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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Die Handtasche
Eingestellt am 28. 06. 2005 00:43


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calamitas
Wird mal Schriftsteller
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Die Handtasche

Wenn man sich in einer Stadt bewegt, fĂ€llt auf, dass sich gerade an jenen Orten, wo etwas repariert, neu aufgebaut oder abgerissen wird, besonders viele Menschen aufhalten. Das mag daher rĂŒhren, dass die BauzĂ€une, Warnschilder oder die rot-weißen BĂ€nder an ihren rostigen Stangen die Wege einengen und die Menschen daher öfter gezwungen sind, einander auszuweichen und mit vollen Einkaufstaschen einen Seitenschritt zu machen, wobei es gerade den umgekehrten Effekt ergibt wie bei einem Fluss, der an seiner engsten Stelle doch gerade die höchste Fließgeschwindigkeit aufweist. Aber es treffen an Baustellen Menschenströme unterschiedlicher Richtung aufeinander und noch dazu gibt es fĂŒr MĂŒĂŸiggĂ€nger, zufĂ€llig Vorbeikommende oder anderweitig Interessierte etwas zu sehen und daher auch mit anderen MĂŒĂŸiggĂ€ngern, zufĂ€llig Vorbeikommenden oder anderweitig Interessierten zu besprechen; sei es der Fortgang der Arbeit, den gerade die MĂŒĂŸiggĂ€nger als viel zu schleppend einschĂ€tzen.
Ich lebe in einer Stadt, die fĂŒr eifrige Bauleiter ein Graus sein muss. Wo man den Erdboden aufreißt, taucht ein Römergrab, die anaerob erhaltenen Planken eines Römerschiffes, die Grundmauern eines antiken Theaters oder im gĂŒnstigsten Fall ein Haufen Scherben und Knochen auf. Kaum hat sich ein Partikel dieser Hinterlassenschaften frĂŒherer Kulturen in den groben ZĂ€hnen eines Baggers verfangen, tritt eine Schar versierter ArchĂ€ologen und Kunstgeschichtler auf den Plan und untermauert mit gewichtigen Argumenten die Notwendigkeit eines sofortigen Baustopps, um die SchĂ€tze der Vergangenheit fĂŒr die Zukunft zu retten. Wo Planierraupen wĂŒteten und Bagger lĂ€rmten, wirken fortan HandschĂ€ufelchen und sanfte Besen, wird mit Fingerspitzen das Erdreich durchkĂ€mmt und sorglich alles notiert, was nach langer Zeit das Licht der heutigen Welt erblickt.
Auf meinem Weg zur Arbeit, den ich durch die Innenstadt zu Fuß bewĂ€ltigen kann, komme ich an einer solchen Baustelle vorbei. Vor wenigen Wochen noch war es eine gewöhnliche Baustelle – bis man auf Mauerwerk stieß. Dann brauchte es nur noch der ErklĂ€rung eines angesehenen Mitarbeiters des stĂ€dtischen Museums, es könne sich um die Grundmauern einer frĂŒhmittelalterlichen Kirche handeln, um die Bagger verstummen zu lassen. Die Stadt wĂ€gte ab, ob der zĂŒgige Aufbau einer neuen Einkaufspassage oder der Fund kultureller SchĂ€tze vorzuziehen sei und entschied sich fĂŒr das Letztere. Zu der nahezu beĂ€ngstigenden Stille, die schon zuvor ĂŒber der Grube eingekehrt war, gesellte sich nun eine gewisse WĂŒrde. Sie war nun was, diese Baustelle. Man sah es daran, dass sie fortan nĂ€chtens bewacht wurde. Außerdem wurde eine Schautafel aufgestellt, die ĂŒber den Fortgang der Grabungen informierte. Und weil die Grube bald so tief war, dass man nicht hineinsehen konnte, erbaute die Stadt eine Aussichtsplattform, nicht unĂ€hnlich einem JĂ€gersitz, nur grĂ¶ĂŸer und statt mit einer wackligen Holzleiter mit einer stabilen und wegen des großen Interesses von Bevölkerung und Touristen auch gehörig breiten Alutreppe versehen.
