Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87776
Momentan online:
521 Gäste und 8 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Die Heimreise
Eingestellt am 17. 06. 2003 21:50


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Mortimer
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2003

Werke: 17
Kommentare: 29
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Die Heimreise

Erste Abendk├╝hle begleitete die heraufziehende Dunkelheit und mit der Hitze wich auch die Anspannung aus den Gesichtern der Menschen. Er sa├č auf seinem Balkon und trank einen Schluck Wasser. Aus den Stra├čencafes drangen ged├Ąmpfte Stimmen und der Wind trieb ihm den s├╝├člichen Geruch der Brasilzigaretten in die Nase. Er starrte auf die Ameisen mit ihren menschlichen Gesichtern herab und durchsuchte sein Herz nach Reue, doch es war leer und vertrocknet. Diese Wesen umgeben von ihren Kokons aus Selbstzufriedenheit waren ihm v├Âllig fremd geworden!

Er freute sich auf seine Heimreise. Soviel hatte er seinen Eltern zu erz├Ąhlen, und sein Vater w├╝rde stolz auf ihn sein. "Wenn er mal gro├č ist, soll er Arzt werden. Genau wie du!", hatte sein alter Herr immer zu seinem Onkel Fahred gesagt und zu seinem 4. Geburtstag hatte ihm Onkel Fahred sein altes Stethoskop geschenkt. Erst hatte er es f├╝r ein Amulett gehalten und wollte es sich um den Hals h├Ąngen bis ihm Onkel Fahred mit ehrfurchtsvoller Stimme seine Verwendung erkl├Ąrte. Schon damals wusste er, dass er mit der Annahme des Geschenkes einen Vertrag unterschrieben hatte, der ihn verpflichtete in die Fu├čstapfen seines Onkels zu treten.

W├Ąhrend des gesamten Medizinstudiums schm├╝ckte es die T├╝r seiner kleinen Studentenwohnung, bis sie eines Tages schwerbewaffnet eindrangen und alles verw├╝steten. Flugbl├Ątter hatten sie gesucht. Dabei hatten sie die Tapeten von den W├Ąnden gerissen und ein Soldat hatte das Bild seiner Eltern mit der R├╝ckseite nach vorn an die Eingangst├╝r geklebt. Mit Spucke. "Wir kriegen dich du Hurensohn!", hatten sie mit krakeliger Handschrift darauf geschrieben und als er die Reste seines Zimmer betrat fiel ihm sofort auf, dass sie das Stethoskop mitgenommen hatten.

Eine Frau mit ihrer kleinen Tochter, die wie ein Derwisch um sie herumtanzte, weckte pl├Âtzlich sein Interesse. Er lehnte sich ├╝ber den Balkon, um sie besser erkennen zu k├Ânnen. Sein Herz machte einen Satz. Auf einmal versp├╝rte er den Drang nach unten zu rennen und das M├Ądchen in die Arme zu nehmen. Doch es konnte nicht seine Schwester sein. Sie w├Ąre l├Ąngst 21 und eine erwachsene Frau. F├╝r einen Moment hatte er wirklich geglaubt sie tanze unten vor seinem Balkon. Er sah ihre strahlenden Augen. Ihr L├Ącheln, mit dem sie die Sonne in jedes Haus getragen hat.Auch kurz nach Ausbruch der Unruhen hatte sie ihnen t├Ąglich etwas zu Essen in ihr Versteck geschmuggelt. "Tut mir leid, heute wieder keinen Champagner!", hatte sie die Jungs immer begr├╝├čt und sie haben sie jedes Mal in den Arm genommen und ihr versprochen, sie bald aus dieser H├Âlle herauszubringen. Sie wussten, dass es eine L├╝ge war. Doch sie schenkte ihnen jeden Tag ein St├╝ck Lebensfreude. Das Wertvollste, was sie in diesem unehrbitterlichen Krieg besa├čen. Daher hatten sie sich nicht getraut, ihr die Wahrheit zu sagen. Doch als sie eines Tages nicht mehr wieder kam, sch├Ąmten sie sich daf├╝r.

Er musste sich jetzt auf den Weg machen. Bald w├╝rde er alles hinter sich lassen. Er f├╝hlte eine innerliche Ruhe, die sich nebelartig in ihm ausbreitete und ihn f├╝r einen kurzen Moment daran denken lie├č, sich auf seine Matratze zu legen und zu schlafen. Doch er durfte keine Zeit verlieren. Um 21:15 Uhr fuhr der letzte Bus. Nr. 320. Er hatte sich diese Zahl herausgesucht, weil sie damit stets zu Onkel Fahred gefahren sind. Auch an dem besonderen Tag.

Er stand mittlerweile an der Busstation und beobachtete die beiden Soldaten, die ihn aufgrund seines Arztabzeichens nicht weiter beachteten. Als sie ihm die Lizenz entzogen haben, hatten sie vergessen alle Signalbinden zur├╝ckzufordern. Der Bus hatte 17 Minuten Versp├Ątung. Das war nichts Besonderes. Die Soldaten durchsuchten einen Studenten und eine verschleierte Frau mit einem Kind. Er musterte sie argw├Âhnisch, sie schien um die 20 zu sein. Ihn winkten sie durch. Anders als an dem besonderen Tag.

Er war gerade 19 geworden und hatte sein 2. Semester hinter sich. Sein Vater wollte mit ihm zu seinem Onkel fahren. Es sollte eine gro├če Feier werden. Ein ganz besonderer Tag. Die Unruhen hatten gerade begonnen und es wurden viele Menschen verd├Ąchtigt, Terroristen Unterschlupf zu gew├Ąhren oder sie in anderer Form zu unterst├╝tzen. Doch sein Vater hatte f├╝r diese Leute nichts ├╝brig. Sie s├Ąten die Gewalt, die die Unschuldigen ernteten. Das waren seine Worte.

