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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Der Tag des Regens
Eingestellt am 26. 09. 2002 17:00


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Janek S.
???
Registriert: Sep 2002

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Der Tag des Regens

Langsam fiel es. Langsam aber elegant und sicher. Es drehte sich fortw├Ąhrend und ruhig um die eigene Achse und die Wiegenbewegung, die der Wind erzeugte verz├Âgerte das Ankommen erneut.
Kai und Domenique lieben es, solche Kleinigkeiten, wie den Fall eines Laubblattes an einem warmen Herbstabend, zu beobachten.
Sie lieben die Kleinigkeiten des Lebens, da sie ihnen nicht nur Freude bereiten, sondern auch Kraft geben, ├╝ber vieles hinweg zu sehen.
Kai und Domenique sind seit f├╝nf Jahren ein Paar. Zwar haben sie sehr viele Freunde und auch die Familien der beiden stehen voll hinter ihnen, doch es gibt immer noch Menschen, die ihre Homosexualit├Ąt nicht tolerieren, geschweige denn akzeptieren k├Ânnen.
Doch mittlerweile sind beide soweit, die kleinen Sticheleien des Alltags zu ├╝berh├Âren.
Es war Freitag abend und die Sonne begann bereits unter zu gehen.
Sie lagen im Park unter einem Baum und starrten in den Himmel. Doch es wurde schlie├člich dunkel und auch die Temperaturen fielen leicht ab. Also beschlossen beide, sich auf den Weg nach Hause zu machen. Sie wohnen seit zwei Jahren zusammen in einer Wohnung und haben nun vor, in etwa einem Monat zu heiraten.
W├Ąhrend sie durch den Park in Richtung ihres Zuhauses liefen, redeten sie ├╝ber die Hochzeit und planten noch viele Details.
Sie beschlossen, Marek zu fragen, ob er Trauzeuge werden m├Âchte, da sie sich damals durch ihn kennenlernten und er ein sehr guter Freund von beiden ist.
Kai wollte die Planungen noch ausweiten, doch Domenique bremste ihn in seiner Euphorie, da ihm an diesem sch├Ânen Abend nicht nach planen zumute war.
Als sie schlie├člich ankamen, h├Ârten sie noch etwas Musik und tranken ein bis zwei Gl├Ąser Wein. Schlie├člich gingen sie zu Bett, um den kommenden Tag ohne Kater begr├╝├čen zu k├Ânnen.
Am n├Ąchsten Morgen machten sie ein ausgiebiges Fr├╝hst├╝ck und pl├Âtzlich klingelte es. Marek stand vor der T├╝r, mit dem Vorschlag, abends in einen Club zu gehen und etwas das Wochenende zu feiern.
Die beiden stimmten zu, luden Marek zum Fr├╝hst├╝ck ein und brachten schlie├člich jeder auf seine Weise den Nachmittag herum.
Als der Abend und somit die Zeit, die sie sich ausgemacht hatten, heran war, ging es Dominique nicht besonders gut. Die beiden Anderen wollten aus diesem Grunde nicht tanzen gehen, sondern einen sch├Ânen Abend zu Hause oder in einem Caf├ę verbringen. Doch Dominique wollte nicht, dass sie wegen ihm den Abend gelangweilt verbringen und sagte deshalb, sie sollen doch alleine gehen. Das taten sie nach einer kurzen Diskussion auch. Dominique legte sich ins Bett und schlief bald ein.
Marek und Kai gingen in ihre Lieblingsbar und tranken ├╝ber den Abend verteilt etwas zu viele Gl├Ąser Alkohol. Als der Club schlie├člich seine Pforten schloss, waren die beiden nicht sturzbesoffen, sondern nur angeheitert.
Marek schlug vor, noch kurz zu ihm zu gehen, da er einen guten Wein habe, der getrunken werden m├Âchte. Kai willigte ein und schon kurz darauf sa├čen sie vor Mareks Kamin und tranken den s├╝ffigen Wein. Doch dieser lie├č endg├╝ltig die Hemmungen schmelzen.
Bei einer zuf├Ąlligen Ann├Ąherung beider K├Âpfe sahen sie sich tief in die Augen und setzten ihre M├╝nder zart aufeinander. Was harmlos begann wurde schnell zu einer wilden Eskapade gestauter Leidenschaft.
Der Hahn kr├Ąhte und die Sonne stand schon ├╝ber den D├Ąchern der Stadt, als in einer Wohnung Dominique aufwachte und neben sich seinen Verlobten suchte und anderswo Kai aufwachte und sich neben dem Mann wiederfand, den er schon so lange begehrte.
Dominique k├╝mmerte sich nicht weiter darum, da es schon ├Âfters vorkam, dass die beiden nach einer langen Nacht bei Marek ├╝bernachteten, da er einfach zentraler wohnte.
Kai aber sprang aus dem Bett, zog sich an und verlie├č die Wohnung ohne ein Wort.