Es fanden sich immer Menschen auf dieser Plattform, ich habe auch schon einen Mann aus der Nachbarschaft in Pantoffeln heranschlurfen gesehen, der den Zustand der Baustelle – die eigentlich gar keine Baustelle mehr war – fĂŒrs private Fotoalbum festhielt.
Sie alle – Touristen, Nachbarn und jeder, der in jenen Tagen wĂ€hrend seiner EinkĂ€ufe kurzen Halt machte – haben gesehen, was ich gesehen habe, viele haben es sogar fotografiert, und doch hat keiner Notiz davon genommen. Nie habe ich in jenen drei Wochen eine einzige Bemerkung in den GesprĂ€chen gehört, dass die Handtasche jemandem aufgefallen sei.
Es war eine recht gewöhnliche Handtasche, grau, fast so grau wie der aufgewĂŒhlte Lehmboden, auf dem sie stand. Steif standen ihre Griffe in den Himmel ab, was darauf schließen ließ, dass sie noch wenig benutzt und nach ihrem Abstellen jedenfalls nicht mehr geöffnet worden war. Sie hatte oben und auf der einen Seite ReißverschlĂŒsse, die beide geschlossen waren. Unten war sie mit kaum sichtbaren Lehmspritzern ĂŒbersĂ€t, denn es hatte in der letzten Nacht heftig geregnet. Sie stand drei Schritte vom Grubenrand und etwa doppelt so weit von Bauzaun und Plattform entfernt. Sie sah aus wie der Prototyp einer Handtasche, man hĂ€tte sie in einem Bildlexikon unter dem Stichwort „Handtasche“ abbilden können. Sie war weder besonders hĂ€sslich noch besonders schön, sie war unten ein bisschen eckig und oben ein bisschen rund, die TrĂ€ger waren nicht zu groß und nicht zu klein. Sie war normal, unauffĂ€llig, durchschnittlich. Keine junge Frau, aber auch keine alte Frau hĂ€tte sie getragen; - es war eine Handtasche wie geschaffen fĂŒr jenen Typ Frau, den man nie wahrnimmt, der im Supermarkt in der Schlange vor einem steht und den man nachher nicht beschreiben kann.
So wie sie da stand, machte es mit einiger Phantasie den Eindruck, als habe jemand den Bauzaun missachtet, sei auf die Grube zugeschritten und habe vorher noch einmal kurz innegehalten und die Tasche abgestellt. Gleich als ich sie zum ersten Mal sah, hatte ich ein GefĂŒhl, als stamme sie von jemand, der einen Selbstmord begehen wollte, vorher zur inneren Sammlung innehĂ€lt und dabei gedankenverloren seine Handtasche abstellt als ein letzter kleiner Befreiungsakt vor dem Sprung in die Tiefe. Da die Grube so tief lag, dass man selbst von der Plattform ihren Grund nicht völlig einsehen konnte, lag diese Phantasie nahe, obwohl sie natĂŒrlich fĂŒr ein solches Vorhaben bei weitem nicht geeignet war. Man hĂ€tte sich vielleicht ein Bein, aber nur durch einen höchst ungeschickten Sprung auch das Genick brechen können.
Am nĂ€chsten Morgen begann ich meinen Weg zur Arbeit einige Minuten frĂŒher, um noch Zeit zu haben fĂŒr einen Abstecher auf die Plattform, wo ich zunĂ€chst nur vermerkte, dass die Handtasche noch auf ihrem Platz war.
