Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87725
Momentan online:
116 Gäste und 4 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > ErzÀhlungen
Der Schandfleck
Eingestellt am 20. 02. 2006 13:42


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
HFleiss
gesperrt
Manchmal gelesener Autor

Registriert: Jan 2006

Werke: 99
Kommentare: 1313
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Es war eines der HĂ€user, denen man ansieht, dass sie bis auf den letzten Ziegelstein ausgedient haben.

Das Haus hatte hier in dieser Gegend nichts zu suchen, es war ebenerdig, mit kleinem, verwildertem GartengrundstĂŒck und lag inmitten einer Beamtenwohnsiedlung aus den zwanziger Jahren, die man erst kĂŒrzlich saniert hatte. Das Dach war eingefallen, schwarz stachen die Sparren in das GeĂ€st des abgestorbenen Ahornbaumes, durch die Fensterhöhle zur Straße blickte man im Vorbeigehen in ein Wohnzimmer mit ehemals bunten Tapeten, die verschmutzt und zerfetzt von den WĂ€nden hingen. Es war nicht ausgebrannt, wie ich nach meinem ersten Eindruck vermutete, nein, die Zeit hatte das Haus getötet wie etwas Lebendes, der Atem war ihm ausgegangen, und es war wie ein leerer Blasebalg in sich zusammengefallen. Es war ein Fremdkörper in unserem Wohnviertel, ein trauriger, der Rest einer Zeit, die wohl in die Kindheit meiner Eltern fiel. Es lag auf einer Anhöhe, ausgetretene Stufen fĂŒhrten zum Haus hinauf, dorthin, wo man den Eingang vermuten konnte. Der Drahtzaun um den Garten aber war erst wenige Jahre alt, so die Verfallenheit des GebĂ€udes wie zum Hohn betonend. Jeder fragte sich, weshalb die Stadt diesen Schandfleck nicht abreißen ließ.

Sooft ich an diesem GemĂ€uer vorbei ging, reizte es mich, den Garten zu betreten, die drei Stufen hinaufzugehen und von nahem zu betrachten, was blieb von vergangenem Leben. Ich wohnte schon zwei Jahre in dieser Gegend, als ich eines regnerischen Nachmittags, ich begegnete nur wenigen Leuten auf der Straße, mir ein Herz fasste, den an einer verborgenen Stelle herabgedrĂŒckten Zaun ĂŒberstieg und mit unsicherem Schritt die drei Stufen betrat. Der sandige Mörtel knirschte unter meinen Schritten. Es war Juli, das nasse GrĂŒn des Gartens verhĂŒllte mitleidig die Trauer des Ortes.

Es war ein kleines, schmuckloses Haus: ein Wohnzimmer mit großem Fenster, eine bescheiden große KĂŒche, denn ein altertĂŒmlicher Kochherd, dem die Ringe ĂŒber dem Feuerloch fehlten, drĂŒckte sich an eine Wand, linker Hand ein winziges Zimmer, das als Schlafzimmer gedient haben musste, und ein schmaler Raum, von dem ich glaubte, dass es einst der Flur war. Es roch nach Moder und feuchtem Mörtel, die Dielen waren von Insekten zerfressen oder herausgerissen, ich musste achten, worauf ich meine FĂŒĂŸe setzte. Plötzlich stutzte ich. Seltsam, eine guterhaltene TĂŒr verschloss ein Kellergelass. Ich rĂŒttelte am VorhĂ€ngeschloss. Vergebens, das Schloss war neu, öffnen ließ es sich nur mit einem SchlĂŒssel. Das Haus gehörte also jemandem, es wurde benutzt.

Ich war in ein fremdes Haus eingedrungen! Panik ergriff mich. Ich stĂŒrzte die Stufen hinab, verfing mich mit dem Fuß an dem herabgedrĂŒckten Zaun und war froh, als ich endlich auf der Straße stand. Verstohlen blickte ich mich um: Hatte mich jemand aus der Ruine kommen sehen? Ein Ă€lterer Mann mit Einkaufsbeutel kam mir entgegen, er blickte nicht hoch, als er an mir vorĂŒberging. Ich atmete auf, alles war gut, niemand, so hoffte ich, war aufmerksam geworden.

Am selben Abend noch wurde ich aus meiner Wohnung gekidnappt.

