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Leselupe.de > Erzählungen
Die Bestattung
Eingestellt am 20. 09. 2008 17:58


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Retep
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Die Bestattung

Brunswick hatte es also tats√§chlich wahr gemacht. √Ėfter hatte er gesagt, dass er eines
sch√∂nen Tages seine Frau umbringen w√ľrde. Gr√ľnde daf√ľr gab es genug, aber ich h√§tte
nie geglaubt, dass Albrecht es wirklich machen w√ľrde.

Samstag, Mittag, eine Bullenhitze. Ich hatte einen Großeinkauf gemacht und war nun auf dem Weg nach Hause. Meine Frau war zu irgendeiner Freundin gefahren, wollte das Wochenende bei ihr verbringen.
Ich w√ľrde die Eink√§ufe in Schr√§nke und in den K√ľhlschrank packen, dann fernsehen, Samstag kamen immer Berichte aus der Bundesliga.

Der Verkehr war mäßig, die Leute machten wohl ihren Mittagsschlaf oder lagen an Badeseen herum.
Eigentlich könnte ich bei Brunswicks vorbeifahren, der Albrecht war alleine zu Hause, seine Kinder bei der Oma, seine Frau bei ihren Eltern.
Ich bog von der Schnellstraße ab, fuhr durch einige Seitenstraßen und parkte dann vor Brunswicks Haus.
Ich stieg aus und klingelte an der Haust√ľr, wartete, klingelte noch mal, niemand machte auf.
Vielleicht machte der Albrecht seinen Mittagsschlaf, musste sich sicher von seiner Frau erholen. Die Kinder waren ja auch nicht da, er konnte also ausspannen.
Vielleicht lag Albrecht im Garten auf einer Liege.
Ich ging um das Haus herum, √∂ffnete die Gartent√ľr und erstarrte.
Albrecht stand mitten im Garten, er schwitzte, sein Gesicht war verzerrt. Er war dabei ein Loch auszuheben, etwa 1 Meter lang und 1 Meter breit. Die Rasendecke hatte er wohl vorher sauber entfernt, sie lag an der Seite des Grabes. Ja, ein Grab w√ľrde das wohl werden, er hatte seine Alte wirklich umgebracht.
Verwirrt blieb ich hinter einem Busch stehen, Albrecht konnte mich nicht sehen. Durch die Zweige sah ich, dass er wieder an zu graben angefangen hatte.
Dass h√§tte ich wirklich nicht gedacht, dass er dazu f√§hig sein w√ľrde. Rosi Brunswick, seine ehemalige Frau, h√§tte mancher umgebracht, wenn sie seine Ehefrau gewesen w√§re.
Klein und d√ľrr, ein Raubtiergebiss, ein meckerndes Lachen. Es h√∂rte sich bei ihr genauso an, als wenn die Ziege meines Gro√üvaters gemeckert hatte, manchmal √§nderte sie beim Lachen auch die Tonh√∂he, es war dann, als w√ľrde man ein Messer ins Ohr gerammt bekommen.
Am schlimmsten war, wenn sie anfing zu singen, kr√§chzend, v√∂llig unmusikalisch, man konnte nur am Text erkennen, um welches Lied es sich handelte, wenn man es denn √ľberhaupt kannte.
Gott sei Dank lachte und sang sie nur sehr selten.
Wenn ihr Mann von der Arbeit kam, schickte sie ihn meistens sofort in den Garten. Starr stand er dann da, sein Kinn auf den Stiel irgendeines Gartenger√§ts gest√ľtzt. Sicherlich hatte er davon schon Hornhaut unter dem Kinn.

Ich hatte mich schon immer gewundert, warum Albrecht diese Frau geheiratet hatte, hatte gedacht, dass sie fr√ľher einmal anders ausgesehen hatte. Auf Fotos hatte ich dann gesehen, dass sie sich kaum ver√§ndert hatte.
Sie wusste alles besser, kommandierte Albrecht dauernd herum, bekam leicht hysterische Anfälle.

Brunswick hatte die Rosi also wirklich umgebracht. Er war ein ruhiger Mensch, wie hatte er das wohl angestellt?
Hatte er sie erschlagen? Unmöglich bei seinem friedlichen Temperament, dachte ich, aber man täuscht sich ja manchmal, auch Serienmörder machen oft einen sanften Eindruck.
Vergiftet hatte er sie sicherlich, dazu wäre er eher im Stande.

Ich trat hinter dem Busch hervor und näherte mich dem Grab. Albrecht bemerkte mich zunächst nicht, schien aber zu erschrecken, als er mich dann sah.

