Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87708
Momentan online:
239 Gäste und 2 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erzählungen
Der Freund Vergangenheit
Eingestellt am 28. 03. 2003 09:15


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Wanni
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2003

Werke: 4
Kommentare: 11
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Wanni eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Es war Ende M√§rz und Nico sa√ü in der Cotton Bar, deren W√§nde ganz in gr√ľn gehalten waren.
Er hatte seit fast zwei Jahren nicht mehr mit einer Frau geschlafen. Genau von dem Zeitpunkt an, als er seine Freundin f√ľr vierzehn Tage verlie√ü um bei seiner Wiederkehr festzustellen, dass diese nun mit dem Gitarristen einer Band zusammen war. Ihm wurde klar, dass das alles schon viel fr√ľher begonnen haben musste. Als sie ihm einmal von einem Jungen erz√§hlte, der sie auf seinem Motorrad mitgenommen hatte. Zu diesem Zeitpunkt war ihm das relativ egal, er war keiner von diesen eifers√ľchtigen Typen, doch jetzt konnte er sich alles zusammenreimen. Schon die letzten Tage vor seiner Abreise h√§tten ihn stutzig machen m√ľssen. Ihre Reserviertheit und die Art und Weise wie sie mit ihm sprach. Als er ihr zum Abschied einen Kuss geben wollte, kam es zum Streit. Er war zwar durch seine Liebe zu ihr, die immer noch genauso so stark war wie zu Beginn, geblendet, doch konnte er nicht umhin zu bemerken, dass seine Anwesenheit nicht sehr erw√ľnscht war. Er tat was er niemals mehr ihr gegen√ľber zu tun gedacht hatte, er fragte ob er sie k√ľssen d√ľrfte. Pl√∂tzlich verfinsterte sich ihr Gesicht und sie schrie es ihm ins Gesicht, dass er tun und lassen konnte was er wollte. Wenn er sie k√ľssen wollte - bitte! Nat√ľrlich war es ihm unm√∂glich auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn, sie zu k√ľssen. Diese Reaktion kam f√ľr ihn v√∂llig unerwartet und das war etwas was er gar nicht leiden konnte. Es war seine Spezialit√§t, sich die Situationen in die er geraten k√∂nnte, egal wie absurd sie auch waren, vorher genauestens durchzuspielen und zu proben. Diesmal hatte er kl√§glich versagt. Nichts lief so, wie er es geplant hatte. Hinzu kam noch, dass ihm trotz dieses Ereignisses keinerlei Zweifel an ihrer Liebe zu ihm kamen, was deutlich zeigt, wie wenig er noch in der Realit√§t lebte. Nachdem er begriff was eigentlich geschehen war, wurde ihm klar, dass er sich schleunigst einen Ersatz suchen musste. Die letzten Monate hatte er sich so daran gew√∂hnt fast t√§glich mit einer Frau
Zusammenzusein, sie zu k√ľssen, mit ihr zu schlafen, dass es ihm sicherlich schwere Qualen bereiten w√ľrde, diesen Genuss aufgeben zu m√ľssen. Er unternahm eine Menge verzweifelte Versuche, verliebte sich ein paar Mal , doch immer ohne Erfolg. Die Art Frau, die er suchte schien vom Erdboden verschluckt zu sein. Egal wie er sich auch bem√ľhte, nur das Beste in ihnen zu sehen, sie konnten seinen Anspr√ľchen nicht gen√ľgen. Es war fatal, sie konnten den Vergleich zu seiner Ex-Freundin nicht standhalten. Hinzu kam, dass die meisten Frauen seine Verzweiflung geradezu riechen konnten. (Es ist absurd. Wenn man mit einer Frau zusammen ist, scheinen einem die anderen Weiber geradezu hinterher zu starren, ist man dagegen alleine und empf√§nglich f√ľr ihre Reize, w√ľrdigen sie einen keines Blickes.) Er begann zu resignieren,
wozu seine immer noch lodernde Liebe zu ihr, wesentlich beitrug. Nach au√üen konnte man ihm nichts anmerken, da zeigte er kein Interesse mehr, doch in seinem Innern tobte es. Er machte sich Vorw√ľrfe, wie das alles hatte passieren k√∂nnen und wegen seiner buchst√§blichen Blindheit. Vielleicht h√§tte er noch etwas tun k√∂nnen. Aber er war einfach gegangen, ohne zu fragen warum und wieso sie ihn hatte sitzen lassen. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Fragen √ľberfl√ľssig, er h√§tte sowieso keine zustande gebracht. Das alles war nun schon fast zwei Jahre her. Er hatte sich an den Umstand gew√∂hnt alleine zu sein, er machte das Beste daraus. Sicher w√ľrde er eines Tages einem √§hnlichen M√§dchen begegnen, wenn nicht sogar einem loyaleren.
Er war jung, hatte Zeit und der Zufall hatte ihm schon die komischsten Sachen in die H√§nde gespielt. Wie gerade eben. Er war im Begriff seinen Mantel zu nehmen und zu gehen, als pl√∂tzlich die Kellnerin seine Bestellung aufnehmen wollte. Den ganzen Abend hatte er darauf gewartet, doch bis zu diesem Augenblick fand sie bei all dem Trubel, der in der Bar herrschte, keine Zeit f√ľr ihn. Sie war der einzigste Grund weswegen er gekommen war und er hatte die m√∂glichen Wendungen die dieses Ereignis haben k√∂nnte in schon mehrmals in seinem Kopf durchgespielt. Er hatte sie bei seinem letzten Besuch in der Bar zum ersten Mal gesehen und sie pr√§gte sich sofort tief in sein Gehirn. Sie hatte genau seine Gr√∂√üe, wundersch√∂ne, strahlend-gr√ľne Augen, blendend wei√üe Z√§hne und ihr Haare waren im Stil der 80er Jahre frisiert. Das alles passte so gut zu ihr, dass sie in ihrer Gesamtheit solch eine Ausstrahlung verbreitete, dass einem fast schwindlig wurde. An diesem Tag beobachtete er jede ihrer Bewegungen, jede Regung auf ihrem Gesicht und er war sich sicher, dass sie es bemerken musste. Das war ihm egal, sie sollte ruhig wissen, was f√ľr einen Eindruck sie auf ihn machte. In dieser Beziehung war Nico nicht zimperlich. Wenn er etwas wollte, ging er direkt darauf zu; Geduld war nicht gerade seine gr√∂√üte St√§rke. Er bestellte ein St√ľck Kuchen, was er sonst nie tat, nur um zu sehen wie sie reagierte und um ihr noch einmal nahe zu sein. Sie l√§chelte, das war ja wenigstens schon mal etwas. Ein junger Mann setzte sich zu ihm, doch er h√∂rte gar nicht was dieser sagte, seine Aufmerksamkeit richtete sich einzig und allein auf dieses bezaubernde Gesch√∂pf. Ihm wurde klar, dass der Zufall hier wohl eher eine untergeordnete Rolle spielen w√ľrde und das er selber nachhelfen m√ľsste, sollte sich daraus irgendetwas ergeben. Er wollte gehen. Gerade als die Bedienung ihr Portemonnaie wieder schlie√üen wollte,
trafen sich ihre Blicke und er glaubte eine gewisse Freude in ihren Augen wahrnehmen zu können. Es war ein langer, aussageschwangerer Blick, so schien es ihm zumindest. Doch gerade als er sich erheben wollte, machte ihn sein Nachbar durch einen unidentifizierbaren Laut auf sich aufmerksam und teilte ihm mit einem Augenzwinkern und voller Stolz mit, dass die Kellnerin ihm zugelächelt hätte. Er schien sich etwas darauf einzubilden, doch Nico wusste ja genau, dass dieser Typ unrecht hatte, dass dieses Lächeln ihm galt. Das hoffte er zumindest.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Wanni,
ich finde das Thema und die Reflektion dar√ľber schon interessant. Aber lesen w√ľrde ich die Erkl√§rungen doch lieber als Handlung verpackt. Das macht einen Text dann immer interessanter. Jedenfalls geht es mir so.

