Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87739
Momentan online:
79 Gäste und 0 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Ungereimtes
Der Feuervogel
Eingestellt am 20. 05. 2001 11:20


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
hades
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2000

Werke: 39
Kommentare: 14
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Der Feuervogel

Der Feuervogel

Am Anfang der Zeit erhob sich aus dem Rachen des gewaltigen Vulkans am ├Âstlichen Kreise der Erde zusammen mit gl├╝hendem Stein und Asche ein gro├čer sch├Âner Vogel, lange bevor der Urahn unserer Gattung das Wasser verlie├č.
Myriaden von Jahren hatte das Ei des Feuervogels auf dem Grunde des Vulkans gebr├╝tet um just am ersten Tag der Erdenklichkeit in der brodelnden Glut des Feuers die diamantene Schale zu brechen. So wie die sch├╝tzende Schale des Eies war das Gefieder des Vogels aus feinstem Diamant und ├╝ber hunderte von Meilen erstrahlte das glitzernde Feuer seines Kleides.
Tausende von Meilen erhob sich der Feuervogel ├╝ber dem gl├╝henden Schlund, und er trug das Bewusstsein der Welt in sich.
Nachdem er ├╝ber Tage, Wochen und Monde im steilen Flug den ├Ąu├čersten Erdkreis erreichte, f├╝rchtete er die sch├╝tzende Kraft der Erde zu verlassen und schwenkte in eine Bahn, auf der er fortan die Erde umkreiste. Unz├Ąhlige Male umflog er die Erde, indessen viele Millionen von Jahren vergingen.
Da der Vogel alles Bewusstsein in sich trug, verging die Zeit nicht vergebens. Er dachte nach ├╝ber die Bedeutung seines Seins und kam zu dem Schluss, dass all dieses Feuer der Erde der Teil eines gro├čen Ganzen sein m├╝sse, entstanden, um ihn, den Feuervogel, hervorzubringen. Am Anfang war das Ei, dachte er, und dieser Gedanke manifestierte sich in ihm. Im Fluss der Zeit erkannte er hinter all dem Sein eine Bedeutung. Lange vor seiner Geburt mussten diese Feuer bereits gebrannt haben und die lodernde Glut war kein Selbstzweck. All das Flackern und Brennen f├╝hrte zu einem Ziel: ihn zu geb├Ąren und zum Tr├Ąger des Bewusstseins zu machen.
Es gab viele Feuer im Universum, zahlreicher und gewaltiger als alle auf der Erde und diese sind vor ewigen Zeiten einmal ein gro├čes Ganzes gewesen. Lange nach ihrem Entstehen haben sie sich getrennt, damit eines von ihnen den Sinn ihres Brennens erf├╝llen und das diamantene Ei hervorbringen kann.
Nachdem der strahlende Vogel Millionen von Jahren die Erde umkreist hatte, wurde ihm die Bedeutung seines Daseins bewusst.
Er hatte die Grenzen seines Denkens erreicht; obwohl er glaubte, dass all sein Bewusstsein die Ursache der Existenz war, konnte er doch in den n├Ąchsten Jahrmyriaden nicht den Sinn seiner Existenz finden. Er ahnte, dass sich mit ihm allein der Sinn nicht erf├╝llte. Deshalb entschloss er sich zur Erde zur├╝ck zu kehren, um seine Aufgabe zu vollenden.
Aus den tiefen Weiten des Alls st├╝rzte er zur Erde, die mittlerweile eine dichte Atmosph├Ąre gebildet hatte. Wie ein z├Ąher Brei umgab sie die Erde und als er so unvermittelt darin eintauchte, erhitzte sich das diamantene Gefieder; der Vogel ergl├╝hte und ging in loderndes Feuer auf.
Als sein K├Ârper die Erde erreichte, war er zu Asche verbrannt.
Und siehe da, aus der Asche stieg der Ph├Ânix, sch├Âner und kl├╝ger als der alte Feuervogel; doch er trug nicht mehr all das Bewusstsein. Er hatte sich von den Grenzen der Erkenntnis befreit und flog h├Âher hinaus als sein Vater jemals war.
Ein gro├čer Teil des Bewusstseins blieb zur├╝ck auf der Erde. Die Asche vermischte sich in den S├╝mpfen und nach wenigen Millionen Jahren kroch eine Echse an Land, die das schlafende Bewusstsein in sich trug. Es dauerte noch sehr lange, bis es erwachte und erkannte, dass es die Ursache des Seins ist.
Das Bewusstsein verteilte sich mit der Zeit auf viele Milliarden Teile, wobei es sich wie der Ph├Ânix st├Ąndig erneuert, um sch├Âner und kl├╝ger zu werden als das Alte.
Seit dieser Zeit erblicken unz├Ąhlige Augen in der Nacht die Sterne und die meisten erkennen nicht, dass sie sich selbst anschauen. Die Tr├Ąger dieser Augen begehen und begehren t├Ârichte Dinge und glauben f├╝r diese zu leben.
Doch der alte Feuervogel wusste von all dem und deshalb hatte er das Bewusstsein so verschwenderisch verteilt.
Eins von Tausenden Augenpaaren eines jeden Geschlechts suchen in der Nacht den Ph├Ânix, der mit ihnen das Bewusstsein dieser Welt tr├Ągt. Es kommt die Zeit, da der Ph├Ânix wieder ergl├╝ht und das Bewusstsein der Welt sich neu vereint. Aus der Asche wird ein neuer Ph├Ânix geboren werden: gr├Â├čer, gewaltiger und sch├Âner. Er wird den Sinn des Daseins in sich tragen und seine Brut wird die Erkenntnis sein, lange, nachdem die t├Ârichten Dinge dieser Welt vergl├╝ht sind.
Am Anfang war das Ei, und am Ende steht die Erkenntnis.

┬ę Erich Romberg, Mai 2001

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Ungereimtes Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!