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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Die Qual der Wahl - Kap.2
Eingestellt am 14. 11. 2001 19:39


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visco
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Die Qual der Wahl, Kap.1-2

Die Qual der Wahl (Arbeitstitel)


Kapitel 1


      Drei├čig Jahre sind eine lange Zeit. Relativ betrachtet nat├╝rlich. Bei der Entstehungsgeschichte des Universums beispielsweise, das in einem Seitenarm einer unbedeutenden Galaxie ein noch unbedeutenderes Sonnensystem hervorbrachte, in welchem ein vor├╝bergehend von der Menschheit in Beschlag genommener Planet auf seiner Umlaufbahn um einen unauff├Ąlligen Stern kreist, f├Ąllt ein entsprechender Zeitabschnitt sicher nicht ins Gewicht. W├Ąhrend aber das Universum auf eine Vergangenheit von mehreren Milliarden Jahren zur├╝ckblicken kann, sind es bei mir nicht einmal f├╝nfzig. Vergingen f├╝r mich drei├čig Jahre, so waren es im gleichen Verh├Ąltnis f├╝r das Universum immer noch mehrere Milliarden Jahre, und genauso lange kommt es mir vor, als ich durch die H├Ąlfte einer durchgerissenen Banknote daran erinnert werde, wie sich zwei beste Freunde einst schworen, in der Not f├╝r den anderen da zu sein.
      Axel und ich gingen in die gleiche Klasse. Wir h├Ątten unterschiedlicher kaum sein k├Ânnen, aber die restliche Schulzeit ├╝ber bis zum Abitur und noch einige Zeit dar├╝ber hinaus waren wir die dicksten Freunde. Unseren Milit├Ąrdienst verbrachten wir unserer jeweiligen Qualifikation zufolge in verschiedenen Einheiten, und w├Ąhrend Axel im Anschlu├č daran eine Lehre absolvierte und nahtlos den Weg ins Berufsleben fand, verschlug es mich zwecks Studium in eine andere Stadt. Zwar bin ich mehrmals umgezogen aber nie in unseren Heimatort zur├╝ckgekehrt, und mit den Jahren sahen wir uns immer seltener. Unser letztes Treffen liegt jetzt gut und gerne f├╝nfzehn Jahre zur├╝ck.
      ┬╗Achtzehn┬ź, werde ich von der jungen Dame korrigiert, deren Alter etwa diesem Wert entsprechen d├╝rfte. Hochgewachsen wie ihr Vater und ebenso schlank scheint sie ├Ąu├čerlich ansonsten eher nach der Mutter zu schlagen, die Haare undefinierbar r├Âtlich-braun get├Ânt und in der Wahl ihrer Garderobe irgendwo zwischen trendy und eigenwillig, die auffallend gr├╝nen Augen inmitten eines von Sommersprossen ├╝berzogenen Gesichts lie├čen sich gegebenenfalls durch die Verwendung von Motiv-Kontaktlinsen erkl├Ąren. Daniela Wiesmann sei ihr Name, und mit neugierig kritischem Blick mustert sie mich von Kopf bis Fu├č, bevor sie in dem angebotenen Stuhl Platz nimmt. ┬╗Ich habe Sie mir ganz anders vorgestellt. Eleganter irgendwie. Laufen alle Galeristen so ┬┤rum wie Sie?┬ź
      ┬╗Kunsth├Ąndler, nicht Galerist. Ich handele mit Kunstwerken und Antiquit├Ąten.┬ź
      ┬╗Und die Ausstellung unten?┬ź
      ┬╗Ist ein Verkaufsraum, keine Galerie, selbst wenn es ┬┤dransteht, wie ich allerdings zugeben mu├č.┬ź
      ┬╗Damit ist wohl eine Menge Kohle zu machen, hm? Ich meine, geht Ihnen doch nicht schlecht, oder?┬ź
      In diesem Augenblick kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, da├č die Abgesandte meines alten Freundes gleich zum Punkt zu kommen gedenkt, was mich ebenso wenig ├╝berrascht wie die Art der Notlage, in der sich Axel meiner unwillk├╝rlichen Vermutung nach befindet.
      ┬╗Reich bin ich nicht, falls Sie das annehmen sollten, aber ich will mich nicht beklagen, daf├╝r liebe ich meinen Beruf viel zu sehr.┬ź
