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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Die Kerze
Eingestellt am 20. 01. 2002 16:24


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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 115
Kommentare: 81
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Die Laternen sind erloschen. Der Platz ist vereinsamt und nur schwach beleuchtet vom Fensterlicht der Kirche. Es ist ein altes Bauwerk. Zwei kleinere FlankentĂŒrme, der eine mit einem Hahn, der andere mit einem Kreuz. Über dem Chorraum ragt der Glockenturm mit der Lilie auf der Zinne. Wind seufzt um SandsteinwĂ€nde, um steinerne Zierdornen und Relieffiguren. Und durch die Äste der Platanen auf dem Vorplatz. Unter den Wipfel wimmeln sĂ€uselnde Schatten. Verdichtete Dunkelheiten huschen aufeinander zu, verharren kurz voreinander mit sirrendem Gesang und geistern dann weiter.
Ob in der Finsternis noch weitere HÀuser stehen, kann man nicht erkennen. Doch kommt eine Frau auf den Platz und blickt verunsichert umher, als habe sie sich verirrt. Ihr Gesicht wirkt verbraucht, ihre Haltung gebeugt. Ihr graues Haar aber ist frisiert, und trotz des schneidend kalten Windes trÀgt sie nur ein feines, schwarzes Kleid. Zögerlich geht sie auf die Kirche zu, Kies knirscht unter ihren Schuhen.
Vor dem Portal bleibt die Dame stehen. Einer der leise singenden Schemen gleitet an ihr vorbei. Sie wendet sich zu ihm um, horcht, als habe sie eine Stimme erkannt, die Worte aber nicht verstanden. Sie runzelt die Stirn, schĂŒttelt den Kopf und schaut am GemĂ€uer empor. Über dem Eingang zeigt ein großes, von innen beleuchtetes Fenster das Abbild der heiligen Agatha.
Die alte Frau seufzt leise. "Jetzt darf ich mir wohl sicher sein", murmelt sie. "Nun also." Sie gibt sich einen Ruck und öffnet die FlĂŒgeltĂŒr. Weihrauchduft wallt ihr so heftig entgegen, dass ihr fĂŒr einen Augenblick der Atem schwindet. Sie verzieht das Gesicht und fröstelt, obwohl es hier wĂ€rmer ist als draußen. Das SĂ€useln der Schatten ist noch zu hören.
An langen Strippen hĂ€ngen Lampen vom Gewölbe herab, verbreiten mattes Licht ĂŒber hölzerne BĂ€nke. Keine Menschenseele ist zu sehen. Die Statuen der Evangelisten hocken auf Sockeln an den vier SĂ€ulen, wie weltvergessen in ewige Studien vertieft. Zu einer ĂŒberdachten Kanzel fĂŒhrt eine kurze Wendeltreppe, umringt von den zwölf Begleitern Christi. SteinbĂ€rtig und ernst stauben sie unter ihren Kreolen. Der gerĂ€umige Chorraum erscheint weit entfernt. In seiner Mitte steht der Altar mit dem zusammengeklapptem Triptychon. Auf der Bekrönung thront der Gekreuzigte.
Die stumme Erhabenheit des dunklen GemĂ€uers drĂŒckt der Dame den Atem zusammen. Ohne hinzuschauen benetzt sie die Finger im Weihwasserbecken, fĂŒhrt sie zur Stirn, zur Brust, zu den Schultern. Dabei verzieht sie die Miene wie ein Kind, das von seinen Eltern in die Messe geschleift wurde. Sie will weitergehen, zögert jedoch, als traue sie sich nicht durch das offene GelĂ€nde des Mittelganges. Daher wendet sie sich dem linken Seitenschiff zu. Das klackende GerĂ€usch ihrer AbsĂ€tze steigt vom Steinboden auf und verwandelt sich zu einem vielfachen Echo. Bei fast jedem Schritt zuckt sie zusammen, ihr Blick schweift in stĂ€ndiger Suche umher. Neben ihrem Wege spielt sich in Fresken das Martyrium Christi ab. Mit verbissenem Gesicht folgt sie seinem Gang nach Golgatha. Bis zu einer Nische seitlich des Chorraums. Vor einem großen Bild steht eine Kniebank und ein schwarzes Gestell. Erstarrte Wachstropfen verzieren das Blech. Rechts davon ein Kasten mit Kerzen und eine BĂŒchse mit der Aufschrift ‚Opferlicht: 1 Groschen'.
Die Frau runzelt die Stirn, beugt sich ein wenig vor, um in den Kasten zu schauen. Alle Kerzen sind ebenmĂ€ĂŸig dick, und weiß wie Knochengebein. Sie merkt, dass sie zittert. Plötzlich richtet sie sich wieder auf, wendet den Blick umher, als habe sie sich bei etwas ertappt, das sie unterlassen wollte. Niemand ist zu sehen.
