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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Die Nacht (Teil I)
Eingestellt am 19. 07. 1999 00:00


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Frank Zimmermann
Junior Mitglied
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Registriert: Jan 1999

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Die Nacht
Die Hitze hatte sich ver├Ąndert. Es war ein guter Sommer gewesen, bisher, doch jetzt empfand er ein dr├╝ckendes Unbehagen. Auch der Wind, der mit dem sp├Ąten Nachmittag aufgekommen war, brachte keine Linderung. Wie ein kleiner Ventilator in einem hei├čen, schlecht gel├╝fteten Raum, bewegte er die warme, verbrauchte Luft nur hin und her. H├Ątte er im S├╝den studiert, in Spanien vielleicht, h├Ątte er sich an die Situation erinnert, als er sp├Ąt abends mit schwei├čnasser Stirn und dunklen Kr├Ąnzen unter den ├ärmeln des T-Shirts, in einem Waschsalon sa├č und von der gleichf├Ârmigen Bewegung der rotierenden Waschtrommel eingelullt wurde. Seine Shorts gingen ihm nur knapp ├╝ber den Hintern und seine Oberschenkel klebten am roten Plastik des alten Schalensitzes. Im Hintergrund rauschten die Trockner und machten die Luft zum zerschneiden. Von einem hohen Wandbord pl├Ąrrte blecherne Musik aus einem billigen Radio, zwischendrin Kommentare oder Werbefetzen, hart und schnell gesprochen, seinen Ohren aus dem n├Ârdlichen Europa unverst├Ąndlich. Dann verdunkelte sich die offene Glast├╝re am Eingang des l├Ąnglichen Raumes und eine Frau kam ger├Ąuschlos n├Ąher. Die dunkelbraunen Haare reichten ihr genau bis zum Kinn und rahmten ihr Gesicht, mit den gro├čen braunen Augen, der langen schmalen Nase und dem ├╝ppigen Mund. Unter dem kurzen, gebl├╝mten Tr├Ągerkleid ihre schlanken, olivfarbenen Beine. Die F├╝├če steckten in Espadrilles.
Eine T├╝r knallte. Sein Versuch ein wenig Durchzug zu machen, war erneut gescheitert. Wieder hatte ihn die dr├╝ckende Schw├╝le d├Âsen gemacht. Seine Gedanken und der Inhalt des Buches, das er zu lesen versuchte, waren ineinander gelaufen und hatten jene traum├Ąhnliche Klischeecollage ergeben. Er hatte ja gar nicht in Spanien studiert. Halb wurde ihm bewu├čt, da├č es die Bilder aus dem Fernsehen kante; sie hatten was mit einem Schokoriegel zu tun. Er f├╝gte das Lesezeichen zwischen die Seiten und klappte das Buch zu. Geschlossen hielt er es in der Hand und versuchte, sich in diesem Nachmittag seines Lebens zu orientieren. Seine Zunge klebte in seinem trockenen Mund, das Glas neben ihm war leer - einige Obstfliegen liefen konvex darin umher. Das Mittagessen hatte er ausfallen lassen, denn die Hitze hatte ihm den Hunger genommen; doch jetzt sp├╝rte er seinen leeren Magen. Noch immer unschl├╝ssig legte er das Buch beiseite, ging im d├Ąmmrigen, fensterlosen Bad pinkeln und anschlie├čend in die K├╝che. Die k├╝hlen Fliesen waren angenehm unter seinen nackten F├╝├čen. Mit der Absicht etwas leichtes zu sich zu nehmen, ├Âffnete er den K├╝hlschrank. Er ging davor in die Hocke und die kalte Luft str├Âmte in sein Gesicht. So verharrte er, bis der K├╝hlschrank brummend ansprang. Dann entschied er sich, entgegen seines Vorsatzes f├╝r Mettw├╝rste und Bier. Beides trug er ins Arbeitszimmer ans Fenster. Er hatte sich entscheiden m├╝ssen, es entweder zu ├Âffnen oder die Jalousien herunterzulassen. Da er aber das eine ohne das andere nicht wollte, hatte er das Fenster weit ge├Âffnet und dann mit einem wei├čen Tuch gegen die Sonne abgeh├Ąngt, das er mit Tesa-Krepp am Fensterrahmen festgeklebt hatte. So war es angenehm d├Ąmmrig im Zimmer. F├╝nf Stockwerke unter ihm h├Ârte er den Sonntagsverkehr. Die Menschen fuhren zu fr├╝hen Abendessen oder kamen von letzten Eink├Ąufen zur├╝ck, einige wollten wohl auch zur Messe. Wenn es ruhig war, konnte er manchmal die Glocken h├Âren... Er lehnte sich in seinem Schreibtischstuhl zur├╝ck und setzte das gro├če Wei├čbierglas an die Lippen. Zun├Ąchst sp├╝rte er nur den Schaum, doch dann rann ihm das k├╝hle Bier durch die Kehle. Er trank mit gro├čen Schlucken und als er absetzte, war