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Leselupe.de > Erzählungen
Der Hobbykiller 9+10
Eingestellt am 12. 01. 2003 18:00


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Ankurei
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2002

Werke: 7
Kommentare: 1
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Nach längerer Schreibpause geht's weiter mit den Erzählungen meines Papageien Bogi


9. Es wird genullt

Bereits am Morgen ist geschäftiges Treiben angesagt. Lieblos hingeklatschtes Frühstück. Mit Argusaugen wird verfolgt, wie viele Tropfen Tee aus meiner Brotscheibe entrinnen und aufs Stuhlkissen tropfen - außerdem bimmelt’s pausenlos an der Haustür.

„Der Herr der Ringe“, wie ich unseren Herbergsvater mitunter betitele, zumal er auch als Goldschmied agiert, ist urplötzlich der Auffassung, Pyka und Bogi engen ihn in seinen unsinnigen Handlungen ein und verlangt von seiner besseren Hälfte, sie möge uns umgehend in die Voliere stecken, was sie wortlos in die Tat umsetzt. Von diesem Standort aus ist es mir unmöglich, herauszufinden, was sich ständig an der Wohnungstür abspielt, doch hört es sich an, als schleppe man Getränkekisten. Kombiniere: Es handelt sich um irgendein Event, das höchstwahrscheinlich vor Ort, also unter meiner Fuchtel, stattfindet.

Neugierig wie ein Junghahn sitze ich auf meinem Lauschposten, verharre schweigend auf dem schaukelnden Deckenast und lasse mich von Pyka ausgiebig frisieren, bis ein Wort an mein Öhrchen dringt, welches „nullt“ heißt. Der vollständige Worttext lautet: „ ... Du weißt doch, was ich noch alles zu tun habe – immerhin nullt der Gute!“. Der Gute nullt. Hätte es geheißen, er spinnt oder er tickt nicht richtig, hätte ich zu diesem Zeitpunkt etwas damit anzufangen gewusst, aber er nullt?

Im Internet konnte ich keine Anfrage starten, zumal mir die Herrschaften unmittelbar auf der Pelle saßen, und aus meinem Lexikon „Federlosen-Sprache“ fehlen die Seiten A bis Z, nachdem Pyka die Weisheit mal wieder fressen musste. Also blieb mir nichts anderes übrig, als unwissender Idiot dastehen zu müssen.

Am frühen Nachmittag traf meine Halbschwester Dani ein und begab sich schnurstracks in die Küche, ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen. Ihr wurde eine Schürze über die Birne gezogen, auf der idiotisch grinsende Papageien abgebildet sind. Ich entschied mich für ein Brüllkonzert, so dass die Volierentür innerhalb von Sekunden auf ging. Ab in die Küche. Die Vorortbesichtigung ergab folgendes Bild: Sämtliche Tische und Arbeitsflächen voller Lebensmittel. Fleisch, Wurst, Käse, Salate, undefinierbarer Mist soweit das Auge reicht. Schüsseln, Teller, Besteckteile, Pfannen, Töpfe, Küchenmaschinen – der absolute Horror.

Der Gute nullt? Nullt = Fresssucht? Völlerei? Wenn das des Geheimnis Lösung ist, kann er von mir aus nullen bis zum jüngsten Gericht. Vielleicht hieß es auch gar nicht nullen, sondern nudeln? Nee, der lässt sich von Hause aus nicht nudeln, aber zumindest ist mir der unbekannte Ausdruck nicht mehr unangenehm. Liegt auf meiner Wellenlänge.

Dani fummelt mit dem Fleisch rum, verplempert Unmengen von Eiern, wofür ich sie einen Kopf kürzer machen könnte. Mama Leone kocht währenddessen kübelweise Kartoffeln, Nudeln, schon wieder Eier und Gemüsekram. Daddy zerhackt flennend Zwiebeln, Kräuter sowie Fischzeug, bis ich mich nicht länger im Hintergrund halte und inmitten des Geschehens Platz nehmen will, nur überlässt man mir nichtmal drei Zentimeter, um elegant landen zu können, so dass ich mit einem schmalen Schüsselrand vorlieb nehmen muss, die meinem Lebendgewicht jedoch nicht Stand hält und scheppernd zu Bruch geht. Das bringt mir keinen Applaus, sondern Platzverweis ein, den ich allerdings nicht kommentarlos hinnehme. Wo sind wir denn ...