Sie stand dort drei Tage. Drei Tage lang sah ich sie dort stehen und drei Tage lang sah ich in keinem Gesicht, dass jemandem diese Handtasche merkwĂŒrdig vorkam.
Manche streiften sie mit ihrem Blick, manche verweilten mit ihrem Blick auf ihr, aber wenn ich ein aufkeimendes Erstaunen in ihren Gesichtern zu erkennen meinte, eine leise Ahnung davon spĂŒrte, dass sie diesen Anblick in irgendeiner Weise fĂŒr bemerkenswert halten könnten, verĂ€nderte sich ihr Blick doch in keiner Weise, kein auch nur leises Zucken der Augenbrauen kĂŒndete von Erstaunen, nicht der kleinste Gesichtsmuskeln erhielt den Impuls, sich zusammenzuziehen. Es war, wenn ich es jetzt mit einigem Abstand bedenke, neben dem bloßen Vorhandensein der Handtasche auf einem ihr vollkommen ungebĂŒhrlichen Platz dieses Ausbleiben einer jeglichen Reaktion meiner Mitbeobachter, das mir die Handtasche in so besonderer Weise interessant werden ließ.
Am vierten Tag beobachtete ich einen Arbeiter, der sie ohne weiteres Hinsehen an ihren Griffen nahm und ein paar Meter weiter abstellte, als sei es ein gewöhnlicher Gegenstand, der im Weg war. Ich sah, wie derselbe Arbeiter kurz darauf eine Planke verlegte und er tat es mit der gleichen SelbstverstĂ€ndlichkeit, wie er zuvor die Handtasche verstellt hatte. Handtasche oder Holzplanke schienen die gleiche Bedeutung fĂŒr ihn zu haben, als sei eine Handtasche ein ebenso nĂŒtzlicher wie selbstverstĂ€ndlich auf einer Baustelle anzutreffender Gegenstand wie eine Holzplanke. Wenn er im Weg ist oder woanders von besserem Nutzen, nimmt man ihn eben und stellt ihn woanders hin.
Am 5. Tag, es hatte sich in dieser Zeit eine frĂŒhe SommerschwĂŒle gegenĂŒber einem launischen Aprilwetter durchgesetzt, hatte sie ihren Standort ein zweites Mal gewechselt. Sie befand sich jetzt in gefĂ€hrlicher NĂ€he zur Grube, ein Windstoß hĂ€tte sie kippen und fallen lassen können. Es sah wiederum so aus, als habe sie jemand vergessen oder gedankenverloren abgestellt, nur unter anderen Bedingungen: Als habe jemand neugierig am Rand der Grube gestanden und die Tasche abgestellt, um fĂŒr sein großes Interesse beide HĂ€nde frei zu haben, vielleicht, um ein Fernglas zu halten oder sich Notizen zu machen.
Es ging kein Wind an jenem Tag und auch am nĂ€chsten nicht, an dem sie immer noch ihren Weitblick zu genießen schien und sich wie ein frecher Baustellenbesucher ausmachte, der sich ein StĂŒck weit in verbotenes Gebiet vorgewagt hatte und nun triumphierend, neidische Blicke im RĂŒcken spĂŒrend, die bessere Aussicht genießt.
Doch auch dort, wo sie noch mehr auffallen musste, nahm niemand Anstoß an ihr. Hin und wieder war ich in den letzten Tagen auf der Plattform mit anderen in ein kurzes GesprĂ€ch gekommen, aber es hatte sich auf Fragen beschrĂ€nkt wie: „Wissen Sie eigentlich, was hier ausgegraben wird?“, worauf ich ungefĂ€hr das wiedergab, was auf der Schautafel zu lesen stand. Nur einmal schloss ich an ein solches GesprĂ€ch die Bemerkung an: „Das ist doch merkwĂŒrdig, diese Handtasche da, was die da wohl zu suchen hat?