Wohin mich die beiden MĂ€nner geschleppt hatten, konnte ich nicht herausfinden. Der Raum war eng, zweimal ein Meter, fensterlos, durch die Spalten des Bretterverschlags, der als TĂŒr diente, fiel Licht. Sie hatten mir HĂ€nde und FĂŒĂŸe gefesselt. Aber mein Mund war frei. Ich befand mich in einem Zustand, den ich in Freiheit als Trance bezeichnet hĂ€tte. Ein bittersĂŒĂŸlicher Geschmack lag mir auf der Zunge. Nach und nach wurde mir klar, dass ich betĂ€ubt worden war, ehe man mich hierhin gebracht hatte.

Wie spĂ€t war es? War es noch Nacht oder bereits Tag? Ich saß in die Ecke gepresst und konnte mich nicht rĂŒhren. Ich ließ mich auf die Seite fallen. Ein spitzer Schmerz in der Schulter, als ich auf sie fiel, ich unterdrĂŒckte ein Stöhnen. Mit Ă€ußerster Anstrengung robbte ich mich nĂ€her an die TĂŒr, ich musste wissen, wo ich mich befand. Es gelang mir, meinen Kopf einem der Spalte in der TĂŒr zu nĂ€hern.

Es war ein hellerleuchteter Raum. Das Auge schmerzte, nur langsam gewöhnte ich mich an das Licht. Der Raum war riesig, soviel konnte ich ausmachen, auch er fensterlos. In der NĂ€he meines Verschlages stand hĂŒfthoch ein dunkelmetallenes GerĂ€t, eine Maschine, ein Drehstuhl davor.

GedĂ€mpft ertönten plötzlich Stimmen, MĂ€nnerstimmen. Sie nĂ€herten sich meinem Verlies. So schnell es ging, robbte ich zurĂŒck, wieder in meine Ecke. Ich stellte mich schlafend.

Die TĂŒr wurde aufgerissen. Schritte nĂ€herten sich mir. Eine Hand machte sich an meinen Beinen zu schaffen, die Fessel wurde gelöst. Der Mann schnaufte, er roch nach Bier und Zigarettenrauch. Er klatschte mir mit der flachen Hand ins Gesicht. Ich tat, als wĂŒrde ich soeben erst zu mir kommen.

„Hoch!“

MĂŒhsam stĂŒtzte ich mich mit dem RĂŒcken an der Wand ab, ich schob mich an ihr hoch, bis ich stand.

„Mitkommen!“

Der erste Schritt ging ins Nichts. Ich stĂŒrzte. Diesmal unterdrĂŒckte ich den Schrei nicht, als ich auf die Schulter fiel. Der Mann riss mich hoch, bis ich wieder stand. Er umklammerte meinen Arm und gab mir einen Stoß in den RĂŒcken. „Los! VorwĂ€rts!“

Der Raum war gleißend hell wie tausend Sonnen. Ich blieb stehen, die Augen schmerzten. „Weitergehen!“ Wieder ein Stoß in den RĂŒcken.

Es war ein noch junger Mann, höchstens Dreißig. Gut gebaut, elastischer Schritt. Er trug einen blauen Overall wie unser Hausmeister.

Ein Ă€lterer Mann in dem gleichen blauen Overall, er Ă€hnelte meinem Schwager mit seinem gepflegten grauen Haar und dem leichten Bauchansatz, kam uns entgegen. Er nahm mich in Empfang. Wortlos ging er neben mir hier. Überall standen Maschinen herum, der Raum war damit angefĂŒllt. Ich rĂ€tselte: Wozu mochten sie dienen? Endlich hatten wir den riesigen Raum durchschritten und blieben vor einer eisernen grauen TĂŒr mit großen Riegeln stehen. Ich kannte solche TĂŒren aus den Luftschutzkellern meiner Kindheit.

Mein Begleiter fĂŒhrte eine Karte in einen Schlitz rechts neben der TĂŒr ein. Die Riegel bewegten sich, die TĂŒr öffnete sich einen Spalt.

„Stufe, Achtung!“

Der Raum war leer bis auf einen Schreibtisch in der Mitte, an dem eine Tischlampe brannte. Dahinter erkannte ich ein Gesicht, durch das Spiel von Licht und Schatten Àhnelte es einem Totenkopf.

„Treten Sie nĂ€her, setzen Sie sich!“ Die Stimme klang herrisch.