Trotzdem wird jetzt umdisponiert, zwar weiterhin gekocht, doch anschließend kommentarlos serviert. Es gibt für die drei Küchenfeen irgendwas mit Nudeln, für mich und Pyka Nudeln mit Mais und Erbsen – also vegetarisch. Genau, wie das Frühstück lieblos hingeklatscht wurde, so sieht’s auch mit dem Mittagsmahl aus. Alles läuft im Zeitraffer, und der Bande ist eine halbe Stunde später anzumerken, wie froh sie ist, uns endlich von hinten zu sehen.

Ich hatte an besagtem Tag überhaupt keine Lust mehr, einen zweiten Kontrollflug zu starten, zumal es aus der Küche höchst unangenehm müffelte. Aus diesem Grund ließ ich mich auch relativ leicht einsperren.

An Schlaf war jedoch bis Mitternacht nicht zu denken. Dazu wurde viel zu viel Wirbel veranstaltet. AuĂźerdem fragte ich mich wieder und wieder, Stund um Stund, warum in Dreiteufelsnamen derartiger Aufstand veranstaltet wird, weil der Gute nullt?

Am folgenden Tag kam es aber noch schlimmer. Das Ende vom Ende. Meinen Weckruf hätte ich mir ersparen können, denn Muttern kroch bereits vorher aus dem Nest. Ohne Umschweife wurde gemeinsam gefrühstückt, wobei sie sich exakt um zwei Stunden zu ihren Ungunsten vertan hat. Anschließend hieß es: „Ab durch die Mitte“. Ihrem Gesichtsausdruck nach, der mir durchaus ernst zu nehmen erschien, war’s besser, keine Diskussionen aufkommen zu lassen, sondern zu parieren, bevor die Sache eskaliert wäre.

Mittags jedoch gab’s einen Lichtblick für mich, denn Kater Lakritze wurde in einen Kasten mit Henkel verfrachtet und – ich konnte mein Glück kaum fassen – ABTRANSPORTIERT. Weiß der Geier, welches Schicksal ihn in der Wildnis erwartet oder was er ausgefressen haben mag. Fakt war, dass man ihn endlich als unnützen Fresser entlarvt hat, der weder Eier legt, noch Milch gibt.

Ich befand mich bereits in Partystimmung und hatte wirklich vor, drei Tage und drei Nächte auf seinen Abgang anzustoßen, doch sollte es leider anders kommen.

Es mag so gegen 18.00 Uhr gewesen sein. Wir haben bereits ausgiebig gespeist, und ich habe mal wieder drüber nachgedacht, wie schwer sich meine Zugehfrau doch tut. Von Anfang an hat sie als Köchin versagt. Sie hat erst mich, später auch meine Frau insofern beschissen, als dass sie Speisen, die für sie und Dad gedacht sind, mit den exotischsten Gewürzen veredelt, während der Fraß, den sie für uns einteilt, völlig ungewürzt aufgetischt wird. Jeder Nierenkranke weiß ein Lied davon zu singen, wie z.B. Zanderfilet ohne Salz schmecken kann. Will jedoch nicht abschweifen und von jenem schwarzen Tag berichten.

Zuerst traf es Pyka. Ohne Vorankündigungen nutzte man ihr Vertrauen oder ihre Blödheit aus und setzte sie auf die oberste Stange einer sogenannten Zimmervoliere, die früher mal angeschafft wurde, um Pyka darin versauern zu lassen. Meine Frau sollte nämlich nicht gleich an meine grüne Seite gesetzt werden, als man sie ins Haus brachte, sondern sozusagen Probe sitzen, und dafür war halt diese beknackte Voliere gekauft worden.

