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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Die Legende von der Rosen-Marie
Eingestellt am 25. 01. 2005 21:24


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Traveller
???
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Die Legende von der Rosen-Marie

Seitlich einer breiten Verkehrsstrasse, wo der BĂŒrgersteig etwas breiter war, da dahinter die BĂ€ume vor der Stadtkirche mit ihren breit ausladenen Wurzeln diesen Raum belegten, genau dort dazwischen hatte seit Jahrzehnten eine kleine Frau ihren Blumenstand. Gerade so gross, dass dieser zwischen zwei BaumstĂ€mme passte. GemĂ€ss der Jahreszeit passend gab es hier alle Blumen in den herrlichsten Farben, vor allem Rosen in HĂŒlle und FĂŒlle. Daher nannten sie alle die Rosen-Marie und tatsĂ€chlich war sie auf Rosemarie getauft, aber spĂ€ter immer nur Marie gerufen worden. Der Vater war im Krieg geblieben und da der Mutter nicht viel Geld zur VerfĂŒgung stand, konnte Marie nicht studieren, wie ihr Bruder Karl. In der Schule war Marie ebenso gescheit als der Bruder, aber er war der Ältere und nur fĂŒr Einen reichte das Geld fĂŒr eine weiterfĂŒhrende Ausbildung. Marie mußte frĂŒh arbeiten gehen und kam in eine GĂ€rtnerei, wo sie als Hilfskraft angelernt wurde. Dort lernte sie ihren Friedrich kennen und frĂŒh heiratete sie diesen. Zwei Kinder folgten und die Familie lebte zufrieden. So ging das fast zehn Jahre, bis das Schreckliche passierte. Friedrich fuhr einen dicken Opel und trank gerne etwas zuviel. So passierte es. Mit den beiden Buben fuhr er rasant ĂŒber die Schnellstrasse und ĂŒbersah einen Laster, der die Strasse kreuzte.
Am Abend kam er mit den Kindern nicht heim, um Mitternacht lief sie zur Polizei und am Morgen war sie Witwe, zudem starb dabei der eine Sohn. Der Andere ĂŒberlebte schwerverletzt. Alles heilte, nur nicht die Kopfverletzung, die dann spĂ€ter zu einer Einweisung in ein Heim fĂŒhrte. Marie litt Höllenqualen, wollte selbst nicht mehr leben und kĂ€mpfte fĂŒr den verbliebenen Sohn. Ihre Mutter half ihr in dem grossen Leid und verhinderte das drohende Abgleiten in den sozialen Ruin.
Vier Jahre nach dem Grauen, wurde ihr der Arbeitsplatz am Blumenstand angeboten und sechs Jahre spĂ€ter ĂŒbernahm sie diesen ganz. Eine kleine Existenz, die ihr das Leben erleichterte. Vor allem der Kontakt mit den Kunden, die tĂ€glichen GesprĂ€che ĂŒber die Blumen, die Sorgen und Alltagsnöte der KĂ€ufer, alle diese Begegnungen halfen den eigenen Schmerz zu vergessen. Sie fĂŒgte sich in ihr Schicksal und kaufte und verkaufte die schönsten Blumen der Stadt. Immer frisch und schön zusammengesteckt zur Freude der Menschen. Nur wenige wussten ĂŒber das erlittene Leid dieser stets fröhlich wirkenden BlumenverkĂ€uferin, die es verstand die Menschen zu erheitern. Sie hörte zu, wenn Einer etwas zu klagen hatte, sagte ein paar verstĂ€ndnisvolle oder tröstende Worte. Ihre Stammkunden kamen allein schon deswegen, weil sie immer fröhlichen Herzens diese Frau verliessen. Ihre Lieblingsblumen waren die Rosen und sie hatte immer alle Farben in verschiedensten Sorten vorrĂ€tig. Allein dieser grossen Auswahl wegen, wurde sie bald von allen nur noch Rosen-Marie genannt.
Jeden Abend trug sie die Töpfe und Schalen zu einem kleinen Transporter und fuhr mit diesen heim, wo sie diese kĂŒhl lagern konnte. Ganz frĂŒh am Morgen kehrte sie mit ihrer Pracht zurĂŒck, wartete auf die Lieferanten mit neuer Ware, die nur das Beste ihr liefern durften. Anderes nahm sie diesen nicht ab. So ging dies sechs Tage die Woche ĂŒber das ganze Jahr, nur im Winter wenn es den Blumen zu kalt wurde, pausierte sie und machte Urlaub. Nun gönnte sie sich eine kleine Reise in LĂ€nder, wo immer noch Blumen blĂŒhten. Zu Weihnachten war sie zuhause und verbrachte diese mit ihrem Sohn im Heim. Sie brachte immer schöne Blumen und Trockenblumengestecke mit, damit dort alle etwas von dieser Pracht und dem Duft geniessen konnten.
