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Leselupe.de > Erzählungen
Die Dachshöhle - optimistische Fassung
Eingestellt am 11. 07. 2006 10:21


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HFleiss
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Die Dachshöhle – optimistische Fassung


Die Siedlung lag im Sonnenglast, jetzt, Anfang Juli. Der Schritt des Mannes Holger Reinhardt war schwer, er war müde. Es war Mittagszeit, die Sonne stand steil über der ungepflasterten Straße, die eher einem Weg ähnelte, beiderseits begrenzt von vergammelten, ungestrichenen Zäunen, der Straße zu seinem Häuschen mit dem immergrünen Rasen und den gelben großkopfigen Rosen. Sie blühten jetzt, es war eine Pracht. Erika hatte an den Rosen keinen Anteil, sie waren allein sein Zuchterfolg. Viel hatte er in den letzten Jahren getan, um ihr Zuhause zu verschönern, das er seine Dachshöhle nannte. Erika lächelte nachsichtig, wenn er von der Dachshöhle sprach, von seiner!, er konnte es aber nicht lassen, ihm war, seit er die Fernfahrerstelle verloren hatte, als sei er ein wirklicher Dachs, der sich vor den Unbilden des Draußen zurückzog, sobald er ein beunruhigendes Geräusch vernahm. Dachse, hatte er einmal gelesen, ziehen sich zum Sterben in die Höhle zurück. Und hier, in seiner Höhle, seiner Dachshöhle, wollte auch der Mann Holger Reinhardt einmal sterben, mit seiner Erika.

Sie hatten ihm bis Ende Juli Zeit gegeben, sechzehn Tage. Die Bankangestellte, eine junge Frau, war wegen der Hitze nur mit einem lächerlichen Shirt mit Spaghettiträgern bekleidet, er hatte ihre Brüste sehen können, wenn sie sich über den Schreibtisch beugte. Sie hatte ihn angelächelt, als sie das sagte, das mit Ende Juli. Ja, sie war großzüg gewesen, zwei Tage hatte sie ihm geschenkt. Ein bisschen hatte sie sogar mit ihm geflirtet, und er hatte mitgespielt. Die nächste Rate für das Häuschen war fällig. Er war mit schwerem Kopf gleich um neun Uhr morgens zur Bank gegangen, die Sache zu klären, und es war beinahe glimpflich ausgegangen. Frau Niedermann, unversehens erinnerte er sich an ihren Namen, hatte nicht gleich mit Zwangsvollstreckung gedroht, sondern ihm Zeit gegeben, bis Ende Juli. Das war seine größte Sorge gewesen, die Zwangsvollstreckung.

Alles, was er sich seit Jahrzehnten zurückgelegt hatte, musste er in das Häuschen stecken.
Jetzt war ihm nichts mehr geblieben, nur noch die paar hundert Euro vom Arbeitsamt für sich und für Erika und die hundert Euro von Sascha, dem Sohn. Davon die Raten abzwacken, das war wirklich ein hartes Brot. Und vorigen Monat war dann das eingetreten, wovor er sich so sehr gefürchtet hatte: Es hatte nicht gereicht für die Rate, die Stromrechnung war gekommen. Dabei hatten sie mehr als dreißig Jahre lang gearbeitet, damals, als Arbeitslosigkeit noch kein Thema war,Tag für Tag. Nur am Wochenende hatten sie den den Garten hier draußen, in der Nähe von Oranienburg, genossen. Vor wenigen Jahren erst, achtundneunzig, hatte er die Laube abreißen und sich das Häuschen bauen lassen, sie wohnten jetzt darin mit dem Sohn, das Häuschen war das Zuhause, die Dachshöhle, um die seine Gedanken kreisten. Solange er noch verdiente, hatte er die Raten zahlen können, nie hatte er eine ausgelassen, es war auch eine Sache der Ehre gewesen, nicht in Verzug zu geraten, auch wenn es immer schwerer gefallen war. Die Kündigung zweitausendzwei war wie ein Schlag gekommen. Und jetzt prügelte die Bank auf ihn ein.