Jetzt erst sah ich den Holzstuhl vor dem Schreibtisch. Misstrauisch nahm ich umstĂ€ndlich Platz. Hinter mir schloss sich die MetalltĂŒr.

„Wie fĂŒhlen Sie sich?“

Ich antwortete nicht. Ich versuchte das Gesicht zu erkennen. Der Mann merkte es und rĂŒckte vom Schreibtisch ab, in das dahinter liegende Dunkel.

„Es geht“, sagte ich. Meine Stimme klang fremd, ich hĂ€tte es nicht fĂŒr möglich gehalten, dass ich in meiner Situation ĂŒberhaupt eine Antwort geben könnte.

„Margitta Schönemann, Sie sind einundvierzig Jahre alt, geschieden, die beiden Söhne im Ausland, der Ă€ltere Kapstadt, der jĂŒngere London. Ist das richtig?“

Ich nickte. „Sie wissen Bescheid“, wagte ich zu sagen.

„Was tun sie dort?“

Ich zögerte mit der Antwort. Ich rĂŒckte mich auf dem Stuhl zurecht, um Zeit zu gewinnen.

„Antworten Sie!“

„Sie wissen es doch, warum fragen Sie?“

„Wir wissen, dass der JĂŒngere in London studiert, Hochfrequenztechnologie. Was studiert der Ältere?“

„Finden Sie es heraus.“

„Sie haben zu antworten. Sonst muss ich andere Seiten aufziehen.“

„Was fĂŒr andere Seiten?“

„Wir können Ihre Söhne holen. Falls Ihnen das lieber ist.“

„Sie wissen es doch, was er studiert: Jura!“

„Warum nicht gleich so.“ Der Mann beugte sich wieder vor und suchte etwas aus den vor ihm liegenden Papieren heraus. Er hielt ein Blatt in der Hand und las ab: „Der geschiedene Ehemann lebt in den USA, Connecticut. Was tut er dort, wovon lebt er?“

„Mir nicht bekannt. Warum halten Sie mich hier fest? Was habe ich getan? Wer sind Sie ĂŒberhaupt?“

Der Mann antwortete nicht. Plötzlich dreht er die Lampe in meine Richtung. Geblendet senkte ich den Kopf.

„Sie haben hier nichts zu fragen.“

„Werden Sie Lösegeld verlangen?“

Der Mann fixierte mich, spĂŒrte ich, obwohl ich ihn nicht erkennen konnte.

„Oder werden Sie mich ... töten?“

Er schwieg. Minutenlang blÀtterte er dann in seinen Papieren. Plötzlich prallte seine Hand auf die Tischplatte. Er erhob sich.

„Werden Sie wegziehen?“

Die Frage kam unverhofft. „Warum? Ich bin erst vor zwei Jahren hierher gezogen. Sagen Sie mir den Grund, weshalb ich wegziehen sollte.“

„Wir finden Sie, verlassen Sie sich darauf.“

„Dann finden Sie mich eben. Mehr als töten können Sie mich nicht, Sie ... Sie Zwerg Nase.“ Woher ich in diesem Moment meinen Mut genommen hatte, konnte ich mir spĂ€ter nicht erklĂ€ren.

„Und keine Polizei. Verstanden?“

Der Mann, er war Ă€lter, als ich ihn mir vorgestellt hatte, erhob sich und ging zur TĂŒr. Sie öffnete sich wie von Geisterhand.

Der jĂŒngere, elastische Mann nahm mich in Empfang und fĂŒhrte mich wieder durch den Riesenraum. Ein paar MĂ€nner in blauen Overalls saßen jetzt an den Maschinen, es piepste und ratterte leise. Niemand drehte sich nach mir um.

Als ich zu mir kam, lag ich in einer Sandkuhle. Meine HĂ€nde waren nicht mehr gefesselt, nur die Schulter schmerzte noch. Es zirpte rings um mich herum. Es war ein brach liegendes Feld vor der Stadt, heller Tag, GlockenlĂ€uten, irgendwo in der Ferne krĂ€hte ein Hahn. Eine magere Spinne kroch auf mich zu, ich erhob mich. Über mir kreiste ein Greif, ein Roter Milan. Jetzt stĂŒrzte er herab. Vielleicht hatte er ein Kaninchen ausgemacht.