das Glas bereits zu zwei Dritteln geleert. Er stellte es vor sich auf die h├Âlzerne Schreibtischplatte und die Bewegung l├Âste einen R├╝lpser aus; mit offenem Mund stie├č er laut auf, einer der Vorteile des Alleinseins. Beuys kam ihm in den Sinn: jener Kasten mit der filz├╝berzogenen Flasche. Er lachte kurz auf, ebenfalls laut, dann seufzte er, schlo├č f├╝r einen Augenblick die Augen und ihr Bild blitzte vor ihm auf. Er schnappte sich ein W├╝rstchen und bi├č energisch ab. Der rauchig-salzige Geschmack f├╝llte seinen Mund und er griff erneut zum Glas, um nachzusp├╝len. Jetzt war das Glas leer. Er wechselte vom Schreibtisch in seinen Lesesessel, die W├╝rstchen blieben auf dem Teller zur├╝ck. Beim Bl├Ąttern in der bereitliegenden zeitung merkte er, da├č der Alkohol schnell wirkte, was ihn nicht weiter wunderte. Er hatte das Bier auf n├╝chternen Magen getrunken und die Hitze tat das ihre dazu. Innerhalb einer Viertelstunde war er auf das Angenehmste besoffen. Alles um ihn wurde leicht und heiter, sogar die Schw├╝le schien weniger dr├╝ckend. Doch viel Zeit f├╝r diese Wahrnehmung blieb ihm nicht, denn schon wurden seine Augen wieder schwer. Er lie├č es geschehen, lehnte sich zur├╝ck und schlo├č die Augen. Warum sich wehren, gegen dieses angenehme eingeschl├Ąfert werden? Fast hoffte er, es k├Ânnte f├╝r immer sein.

Wenn der Mensch einen Mangel oder eine andere Qual erleidet, dann hilft er sich im Traum manchmal selbst: ein Durstiger tr├Ąumt von einem k├╝hlen Wasser, aus dem er sch├Âpfen und an dem er seinen Durst stillen kann. Als er klein war, hatte er vor dem Zubettgehen einmal zuviel Limonade getrunken. Im Schlaf wurde der Druck in seiner Blase zunehmend gr├Â├čer doch statt zu erwachen hatte er schlie├člich von einer Toilette getr├Ąumt. Er sah sich selbst seinen Hosenstall ├Âffnen, um sich dann in die wei├če Keramik zu erleichtern. Erwacht war er von der warmen N├Ąsse zwischen seinen Beinen und der dunkle Kranz auf seiner Schlafanzughose und der Matratze waren ihm sehr peinlich. Jetzt, bierselig und in einen Hitzekokon eingeh├╝llt, f├╝hrte sein Traum ihn an einen k├╝hlen Ort. Was er zuerst wahrnahm, war der Geruch: er stieg in seine Nase und rief sofort zahlreiche Erinnerungen wach, so als h├Ątte jemand eine alte Platte aufgelegt und man h├Âre nun die altvertrauten Lieder. Der k├╝hle Seewind vermischte sich mit dem Rauschen der Brandung und seine Augen blickten ├╝ber die graugr├╝nen Wassermassen. Weit drau├čen eine scheinbar ruhige Fl├Ąche, nah an der K├╝ste zerteilt von der wei├čen Gischt der Flutwellen. In gleichm├Ą├čigem Abstand ragten die zweireihigen Wellenbrecher ins Wasser hinaus, in der Luft kreischten M├Âwen, am Horizont dahingleitende Schiffe. Als er sich drehte und sein Blick in Landrichtung schweifte, sah er den alten Panzer. Ein ├ťberbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg und f├╝r ihn eine Erinnerung daran, da├č er als Deutscher eine belastende Geschichte im Gep├Ąck hatte, hier in den Niederlanden. Die n├Ąchste Wahrnehmung holte ihn in die Gegenwart zur├╝ck: ihr Gesicht, ihrer Stimme: ÔÇ×Tr├Ąumst du? Komm schon, n├Ąher ans Wasser. Wir wollen sehen, was wir zwischen den Steinen finden.ÔÇť Mit diesen Worten lief sie heiter voraus zu den Steinen, die die Wellenbrecher flankierten. ÔÇ×Mach schonÔÇť, rief sie wieder, ÔÇ×noch ist die Flut nicht sehr weit.ÔÇť Er schritt ihr nach und musterte sie. Die kurzen, mittelblonden Haare, das blasse Gesicht, darin die klaren, blaugrauen Augen. Sie trug den dunkelblauen Dufflecoat den sie so liebte, eine Jeans und grobe, braune Lederschuhe. Sie sah aus wie ein Junge und wie er sie so sah, wu├čte er wieder, wie sehr er sie liebte. Er beschleunigte seine Schritte durch den feuchten Sand und sah die Dampfw├Âlkchen seines Atems vor dem Gesicht. Es war kalt in Westkapelle, jetzt, ende Oktober. Eigentlich h├Ątten sie es sich gar nicht leisten k├Ânnen hierher zu fahren. Beide steckten mitten im Studium und es gab Teilnehmerlisten und Pflichtveranstaltungen. Doch ihre Impulsivit├Ąt hatte ihn mitgerissen. Im Sommer hatten sie sich keinen