Sie holt tief Luft und schaut zu dem GemĂ€lde, das die gesamte hintere Wand der Nische ausfĂŒllt. Es scheint uralt, Risse durchfurchen die Farbe der Gesichter. Eine halbnackte Frau wird von mehreren MĂ€nnern umringt. Ihr Antlitz ist von einem dĂŒnnen Heiligenschein umkrĂ€nzt. SchmerzerfĂŒllt und gepeinigt, doch voller Hoffnung auf Erlösung, schaut sie empor. Einer der MĂ€nner drĂŒckt ein Tuch an ihren Oberkörper. Ein anderer trĂ€gt ein Tablett. Wie gebannt steht die Dame vor dem Bildnis, die HĂ€nde unbewusst gefaltet, das Gesicht eine vergrĂ€mte Maske.
"Sankt Agatha von Catanien."
Erschrocken dreht die Frau sich um. Ein Herr im langen Mantel, offenbar KĂŒster, lĂ€sst ein GerĂ€t sinken, mit dem er eben die letzte Kerze zwischen den Kreuzgangfresken entzĂŒndet hat. Freundlich lĂ€chelnd wendet er sich ihr zu. "Ein prĂ€chtiges Bild, nicht wahr? Unbekannter Meister. Viele sagen, es wirke so echt, als sei er selbst dabei gewesen." Er ist recht beleibt. Sein weißes Haar bedeckt eine wollene Tonsurkappe. Die HĂ€nde stecken in fingerlosen Handschuhen. Er haucht die kleine Flamme am Wachsdocht aus und kommt nĂ€her. Pantoffel verschlucken die Laute seiner Schritte. "Entschuldigen Sie. Ich wollte Sie nicht erschrecken."
Die Dame hĂ€lt eine Hand an die Brust gedrĂŒckt. "Sie sind es." Ihre bebenden Worte sind Frage und Feststellung zugleich.
"NatĂŒrlich", lĂ€chelt der KĂŒster. "Um diese Zeit ist sonst niemand mehr hier."
"Und ... Sie zĂŒnden hier ... wieder die Kerzen an?"
Er mustert die Frau aus hellblauen Augen. "Ja", sagt er nach einer Pause und stellt den KerzenanzĂŒnder auf dem kleinen Blasebalg ab. "Ich zĂŒnde die Kerzen immer wieder an. Bis sie heruntergebrannt sind."
Stille schneidet den Hall seiner Worte wie ein unsichtbares Messer ab. Draußen beginnt Wind zu sĂ€useln, PlatanenĂ€ste kratzen ĂŒber die bunten Kirchenfenster.
Die Augen des KĂŒsters wenden sich nicht von ihr ab. Nur mit MĂŒhe kann die Frau seinem Blick standhalten. "Und Sie sind immer noch hier", sagt sie endlich mit angestrengtem Plauderton.
"Das ist meine Aufgabe. Ich gehöre hier her."
Ihr Nicken ist verkrampft. "Kommt ... jeder hierher, der eine Aufgabe zu erfĂŒllen hat?" formuliert sie vorsichtig.
Der KĂŒster schmunzelt, schlurft zu einer der KirchenbĂ€nke und legt sein GerĂ€t ab. "Manche kommen, um Trost zu finden, andere, um Buße zu tun." Er zuckt mit den Schultern und lĂ€sst sich gemĂ€chlich nieder. "Aber die meisten kommen nur, weil sie das GefĂŒhl haben, es zu mĂŒssen. Dass es richtig sei, hierher zu kommen."
"Ich wusste schon lange nicht mehr, was ich fĂŒhle. Die letzten zwanzig Jahre kam ich mir wie abgestorben vor. Doch jetzt fĂŒhle ich mich ... anders."
"Befreit?" versucht er zu helfen.
Sie schaut ihm fest in die Augen. "Jetzt bin ich gestorben. Habe ich recht?"
Er lĂ€chelt sanft. "MĂŒssen wir das nicht alle?"
"Wie soll ich mir da bei Ihnen sicher sein?" Keine Antwort. "Ich war schon einmal hier", sagt sie schließlich. "Ist schon lange her. WĂ€hrend des Krieges. Ich war sechs. Einige Tage vorher kam im Radio die Nachricht, die Tommies hĂ€tten wieder Hamburg bombardiert. Meine Tante lebte da oben, und ihr Sohn Hermann, mein Cousin, war ums Leben gekommen bei dem Angriff. Das hatten wir gerade erfahren. Und ich erinnere mich, wie am selben Tag das GerĂŒcht umging, der Rudolf Heß sei in England mit dem Flugzeug abgestĂŒrzt. Da hat mir meine Mutter aufgetragen, in der Kirche Kerzen anzuzĂŒnden. Eine fĂŒr den Hermann und eine fĂŒr des FĂŒhrers Stellvertreter. Mein jĂŒngerer Bruder hieß ebenfalls Rudolf."