Erika saß auf der Veranda und winkte ihm zu. Er winkte nicht zurück. Er ließ sich Zeit, Erika würde früh genug vom Stand der Dinge erfahren. Er steuerte erst mal ins Bad und ließ sich das kalte Wasser über die Hände laufen. Grau war er geworden, reichlich auseinandergegangen mit den fleischigen Oberarmen und dem Wohlstandsbauch. Missmutig wandte er sich vom Spiegel ab. Er hörte Erika die Wendeltreppe herunterkommen.

Sie sah ihn stumm an. Er wandte den Kopf ab. Nicht mehr die Jüngste, dachte er, seine Erika, die Dorfschöne, um die er sich vor dreißig Jahren so gerissen hatte. Im Stillen gab er ihr die Schuld, dass das Geld nicht reichte. Nicht nur der Friseur, der musste sein, aber jeden Murks kaufen, der ihr unter die Augen kam! Er war ungerecht, er wusste es. Sie hatte mitgezogen, seit er arbeitslos geworden war, auf Kleidung und all den Klunkerkram verzichtet, auf den sie immer so viel Wert gelegt hatte. Mehr konnte er von ihr nicht verlangen. Dass sie mit der Rate im Verzug waren, hatte er ihr nicht sagen können, es hätte Krach gegeben, und Krach war das letzte, was er jetzt gebrauchen konnte.

„Was ist?“, fragte er barsch.

Erika sah ihn einen Moment lang prüfend an. „Nichts“, sagte sie. „Sascha ist bei seinen Kumpels. Er kommt erst abends zurück.“

Er strich ihr übers Haar. Sie hatte es rötlich getönt, er fand es überflüssig. Ehrliches Grau hätte ihm besser gefallen. Sie schmiegte ihr Gesicht in seine Hand. Noch immer wie ein junges Mädchen, dachte er. Plötzlich tat sie ihm leid.

„Ich muss noch was schreiben“, sagte er und zog seine Hand zurück, „bring mir den Apfelsaft ins Arbeitszimmer. Aber schön gekühlt.“

Im Arbeitszimmer war es nicht sehr schwül, es lag zur Nordseite. Der Architekt hatte es als Gästezimmer konzipiert, es hatte ein Handwaschbecken neben der Tür. Es war spärlich möbliert, links vor dem Fenster ein Glasschreibtisch von Ikea, ein schwarzes Regal, in dem ein paar Ordner mit den Papieren für Haus und Familie standen, und eine weitausladende Kunstpalme in der Ecke neben dem Fenster. Er hatte bei dem Architekten auf Parkett fürs ganze Haus bestanden, es knarrte ein wenig, als er zum Schreibtisch ging.

Er zog ein Papier aus der Handgelenktasche. Frau Niedermann hatte es ihm schriftlich gegeben, er bestand darauf. Das Datum 31.7.2005 war fett gedruckt, es sprang ihm ins Auge, es tat weh. Mit beiden Händen glättete er das Stück Papier auf der Schreibtischplatte. Ein Stück Papier, an dem sein Leben hing.

Er hörte Erika mit dem Apfelsaft kommen. Wortlos stellte sie ihn am Rande des Schreibtischs ab. Sie musterte ihren Mann. „Du hast doch was“, sagte sie. „Wo warst du denn heute morgen?“ Ihr Blick fiel auf seine Hand, mit der er das Schreiben der Bank zudeckte. „Bei der Bank?“

„Hm.“ Er brummte.

„Weshalb? Machen sie Ärger?“

„Ach was. Wie kommst du darauf. Nur eine Anfrage.“

Sie fragte nicht weiter. Sie warf ihm noch einen Blick zu und ging zur Tür. „Sascha kommt erst abends. Habe ich dir das schon gesagt?“ Sie hielt den Türgriff in der Hand.

„Schon gut. Schon begriffen.“

Endlich allein. Er schlug die Arme auf den Schreibtisch, warf den Kopf auf sie. Ein Laut, wie von einem Tier in Todesangst. Minutenlag lag er so.

Aus. Alles war aus. Niemals würde er den Termin einhalten können. Wovon denn?

Er hob den Kopf, fasste sich wieder. Er sprang auf, lief in dem weitem Raum herum, stieß sich am Schreibtisch, als er zurückkam. Er spürte den Schmerz nicht.

