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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Die Graue Wolke
Eingestellt am 10. 04. 2006 22:58


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Josef Knecht
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2006

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Die Graue Wolke

Die Graue Wolke

Ich beendete das GesprĂ€ch, öffnete die FahrzeugtĂŒr und trat ins Freie. Die winterlich kĂŒhle Luft drang in meine Lungen. Da war es wieder, das GefĂŒhl der Beklemmung, ich könnte es fast Angst nennen, das mich seit geraumer Zeit ĂŒberkam, wenn ich mich meinem Zuhause nĂ€here. Das unsichere GefĂŒhl, nicht genau zu wissen, was in den nĂ€chsten Minuten kommt. Ich zögerte den Beginn hinaus, suchte meine Tasche, mein Laptop, fingerte an der Krawatte, löste den Knoten; schritt ĂŒber die Stufen, zĂ€hlte sie, war versucht, sie noch einmal zu gehen. In meiner rechten Tasche war der SchlĂŒssel, ich öffnete die TĂŒr.
Es empfing mich Kindergeschrei. Meine beiden Lieblinge kamen auf mich zugelaufen, wollten in meine Arme, schienen mich schier zu erdrĂŒcken. Hier war der Sinn warum ich ĂŒberhaupt noch nach Hause kam.
„Wo warst du so lange. Du bist geschlagene 5 Minuten im Auto gewesen“. Es war die Stimme von Martha, meiner Frau. „Was denkst du dir eigentlich. Die KĂŒche war in einem erbĂ€rmlichen Zustand, unaufgerĂ€umt, die Töpfe standen herum, nicht abgespĂŒlt. Ich bin doch nicht deine Putzfrau.“
Ich versuchte meiner Stimme einen ruhigen, freundlichen Klang zu geben, so wie ich es mir vorgenommen hatte.
„Es tut mir leid. Ich wollte gestern noch etwas aufrĂ€umen. Aber ich hatte so viel zu tun.“
„Zu tun, zu tun. Was tust du denn schon den lieben langen Tag. FĂ€hrst mit deinem schicken Fahrzeug den ganzen Tag durch die Gegend, erzĂ€hlst den Ärzten blödes Zeug und ich putze, wasche ab, bĂŒgle deine Hemden, Ă€rgere mich mit der KindergĂ€rtnerin herum und soll dich am Abend auch noch mit einem freundlichen Gesicht empfangen!“
Ich merkte, wie ich langsam die Fassung verlor. Sie hatte nicht recht, nein, sie hatte nicht recht!
In mir entstand der Wunsch mich auf sie zu stĂŒrzen, sie zu ohrfeigen und sie vielleicht dadurch zur Vernunft zu bringen. Nein, nein, redete ich zu mir selbst. Einmal hatte ich sie geschlagen, nur einmal. Sie war danach 3 Wochen mit den Kindern zu ihrer Mutter gezogen. Ich war krank vor Sehnsucht nach Albert und Alex und ich war krank, ich habe mich lange geweigert das einzusehen, vor Sehnsucht nach ihr.
"Ich rĂ€ume spĂ€ter noch zusammen. Ich will mich jetzt um die Kinder kĂŒmmern. Wie war dein Tag?“
Ihr Gesichtsausdruck blieb hart, abweisend.
„Das interessiert dich doch nicht!“
Ich wusste es war besser jetzt den Mund zu halten, sie nicht weiter zu provozieren. Ich ging ein paar Schritte rĂŒckwĂ€rts, ohne sie aus den Augen zu lassen, Ă€hnlich wie ein Boxer im Ring, der seinen Gegner fixiert um sich gegen den nĂ€chsten Fausthieb zur wehr zu setzen