Sie ließ den Blick ĂŒber die BĂ€nke schweifen. "Es war ein Montagabend, weiß ich noch, und sehr voll hier. Ich betete, irgendwo da vorne. Das Vaterunser konnte ich noch nicht, aber fĂŒr den Hermann habe ich gebetet. Zwei Jahre zuvor war er bei uns gewesen und wir hatten miteinander gespielt. Ich bat den Lieben Gott um einen Spielkameraden fĂŒr den Hermann im Himmel." Bei dieser Erinnerung lĂ€chelt sie. "Was man eben so betet als Kind. - Danach ging ich hier zum OpferkerzenstĂ€nder. Meine Mutter hatte mir zwei Groschen mitgegeben und ich sollte jemanden fragen, ob er mir die Kerzen anmacht. Ich selber durfte nicht mit Feuer hantieren. Also warf ich das Geld in die BĂŒchse und griff in den Kerzenkasten. Ich schaute nicht hin. Die heilige Agatha beobachtete mich."
Die Frau hat sich dem Bildnis zugewandt, dem gen Himmel gerichteten Blick der MĂ€rtyrerin. Sie runzelt die Stirn. "Ich war mir sicher, dass sie mich beobachtete", wiederholt sie mit Nachdruck. Um ihre Mundwinkeln bilden sich verkniffene Falten. "Ich habe mir den Tag immer wieder in Erinnerung gerufen. Bis zu diesem Zeitpunkt war er ganz normal. FĂŒr die damaligen VerhĂ€ltnisse. Der Tod hatte in unser Leben Einzug gehalten. Wir mussten jeden Tag mit ihm rechnen. Es war nicht die erste Kerze, fĂŒr die ich in die Kirche ging." Sie stockte. "Aber es war das erste Mal, dass ich eine schwarze Kerze zu sehen bekam. Ich war so beunruhigt wegen des Bildes, griff blind in den Kasten und hielt sie auf einmal in der Hand. Schwarz und unförmig ist sie gewesen. Nicht so weiß und schlank wie die da." Sie winkt zu dem OpferstĂ€nder hinter sich, schaut dann zu dem Mann, der ihr stumm zuhört. "Erinnern Sie sich nicht an mich?" Ihre flache Hand zeigt waagerecht in Höhe ihres Bauches. "So groß. Blond. Mit langen Zöpfen. Auch damals haben Sie ganz plötzlich hinter mir gestanden. Sie griffen nach meinem Handgelenk und hielten es so fest umgriffen, dass es weh tat. Dabei starrten Sie mich und diese Kerze an, als hĂ€tte ich etwas Schlimmes angestellt."
Der KĂŒster nickte. "'Die war da drin', hast du gewimmert. ‚Ich habe sie bezahlt. Aber ich hĂ€tte gerne eine andere.'"
"Ja. Dieses MĂ€dchen war ich. Und Sie sagten: ‚Aber weißt du denn nicht, was das ist, Kind?'"
"Du hast nicht geantwortet."
"Vor Furcht."
"Du fingst an zu weinen."
"Dann haben Sie mich mit sich gezerrt."
"Und du hast dich wehrlos hinter mir herziehen lassen. Ohne ein Wort. Kein Kirchenbesucher wurde auf dich aufmerksam."
"Man hatte mir beigebracht, in einer Kirche nicht laut zu sprechen." Sie hielt inne. Auch der KĂŒster schwieg, bewegungslos die ganze Zeit.
"Sie haben sich kein bisschen verÀndert. Seit damals nicht." Sie wartete auf eine Reaktion oder eine Antwort. Doch der Herr schaute sie nur an.
"Gibt es sie noch?" fragt sie. Ihr nervöser Blick schleicht zu einer TĂŒr, die in einem dunklen Teil des Kirchenschiffs gegenĂŒber liegt. "Die Krypta. Ist sie noch da?"
Er greift nach seinem AnzĂŒnder. Beugt sich vor, um sich zu erheben. "Möchtest du noch ein Mal hinunter?"
"Nein!" antwortet sie schnell. "Nein. Ich ... will nicht noch einmal ... da rein."