Ich stapfte ĂŒber das Feld und versuchte, meine Gedanken zu sammeln und mir ĂŒber das Vergangene klar zu werden: Man hatte mich gekidnappt und dann in ein GebĂ€ude ohne Fenster verschleppt, vielleicht ein unterirdisches GebĂ€ude? Jemand, der sich nicht vorgestellt hatte, verhörte mich. Wozu wollte er wissen, wo meine Jungen waren und was sie studierten? Eine BestĂ€tigung? Wozu? Und warum fragten sie mich nach meinem geschiedenen Mann? Das Erlebte war rĂ€tselhaft, ich suchte nach einem Sinn. Erst als ich die Frage nach dem Lösegeld stellte, ließ der Verhörer von mir ab. Worin bestand der Zusammenhang? Ich hatte mir nichts vorzuwerfen, ich war eine unauffĂ€llige BĂŒrgerin, niemals mit dem Gesetz in Konflikt geraten, ich war auch nicht vermögend – wer also wollte was von mir erfahren? Vor allem: Was? Die Angst um die Jungen begann mich zu ĂŒberwĂ€ltigen, ich wimmerte, ich stolperte und fiel auf die Knie, mit der Faust schlug ich auf die Erde, bis es schmerzte. Als hĂ€tte man mich ertappt. Wobei ertappt? Mir war, als folgten mir Augen, wohin ich auch gehen wĂŒrde.

Das nahe Dorf, in das ich mich dann schleppte, kannte ich von frĂŒheren AusflĂŒgen mit den Jungen. Sogar daran hatten sie gedacht. Zur Bahn waren es mehr als fĂŒnf Kilometer. NatĂŒrlich hatte ich keine Fahrkarte. Ich war sicher, erklĂ€ren konnte ich mir meine Sicherheit jedoch nicht, dass ich nicht in eine Kontrolle kommen wĂŒrde.

Anderntags, ich wollte nach einer unruhig verlaufenen Nacht zur Polizei gehen und meine EntfĂŒhrung anzeigen, fĂŒhrte mich mein Weg wieder an dem verfallenen Haus vorbei. Schon von weitem sah ich den Bagger. Er war dabei, das brĂŒchige GemĂ€uer abzureißen. Soeben griff das Baggermaul nach der Wohnzimmerwand mit der großen Fensterhöhle und schwang seine Last ĂŒber die Straße. Der Bagger verhielt einen Moment und öffnete dann die Greifer. Scheppernd rutschte und knallte das Gestein in den Kipper, eine Staubwolke wirbelte auf. Das GrĂŒn des verwilderten Gartens hatte sich weiß gefĂ€rbt.

Auf der anderen Straßenseite stand ein jĂŒngerer Mann. Gelangweilt sah er den Abrissarbeiten zu. Sein Overall hob sich blau vor der weißen Hauswand ab.













Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Larissa
Guest
Registriert: Not Yet

Der Schandfleck

Liebe Hanna,

nachdem du mir gestern so ausfĂŒhrlich mit Tipps zur Seite gestanden hast, möchte auch ich dich nicht kommentarlos im Regen stehen lassen.
Allerdings muss ich vorab sagen, dass ich weder dich noch deinen Text kritisieren möchte, sondern lediglich ein paar RatschlÀge und eine Unmenge Fragen in den Raum werfen will.

Als ich den Anfang deiner ErzĂ€hlung in "Neueste Werke" entdeckte, war ich sehr gespannt auf den weiteren Verlauf der Handlung, denn sie begann vielversprechend. Umso enttĂ€uschter war ich nach Beendigung der LektĂŒre und fragte mich: Was ist die PrĂ€misse?
Wieder und wieder las ich Zeile fĂŒr Zeile, suchte nach versteckten Hinweisen. Hatte ich ein SchlĂŒsselwort ĂŒberlesen, eine Aussage nicht wahrgenommen? Bitte, liebe Hanna, klĂ€re mich doch auf, welche geheimnisvolle Botschaft hier dem wissbegierigen Leser ĂŒbermittelt werden soll.

Völlig im Dunkeln bleibt auch das Motiv der EntfĂŒhrung, ebenso der Hergang. Mit keinem einzigen Wort wird erklĂ€rt, warum die Protagonistin den Kidnappern ĂŒberhaupt die TĂŒr öffnete. Oder verschufen sie sich gewaltsam Zutritt? RĂ€tselhaft, sehr, sehr rĂ€tselhaft, zumal ihr kein Haar gekrĂŒmmt und die Frage nach dem Lösegeld von den Gangstern nicht beantwortet wurde.

