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Leselupe.de > Erzählungen
Der Elefant
Eingestellt am 25. 07. 2003 19:48


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Grit1962
???
Registriert: Jul 2003

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Der Elefant

Ich war so aufgeregt wie er. Bernhard hatte mich angesteckt.
Seine Begeisterung fĂĽr den neuen Mercedes 280 TE hielt
nun schon ein halbes Jahr an. Mittlerweile fieberten wir beide den
Breitband-Scheinwerfer, dem Zwillingsendrohr, und der zusätzliche Chromleise
unter der Heckleuchte entgegen, als wäre es der Beginn eines neuen Lebens.
Unsere Blicke trafen sich in diesen Tagen so oft, wie selten zuvor.
Und verheiĂźungsvoll schauten wir gemeinsam auf das Telefon und hofften
inständig auf den Anruf des Händlers. Bernhard hatte viel gearbeitet in den
letzten Monaten und selten blieb Zeit fĂĽr VergnĂĽgungen, nach denen ich mich
so sehnte. Die Vorstellung in diesem Nigelnagelneuen Mercedes ins GrĂĽne zu
fahren entschädigte mich für die Entbehrungen der letzten Zeit. Oft kam er
müde vom Kundendienst nach Hause, meist spät am Abend und dann saßen wir
noch Stunden über der Buchhaltung. Das Geschäft lief gut, aber
zwischenzeitlich sehnten wir uns zurĂĽck in die 40 Stunden Woche. Der
Mercedes war mehr als ein fahrbarer Untersatz. Er signalisierte unseren
Erfolg und deshalb hatten seine StoĂźstangenecken auch Chromauflagen.

Endlich kam der Anruf vom Händler. Der Wagen stand abholbereit auf seinem
Hof. Es war ein Freitag und Bernhard arbeitete. Ich vereinbarte einen Termin
fĂĽr den freien Samstagmorgen und stĂĽrzte mich in den Wochenendeinkauf. An
der Kasse erstand ich einen Matchbox-Mercedes und ich griff zu. Als er am
Abend nach Hause kam, stand dort sein Teller mit den Broten und obenauf
krönte der Miniaturwagen.
Er fiel mir um den Hals und hauchte mir ein: „Wann?“ ins Ohr. „Morgen um 10
Uhr“, antwortete ich und als fiel eine lange Spannung von uns, liebten wir
uns gleich auf dem weichen Flokati.

Der Samstag war sonnig und wir waren beide schon um Sieben wach. Noch drei
Stunden!! „Warum hast du den Termin nicht um Neun gemacht?“, fragte Berni
ungeduldig. „Wir müssen noch duschen und frühstücken. Außerdem brauche ich
ein Aspirin, irgendwie bin ich noch ganz betrunken.........von dir.“
Er lächelte und ich wusste plötzlich warum ich ihn so liebe.

Der Händler war bester Laune und führte uns zu unserem neuen Wagen. Er
glänzte und strahlte in diesem wunderbarem Metallicblau wie eine
Speckschwarte und schien das schönste Auto der Welt zu sein. Nachdem wir die
Formalitäten erledigt hatten, was eine gehörige Portion Konzentration
erforderte, bekamen wir den SchlĂĽssel und eine Flasche Sekt ĂĽberreicht.
Voller Stolz schritten wir auf den Wagen zu und als wäre es das Heiligtum,
berührten wir seinen Lack. Sanft und zärtlich strich Bernhard über die
Chromleiste und ich begann eine seltsame Erregung zu spĂĽren. Genauso
berĂĽhrte er mich gestern zwischen meinen Schenkeln. Er drehte langsam den
ZĂĽndschlĂĽssel um, der Wagen schnurrte wie eine Katze.
Herrlich dachte ich, was für ein Geräusch, und schon rollten wir unserem
Ausflug ins GrĂĽne entgegen.

