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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Alte und die Katze
Eingestellt am 10. 04. 2006 20:25


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Tochter des Ozeans
AutorenanwÀrter
Registriert: Nov 2003

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Die Sonne flimmert im Sand, spiegelt sich im gleichmĂ€ĂŸigen Auf und Ab des Wassers wieder. Auf einer alten Steinmauer, deren verschieden farbige Teile ein grau-rötliches Mosaik bilden, streicht sich eine kastanienbraune Katze mit den Pfoten ĂŒber ihr Gesicht, zuckt, als sich eine Fliege kurz auf ihrem Fell niederlĂ€sst und erneut die LĂŒfte surrt.
Ein Segelboot, dessen rote und blaue Farbe zum grĂ¶ĂŸten Teil abgeblĂ€ttert ist und mit dem darunterliegenden rattengrauen Holz mit etwas Phantasie und kindlicher Beobachtungsgabe eine Meerjungfrau ohne Arme darstellt, wiegt in den Wellen und schlĂ€gt unregelmĂ€ĂŸig gegen den betonierten Anlegesteg.

Vor einem einst weißen Haus sitzt auf einer Holzbank ein Mann, dessen erlebte Jahre sich tief in die Haut gebissen und ihr dadurch jegliches Schimmern genommen haben. In der linken Hand hĂ€lt er einen Stock, der etwa die LĂ€nge seiner Beine hat, mit der rechten fĂŒhrt er eine Pfeife zum Mund. Sein Blick wandert ĂŒbers Meer, wĂ€hrend er seine Lunge mit Pfeifenrauch fĂŒllt.
Seine Gedanken fliegen in die Vergangenheit, in die Zeiten, in denen seine Knochen und Augen noch stark waren. In denen er morgens mit seinem Boot loszog, raus aufs Meer, und erst am spÀten Nachmittag im Hafen einlief. Tage, an denen er sich keine Pausen gönnte, sie nicht brauchte, weil ihm das Geschehen auf dem Meer mehr Kraft schenkte, als ihn das Fischen, Rudern und Lenken des Bootes kostete.
Erst die Hauskatze, die ihm sanft um die Beine streicht, holt ihn zurĂŒck in die Gegenwart. Ein LĂ€cheln huscht ĂŒber sein Gesicht, als er sie zu sich auf den Schoß hebt und ĂŒber ihr weiches, dunkles Fell streicht. Das Tier beginnt zu schnurren und fĂ€hrt seine Krallen ein.

Eine Studentin, deren Tasche mit BĂŒchern voll gepackt sind, dass sie kaum mit aufgerichtetem Oberkörper laufen kann, ĂŒberquert den leeren Rathausplatz. Schweiß perlt von ihrer Stirn auf ihr gelbes T-Shirt.
Sie geht an den menschenleeren CafĂ©s, deren RollĂ€den heruntergelassen sind, biegt in eine kleine Seitengasse ein. Es geht bergab und so rutscht sie bei jedem Schritt in ihren Sandalen nach vorne, sodass sich rote AbdrĂŒcke von den Riemen auf ihren FĂŒĂŸen abzeichnen.
Endlich das Ende der Straße erreicht, breitet sich vor ihren Augen das Meer aus. Sie atmet auf, ein LĂ€cheln tĂ€nzelt ĂŒber ihre Lippen. Nach ein paar Schritten lĂ€sst sie ihre Tasche fallen, streift ihre Kleider ab und springt ins Meer. Im Wasser vergisst sie die Anstrengungen des Tages, die LehrsĂ€le, in denen die Studenten wie Sardinen in BĂŒchsen nebeneinander sitzen und die Hausarbeiten, die sie fĂŒr die kommende Woche bewĂ€ltigen muss.
Es ist ruhig, dieser Teil der KĂŒste wird von den meisten Einwohnern der Stadt verpönt, weil der Steinstrand sich nicht als Badestrand anbietet. So sind auch heute außer ihr nur wenige im Wasser.
Nach einigen ZĂŒgen wankt sie zu ihrer Tasche und legt sich auf ihr Badetuch, welches sie neben ein fast farbloses Segelboot auswirft. Die Sonne kitzelt auf ihrer Haut, ihr Blick wandert ĂŒber den Strand.
„Miau“ – Die junge Frau erblickt eine Katze neben sich. Sie hebt die Hand und streicht dem Tier behutsam ĂŒber das braune Fell. Die Katze jedoch, wirft sich nicht wie erwartet auf den warmen Sand neben sie um weitere Streicheleinheiten zu bekommen, sondern rennt hinfort. Dabei wirft sie mit ihren Hinterpfoten Sand in das Gesicht der Studentin.
Die junge Frau lÀchelt.
Die Katze springt wieder auf die Bank, neben den alten Mann, der noch immer vor seinem Haus im Schatten sitzt. Seine Pfeife hat er inzwischen weggelegt.

„Na meine SĂŒĂŸe, so schnell wieder zurĂŒck?“
So werden die beiden, wie jeden Tag, vor der vom Schmutz angegriffenen Hauswand sitzen und auf den Abend warten, wÀhrend sie ihre Tasche packt, sich in die Metro schwingt und auf ihrem Zimmer im Wohnheim, bei offenen Fenstern auf das Zirpen der Grillen wartet.

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