Erika, er musste mit ihr reden. Sie musste endlich begreifen, wie ernst die Lage war. Vielleicht, er hatte wenig Hoffnung, aber vielleicht gäbe Erika doch Halt, wenn er ihr alles sagte. Alles: dass sie ihr Häuschen verlieren würden! Ihr ein und alles, ihr Nest! Ihre Dachshöhle!

Er blieb stehen, blickte aus dem Fenster in das mit Gemüse bestellte Land. Es stand gut, sie würden den ganzen Winter Mohrrüben essen können. Nein, sagte er sich, Erika würde ihm auch nicht helfen können. Eher würde er an ihrem Gezeter verrückt werden. Sollte sie glauben, dass alles so weiterging wie bisher. Sie hatte sich ja schon eingeschränkt, mehr als seiner Selbstachtung gut tat.

Und Sascha? Er gab einhundert Euro ab, mit großer Geste, unverhehlten Hohn im Gesicht, dass es die Alten nicht schafften, ohne seine paar Kröten hinzukommen. Man war Vater, er hatte darauf verzichtet, dem Sohn die gesamte Summe abzuknöpfen, zu der ihn das Arbeitsamt verpflichtet hatte. Saschas Zukunft war ohnehin mehr als ungewiss, ohne Lehrstelle, einhundert Euro mehr oder weniger, was machte das schon aus.

Nichts. Und kein Weg. Kein Ausweg. Er schrie auf.

Erschrocken hielt er im Laufen inne. Er lauschte. Er hörte Erika in der Küche hantieren. Er lauschte noch einmal. Nein, sie hatte seinen Schrei nicht mitbekommen.

Er ging wieder zum Schreibtisch und ließ sich schwer in den Drehsessel fallen. Er stützte die Ellbogen auf die Tischplatte und starrte auf das Regal mit den Ordnern, ohne zu begreifen, dass er es tat.

Kommen würden sie, mit Fressen wie hungrige Raubtiere. Hyänen! Sie würden durch das Haus streunen, als sei es schon ihres, alles befingern, mit mokantem Lächeln, alles. Sogar im Schlafzimmer! Und er würde es ertragen müssen, den Ruhigen markieren und wissen, dass es keine Hoffnung mehr gab. Nichts gab es mehr. Keinen Ausweg, also auch keine Hoffnung. Nur die Zwangsvollstreckung. In die Stadt ziehen würden sie müssen, in eine Zweizimmerwohnung in der Stadt. Die Stadt, die er immer verabscheut hatte, damals schon, als sie noch in Pankow gewohnt hatten und nur erst die Laube existierte auf dem Grundstück. Ja, es war aus. Ganz aus. Ganz.

Er wusste nicht, wie lange er schon so saß, er bemerkte nicht, dass es allmählich dämmerte im Zimmer, er saß nur und starrte hinaus, in den Garten. Plötzlich straffte er sich und ging mit schnellem Schritt zur Tür.

„Erika!“ Seine Stimme hallte durchs Haus.

Sie kam, ein wenig schnaufend. „Was ist denn?“

„Ab morgen, Erika“, er stockte, „ab morgen fahren wir nach Berlin rein und essen an der Tafel. Wir müssen sparen.“

„Wir sparen doch schon.“

„Nicht genug. Also ab morgen, ich habe die Adresse der Essenausgabestelle herausgesucht, es ist eine von der Kirche. Wir fahren um elf Uhr los, dann sitzen wir um zwölf am Tisch und schlagen uns den Bauch voll. Keine Widerrede!“

Erika stand wie erstarrt vor ihm. „Ich verstehe dich nicht, Holger, weshalb denn die Tafel?
Wir sind doch bisher ganz gut hingekommen. Und was sollen die Nachbarn denken? Nein, ohne mich! Lieber hungere ich!“

„Das wirst du dir überlegen.“ Er musterte sie, als ob er sie heute zum erstenmal sähe. Eine Haarsträhne war ihr ins Gesicht gefallen, er sah die Fältchen um die Augen und die eingefallenen Wangen, ihren Leib, der ihm jetzt aufgedunsen vorkam.