Er lehnt sich wieder zurĂŒck, als habe er ihre Antwort geahnt. Sie sieht ihn an, doch ohne ihn zu sehen. "Diese vielen Kerzen. Ich habe sie nie vergessen, trĂ€umte sogar von ihnen, von dem Raum da unten. Neulich erst. Alles ist noch so klar. Dieser weite Raum. Die StĂ€nder aus schwarzem Guß. Die Figuren zwischen den eisernen Stalagmiten. Die Kröten, Raben, Echsen und Schnecken. Wie Schattengeburten. So wie der ganze Raum fĂŒr mich mein Leben lang wie ein Schatten war. Wie etwas, an das ich mich immer erinnerte, was aber so unwirklich erschien, dass ich es kaum glauben konnte. - All diese Kerzen. Dicht an dicht, in langen Reihen. Auf mehreren Ebenen, an den WĂ€nden entlang, um SĂ€ulen herum, bis unter die niedrige Decke, die ganz schwarz war vom Ruß. Viele haben so stark getropft, als wĂŒrden sie ausbluten, und ihr Wachs flutete um die StalagmitenzĂ€hne. Überall Kerzen. Wie aufrecht stehende Knochen. Aber alle waren weiß. Wie Opferkerzen eben. - Ich hielt meine schwarze immer noch in der Hand. Und ich weinte. Obwohl ich wusste, dass ich unter einer Kirche war, hatte ich schreckliche Angst. Überall flackerten die Schatten der Höllentiere ĂŒber die WĂ€nde und es sah aus, als wĂŒrden sie sich ĂŒber meine Furcht amĂŒsieren und lachen. Und Sie, Sie zogen mich immer weiter in das Gewölbe hinein und haben dabei stĂ€ndig so dumpf gemurmelt. Ich höre Ihre Worte noch genau. ‚Sie sind wertvoll, diese Kerzen', haben Sie geflĂŒstert. ‚Viel wertvoller, als du glaubst. Sie sind lebendig. Sie sind Leben. Ihr Licht will pfleglich behandelt und beschĂŒtzt werden. HĂŒte dich aber auch vor ihnen. Viele von ihnen tanzen ein heißes Leben. Ist ihr Tanz zu stĂŒrmisch, brennen sie schneller ab. Das Wachs zerfließt, der Docht ersĂ€uft und sie erlöschen vor ihrer Zeit. - Deine schwarze Kerze aber soll nicht vorzeitig brennen.' Da nahmen Sie sie mir aus der Hand. ‚Deine Kerze wird dich beobachten und irgendwann zu dir zurĂŒckkommen. SpĂ€ter.' - Ich wollte widersprechen. Trotz meiner Angst. Ich wollte sagen, dass meine Mutter mir extra Geld fĂŒr die Opferkerzen gegeben hat, und dass ich jetzt bitte auch zwei Kerzen anzĂŒnden muss. Aber der Klang meiner eigenen Stimme war so schrecklich hallend, dass ich nach den ersten Worten verstummte. Da glaubte ich, Sie wĂŒchsen mit einem Male. Die Schatten in ihrem Gesicht wurden tiefer und ihre Stimme ein so mĂ€chtiges Drohen, das die vielen Flammen zum Flackern brachte, als sie riefen, ich solle NICHT IN VERSUCHUNG GERATEN! WIE MEINE PATRONIN SOLLE ICH STANDHAFT BLEIBEN, MICH NICHT DEM STURM PREISGEBEN! NUR DANN DÜRFE AUCH MEIN LEBEN ZUM LICHT GELANGEN!" Erschrocken hĂ€lt sie inne und lauscht dem Echo ihrer Worte. Erst nachdem es unter der hohen Kirchendecke verklungen ist wagt sie wieder zu atmen. "Ich bekam es mit der Angst. Und ich riss mich von Ihnen los und rannte weg, als jagten mich Teufel durch die Hölle. Die HĂ€nde auf den Ohren, rannte ich durch die GĂ€nge, links und rechts die brennenden Kerzen. In meiner Furcht presste ich die Augen zu ... und prallte gegen einen der StĂ€nder. Fast alle Lichter kippten aus ihren Haltern, gingen aus und fielen zu Boden. Wachs schwappte, tropfte auf mein Kleid. Vor Schreck und Schmerzen taumelte ich zurĂŒck und stieß gegen einen weiteren StĂ€nder. Es rumpelte, noch mehr Kerzen fielen, und mit einem Male war diese Dunkelheit um mich herum."
Die Frau fasst sich an die Stirn. Ihre Stimme wird brĂŒchig. "Trotzdem das Missgeschick nur in einer Ecke der Krypta geschah ... trotzdem doch ĂŒberall so viele Kerzen noch brannten und es doch gar nicht richtig dunkel werden konnte ..." Sie schĂŒttelt den Kopf. Ihre Augen schweifen umher, als suchten sie nach dem Detail, das ihrer Erinnerung zu fehlen schien. "Plötzlich nur noch Finsternis, ... als sei alles Leben erloschen und nichts als KĂ€lte geblieben. - Da ergriff mich die Panik und ich lief wieder los. Aus der Krypta, die Treppe hinauf, durch die Kirche - mein Schweigen drohte, mich zu ersticken - durch das Portal, ins Freie und bis nach Hause, ohne ein einziges Mal stehen zu bleiben. Aber meine Mutter war nicht daheim. Es war niemand da, der mich hĂ€tte trösten können. Darum warf ich mich auf das Bett, das ich mir mit meinem Bruder teilte, kroch unter die Decke und weinte, bis ich einschlief."
Die alte Frau taucht aus ihrer Erinnerung auf, zitternd und wild atmend wie nach einer großen Anstrengung. Der KĂŒster beobachtet sie, rĂŒhrt sich jedoch nicht.
