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Leselupe.de > Kindergeschichten
Der König im Blumentopf
Eingestellt am 06. 04. 2009 11:46


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Werke: 31
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dritte Story von Wolf und co
Man sollte vorher vielleicht den "Wildschweinkrieg" gelesen haben, oder beide vorherigen.




Der König im Blumentopf

Frau Holle saß gerade mit ihrer Magd beim Abendessen. Es gab Kürbissuppe und dazu frisch gebackenes Brot.
Da klopfte es an der Tür und eine helle Stimme sagte: „Lass mich rein.“
Frau Holle schmunzelte.
„Komm schon rein, Wolf“, rief sie, „der Tisch ist gedeckt.“
Die Tür öffnete sich und die schnüffelnde Schnauze des Tieres erschien.
Der Wolf trat ein und schüttelte sich das nasse Fell aus. Dann setzte er sich sofort an den Tisch. Gierig besah er den Topf.
„Du hast wieder mal Kreide gefressen“, sagte Frau Holle, „ich hätte dich auch so reingelassen.“
„Alte Gewohnheit“, brummte der Wolf. Er hustete.
„Gibt es keinen Braten?“
Frau Holle lächelte.
„Kürbis ist sehr gesund. Du hast doch noch einen anderen Grund als Hunger, um mich zu besuchen.“
„Es gibt kaum einen besseren Grund für einen Besuch als Hunger“, sagte der Wolf, „aber du hast Recht. Ich komme um dir zu sagen, dass unser Rumpelstilzchen krank ist. Es ist so krank, dass es nicht einmal mehr singt!“
Die alte Frau erschrak. Das war sehr schlimm. Ein Stilzchen, dass nicht mehr singt, musste wirklich sehr, sehr krank sein.
Da gab es keine Zeit zu verlieren.
Frau Holle packte Brot und Wurst in ihre Tasche und erklärte der Magd was zu tun sei. Schnell suchte sie noch ihre Heilkräuter und Tränke zusammen.
Dann war sie schon zur Tür hinaus.
Der Wolf steckte noch schnell seine Schnauze in den Topf um zu schlabbern.

Bald darauf liefen die Beiden auch schon durch den Tannenwald und über die fünf spitzen Berge, um zu Rumpelstilzchens Haus zu kommen.
Unterwegs machten sie Rast, bei dem alten Bauern, für den sie einst gearbeitet hatten.
Er freute sich sehr sie wieder zu sehen. Bald aber merkten sie, dass er großen Kummer hatte.
„Was ist los, du schaust so traurig?“, fragte der Wolf, nachdem er drei Wurstbrote und einen großen Krug Bier verdrückt hatte.
„Das liegt an der Else“, seufzte der alte Bauer.
„Von allen Kühen gab sie immer am meisten Milch, aber seit Tagen frisst sie nichts mehr. Sie sieht ganz elend aus. Und die Frau Amereit, die im Wald wohnt, und immer ein Mittel hat für Tier und Mensch, die kann ja nicht kommen.“
„Warum nicht?“, wollte Frau Holle wissen.
Der Bauer seufzte nochmals tief.
„Sie sitzt im Gefängnisturm des Königs. Der Hofmedikus hat behauptet sie wäre böse und sie schadet nur mit ihrer Zauberei.“
Der Wolf knurrte.
„Der wird bald merken wer richtig böse ist“, sagte er. „Wahrscheinlich ist er nur neidisch, weil er niemanden heilen kann.“
Frau Holle war wütend.
Der König war nicht nur dumm sondern auch gemein.
Das war übel. Sie hatte gehofft Frau Amereit um Rat fragen zu können, weil ihre eigenen Heiltränke nur für Pflanzen gut waren.
Von Stilzchenkrankheiten hatte sie keinen blassen Schimmer, schließlich hatte es keine Blätter oder Blüten.
„Wir müssen zum König“, beschloss sie. „Er muss die Frau Amereit wieder freilassen. Sie tut ja nur Gutes! Sie ist die einzige die deiner Else und dem Stilzchen helfen kann.“
Sie versprachen dem Bauern, ihn bald wieder zu besuchen. Er wollte gleich noch in das Städtchen gehen um den Leuten von Rumpelstilzchens Krankheit erzählen. Alle waren schon sehr besorgt. Das gute Bier war ausgegangen, dass es sonst für sie braute.

