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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
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Eingestellt am 13. 03. 2006 22:17


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Tapir
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Ich bin in China geboren und aufgewachsen. Manchmal denke ich, dass die f├╝nfzehn Jahre D├╝sseldorf aus mir schon eine richtige Deutsche gemacht haben. Aber es passiert immer wieder, dass meine chinesischen Freunde von Erlebnissen erz├Ąhlen, die meinen deutschen Freunden fremd erscheinen. Und umgekehrt. Aber ich glaube, das liegt nicht nur an der Unterschiedlichkeit unserer Kulturen. Die Menschen sind einfach so unterschiedlich ÔÇô ├╝berall. Deshalb bin ich mir auch nicht sicher, ob die Geschichte von Wang Kai und Shan Shan eine Geschichte ├╝ber die Unterschiedlichkeit unserer Kulturen oder einfach nur eine Wang Kai- und Shan Shan-Geschichte ist.
Wang Kai und Shan Shan sind wie ich in Peking geboren. Sie sind zusammen zur Schule gegangen. Er, Wang Kai, und sie, Shan Shan, sind beide mein Jahrgang. Aber wir kennen uns nicht aus China. Ihn habe ich vor f├╝nf Jahren kennen gelernt. Und Shan Shan kenne ich erst seit wenigen Tagen.
Wang Kai und ich sind Kollegen. Wir arbeiten beide in der ostasiatischen Abteilung der Au├čenwirtschaftskammer in D├╝sseldorf, seit f├╝nf Jahren Schreibtisch an Schreibtisch. Bei unseren deutschen Kollegen gelten Chinesen im allgemeinen als besonders flei├čig und diszipliniert. F├╝r die meisten, und wohl auch f├╝r mich, trifft das zu ÔÇô jedenfalls dem ersten Anschein nach. Aber f├╝r Wang Kai nicht. Er hat in unserer f├╝nfk├Âpfigen Abteilung so etwas wie die Rolle des liebenswerten Chaoten ├╝bernommen und gilt als der westlichste von uns. Mit seinen schulterlangen, schwarzen Haaren, der kleinen John Lennon-Nickelbrille und dem sp├Ąrlichen Bartwuchs, der sich auf seinen Wangen ungehindert breit machen darf, sieht man ihm das auch an. Au├čerdem spielt er als Gitarrist in einer Rock-Band, w├Ąhrend Pop- oder Rockmusik mir bis heute fremd geblieben sind.
Von Shan Shan hatte er mir schon vor einiger Zeit erz├Ąhlt. Er erz├Ąhlt ├╝berhaupt gerne von seiner Schulzeit und den M├Ądchen, die ihn fr├╝her angehimmelt haben. Nat├╝rlich wei├č ich nie genau, wie viel von seinen Geschichten erfunden und wie viel wahr ist. Aber Wang Kai hat einen trockenen Humor und es macht Spa├č, ihm zuzuh├Âren. Und es stimmt zumindest, dass er fr├╝her der Klassenbeste war. Ich habe seine Zeugnisse gesehen. Und wahrscheinlich stimmt dann auch der Rest, denn meine Schulfreundinnen und ich haben auch immer die Klassenbesten angehimmelt.
Einmal, als er von Shan Shan erz├Ąhlte, habe ich ihn gefragt, ob sie ihm denn auch gefallen habe. Gefallen habe sie ihm schon, sagte er. Aber sie habe damals nicht zu den Klassenbesten geh├Ârt und verliebt in sie sei er nie gewesen. Nach der Schule habe er auch lange nichts mehr von ihr geh├Ârt. Erst Jahre sp├Ąter, als sie ihn zu ihrer Hochzeit nach Weihai, einhundert Kilometer entfernt von Qingdao, der ehemaligen deutschen Kolonie, eingeladen hatte. Wang Kai hatte damals schon geplant, sein Studium im Ausland fortzusetzen und auch den Flug schon gebucht. Die Feier war eine Woche vor seinem Abflug.