So vergingen ĂŒber zwanzig Jahre und Rosen-Marie war fast schon eine Institution in der Stadt, denn ihre Kunden liebten sie. Der Pfarrer kam regelmĂ€ĂŸig vorbei, da sie immer etwas der Kirche abgab, die Revierpolizisten schauten regelmĂ€ĂŸig nach ihr und bekamen oft eine rote Rose fĂŒr deren Liebste. Sie sah sofort, welche Blumen die Kunden wollten oder was diesen gerade stand. Ihr Blick war geschĂ€tzt und auch ihre Zusammenstellung der StrĂ€uße. Aber vor allem ihre sanfte Stimme hörten alle gern, auch die Kinder, die von der Schule heimwĂ€rts bei ihr vorbei kamen. Unter dem Tisch hatte sie immer eine TĂŒte mit Bonbons, auf die alle lauerten. Sie gab immer großzĂŒgig davon, so wie sie bei jedem Blumenstrauß immer eine Rose gratis dazu gab.
Gerade, als sie sich einen neuzeitlichen fahrbaren Stand fĂŒr viel erspartes Geld gekauft hatte, bekam sie einen Brief vom Ordnungsamt, mit der lapidaren Mitteilung, dass die Genehmigung des Standplatzes zum Monatsende nicht mehr verlĂ€ngert wĂŒrde. Erregt rief sie dort an und erfuhr nun, dass im Stadtrat beschlossen wurde, das Stadtbild insgesamt zu verĂ€ndern und dabei nun mobile StĂ€nde nicht mehr zu dulden. Marie kannte den neuen BĂŒrgermeister, aber dieser liess sich von seiner SekretĂ€rin verleugnen. Auch andere ihr bekannte Amtspersonen wollten ihr nicht helfen und so blieb ihr nichts anderes ĂŒbrig, als an ihrem Stand ein Schild anzubringen, dass sie diesen bald schliessen mĂŒsse.
Die Kunden erregten sich darĂŒber und schimpften laut. Der Pfarrer versuchte zu trösten, die Polizisten fuhren nun schnell vorbei. Aber ein kleiner Junge sagte laut, dass sein Vater bei der Zeitung sei. Bereits am nĂ€chsten Tag brachte er diesen mit. Dieser befragte sie und auch Stammkunden, machte mehrere Fotos vom Blumenstand mit Marie. Zwei Tage spĂ€ter war sie gross in der Zeitung und nun meldeten sich noch andere Kunden, die nicht regelmĂ€ssig vorbei kamen. Jeder wollte helfen und seine Kontakte mobilisieren. Einer war Anwalt, der gleich die rechtlichen LĂŒcken des Bescheides erkannte und zum Widerspruch riet. FĂŒnf Tage spĂ€ter war ein Kamerateam des Fernsehens da und andere Reporter von weiter her. Als diese den BĂŒrgermeister befragen wollten, war dieser plötzlich verreist. Das Ordnungsamt schwieg, aber hinter den Kulissen wurde beraten und nach einem Ausweg gesucht. Rosen-Marie verkaufte weiter ihre Blumen, dreimal soviel wie vorher. Alle kamen aus Neugierde und auch aus SolidaritĂ€t. Soviel Zuspruch und Ermunterung hatte sie noch nie erfahren. GerĂŒhrt, mit einigen TrĂ€nen auf den Wangen, bedankte sie sich nun, mit zwei Rosen extra bei jedem Strauss.
Zwei Tage vor Monatsende wurde ĂŒberraschend die Genehmigung bis zum Jahresende verlĂ€ngert. Danach allerdings mĂŒsste sie den Platz rĂ€umen, könne aber gerne beim wöchentlichen Markt ihren Stand aufstellen. Doch nur an einem Tag, das war ihr zu wenig und so bot sie ihren Blumenwagen in einem Fachblatt zum Verkauf an.
Eine junge Frau, die sich mit einem Blumenladen in einem grossen Einkaufszentrum am Stadtrand selbstÀndig machte, stellte sofort die Rosen-Marie an. Das GeschÀft wurde eine Goldgrube, denn viele kamen treu weiter zu Marie.
Der alte Platz wurde stĂ€dtebaulich saniert und mit kaltem glatten Stein belegt, lieblos leer verwaist, bis eines Tages ein Brunnen darauf kam. Der beauftragte Steinbildhauer hörte von der Legende der Rosen-Marie und daher steht nun in der Mitte eine kleine rundliche Frau, den Arm voller Rosen, aus deren BlĂŒtenkelchen das Wasser herab rinnt. Obwohl dieser eigentlich Kirchbrunnen heissen sollte, sagen alle nur, bei der Rosen-Marie.
Manchmal sonntags kam viele Jahre ein altes gebĂŒcktes Weiblein mit Stock vorbei, streute nach dem Kirchgang einige RosenblĂ€tter hinein und liess sie auf dem Wasser tanzen. Sie sass dann mit vertrĂ€umten Blick am Brunnenrand und schaut auf die Menschen davor. Kaum einer erkannte die nun ergraute Rosemarie. Nur Kinder lachten mit ihr der tanzenden BlĂŒten, erkannten die Schönheit der Rosen letztem Glanz.