“ Mein GegenĂŒber sah tatsĂ€chlich zu der Stelle hin, er nahm die Handtasche wahr, aber sein Blick glitt sogleich wieder von ihr ab und seine Schultern hoben sich fĂŒr einen kurzen Moment, als ob er verĂ€chtlich sagen wollte: „Welche Handtasche?“. Es muss ihm so belanglos vorgekommen sein, dass er mich eventuell sogar fĂŒr verrĂŒckt hielt, dass ich es ĂŒberhaupt erwĂ€hnt hatte, denn er vermied es daraufhin, mich noch einmal anzusehen oder das Wort an mich zu richten. Und ich sprach nie wieder jemanden auf die Handtasche an.
Am nĂ€chsten Tag war sie verschwunden. Ich konnte sie weder von der Plattform noch von einem der großen Löcher im Bauzaun ausmachen, sie war einfach weg und ich schloss innerlich bereits mit dem Kapitel „MerkwĂŒrdige Handtasche auf Baustelle“ ab, wenngleich ich mich noch immer morgens, mittags und abends auf der Plattform einfand.
Erst am 9. Tag entdeckte ich sie wieder. Sie stand, einer der Griffe war traurig nach unten geklappt, der andere lehnte sich schutzbedĂŒrftig an den Bauzaun, im entferntesten Winkel des Baubereichs, wie ein ArbeitsgerĂ€t, das man nicht mehr benötigte, abgenutzt, verbraucht, seiner Schuldigkeit entledigt, und sie stand dort – ich vermerkte es mit einer gewissen Traurigkeit – halb eingegraben in einen Haufen von Erdaushub.
Am 10. Tag stand sie morgens dort unverĂ€ndert und ich ging mittags mit Arbeitskollegen zum Essen, was ich beibehielt. Am nĂ€chsten Tag ließ mich ein ĂŒbermĂ€ĂŸiges BedĂŒrfnis nach Erholung und Schlaf die abendlichen Plattformbesuche einstellen und kurz darauf verschlief ich und hatte deshalb morgens keine Zeit, nach der Tasche zu sehen. Ich hĂ€tte natĂŒrlich am nĂ€chsten Tag – an dem ich nicht verschlief – auf die Plattform steigen können, genauso wie ich nicht jeden Abend so mĂŒde war, um nicht die fĂŒnf Alustufen zu erklettern, aber nachdem ich einmal meine Gewohnheit unterbrochen hatte, war ich ihr ĂŒberdrĂŒssig geworden.
Erst am 21. Tag, genau drei Wochen, nachdem ich die Handtasche zum ersten Mal gesehen hatte, winkte ich mittags den Kollegen ab, begnĂŒgte mich mit einer Bratwurst und stand wieder auf der Plattform. Neben mir surrte eine Videokamera und ihr japanischer Besitzer schwenkte ĂŒber die Reste der Grundmauern einer römischen Wohnanlage, die man inzwischen freigelegt hatte und deren archĂ€ologischer Nutzen wohl weitaus geringer war, als man zunĂ€chst vermutet hatte. Die ArchĂ€ologen sprachen zwar von wichtigen Erkenntnissen ĂŒber das Alltagsleben und so weiter, aber nachdem sich herausgestellt hatte, dass hier keine Kirche zu finden war, sondern nur einfache WohnhĂ€user, zu deren Bau man lediglich das Material einer geschleiften Kirche verwendet hatte, war die EnttĂ€uschung groß. Auch auf Schmuck, Schwerter, Schilde oder Ähnliches hatte man vergebens gehofft.
Die Handtasche war nirgends zu sehen. Der Haufen, in den sie zuletzt fast einzusinken schien, war abgetragen worden und mit ihm wohl auch die Handtasche, die ganze Baustelle machte einen sauberen, aufgerÀumten Eindruck, und wie in der Zeitung zu lesen war, sollten schon in ein paar Tagen die Bagger und KrÀne wieder zu ihrem Recht kommen.