"Mutter hatte Rudolf zu einer Nachbarin gebracht. Sie war zur Zeche geeilt, wo mein Vater und mein Ă€lterer Bruder unter Tage arbeiteten. Ein Schlagwetter war auf die Bergleute niedergegangen. Über hundert Menschen starben. Mein Vater und Alfons ... Durch meine Schuld waren sie alle verloschen ..." Ihr Wimmern erstickt die Worte. Sie wendet sich ab.
Erst nach einer geraumen Weile wischt sie sich ĂŒber die Augen und dreht sich wieder um. "Danach war nichts mehr, wie es vorher war", fĂ€hrt sie fort, lacht gequĂ€lt auf. "Herrje! Es war Krieg. Da war eh nichts normal. Aber ich habe mich immer irgendwie an alles gewöhnen können. An die Ungewissheit, die Not, auch an die TrĂŒmmer und die Leichen. Das alles wurde Gewohnheit. Mehr oder weniger. - Nur an eines konnte ich mich nie gewöhnen? Meine Mutter dachte, es wĂ€ren die Angriffe, die mir so zu schaffen machten. Dabei waren die gar nicht weiter schlimm. Aber die Dunkelheit im Kellerbunker, ... wenn nach einem Einschlag das Licht ausfiel, ... wenn man Kerzen anzĂŒnden wollte ... " Sie macht eine Pause, wirkt mĂŒde und erschöpft. "Wenn ich mich nicht zur Besinnungslosigkeit schrie und tobte, banden mir meine Mutter und unser Nachbar HĂ€nde und FĂŒĂŸe zusammen und drĂŒckten mir eine Socke in den Mund. Es ging nicht anders. Und spĂ€ter, als ich endlich aufs Land geschickt wurde und mit all den anderen Kindern in einem Schlafsaal nĂ€chtigen musste ..." Ihr Schmunzeln klingt, als wĂŒrde es ĂŒber Sandpapier gerieben. "Man wollte mir ein Licht ans Bett stellen, damit ich einschlafen konnte. Eine Kerze. Um mich zu beruhigen. - Die anderen Kinder mĂŒssen mich gehasst haben. Man hat mir dann ein Bett auf den Flur gestellt. Da brannte die ganze Nacht Licht. -- Nach dem ... Ereignis und nach dem Tod meines Vaters und meines Bruders schlief ich nie wieder im dunkeln. Mir wurde auch nie richtig warm. Immer fĂŒhlte ich mich eisig und taub, als wĂ€re etwas in mir abgestorben. Irgend etwas war fort und Angst hatte dessen Stelle eingenommen. Widersinnige Angst. Vor Dunkelheit und Kerzenlicht, das mich immer an Opferlichter erinnerte. An das UnglĂŒck in der Zeche, an dem ich die Schuld trug. - Nein, ich will nicht noch einmal dort hinunter."
GleichgĂŒltig hebt der KĂŒster die Schultern. "Das musst du auch nicht, Agatha."
Die alte Dame schaut ihn mit verengten Augen an. "Woher wussten sie schon damals, dass Agatha meine Namenspatronin ist?"
Ein LĂ€cheln umspielt die Lippen des Mannes. Langsam erhebt er sich von der Bank. "Es ist eine kleine Herde, die hier Zuflucht sucht."
Die Frau stĂ¶ĂŸt einen spöttischen Laut aus. "Herde? Das ich nicht lache", sagt sie grimmig. "Diese Zuflucht hat hundert gebrannte Opfertiere als Leichen im Keller. Und warum? Weil ein verĂ€ngstigtes MĂ€dchen einen falschen Schritt tat. Ist Sankt Agatha nicht auch die Schutzheilige der Bergarbeiter? Soll sie bei Feuer und Erdbeben nicht beistehen? Dann hatte sie in mir keine gute NamenstrĂ€gerin."
Der Herr im langen Mantel seufzt und schĂŒttelt bedauernd den Kopf.
"Was ist? Wundert Sie etwa meine Verbitterung gegenĂŒber diesem HEILIGEN HAUS?" Die Worte knallen durch die Kirche.
"Nein", antwortet der KĂŒster gelassen. "Mich verwundert, dass du dein Leben lang glaubtest, fĂŒr dieses UnglĂŒck verantwortlich zu sein. Dabei hat dich niemand beschuldigt. Nur du selbst."
