerdi schweeebt!ÔÇť schrie ihm Eberhard ins Ohr, da├č er erschrocken herumfuhr. Eberhard hielt die Augen genauso zusammengekniffen und griente nach drau├čen. Von ihrem Mongolenschnitt blieb kaum mehr als eine geschwungene Linie. Ein wei├čer Kaffetropfen rann ihm durch den Bart. Als Gertrud bemerkte, da├č Eberhard am Fenster stand, pr├Ąsentierte sie sich in sehr grazi├Âser Pose. Hinter ihr lag fern die Stadt. Graue und gl├Ąnzende H├╝lsen. Dar├╝ber aufgeschirmt ein fast zu reines Blau. Von der Br├╝cke glitzerten hin├╝bereilende Autos. Hinter dem Schuppen erschien jetzt ein bem├Ąntelter Alter, der langsam ihre Sicht durchquerte. Der Zaun warf einen kurzen Schatten. Was f├╝r ein einf├Ąltiges Bild, dachte er. Und f├╝hlte sich klein und behaglich darin. Er wandte sich ab und setzte sich zum Lesen in die Eckbank. Wie immer, wenn er das tat, war sein Buch vom Tisch verschwunden. Also trat er zum K├╝hlschrank und ├Âffnete das Gefrierfach. Eberhard beobachtete ihn. Da lag es. ÔÇ×Geklaut, geklautÔÇť rief er, scheinbar lustig, aus. Er wischte es trocken und nahm erneut Platz. Eberhard hockte sich trotzig vor ihn, belauerte seine Leseeinsamkeit. Schl├╝rfte aus der leeren Tasse. Da trat Gertrud ein. Die w├╝rde ihn ablenken. Eberhard err├Âtete. Sie hatte sich schwungvoll neben ihn gesetzt und sah ihn an. Und w├Ąhrend sie l├Ąchelnd seine Hand nahm und daraus zu lesen anfing, schlo├č er sein Buch und ging in die Sonne hinaus. An der T├╝r flattern irgendwelche V├Âgel ├╝ber ihn weg. Er bleibt stehen. Der Neue, neben den Stufen kauernd, blinzelt erschrocken hinauf.
ÔÇ×HimmelÔÇť, lallt er.





5


Sofort zog er die Jalousie hinauf. Licht und hoch erschien die gegen├╝berstehende H├Ąuserwand. Eine junge Schlanke mit glanzschwarzem Haar lehnte dort. Schritt lax den Balkon ab. Telefonierte. Sah sie ihn? Er schaltete Musik ein, ├Âffnete das Fenster und machte sich gleichg├╝ltig an der Fensterbank zu schaffen, die schon leerger├Ąumt war. Er sah zuf├Ąllig hin├╝ber. Sie war weg. Die gelbe, angew├Ąrmte Hauswand war ohne Bewegung. ├ťber ihr zogen keine Wolken hin. Und die Menschen gingen aus unter solchem Himmel; um unter Ausgehenden zu sein. Der Innenhof war leer und schattig. M├╝lltonnen, ein Fahrrad, keine Taube. Er stellte die Musik ab: Bebop ÔÇô wozu h├Ątte ihn das antreiben sollen? Er konnte doch jetzt nicht wieder nach drau├čen, wo er soeben nach hause gekommen war. Schon seit einer Woche lief er in der Stadt umher. Hatte wenig gesehen, denn immer ging er eilig, ohne sich umzuschauen, eben wie einer, dem jeder ansieht, da├č er die Stadt kennt und benutzt, in ihr einen Alltag organisiert hat und gerade auf dem Weg zu jemandem ist. Oder wie einer, der in seinem interessanten Leben interesselos gegen die anderen Leben ist. Wie ein Begehrter. Nicht wie ein Begehrender. Anfangs hatte er die Kisten ausger├Ąumt, Regale aufgebaut, die Bilder angenagelt. Und als er sp├Ąt fertig war, ging er aus, um zu essen, und trat, m├╝de und gel├Âst, bei einem Griechen ein. Zu seiner Linken sa├čen zwei junge Frauen um einen blonden, schlanken Mann. Sie sprachen englisch, lachten laut, und ein Mal, als ihm sein Messer entglitt und auf die Kacheln klirrte, sah man sich knapp nach ihm um. Sie lie├čen das Lokal sehr still zur├╝ck. War er der letzte Gast? Er a├č eilig und ging. Ersch├Âpft und leer, schlief er sofort ein. Er kam gar nicht dazu zu f├╝rchten, da├č er wachliegen m├╝sse.

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