Ohne zu zögern machten sich der Wolf und Frau Holle auf den Weg zum Schloss.
Als sie am Abend dort ankamen, war gerade ein Fest im Gange. Im großen Saal brannten hundert Kerzen.
Fünfzig Musiker in bunten Anzügen spielten fröhlich auf.
Der ganze Hofstaat tanzte lustig in dem großen Saal herum. Diener wimmelten wie Ameisen umher. Sie trugen Tabletts voller Gläser und leckeren Schweinereien. Es roch wie im Schlaraffenland.
Der Wolf legte einem Diener die große Pranke auf die Schulter und leckte sich das Maul. Der begann zu schlottern, dass die Gläser nur so klirrten.
Schnell schnappte sich das Tier ein Tablett voller Schinkenbrötchen.
„Sonst lässt du es noch fallen,“ knurrte es.
Frau Holle lief schnurstracks zum König.
Der tanzte gerade mit einer dicken Frau, die in ein schwarzes Kleid gequetscht war. Sie hatte eine Frisur wie ein Vogelnest,
und sah aus wie eine zu große Brombeere.
Der König ließ sie los. Da drehte sie sich noch ein paar mal schwungvoll, als wäre sie aufgezogen.
Frau Holle“, rief er, „ich kann mich gar nicht erinnern, euch eingeladen zu haben. Schön, dass ihr da seid. Ihr tanzt sicher nicht?“
(Seit der Geschichte mit dem Gespenst war er sehr freundlich zu ihnen. Es war aber leider kein sehr gescheiter König)
Der Wolf stellte sich zu ihm und schmatzte mit vollem Maul. Er sah der Brombeerfrau zu.
„Ich bin ein Wolf, kein Tanzbär“, sagte er. (was sich noch ändern sollte)
„Wir wollen von dir wissen“, sagte Frau Holle, „warum die Frau Amereit im dunklen Turm gefangen ist. Sie hat doch niemandem etwas getan!“
„Niemandem etwas getan?“, schrie der königliche Medikus, der zugehört hatte.
Es war ein dürres Männchen, mit einem spitzen, schwarzen Bart am Kinn und einer dicken Brille.
„Sie gibt den Leuten Säfte, die sie selbst braut, mitten in einem Häuschen im Wald. Und sie murmelt seltsame Sprüche, und trägt noch seltsamere Kleider. Bestimmt ist sie eine Zauberin oder eine Hexe. Im Turm kann sie keinen Schaden mehr anrichten.“
Der König nickte.
„Ihr habt es gehört. Mein Medikus hat an der königlichen Universität gewissliche Quacksalberei und doktorische Aufschneiderei studiert. Er kennt sich aus mit der Hexerei und deswegen bleibt Frau Amereit im Turm.“
Frau Holle schüttelte den Kopf.
„Das ist mein letztes Wort“, sagte der König.
„Aber das Rumpelstilzchen ist sehr krank", rief der Wolf, „die Frau Amereit muss uns helfen!“
„Ich kann das auch,“ sagte der Medikus und reckte seine Brust nach vorn.
„Du?!“
Der Wolf lachte auf. „Wenn es dich sieht, zerreißt es sich vor Schreck.“
Der Hofmedikus machte ein böses Gesicht, aber der Wolf war besser in Übung.
Als er knurrte, versteckte sich der Mann schnell hinter der Brombeerfrau. Da er ja sehr dürr war, sah man ihn dann nicht mehr.
Irgendwie müssen wir der Frau Amereit helfen, dachte Frau Holle.
Sie hatte nur ihre Tinkturen für die Pflanzen dabei, so konnte sie das Stilzchen bestimmt nicht gesund machen.
Plötzlich hatte sie eine Idee.
Flugs flüsterte sie dem Wolf etwas zu.
Der sah gar nicht begeistert aus von ihrem Plan.
Doch schließlich trat er in die Mitte des Saals.
Zuerst schlug nur sein Schwanz zum Takt der Musik hin und her. Bald schon ließ er ihn auch kreisen und zuckte mit den Ohren. Dann begann er sich plötzlich wild zu schütteln und zu heulen, als säße ihm eine Hornisse im Pelz. Er fing an in die Luft zu springen, vollführte die seltsamsten Verrenkungen (sogar einen Salto) und jaulte wie eine falsch gespielte Geige.
Schließlich warf er sich auf den Rücken und kreiselte umher. Immer schneller und schneller. Da wurde einem vom Zusehen schon schwindelig. Der Wolf sah aus wie eine große, graue Fellkugel.
Alle im Saal sahen gespannt zu und hielten den Atem an.
Der Wolfstanz brachte einige Mutige dazu, sich auf den Rücken zu legen und es ihm nachzutun. (Nur zu jaulen traute sich keiner)
Dann sprang der Wolf auf, legte die Vorderpfoten auf die Schultern der Brombeerfrau und vollführte auf den Hinterbeinen tapsige Tanzschritte. Ganz vornehm und elegant!
Der König und seine Gäste staunten mit offenen Mündern. Es sah aus, als warteten sie darauf, von den Dienern mit Wurstbroten gefüttert zu werden.
Während die Brombeerfrau sich vorsichtig an das Wolfsfell kuschelte, öffnete Frau Holle ihre Tasche.
Alle glotzten auf das seltsame Tanzpaar. Was dem Wolf wohl noch alles einfiel?
Frau Holle holte ein kleines Fläschchen hervor und goss einen grünen Saft in den Trinkbecher des Königs. Das Mittel half sonst ihren Apfelbäumchen beim Wachsen.
Keiner hatte aufgepasst, selbst der königliche Mundschenk lag auf dem Rücken und zappelte wie ein Maikäfer.
Frau Holle winkte dem Wolf zu.
Erschöpft ließ der die Pfoten von der Brombeerfrau.
Er musste erst wieder zu Atem kommen. Seine Zunge hing fast bis zum Boden, so hechelte er.
„D A S ist Tanzen", keuchte er.
Die Brombeerfrau seufzte verträumt.