Urlaub leisten k├Ânnen und das feuchtkalte Herbstwetter, das sich in diesem Jahr schon anfang September am Niederrhein breitgemacht hatte, lastete auf ihren Gem├╝tern. So gesehen war es ganz vern├╝nftig gewesen ein paar Klamotten in eine Reisetasche zu schmei├čen, in den alten Ford zu steigen und an die holl├Ąndische K├╝ste zu fahren, um eine Woche auszuspannen und Kraft zu tanken. Auch ihrer Beziehung w├╝rde der Trip sicherlich gut tun, schlie├člich waren die kurzen Treffen in der Mensa und abends zwischen den Schreibtischen, an denen sie in den Lichtinseln der Halogenlampen sa├čen und b├╝ffelten, der Liebe nicht gerade dienlich. Und in Westkapelle lagen ja auch die Wurzeln ihrer Liebe; obwohl sie aus der gleichen Stadt stammten, hatten sie sich hier im Sommerurlaub kennengelernt. Sie war zw├Âlf und wohnte mit ihren Eltern in einer Ferienwohnung, er war dreizehn und logierte mit seinen Eltern auf dem Campingplatz gegen├╝ber. An der Pommesbude, die beide Anlagen versorgte - Ferienwohnungskomplex und Campingplatz - hatten sie sich das erste Mal getroffen. Er hatte sie mit seinen paar Brocken Niederl├Ąndisch angesprochen und sie hatte verwirrt dreingeschaut. Dann hatte sie ihn gefragt, ob er denn vielleicht auch Deutsch spreche und da hatte er gelacht und es war ein netter Abend geworden.
Jetzt hatte er die Steine erreicht, auf denen sie balancierte, w├Ąhrend ihre Augen zwischen ihnen auf Entdeckungsreise gingen. Als sie taumelte und mit den Armen ruderte, weil sie das Gleichgewicht zu verlieren drohte, stand er schon hinter ihr und nahm ihrer k├╝hle Hand in seine. Sie fand wieder Halt und drehte ihm ihr Gesicht zu. Sie l├Ąchelte und w├Ąhrend eines Kusses rieben sie ihre kalten Nasen aneinander. Zwischen den Steinen fanden sie Seesterne und Quallen, einen verirrten, l├Ąnglichen Fisch, kleine und gro├če Krebse, sowie die rostigen Einzelteile eines Fahrrades. Sie waren gl├╝cklich.
Er l├Ąchelte im Schlaf.
Mit der D├Ąmmerung gingen sie vom Strand weg in den kleinen Ort hinein. Sie kehrten im ersten Lokal ein, da├č jetzt nach Saisonende noch ge├Âffnet hatte und bekamen in dem angenehmen warmen Raum schnell rote Wangen. Bei dem rothaarigen Kellner bestellten sie Grolsch und die Karte. Sie entschied sich f├╝r einen Fischteller, er bestellte Pfannkuchen. Nach dem Kaffee z├Ąhlten sie dem Kellner die Gulden f├╝r die Rechnung samt Trinkgeld auf den Tisch und verlie├čen dann, unter dem Versprechen wiederzukommen, das Lokal und schlenderten zu ihrer kleinen Pension. Sie gaben sich alle M├╝he auf dem Weg zu ihrem Zimmer keinen Krach zu machen, doch die alte Holztreppe, die unters Dach f├╝hrte knarrte so j├Ąmmerlich, da├č sie nur mit M├╝he ihr Kichern unterdr├╝cken konnten. In der kleinen Dachstube war es lausig kalt. Sie schoben die metallenen Betten zusammen, zogen dann das N├Âtigste aus und schl├╝pften unter die dicken Daunenplumeaus. Er angelte eine Flasche Genever hervor und der Schnaps half ihnen beim Aufw├Ąrmen. Eng kuschelten sie sich aneinander, k├╝├čten, tasteten, ganz so wie beim ersten Mal in den D├╝nen. Es dauerte lange, bis sie sich aus ihren w├Ąrmenden Kleiderpellen gesch├Ąlt hatten und als sie soweit waren, quietschte das alte Bett mit furioser Lautst├Ąrke unter ihnen und als sie den H├Âhepunkt erreichten, bissen sie sich verstohlen auf die Lippen, um nicht zu laut zu st├Âhnen, denn die beiden anderen Zimmer - das wu├čten sie vom Fr├╝hst├╝ck - waren ebenfalls vermietet und die W├Ąnde waren d├╝nn wie Zigarrenholz. Ihre innere Hitze reichte gerade aus, um sich an dem winzigen Waschbecken schnell die Z├Ąhne zu putzen und ├╝ber den Flur auf die Toilette zu huschen. Dann kuschelten sie sich wieder w├Ąrmesuchend aneinander und schliefen rasch ein. Im Morgengrauen wurde er von Ger├Ąuschen aus dem Nachbarzimmer geweckt: leises St├Âhnen und das rhythmische Quietschen eines eisernen Bettgestells. Schmunzelnd blickte er durch das kleine Dachfenster ├╝ber ihm in einen bleigrauen Himmel und fuhr mit seinen Fingern durch ihre kurzen Haare. Es war einer der gl├╝cklichsten Momente in seinem Leben.

