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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Die Hitze des Blutes
Eingestellt am 12. 08. 2003 22:15


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Scarlett
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2003

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Erbarmungslos schien die frĂŒhe Sonne auf die ohnehin schon zu verdörren beginnende Erde!

Rebecca schirmte ihre Augen ab und blickte ĂŒber die in der Hitze flimmernden HĂŒgel der Toskana ...

Sie war sehr zeitig aufgestanden, um dieses Schauspiel betrachten zu können! Seit dem Tod ihres Mannes hatte sich die begnadete Malerin in das gemeinsame Landhaus in der Toskana zurĂŒckgezogen! Sie war noch nicht bereit, ihr Leben mit anderen Menschen zu teilen.

WĂ€hrend Rebecca die, der unbarmherzigen Sonne ausgelieferte, Landschaft um sie herum betrachtete, erlaubte sie sich, ihr kurzes Leben Revue passieren zu lassen!

Nach dem mehr als erfolgreichen Kunststudium verliebte sie sich augenblicklich in den wundervollen Maler Andreas Gruber, der ihr eine Auszeichnung verlieh!

Ein zĂ€rtliches, jedoch von Wehmut begleitetes LĂ€cheln huschte ĂŒber ihr Gesicht, als sie an diesen Abend zurĂŒckdachte! Als Andreas sie damals mit seinen dunkelbraunen Augen und den hellbraunen Locken anstrahlte – selbst, wie sie erst spĂ€ter erfahren sollte, gebannt von ihrer eigenen Schönheit – war es um sie geschehen!

Noch fĂŒr den gleichen Abend verabredeten sie sich und bereits ein halbes Jahr spĂ€ter hielt er um ihre Hand an ...

Zweiflern im Bekanntenkreis, die das GlĂŒck der beiden nicht akzeptieren wollten und die Tatsache, dass Rebecca eine 25 Jahre alte Schönheit und Andreas ein 50 Jahre alter Mann war, als Schande ansahen, begegneten sie stets mit einem LĂ€cheln!

Sie waren glĂŒcklich und etwas anderes zĂ€hlte nicht!

Rebecca hatte ihre Eltern frĂŒh verloren und sich ganz ihrer großen Liebe, der Malerei, hingegeben! FĂŒr besonders schön hielt sie sich nie, doch das war sie in den Augen eines jeden Menschen, der ein einziges Mal in ihr Gesicht blickte!



Von ihrer Mutter hatte Rebecca samtweiches, schwarzes, dickes Haar geerbt, das in wundervollen Wellen beinahe bis zur Taille reichte ... Hier kamen ihre spanischen Vorfahren voll und ganz durch ... ihr Teint war bronzefarben und wechselte bei starker Sonne zu einem unglaublich dunklen Ton, was sie wie eine Indianerin wirken ließ. Ihre Augen waren von einem so dunklen Braun, dass man sie stets fĂŒr schwarz hielt!

Ihre ZĂ€hne waren ebenmĂ€ĂŸig weiß und Rebecca betrachtete sie als Geschenk des Himmels, da sie bei Zahnarzt-Besuchen stets nach der ersten BegrĂŒĂŸung des Zahnarztes die Praxis schon wieder verlassen konnte!

Bei einer GrĂ¶ĂŸe von 1,70 m standen ihr die nur 55 Kilo fantastisch zu Gesicht!

Sie hatte sich noch nie eine Vorstellung davon gemacht, wie betörend sie auf die Außenwelt ansprach und es war ihr auch egal!

Es zÀhlte einzig und allein Andreas!

Nach den Flitterwochen, die sie in Ägypten verbrachten, ein großer Traum von Andreas, blieben sie in Andreas` wunderschönem Haus in der Toskana, etwa 70 km von Florenz entfernt ...

Einsam genug, um sich vollkommen der Malerei und ihrer jungen Ehe zu widmen! Sie genossen die lauen Abende, wenn es einfach nicht dunkel werden wollte und sie sich bei einem guten Glas toskanischen Weines unterhielten!

