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Die Geschichte vom Regentropfen
Diese Geschichte ist all den vielen Kindern gewidmet,
die sich fürchten, wenn draußen die Regentropfen an ihre Fenster anklopfen.
Ein kleiner Regentropfen lebte seit unendlich langer Zeit in einem großen Meer.
Dort hatte er viele Freunde. Denn auch alle die vielen anderen Tropfen hatten nur Spiele im Kopf.
Sie jagten hin und her und ließen sich vom Wind aufeinander blasen, zu großen Wellen, um kurz darauf wieder auseinander zu stoben. Wenn das Wasser so richtig schäumte und gurgelte waren sie am lebendigsten. Sie kannten all die vielen Dinge des Meeres, die Pflanzen, Steine und Fische, von den kleinsten bis zu den größten. Und wie oft hatte sie schon ein Fisch verschluckt, um ihnen bald darauf wieder die Freiheit zu geben.
Auch unser kleiner Regentropfen lebte so jahrein, jahraus und verspürte nicht die geringste Langeweile dabei, unter so vielen Freunden.
Doch als sie eines sonnigen Tages wieder ruhig an der Oberfläche des großen Meeres lagen, so hörte er die anderen Tropfen von großen Ländern und den verrücktesten Abenteuern erzählen und von ihren weiten Reisen, die sie mit Hilfe der Sonne unternahmen.
Und da er ja bisher, obwohl er schon sehr lange lebte, noch nie weit fortkam, und weil auch er einmal all diese fremden Dinge sehen wollte, ließ er sich von den anderen überreden und er kletterte mit vielen seiner Freunde die Sonnenstrahlen entlang, hinauf in den Himmel, zu den Wolken, die voll von Wassertropfen waren. Der Wind trug sie nun weit weg, so weit, dass plötzlich unter ihnen das Meer endete und unser kleiner Wassertropfen zum ersten Mal in seinem langen Leben auch Land sehen konnte. Doch dieses Land war noch viel reicher und schöner als man ihm erzählt hatte.
Er sah dort Wälder und Wiesen, Häuser und Menschen und viele andere Dinge, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Und so trug ihn der Wind zu einem Haus, in dem auch ein kleines Kind am Fenster war und da er es kennenlernen wollte und es grüßen wollte von all den vielen Wassertropfen, die seine Freunde waren, ließ er sich fallen und platschte auch schon auf das Fenster auf, rutschte die Scheibe hinab und gelangte so in die Dachrinne. Dort wurden sie weiter und weiter getragen und kamen schließlich in einen Fluss, der ihn wieder ins Meer zu seinen Freunden spülte.
Und dort hatte er, der kleine Wassertropfen, der ja zu einem großen Regentropfen geworden war, dort hatte er viel zu erzählen, von Bäumen und Häusern, von Menschen und von kleinen Kindern,
die sich freuten, dass er bei ihnen mal vorbeigeschaut hatte
– so jedenfalls erzählte er es all seinen Freunden.
Und er nahm sich vor, eines Tages wieder auf Reisen zu gehen,
zu Menschen, die sich freuen, dass er und all seine Freunde
– die Regentropfen –
an ihren Fenstern klopfen!
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Robert Atzmüller
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