Der verbalen Stein schlittert ĂŒber dĂŒnnes Eis. "Das ... stimmt." Sie senkt den verunsicherten Blick, geht ein paar Schritte, verharrt. "Die Zweifel kamen als ich Ă€lter wurde. Als erwachsenes Denken versuchte, in meinem Kinderkopf Ordnung zu schaffen. Ich kam mir so dumm vor, dass ich geglaubt hatte, ich sei Schuld. Aber ... es war so ... so schwer, nicht daran zu glauben." Sie schaut zu dem GemĂ€lde empor. Zu dem Tuch, dass einer der Peiniger an Agathas Körper drĂŒckt. Blut sickert in krĂ€ftigen Farben. "Man hat die Toten bergen können. Mein Vater ... er trug so ein Halstuch, wie es sich die Bergleute unter Tage vor den Mund banden. Wegen dem Kohlenstaub. Er hatte mir mal eins geschenkt und ich trug es immer bei mir. Ich ... ich versuchte mir einzureden, dass ich es irgendwo verloren haben musste, dass mein Vater sich bestimmt ein anderes besorgt hatte, dass seines nicht jenes war, welches ich nach dem Missgeschick nicht mehr finden konnte." Ihr Gesicht verzieht sich gepeinigt, ihre Stimme schwillt in hysterische Höhen. "Herrgott! Es fraß sich einfach in mir fest! Ich war sechs Jahre alt! Was sollte ich denn anderes glauben?! Ich wurde das GefĂŒhl nie los, dass ich mir dumm vorkommen wollte. Wenn es nun doch die Wahrheit war, ‚Diese Kerzen. Sie sind lebendig', so war sie unertrĂ€glich! Aber wen sollte ich fragen?! Sankt Agatha fiel den Bomben zum Opfer, und Sie waren nicht mehr da! Beim Wiederaufbau entstand hier Sankt Monika. Ich weiß nicht, was die Wirklichkeit war. Nicht einmal jetzt. Was sollte ich denn glauben?! An wen?! AN WAS?!"
Die Frau wankt und stĂŒtzt sich mit zitterndem Arm auf der Kniebank ab. Der KĂŒster nĂ€hert sich ihr, will ihr eine Hand auf die Schulter legen. Sie weicht der BerĂŒhrung aus. "Lassen Sie das!"
Er lÀsst die Hand wieder sinken. "Wer sich nicht trösten lassen will, hat schon verloren."
"Was habe ich denn jetzt noch zu verlieren?" fragt sie.
"Frage nicht, was du noch zu verlieren hast. Frage, was du zurĂŒckgewinnen kannst."
In ihrem Gesicht drĂŒcken sich rote Flecke durch die gedunsene Haut. Sie schnaubt verĂ€chtlich. "Das haben die von der Seelsorge auch zu mir gesagt. Die Schwestern und BrĂŒder wollten mich zu einer gemeinnĂŒtzigen Mutter Monika machen. Sie drangen in mich ein mit ihren tröstenden Worten und Gebeten fĂŒr mich und die ungewollte Seele, die ich mit dem DrahtbĂŒgel aus mir herausgestochert hatte. Aber sie standen alleine da mit ihrer GutmĂŒtigkeit. Meine Mitmenschen dachten nicht so mitfĂŒhlend. Mutter und Rudolf bezeichneten mich als Schlampe, die Frauen in der Gemeinde schimpften mich sogar eine Nutte. Dabei waren es ihre eigenen MĂ€nner, und keiner mussten einen Pfennig zahlen, wenn ich sie an mich heranließ. ‚FĂŒr Romantik und Kerzenschein hat die Agathe nichts ĂŒbrig', hieß es. ‚Die ist ein Teufelsweib. Die kann bechern bis zum Umfallen. Und alles schon am helllichten Tage.'" Bei den letzten Worten sank ihre Stimme herab. "Dabei wollte ich bloß nicht mehr allein sein, wenn es dunkel wurde ... wenn sich mein Gewissen meldete, ... das nicht wusste, was es glauben sollte. Die Kirche konnte mir dabei nicht mehr helfen. Sie hat mich als Kind in der Krypta verbrannt."
Sie richtet sie sich auf, tief atmend, als sei die Luft ein schweres Gewicht. Ihr Blick verfolgt die gotischen Bögen der entfernten Decke. "Wenn sie nicht ausgebombt worden wÀre ... vielleicht hÀtte sie mir all die Ungewissheiten aufdecken können und wir wÀren Freunde geworden. Auch ich war eine Agatha, die eine Monika werden sollte."
"Du wurdest eine Mutter", sagt der KĂŒster.
Die Frau lĂ€sst sich kraftlos auf die Kniebank nieder und lehnt die Stirn gegen die gefalteten HĂ€nde. "Der Arzt sagte, wenn ich noch einmal abtreiben wĂŒrde, hĂ€tte das gesundheitliche Folgen. WĂ€re schon ein Wunder, nach so etwas noch mal schwanger zu werden." Sie presst einen grimmige Laut zwischen die Finger. "Ein Wunder, bei so etwas nicht zu verbluten. - Er riet mir, das Kind als Lichtblick zu sehen." Eine plötzliche Verunsicherung beendete den Satz. Sie dreht den Kopf halb zur Seite. "Sie sagten mir, dass die Kerze zu mir zurĂŒckkommen wĂŒrde. Damals, wissen Sie noch?"
"Ja, das sagte ich."
