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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Die Parade
Eingestellt am 20. 02. 2002 17:19


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nemo
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Registriert: Aug 2001

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Die Parade

Ein Raunen ging durch die Menge, als der schwarze Mercedes sich n├Ąherte.
Alois stand neben mir und h├╝pfte aufgeregt von einem Bein auf das andere.
Den ganzen Tag hatten wir diesem Augenblick entgegengefiebert - endlich war es soweit. Meine H├Ąnde wurden klamm und ich versuchte zwischen zwei Grubenarbeitern einen Blick auf die Strasse zu erhaschen. Ich konnte die Soldaten sehen, die im Gleichschritt marschierten; mit geradem R├╝cken und die Augen stur nach vorne gerichtet. Das Metall ihrer G├╝rtelschnallen blitzte in der Fr├╝hlingssonne. Ein Gef├╝hl des Stolzes erf├╝llte meine kindliche Seele. Ich war erst elf, aber h├Ątte man mir in diesem Augenblick ein Gewehr gegeben, w├Ąre ich bereit gewesen, mein Vaterland bis zum Tode zu verteidigen. Alois und ich, versuchten uns durch die erste Reihe zu dr├Ąngeln. Ein gro├čer Kerl, mit Ru├č geschw├Ąrztem Gesicht, lachte lauthals, als er merkte, dass wir nicht an ihm vorbeikamen. Er klopfte mir auf die Schulter und ging einen Schritt zur Seite. Nun endlich konnte ich die schwarze Edel-Karosse sehen. Sie fuhr im Schritt-Tempo in unsere Richtung und ich zitterte vor Aufregung. Weil die Sonne mich blendete, legte ich meine Hand ├╝ber die Augen. Als erstes sah ich, auf dem Wagen stehend, einen dicken Mann mit einer Uniform, ├╝bers├Ąt mit gl├Ąnzenden Orden. Als er sich zur Seite drehte, um der jubelnden Menge zuzuwinken, erkannte ich, dass hinter ihm der F├╝hrer stand. Die rechte Hand erhoben und mit strengem Blick, be├Ąugte er sein Volk, das eigentlich gar nicht sein Volk war. Ich bekam eine G├Ąnsehaut und schrie aus ganzer Seele : ÔÇ×Heil Hitler! Heil Hitler! Heil Hitler!ÔÇť
Alois tat es mir gleich und wir waren f├╝r einen kurzen Moment die gl├╝cklichsten Kinder der Welt. Als der Mercedes an uns vorbei fuhr, drehte der F├╝hrer sich zu mir um und ich sah ihm, f├╝r das Zehntel einer Sekunde, in die Augen. Pl├Âtzlich wurde ich von einem grellen Licht geblendet, wie von einem Blitz, der kurz vor mir einschl├Ągt. Ich sah Menschen, ausgemergelt bis auf die Knochen, die kaum mehr die Kraft besa├čen, aufrecht zu gehen. Gruben, gef├╝llt mit schlaffen K├Ârpern, gestapelt wie Gem├╝se auf einem Marktkarren. Eine Woge der ├ťbelkeit ├╝berkam mich, aber die Bilder h├Ârten nicht auf; Bilder von Krieg, Flammen und Zerst├Ârung. Jedes Gl├╝cksgef├╝hl war gewichen und hinterlie├č nur ein schwarzes Loch, gef├╝llt mit reinem Entsetzen. So schlagartig die Visionen erschienen waren, verschwanden sie auch.
├ťbrig blieb die Dunkelheit.

Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf meinem Bett und neben mir sa├č meine Mutter. Sie l├Ąchelte friedlich, und tupfte mir mit einem Tuch kaltes Wasser auf die Stirn.
ÔÇ×Der F├╝hrer scheint dich ja m├Ąchtig beeindruckt zu haben.ÔÇť sagte sie mit einem verschmitzten L├Ącheln.
Ich fing an zu weinen.
Meine Mutter dachte, ich weine aus Gl├╝ck.


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:nemo

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Charima
???
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Hallo, Nemo!

Dieser Text hat mich schwer beeindruckt! Wieviel Du mit so wenigen, schlichten Worten auszusagen vermagst ist beinahe schon unglaublich!

Weitere solcher Texte w├╝nscht Dir herzlichst

Charima



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