Er erwachte mit einem schrecklichen Katergef├╝hl. Um ihn herum war es dunkel geworden und f├╝r einen Moment fehlte ihm jegliche r├Ąumliche und zeitliche Orientierung. Sein Nacken schmerzte, er hatte krumm gelegen. Nein, gesessen. Jetzt erkannte er seinen Lesesessel im Dunkeln wieder und wu├čte, wo er war. Damit war auch mit aller Klarheit das Wissen wieder in ihm, da├č er alleine war, sie war nicht mehr Teil seines Lebens. Er richtete sich auf und rieb seinen Nacken. Dann tapste er barfu├č ins Bad, schlug sein Wasser ab und nahm eine kalte Dusche. Anschlie├čend ging es seinem K├Ârper besser, doch in seinem Kopf herrschte weiter Aufruhr und sein Herz war die Zwangsjacke nicht losgeworden. Er g├Ânnte sich reichlich k├╝hlendes Eau de Toilette und best├Ąubte seine F├╝├če mit Talkum. Im Schlafzimmer schl├╝pfte er in eine Unterhose, ├╝ber die er eine kurze Sporthose zog. Au├čerdem angelte er noch ein frisches T-Shirt aus dem Schrank. Nicht, da├č es abgek├╝hlt h├Ątte, sie Schw├╝le lastete unvermindert auf der Stadt, aber erstens brauchte er etwas, in das er hineinschwitzen konnte und au├čerdem wollte er sich und sein ├äu├čeres nicht vernachl├Ąssigen, denn soweit was es noch nicht mit ihm. Noch nicht! Sein Magen knurrte, er ging in die K├╝che. Schon heute morgen war es hei├č gewesen und so hatte er bereits beim Einkauf gewu├čt: heute w├Ąre der richtige Tag f├╝r ein Chili. Seit er Betty Blue gelesen hatte, wu├čte er ein frisches Chili besonders zu sch├Ątzen, wenn es wahnsinnig und hei├č um ihn war. Er schaltete die Leuchte ├╝ber dem Herd an, die Deckenlampe w├Ąre ihm zu hell gewesen, nicht zuletzt wollte er die Fenster offen lassen, sich aber auf keinen Fall mit irgendwelchen bl├Âden Insekten rum├Ąrgern. Wieder sp├╝rte er den angenehm kalten Atem aus dem K├╝hlschrank, in dessen Licht er Schlagschatten in die K├╝che warf, so da├č er nicht mehr ganz alleine war. Er legte die Kalbsbrust auf die Arbeitsplatte und die Tomaten daneben. Aus Schr├Ąnken und Dosen holte er s├Ąmtliche Zutaten zusammen und arrangierte sie alle zu einem kleinen Stilleben. Er befreite das Fleisch aus seiner knisternden Verpackung und wusch es unter flie├čend kaltem Wasser, das mit Blut vermischt in den Ausgu├č lief. Liebevoll tupfte er das Fleisch anschlie├čend trocken, bevor er ihm mit dem gro├čen Messer zu Leibe r├╝ckte. Die frisch gewetzte Klinge glitt m├╝helos durch die Fasern und in K├╝rze war der Fleischbatzen in kleine W├╝rfel verwandelt. Er legte sie beiseite und bearbeitete anschlie├čend die Zwiebeln, den Knoblauch, die Paprika und die Tomaten. Jede Zutat legte er in eine separate kleine Sch├╝ssel, er arbeitete schnell und sauber. Aus dem kleinen K├╝chenradio pl├Ąrrte ein ausl├Ąndischer Sender, vielleicht italienisch. Er mochte es, da├č die Stimmen und die Musik die Einsamkeit ein wenig vertrieben, den Platz der Schlagschatten einnahmen, die mit dem Schlie├čen der K├╝hlschrankt├╝r verschwunden waren, aber verstehen wollte er die Worte nicht, denn zur Zeit waren Worte in seinem Kopf wie Billardkugeln: eine stie├č klickend an die n├Ąchste. Immer st├Ąrker wurde die Dynamik, klick, klick, klick-klick, und schlie├člich kam er immer bei der schwarzen Acht an und die hatte ein blasses Gesicht und kurze, mittelblonde Haare und ihre klaren graublauen Augen rissen ihm das Herz aus der Brust, w├Ąhrend sein Kopf zerspringen wollte vom Klick-klick-klick der rasenden Kugelgedanken, der Gedankenkugeln...