Ich nahm meine beiden Kindern und ging mit ihnen ĂŒber die Holztreppe nach oben in das Zimmer von Albert. Hier hatte ich vielleicht fĂŒr ein paar Minuten meine Ruhe und konnte mich etwas ausruhen.
Ich dachte an die neuen Umsatzzahlen, die gestern gekommen waren und die nichts Gutes aussagten. Auch Raimund, mein Chef, machte keinen Hehl daraus, das er mir die Schuld an der Misere gab. Erst letzte Woche hatte er mir das Messer an die Brust gesetzt: Entweder meine Zahlen gingen nach oben oder ich konnte mir einen neuen Job suchen.
Plötzlich war da eine Wolke. Ich konnte nichts sehen. Bewegte mich vorwĂ€rts, vorsichtig, tastend. Ich schien gleichzeitig zu schweben und zu fallen. Unaufhaltsam, immer tiefer, immer weiter. Und das Grau der Wolke nahm kein Ende. Ich bewegte mich, versuchte durch rudern meine unangenehme Lage zu beenden. Ich konnte nicht sagen wie aber es gelang. Der Fall war beendet und ich bewegte mich nach oben. Ich wusste es nicht, doch ich fĂŒhlte, hier irgendwo muss die Sonne sein, die mich wĂ€rmen und mir neues Leben schenken wird.
„Du wolltest doch mit den Kindern spielen. Jetzt liegst du hier herum und tust wieder nichts!“ Martha stand plötzlich in der TĂŒr, ich hatte ihr kommen nicht gehört. Eine Welle von Scham und SchuldgefĂŒhl ĂŒberkam mich und der Gedanke, dass sie wohl recht hatte, mir ihrer stĂ€ndig wiederkehrenden Bemerkung, ich sei ein schlechter Vater.
So schnell sie aufgetaucht war, so schnell verließ sie auch das Zimmer wieder. Sie klang, bei aller Unfreundlichkeit freundlicher als noch vor 15 Minuten. Vielleicht braucht sie einen MĂŒlleimer, in dem sie alle ihre schlechten GefĂŒhle treten konnte.
Vor zwei Jahren, als unsere Tochter Alexandra zur Welt kam, fing alles an. Sie war mit Albert eigentlich schon an die Grenzen der Belastbarkeit gekommen, doch ich wollte noch ein zweites Kind und so kam Alex.
Ich dachte an die Sonne, die sich hinter der grauen Wolke befinden musste und stellte mir vor, wie es aussehen könnte. Einen neuen Partner, der Lust auf Sex hatte, der mich mit einem Kuss empfing, mich zÀrtlich in seine Arme nahm. Und doch war es Wunschdenken, denn mir war klar, dass ich meine Kinder nie verlassen konnte.
Martha erschien. Ihr Gesichtsausdruck war jetzt entspannter. Im laufe des Abends wĂŒrde ich sicher den Grund fĂŒr ihre schlechte Stimmung erfahren.
„Ich fahre noch in die Stadt. Brauchst du etwas?“
Ich verneinte.
Martha brauchte noch 20 Minuten um sich die passende Kleidung herauszusuchen. Als sie in ihrer neuen Jeans und ihrer roten Bluse an mir vorbeiging um das Haus zu verlassen merkte ich, wie mich eine Welle der Erregung erfasste. Eine schöne Frau, dachte ich mir.
Ich musste das Licht finden, irgendwo.