Sie nickt und wendet sie sich wieder nach vorne. "Zu diesem Zeitpunkt war mein Leben pures Verzagen. Ich schlief zwar mit den MĂ€nnern, wenn sie es wollten - so fĂŒhlte ich mich wenigstens nicht allein - doch sie waren nichts als schwitzende Tiere, die sich an meinem Körper rieben. Und ich fĂŒgte mich dem Schnaufen und Sabbern. So lange niemand verlangte, dass Licht zu löschen, war mir alles egal. Auch der Tod. Ja, ich glaube, ich wĂ€re gerne gestorben. - Aber die Kerze war noch nicht zu mir zurĂŒckgekommen. - Ihr Erscheinen, hoffte ich, wĂ€re eine Antwort. Eine Art Indiz dafĂŒr, dass das ... Ereignis tatsĂ€chlich Wirklichkeit gewesen war. Nicht nur ein Traum. - Andererseits bereitete mir die Ahnung vor den Folgen die meiste Angst. Mir war es weder gelungen, das Missgeschick wieder gut zu machen, noch Versuchungen zu widerstehen. Ich weigerte mich, an ein Fegefeuer oder ewige Verdammnis zu glauben. Aber in meinen TrĂ€umen saß ich allein mit dieser schwarzen Kerze in einem dunklen Irgendwo, und ihr Licht verringerte nur die Finsternis. Das war die Hölle. - Diese gottverdammte Kerze hing mir wie ein Damoklesschwert unsichtbar im Nacken. Überall, bei allem, was ich tat, fĂŒhlte ich mich von ihr beobachtet. Und verurteilt."
Sie schaut auf. "Kennen Sie das GefĂŒhl, etwas im hohlen Zahn zu haben? - Das Loch in meiner Kindheit war nicht sonderlich groß. Aber tief. Und das schlechte Gewissen drĂŒckte mir auf den Nerv. Auch wenn es unbegrĂŒndet war: Ich bekam es nicht aus mir heraus. Ich glaubte wahnsinnig zu werden."
Hinter ihr schĂŒttelt der Mann den Kopf. Auch sein leises Seufzen bemerkt die Frau nicht. Ihre Stirn sinkt wieder gegen die HĂ€nde. "Ich wollte versuchen, ein normales Leben zu fĂŒhren", fĂ€hrt sie so leise fort, als rede sie mit sich selbst. "Mein Schuldkonto nicht noch mehr zu ĂŒberziehen. In der Hoffnung auf mildernde UmstĂ€nde. Nicht vor Gottes jĂŒngstem Gericht. Sondern vor dem der schwarzen Kerze. - Aber ein normales Leben ... das ließ mein Gewissenloch nicht zu. - Und gerade als ich den Schlussstrich ziehen wollte, da setzte die Regel aus." Erneut jenes aufgeriebene Schmunzeln. "Ein Wunder." Sie wiegt langsam den Kopf, als glaube sie selbst nicht, was sie sagte. "Ich wusste nicht, wer der Vater war. Aber das interessierte mich auch nicht. Den dreien, die wahrscheinlich waren, sagte ich, dass ich schwanger war. Aber nur einer von ihnen ..." Ihre Miene verklĂ€rt sich liebevoll. "Der Wolfgang. Er war so ein SchwĂ€rmer. Ein Dichter. Die Verse, die er fĂŒr mich schrieb, waren so schön. Ein bisschen kitschig vielleicht ... aber sie waren fĂŒr mich. Doch seine Kerzenromantik machte mich nervös und ich verließ ihn nach dem ersten Mal. Trotzdem tat er mir leid. So ein Lieber. Wegen ihm hatte ich beschlossen, mich zu Ă€ndern. Obwohl ich ihm das Herz gebrochen hatte, war er der einzige, der sich bereit erklĂ€rte, fĂŒr mich und das Kind zu sorgen. Aber ich konnte nicht ... Ich konnte einfach nicht." Eine Weile ist nur ihr Schluchzen zu hören. Es verliert sich in der Weite des Kirchenschiffs.
"Du hast dem Kind das Leben geschenkt", sagt der KĂŒster.
"Nein", widerspricht sie schnell. "Ich habe dem Leben ein Kind geschenkt und es dem Leben ĂŒberlassen, was es mit ihm anfĂ€ngt. Der Junge wurde zur Adoption gegeben. An die Kirche. Mehr konnte ich nicht tun. Das war mehr Monika, als ich Agatha war. Keine Ahnung, was aus August geworden ist."
Der Mann hebt die dichten Brauen und lÀchelt. "Vielleicht Bischoff?"
Sie antwortet mit ihrem zerriebenen Schmunzeln. "Danach zog ich mich zurĂŒck, hatte mit niemandem mehr Kontakt und tat nur noch das Notwendigste. Mein Leben wurde so trĂ€ge und apathisch wie das eines jahrelang eingesperrten Tieres."
"Man sagt, du seiest eine Heilige gewesen."