Das Fleisch zischte im hei├čen ├ľl. Die Dunstabzugshaube arbeitete auf H├Âchsttouren in seiner fensterlosen K├╝che. Mit dem h├Âlzernen L├Âffel verteilte er das braun werdende Fleisch durch den gu├čeisernen Topf und gab die Zwiebeln und das Knoblauch hinzu. Er konzentrierte sich ganz auf das Geschehen im Topf; f├╝r ihn war Kochen eine Art Meditation. Das Fleisch setzte leicht an und mit den Tomaten kam Farbe in den Topf. Schlie├člich l├Âschte er alles mit Br├╝he ab und aus dem zischenden, blubbernden Inferno wurde eine ruhige Suppe. Jetzt kam der wichtigste Teil des Chilis, jetzt kam die Geduld. Mit dem Beginn des leisen Blubberns setzte er noch Tomatenmark hinzu und drehte die Flamme dann kleiner. Der Gasanschlu├č war mit das Beste an diesem Sechzigerjahrehaus. Manchmal allerdings klang allein das Wort Gas so komisch nach, dann fiel ihm Oskar Matzerath ein, der in Danzig den Gasmann erahnt hatte, als alle auf den Weihnachtsmann warteten. Es war nicht verkehrt, fand er, sich der Geschichte der Nation, in die man hineingeboren wurde, bewu├čt zu sein - so wie angesichts des Panzers in Westkapelle - aber man durfte auch nicht in Paranoia verfallen, nur weil man einen Gasherd hatte. Er machte sich ein Eiswasser mit einem Schu├č Zitrone. F├╝r das Bier war es noch zu fr├╝h, das mu├čte er f├╝r das Chili aufheben. Er wischte einige Tomatenspritzer auf und r├╝hrte mit dem Holzl├Âffel in der roten Fl├╝ssigkeit, langsam, ganz ruhig. Kurz danach tauchten die Blasen wieder auf, die er mit dem kreisenden Holz vertrieben hatte. Zufrieden legte er den L├Âffel wieder an seinen Platz. Die K├╝che f├╝llte sich mit einem Hauch von Duft. Die einzelnen Ger├╝che des gebratenen Fleisches, der glasigen Zwiebeln, der w├Ą├črigen Tomaten und des ├Âligen Knoblauchs waren eine fl├╝chtige Melange geworden und krochen - wunderbar kurzlebig - durch die hei├če Luft.
Wieder ging er pinkeln und anschlie├čend ins Wohnzimmer. Vielleicht war das mit dem Chili doch keine so gute Idee gewesen, wegen der Sache mit der Geduld. Denn Geduld bedeutete nun unausgef├╝llte Zeit zu ertragen oder die unausgef├╝llte Zeit zu f├╝llen. Unausgef├╝llt, das wu├čte er, w├╝rde nur wieder das Billardspiel in seinem Kopf losgehen und das wollte er, mehr als alles andere, verhindern. Also galt es, die Zeit zu f├╝llen, die das Chili brauchen w├╝rde, um einzukochen. Das einfachste war der Griff zur Fernbedienung. Im dunklen Raum warf die Kiste nerv├Âs-bl├Ąuliches Licht an die W├Ąnde. Volksmusik, Spielshow, Spielfilme, Videoclips, Werbung, Comedy, eine Oper, Nachrichten und der Verkaufskanal. Auf dem t├╝rkischen Sender guckte er ein St├╝ck von einer alten Folge ÔÇ×Ausgerechnet AlaskaÔÇť, im amerikanischen Original mit t├╝rkischem Untertitel. Dr. Fleishman erkl├Ąrte gerade Holing, dem Wirt der Dorfkneipe, etwas. Ed, ein etwas einf├Ąltiger aber liebenswerter Eingeborener sa├č daneben und h├Ârte zu. Obwohl die f├╝r ihn fremden Stimmen nicht zu den vertrauten Gesichtern passen wollten, flammte doch in seinem Inneren die Erinnerung auf: dar├╝ber hatten sie gemeinsam gelacht, in den besseren Tagen. Wieder war er bei ihr angelangt. W├╝tend schaltete er um. Auf mtv lie├č er sich von einem Heavy-Metal-Video beruhigen, weil der S├Ąnger stellvertretend f├╝r ihn die ganze Wut herausschrie. Dann schaltete er ab. Er ├╝berlegte. Was blieb ihm ├╝brig, wenn er alle gemeinsamen Erinnerungen streichen mu├čte? Sie hatten sich als Kinder