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HFleiss
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Manchmal gelesener Autor

Registriert: Jan 2006

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Die Graue Wolke

Ein Konflikt angerissen, ihn aber nicht ausgetragen. Mir kommt der Text vor wie eine Einleitung zu etwas, was erst noch kommen muss. Interessant der mĂ€nnliche Standpunkt: Er, das mĂ€nnliche Exemplar, ist rein, gentlemanlike. Wirklich und wahrhaftig: rein. Er hat nichts getan, nur sie ist diejenige, die stĂ€ndig Zank heraufbeschwört. So viel ist klar, ein Konflikt wird ausgetragen durch Aktion und Reaktion. Und die Änderung seiner Haltung gegenĂŒber seiner Frau wĂ€re fĂŒr mich zum Beispiel interessant an dieser Geschichte. Das aber kann nur mit der Austragung des Konflikts geschehen.

Lieben Gruß
Hanna

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Josef Knecht
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2006

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Hallo Hanna,
vielen Dank fĂŒr deinen Kommentar zu meiner kurzen ErzĂ€hlung. Sie hat mich sehr nachdenklich gemacht. Vor allen Dingen hast du einen Aspekt angesprochen, der mir beim schreiben gar nicht aufgefallen ist: Der mĂ€nnliche Protagonist wurde von mir als schuldlos an der ganzen Misere dargestellt, aber vielleicht ist er es nicht. Da du auch gesagt hast, dass die eigentliche Geschichte erst noch kommen muss, werde ich mich an die Arbeit machen und die Geschichte vielleicht mit etwas anderen Vorzeichen und vielleicht auch nicht mehr in in ich-Form weitererzĂ€hlen.
Lieben Gruß
Josef

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 1
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Und da fÀngt das Problem schon an: Wenn in so einer Situation die Schuldfrage zur Debatte steht, wird sich nichts Àndern.

Der Protagonist weiß schon, daß auch er dazu beigetragen hat:

quote:
Sie war mit Albert eigentlich schon an die Grenzen der Belastbarkeit gekommen, doch ich wollte noch ein zweites Kind und so kam Alex
.

Aber du hast insofern Recht, Hanna: Er kommentiert das nicht weiter, anscheinend hĂ€lt er es fĂŒr selbstverstĂ€ndlich, daß sie seinen Kinderwunsch erfĂŒllt.

Hier wird nur eine Szene geschildert, sehr anschaulich; ob es dem Text gut tĂ€te, das Offensichtliche noch breiter auszufĂŒhren, halte ich fĂŒr fraglich. Ich wĂŒrde ihn eher so schlaglichtartig belassen, aber noch daran feilen; etwas subtiler vielleicht - sagt sie wirklich "du faules Schwein"?

quote:
Was tust du denn den ganzen Tag du faules Schwein. FĂ€hrst den ganzen Tag durch die Gegend und ich mache hier die ganze Arbeit

- auch wenn sie in der Aufregung wirklich so redet: Es liest sich nicht besonders gut.

quote:
Und ich wusste, ich konnte sie jetzt mit jeder Äußerung, sogar mit einem zĂ€rtlichen „ich liebe dich“ zur Weißglut bringen.

Die Wahrscheinlichkeit, daß er eine ehrlich gemeinte LiebeserklĂ€rung zustande bringt, ist auch nicht besonders groß... ich wĂŒrde das weglassen.


Gruß,
Gabi




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Josef Knecht
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2006

Werke: 5
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Hallo,
ich habe jetzt, nicht zuletzt wegen der hilfreichen Kommentare von Hanna und Gabi meine ErzĂ€hlung etwas ĂŒberarbeitet. Ich habe den sehr derben Ausdruck von Martha "du faules Schwein" herausgelassen und habe deutlicher die starke familiĂ€re Belastung von Martha beschrieben. Außerdem habe ich ihren Mann (ich werde ihn in einer spĂ€teren ErzĂ€hlung wahrscheinlich Michael nennen)nicht mehr so positiv dargestellt. Es wird deutlich, dass er Martha auch schon geschlagen hat.
Liebe GrĂŒĂŸe
Josef Knecht

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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

Werke: 2
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Hallo Josef

Auch mich ĂŒberkam das GefĂŒhl, daß es eher wie eine Einleitung zu einer umfangreichen Geschichte stehen sollte.
(Wahrscheinlich)- Durch die Ich- Form schlÀgt man sich auf die Seite des ErzÀhlers, auch weil er Probleme mit seinem Arbeitgeber hat (wem geht es nicht so...). Und dies trotz das er seine Frau geschlagen hat.
Zumindest ging es mir beim Lesen so.


MfG; Rocco
__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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