Meiner eigenen Leichtfertigkeit ist es zu verdanken, nur weil ich Pyka nachgestiefelt bin, da ich mir ernsthafte Sorgen um ihren Verbleib machte, dass ich ebenfalls eingeknastet und an der Seite meiner Frau rollend in die Abstellkammer geschafft wurde.

Das verschlug mir die Sprachbegabung ...

Zwei Knackis zwischen Waschmaschine, Wäschetrockner, mistiger Wäsche und Werkzeugschränken, die ich von meiner Position aus nichtmal filzen konnte. Aus und vorbei. „Bogumil, Du bist am Ende“. Einen Protestsong anzustimmen, verkniff ich mir aufgrund meiner ungünstigen Lage, denn wer hätte mich in diesem Kabuff hören sollen. Rache, Rache und nochmals RACHE.

Ich ärgere mich bis heute über die Umstände, auch besonders darüber, dass ich am nächsten Tag voll verpennt habe, zumal der Knast nur über Fenster verfügt, die verhangen waren, so dass ich natürlich nicht wissen konnte, welches Stündlein geschlagen hat, als man sich endlich unserer Anwesenheit besann.

Mal wieder das schlechte Gewissen in Person. „Schätzchen“, wurden wir genannt, „Meine Süßen“, „Meine Mäuse“. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass es bereits 9.00 Uhr war, also fast Zeit zum Mittagessen.



10. Quäle nie ein Tier zum Scherz

Gleich nach dem Frühstück ging der Gaudi los. Nein, eigentlich schon vorher, denn beim Anblick unserer Peinigerin, die auf mich den Eindruck machte, als wäre sie in einen Mehlsack gefallen, verging mir echt der Appetit.

Zuerst einmal erfolgte ein Kontrollflug in Richtung Schlafzimmer, wo ich den „Nuller“ auch tatsächlich aufspürte. Er nullte zwar friedlich vor sich hin, doch bei meinem Anblick krähte er sofort los und verlangte von mir ernsthaft, ich möge umgehend verschwinden. Es hieß jetzt abzuwägen, ob ich sofort oder später zuschlage, doch entschied ich mich für die erste Variante, unter dem Tenor: „Was Du tun willst, tue gleich“. Brachte mir natürlich keine Pluspunkte ein, aber bis Nulli mich hätte erwischen können, war ich längst in der Küche. Dort bot sich mir ein Bild des Grauens. Die Spülmaschine war bis in die letzte Ecke mit mistigen Gläsern vollgestopft, überall standen Tabletts mit Unmengen von dreckigen oder sauberen Gläsern rum, und außerdem gab es leere oder halbvolle Schüsseln mit Salaten etc. und Platten, wo Fleischkrümel und vergammelte Salatblätter rumlagen. Pyka saß längst inmitten einer ehemaligen Käseplatte, als ich ihrer sichtig wurde, doch anstatt sich einen größeren Krümel Gorgonzola zu gönnen, nagte sie verschämt an einer verschrumpelten Weintraube.

Das war mir alles zu blöde. Der Nuller sauer, seine Komplizin halbtot und sichtlich unfähig, auch nur die kleinste Notwendigkeit richtig zu machen – kurzum, ich hatte die Schnauze gestrichen voll und entfernte mich deshalb lautlos ins Wohnzimmer, eine Spur meines Darminhalts durch die gesamte Bude verteilt hinterlassend.

Wie ich bereits vermutet habe, hatte ich freies Geleit und wurde auch nicht weiter vermisst, so dass ich folgenden 6-Punkte-Plan in die Tat umzusetzen gedachte – kommt drauf an, wie weit ich komme:

1. Handy-Antenne(n) entfernen
2. Berge von Geschenken filzen
3. Von der Tastatur der Video-Fernbedienung die mittlere Reihe kappen
4. Ein bis zwei Kissenbezüge öffnen
5. Herumliegende CDs „entsorgen“
6. Vasen leeren