Sie erhebt sich von der Kniebank. "Eine Heilige?! Sagen man das, ja?!" Spott schabt ĂŒber ihre Worte. Sie kommt auf ihn zu. "Warum?"
Der KĂŒster hĂ€lt den langen AnzĂŒnder vor sich auf dem Boden, wĂ€hrend sie dicht vor ihm stehen bleibt, die ZĂ€hne gepresst, die HĂ€nde in den HĂŒften. Ihre NasenflĂŒgel beben. "Du hast all deine Habe der Kirche gegeben und dich dem Sankt-Monika-Kloster ĂŒberantwortete?" antwortet er gelassen.
"Ach? Und das reichte zum Segen?"
"Die Schwestern Der Heiligen Mutter Monika bezeichnen dich als weiblichen Matt Talbot."
Die Frau weicht einen Schritt zurĂŒck, Furchen der Überraschung auf ihrer Stirn. Ihr Mund bildet ein beißendes LĂ€cheln. "Diese Pinguine." Fassungslos schĂŒttelt sie den Kopf. "War ich tatsĂ€chlich so gut? Im Herrgotts Namen!" Ihre Belustigung verebbt, zurĂŒck bleibt eine unglĂ€ubige Miene. "Sie haben es mir tatsĂ€chlich abgenommen?"
Der Herr macht eine bestĂ€tigende Geste. Noch einen Moment lang starrt sie ihn an, dann wendet sie sich um. Ihre Schritte knallen energisch ĂŒber die Steinfliesen. Sie beginnt zu lachen. Immer lauter. Hysterisches Weinen schwingt mit. Auf Höhe des Altars bleibt sie stehen. "Ich habe NIE an Ihn geglaubt!" Sie streckt den Zeigefinger gegen den Gekreuzigten ĂŒberm Tabernakel. Ihr Bekenntnis schallt wĂŒtend durch das ehrwĂŒrdige Gewölbe. "Mein Bestreben war nicht, in Ewigkeit am Tische des Herrn zu hocken, sondern die Aussicht, meine Strafe zu mildern! In einer Kirche habe ich die Kerze verloren. Meine einzige Hoffnung war, dass sie in einer Kirche zu mir zurĂŒck kommt. An nichts anderes wollte ich glauben! Und sie machen mich zur Heiligen?!" Ihre Stimme wird leiser. Das Lachen verstummt, allein das Weinen bleibt. "Ooh, ich sah viele Kerzen. Ohne die kommt die Kirche nicht aus! Aber ich litt Höllenqualen, wenn sie alle um mich herum brannten! An Ostern! Zu Weihnachten! Bei jeder Messe! Anschließend flĂŒchtete ich aus der Kapelle. Ich konnte nicht zusehen, wenn all die weißen, schlanken Knochen gelöscht wurden." Langsam wankt sie zurĂŒck. Der KĂŒster beobachtet sie stumm. "Die Gottesdienste waren Pflichtstunden. Ich rasselte die Gebete herunter und kaute Oblaten - keine Hostien. Der Rosenkranz blieb eine Kette mit Kugeln, die ich durch die Finger zĂ€hlte. Dabei betete ich, Sie möge mir endlich erscheinen. Wie versprochen. Mir Antwort und Licht geben, gnĂ€dig sein mit meiner Schuld, meiner Schuld, meiner großen Schuld." Bei jeder Wiederholung drĂŒckt sie die Faust gegen ihre Brust. "Die Beichten waren ... Gelegenheiten fĂŒr Vater Johann. Hat der mich auch heilig genannt. Kann ich mir vorstellen. Seinen Blasius-Segen ertrug ich, indem ich mir ins Geschlechtsteil kniff. Um einen Schmerz zu spĂŒren, der mich von der Panik ablenkte, meinen Kopf zwischen die gekreuzten Kerzen zu halten. - Das war meine Heiligkeit."
MĂŒden Blickes schaut sie erneut zu dem GemĂ€lde. Zu der Schale, die von einem Henker Agathas fortgetragen wird. Blutige Haut lappt ĂŒber den Rand. "Meine BrĂŒste nahm man mir vor einem Jahr. Ein nutzloser Eingriff. Mein Leben hatte schon lange mehr mit dem Tod gemeinsam als mit dem Leben. Als klar war, dass es vorbei ging, verweigerte ich die Medikamente und danach war auch bald Ende."
(Fortsetzung: "Die Kerze" - Teil II)
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"Ich wollte der Welt nur ein einziges Wort sagen. Da ich es nicht konnte, wurde ich Schriftsteller." - Stanislaw J. Lec

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Markus Veith
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Nur Mut ...

... ist nicht mehr so lang.
Mit literarischen GrĂŒĂŸen
Markus Veith
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"Ich wollte der Welt nur ein einziges Wort sagen. Da ich es nicht konnte, wurde ich Schriftsteller." - Stanislaw J. Lec

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