‚ÄěHallo Albrecht, bei der Arbeit, bei dieser Hitze?‚Äú, fragte ich.
‚ÄěJa, eine Bullenhitze heute. Der Boden ist ziemlich hart.‚Äú

Ich dachte, dass es vielleicht besser sei, wenn ich gleich zur Sache käme.
‚ÄěVergiftet?‚Äú
‚ÄěNein, √ľberfahren.‚Äú

√úberfahren hatte er sie also, an diese M√∂glichkeit hatte ich nicht gedacht, √ľberfahren vor oder in der Garage, eine gute M√∂glichkeit.
‚ÄěIch muss sie schnell eingraben. Bei der Hitze f√§ngt sie sonst an zu stinken.
Na ja, irgendwie komisch gerochen hat sie schon immer, manchmal, als wenn sie sich in Jauche gew√§lzt h√§tte. Und wenn die Kinder von Oma zur√ľckkommen, sollte sie weg sein.
Ich glaube, dass ich einen großen Fehler gemacht habe, vielleicht den größten
Fehler meines Lebens, was werden die Kinder sagen, wenn sie zur√ľckkommen.‚Äú

‚ÄěNa beruhige dich erst einmal, soll ich dir helfen?‚Äú

‚ÄěIch bin schon fast fertig, aber wenn wir sie aus der Garage holen, kannst du mir tragen helfen.‚Äú

Das Loch schien mir tief genug zu sein, vielleicht etwas kurz, aber man konnte Rosi ja zusammenfalten. Aber Brunswick grub immer weiter, immer tiefer, mit einem Grimm, als wolle er auf der anderen Seite der Erde ankommen.

‚ÄěMeinst du nicht, Albrecht, dass es jetzt tief genug ist?‚Äú
‚ÄěBesser noch etwas tiefer, sonst verstinkt sie den ganzen Garten.‚Äú

Ich setzte mich auf einen Gartenstuhl und schaute Albrecht zu. Wie das Leben so spielt, dachte ich, was alles passieren kann und wenn es passiert ist, hat sich das Leben manchmal grundlegend verändert.
Schön hatten es die Brunswicks hier. Das Haus hatte eine ruhige Lage, einen großen Garten. Sie hatten es von seinem Großvater geerbt. Wenn nun die Rosi nicht mehr da war, könnte es wirklich schön werden. Brunswick schien mit dem Grab fertig zu sein, hörte auf zu graben und rief, dass ich ihm jetzt beim Transport helfen könne.

Wir gingen beide in die Garage, da lag sie eingerollt in eine undurchsichtige Plastikplane, lag da in der Ecke, sagte nichts mehr und w√ľrde auch in Zukunft nichts mehr sagen.
Das eingerollte B√ľndel war k√ľrzer, als ich mir das vorgestellt hatte. Rosi war zwar nicht besonders gro√ü gewesen, aber so klein auch wieder nicht. Sicherlich hatte sie Albrecht zusammengefaltet, vielleicht gar zers√§gt. Aber Blut sah ich nirgendwo.
Ich fasste an einem Ende an, Albrecht am andern, sie war leichter, als ich gedacht hatte, ihre Seele war wohl schon weggeflogen, wohin war mir klar.
Irgendjemand hatte mir mal erzählt, dass Tote leichter werden, da ihre Seele nicht mehr bei ihnen ist. Ich hatte an dieser These immer meine Zweifel gehabt, aber da schien etwas dran zu sein.
Wir trugen das Paket zum Loch und ließen es hinein fallen.
Eine Gedenkminute sollten wir noch abhalten, sagte Albrecht, sie sei treu gewesen.
Das bezweifelte ich nicht, kein Mann h√§tte sich mit Rosi eingelassen, sie h√§tte ihn schon vergewaltigen m√ľssen!
Er schaufelte dann das Grab zu, sprang noch mit den F√ľ√üen auf der Erde herum.
Zusammen legten wir die Grasnarbe wieder hin, man konnte nicht sehen, dass hier einmal gegraben worden war.

Albrecht lud mich dann noch zu einem Bier ein. Er holte zwei Flaschen aus dem Keller, wir setzten uns auf die Terrasse und tranken aus der Flasche.
Ein Polizeiauto fuhr langsam durch die Straße und hielt vor dem Haus an.
Ein Polizist stieg aus und kam an den Zaun. Albrecht blieb ruhig, erstaunlich, wie er sich beherrschen konnte, das hätte ich nicht erwartet. Ungeahnte Nervenstärke zeigte sich hier. Er stand langsam auf und ging zum Zaun. Was die beiden redeten konnte ich nicht verstehen.
Wahrscheinlich hatte irgendein Nachbar die Polizei alarmiert.
Albrecht rief mich. Auf dem Weg zum Zaun rasten mir Gedanken durch den Kopf. Man konnte mich vielleicht wegen Beihilfe belangen, am besten ich w√ľrde gar nichts sagen, meinen Anwalt anrufen.
Ich hatte √∂fter gelesen, dass Verd√§chtige das taten. Nur kannte ich keinen Anwalt. W√§re ich doch direkt nach Hause gefahren! Ein ruhiges Wochenende hatte ich mir vorgestellt. Vielleicht sa√ü ich schon im Gef√§ngnis, wenn meine Frau zur√ľck kam.
Der Polizist fragte mich, ob hier ein Mann mit abgerissener Kleidung vorbei gekommen sei, ziemlich groß. Drei Häuser weiter sei eingebrochen worden, die Besitzer verreist, aber ein Nachbar habe etwas bemerkt.
Albrecht sagte ganz ruhig, dass wir hier schon zwei Stunden säßen und niemanden gesehen hätten. Ich bestätigte das.
Das Polizeiauto fuhr dann weiter.

