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Leselupe.de > Ungereimtes
Der Tod des Poeten, Auszug aus Kap.8
Eingestellt am 27. 04. 2001 18:19


Autor
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George Polly
Hobbydichter
Registriert: Apr 2001

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Rabe:

Hold und s├╝├č nun war dein Traum
erf├╝llt von jener traurigen Schwere,
die einem Poeten zu eigen sein mag,
der den purpurnen Samtvorhang
zum Reiche der Engel f├╝r einen
kurzen Moment gel├╝ftet und ein
Paradies ersp├Ąht hat, ein fernes,
dessen Duft und Sch├Ânheit ihn umf├Ąngt,
wie ein Schwall von Wasser, in das
er eintaucht und sich selbst auf
ewig vergi├čt und nur das Verlangen
sp├╝rt, das an ihm zehrt und nagt,
dass er diesen Duft noch einmal
atmen, dieses unfa├čbare Antlitz noch
einmal schauen darf, bevor er gehen
mag, still und von Erinnerung
durchdrungen.

Aber nein, dem ist nicht so.
Hat auch deine nachtgetr├Ąnkte Seele,
edler Mensch, den Vorhang just geteilt
und mit glei├čend aufkeimender Hoffnung
ein Licht erblickt, das dich berauschte,
so war es vielleicht das Reich der Engel,
das einen Schatten warf in deine stille Nacht,
vielleicht war es aber auch nur das
grausam rote Schimmern des Hades
und sein flackernder Trug, der dich erfa├čte,
denn oft treibt er solch t├Ąuschendes
Spiel mit den Kindern der Menschen
und sein Lachen, das aus den tiefsten Grotten
seiner Boshaftigkeit aufsteigt,
ist das Lachen eines Fauns,
der den W├Ąldern entsteigt um
teilzuhaben an dem Erleben,
wie die Hoffnung eines Menschen
langsam erlischt und seine
Seele Vergessen sucht am Rausche
des s├╝├čen Weines und der Ausschweifung.

Denn eines ist gewi├č:
Beides zu erblicken, das hohe
Licht oder die Tiefe ist f├╝r die
Psyche eines Menschen verderblich,
sein Nachhall w├Ąrt ewig und ist
in jedem Moment des Daseins
gegenw├Ąrtig.

Oh Kinder der Nacht, was sucht
ihr in silbernen Spiegeln und
rotem Wein, ein leiser Aufschrei
der Verg├Ąnglichkeit,
ein leiser Seufzer in dunkler Stille, und
unbeachtet ausgehaucht
vergeht sein Klang mit eurem
Tod.


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George Polly
Hobbydichter
Registriert: Apr 2001

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Ich finde, dieser Beitrag sollte nicht so untergehen.
Es w├╝rde mich freuen, wenn ihr mir dazu eure Meinung
schreibt. Ist das nicht etwas, das jeden von uns be-
trfft - als Dichter, der immer auf der Suche ist nach
einer Vollendung, oder wie immer ihr das auch nennen
wollt?

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nally
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2001

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Kommentare: 369
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Hallo George

ich denke es haben sich nicht viele auf deinen Beitrag ge├Ąu├čert weil er fast vollkommen ist, er ist von Anfang bis Ende - Eins.

Um ehrlich zu sein habe ich den Auszug sehr schnell, dann nochmal langsam gelesen und es hat Spa├č gemacht soviel Magie dazwischen zu f├╝hlen,
jedoch vermag ich die Interpretation nicht vornehmen,
da ich es nicht ganz durch leuchtete.

"Psyche eines Menschen verderblich"
da stimmt wohl jeder mit ein,
jedoch ist der Weg bis zur Verderblichkeit ein langer und es wehen viele wei├če Rettungsfahnen.

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George Polly
Hobbydichter
Registriert: Apr 2001

Werke: 4
Kommentare: 47
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Vielen Dank f├╝r deine Antwort, Nally.
Wei├čt du, im Prinzip ist dieser Text
gar nicht soo schwer.
In der Hauptsache geht es um das Leid
des Poeten, eine sehr mystische Sache.
In seinem Werk findet er etwas Besonderes,
und dieses Besondere versucht er wieder-
zufinden und festzuhalten (Reich der Engel).
Der Rabe aber spielt mit seiner Wahrnehmung
und sieht das Erhebende der Dichtung als
weiteren Schritt zur Leideserfahrung -
je gr├Â├čer man das Sch├Âne zu sehen vermag,
desto deutlicher wird auch die Traurigkeit,
die in ihrer Verg├Ąnglichkeit liegt.
Die beiden scheinbaren Gegens├Ątze sind g├Ąnzlich
miteinander verwoben, wie die Begriffe
Leben und Tod.
Der silberne Spiegel kann wohl f├╝r Selbst-
betrachtung stehen, der Wein f├╝r den
Rausch des Dichters.

Was f├╝hlst du, wenn du einen Text schreibst,
Nally?
Warum schreibst du?

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