„Und Sascha gibt in Zukunft sein gesamtes Alg-II ab, und dann wirst du das Haus durchforsten. Ob etwas zu verkaufen ist, auf dem Pankower Markt. Und ich, ich werde mal sehen, ob ich eine kleine Schwarzarbeit finde, in der Siedlung. Krügers bauen an einer Garage. Und kein Widerwort!“

Er hatte gesprochen. Eingeschüchtert ging Erika zur Tür, den Kopf eingezogen, die Tränen verbeißend. Draußen würde sie losheulen, ungehemmt. Er hasste solche Auftritte.

Trotzdem, er war schon zufriedener. Zweihundert Euro von Sascha, die dreihundert Euro monatlich fürs Essen könnten sie zum großen Teil einsparen, wenn sie zur Tafel nach Pankow fuhren, und vielleicht klappte es auch bei Krügers. Die Rate fürs Haus betrug sechshundertfünfzig Euro, noch kam sie nicht zusammen, es fehlten zweihundert Euro, aber vielleicht würde sich die Bank damit zufrieden geben, wenn er seinen guten Willen zeigte und Ende Juli einzahlte, was er zusammenbekommen hatte. Nein, nein, das würde Bank niemals tun! Plötzlich war er wieder verzagt. Wo sollten die fehlenden zweihundert Euro herkommen? Selbst wenn er alle technische Geräte im Haus verkaufte, würde er natürlich auch die zweite offene Rate nicht bezahlen können. Es war niederschmetternd.

Im Zimmer war es dunkel geworden. Er scheute sich Licht zu machen. Er saß am Schreibtisch und brütete. Mit einem Mal sprang er auf: Brecht! Wie konnte er bloß seinen Brecht vergessen! „Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ So ungefähr, der gute Brecht taugte doch für alles. Und heute dafür, ihm aus der Patsche zu helfen.

Er knipste die Schreibtischlampe an und begann mit heißem Kopf einen Plan zu entwerfen. Es würde ganz leicht gehen, die Filiale war nicht sehr groß, und er hatte niemals mehr als drei Bankangestellte dort gesehen.Mit hastigem Strich entwarf er den Grundriss, den er kannte, die drei Schreibtische, die beiden Auszugdrucker, drei Bildschirme für die Überweisungen. Sicher gab es eine Alarmanlage, er wusste nicht, wo sie sich befand. Gewöhnlich befand sie sich unter dem Schreibtisch des Kassierers, aber seine Bankfiliale hatte keinen Kassierer mehr.

Alle Bedenken waren ausgeräumt. Morgen würde er würde auf den Schreibtisch zu Frau Niedermann zugehen, ein bisschen schüchtern, so als ob er noch etwas zu bereden hätte, und ihr das Blatt hinlegen, das Blatt, auf dem stehen würde: Dies ist ein Überfall. Alles Bargeld in meine Tasche. Ich bin bewaffnet. Keine Polizei! Frau Niedermann würde wissen, wie sie sich in einem solchen Fall zu verhalten hatte, in den Schreibtisch greifen und die Geldpacken in die Tasche werfen. Oder nach hinten gehen und erst mal das Geld holen. Vielleicht würde sie den Alarm betätigen, sei es drum. Er würde schnell sein, schneller als jemals im Leben. Er hatte es im Fernsehen zu oft gesehen, wie solch ein Überfall ablief. Meistens ging es schief. Ihm sollte das nicht passieren. Dazu war sein Plan zu gut.

Es war Zeit, ins Bett zu gehen, damit er morgen ausgeschlafen war. Mit leichtem Schritt lief er durch die Küche und umarmte Erika. „Warum so miesepetrig? Es wird alles gut, wirst schon sehen. Erst mal eine Nacht drüber schlafen.“

In dieser Nacht schlief er gut und fest. Keine hässlichen Träume wie sonst in letzter Zeit plagten ihn, ja er hatte das Gefühl, ein neuer Mensch zu sein, voller Optimismus, voller Tatendrang. Am Morgen, als erwachte, nicht zu früh und nicht zu spät, gab er Erika einen Kuss, was er lange schon nicht mehr getan hatte. Er frühstückte gut, nahm sogar Erikas wie immer zu hart gekochtes Ei zu sich, und dabei fiel ihm der alte Witz ein: Vorschuss oder Danksagung? Er lachte so sehr, dass Erika erschrak und ihn fragte, ob ihm nicht gut sei.