An einem dieser Abende erst erzĂ€hlte ihr Andreas von seinem Sohn Dominik, der in Australien lebte! Andreas und Dominik`s Mutter hatten nie geheiratet, da sie als herausragende Schauspielerin nicht auf ihre Karriere verzichten wollte! Über all die Jahre jedoch hatten sie ein freundschaftliches VerhĂ€ltnis gepflegt und noch vor seinem achtzehnten Geburtstag erfĂŒllte sich Dominik den Traum seines Lebens und wanderte nach Australien aus! Seit er ein kleiner Junge war, hatte er jedes Buch, jede noch so kleine Information ĂŒber diesen Kontinent verschlungen und immer wieder betont, er werde einst dort leben!

Als er seine Eltern dann eines Tages zum Essen einlud und ihnen das Flugticket nach Perth zeigte, war der Schmerz des Verlustes zwar sehr groß, jedoch hatten sie ihn immer zur SelbstĂ€ndigkeit erzogen und akzeptierten seine Entscheidung schweren Herzens!

Die flirrende Hitze verwandelte die HĂŒgel nun in gleißendes Licht ...

Rebecca dachte an den Tag zurĂŒck, der ihr Leben in so grausamer Weise verĂ€ndern sollte!

Andreas wollte eine bestimmte Szenerie malen und machte sich schon sehr frĂŒh auf den Weg! Rebecca schlug ihm vor, einen leckeren Salat zum Mittagessen zu bereiten und Andreas versprach, um spĂ€testens 12 Uhr wieder bei ihr zu sein!

Da er trotz seiner Malerei, bei der Andreas alles vergessen konnte, die PĂŒnktlichkeit selbst war, spĂŒrte Rebecca ein schmerzhaftes GefĂŒhl in der Magengegend, als es bereits 14 Uhr zu werden schien – ohne ein Lebenszeichen von Andreas!

Mit einem Handy und einem großen Sonnenhut bestĂŒckt, marschierte Rebecca in die Richtung, die Andreas gegangen war! An einem Baum lehnend, vor sich die Staffelei, fand sie ihn! Zuerst sah es aus, als sei er in der wohligen WĂ€rme eingeschlafen, dann jedoch spĂŒrte sie die KĂ€lte des Todes und kauerte neben ihm nieder!

Sie rief den Krankenwagen, doch die Ärzte konnten im Krankenhaus nur noch seinen Tod durch Gehirnschlag feststellen! Er hatte zumindest nicht gelitten! Rebecca fing an, am Leben zu verzweifeln! Konnte das sein? Er war doch erst 51 Jahre alt gewesen und so voller VitalitĂ€t und Kraft, dass er jedem jungen Menschen leicht etwas vormachen konnte!

Eine Gestalt nĂ€herte sich ihrem Landhaus und Rebecca versuchte die Augen noch besser abzuschirmen. Plötzlich erstarrte sie und das Blut schien ihr trotz der sengenden Hitze in den Adern zu gefrieren! Das war eindeutig Andreas, der da auf sie zukam, jedoch in junger AusfĂŒhrung! Dann stand der Mann vor ihr ...

Sie konnten beide den Blick nicht vom Anderen nehmen und endlich brach er das Schweigen:

„Du musst Rebecca sein! Ich bin Dominik, sein Sohn ! Man hat mir im Dorf bereits gesagt, was mit Vater geschehen ist ... Ich wĂŒrde Dir gerne etwas erzĂ€hlen!“

Sie bot ihm, etwas unsicher, einen Platz auf der schattigen Veranda an und holte einen Krug eisgekĂŒhlter Zitronen-Limonade fĂŒr sie beide!

Dominik begann zu erzÀhlen ...


Wie Rebecca erfuhr, hatte Andreas seinem Sohn von seiner Hochzeit geschrieben und dass er noch nie so glĂŒcklich war. Allerdings wurde sein Leiden immer schlimmer, was ihn sehr bedrĂŒckte!

Schon sein ganzes Leben lang hatte Andreas mit einem „Defekt“ im Gehirn zu tun und wusste, dass ihn eines Tages dieses Schicksal ereilen wĂŒrde! Aus Angst, Rebecca zu verlieren oder nur ihr Mitleid zu erhaschen, hatte er stets geschwiegen!

Rebecca hörte fassungslos zu und begriff nun, weshalb da diese furchtbaren Kopfschmerz-Attacken waren, die Andreas immer hÀufiger heimgesucht hatten!