Die Leute fingen an begeistert „Bravo“ zu rufen und zu klatschen. Einige kamen um von Herrn Wolf ein Autogramm zu erbetteln.
Er verbeugte sich japsend.
„Wehe, dein Plan klappt nicht, und ich hab umsonst gehampelt“, flüsterte er Frau Holle zu.
Die wandte sich an den König.
„Ich glaube der Wolf muss sich ausruhen. Auch ich bin müde von der Reise. Bestimmt hast du ein Zimmer für uns, wo wir schlafen können.“
„Natürlich", lachte der König, „und danke, äh ... böser Wolf für die königliche Unterhaltung. Wenn du willst, wirst du mein königlicher äh ... Tanzmeister. Es ist sicher langweilig im Wald, so allein.“
Der Wolf sagte nichts, er fletschte nur kurz die Zähne. Ein König wusste wohl nicht, was man für einen Spaß mit fetten Wildschweinen haben konnte.
Der König griff zu seinem Becher und trank ihn in einem Zug aus.
„Gute Nacht, ihr Beiden“, sagte er.
Die Freunde gingen in ihr Zimmer. Sie konnten lange nicht einschlafen. Sie dachten an das kranke Rumpelstilzchen und die arme Frau Amereit im finsteren Turm. Aber morgen sollte es eine große Überraschung für den König geben.

Schon ganz in der Früh wurden sie geweckt.
Was war das für ein Geschrei?
Große Aufregung herrschte im Schloss. Überall liefen Diener und Mägde umher und plapperten wild durcheinander.
„Unser König", riefen sie immer wieder. „Unser König ist krank!“
„Hoffentlich gibt es trotzdem Frühstück“, sagte der Wolf.
Frau Holle gähnte müde. Sie hielt eine Magd auf.
„Was fehlt dem König denn?“ fragte sie.
„Oh, es ist so entsetzlich!“, schluchzte die Magd und rannte weiter.
Der Wolf und Frau Holle gingen ihr nach, bis sie den König fanden.

In seinem prächtigen Frühstückszimmer saß er auf einem goldenen Stuhl.
Seine königlichen Berater, Minister, Köche, Schneider, Schuhputzer, Kerzenanzünder, Semmelaufschneider, selbst die Prinzessin und die Königin, (eigentlich fehlte nur der königliche Nachtwächter, der schlief noch) standen um ihn herum.
Alle wedelten aufgeregt mit den Armen und tuschelten leise.
„Was ist los?“ fragte Frau Holle. Sie drängelte sich mit dem Wolf (dem natürlich alle Platz machten) nach vorn.
Der König sah eigentlich aus wie immer. Er trug noch seine goldene Schlafmütze und einen roten, flauschigen Morgenmantel.

