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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Der dritte Wunsch
Eingestellt am 24. 05. 2003 19:23


Autor
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Silberstreif
???
Registriert: Jun 2001

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Der kleine, traurige Mann konnte seine Fee nicht vergessen. Wie denn auch, schlie├člich war sie es gewesen, die ihm das beschert hatte, was ihm nun so verhasst war - sein Leben.
Dabei hatte sie es doch gut gemeint und ihm erf├╝llt, was er sich gew├╝nscht hatte, nicht ohne ihn auf die Gefahren hinzuweisen. Damals hatte er nur gelacht und war sich so unendlich schlau vorgekommen.
Die drei W├╝nsche. Er hatte es sich doch so wohl ├╝berlegt, damals, als er dieses seltene Gl├╝ck hatte, einer Fee zu begegnen, damals, als es noch Feen gab, die bereit waren, W├╝nsche zu erf├╝llen. Damals...
Er konnte sich nicht daran erinnern, wie lange es her war, wie lange er schon seinen letzten Wunsch verfluchte. Nat├╝rlich hatte er viele Male versucht, sich selbst davon zu befreien, doch war ihm dies nie gelungen.
Die beiden anderen W├╝nsche, Geld und Ruhm, hatten ihm sch├Âne, unbeschwerte Zeiten beschert, doch waren diese l├Ąngst vergangen, verbraucht, vergessen.
Er war ein Menschenleben lang bedeutend und m├Ąchtig gewesen, doch ihm starben Frau, Kinder und Enkelkinder, w├Ąhrend er selbst um keinen Tag alterte. Er zog weg aus diesem Ort, er zog aus vielen Orten weg, um kein Misstrauen zu erwecken, liebte viele Frauen, zeugte viele Kinder, doch irgendwann war er nicht mehr f├Ąhig zu lieben. Der Tod zerst├Ârte die Liebe immer. Trauer und Schmerz waren irgendwann nicht mehr zu ├╝berwinden.
Der kleine, traurige Mann versuchte zu vergessen, zu verdr├Ąngen, verschrieb sich der Wissenschaft, der Medizin, der Philosophie, erforschte das Leben und den Tod. Er lernte und lehrte, konnte dennoch nie begreifen, was ihm selbst zugesto├čen war.
Er hatte die Welt kennengelernt, die D├╝sternis, Zerst├Ârung und Brandschatzung, die die Menschen ihr als Wunden ins Angesicht geschlagen hatten. Nie konnten diese Wunden vernarben oder gar heilen, weil die sogenannten guten Zeiten viel zu kurz und zu selten waren.
Gute Zeiten gab es f├╝r ihn schon lange nicht mehr. Er hie├č jeden Krieg willkommen und stellte sich stets in die vordere Front, nicht um andere zu t├Âten - das war ihm zutiefst zuwider - sondern um selbst get├Âtet zu werden. Seuchen und Naturkatastrophen, die ganze Landstriche entv├Âlkerten, konnten ihm nichts anhaben - der erf├╝llte Wunsch einer Fee l├Ąsst sich nicht austricksen.
Jedesmal waren die Leute erstaunt und beeindruckt, von dem gro├čen Gl├╝ck das er zu haben schien, doch er wurde nur immer verzweifelter.
Er hatte es sich damals so gro├čartig vorgestellt, als den Inbegriff des reinen Gl├╝cks, unverwundbar, unzerst├Ârbar, unsterblich zu sein, keine Angst vor Tod, Krankheit und Schmerzen haben zu m├╝ssen. Er hatte nicht lange gez├Âgert und sich von der Fee das ewige Leben gew├╝nscht.
Doch der Tod hatte ihm so viel Schmerz, Leid und Angst beschert, dass ihm sein Wunsch zum Fluch geworden war - zum Fluch seines ewig bereuten, kurzen Gr├Â├čenwahns.
Nun w├╝rde ihn nur noch die Aussicht auf den Tod gl├╝cklich machen. Vielleicht h├Ątte er sich einfach nur Gl├╝ck w├╝nschen sollen, doch es war zu sp├Ąt - die Fee war l├Ąngst tot.
__________________
will man, was man muss?

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Zarathustra
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

Werke: 108
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Das ist tats├Ąchlich die Frage, liebe Silberstreif ...
was machen wir, wenn die Fee tot ist?

Sind es nicht eigenen W├╝nsche, die sich erf├╝llen ... die uns dann zum Verh├Ąngnis werden?

Das hast du wirklich treffend erz├Ąhlt!




__________________
Was sind das f├╝r Zeiten, wo ein Gespr├Ąch ├╝ber B├Ąume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen ├╝ber so viele Untaten einschlie├čt! (Bertold Brecht)

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Silberstreif
???
Registriert: Jun 2001

Werke: 53
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hallo Zarathustra

danke f├╝r das Lob - nat├╝rlich sind es die eigenen W├╝nsche, die uns zum Verh├Ąngnis werden, weil wir Illusionen anh├Ąngen, die mit dem realen Leben selten etwas gemein haben. Wir k├Ânnen die Konsequenzen und die gesellschaftlichen Zusammenh├Ąnge nicht absehen, wenn wir tr├Ąumen und uns die tollsten Dinge w├╝nschen.
Las gerade in den Nachrichten, dass ein Mann in den USA knapp 315 Millionen Dollar im Lotto gewonnen hat. Toll, denkt jeder - aber der Arme muss nun sein ganzes Leben daran arbeiten, das Geld von den Paletten in seinen Safe zu tragen

Liebe Gr├╝├če
B.
__________________
will man, was man muss?

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