kennengelernt, da kam eine ganze Menge zusammen. Er sah seine B├╝cher durch. Seine Liebe zur Literatur hatte sie nicht geteilt. Doch auch hier gab es Ankn├╝pfungspunkte: er fand B├╝cher, die er in gemeinsamen Urlauben gelesen hatte, in einigen fand er noch feine Sandk├Ârner oder die Fettflecken der Sonnenmilch, die sie sich gegenseitig auf den R├╝cken geschmiert hatten. Andere B├╝cher hatte sie ihm geschenkt, zum Geburtstag, zu Weihnachten. Es war zum aus der Haut fahren. Sollte er sich selbst blenden, wie einst ├ľdipus? Dann w├╝rde er ihrer Spuren in seinem Leben zumindest nicht mehr sehen. Doch was w├╝rde dann in seinem Kopf los sein. Wahrscheinlich w├╝rde sich das Billardspiel verwandeln und in seinen Kopf w├╝rden die rotierenden Kugeln einziehen, die er aus der Ziehung der Lottozahlen kannte. Alle B├Ąlle w├Ąren gleichzeitig in Bewegung, mit einem schrecklichen, an ins Fleisch geschlagene N├Ągel erinnernden Klackern. Nein, Selbstverst├╝mmelung war nicht sein Weg, zumal er, anders als ├ľdipus, nichts zu b├╝├čen hatte. Oder? Wieder die leidige, bohrende Frage: Warum hat sie mich verlassen? Die konnte man, wenn ├╝berhaupt, doch nur mit Selbstverst├╝mmelung in Schach halten, n├Ąmlich mit der schleichenden Destruktion namens Alkohol. Bet├Ąubend und vernichtend in einem. Ganz wie sein Vater k├Ânnte er es dann machen, denn der hielt sich ja auch nur deshalb so lange, wie er es tat, weil Alkohol gut konserviert... Jetzt reichte es, er schnappte sich die Zeitung - die war ohne belastende Vergangenheit, aus dem Hier und Jetzt, aus der Post-Maria-Zeit - ging damit in die K├╝che und schnappte sich gegen seine Vors├Ątze ein Pils. In k├╝hlen Schlucken rann das Bier wohltuend die Kehle runter und er setzte sich, die Zeitung aufschlagend, an die Fr├╝hst├╝ckstheke. Prost Papa!
Das Chili brannte in seinem Mund, doch genau das sollte es. Nachdem die Fl├╝ssigkeit ausreichend eingekocht war, hatte er das Gem├╝se zugegeben. Zuerst die frischen Paprika, dann aus den Dosen die Bohnen und den Mais. Mit einer frischen Chili und Cayennepfeffer hatte er dem ganzen den n├Âtigen Pep verliehen. Das Chili war genau richtig und der Reis verlieh ihm zus├Ątzliche Festigkeit. Der Joker dazu war das eiskalte, mexikanische Bier, das aus der schmalen, klaren Flasche ├╝ber seine Lippen flo├č. Herrlich! Er schlo├č die Augen und f├╝r einen kurzen Moment ging es ihm wieder richtig gut. Als er sich nach mehreren Tellern kaum noch r├╝hren konnte, half ihm der Tequila, seinen Magen ein wenig aufzur├Ąumen. Zufrieden stellte er den Teller in die Sp├╝le und setzte die gro├če Kaffeekanne auf den Herd. W├Ąhrend er den Kaffee zubereitete, a├č er noch ein italienisches Eis. Der Kaffee brachte sein Hirn wieder auf Hochtouren, doch sein K├Ârper war umgeben von Tr├Ągheit. Es war, als s├Ą├če er in einem angenehm k├╝hlen Raum, bis zum Hals in hei├čem Wasser eines Vollbades. Wieder schlo├č er die Augen und vor ihm tauchten die filigrane Sch├Ânheit einer Tropfsteinh├Âhle auf. K├╝hle, feuchte Luft, im Hintergrund stetiges Tropfen und um ihn herum ein Pulk von Touristen; mit scharrenden Gummilatschen lie├čen sie sich durch die Atta-H├Âhle f├╝hren und lauschten den gelangweilten, tonbandartigen Ausf├╝hrungen des F├╝hrers. Darum bem├╝ht, dies alles auszublenden, blickte er sich in der H├Âhle um, als sein Blick auf ein Paar klarer, blaugrauer Augen stie├č. Das Telefon schreckte ihn aus seinem Minutenschlaf.