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Lotte Werther
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An calamitas

Journalistisches Schreiben scheint dir gelĂ€ufig zu sein. FlĂŒssiger Stil ist eine StĂ€rke des Textes, auch wenn er noch lange nicht homogen ist. Ich habe in diesem Fluss richtige Stolpersteine entdeckt. Es sind zum Teil altmodisch anmutende Worte in einem modernen Text:

Zu der nahezu beĂ€ngstigenden Stille, die schon zuvor ĂŒber der Grube eingekehrt war,

wegen des großen Interesses von Bevölkerung und Touristen auch gehörig breiten Alutreppe versehen

sei auf die Grube zugeschritten und habe vorher noch einmal kurz innegehalten und die Tasche abgestellt

dieses Ausbleiben einer jeglichen Reaktion meiner Mitbeobachter,

es hatte sich in dieser Zeit eine frĂŒhe SommerschwĂŒle gegenĂŒber einem launischen Aprilwetter durchgesetzt



Zum Teil auch störrische Satzgebilde, ĂŒberflĂŒssig, um beim Bild des Flusses und des Fließens zu bleiben:

Man sah es daran, dass sie fortan nĂ€chtens bewacht wurde. Außerdem wurde eine Schautafel aufgestellt, die ĂŒber den Fortgang der Grabungen informierte.

Am 10. Tag stand sie morgens dort unverÀndert und ich ging mittags mit Arbeitskollegen zum Essen, was ich beibehielt.

Ich hĂ€tte natĂŒrlich am nĂ€chsten Tag – an dem ich nicht verschlief – auf die Plattform steigen können, genauso wie ich nicht jeden Abend so mĂŒde war, um nicht die fĂŒnf Alustufen zu erklettern, aber nachdem ich einmal meine Gewohnheit unterbrochen hatte, war ich ihr ĂŒberdrĂŒssig geworden



Der Text dreht sich zwar um die Handtasche, aber er dreht sich ins Leere. Er möchte Spannung erzeugen, aber es verpufft alles. Dies tut der Text gleich doppelt: auf sprachlicher Ebene, die wie erwÀhnt, im trocken-sachlichen Journalistenjargon steckenbleibt, aber auch inhaltlich. Es wird keine Geschichte gesponnen. Das Geheimnis der Tasche ist am Ende doch keines. Es ist ein solider Zeitungsartikel.

Um eine ErzÀhlung daraus zu machen, hast du noch Arbeit vor dir. Erfinde ein Geheimnis zu der Tasche und erzÀhl es uns.

Lotte Werther

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calamitas
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2005

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Danke fĂŒr Deine Antwort. DU hast vermutlich recht, mein Journalismus ist etwas zu prĂ€gend geworden in dieser Geschichte. Die etwas altmodischen Wörter sind durchaus bewusst eingesetzt, zum einen, weil mir alte Wörter einfach gefallen, zum anderen stellen sie - finde ich - eine NĂ€he zwischen der Grube und dem Protagonisten her.
Zum weiteren musste ich schmunzeln, denn mir ging es in diesem Text einfach nur darum, die Geschichte der Handtasche zu erzĂ€hlen. Das ist die ganze Geschichte. NatĂŒrlich "verpufft" es am Ende, aber das ist gewollt; nenne es ein Spiel mit Leseerwartungen. Man erwartet ja, dass am Ende etwas passiert oder dass man Hinweise bekommt, was es denn nun mit dieser Handtasche auf sich hat. Aber eine Handtasche ist eine Handtasche ist eine Handtasche. Es geht einfach nur um eine langweilige, durchschnittliche Handtasche, die noch dazu am Rande steht und von allen ĂŒbersehen wird. Ich wĂŒnschte mir, dass die Handtasche beim Leser als leerer Fleck ĂŒbrigbleibt, den er selbst fĂŒllen kann oder auch leer lassen kann, ich wollte nicht den Leser "bedienen". Oder auch ein StĂŒck "RealitĂ€t" abbilden, die manchmal ja auch bedeutungslos, ereignislos ist und nicht immer von irgendeinem Sinn aufgeladen. Den Sinn muss der Mensch in seiner Wahrnehmung der RealitĂ€t ihr erst geben. Das erwartet man ja eigentlich (u.a.) von der Literatur, dass sie genau diesen Prozess vermittelt und ich wollte dies dadurch vermitteln, dass ich es unterlasse - eine gewisse EnttĂ€uschung beim Leser einkalkuliert.