„Schaut unter den Tisch,“ sagte der Medikus.
Da sahen sie es.
Aus den königlichen Pantoffeln schoben sich Wurzeln heraus, die immer weiter wuchsen.
Sie hatten sich Löcher durch die goldenen Schuhe gebohrt, und krochen langsam über den Boden. Schöne, braune, saftige Wurzeln, wie bei Frau Holles Apfelbaum.
Der König hatte über Nacht Wurzeln geschlagen!
„Ich hab ihm schon meine Medizin trinken lassen“, meinte der Medikus stolz.
„Papperlapapp, es hilft nichts!“, schrie der König, „seht nur, sie werden immer länger!“
„Mit etwas Maniküre, und Nagellack sieht es bestimmt reizend aus", sagte die Königin.
„Abschneiden, das Unkraut, einfach abhauen", schnarrte der königliche General und zog seinen Säbel.
„Besser wäre eine Axt", sagte der königliche Gärtner.
„Operieren!“, sagte der Medikus.
Jetzt redeten alle durcheinander.
„Ruhe!“, brüllte der König,“ von einem König schneidet man kein einziges königliches Teil ab!“
Er sah Frau Holle an.
„Weißt du denn Rat?“
Frau Holle dachte nach.
„Als erstes würde ich einen Topf mit Erde besorgen", sagte sie, „schließlich brauchen alle Pflanzen Nahrung, selbst eine Königspflanze.“
„Tut was sie sagt“, schrie der König, „oder soll ich hier vertrocknen!“
Sofort wurde von vier Dienern ein großer goldener Blumentopf gebracht und die königlichen Füße, samt Wurzeln hineingelegt.
Der königliche Gärtner schleppte Blumenerde und eine Gießkanne herbei. Dann topfte er den König ein.
„Ganz bequem“, sagte der, „vielleicht ein wenig feucht. Aber was soll jetzt geschehen? Soll ich mich im Schlossgarten aufstellen lassen und mich mit den Bäumen unterhalten?“
Der Wolf kicherte leise.
„Das hat es aber in sich, dein Gebräu“, raunte er Frau Holle zu.
„Bei meinen Apfelbäumen wirkt es wahre Wunder“, flüsterte sie ihm ins Ohr.
Der König raufte sich die Haare.
„Jemand muss etwas tun, Frau Holle, weißt du denn nicht weiter?“
Die alte Frau betrachtete den goldenen Blumentopf. (Nur wer ganz genau hinsah, bemerkte, dass sie schmunzeln musste)
„Wenn dein Hofmedikus schon kein Mittel weiß, bin ich auch machtlos. Die einzige, die sich auf so etwas versteht, ist wohl die Frau Amereit.“
„Niemals, sie ist doch eine Hexe!“, schrie der Medikus empört, „gebt mir ein paar Wochen Zeit und ich finde ein Mittel.“
„Willst du, dass mir auch noch Blätter aus den Ohren wachsen!“, brüllte der König.
Der Gärtner nickte und freute sich schon auf das Zurechtstutzen.
„Her mit der Frau Amereit, und zwar plötzlich“ befahl der König und versuchte aufzustehen. Der Topf wackelte. Mit ausgestreckten Armen versuchte der König das Gleichgewicht zu halten.
„Er übt schon, fehlen nur noch die Äpfel", bemerkte der Wolf. Obst mochte er nicht besonders.

Zwei königliche Wachleute holten die Frau Amereit aus dem dunklen Turm. Sie war schon sehr alt, und schlürfte langsam in das königliche Zimmer. Auf dem Kopf hatte sie ein grünes Tuch und sie trug ein langes graues Gewand mit vielen Flicken und Taschen.
„Wenn du mir helfen kannst, lass ich dich frei und mach dich obendrein zu meinem Hof ... äh ... Hofkräuterweiblein“, sagte der König zu ihr.
„Vielen Dank", sagte die Frau Amereit, „aber mir reicht es schon, wenn ihr mich in Ruhe in meinem Häuschen wohnen lasst.“
„So zeig uns doch, wie du den König verhexen willst!“, schrie der Medikus. Dann biss er sich vor Wut in die Hand. (Der Wolf hätte das zu gerne für ihn gemacht)

Frau Amereit bückte sich und grub im Blumentopf.
„Sie sehen eigentlich gesund aus“, stellte sie fest, „kräftig, keine Fäulnis, alles in Ordnung.
Der König tobte.
„Alles in Ordnung? Findest du nicht, dass da königliche Zehen sein sollten, und kein Gestrüpp?“
„Ach so", sagte Frau Amereit. Sie holte eine Salbe aus ihrer Rocktasche und bestrich die Wurzeln sorgfältig damit.
„Das wird dir gleich helfen", sagte sie.