Zur Hochzeit hatte er ihr eine einfache Silberkette mit ihrem Tierzeichen geschenkt. Sie ist Affe, genau wie Wang Kai und ich. Es war ein gro├čes Fest mit ├╝ber einhundertachtzig G├Ąsten. Shan Shan hatte einen Industriellen geheiratet. Einen der ersten Privatunternehmer die es damals, Anfang der Neunziger Jahre, gab. Um kurz nach elf war der Br├Ąutigam von seinen Verwandten ins Hotelzimmer getragen worden. Es wird viel getrunken auf chinesischen Hochzeiten und er musste wohl eindeutig zu viel getrunken haben. Von da an, hat Wang Kai erz├Ąhlt, hatte Shan Shan nur noch mit ihm getanzt und ihn nach etwas mehr als zwei Stunden gefragt, ob er sie ans Meer begleiten w├╝rde.
Es war Anfang Juli und zu dieser Zeit sind die N├Ąchte hei├č und schw├╝l am Ostchinesischen Meer, so dass man f├╝r jede k├╝hle Brise dankbar ist. Sie waren eine Weile am Strand entlang gegangen und hatten dann eine kleine Bar gefunden, die noch offen war. Da hatten sie so lange gesessen und ├╝ber ihre Lebenspl├Ąne, die unterschiedlicher nicht h├Ątten sein k├Ânnen, geredet, bis Hochzeitsg├Ąste kamen, die auf der Suche nach der Braut waren und sie zur├╝ck zur Gesellschaft holen wollten. Wang Kai hatte sich verabschiedet ÔÇô es war halb vier morgens - und ein Taxi rufen lassen, mit dem er zum Bahnhof fuhr, um den ersten Zug zur├╝ck nach Peking zu nehmen. Seitdem hatten sie sich nie wiedergesehen.
Dass er in letzter ├Âfter von ihr gesprochen hat, ist kein Zufall. Vor einigen Wochen hat er Post von Shan Shan bekommen. Sie hat eine Parteikarriere gemacht und arbeitet heute im Wirtschaftsministerium. In ihrem Brief hatte sie geschrieben, dass sie einen Europa-Besuch vorbereite. Von seinen Eltern habe sie erfahren, dass er jetzt bei der ostasiatischen Abteilung der Au├čenwirtschaftskammer in Deutschland arbeite. Sie hatte ihn gefragt, ob er ihr bei der Vorbereitung des Besuches behilflich sein und sie sich wiedersehen k├Ânnten. Nach fast f├╝nfzehn Jahren.
Ich habe Shan Shan in Frankfurt abgeholt. Das bot sich an, weil ich dort zu tun hatte und sie Termine bei verschiedenen Banken hatte. Wir haben uns vor dem Geb├Ąude der China Construction Bank getroffen. Ich bin immer wieder ├╝berrascht, wenn ich eine kommunistische Funktion├Ąrin erwarte und dann eine Frau in meinem Alter treffe, die Jeans tr├Ągt, Stiefeletten und einen schwarzen, kurz├Ąrmligen Pulli, der in einem x-beliebigen Modegesch├Ąft auf der Zeil gekauft sein k├Ânnte. Sie war dezent geschminkt, die Lippen rot und die schwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Ich bin zwar einmal im Jahr in China, aber diese kurzen Eindr├╝cke reichen nie aus, die tief verwurzelten Bilder aus meiner Kindheit zu verdr├Ąngen. Und eine kommunistische Funktion├Ąrin mit einer attraktiven Frau in Verbindung zu bringen, f├Ąllt mir immer noch schwer.
Ich hatte sie bis dahin nur ein paar Male am Telefon gesprochen, aber wir waren noch nicht auf der Autobahn, da hatte ich schon das Gef├╝hl, sie sehr lange zu kennen. Vielleicht, weil sie nur ├╝ber Wang Kai redete, mit dem sie die Schulzeit und ich die letzten f├╝nf Jahre mein B├╝ro geteilt hatte. Wir brachten die unterschiedlichen Puzzle-Teile unseres Wang Kai-Bildes zusammen, das vorher nicht so vollst├Ąndig gewesen war. Und als wir in D├╝sseldorf ankamen, waren wir uns einig darin, dass er offenbar schon damals und immer noch der liebenswerte Chaot war.