Als er bei sich daheim ankam, wartete Dominique bereits mit dem Fr├╝hst├╝ck und war froh, seinen k├╝nftigen Mann wieder f├╝r sich zu haben.
Kai aber war in Gedanken immer noch bei Marek. Es war nicht nur ein Seitensprung. Er wusste, dass da mehr war als das einmalige Verlangen auf den K├Ârper des anderen!
Es war eine Art geistige Beziehung, wie er sie mit Dominique immer suchte.
Doch er lie├č sich nichts anmerken und freute sich andererseits auch, wieder im normalen Alltag zu sein.
Als die neue Woche begann, ging Dominique morgens zur Arbeit, Kai schlief sich aus und machte die Wohnung sauber. Er war Schriftsteller und arbeitete somit zu hause und wann er wollte. Der einzige Druck, den er hatte, waren die Termine des Verlags, doch einen solchen hatte er zur Zeit nicht, da sein neustes Buch gerade erst erschienen war.
Er machte alles zurecht und schmiss die Waschmaschine an, als es pl├Âtzlich an der T├╝r klingelte. Er dachte zuerst, Dominique habe etwas vergessen, doch als er aufmachte stand Marek vor ihm.
Kai bat ihn herein und sie begannen, ├╝ber die letzte Nacht und ├╝ber sich zu reden. Beide waren sich einig, dass es mehr war als ein One Night Stand und dass sie nicht aufeinander verzichten m├Âchten. Doch Kai war in diesem Punkt etwas benachteiligt, da er ja mit Dominique liiert war und ihn bald heiraten wollte.
Nach diesem Gespr├Ąch verlief das Leben von Kai nicht mehr so wie bisher. Er traf sich regelm├Ą├čig mit Marek, sei es, um zu reden oder um die Begierde auf den anderen zu stillen.
Eigentlich verlief alles wie eine kleine Aff├Ąre, doch Marek dr├Ąngte Kai immer mehr dazu, Dominique die Wahrheit zu sagen und Kai wurde immer unsicherer, was ihn und seinen Verlobten anging.
Drei Wochen waren nun vergangen und der Termin f├╝r die Hochzeit stand bereits fest. In neun Tagen wollten die beiden den Bund f├╝r das Leben schlie├čen.
Kai wusste, dass es nicht passieren wird, doch er schaffte es lange nicht, Dominique alles zu beichten.
Doch als sie schlie├člich eines Abends auf dem Sofa sa├čen und niemand etwas sagte, um die gem├╝tliche Stimmung nicht zu zerst├Âren, brach Kai das Schweigen.
Er erz├Ąhlte Dominique alles, von Anfang an, mit einer erbarmungslosen Ehrlichkeit. Auch, was seine Gef├╝hle zu ihm und im Gegensatz dazu zu Marek anging.
Dominique starrte ihn stumm an und seine Augen f├╝llten sich mit Tr├Ąnen. Er sa├č da und begann zu zittern, dann stand er auf, hielt sich am Sofa fest und stolperte zur Schlafzimmert├╝r. Als er diese ge├Âffnet hatte und schon im Zimmer stand, sagte er den ersten und einzigen Satz nach Kais Gest├Ąndnis: ÔÇ×Ich liebe dich, aber bitte geh jetzt!ÔÇť
Kai war ├╝berrascht von der Reaktion und in irgend einer Weise, die er nicht nachvollziehen konnte, hin und her gerissen. Dominique rastete nicht aus, war aber auch nicht sonderlich gefasst. Was ihn aber am meisten verwirrte, war dieser Satz, den er so trocken erwidert bekam.
Wenn er ihn nun liebt, m├Âchte er dann, dass sie zusammen bleiben, oder liebt er ihn, m├Âchte jetzt aber nichts mehr mit ihm zu tun haben?
Kai packte seine Sachen und ging. Vorerst zu Marek.
Drei Monate sind nach diesem Vorfall vergangen und Kai lebt nun fest bei und mit Marek. Dominique liebt ihn zwar immer noch, doch er ist nicht bereit, ihm hinterher zu trauern.
Marek ist sehr auf seine Gesundheit bedacht und machte auch aus diem Grunde halbj├Ąhrlich einen Aids Test. Er schaffte es, dass Kai sich auch testen lie├č, obwohl er es anfangs nicht wollte, da er dies als ├╝berfl├╝ssig ansah.
Doch als das Ergebnis kam, wurde seine Meinung stark revidiert. Marek war negativ, doch aus dem Schreiben an Kai ging hervor, dass er Infiziert isei und seine Menge an T-Zellen bereits unter 200 lag, was eine relativ schwerwiegende Tatsache ist, da dies bedeutet, er ist schon sehr lange positiv und die Krankheit Aids anscheinend ausgebrochen ist, so Marek.Ihm war zwar in letzter Zeit oft ├╝bel und seine Lymphknoten waren etwas geschwollen, doch Kai war nicht der Typ, der so schnell den Hausarzt aufsuchte.
Kai verkraftete das nicht. Ihm wurde schwarz vor Augen und er brach zusammen.
Als er wieder aufwachte, fand er sich im st├Ądtischen Krankenhaus wieder. Neben ihm sa├č Marek und in seine Vene lief eine Kan├╝le.