Er musste instinktiv etwas geahnt haben, denn er bat Dominik in seinem Brief zu kommen ... Mit trauriger Stimme sagte er ihr, dass er seine Stelle als ViehhĂŒter aufgegeben hatte und sich nun ebenfalls der Malerei widmen wollte, die ihm, wie seinem Vater im Blut lag und die er in Australien in den unzĂ€hligen, einsamen Stunden vervollkommnet hatte!

Rebecca schĂŒttelte den Kopf! Konnte es so etwas geben ??? Wiederholte sich da gerade nicht alles ???

Sie spĂŒrte eine so warme Zuneigung zu seinem Sohn, der in ihrem Alter sein mĂŒsste, als sei Andreas in diesem Moment ganz nahe bei ihr ... als sei er durch seinen Sohn zu ihr zurĂŒckgekehrt!

Als Dominik behutsam ihre HĂ€nde in die seinen nahm und ihr tief in die Augen, bis an den Grund ihrer Seele, blickte, wusste sie, dass es weitergehen wĂŒrde! Dass sie mit Andreas` Sohn eine neue Chance im Leben bekam ... Sie konnte sich in ihn verlieben ohne ihn stĂ€ndig mit seinem Vater vergleichen zu mĂŒssen – er war bereits ein Teil von Andreas!

Rebecca spĂŒrte, wie seine HĂ€nde eine WĂ€rme in ihr ausbreiteten, die nichts mit den hohen Temperaturen des Tages zu tun hatte – es war:

Die Hitze des BLUTES ....







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blaustrumpf
???
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Hallo, Scarlett

Da hast du dir ja ein heftiges Thema vorgenommen fĂŒr deinen ersten Beitrag in der Leselupe.

Jetzt, drei Tage spĂ€ter, hat noch niemand einen Kommentar dazu geschrieben - komisch, nicht wahr? Es gibt Texte, auch ganz kurze, da ist fĂŒnf Minuten nach ihrer Veröffentlichung schon "die Hölle los", um es einmal salopp auszudrĂŒcken.

Was hĂ€lt also die Kommentierenden hier zurĂŒck? Die Antwort, die ich mir zurechtgelegt habe, ist nicht besonders schön: Dein Text genĂŒgt nicht. Was soll das heißen? Es gibt doch auch erbarmungslose Verrisse. Warum kam - bis zu diesen Zeilen - also hier nichts?

Es liegt an einer Beißhemmung. "Die Hitze des Blutes" ist der erste Text, den du hier veröffentlichst. Da ĂŒben die meisten noch Nachsicht. Lieber schreiben sie gar nichts, als dir gleich eins auf die Finger zu geben. Aber hilft dir das, dein Schreiben weiter zu entwickeln? Hier also sind ein paar Punkte, die mir besonders ins Auge stachen. Und auch ich versuche, sehr vorsichtig mit meinen Äußerungen zu sein.

Was fĂŒr eine persönliche Beziehung hast du zum Ausrufungszeichen? Ich habe mir einmal die MĂŒhe gemacht und Word die Satzzeichen zĂ€hlen lassen. Resultat: 49. Enthalten alle 49 SĂ€tze so wichtige Informationen, dass sie so gekennzeichnet sein mĂŒssen?

Ein guter Test, ob ein Ausrufungszeichen notwendig ist, bleibt das laute Lesen. Lies dir mal deine ErzÀhlung vor, und jedesmal, wenn der Satz nicht mit einem Punkt endet, dann lies ihn mit erhobener Stimme. Wieviele Ausrufungszeichen sind jetzt noch nötig?

Als nĂ€chstes ist natĂŒrlich zu loben, dass du keine Angst vor AbsĂ€tzen hast. Wenn der Text in einem großen Block steht, macht das auch keine Freude. Allerdings sind deine AbsĂ€tze nun schon wirklich sehr kurz.

Aber gehen wir doch einmal ans Eingemachte: Die Geschichte, die du erzÀhlst, lÀsst sich ja auch sehr knapp zusammenfassen. "Eine Kunststudentin verliebt sich in einem doppelt so alten Maler. Schon bald nach der Hochzeit stirbt der Mann. Sein Sohn aus erster Ehe kommt heim und die junge Witwe findet Trost."

So ist das noch keine ErzĂ€hlung, das ist das GerĂŒst. Da muss Leben hinein, Anekdoten, Farben, GerĂŒche. Das hast du sehr gut erkannt. Aber warum erfahren wir mehr ĂŒber die Zahnarzt-Stippvisiten deiner Rebecca als darĂŒber, was und wie sie eigentlich malt?

