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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Der Tanzfelsen
Eingestellt am 10. 09. 2001 19:23


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Elmar Feische
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2001

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Es waren jene Tage, die uns im Grunde unverdient vorkamen und außerdem so völlig verschieden von unseren ĂŒblichen Tagen waren, daß wir das GefĂŒhl hatten, etwas Unschickliches, ja beinahe sogar etwas Verbotenes zu tun und zu erleben. Von morgens bis abends lag ĂŒber allem, trotz glasklarem Wetter, ein Schleier der Unwirklichkeit - ungewöhnlich und daher gewöhnungsbedĂŒrftig, aber schön!

Bei unseren tÀglichen visuellen Begegnungen, beim Essen und bei sonstigen Veranstaltungen im Hotel, war uns das Paar von Anfang an aufgefallen. Wir hatten uns gefragt, ob der Sohn
seine alte Mutter noch einmal mit in Urlaub genommen hatte, bevor ihr Abschied von dieser Welt beschlossene Sache werden sollte. Als andere Variante dachten wir uns eine reiche Witwe aus, die sich mit ihrem schlecht werdenden Geld noch einmal die Kraft und die ElastizitÀt der Jugend eingekauft hatte.

Abends hatten wir nach dem Abendessen und vor unserem DĂ€mmerschoppen in dem Restaurant am Meer einen bevorzugten Platz am Strand, von dem aus wir, bei klarem Wetter den Sonnenuntergang ĂŒber der Ă€ußersten Spitze der Insel beobachten konnten. Das waren eigentlich die schönsten Augenblicke des Tages. Die rote Sonne fĂ€rbte den Abendhimmel und die Farbe schien in das Meer zu fließen und machte es zu einem Sonnenmeer.

In das Meer hinein ragte ein hoch aufsteigender Felsen, von dessen glatter und großer OberflĂ€che man einen wunderbaren Blick auf das Meer, den Strand und große Teile der Insel hatte.

Wir kamen an diesem Abend etwas spĂ€ter zu unserem Sonnenuntergangs-Platz am Stand. Von weitem sahen wir, daß sich 2 Personen mĂŒhten, den Felsen zu erklimmen, um, wie wir dachten, von oben einen besseren Blick auf die abendliche Idylle zu haben. NĂ€her gekommen sahen wir, daß es sich bei den Personen um unser Paar aus dem Hotel handelte. Wir sahen es gerade in dem Augenblick, in dem der Mann die Frau bei der Hand nahm und sie mit einem
energischen und, wie es schien, doch behutsamen Schwung neben sich auf die glatte FlĂ€che des Felsens hob. In diesem Augenblick wehte von einer nahe gelegenen Bar die Musik herĂŒber und vermischte sich mit der Brandung des Meeres, dem Kreischen der Möwen - und dem Lachen des Paares auf dem Felsen. Die Klangmischung schien eine geheimisvolle und wunderschöne Wirkung auf das Paar auf dem Felsen zu haben. Von unserer Entfernung aus betrachtet, schien die Frau auf einmal viel jĂŒnger und, ja, auch viel schöner geworden zu sein. Wir hatten nicht gesehen, von wem der erste Schritt ausging, aber auf einmal begann das Paar nach der Meeresmusik zu tanzen. Erst langsam und vorsichtig, beinahe tastend, dann jedoch mit dem Rhythmus der Musik immer schneller und mutiger werdend. Mit einem Mal hob der Mann seine erblĂŒhte Partnerin in den Himmel und plötzlich meinte man, der Tanz habe sich verlangsamt, um jedermann die Gelegenheit zu geben, zu sehen, was sich jetzt ereignete. Der Kopf der in den Himmel gehobenen Frau zerschmolz praktisch in dem am Horizont stehenden
roten Sonnenball, wurde zu einer Erscheinung, lichtdurchdrungen, pulsierend und lebensbejahend. In einer langsamen Bewegung setzte der Mann seine Frau wieder ab, so behutsam und leicht, als sei sie eine Feder. In diesem Augenblick erlosch die Musik und Mann und Frau blieben noch eine geraume Zeit eng aneinandergeschmiegt in dem langsam verblassenden Licht auf dem Felsen stehen.

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gladiator
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Registriert: May 2001

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Hallo Elmar...

Schöner Text, hier meine Anmerkungen:

Bei unseren tÀglichen visuellen Begegnungen, beim Essen und bei sonstigen Veranstaltungen im Hotel, war uns das Paar von Anfang an aufgefallen. - "Visuell" klingt streng. "Sonstige Veranstaltungen" klingt nicht zuende gedacht. Vielleicht: "Bei unseren zufÀlligen Begegnungen, beim Essen oder beim Shuffleboard am Pool, war uns das Paar sofort aufgefallen."

Als andere Variante dachten wir uns eine reiche Witwe aus, die sich mit ihrem schlecht werdenden Geld noch einmal die Kraft und die ElastizitÀt der Jugend eingekauft hatte. - "gekauft hatte"...

Abends hatten wir nach dem Abendessen und vor unserem DĂ€mmerschoppen in dem Restaurant am Meer einen bevorzugten Platz am Strand, von dem aus wir, bei klarem Wetter den Sonnenuntergang ĂŒber der Ă€ußersten Spitze der Insel beobachten konnten. - Liest sich gespreizt. Verschachtelt und "bevorzugt" ist auch doof. Vielleicht: "Abends setzen wir uns nach dem Abendessen oft an den Strand, an einer Stelle, von der aus wir..."

Wir kamen an diesem Abend etwas spĂ€ter zu unserem Sonnenuntergangs-Platz am Stand. - "An diesem Abend kamen wir allerdings ein bißchen spĂ€ter als sonst an den Strand." Es geht ja nun um den Anlaß der ErzĂ€hlung (DIESEN bestimmten Abend), und das muß auch deutlich werden.

Von weitem sahen wir, daß sich 2 Personen mĂŒhten, den Felsen zu erklimmen, um, wie wir dachten, von oben einen besseren Blick auf die abendliche Idylle zu haben. NĂ€her gekommen sahen wir, daß es sich bei den Personen um unser Paar aus dem Hotel handelte. - "2 Personen", "handelte"...alles so steif in der Wortwahl. Vielleicht: "Von weitem sahen wir ein Paar, das mĂŒhsam den Felsen erklomm, um, wie wir dachten, einen besseren Blick zu haben. Als wir dann nĂ€her kamen, erkannten wir "unser" Paar aus dem Hotel."

Die Klangmischung schien eine geheimisvolle und wunderschöne Wirkung auf das Paar auf dem Felsen zu haben. Von unserer Entfernung aus betrachtet, schien die Frau auf einmal viel jĂŒnger und, ja, auch viel schöner geworden zu sein. - "scheinen", "scheinen"...Du erzĂ€hlst aus Deiner Sicht. Wenn es fĂŒr Dich so war, dann war es auch so. Also: "Die KlĂ€nge und GerĂ€usche verbanden sich wunderschön auf das Paar. Aus der Ferne wirkte die Frau auf einmal viel jĂŒnger..."

Der Kopf der in den Himmel gehobenen Frau zerschmolz praktisch in dem am Horizont stehenden
roten Sonnenball, wurde zu einer Erscheinung, lichtdurchdrungen, pulsierend und lebensbejahend.
- Und theoretisch? Ich wĂŒrde "praktisch" streichen...

Gruß
Gladiator
__________________
Die Raben fliegen in Scharen, der Adler fliegt allein.

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