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axel
HĂ€ufig gelesener Autor
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Hallo Calamitas.
ZunĂ€chst eine Frage: Stammt die Geschichte aus der Zeit des WĂŒrth-Wettbewerbes, als sich auf einmal ganz viele Leute Gedanken ĂŒber Handtaschen machten?
Beim Lesen deiner Geschichte hatte ich zwiespĂ€ltige GefĂŒhle:
Einserseits meinte ich ein gewisses Potenzial zu erkennen, aber, und da gebe ich Lotte Recht: Du nutzt es nicht.
Die Beschreibung deiner Absichten in allen Ehren, natĂŒrlich darfst du mit Lesererwartungen spielen und sie auch enttĂ€uschen, aber damit dir das möglich ist, musst du solche Erwartungen erst einmal wecken, und das geht nur, wenn der Text einen gewissen Spannungsbogen aufbaut und dann auch durchhĂ€lt.
Das tut dein Text meiner Ansicht nach nicht.
Was hĂ€ltst du von folgender Idee: Die Geschichte beginnt damit, dass zwei Personen sich auf der Aussichtsplattform unterhalten. Der eine beklagt die Verzögerungen beim Bau, der andere ist froh darĂŒber, dass zunĂ€chst die ArchĂ€ologen das Sagen haben.
Was fĂŒr eine Baustelle das ist, wie wertvoll die alten Mauerreste sein mögen etc. – all das könnte en passant in die Geschichte einfließen und damit viel spannender aufbereitet werden als in dem trockenen Referat deines ErzĂ€hlers.
Vielleicht ist eine dritte Person anwesend, die die beiden StreithĂ€hne mit den notwendigen Informationen versorgen kann, sich ihrerseits aber nur fĂŒr die Frage interessiert, was diese komische Handtasche auf der Baustelle zu suchen hat. Die beiden anderen interessieren sich wenig fĂŒr die Tasche, allerdings suchen sie weiterhin den Kontakt zu der dritten Person, weil die ja so viel mehr weiß, als auf dem Schild steht.
Daraus könnte eine Dynamik entstehen: Als die dritte Person einmal nicht anwesend ist, fangen die anderen beiden an, Mutmaßungen ĂŒber Herkunft und Zweck der Tasche anzustellen. Sie hatten eine ganz wichtige Frage an den Experten, aber der ist ja heute ausnahmsweise nicht da. Und so weiter und so fort.
Das Ende – die Tasche ist weg und alle Fragen bleiben offen – könnte in Ă€hnlicher Form bleiben, doch das ganze Drumherum wĂ€re, wie ich finde, wesentlich ansprechender aufbereitet.
Wenn du mit diesem Vorschlag etwas anfangen kannst (oder jetzt möglicherweise auf eine ganz andere Idee gekommen bist), wĂŒrde ich dir empfehlen, bei der Überarbeitung keinen Schnellschuss abzufeuern, sondern dir Zeit zu lassen. Ein Tipp dazu: Es muss nicht immer chronologisch sein!
„Hat die Tasche in der letzten Woche nicht weiter links gestanden?“ „Nein, Quatsch, da war sie schon lange nicht mehr. Letzte Woche war sie da hinten.“ Was hat der Experte in der letzten Woche gesagt? Wo mag er sein?
Deine Sprache finde ich insgesamt auch durchaus verbesserungswĂŒrdig. „Journalistisch“ wĂŒrde ich sie nicht nennen, denn unter journalistisch verstehe ich: wenig bildhaft, nĂŒchtern, dafĂŒr aber flĂŒssig und gut lesbar, und das ist deine Sprache nur manchmal.
Die Wortwahl hat mich nicht gestört, wohl aber die Konstruktion mancher SĂ€tze, da kann ich mich Lotte durchaus anschließen.
Sind natĂŒrlich alles nur VorschlĂ€ge, aber vielleicht kannst du etwas damit anfangen.
Schönen Gruß von Axel.
__________________
Bis hierhin vielen Dank!
(Friedrich KĂŒppersbusch)

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