Die Gastst├Ątte seines Onkels wurde 2 Tage vorher vom Milit├Ąr geschlossen. Die Regierung f├╝rchtete in Onkel Fahreds Restaurant w├╝rden politische Versammlungen abgehalten werden. Sie konnten gerade noch rechtzeitig eine alte Industriehalle mieten. Doch die Verpflegung bereitete ihnen Kopfzerbrechen. Nur noch 2 Tage Zeit und das Stra├čennetz bestand zum gr├Â├čten Teil aus Sperren. Um dort durchzukommen, h├Ątten Sie die H├Ąlfte Ihrer Lebensmittel an die Soldaten ÔÇ×spendenÔÇť m├╝ssen. Daher hatte seine Mutter sich bereit erkl├Ąrt, das Meiste aus eigenen Zutaten am h├Ąuslichen Herd zuzubereiten. Sie wollte sp├Ąter nachkommen.

Der Bus mit der Nr. 315 hatte an diesem besonderen Tag nur 5 Minuten Versp├Ątung. Sein Vater und er hatten gerade die Kontrolle passiert als sich seine Mutter rennend dem Bus n├Ąherte. In der Hand schwenkte sie einen schwarzen Rucksack. Sie rief seinem Vater zu, er solle das Fleisch noch mitnehmen, sonst m├╝sse sie nachher mit einer Kamelkarawane nachkommen. Die Soldaten konnten Sie nicht verstehen und starrten sie an. Als sie sah, dass sich die T├╝r schloss warf sie den Rucksack durch den enger werdenden Spalt in das Fahrzeug. Kurz darauf fiel der Schuss. Sie war sofort tot, stellte der Arzt sp├Ąter fest.

Als sein Vater und er aus dem Bus st├╝rzten hielten sie die Soldaten zur├╝ck. Der Rangh├Âhere der beiden beugte sich ├╝ber seine Mutter und ├Âffnete ihr das Kleid. Anscheinend wollte er nachsehen, ob sie einen Sprengstoffg├╝rtel trug. Sein Vater riss sich los und warf sich auf den Offizier. Sein Kamerad holte aus und schlug seinen Vater von hinten mit dem Gewehr zu Boden. Er starb sp├Ąter im Krankenhaus an den schweren Kopfverletzungen.

Jetzt sa├č er im Bus mit der selben Nummer. Er begann leise zu beten. Dann wartete er. Der Bus erreichte die belebte Einkaufspassage. Die Versp├Ątung betrug mittlerweile 24 Minuten. Er dachte an seine Eltern. Im Augenwinkel bemerkte er, dass ihn die verschleierte Frau mit dem Kind anstarrte. Als sie den Schleier anhob, erkannte er das Gesicht. Doch sein Daumen hatte den Z├╝ndmechanismus schon ausgel├Âst. Auch heute w├╝rde es keinen Champagner geben!

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

Werke: 27
Kommentare: 399
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um majissa eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Mortimer,

eine spannende Geschichte mit einem guten Einstieg und einem schockierenden Ende. Wenn ich es richtig verstanden habe, erkennt der Protagonist im Bus seine Schwester, hat aber schon den Z├╝ndmechanismus ausgel├Âst? Somit w├Ąren ja dann nahezu alle Familienmitglieder ausgel├Âscht. Das ist makaber, aber durchaus gut gemacht.
Ja, es hat mir gefallen, die ├ťberraschung war nicht vorhersehbar und bis auf einige Kleinigkeiten, die mir noch auffielen, habe ich nichts zu bem├Ąngeln.

ÔÇ×Genau wie du!ÔÇť, hatte sein alter Herr immer zu seinem Onkel Fahred gesagt und zu seinem 4. Geburtstag hatte ihm Onkel Fahred sein altes Stethoskop geschenkt.ÔÇť

In obigem Satz findet sich zuviel ÔÇ×seinÔÇť.

Im dritten Absatz und stellenweise im ├╝brigen Text ├╝bertreibst du es mit ÔÇ×hatteÔÇť.

Der Lobgesang auf die Schwester ist eine Spur zu ├╝bertrieben. Da w├╝rde ich k├╝rzen.

ÔÇ×Das Wertvollste, was sie in diesem unehrbitterlichen Krieg besa├čen.ÔÇť

Du meinst sicher ÔÇ×unerbittlichÔÇť.

ÔÇ×Die Gastst├Ątte seines Onkels wurde 2 Tage vorher vom Milit├Ąr geschlossen.ÔÇť

2 Tage vor genau welchem Ereignis wurde die Gastst├Ątte geschlossen? Vor dem besonderen Tag? Im ├╝brigen erw├Ąhnst du ihn recht h├Ąufig. Zu h├Ąufig. Beim ersten Mal erzeugt das noch Neugier, aber beim dritten Mal beginnt es, zu nerven.

Vom Ausdruck her f├Ąllt der zweite Teil schw├Ącher aus als der erste. Da k├Ânntest du noch dran feilen.

Liebe Gr├╝├če
Majissa

Bearbeiten/Löschen    


Mortimer
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2003

Werke: 17
Kommentare: 29
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Liebe Majissa,

vielen Dank f├╝r deinen Beitrag! Mit deiner Vermutung bez├╝glich des Ausgangs der Story liegst du genau richtig.

Ich hab die Geschichte ab der Mitte relativ z├╝gig zu Ende geschrieben, daher wahrscheinlich die M├Ąngel im Ausdruck. Wenn ich Zeit hab, werde ich eine ├╝berarbeitete Fassung ins Netz stellen.

Liebe Gr├╝sse
Mortimer

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Erz├Ąhlungen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!