Es dĂŒrfte weder fĂŒr die EntfĂŒhrer noch fĂŒr die Story und schon gar nicht fĂŒr den Leser von irgendwelchem Interesse sein, dass ihre Söhne Jura bzw. Hochfrequenztechnologie studieren und ihr geschiedener Ehemann in Connecticut lebt. So what?

Dass bei Abrissarbeiten ein junger Mann im blauen Overall anwesend ist, soll vorkommen. Der Blaumann ist das bevorzugte KleidungsstĂŒck im Handwerk. Es mit den ebenfalls blau gekleideten EntfĂŒhrern in Verbindung zu bringen, könnte ein durchaus ernst zu nehmender Hinweis auf eine ausgewachsene Paranoia der Protagonistin sein.

So viel zum Plot, liebe Hanna, der ja bekanntlich der wichtigste Aspekt ist. Ich an deiner Stelle wĂŒrde in aller Ruhe Satz fĂŒr Satz durchgehen, mir die Frage stellen: "Was will ich mit meiner Geschichte aussagen?" und dann die fehlenden Passagen einfĂŒgen oder besser die ErzĂ€hlung noch einmal ganz neu beginnen.

Kommen wir zum Schreibstil, der gar nicht so ĂŒbel ist (vielleicht ein bisschen "dröge"). Wie ich allerdings festgestellt habe, fehlt dir das "Unverwechselbare", jener Stil, der dich von den Abertausenden namenloser Autoren unterscheidet, die ebenfalls ihre Manuskripte an den Mann bringen wollen. Ich vermisse den Genius, bei dem der Leser das Aha-Erlebnis erfĂ€hrt: "Das ist eine typische Hanna-Fleiss-ErzĂ€hlung."
Genau wie ein SĂ€nger oder Maler sollte auch ein Schriftsteller sich eines gewissen Wiedererkennungsmerkmals befleißigen.

Liebe Hanna, achte bitte darauf, dass sich die SÀtze mit "als" nicht zu sehr hÀufen. Vielleicht kannst du sie ein wenig umstellen. Auch die SatzanfÀnge mit "Er" sind zu zahlreich vertreten. Vielleicht magst du statt "Er nahm mich in Empfang. Er ging wortlos neben mir her" lieber schreiben: "Er nahm mich in Empfang, ging wortlos neben mir her", zumal der Satz davor auch bereits mit "Er" beginnt.
( Er Ă€hnelte...) Das Gleiche gilt fĂŒr die vielen "Ich", z.B. "Ich zögerte mit der Antwort. Ich rĂŒckte mich...".
Warnung vor dem unkontrollierten Gebrauch von Adjektiven! Schnell wirkt ein Text schwĂŒlstig, und das willst du doch sicher nicht.

Last, but not least, möchte ich die Rechtschreibung anprechen.
"Saiten" wird natĂŒrlich in diesem Fall mit "a" geschrieben, da man nur Geigensaiten, Gittarensaiten etc. aufziehen kann, keinesfalls aber Buchseiten.
"gut erhalten" wird auseinander geschrieben, "hell erleuchtet" und "so viel" ebenfalls, wĂ€hrend "vorbeiging" und "brachliegend" zusammengeschrieben werden. In dem Satz: "Es war noch ein junger Mann, höchstens dreißig" wird dreißig selbstverstĂ€ndlich klein geschrieben.

So, liebe Hanna, ich hoffe, dir mit meinen Hinweisen ein wenig geholfen zu haben, wĂŒnsche dir angenehme TrĂ€ume und sende dir einen lieben Gute- Nacht-Gruß.

Larissa

Bearbeiten/Löschen    


HFleiss
gesperrt
Manchmal gelesener Autor

Registriert: Jan 2006

Werke: 99
Kommentare: 1313
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Der Schandfleck

