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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Der letzte Band
Eingestellt am 19. 07. 2007 20:16


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Raniero
Textablader
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Der letzte Band

Der Tag X r├╝ckte n├Ąher und n├Ąher, doch f├╝r eine unruhige Leserschaft verging die Zeit bis dahin bei weitem nicht schnell genug.
Seit Monaten wartete eine gro├če Anzahl von Menschen in diesem Lande auf die Neuerscheinung des Buches wie eine Religionsgemeinschaft auf den Erl├Âser.
Mit gro├čem Werbeaufwand war er angek├╝ndigt worden, dieser letzte Band einer Reihe von Phantasieromanen, die an Verkaufszahlen alles, was in den vergangenen Jahrzehnten ├╝ber die B├╝chertische gegangen war, weit hinter sich gelassen hatte.
Und der Werbeaufwand zeigte eine enorme Wirkung; nie zuvor waren bereits Monate vor Erscheinen des literarischen Wunderwerkes eine solche Anzahl an Vormerkungen zu verzeichnen gewesen, Vorbestellungen in Millionenh├Âhe f├╝r ein Buch, dessen Inhalt au├čer der Autorin und einigen Lektoren des Verlages niemand anderem auf dem gesamten Erdenrund bekannt war.
Ob es an den Verfilmungen der vorangegangenen B├╝cher lag oder am unaufhaltsamen Spannungsaufbau der einzelnen Fortsetzungen, niemand vermochte genau zu sagen, woran dieses ungeheure Interesse an dem neuen Band herr├╝hrte, Fakt jedoch war, dass ├╝ber eine Millionen von B├╝chern bereits verkauft waren, ehe sie ├╝berhaupt die Ladentheke ├╝berquert hatten.
F├╝r den Termin des Erscheinens des letzten Bandes hatte der Verlag nat├╝rlich, wie bereits bei den anderen B├Ąnden, ein Spektakel erster G├╝te geplant.
P├╝nktlich um zw├Âlf Uhr Nachts sollten die Buchh├Ąndler, vor dessen L├Ąden eine riesige Zahl von Fans seit Tagen geduldig Schlange stand, die neuen Exemplare verteilen, wie warme Semmeln zum Fr├╝hst├╝ck.


Endlich war es soweit, der gro├če Tag respektive die Nacht stand unmittelbar bevor und genau zum mittern├Ąchtlichen Glockenschlag str├Âmten Abertausende ├╝ber die Schwellen der Buchl├Ąden im gesamten Land, und die Kassen begannen wie nie zuvor zu klingeln.
Wie gro├č aber war das Erstaunen, wenn nicht gar Entsetzen, als die K├Ąufer feststellten, nachdem sie voller Ungeduld die Folie des Buches entfernt und einen ersten Blick in das so lang ersehnte Exemplar geworfen hatten, dass sich zwischen dem Cover und der R├╝ckseite kein weiteres gedrucktes Wort mehr in dem gesamten Band befand, nicht einmal ein einziger Buchstabe, sondern nur leere Seiten.
W├Ąhrend die ersten Leser noch im Laden ihrer Emp├Ârung lautstark Luft machten, beschlich andere ein ungutes Gef├╝hl.
Was hatte das zu bedeuten?
Stand der geistige Untergang des Landes bevor?
Schon verlangten viele K├Ąufer unisono, auf der Stelle die jeweiligen Gesch├Ąftsf├╝hrer zu sprechen, als sie sich zu ihrem Erstaunen elegant gekleideten Herren gegen├╝bersahen, die sich als Anw├Ąlte des Verlags vorstellten.
Was soll das nun wieder, fragte man sich emp├Ârt?
Man wollte sich doch nur dar├╝ber beschweren, dass man als Gegenwert f├╝r gutes Geld nur ein Buch mit leeren Seiten erworben hatte, wozu brauchte man da Anw├Ąlte?
Schnell aber wurden die lautesten Schreih├Ąlse und mit ihnen auch die anderen Kunden in allen Buchl├Ąden ├╝ber die Rechtslage aufgekl├Ąrt.
Man hatte zwar ein Buch erworben, so hie├č es, aber damit noch lange nicht ein Recht dar├╝ber, was und wie viel an Gedrucktem in diesem Buch stehe.
Diese einvernehmliche Aussage der Anw├Ąlte sorgte allerdings nicht f├╝r Ruhe in den Buchl├Ąden, sondern steigerte die vorhandene Emp├Ârung in namenlose Wut.
Tumultartige Szenen bahnten sich an, als pl├Âtzlich all├╝berall in den Buchgesch├Ąften Totenstille einsetzte
Keine Geringere als die ber├╝hmte Autorin selbst sprach ├╝ber gro├čfl├Ąchige Bildschirme zu ihrer Fangemeinde:

ÔÇ×Liebe Leserinnen und Leser,
Sie werden sich ein wenig wundern, ├╝ber Inhalt und Ausstattung des letzten Bandes meiner Phantasieromane, aber daf├╝r gibt es eine ganz simple Erkl├Ąrung.
Ich habe einfach die Schnauze voll vom Schreiben, mir f├Ąllt nichts mehr ein.
Das aber sollte f├╝r Sie alle da drau├čen kein ├ärgernis darstellen, im Gegenteil.
Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Vollenden Sie doch selbst meine Romanreihe, schreiben Sie selbst den letzten Band, genug leere Seiten haben Sie ja!
Ich w├╝nsche Ihnen alles Gute, und nochmals, schreiben Sie los, ich z├ĄhlÔÇÖ auf Sie!ÔÇť

Nach ein paar Sekunden ungl├Ąubigen Staunens geschah etwas v├Âllig Unerwartetes; tosender Jubel setzte ein, in allen Buchl├Ąden im Land der Dichter und Denker und spontan machte sich eine erste Gruppe von Lesern auf der Stelle daran, mit der Niederschrift des letzten Bandes zu beginnen.
Eine zweite Gruppe jedoch klemmte sich das Buch mit den leeren Seiten unter den Arm und machte sich auf den Weg nach Hause oder sonst wohin, um es dort zu anderen Zwecken zu benutzen.

Was die restlichen K├Ąufer damit taten, ist bis heute ungekl├Ąrt.

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