Man sagt, sie sei nun lange verstorben. Doch immer wieder steht nun ein junger Mann am Brunnen, den Arm voll roter Rosen. Vom Sozialamt genehmigt versucht er am Sonntag sein GlĂŒck. Am Brunnen unter dem steineren Weiblein, finden sie ihren Weg in verliebte HĂ€nde und so mancher Blick fĂŒhrt fröhlich lachend zum steinernen Weiblein hinauf.


Nachtrag:
Ein Chronist hat vor Jahren die Geschichte der Rosen-Marie niedergeschrieben. Das Heftchen antiquarisch liegt in manchen Regalen, wie auch im Stadtarchiv. Die Alten kennen sie noch und in vergilbten Fotos ist das Weiblein vor ihrem Stand festgehalten. Erinnert an herzhaftes Leben in der Stadt, die nun anonymer hinter glĂ€nzenden Fassaden kaum Ruhe zum lĂ€ngeren Verweilen zulĂ€sst. Nur die blumenreichen Parks und PlĂ€tze mit plĂ€tschernden Brunnen laden ein sich etwas niederzusetzen. Duftende Rosen in geordneten Beeten öffnen Herzen fein. Neben dem Brunnen der Rosen-Marie, eine Kletterrose sich an der Kirchenwand hochrankt. Üppig viele BlĂŒten blicken hinĂŒber, wo sie einst stand und nun versteinert immer noch anwesend ist. Ein Platz der Rosen, der erinnert an Freude und Leid.

P.B.

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hallo traveller,

quote:
...
Nachtrag:
Ein Chronist hat vor Jahren die Geschichte der Rosen-Marie niedergeschrieben.
...


ich glaube, genau das ist dein text - eine chronik, ein aufzĂ€hlung von umstĂ€nden (!) und begebenheiten. hier und dort der versuch einer zĂ€rtlichen annĂ€herung, aber es bleibt bei mir immer der geschmack des protokollarischen berichtens; ohne verdichtung, dafĂŒr mit nebensĂ€chlichkeiten (z.b. dem DICKEN opel) ĂŒberladen.

kennst du den chaplin-film mit dem blinden blumenmÀdchen? das ist zwar eine liebesgeschichte im engeren sinne, aber vielleicht wolltest du einen Àhnlichen plot, deutlich weiter gefasst, erzÀhlen...
...dann wĂŒrde ich dir empfehlen, dich nach einer kurzen einleitung mit EINEM ihrer vorzĂŒge zu beschĂ€ftigen, ein bißchen dazu fabulieren, und schon könnte die geschichte funzen .

viele grĂŒĂŸe

rainer
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