Wir fuhren auf der LandstraĂźe, dann auf der Autobahn. Das Schiebedach hatte
was, stellten wir beide fest und strahlten mit der Sonne um die Wette. Nach
gut zweistĂĽndiger Fahrt fuhr Bernhard von der Autobahn ab und folgte wieder
der ruhigeren Landstraße. Plötzlich bog er in einen Waldweg ein. Im
Schritttempo fuhren wir auf einen rustikalen, einsamen Parkplatz zu.
Er lachte mich an und meinte: “Komm wie weihen ihn ein, was meinst du?“
Ich sagte nichts, sondern küsste ihn zärtlich und leidenschaftlich und
begann seinen Gürtel zu öffnen. Wir zogen die Rückbank vor und unser
Liebesspiel hielt uns eine Weile gefangen, als plötzlich der Wagen wackelte.
Erschreckt blickte ich hoch.
„Berni!“, schrie ich, als ein erneuter Stoß den Wagen erschütterte. Das ist
die Rache der Waldfee oder der Waldgnome, oder der Wolpertinger oder was
auch immer. Ich sah etwas ĂĽberdimensional groĂźes Graues durch die
Heckscheibe und mein Herz schlug nun nicht mehr vor sexueller Erregung so
heftig. „Bernhard!!“ Ich wand mich unter ihm und erreichte schnell eine
bessere Sicht. Das glaubte ich nicht! Das konnte nicht war sein! Wieder
ruckelte der Wagen durch einen erneuten StoĂź. Nun sah ich ihn, den jungen
Elefanten, der voller Enthusiasmus gegen unseren KotflĂĽgel trat.
Wir rangen beide nach Luft, wollten und konnten nicht fassen, was da
passierte und starrten gebannt aus den Wagenfenstern. „Ich geh jetzt nicht
raus.“ Bernhard sprach leise und stand sichtlich unter Schock.

Ein aufgeregter Mann kam aus dem Wald auf den Parkplatz gerannt und hielt
ein großes Seil in der Hand. „Ronnie!“ schrie er. Ronnie schwang seinen
RĂĽssel und tat einen tiefen Trompeter. Das Tier war nicht wirklich
beeindruckt und tänzelte mit seinem Hinterteil vor unserem Mercedes fast
anmutig elegant. Der Mann im grĂĽnen Overall, mit Gummistiefeln bekleidet
lief auf Ronnie zu und schwang ihm das Seil um den Kopf. Berni und ich
taten nun gleichzeitig das gleiche. Wir zogen uns, unter den beengten
Umständen blitzschnell, die entledigten Klamotten wieder an. Fast
akrobatisch. Aber das hier, dachte ich, ist eh ein Zirkus.

Ronnie war so einem auch entlaufen. Wir standen neben unserem Wagen, besahen
den demolierten KotflĂĽgel und die nun sichtlich mitgenommene Chromleiste.
Ich sah Tränen in Bernhards Augen schimmern und er tat mir so leid. Je
feuchter seine Augen wurden, desto mehr näherte ich mich einem
fĂĽrchterlichen Lachanfall, der schon in meinem Hals zu kitzeln begann.
Der Tierpfleger erklärte die Situation. Wanderzirkus, ganz in der Nähe. Beim
Aufbau ist Ronnie einfach ausgerĂĽckt. Ein Jungtier auf Entdeckungstour.
Hundertfache Entschuldigungen und der Austausch von Telefonnummern, zwecks
der Schadensregulierung fanden statt. Bernhard schien untröstlich und war
am Boden zerstört. „Der Wagen ist nicht mal einen Tag alt!“ Ständig
wiederholte er diesen Satz.
„Beruhige dich doch, das kann man doch reparieren. Es ist ein Blechschaden
und kein Weltuntergang.“, meinte ich und kassierte einen mich fast tötenden
Blick.

„Ich brauche einen Schnaps jetzt“, sagte Berni und wir fuhren langsam in
Richtung Heimat. Drei StraĂźen vor unserem Zuhause gab es ein nettes Lokal.
Es war schon etwas spät, wir hofften aber auf ein Mittagessen und ein kühles
Bier. Wir bestellten uns einen Cognac und bekamen sogar das ersehnte Zigeunerschnitzel.
Beim Essen tranken wir ein großes Bier und nach dem Essen könnten wir uns einen Fernet.
Langsam erholten und entspannten wir uns und über Bernis Gesicht huschte wieder sein so liebenswertes Lächeln.