Obwohl er nur sehr schlecht sprechen konnte, sagte er erbost zu Marek: ÔÇ×Was soll das? Ich bin nicht todkrank. Noch geht es mir gut und diesen ganzen Mist brauche ich nicht!ÔÇť
Marek beruhigte ihn, indem er sagte, es w├Ąre nur vor├╝bergehend, um sein Immunsystem zu stabilisieren. Kai gefiel das alles nicht. Marek aber fuhr fort und sagte Kai, er wolle nicht mit einem HIV- Positiven Menschen zusammenleben.
Er stand auf, beendete mit diesem Satz die Beziehung der Beiden und ging aus dem Zimmer.
Kai war verzweifelt. Warum musste er soviel Leid ertragen? Was hatte er getan, so ein Schicksal auferlegt zu bekommen?
In den n├Ąchsten Tagen dachte er viel nach. Der Arzt sagte, dass die geringe Zellmenge nicht bedeutete, dass die Krankheit ausgebrochen war, sie beruhte nur darauf, dass er bisher nichts unternahm, bewusster zu leben. Er war noch nicht Aids krank.
Kai dachte haupts├Ąchlich an Dominique. Er hatte seinen Traummann f├╝r eine unbedeutende Beziehung mit einem Typen aufgegeben, der nun nicht mal zu ihm h├Ąlt. Er zweifelte schon an seinem Verstand, als es an der T├╝r klopfte. Als er sah, wer nun vor ihm stand, erstrahlte sein Gesicht. Dominique hielt einen Strau├č Blumen in der Hand und begr├╝├čte ihn leise mit feuchten Augen.
Sie sprachen sich sehr lange aus und Dominique sagte, er k├Ânne ├╝ber diesen Seitensprung mit Folgen hinwegsehen, da er Kai liebe.
Kai war dar├╝ber so froh, dass er Dominique schon umarmen wollte. Doch dann dachte er an sein HIV und wich zur├╝ck. ÔÇ×Es ist okayÔÇť sagte Dominique und fiel Kai um den Hals.
Sie waren wieder ein Paar!
Als Kai aus dem Krankenhaus entlassen wurde, redeten sie in ihrer Wohnung viel ├╝ber den Virus. Es fiel ihnen nicht leicht, dar├╝ber zu sprechen, besonders Kai war verwirrt von der Situation. Dominique aber war bestens informiert und sie wussten schnell beide, was wichtig, was gef├Ąhrlich und was ungef├Ąhrlich ist.
Sie bekamen ihre Beziehung so wieder in den Griff und liebten sich noch st├Ąrker als zuvor, auch wenn im Hinterkopf immer Kais Infektion war.
Doch sie lebten dennoch so unbeschwert es ging und h├Ârten auch nichts mehr von Marek.
Eines Abends gingen sie dann essen, um ihre alte, neue Beziehung zu feiern.
Sie a├čen Fisch und tranken Champagner.
Als sie wieder daheim waren war Kai sehr ├╝bel und er musste sich mehrfach ├╝bergeben.
Er begann zu zittern und bekam Fieber. Dominique wusste nicht mehr weiter, da es am n├Ąchsten Morgen bereits so schlimm war, dass Kai sich kaum noch bewegen konnte.
Sie fuhren ins Krankenhaus und kurz vor der Ankunft viel Kai in Ohnmacht.
Im Krankenhaus pumpten die Ärzte Kais Magen aus, da sie eine Fischvergiftung diagnostizierten.
Doch es war schon zu lange her und der Fisch bereits verdaut. Kai lag im Koma und die ├ärzte versuchten alles, um ihn wieder aufwachen zu lassen. Dominique war verzweifelt, er sa├č nun schon drei Tage am Bett von Kai und begann sogar, zu beten.
Doch in der Neumondnacht, etwa vier Tage, nach dem Essen, bekam Kai Kammerflimmern.
Sein Herz h├Ârte auf zu schlagen und jeglicher Versuch der Wiederbelebung durch die ├ärzte scheiterte.
Kai war gestorben und auch Dominique starb psychisch.
Gerade jetzt, als sie wieder gl├╝cklich vereint waren, musste so ein Ungl├╝ck geschehen.
Er konnte es nicht verstehen und beschloss nach der Beerdigung, auch aus dem Leben zu scheiden.
Da er es in der Wohnung, in der sie einst gemeinsam lebten nicht mehr aushielt, zog er zu seinen Eltern.
Er nahm seine gesammelten Dosen Schlaftabletten und schluckte diese.
Langsam begann er, seinen Raum nur noch verschwommen wahrzunehmen, als pl├Âtzlich seine Mutter herein kam. Sie sah die Tablettenschachteln und rief sofort einen Rettungswagen.
Dominique war rechtzeitig im Krankenhaus und wurde wieder gesund.
Er war nicht mehr der Meinung, sich das Leben nehmen zu m├╝ssen. Er besuchte nun fast t├Ąglich das Grab von Kai und arrangierte sich wie kein anderer in der regionalen AIDS Hilfe. Sein Leben widmet er nun dem Kampfe gegen Aids, doch gl├╝cklich verlieben kann er sich wohl nie wieder.

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Wer keinen Mut zum tr├Ąumen hat, hat keine Kraft zum K├Ąmpfen!

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