‚ÄěAlbrecht, du hast wirkliche gute Nerven‚Äú, sagte ich.
‚ÄěGute Nerven? Du hast ja keine Ahnung, ich bin ganz flattrig, wenn ich an die Kinder denke. Was soll ich ihnen nur erz√§hlen, wenn sie heimkommen?‚Äú

Albrecht lie√ü mich dann vorne raus. Als er die T√ľr √∂ffnete, sahen wir seine Sch√§ferh√ľndin Senta da sitzen, sie wedelte mit dem Schwanz, winselte und bellte leise.
Albrecht sah sie erstaunt an und fing an zu lachen.

‚ÄěIch glaube, ich habe einen fremden Hund eingegraben, dachte Senta w√§re von einem Auto √ľberfahren worden, weil ich heute Morgen die Gartent√ľr aufgelassen hatte.
Gott sei Dank ist nichts passiert, meine Frau hätte mich umgebracht!“




















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bluefin
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hallo @retep,

wie schon @flammarion gesagt hat, ist der schluss f√ľr eine pointierte geschichte zu vorhersehbar - allein schon das format der grube (1x1 m) schlie√üt doch ein regul√§res "grab" aus.

bei aller liebe zum detail, das deine geschichte auszeichnet (die "hornhaut am kinn" ist obercool!), kommt doch nicht wirklich deutlich heraus, warum albrecht seine rosi umgelegt haben soll, und auch nicht, wie der prot plötzlich auf die idee verfällt, es ihm zuzutrauen: frauen und genervte ehemänner des geschilderten zuschnitts gibt's doch wie sand am meer, ohne dass es permanent zu mord und totschlag käme.

ein wenig an den haaren herbei gezogen ist auch die situation, dass sich ein mörder beim verbuddeln seines opfers von dritten helfen lässt, bzw., dass der prot so einfältig ist, das zu vermuten. wieso fragt er eigentlich nicht? das wär doch das naheliegendste. aber er scheint, wie "brunswick", nicht der allerhellste zu sein: letzterer kennt ja nicht mal den eigenen hund von einem fremden weg.

tipp, retep: bei deinen erz√§hlf√§higkeiten h√§ttest du's doch gar nicht n√∂tig, geschichten so (entschuldige den ausdruck) "schmnarr√∂s" aufzubrezeln. eigentlich w√ľrde hier doch ein falscher hund allein ausreichen, der den beiden trotteln fr√∂hlich beim l√∂chergraben zuschaut. weniger w√§r manchmal viel mehr, glaub mir: ich w√ľrd die beiden den hund mit allen schikanen einbuddeln und betrauern lassen (beide weinen - der eine, weil er den bis zur unkenntlichkeit platt gefahrenen hund so geliebt hat, der andere, weil ihn der kummer des freundes so r√ľhrt). nach der f√ľnften halben kommen die kinder mit ihrer mutter und dem hund von der oma zur√ľck. showdown.

lg

bluefin

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Retep
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2008

Werke: 41
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Hi bluefin,

mein Dank,dass du die Geschichte gelesen und einen recht ausf√ľhrlichen Kommentar abgegeben hast.

Ich wollte nicht verhindern,dass dem Leser von Anfang an klar ist, dass hier nicht die Ehefrau beerdigt wird,habe deshalb auch nicht deutlich die Motive f√ľr einem Mord herausgearbeitet.

Dein Vorschlag, wie die Geschichte auch ablaufen könnte, ist einleuchtend, auch logischer, wie ich zugebe.

Ich hatte diese Idee auch erwägt, wollte dann aber nichts Logisches schreiben, etwas "witziger" sein, was ich dann wohl nicht war.

Aber √ľber "Humor" l√§sst sich streiten, einige Leute, denen ich die Geschichte vorgelesen habe, mussten lachen, vielleicht auch nur, weil ich die Geschichte ganz lustig fand.

W√ľnsche die einen wundersch√∂nen Tag.

Retep

P.S: Einer meiner Nachbarn hat wirklich den "falschen" Hund eingegraben, er ist nicht einf√§ltig. Wenn Sch√§ferhunde von einem Lastwagen √ľberfahren wurden, sehen sie sich sehr √§hnlich.

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