Die Sache mit dem ersten Handy ging blitzschnell und kostete mich ein müdes Lächeln. Die Geschenkberge verschob ich auf Punkt 6, zumal ich keinen blassen Schimmer hatte, ob sich der Inhalt überhaupt lohnte. Das mit der Tastatur des Recorders war nicht möglich, zumal man das Ding auf die falsche Seite gelegt hat, doch mit der Tastatur für die Glotze klappte es problemlos. Bei den Kissen hatte ich vergessen, dass ich die schon am Vortag in der Mangel hatte, weshalb man sie wohl nicht zur Besichtung frei gegeben hat. Obwohl ich ursprünglich nur in acht bis zehn CDs fetzen wollte, wurden es trotzdem doppelt so viel. Darunter war auch die von Schreiberkollege Dieter Bohlen, der ich so manches Magengeschwür verdanke. Unmengen von Vasen befanden sich für den Augenblick außer Reichweite, nämlich unter der Fuchtel von Alf, der sie grübelnd ins Visier nahm und natürlich ausgiebig filzte.

Ich hatte kaum das erste Geschenk ausgewickelt, als die Kontrolle anrauschte. Wider Erwarten hagelte es weder Vorwürfe oder gar Hausverbot, was mich vollkommen aus dem Konzept brachte. Leider hatte ich kaum mehr Zeit, über die Situation nachzusinnen, denn plötzlich klingelte es mal wieder an der Tür. Pyka saß bereits auf der Flügeltür des Entrees, um den Eindringling aufs Korn nehmen zu können. Gern wollte ich ihr dabei assistieren, doch hätte ich lieber im Wohnzimmer bleiben sollen, denn auch von dort aus, wäre ich noch immer viel zu dicht an dem gewesen, was nun kam.

Die Tür wurde geöffnet, ein Herr betrat die Bühne, jedoch führte er kein verspätetes Geschenk bei sich, sondern eher einen verspäteten Aprilscherz.

Will meine Leser nicht länger auf die Folter spannen und gebe daher zu Protokoll: Gemeinsam mit besagtem Herrn betrat auch der verfluchte Kater die Bühne, sichtlich ausgeruht, vollgefressen, halb dösend, aber mit den gleichen falschen Augen, mit denen er gestern ausquartiert worden ist. Anfangs dachte ich wirklich noch, der ungebetene Gast hätte das schwarze Vieh aus Mitleid aufgenommen, um es dem Besitzer zurückzubringen, dabei natürlich noch haufenweise Finderlohn abzusahnen, doch durch aufmerksames Zuhören konnte ich in Erfahrung bringen, dass Lakritze „nur“ für die vergangene Nacht bei diesem blöden Kerl untergebracht wurde, um die empfindlichen Nerven des Mäusejägers nur ja nicht zu strapazieren, denn – wie ich weiterhin erfuhr – trieben sich in der Nacht zuvor mehr als 70 Figuren bei uns rum, die allesamt wegen des Nullers kamen.

Obwohl ich kaum einen klaren Gedanken zu fassen in der Lage war, erhielt ich so ganz nebenbei auch Kenntnis davon, was man unter nullen versteht. Ist im Nachhinein ganz logisch, und ich habe mir vorgenommen, am 21. März 2002 endlos zu nullen, obwohl ich da eigentlich nicht richtig nulle, zumal ich erst eine Null ans Alter hängen kann. Fragt sich nur, wie alt Big Daddy gestern geworden ist ...

Kater Lakritze gönnte sich sogleich mützenweise Schlaf, was ich für höchst unfreundlich und eigennützig hielt, denn eigentlich hätte der Hauspanther erzählen müssen, wo er untergekrochen ist, was ihm serviert wurde, wann dort abends Schlafenszeit ist und warum er nicht da bleiben wollte. Man hatte kein Interesse für mich, es wurde aufgeräumt, umgestellt, Lärm veranstaltet, bis ich mich für einen Check-Up-Termin bei Pyka entschied.

Noch ist nicht aller Tage Abend – Freunde. Mein Gedächtnis ist unendlich. Die Schote mit der Gerümpelkammer wird in jedem Fall noch „abgeklärt“.

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