Liebe Larissa,

hab vielen Dank fĂŒr deine Äußerung zu meinem Text. Du hast in vielem Recht, vor allem mit "brachliegen" und "Saiten", da war ich schusslig, danke fĂŒr die Korrektur. Und jetzt geht es dir mit meinem Text so wie mir mit deinem: Du verstehst ihn nicht. Das ist kein Beinbruch. Aber ich habe nicht vor, einen Text zu erklĂ€ren, wenn er sich dem Leser nicht von selbst erschließt. Er ist eine Allegorie auf etwas, auf unsere Gegenwart, auf das, was man unverblĂŒmt nicht aussprechen kann, und so etwas zu erklĂ€ren ist vergebliche LiebesmĂŒh. Wenn man allerdings nur an der OberflĂ€che der Handlung bleibt, ist es tatsĂ€chlich so, dass man rein gar nichts versteht, da hast du völlig Recht. Aber es ist legitim, solche Texte zu schreiben. Vielleicht ist mir der Text misslungen, ich ahne es dĂŒster (es ist der erste Versuch dieser Art), aber auch andere haben eben nicht nur Meisterwerke geschrieben. Nicht, dass ich mich hinter dieser Argumentation verstecken wollte.
Was den Stil angeht, so muss ich dir sagen, dass es mir wirklich egal ist, ob man einen "typischen Hanna-Fleiss-Text" erkennt oder nicht, ich habe noch nicht jene Stufe erreicht, wo ich es wagen dĂŒrfte, mich Schriftstellerin zu nennen, ich halte mich eben nicht fĂŒr eine bemĂŒhte Dichterin, sondern nur fĂŒr eine, die sich das Leben ansieht und daraus kleine Geschichten macht, nur so, zu meinem eigenen und dem VergnĂŒgen oder Ärger Anderer. Und da benutze ich auch schon mal einen "drögen" Stil (aber es ist meiner und nicht geklaut von anderen). Manchmal bin ich ĂŒbrigens ganz zufrieden, wenn man nicht erkennt, dass ich das Machwerk geschrieben habe. Hab aber noch mal vielen Dank fĂŒr die MĂŒhe, die du dir mit meinem Text gemacht hast.

Liebe GrĂŒĂŸe
Hanna

Bearbeiten/Löschen    


HFleiss
gesperrt
Manchmal gelesener Autor

Registriert: Jan 2006

Werke: 99
Kommentare: 1313
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Der Schandfleck

Liebe Larissa,

ich muss noch ein SchwĂ€nzchen dranhĂ€ngen, ich habe das mit dem SchlĂŒsselwort ĂŒbersehen. Du findest in dem Text viele SchlĂŒsselwörter, wenn du genau liest (um Himmels Willen will ich meinen Text nicht verteidigen). Ich weiß, man liest am Computer ĂŒber vieles hinweg, das flutscht Zeile fĂŒr Zeile, und am Ende ist man oft nur halb so begeistert wie ĂŒber einen Papierausdruck, den man in Ruhe liest, das ist der Ärger des Autors mit dem Lesen am Computer.

Liebe GrĂŒĂŸe
Hanna

P.S. Liebe Larissa, wenn wir uns schon gegenseitig korrigieren: Gitarre wird auch nach Duden nur mit einem "t" geschrieben. (Nun ja, so was passiert auch den Mitarbeitern der Duden-Redaktion. Ich habe es sogar schriftlich!)

Bearbeiten/Löschen    


Larissa
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Hanna,

hahaha, siehst du, da hat sich doch das Tippfehlerteufelchen kurzerhand auch bei mir eingeschlichen. C'est la vie!

Ich werde deine Werke gern weiterhin im Auge behalten.

Liebe GrĂŒĂŸe

Larissa

P.S. Auch nach der heutigen Rechtschreibung wird "anderer" klein geschrieben. Ausnahme, wenn etwas völlig Andersartiges gemeint ist, was in deinem Satz nicht der Fall ist.

Bearbeiten/Löschen    


HFleiss
gesperrt
Manchmal gelesener Autor

Registriert: Jan 2006

Werke: 99
Kommentare: 1313
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Der Schandfleck

Liebe Larissa,

lies immer schön den Duden, dann schreibst du Andere nur noch klein, aber in AusnahmefĂ€llen groß. Hab ich mir doch die Neue Deutsche Falschschreibung so zu Hertzen genommen, dass ich jĂ€tzt bei jehdem dritten Wort ĂŒberlege: Wie schreibt man das eigentlich falsch? Denn falsch geschrieben, das hat mich die NDF gelehrt, ist immer richtig. Am besten ist es wohl, ich bleib bei der guten alten deutschen Rechtschreibung, die kann ich aus dem FF, darin bin ich getrimmt worden, aber dann tun mir wieder die Augen weh, wenn ich die NDF lese. Wie man's macht, ist's verkehrt.

In diesem Sinne

liehbe GrĂŒĂŸe
Hanna

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  ErzĂ€hlungen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!