„Ach ja, ich muss heute noch mal zur Bank“, sagte er aufgeräumt.

An der Haustür drückte er Erika einen feuchten Kuss auf die Wange. Erschrocken wich sie zurück. „Weiß der Himmel, was heute mit dir los ist“, nörgelte sie.

„Nörgel du nur“, sagte er. Die Frauen, seufzte er im stillen. Und mit festem Schritt begab er sich zur Gartentür.

(2006)










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HFleiss
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Die Dachshöhle - optimistische Fassung

Liebe Inu, ich habe den Text überarbeitet, den Anfang verändert und das Düstere, das in der ersten Fassung über ihm lag, hoffentlich genommen, nur mal eine Fingerübung. Ich hoffe, er ist noch realistisch genug. Leider musste ich auf die Ausführung des Überfalls verzichten, da sonst der Text wiederum eine gewisse Düsternis ausstrahlen würde. Insofern wird er dich nicht ganz befriedigen. Vielleicht auch hättest du gern den Schluss noch optimistischer, z. B. könnte der Mann auch mal den Jackpot knacken, das soll ja jede dritte Woche einmal passieren, aber das wiederum erschien mir dann doch nicht realistisch genug. Mir bleibt also nur noch, meinen Lesern viel Spaß zu wünschen.

Gruß
Hanna

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Inu
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Liebe Hanna

Mir schwant schon, dass dem armen Tropf der Bankraub nicht so recht gelingen wird, aber ein Gutes hätte die Sache: er würde sich für die nächsten zwei bis drei Jahre keine Wohnungssorgen mehr zu machen brauchen, der Staat wäre ihm bei seiner Unterbringung bestimmt behilflich.

ich weiß auch nicht- Familiensparmaßnahmen hin und her - das hört sich sehr vernünftig an, gibt aber keine Pointe für die Geschichte her. Mord und Selbstmord, das zieht halt immer am meisten, damit kannst Du nichts falsch machen. Nein Scherz bei Seite, die erste Fassung ist da noch plausibler als die zweite .

Liebe Grüße
Inu

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sonnenstäubchen
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armes deutschland!
wenn alle so dächten und handelten, weils häusle abzuzahlen ist!
ich halte die geschichte - und auch wenn sie noch so realistisch sein sollte im sinne von wirklich passiert- einfach für haarsträubend.
selbst wenn man die karitativen mittagessen der kirche mitnehmen will - die fahrt dahin kostet doch auch was? die beiden leutchen haben wirklich noch nie was von sparen gehört. wenn ich lese, dass die liebe erika auf der terrasse sitzt- dann finde ich das nachgerade bedenklich. und der grüne rasen - irgendwie haben diese gärtnernden menschen vergessen, dass man kartoffeln anbauen kann. die kann man dann sogar essen.
also, was ich sagen will: wenn jemand in einer notlage ist, und eine geschichte diese notlage begreiflich machen will, egal ob sie jetzt humorvoll ausgehen soll oder auch nicht, müssen die vorbedingungen stimmen, und das tun sie meiner ansicht in dieser (und auch der anderen Version)nicht.
gruß
s.
__________________
die dinge sind nicht das, was sie scheinen und wirfst du einen stein, weiß keiner, wo er hinfällt

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HFleiss
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Die Dachshöhle - optimistische Fassung