Gespannt starrten alle in den Blumentopf.
Was war das?
Die Wurzeln wurden immer kleiner. Ganz langsam krochen sie zurück. Eine nach der anderen. Es knisterte und raschelte dabei, als würden Mäuse über vertrocknete Blätter laufen.
Schließlich waren die Wurzeln ganz verschwunden.
Alle klatschten und freuten sich. (außer dem Medikus, das war ja klar)
„So“ sagte der König und fiel um.
Sofort halfen ihm die Diener auf die Beide.
Er stieg aus dem Topf und wackelte vorsichtig mit den Zehen.
„Scheint alles richtig zu sein.“ sagte er.
„Ich danke euch Frau Amereit. Ihr seid frei. aber ich möchte, dass mein Medikus bei euch in die Lehre geht und lernt, damit er sich nützlich machen kann.“
„Er kann in den Wald kommen, wann immer er will“, sagte Frau Amereit großzügig.

Während der königliche Medikus vor Verzweiflung auf seiner Brille herumtrampelte, nahm der König ein königliches Fußbad.
Frau Amereit, Frau Holle und der Wolf verließen das Schloss. (nachdem sie noch leckere Pfannkuchen mit Brombeermarmelade gefrühstückt hatten)
„Ich hab mir schon gedacht, dass du dahintersteckst, Frau Holle", sagte die Kräuterfrau.
„So schöne Wurzeln, du verstehst dich auf Pflanzen.“
„Wir fanden es nicht richtig, dass du eingesperrt warst, nur weil du im Wald wohnst und dem Medikus das nicht gefällt“, sagte der Wolf. „Und außerdem ist das Stilzchen krank, und es eilt sehr ihm zu helfen.“
„Das wird dem König eine Lehre sein“, sagte Frau Holle. (na ja, ob der König noch was lernt?)

Sie erreichten bald das Häuschen des Rumpelstilzchens.
Drinnen im Schlafzimmer lag es im Bett und schlotterte. Seine Nase war hellgrün und leuchtete.
Während Frau Amereit es untersuchte, blieben der Wolf und Frau Holle draußen vor der Tür.
„Ich hab nicht gewusst, dass du so ein toller Tänzer bist, Wolf“, sagte Frau Holle.
„Ich auch nicht", sagte der Wolf,“es war das erste Mal. Das hab ich nur getan, damit du dem König den Wurzeltrank unbemerkt geben konntest. Es hat sogar ein bisschen Spaß gemacht, aber sag es bloß nicht weiter!“
„Warum nicht?“, fragte Frau Holle.
„Ich glaube nicht, dass jemand im Wald Respekt hätte vor dem Tanzwolf. Da hört sich böser Wolf schon besser an", knurrte der Wolf.
„Wie du willst", meinte Frau Holle, „obwohl ich glaube, dass es deinem Ansehen nicht schadet wenn du auch eine andere Seite zeigst. Der Brombeerfrau hat es auch gefallen.“
Dem Wolf sträubte sich kurz das Fell.
„Lass uns schauen wie es unserem Stilzchen geht", grummelte er.(Wenn Wölfe rot werden könnten, wäre das wohl jetzt passiert.)
Als sie ins Zimmer traten, saß das Rumpelstilzchen bereits. Es summte auch schon eine kleine Melodie.
Frau Amereit lächelte. „In ein paar Tagen ist es wieder ganz gesund“, sagte sie.
Frau Holle und dem Wolf fielen ein paar Steine vom Herzen. Was für ein Glück!
Und während der Wolf in der Küche einen Braten zubereitete, (er trug dabei eine Schürze, aber sagt es nicht weiter), erzählte Frau Holle dem Stilzchen, wie sie Frau Amereit geholfen hatten.
„Schade“, sagte das Rumpelstilzchen, „den König im Blumentopf hätte ich gern gesehen. Ob er wohl im Sommer goldene Äpfel getragen hätte?“
Dann begann es auch schon zu reimen.
„Der Wolfstanz war schön anzusehen, der König mußt auf Wurzeln stehn. Und wenn Musik der Wolf jetzt hört, er gleich die Brombeerfrau betört.“
Der Wolf legte sich die Pfoten über die Ohren. „Kannst du nicht noch ein bisschen länger krank sein“, knurrte er.
Doch dann mussten sie alle furchtbar lachen.
Sie lachten noch, als sich Frau Amereit schon längst wieder auf den Weg gemacht hatte. Sie hatte jetzt viel zu tun. Die Kuh Else wartete schon.

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