Er ├Âffnete die Augen und blickte sich in der K├╝che um, die Realit├Ąt sagte stumm 'Hallo' und das Telefon pl├Ąrrte erneut. Ein Blick auf die Armbanduhr: halb Elf. Wer mochte ihn jetzt noch anrufen? Um diese Zeit kamen Familienmitglieder nicht in Frage, es sei denn, es w├Ąre jemand gestorben. Zwischen dem dritten und vierten Klingeln ging er im Geiste seine Freunde und Bekannten durch, kam aber nicht dahinter, wer von ihnen ihn jetzt anrufen sollte. Er ├Ąrgerte sich, schon auf dem Weg zum Apparat, da├č er den Anrufbeantworter nicht eingeschaltet hatte, konnte sich aber auch nicht dazu durchringen einfach klingeln zu lassen; vielleicht war ja doch jemand gestorben... Nach dem sechsten Klingeln nahm er den H├Ârer ab: ÔÇ×Hallo?ÔÇť. Sonst meldete er sich immer mit seinem Namen, doch jetzt wollte er, f├╝r einen kurzen Moment wenigstens, gegen├╝ber der Person am anderen Ende der Leitung den Trumpf der Anonymit├Ąt auf der Hand haben. Kein Ger├Ąusch, au├čer statischem Rauschen. ÔÇ×Hallo?ÔÇť, fragte er erneut. Am anderen Ende wurde ein Seufzen laut, dann klickte es, die Verbindung war unterbrochen. Er stand im Flut und blickte tats├Ąchlich in den H├Ârer hinein, als k├Ânne er in der anthrazitfarbenen Muschel sehen, wer da geseufzt hatte. Er legte auf und ging zur├╝ck in die K├╝che. Um einen k├Ârperlichen Ausgleich f├╝r seine auf Hochtouren laufenden Gedanken zu bekommen, fing er an die K├╝che aufzur├Ąumen: das schmutzige Geschirr in die Sp├╝lmaschine, das restliche Chili in eine Dose und dann in den K├╝hlschrank. Er schrubbte energisch den Herd und schlie├člich wischte er sogar feucht durch. Das alles war n├╝tzlich und eine physische Wohltat. Sein Magen arbeitete mit den Bohnen, jeder Furz war eine Befreiung; doch f├╝r seinen Kopf, der ebenfalls um Verdauung bem├╝ht war, fand er kein Ventil, das ihm Erleichterung verschafft h├Ątte. Vielmehr f├╝hlte er sich wieder an den Waschsalon erinnert: in seinem Kopf rotierte eine Waschtrommel, alles wurde von oben nach unten gewirbelt und wieder zur├╝ck, aber der Inhalt blieb der gleiche und eine Ordnung mochte sich nicht einstellen. Nach der Rotationsbewegung endete alles wieder bei der anf├Ąnglichen Frage: War sie das eben am Telefon? Stimmte es doch, da├č Menschen sp├╝ren, wenn man intensiv an sie denkt? Nein, Zweiteres konnte er klar ausschlie├čen. Wenn das der Fall w├Ąre, h├Ątte sie seit Monaten kein Auge zukriegen d├╝rfen. Und zu der ersten Frage: Warum sollte sie bei ihm anrufen? K├Ânnte es irgend etwas geben, da├č sie an einem sp├Ąten Freitagabend von ihm wollen k├Ânnte? Ihr Zusammenleben war ÔÇ×formlosÔÇť gewesen. Es gab also keinen Trennungs- und Scheidungskrieg, wie er so gerne im Fernsehen gezeigt wird. Auch die Aufteilung des Inventars der gemeinsamen Wohnung war unkompliziert und zur Zufriedenheit beider verlaufen. Die klaren Regeln des Zusammenlebens hatten eine klare Trennung erm├Âglicht. Keine zehn Tage hatte es gedauert um alles sauber - fast chirurgisch - zu separieren. Bei den Klamotten war es eh kein Problem, bei den anderen Dingen: CDs, B├╝cher, Wohntextilien, Bilder, K├╝chenutensilien, bei allem also, was eine Wohnung f├╝llt, machte sie eine Liste und fragte nach seinem Einverst├Ąndnis, ehe sie sie in die Tat umsetzte. Er hatte die Liste gelesen und konnte nicht anders, als sie fair und durchdacht zu nennen. Ihre Sachen verstaute sie daraufhin in Kartons, die kurz danach verschwanden. Schlie├člich verschwand auch sie, allerdings nicht, ohne einen Zettel mit ihrer neuen Telefonnummer zu hinterlassen, denn sie wollte ihn verlassen und sich nicht aus seinem Leben stehlen. Er hatte die Nummer nie gew├Ąhlt, aber ├╝ber den PC hatte er herausgefunden, zu welchem Anschlu├č sie geh├Ârte. Den Namen kannte er vom H├Ârensagen, ein Kollege von ihr. Die Adresse wu├čte er in eine chice Gegend einzusortieren. Er war sogar dort gewesen, hatte das Auto drei Stra├čen entfernt geparkt und sich dann zu Fu├č, in der aufkommenden D├Ąmmerung, dem Haus gen├Ąhert. Die Fassade spiegelte