Und warum sind eigentlich alle so unglaublich schön? So hart es auch ist, das zu lesen: Du bedienst mehr die Klischees als deine Leser. NatĂŒrlich muss es die Toskana sein, Ägypten, Australien. NatĂŒrlich brennt die Sonne, der Sohn ist ViehhĂŒter - kann man in Australien nichts anderes werden? Alle sind begabt, alle sind schön, alle sind verstĂ€ndnisvoll.

Das muss doch wohl nicht wirklich sein. Mach Menschen aus deinen Figuren. Und wenn du schon beim Überarbeiten bist, dann bau auch noch einen Zeitsprung ein. So wie sich der Text jetzt liest, ist Andreas noch nicht unter der Erde, da entbrennt Rebecca schon fĂŒr seinen Sohn, den sie gerade erst kennen gelernt hat. Das funktioniert nur in Groschenromanen. Und im deutschen Sprachraum bekommst du fĂŒr einen Groschen vielleicht noch beim MĂŒnzhĂ€ndler irgendetwas. Aber keine Literatur.

Ich hoffe, du verstehst diesen Kommentar als Ermunterung. Jede/r fÀngt irgendwann irgendwo einmal an. Das ist keine Schande. Es ist auch keine, irgendwo irgendwann stehen zu bleiben. Aber sich nie aufzumachen, das ist eine.

Schöne GrĂŒĂŸe von blaustrumpf
__________________
DafĂŒr bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

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Scarlett
Schriftsteller-Lehrling
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Hallo Blaustrumpf,

vielen Dank fĂŒr Deinen Kommentar.

Ich kann einfach nur sagen, daß Du in jedem Punkt Recht hast.

Zum AusfĂŒhrungszeichen hatte ich schon immer eine besondere "Beziehung" und meine Figuren stellen - das merke ich jetzt erst - meine Wunschvorstellungen dar.

Alles in allem denke ich jedoch, daß es ohnehin nicht einfach ist, ein ganzes Leben in vier DIN A-4-Seiten zu packen und daß mir das mit "Hitze des Blutes" ganz gut gelungen ist.

Ich gelobe beim nÀchsten Werk "Besserung" :-))

Apell an alle anderen Juroren-Mitglieder:

zerreißt die Geschichte nur ordentlich, aber bitte antwortet. Ich möchte daraus lernen.

Viele GrĂŒĂŸe
SCARLETT

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uweboe
???
Registriert: Aug 2003

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... meine Hochachtung, Blaustrumpf, konstruktive Kritik ist etwas sehr seltenes und selbst wenn man sie beherrscht, so heißt das noch lange nicht, daß man den Mut findet, sie zu Ă€ußern!!! (Die ! sind fĂŒr Scarlett)

Liebe Scarlett,

wenn man "Ideen", ob Gedicht oder Prosa, niederschreiben möchte, so denke ich, daß das Beobachten und Zuhören, das schrankenlose Beobachten und Zuhören wohl vor dem Schreiben an sich den höheren Stellenwert hat.
... ich will damit sagen, daß unser "Hauptlehrer" das pure Leben sein wird, soweit wir ihm offen gegenĂŒberstehen.

In Deiner ErzĂ€hlung findet sich vieles von dem, was uns Menschen sehr nahe geht, von dem, was wir gerne verstehen wĂŒrden, von dem, was an uns zehrt.

Wenn Deine Geschichte auch Klischees bedient, so finde ich sie dennoch sehr gelungen ... allerdings ist es mir persönlich "ĂŒberhaupt noch nie" gelungen "ein ganzes Leben" auf was-weiß-ich wieviele Seiten zu bannen!

GrĂŒĂŸe, Uwe

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Scarlett
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2003

Werke: 4
Kommentare: 3
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Lieber Uwe,

Du kannst Dir nicht vorstellen, wie unsagbar es mich freut, eine derart "aufbauende" Resonanz, wie von Dir, zu lesen.

Ich danke Dir einfach aufrichtig dafĂŒr und freue mich schon jetzt auf weitere Werke, in denen ich versuchen werde, die konstruktiven Kritiken zu verarbeiten.

Viele GrĂŒĂŸe
Scarlett

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