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Leselupe.de > Erzählungen
Der Einzelgänger
Eingestellt am 11. 09. 2004 16:56


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Der Physiker
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2004

Werke: 3
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Atmen. Atmen, wie das Leben manchmal atmet. Mal schnell, mal langsam, mal tief oder flach, aber immer fort, ohne aufzuhören. So atmete er an jenem Frühlingstag die kühle klare Luft ein, die hier oben am Gipfel des Hügels in sein Gesicht blies und durch sein Haar fuhr. Seine leicht zugekniffenen Augen starrten in das Tal, auf seine Heimatstadt mit den vielen Höfen und kleinen Wohnhäusern. In seinem Schoß lagen ein Notizblock und sein Füller, den er ab und an in die Hand nahm, um Gedanken aufzuschreiben, die für jeden anderen ohne Zusammenhang gewesen wären. Ein Zuschauer hätte nur die Sinnlichkeit des Augenblicks bemerken können, wenn die Feder über das glatte Papier strich und die naß glänzende Tinte im matten Untergrund versank. Jeden Samstagnachmittag war er allein hier oben, sofern es nicht regnete oder er zu sehr fror. Immer nach dem Krafttraining, um die kurze Zeit zu genießen, in der jeder einzelne Muskel spürbar war, arbeitete und den Körper straff und bequem hielt.
Diese Treffen mit der klaren Luft und der weiten Landschaft gaben ihm seine Gelassenheit, die andere allzuoft bewunderten und die ihm eine fremdartige, faszinierende Aura verlieh. Insbesondere auf das weibliche Geschlecht schien das eine magische Anziehungskraft zu entfalten, und so hatte er, ohne jemals ernstlich darüber nachgedacht oder gar darauf hingearbeitet zu haben, zahlreiche Liebschaften hinter sich, die aber auch nicht mehr waren als Liebschaften; so teilnahmslos, wie er sie begann, beendete er sie auch. Niemand, und er selbst zuletzt, hätte ahnen können, daß sich in jenen Tagen eine tiefe Wandlung vollzog.

Es war an einem regnerischen und windigen Abend, an dem jeder vor dem rauhen Wetter floh und einzig die Bäume im Freien blieben und sich in Biegungen und zähem Rauschen der Naturgewalt stellten, als er seine Augen nicht mehr von ihr lassen konnte. Sein Freundeskreis und er waren in einem Gasthaus versammelt. Sie, das war die feste Freundin von Richard, einem alten Freund von ihm. Schon seit sie Kinder waren kannte er sie, schätzte sie wegen ihres Scharfsinns und mochte ihr Äußeres. Doch irgend etwas mußte er immer übersehen haben, denn nie hatte er sie so wahrgenommen wie heute. Man redete an diesem Abend Unbedeutendes, erzählte sich allerlei und lachte über die alltäglichen Peinlichkeiten, die dem ein oder anderen widerfuhren. Auch sie tat nicht mehr, sagte ein paar unwichtige Worte und machte dazu unwichtige Bewegungen mit der Hand, schüttelte den Kopf, lächelte oder schmiegte sich an Richard, der sie ab und an auf den Mund küßte. Und er sah zu. Sosehr er sich auch anstrengte, seine Augen verloren sich immer wieder in ihren Augen, in ihren Haaren oder ihren sanften Lippen. Sie bemerkte seine Hilflosigkeit schnell, war anfangs irritiert, doch dann fand ihr Blick immer öfter den seinen. Sie tauschten keine Gesten aus, sprachen kein Wort zueinander, sie sahen sich bloß mit ruhigem Blick in die Augen.
In ihr kochte es, und sie war froh, daß Richard nicht bemerkte, wie sehr ihr Herz in ihrem warmen Körper raste. Nach einiger Zeit hielt sie es nicht mehr aus und sagte leise zu Richard, ihr gehe es nicht gut und sie wolle sich nun auf den Weg zurück nach Hause machen. Richard könne ruhig dableiben und müsse nicht nachkommen. Ihr Freund nickte sorgvoll, und sie begann sich von allen zu verabschieden, die ihr allesamt gute Besserung wünschten. Auch ihm reichte sie die Hand, die er hielt und sanft drückte. Dann verschwand sie.