zweierlei: Geschmack und Geld. Hinter einer dezenten Begr├╝nung lie├čen sich Stahl, Glas und Holz ausmachen. Dagegen war schwer anzustinken und so zog er sich an jenem Abend zur├╝ck, mit Wut und Neid im Bauch und Tr├Ąnen in den Augen. Wieder zuhause hatte er verschiedene M├Âglichkeiten durchgespielt: Rache, es ihr zeigen, ein noch gr├Â├čeres Haus bauen, um ihr zu zeigen, da├č sie sich f├╝r den Falschen entschieden hatte; Suizid, er h├Ątte seine Ruhe und w├╝rde ihr endg├╝ltig die Chance entrei├čen ihre Entscheidung zu revidieren; Terror, mit einem Farbbeutel, der an der Glasfassade zerplatzen w├╝rde, k├Ânnte er sich deutlich in ihr Ged├Ąchtnis zur├╝ckrufen; Hurerei, das Fleisch einer anderen schmecken, um sie zu vergessen. So und so ├Ąhnlich rauschten noch einige Schnapsideen durch seinen Kopf, dann griff er das Stichwort auf und betrank sich r├╝ckhaltlos. Die hatte die Wirkung einer Erste-Hilfe-Leistung: sein Schmerz, seine Gedanken und schlie├člich sein Bewu├čtsein wurden abgeschaltet, er nahm eine Auszeit und am n├Ąchsten Tag zahlreiche Kopfschmerztabletten. Danach war er nie mehr auch nur in die N├Ąhe des Hauses gegangen, hatte sie weder gesehen, noch gesprochen. Und jetzt sollte sie ihn anrufen? Diese Idee war so abwegig, da├č er sich dabei erwischte, wie er ├╝ber sich selbst den Kopf sch├╝ttelte. Gleichzeitig wurde ihm aber auch bewu├čt, da├č er sich gew├╝nscht hatte, da├č sie es gewesen w├Ąre. Als Jugendlicher hatte er sich in solchen Situationen in seinen Schmerz fallen lassen, wie in eine offene Klinge. Er hatte ihn verst├Ąrkt, indem er alte Briefe las und sentimentale Musik dazu h├Ârte. Dann, wenn es nahezu unertr├Ąglich war, hatte er zum Messer gegriffen und in seine Arme geschnitten. Das beanspruchte seine Aufmerksamkeit, denn er legte Hand an sich ohne sich verst├╝mmeln oder sonst ernsthaft schaden zu wollen. Die roten Schlitze in seiner Haut fesselten seine salzfeuchten Augen und der k├Ârperliche Schmerz ├╝berlagerte kurzfristig den seelischen; auch wieder so eine fragw├╝rdige erste Hilfe. So konnte er f├╝r eine Weile die Realit├Ąt verschieben und schuf sich gleichzeitig ein ewiges Andenken, wie die Narben auf seinem Arm ihm jetzt bewiesen. Doch heute war eine solche pubert├Ąre Handlung f├╝r ihn keine Option mehr. Wenn er sich ablenken und sich gleichzeitig ein bi├čchen qu├Ąlen wollte, dann konstruktiv, mit Sport. Gewichte wuchten bis zum Kreislaufkollaps, gewaltige Kilometerzahlen joggen bis zum Asthmaanfall und dann zur├╝ck, das war seine gegenw├Ąrtige Folterkammer, in der er nun seit einem halben Jahr agierte. Immerhin, k├Ârperlich war er fit wie lange nicht.
Wieder zerri├č das Telefon die Stille und seine Gedanken. Diesmal zauderte er nicht und war schon mit dem zweiten Klingeln am Apparat: ÔÇ×Hallo?ÔÇť ÔÇ×HalloÔÇť, eine weibliche Stimme, ÔÇ×ich bin's!ÔÇť Mit einem Schlag war sein K├Ârper wie mit Blei ausgegossen, gleichzeitig f├╝hlte er, wie sein Kopf meterweise in Verbandwatte eingewickelt wurde. Um ihn herum bildete sich eine Blase, die die Realit├Ąt und die Zeit drau├čen hielt. Nur ├╝ber den Telefonh├Ârer, den er an sein pfeifendes, von seinem Kreislauf durchrauschtes Ohr hielt, blieb er mit der Welt verbunden, wie durch eine Nabelschnur. Er schwieg eine Ewigkeit, nicht f├Ąhig auch nur ein Wort zu formen. Hinterher w├╝rde er vor sich selbst behaupten, es sei Coolness gewesen, die ihn habe warten lassen. Dann kr├Ąchzte er ein fragendes: ÔÇ×Ja?ÔÇť ÔÇ×Du fehlst mir.ÔÇť, sagte die Frauenstimme zaghaft. Alles in ihm wollte aufschreien und jubeln, doch so leicht konnte, durfte es nicht sein, das wu├čte er ! Am Rauhputz kratzte er sich die Kn├Âchel der Rechten blutig und entgegen allem, was in ihm tobte fragte er: ÔÇ×Und?ÔÇť Sie schien diese Frage erwartet zu haben, denn die Antwort kam prompt: ÔÇ×Ich hatte gehofft wir k├Ânnten uns wieder mal sehen und noch mal ├╝ber alles reden!?ÔÇť


(├ťbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
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