Inu, ich bin begeistert. Die optimistische Fassung habe ich extra für dich geschrieben, weil du Schwierigkeiten mit dem traurigen Ausgang einer Geschichte hast. Du siehst also, optimistisch klappt die Geschichte nicht, ich hoffe, ich habe dich überzeugt. Die dritte Möglichkeit, eine reiche Erbschaft, habe ich auch bedacht, aber das wäre dann wie im Fernsehen, wo es aufs Stichwort klappt, und so war der Banküberfall noch die plausibelste Variante. Aber wer nimmt mir den schon ab? Du siehst, was dieses Sonnenstäubchen geschrieben hat, die moniert sogar, dass die Hausherrin die Terrasse benutzt. Wie das Geld bringen soll, wenn sie es nicht täte, verrät uns die kleine Bescheidwisserin nicht. Inu, die harmonischen Geschichten interessieren keinen Menschen, sie sind im selben Moment vergessen, wo man sie sich reingezogen hat. Aber das ist mir noch nicht passiert, außer hier in der Leselupe, dass jemand eine tragische, realistische Geschichte zu tragisch findet. (An diese Stelle wollte ich ein Lachsmiley setzen, habe aber keines gefunden). Grins.

Gruß
Hanna

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HFleiss
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Die Dachshöhle - optimistische Fassung

Hallo, Sonnenstäubchen

verrat mir mal, wie einer reagieren soll, wenn es an seine Existenz geht, an das, wofür er lebt, was sein Grund des Daseins ist? Weglachen klappt leider nicht, und Zauberer gibt es nur im Varieté. Wie also sollte ich die Geschichte schreiben? Soll er den Brief der Bank zerreißen und sich sagen, halb so schlimm, wird schon werden? Simsalabim? Er ist ein Mensch, der es den Großteil seines Lebens nicht gewohnt war, irgend jemandem etwas schuldig zu bleiben, das hatte mit der sozialen Sicherheit in der DDR zu tun - so habe ich jedenfalls die Figur konzipiert. Er ist ein erwachsener Mann, nicht mehr jung, eine zweite Chance bekommt er nicht, und nun sieht er das, was er als sein Lebenswerk ansieht, den Bach runterlaufen, und zwar wegen einer Sache, an der er unschuldig ist, er ist nämlich seit längerem arbeitslos gewesen - ein sehr häufiges Schicksal im Osten. Aber auch immer mehr im Westen, nur zu deiner Information. Oder bist du der Meinung, das ist ein so ungewöhnliches Einzelschicksal, eines aus den "Unterschichten", dass es sich nicht lohnt, darüber zu schreiben? Ich bin der Meinung, auch wenn es nur dieses eine Schicksal gäbe in der ganzen Bundesrepublik, sollten ernsthafte Autoren darüber nicht hinwegsehen und dieses Schicksal aufschreiben. Aber es kann natürlich sein, dass du die Meinung vertrittst, es kann nicht sein, was nicht sein darf?

Und nun verrat mir bitte, warum es "nachgerade bedenklich" sein soll, wenn eine ihre eigene Terrasse benutzt? Will mir einfach nicht einleuchten, dass es Geld bringen könnte, wenn sie sich vornimmt: Nie wieder Terrasse!

Und dann scheinst du den Text nicht ganz gelesen zu haben, ich habe nämlich geschrieben, dass sie durchaus Gemüse anbauen - ob nun Kartoffeln oder Mohrrüben, drauf ist gepfiffen.

Warum stimmen die Vorbedingungen nicht? Was sollte denn deiner Ansicht nach noch alles passieren? Sollten die alten Leutchen erst mal versuchen, den Kitt aus den Fenstern auf Verträglichkeit zu testen? Hast du dir mal angesehen, wie viele Privatinsolven es gibt, besonders im Osten? Das sind nur die offiziellen Zahlen, wie viele Leute, die am Ende sind, melden keine Insolvenz an, sondern lassen den Gerichtsvollzieher auf sich zukommen? Ich weiß ja nicht, unter welchen kapriziösen Verhältnissen du dich durch den Tag bringst, aber ich ahne es, dir als Autorin würde es ganz guttun, auch mal einen Blick in deine Umgebung zu werfen und zu registrieren, dass die Fassade niemals der Inhalt ist.

Ich wäre ganz dankbar, wenn du deine allgemein-konkreten Aussagen ein wenig konkretisieren würdest, damit ich überhaupt begreife, worum es dir geht. Leider musste ich hier nämlich auf den Busch klopfen, um mir deine lapidaren Sätze halbwegs erklären zu können. Berichtige mich bitte, wenn ich danebengetroffen haben sollte.

Gruß
Hanna

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