Wang Kai hatte in der Altstadt einen Tisch in einem chinesischen Restaurant reserviert und mich gebeten, den ersten Abend dabei zu bleiben. Nat├╝rlich redeten wir auch ├╝ber Shan Shans Projekte aber vor allem tauschten wir gegenseitig Erinnerungen aus unserer Zeit in Peking aus. Wenn wir uns auch damals nicht kannten, so sind wir schlie├člich doch eine Generation und w├Ąhrend der Kulturrevolution aufgewachsen. Ich war mit meinem Vater ein halbes Jahr in einer Kaderschule auf dem Land, wo er auf dem Feld arbeiten musste. Auch Intellektuelle wie er sollten den Wert der k├Ârperlichen Arbeit sch├Ątzen lernen. Mein Bild von Deutschland hatte sich durch einen Film mit Heintje gepr├Ągt. ÔÇ×Einmal wird die Sonne wieder scheinenÔÇť war die einzige deutsche Produktion, die in unseren Kinos laufen durfte. Wang Kai und Shan Shan hatten den Film nat├╝rlich auch gesehen. Und jetzt sa├čen wir f├╝nfunddreissig Jahre sp├Ąter in einem Restaurant in der D├╝sseldorfer Altstadt und waren wahrscheinlich die einzigen, die ├╝ber Heintje redeten. Dabei entging mir allerdings nicht die von Stunde zu Stunde deutlicher werdende Ver├Ąnderung in den Augen von Shan Shan, wenn sie Wang Kai ansah. Obwohl sie den ganzen Abend nur Cola-Light trank.
Im Gegensatz zu Wang Kai. Er trank ÔÇô wie immer bei solchen Gelegenheiten ÔÇô ziemlich viel. Nach dem Essen brachte er sie zu Fu├č zu ihrem Hotel einen Block weiter, organisierte den Weckruf durch die Rezeption, besorgte einen Adapter f├╝r ihr Notebook und so weiter. Sie hat ihn gefragt, ob er wirklich noch nach Hause fahren k├Ânne. Eigentlich h├Ątte er nicht mehr fahren d├╝rfen. Aber das k├╝mmert ihn sonst auch nicht. Und so ist er auch diesmal nach Hause gefahren. Das hat er mir am n├Ąchsten Morgen im B├╝ro erz├Ąhlt.
Die n├Ąchsten beiden Tage waren f├╝r Shan Shan randvoll mit Terminen, bei denen sie von Kollegen des Ministeriums begleitet wurde. Aber f├╝r den dritten Tag hatte sie ab dem fr├╝hen Nachmittag kein Programm mehr und ich hatte sie und Wang Kai zum Abendessen in meine Wohnung eingeladen. Es war ein Dienstag, der Tag des Mondfestes, das f├╝r uns neben dem Fr├╝hlingsfest der wichtigste Feiertag des Jahres ist.
Ich koche gerne. Manchmal denke ich, dass wir Chinesen einen viel sinnlicheren Bezug zum Essen haben als die Deutschen. F├╝r uns steht der Genuss im Vordergrund, der sich nicht nur darin ├Ąu├čert, was wir essen, sondern auch in welcher Vielfalt. Wenn ich drei Menschen einlade, bereite ich manchmal f├╝nf oder sechs verschiedene Gerichte zu. Menschen, die in einem guten Restaurant einen kleinen Salat mit wenig Dressing bestellen, kann ich nicht verstehen. Und dem Reiz kleiner Portionen auf gro├čen Tellern in Feinschmeckerrestaurants mit ged├Ąmpfter Atmosph├Ąre kann ich auch nichts abgewinnen. F├╝r uns ist Essen Austausch und Kommunikation und ohne das Hin- und Herreichen von Sch├╝sseln mit verschiedensten Speisen, Gew├╝rzen und Saucen gar nicht vorstellbar. Schon gar nicht am Mondfest.
Allerdings haben wir das von den S├╝dchinesen gelernt. Bei uns im Norden war die K├╝che viel eint├Âniger. Ich kann mich an die Wintermonate erinnern, in denen es wochenlang nur Chinakohl gab. Den kippten Lastwagen Anfang des Winters auf die Pl├Ątze zwischen den Hochh├Ąusern und jede Familie konnte sich t├Ąglich ihre Ration abholen. In den hohen Chinakohl-Bergen haben wir als Kinder gerne gespielt und an ihrer H├Âhe konnten wir erkennen, wie lange der Winter noch dauern w├╝rde.
