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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Der Beschluss ist unanfechtbar!
Eingestellt am 13. 06. 2003 18:07


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Aneirin
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Das Gartentor stand sperrangelweit offen und die Haust├╝r einen Spalt, als Ines von ihrem Spaziergang zur├╝ckkam. Vor dem Haus parkte ein Auto japanischer Bauart, das sie noch nie in der Stra├če gesehen hatte.
Ines schaute durch die Fenster rechts und links von der T├╝r in K├╝che und Arbeitszimmer. Kein Fremder hielt sich darin auf und alles stand an seinem Platz. Durch die Haust├╝r drang kein Ger├Ąusch. Wenn sie doch einen Hund h├Ątte, um sie zu bech├╝tzen. Auf Zehenspitzen schlich sie ins Haus. Aus dem Wohnzimmer drang leises Stimmengemurmel und der Geruch nach Zigarettenrauch.
Was erlaubten sich diese Eindringlinge? Ines verga├č ihre Furcht, riss die T├╝r zum Wohnzimmer auf und st├╝rmte hinein.
┬╗In diesem Haus wird nicht ge ...┬ź, das Wort blieb ihr im Hals stecken.
Zwei fremde M├Ąnner schauten ihr entgegen. Der Rauchende sa├č zur├╝ckgelehnt in einem Sessel, gerade so als w├Ąre er zu Hause. Der andere stand in der Mitte des Raumes und wippte auf den Fu├čballen vor und zur├╝ck. Er hielt eine Aktentasche in der Hand. Beide trugen sie Blousons in undefinierbaren Schattierungen von graugr├╝n und Hosen mit akkuraten B├╝gelfalten, an denen man sich schneiden konnte.
┬╗Guten Tag.┬ź Der Raucher dr├╝ckte seine Zigarette aus und erhob sich. ┬╗Sie sind Ines Lewand?┬ź
┬╗Ja, und wer zum Teufel sind sie?┬ź
┬╗Ich hei├če Stern und das ist mein Kollege Auerbach. Wir sind von der BSV.┬ź Beide z├╝ckten ein K├Ąrtchen aus der Innentasche ihrer Blousons und hielten sie ihr hin.
Dienstausweise der Bundesbeh├Ârde f├╝r Sklavenverwaltung, Au├čenstelle Osterzgebirge. Der letzte Rest von Wut ├╝ber das Rauchen sackte in Ines wie ein H├Ąufchen Asche zusammen.
┬╗Ich halte keine Sklaven in meinem Haushalt┬ź, sagte sie und bem├╝hte sich um einen gesch├Ąftsm├Ą├čigen Ton, um nichts von der Furcht in ihrem Herzen zu verraten. Die Mitarbeiter der BSV waren nicht als ├ťberbringer guter Nahrichten bekannt, und Ines schien es, als h├Ątten beide bei ihrer Antwort zynisch gel├Ąchelt und sich einen beredten Blick zugeworfen.
Auerbach ├Âffnete den Aktenkoffer, nahm aus einem Ordner einige Bl├Ątter, die das Siegel der BSV trugen und reichte sie Stern. Bevor Ines auch nur etwas sagen oder denken konnte, stand Auerbach zwischen ihr und der Wohnzimmert├╝r. Der Weg ├╝ber die Terrasse war von Stern versperrt.
Der r├Ąusperte sich. ┬╗Frau Ines Lewand, mit Beschluss der BSV vom vierten Juni zweitausendzweiundf├╝nfzig ist f├╝r sie der Status einer Schuldsklavin festgestellt. Der Beschluss tritt mit der Verk├╝ndung ÔÇô also in diesem Augenblick ÔÇô in Kraft und ist unanfechtbar. Antragstellerin war die All Kreditbank AG aufgrund einer Verpf├Ąndungserkl├Ąrung von J├╝rgen Lewand in H├Âhe von einer Million achthunderttausend Euro. Die Lebensarbeitskraft von J├╝rgen Lewand wurde auf vierhunderttausend Euro gesch├Ątzt, ihre eigene auf neunhunderttausend Euro ...┬ź
Ines wurde schwarz vor Augen.
Als sie wieder zu sich kam, lag sie auf dem Sofa und Stern f├Ąchelte ihr mit dem Sklavenbeschluss Luft zu.
┬╗Aber, aber Sch├Ątzchen. Was soll das? Es hat alles seine Richtigkeit. Sage nicht, du hast nicht gewusst, was dein Herr Papa gemacht hat.┬ź
Stumm sch├╝ttelte Ines den Kopf. Ihr Vater war Erfinder, aber alle seine Erfindungen wollte entweder niemand haben, oder andere Leute hatten sie schon vor ihm gemacht. Er steckte st├Ąndig in Geldn├Âten. Als Ines vor Monaten das letzte Mal mit ihm telefonierte, hatte er ihr begeistert von seiner neuesten Erfindung erz├Ąhlt, die ihn mit einem Schlag reich machen w├╝rde, er m├╝sse nur noch das Startkapital auftreiben, um den Prototypen zu bauen. Das Geld hatte ihm offenbar die All Kreditbank AG gegeben und sich daf├╝r Arbeitskraft verpf├Ąnden lassen.
┬╗Aber er kann doch nicht meine ... und meine Mutter, was ist mit ihr?┬ź
┬╗Er kann. Paragraph vier, Absatz zwei Schuldsklaverei und Verpf├Ąndungsgesetz erlaubt die Verpf├Ąndung der Arbeitskraft von Familienmitgliedern, sofern sie dem selben Stamm angeh├Âren oder es sich um den Ehepartner handelt und die Ehe im Zeitpunkt der Verpf├Ąndung mindestens f├╝nf Jahre besteht┬ź, leierte Auerbach herunter und befestigte mit geschickten Bewegungen ein Funkarmband an ihrem linken Handgelenk.
┬╗Noch ist nicht alles verloren, Kindchen. Du hast f├╝nf Tage Zeit, den geschuldeten Betrag aufzutreiben. Dann bist du wieder frei und deine Eltern auch.┬ź Stern lie├č den Beschluss auf dem Couchtisch zur├╝ck, als sie sich verabschiedeten.