Wir gingen noch einmal um unseren demolierten Wagen. Bernhard schloss die Fahrertür auf und ich meinte: “Schatz, sollen wir den Wagen nicht lieber stehen lassen? Wir können doch auch laufen, sind ja nur 5 Minuten zu Fuß. Also, ich könnte jetzt nicht mehr fahren.“
Berni sah mich an. „Glaubst du ich lass den Wagen jetzt hier stehen? Dann stehen hier Morgen vielleicht zwei!“ „Ja, wenn es zwei intakte wären, wäre ich glatt einverstanden,“ antwortete ich.
Berni deutete mir an mich in den Wagen zu setzen und legte den Rückwärtsgang ein.

Wir fuhren in die Straße in der wir wohnten, als wie aus dem Nichts vor uns plötzlich ein Polizist am Straßenrand stand. Er winkte uns mit der schönen roten Seite der Kelle an den Seitenstreifen.
Bernhard sah mich an. Sein Blick war fragend und entsetzt zugleich, ich werde wohl nicht anders ausgesehen haben. Er öffnete sein Seitenfenster.
„Guten Tag!“, sagte der Polizist. „Allgemeine Verkehrskontrolle, darf ich bitte ihren Führerschein und die Fahrzeugpapiere sehen?“ Natürlich war das eine Aufforderung und keine Frage. Ausgiebig studierte der Polizist den Fahrzeugschein. „Hm….“, meinte er und ging um den Mercedes herum.
„Sagen sie mal, der Wagen ist gestern zugelassen worden, sie hatten schon einen Unfall? Das ist ja ein Jammer, so ein schönes Auto. Wie ist das denn passiert?“
Bernhard sah ihn mit großen Augen an. „Oh, ja also heute Vormittag…“, Berni stotterte leicht. „Also heute Vormittag trat ein junger Elefant ein paar Mal dagegen.“

Der Polizist schaute uns an, als wären wir entlaufene Irre. „Ein Elefant, also.“, murmelte er.
„Haben sie etwas gegen einen Alkoholtest einzuwenden?“

__________________
Grit62

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majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

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Liebe Grit,

an einigen Stellen deiner Geschichte schimmert genau die Art des Humors durch, die ich mag. Du kannst erzählen und man spürt deine Lust beim Schreiben. Dennoch finde ich, dass die Idee sprachlich besser hätte umgesetzt werden können. Mal abgesehen von einigen Flüchtigkeitsfehlerchen fielen mir manchmal schludrige Formulierungen auf, für die du sicher bessere Alternativen hättest finden können. Davon bin ich überzeugt, weil es dir an Ideen nicht zu mangeln scheint. Unten habe ich mal einiges herausgepickt, was mir besonders ins Auge fiel. Positiv wie negativ.

Liebe GrĂĽĂźe
Majissa


Ich war so aufgeregt wie er. Bernhard hatte mich angesteckt.
Seine Begeisterung fĂĽr den neuen Mercedes 280 TE hielt
nun schon ein halbes Jahr an.

Der Einstieg ist gut.

„Mittlerweile fieberten wir beide den Breitband-Scheinwerfer, dem Zwillingsendrohr, und der zusätzliche Chromleise...“

Fieberten wir beide dem Breitband-Scheinwerfer, dem Zwillingsendrohr und der zusätzlichen Chromleiste...

„Die Vorstellung in diesem Nigelnagelneuen Mercedes ins Grüne zu...“

nigelnagelneuen

„An der Kasse erstand ich einen Matchbox-Mercedes und ich griff zu.“

Warum nochmals zugreifen? Das Teil ist doch schon erstanden.

Als er am Abend nach Hause kam, stand dort sein Teller mit den Broten und obenauf
krönte der Miniaturwagen. Er fiel mir um den Hals und hauchte mir ein: „Wann?“ ins Ohr.
„Morgen um 10 Uhr“, antwortete ich und als fiel eine lange Spannung von uns, liebten wir
uns gleich auf dem weichen Flokati.