Wang Kai hatte Shan Shan abgeholt. ├ťber zwei Stunden hatte ich in der K├╝che mit Vorbereitungen zugebracht. Als sie kamen, bewunderte Shan Shan meine Wohnung, f├╝r die ich mich damals wegen des Parkettbodens und der gro├čz├╝gigen Atmosph├Ąre mit neunzig Quadratmetern, verteilt auf zwei Zimmer, entschieden hatte. In meinem Wohnzimmer stehen au├čer einem Esstisch f├╝r acht Personen, einem Ledersofa, einem Sessel und einem flachen Couchtisch keine M├Âbel. An den W├Ąnden h├Ąngen gro├čformatige Bilderserien mit Makro-Aufnahmen von Pflanzen, die ich auf Holz aufgezogen habe. Sie konnte kaum glauben, dass ich die Aufnahmen alle selbst fotografiert hatte. Und dass ich alleine in dieser Wohnung wohne, niemandem Rechenschaft schuldig bin und tun und lassen kann, was ich will.
An diesem Abend redeten wir viel ├╝ber B├╝cher, Filme und die politische und wirtschaftliche Situation in China. Am ├╝bern├Ąchsten Tag w├╝rde sie in Amsterdam sein und Wang Kai hatte ihr angeboten, sie hinzufahren. Als wir mit dem Essen fertig waren, verzog Wang Kai sich zum Rauchen auf den Balkon und Shan Shan half mir beim Abr├Ąumen und Sp├╝len. Dass sie mich beneide, hat sie mir gesagt. Um so einen Abend wie diesen, der sie an fr├╝her erinnert habe. Unter Freunden und mit Gespr├Ąchen in denen es nicht nur um die Partei, die Familie oder die Kinder geht. F├╝r sie habe es nach der Schule direkt das Studium, dann ihre Heirat, zwei Kinder und die Karriere gegeben. Mit Verpflichtungen, Einschr├Ąnkungen und Kontrollen. Wenn ich so einen Abend mit euch verbringe, hat sie gesagt, dann kommt mir mein Leben in China unendlich weit weg vor. So, als h├Ątte es gar nichts mehr mit mir zu tun. Hier habe ich das Gef├╝hl, als w├Ąren die f├╝nfzehn Jahre dazwischen gar nicht passiert. Ich dachte an Wang Kai, seinen Traum, als Gitarrist viel Geld zu verdienen und seine zahllosen Aff├Ąren, von denen ich immer im B├╝ro berichtet bekam und die selten l├Ąnger als einige Wochen hielten.
Ob ich von der Silberkette w├╝sste, die Wang Kai ihr zur Hochzeit geschenkt h├Ątte, fragte sie mich. Ich nickte und sie erz├Ąhlte mir, dass sie die Kette seit jener Nacht immer unter ihr Kopfkissen lege. Ihr Mann wisse davon, habe sie aber nie darauf angesprochen.
Nach dem Aufr├Ąumen sind wir noch zum Rhein gegangen und am Ufer entlangspaziert. Mir war schon beim Essen aufgefallen, dass Shan Shan diesmal auch etwas Rotwein getrunken hatte. Es war Vollmond und die Uferpromenade war in silberfarbenes Licht getaucht. Wang Kai war ganz begeistert von dieser Stimmung und legte den linken Arm um meine Schulter. Das kenne ich von ihm und ich wei├č nat├╝rlich auch, dass unter Westeurop├Ąern diese Form der k├Ârperlichen N├Ąhe nicht viel bedeutet. Aber als er seinen rechten Arm um Shan Shans Schulter legte, sp├╝rte ich, wie sie unsicher wurde und etwas auf Distanz ging, ohne sich aber wirklich aus seiner Umarmung zu befreien. Das dauerte allerdings nur wenige Sekunden. Als sie sich erst einmal daran gew├Âhnt hatte, wie wir drei Arm in Arm die Promenade entlangspazierten, schien sie es mit jedem Schritt mehr zu genie├čen.