Ines riss und zerrte an dem Funkarmband. Ihre Gedanken ├╝berschlugen sich. Woher sollte sie so viel Geld nehmen? Selbst wenn sie alles einschlie├člich des Hauses verkaufte, w├╝rde der Betrag nicht reichen. Sie verdiente als ├ťbersetzerin genug, um angenehm zu leben, aber nicht genug, um ein Verm├Âgen anzuh├Ąufen. Wie hatte ihr Vater das sich und seiner Familie nur antun k├Ânnen? Das Armband sa├č fest. Der Verschluss bewegte sich nicht einen Millimeter.
Sie rief ihre Eltern an. Der Anschluss war tot. Sie waren schon abgeholt von der BSV.
Was konnte sie nur tun, um den verdammten Sender an ihrem Handgelenk unsch├Ądlich zu machen, mit dem die Sklavenbeh├Ârde jeden ihrer Schritte ├╝berwachte? Welches Material konnten Funkwellen nicht durchdringen? H├Ątte sie nur in der Schule in Physik besser aufgepasst. Metall, das war es doch. Metall und Magneten blockierten Funkwellen oder lenkten sie zumindest ab.
Ines sprang von der Couch auf, suchte fieberhaft nach einem Magneten. Als Kind hatte sie ein Spiel gehabt, bei dem Fische aus einem Teich geangelt werden mussten. Das war magnetisch gewesen und musste noch irgendwo sein. Sie warf nie etwas weg. Im Keller fand Ines das Spiel. Sie riss den kleinen Magneten von der Angel und presste ihn auf das K├Ąstchen, in dem der Sender verborgen war. Er blieb am Geh├Ąuse haften. Sie atmete auf. Der erste Schritt war getan.
In der K├╝che riss sie Alufolie aus dem Schrank, umwickelte Magnet und Sender damit. Zur Sicherheit wickelte sie noch ihre ganze Hand ein. Dar├╝ber kam ein Verband, damit niemand sah, was sie gemacht hatte.

In den n├Ąchsten f├╝nf Tagen l├Âste Ines ihr Konto bei der Bank auf, verkaufte ihre Wertpapiere und auch alles andere, was sich schnell zu Geld machen lie├č. In einem Reiseb├╝ro buchte sie einen Flug auf ihren Namen nach Kopenhagen und in einem anderen einen auf den Namen Marianne Nilson nach New York. In der Riesenstadt New York w├╝rde sie sich eine Weile verstecken k├Ânnen, jemanden finden, der das Armband entfernte und ihr falsche Papiere besorgte. Und dann auf die Bahamas oder in einen anderen Staat, der nicht auslieferte.

Am Flughafen Berlin Tegel gab Ines ihr Gep├Ąck nach New York auf. Sie w├Ąhlte einen Platz am Fenster. Niemand wollte ihren Ausweis sehen. Seit die Industriestaaten eine Allianz eingegangen waren, war das Reisen so viel leichter geworden. Ines wiegte sich in Sicherheit.
Stern und Auerbach traten aus der Menschenmenge auf sie zu.
┬╗Der Funksender ist durch nichts zu ├╝berlisten. Wir wussten die ganze Zeit, wo sie waren┬ź, sagte Stern.
Beinahe kameradschaftlich ergriffen sie ihre Oberarme.

┬ę Aneirin, 2003


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flammarion
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oh,

himmel, ist das gruselig! aber unterhaltsam. n paar kleine tippfehler: die ihm reich machen sollten, da muss es ihn hei├čen, einen Stadt, der nicht ausliefert, da muss es Staat hei├čen und dann fehlt irgendwo das v bei von.
ganz lieb gr├╝├čt
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Old Icke

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Aneirin
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Hallo flammarion,

an den Tippfehlern habe ich gearbeitet, aber das "v" habe ich nicht gefunden.

Vielleicht kann mir einer einen Tipp geben, wie das mit den Zahlen zu machen ist, ob ich sie ausschreiben soll oder als Ziffern. Ich abe beides ausprobiert und nichts gefiel mir richtig gut. Die W├Ârter gefielen mir dann besser als die Ziffern.

Viele Gr├╝├če
Aneirin

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flammarion
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hm,

mir haben mehrere leute, die es wissen m├╝ssen, gesagt, dass man in geschichten die zahlen als worte schreibt.
ganz lieb gr├╝├čt
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Old Icke

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flammarion
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hm,

mir haben mehrere leute, die es wissen m├╝ssen, gesagt, dass man in geschichten die zahlen als worte schreibt.
sie ri├č den haken on der Angel . . .
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Old Icke

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Aneirin
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"v"

Hallo flammarion,

ich habe das "v" erg├Ąnzt und vielen Dank f├╝r den Tipp mit den Zahlen in Buchstaben.
Ich hatte die Regel geh├Ârt, dass nur Zahlen bis zw├Âlf ausgeschrieben werden und die h├Âheren dann nicht, aber einen Grund daf├╝r konnte ich mir nicht vorstellen.

Ganz lieb gr├╝├čt
Aneirin

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