Die nächsten Tage waren für beide, für sie und für ihn, nicht einfach. Ein paarmal sahen sie sich flüchtig, ohne mehr als eine Begrüßung auszusprechen. Erst am folgenden Samstagnachmittag ging sie den Hügel hinauf, um ihn dort zu treffen. Von weitem schon sah sie ihn. Er fuhr mit seiner Hand durch sein Haar und ließ sie hinten verharren, wo seine Frisur in die fast unsichtbaren Nackenhaare mündete. Sie täte das auch gern, dachte sie. Bei ihm. Als er hinter ihm leise Schritte hörte, drehte er seinen Kopf zur Seite und erkannte sie aus dem Augenwinkel. Er grüßte sie nicht. Wortlos setzte sie sich neben ihn und sah mit ihm hinunter in das Tal. Da legte sie ihre kalte Hand auf seine, die zu glühen schien. Mit beiden Händen nahm und umschloß er ihre kalte Hand. Sie blickte vor sich auf den Boden, als er sie ansah. Mit einem Mal stand sie auf, entzog ihm langsam aber bestimmt ihre Hand und ging schnell, aber nicht rennend, davon. Er blieb voller Anspannung sitzen, bis er nach einigen Augenblicken Block und Stift zur Seite legte und ihr folgte.
Als er sie am Waldrand einholte, standen sie angespannt voreinander und sahen sich an. Sie machte einen Schritt auf ihn zu, zog ihm die offene Jacke aus und warf sie auf die Wiese. Sogleich spürte er ihre Hände auf seinem Bauch, sie fuhr unter seine Kleidung und zog sie über seinen Kopf, warf sie auf die Jacke. Schon preßte sie sich an seinen entblößten Oberkörper. Sie küßten sich hastig, er hörte ihr Seufzen, als sich ihre Zungen berührten. In Eile zogen sie sich gegenseitig aus, ohne ihre Lippen voneinanderzulassen. Mit den Händen erkundeten sie ihre Körper, ließen sich auf den Boden sinken. Ein gurgelndes Schluchzen stieß sie von sich, als sie ihn tief in sich spürte.
Er hielt ihre Hände in seinen, als sie aufhörte, sich über ihm zu bewegen. Sie beugte sich vor, und es folgte eine lange Umarmung. Kaum wollte er anfangen mit ihr zu reden, zog sie sich schon hektisch an und lief fort.

Sie mußte Richard davon erzählt haben, denn nie wieder sprach er ein Wort mit ihm. Er jedoch, obwohl er lange mit Richard befreundet war, war weiter verrückt nach ihr, aber nicht in der Lage, auf sie zuzugehen. Einige Monate später verließ sie die Stadt. Er wurde wieder der Einzelgänger, der er zuvor gewesen war. Und wieder fand man ihn Samstag nachmittags auf dem Hügel, wo er atmete, wie das Leben manchmal atmet, in der Hoffnung, einmal aufzuhören, wie das Leben einmal aufhört, zu atmen.

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RedBaron
Wird mal Schriftsteller
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ja, das hat doch stil und aussage.

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monti
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2004

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Bis auf einige sprachliche Schwächen (z.B.: sorgvoll, dem einen oder anderen) recht gut und interessant.
Gruß
__________________
Monti

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Gandl

Autorenanwärter

Registriert: Jul 2003

Werke: 1
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Hi Psysiker,
sorry ... aber ich musste beim Lesen des Textes an diese 20.15-Uhr-RTL/Pro7/Sat1-Fernsehfilme denken, die so unglaublich absehbar und naiv in Form, Handlung und Ausführung sind, dass ich die vielen Werbeblöcke dazu nutzen muss/darf, um meine ebenso vielen Biere wie Werbeblöcke dem Großen Kreislauf wieder zukommen zu lassen ...
Und ich liebe die Werbeblöcke!
Klar, guck ich sie mir an, diese Filme. Ich mag es, dann kopfschüttelnd dazusitzen, und ab und zu zu murmeln: ohgottohgottwasfüreinLandwasfürMenschen!

Weg vom TV zu deinem Text, den ich lese und mich frage: Es muss doch noch was anderes geben, als so einen einsamen, jaulenden Wolf mit Schreibblock! (den er dann auch noch liegen lässt, der notgeile, der ...) Was will der Autor transportieren? Mir sagen? Ich muss gestehen, ich bin ratlos ... Mir erscheinen die beiden Protagonisten seltsam blutleer ... tot fast. Obwohl du eine "gewisse" Seelentiefe andeutest, die mir aber zu sehr im Ungefähren rumdümpelt.

Noch etwas Formales: ich fände den Text leichter zu lesen, wenn du den beiden Protagonisten Namen geben würdest. Die vielen ER/IHM/SEINE und SIE/IHR/IHRE lassen mich jedes mal stutzen ... sie reißen mich raus, - ich überlege, ob der Bezug stimmt, denke, das könnte man besser machen ... - und so holpert sie dahin, die Geschichte ...

Und: nach meinem Geschmack verwendest du entschieden zu viele Adjektive ... die Gefahr, ins Kitschige abzudriften - mit all diesen dramatischen Adjektiven - ist immens!

Bring die beiden Namenlosen dazu, zu leben!

Gruß
Gandl

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xzar
Guest
Registriert: Not Yet

hallo,
muss gandl recht geben. auch in mir entstand der eindruck, dass du dich an einer rtl2 vorlage orientiert hast.

In Eile zogen sie sich gegenseitig aus, ohne ihre Lippen voneinanderzulassen.
ich würde das nicht schaffen. stell dir mal vor: socken z.b.

Mit den Händen erkundeten sie ihre Körper, ließen sich auf den Boden sinken.
genau solche sätze haben wir doch alle schon tausendmal irgendwo gelesen. geh mit einer lupe heran. wo sind die hände? wie sieht die haut aus? gibt es irgendwas (bitte, es muss doch was geben!), was außergewöhnlich an diesen menschen ist und sie ein bissl aus dem abziehbild-schicksal erlösen.

Ein gurgelndes Schluchzen stieß sie von sich, als sie ihn tief in sich spürte.
ich kann mir das nicht vorstellen: wie klingt ein gurgelndes schluchzen? ich könnte nicht gurgeln und schluchzen gleichzeitig.

liebe grüße
constantin

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