Anstelle des häufigen „er“ dürfte ab und an Bernhards Name fallen, sonst beziehen die Leser das noch versehentlich aufs Miniaturauto. Beim Liebesakt auf dem (unvermeidlichen) Flokati musste ich erst lachen und dachte dann darüber nach, woran dies liegen mag. Mir geschieht die Szene zu unvermittelt. Nach „antwortete ich...“ würde sich ein Punkt hübsch machen. Und dann könntest du den darauffolgenden Liebesakt geschickter einbauen. Beispielsweise könnte das Miniaturauto beim Sex zwischen die Protagonisten rutschen oder sie finden es frühmorgens zwischen sich im Bett oder wie auch immer.

Er lächelte und ich wusste plötzlich warum ich ihn so liebe.

Sorry, aber da kitschelt es ganz gewaltig.

Voller Stolz schritten wir auf den Wagen zu und als wäre es das Heiligtum,
berĂĽhrten wir seinen Lack.

...und als wäre es (bzw. er) ein Heiligtum

Sanft und zärtlich strich Bernhard über die Chromleiste und ich begann eine seltsame Erregung zu spüren.

Entweder „sanft“ oder „zärtlich“. Beides ist doppelt gemoppelt.

Wir fuhren auf der LandstraĂźe, dann auf der Autobahn. Das Schiebedach hatte
was, stellten wir beide fest und strahlten mit der Sonne um die Wette.

Was hatte das Schiebedach denn? Ich weiĂź ja, was du meinst, aber finde die Ă„uĂźerung zu vage.

Elefanten, der voller Enthusiasmus gegen unseren KotflĂĽgel trat.
Wir rangen beide nach Luft, wollten und konnten nicht fassen, was da
passierte und starrten gebannt aus den Wagenfenstern. „Ich geh jetzt nicht
raus.“ Bernhard sprach leise und stand sichtlich unter Schock.

Wo auch immer der Elefant herkommen mag. Das ist wirklich witzig, Grit.


Das Tier war nicht wirklich beeindruckt und tänzelte mit seinem Hinterteil vor unserem Mercedes fast
anmutig elegant.

Ich würde „fast anmutig elegant“ gleich zwischen „tänzelte“ und „mit“ einfügen. Das klingt gewandter.

Berni und ich taten nun gleichzeitig das gleiche. Wir zogen uns, unter den beengten
Umständen blitzschnell, die entledigten Klamotten wieder an. Fast
akrobatisch. Aber das hier, dachte ich, ist eh ein Zirkus.

„...taten gleichzeitig das gleiche“ gefällt mir nicht. Und der nächste Satz klingt kompliziert und auch etwas falsch. Warum schreibst du ihn nicht prägnanter? Beispielsweise: Wir zogen uns blitzschnell wieder an. Wegen der beengten Umstände vollführten wir nahezu akrobatische Leistungen.

Ronnie war so einem auch entlaufen.

Vorschlag: Einem solchen war Ronnie auch entlaufen.


Hundertfache Entschuldigungen und der Austausch von Telefonnummern, zwecks
der Schadensregulierung fanden statt.

Das Komma würde ich weglassen. Auch das „der“ nach „zwecks“.

Beim Essen tranken wir ein großes Bier und nach dem Essen könnten wir uns einen Fernet.

Du ahnst es sicher schon...gönnten wir uns einen...

Der Polizist schaute uns an, als wären wir entlaufene Irre. „Ein Elefant, also.“, murmelte er.
„Haben sie etwas gegen einen Alkoholtest einzuwenden?“

Du hast Humor! Der Schluss ist prima.



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Grit1962
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Lieben Dank!

Hallo Majissa,

vielen Dank für deine Mühe und deine wirklich konstruktive Kritik, die ich gerne annehme. Da fehlt eben noch ein gewaltiges Stück Routine. Und tatsächlich schäme ich mich auch wegen der Flüchtigkeitsfehler. Verspreche mich zu bessern :-)

Freue mich jederzeit ĂĽber deinen Besuch

Lieben GruĂź
Grit

__________________
Grit62

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