Bitte noch korrigieren: Gitarristen

Sch√∂ne Gr√ľ√üe
Socke

Bearbeiten/Löschen    


Wanni
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2003

Werke: 4
Kommentare: 11
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Wanni eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
merci

Ich nehm das ernst und werd's versuchen.
Ich hab nur keine Ahnung wie ich die Handlung
von vor zwei Jahren, in das Geschehen einbauen soll,
geschweige denn, mit den Erklärungen zu beginnen und dann
einen Zeitsprung in die Zukunft machen.

Bearbeiten/Löschen    


Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo wanni,
bin ich ja beruhigt, dass Du meinen Kommentar positiv aufnimmst. Ist nicht immer √ľblich in den lupischen Welten.

Also machen sollst Du gar nix was Dir nicht behagt, denn es ist DEIN Text.

Aber nur mal theoretisch gesprochen, ließen sich zum Beispiel Erklärungen auch in Dialoge verpacken und somit automatisch in Handlung einbetten.

Ein weiterer Kunstkniff w√§re: Du bringst zus√§tzliche Handlung der Gegenwart durch den Erz√§hler ein. Also was er gerade macht, als ihm diese Erinnerungen durch den Kopf gehen. Das w√§re dann auch eine nette Abwechslung. (dass er sich eine Zigarette anz√ľndet, oder so √§hnlich)

Oder, du lässt es einfach wie es ist. Ich wollte Dir nur meinen persönlichen Eindruck schildern.

Sch√∂ne Gr√ľ√üe
Socke

Bearbeiten/Löschen    


Wanni
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2003

Werke: 4
Kommentare: 11
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Wanni eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
zum vorschlag

Danke nochmals.
Ich habe mir auch so etwas gedacht, aber ich war mir nicht sicher, ob man so einfach mit den Zeiten spielen kann.
Von der Vergangenheit in die Gegenwart springen und so.
Ich habe soetwas ehrlich gesagt auch noch in keinem Buch gesehen. Ich dachte eigentlich das wäre ein schlechter Stil.

Bearbeiten/Löschen    


Colonita
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2003

Werke: 1
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Mir gefällt der Text sehr gut und auch deine Schreibweise

Gruß,
Colonita

Bearbeiten/Löschen    


Zur√ľck zu:  Erz√§hlungen Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!