Am n├Ąchsten Morgen hat Wang Kai mir im B├╝ro erz├Ąhlt, dass Shan Shan auf dem Weg zum Hotel melancholisch geworden sei. Als sie ├╝ber den Rhein gefahren sind, wollte sie ihren Pass aus dem Fenster werfen. Und was hast du gemacht, habe ich gefragt. Ihr den Arm festgehalten, hat er geantwortet. Nachher habe sie ihn gefragt, ob er eigentlich wisse, wie gekr├Ąnkt sie damals war, als er nichts von ihr wissen wollte, weil sie nicht zu den Klassenbesten geh├Ârte. Sie habe immer daran denken m├╝ssen und nur deswegen diese Karriere gemacht. Sie wollte, dass ihr so etwas nie wieder passieren w├╝rde.
Was hast du dazu gesagt, habe ich Wang Kai gefragt. Ich habe ihr geantwortet, sagte er, dass dann ja wohl nicht nur sie, sondern auch die Partei und das Volk mir dankbar sein m├╝ssen. Das ist typisch Wang Kai, aber ich nehme an, dass Shan Shan ├╝ber diesen Witz nicht lachen konnte.
Am n├Ąchsten Tag fuhr er sie nach Amsterdam. Er hat mir nachher erz├Ąhlt, dass sie die ganze Fahrt ├╝ber geheult habe. In Amsterdam habe sie ihn gefragt, ob er nicht bleiben k├Ânne. Was hast du gemacht, habe ich ihn gefragt. Ich habe sie zum Konferenzzentrum gebracht und bin wieder nach Hause gefahren, hat er gesagt und mit den Schultern gezuckt. Ich mag sie, ich finde auch, dass sie eine attraktive Frau ist. Aber ich bin nicht verliebt in sie und war es fr├╝her auch nicht. Und au├čerdem hat sie in China einen Mann und zwei Kinder.
Drei Tage sp├Ąter ist Shan Shan von Br├╝ssel zur├╝ck nach China geflogen.
Eine Woche danach klingelte mein Telefon. Wang Kai stellt sein Telefon immer auf meines um, wenn er nicht im B├╝ro ist. Der Mann von Shan Shan war am Apparat, fragte nach Wang Kai und ich bekam einen Schreck. Ich fragte, ob ich etwas ausrichten k├Ânne. Aber Herr Shan verneinte. Er m├╝sse Wang Kai pers├Ânlich sprechen. Also bat ich ihn, es eine Viertelstunde sp├Ąter noch mal zu probieren.
Als Wang Kai zur├╝ck ins B├╝ro kam, sagte ich ihm direkt, dass Herr Shan angerufen habe. Wang Kai war ├╝berrascht.
Was wollte er, fragte er mich. Ich sagte ihm, dass Herr Shan ihn pers├Ânlich sprechen wolle und es gleich noch einmal probieren w├╝rde. Wang Kai setzte sich auf seinen Drehstuhl. Ich habe ja nichts getan, sagte er. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Aber zu beunruhigen schien ihn der Wunsch von Herrn Shan schon.
F├╝nf Minuten sp├Ąter klingelte das Telefon. Wang Kai hob sofort den H├Ârer ab und machte einen sehr angespannten Eindruck. Wor├╝ber die Unterhaltung genau ging, konnte ich nicht verstehen, seine einsilbigen Antworten lie├čen nur wenig R├╝ckschl├╝sse zu. Nach etwa f├╝nf Minuten beendete Wang Kai das Gespr├Ąch und verabschiedete sich ausgesprochen h├Âflich von Herrn Shan.
Was wollte er von dir, fragte ich ihn.
Wang Kai schaute mich an und machte eine Pause von ein paar Sekunden, bevor er die Augenbrauen hochzog und seinem Gesicht einen etwas ratlosen Ausdruck verlieh.
Er hat mir erz├Ąhlt, sagte er, seine Frau sei ganz begeistert aus Deutschland zur├╝ckgekehrt. Es habe ihr sehr gut gefallen und es seien die sch├Ânsten Tage ihres Lebens gewesen.
Wieder machte er eine Pause, atmete einmal tief ein und schaute seinen Telefonapparat an.
Und weiter, fragte ich.
Nichts weiter, antwortete er, w├Ąhrend er den Blick vom Telefon abwendete und mir wieder in die Augen sah. Au├čer, dass er sich bedankt hat. F├╝r meine Bem├╝hungen. Und f├╝r meine Gastfreundschaft.

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