      ┬╗Ich wollte von dem alten Zeugs nichts geschenkt, stehe ich echt nicht ┬┤drauf, aber deswegen bin ich ja auch nicht hier.┬ź
      ┬╗Das ├╝berrascht mich offen gesagt auch nicht. Und welchem unterstellt ungl├╝cklichen Umstand verdanke ich denn nun Ihr Erscheinen?┬ź
      ┬╗Was? Ach so, Sie meinen, wieso ich hier bin. Mein Dad sagte, das w├╝├čten Sie schon, wenn ich Ihnen das Ding unter die Nase halte.┬ź
      ┬╗Hhm, das hat er gesagt, ja? Konkreteres ist ihm dazu nicht eingefallen?┬ź
      ┬╗Ich sag┬┤ besser nicht, was er genau gesagt hat, will Sie ja nicht beleidigen oder so, aber er meinte, Sie w├╝rden schon verstehen. Wo liegt das Problem?┬ź
      Manche Dinge geraten in Vergessenheit, und bei bestimmten Angelegenheiten ist das sicher ein Segen. Es macht ohnehin nicht viel Sinn, sein Gewissen st├Ąndig mit etwas zu belasten, das man nicht ungeschehen oder von anderer Warte aus nie wieder gut machen kann. Lenas Tod ist eine dieser Angelegenheiten.
      Nat├╝rlich habe ich es nicht wirklich vergessen, das w├Ąre auch v├Âllig undenkbar, nicht nur, weil ich selber in jenen Vorfall involviert war, weshalb Axel mir vermutlich immer noch die Schuld an allem gibt, sondern weil Lena mir damals, und das ist jetzt auch schon wieder f├╝nfzundzwanzig Jahre her, sehr viel bedeutet hat. Kein Wunder also, wenn Axel nicht gerade in den h├Âchsten T├Ânen von mir spricht. Immerhin war es seine kleine Schwester, die ihren schweren Verletzungen noch am Unfallort erlag, w├Ąhrend ich mit einem Schock und ein paar Prellungen davonkam.
      ┬╗Ich wei├č nicht, was Axel, ich meine, Ihr Dad Ihnen ├╝ber mich erz├Ąhlt hat, sicher war auch eine Menge Zutreffendes dabei, aber der halbe Schein als solcher sagt mir lediglich, da├č er in Schwierigkeiten steckt und sich urpl├Âtzlich und aus mir noch unbekannten Gr├╝nden auf unsere fr├╝here Freundschaft besinnt, nicht aber, um welche Art Schwierigkeiten es sich handelt, geschweige denn, wie ausgerechnet ich ihm da wieder ┬┤raushelfen k├Ânnen sollte. Und dann kommt er auch nicht selbst sondern schickt seine Tochter, die offenbar nicht mehr dar├╝ber wei├č als ich. Bitte nehmen Sie es nicht pers├Ânlich, aber offen gestanden kommt mir das alles etwas spanisch vor.┬ź
      ┬╗Sie h├Âr┬┤n sich selber gern reden, wie? Hab┬┤ ich vielleicht gesagt, da├č ich nicht wei├č, was Sache ist? Es mu├č wohl erst um Leben und Tod gehen, damit Sie Ihren Spie├čerarsch in Bewegung setzen!┬ź
      ┬╗Barsche T├Âne, junge Dame! In Ihren Augen bin ich also ein Spie├čer, hm? Was erwarten Sie denn eigentlich von mir?┬ź
      ┬╗Na vielleicht, da├č Sie aus einer Ihrer vielen Mottenkisten die andere H├Ąlfte hervorzaubern, so zum Anfang.┬ź
      Sp├Ątestens im Umgang mit dem Jungvolk von heute merkt auch ein Junggebliebener, oder wer sich daf├╝r h├Ąlt, da├č drei├čig Jahre Altersunterschied nicht zu retuschieren sind. Schlimmer noch h├Ąlt man den Mangel an Spontaneit├Ąt f├╝r ein ├╝berlegenes Vorgehen aus Reife und Erfahrung. Ich zumindest ertappe mich dabei, wie ich nach plausiblen Erkl├Ąrungen, im Grunde aber doch nach Ausfl├╝chten suche, die ein verz├Âgertes Handeln rechtfertigen k├Ânnten.
      ┬╗Warum beginnen wir nicht damit, da├č Sie mir erz├Ąhlen, was Sache ist? Geben Sie einem alten Mann eine Chance, okay?┬ź
      ┬╗Meine letzten Kr├Âten sind f├╝r┬┤s Taxi ┬┤draufgegangen. Zur├╝ck werde ich wohl laufen, aber dann mu├č ich langsam los. Mein Zug geht in ┬┤ner knappen Stunde. Wenn Sie wollen, k├Ânnen Sie mich hinbringen. Sorry, aber f├╝r M├Ąrchenstunden hab┬┤ ich echt nicht die Zeit. Hab┬┤ sowieso nie geglaubt, da├č das mit Ihnen ┬┤was wird. Aber damit Sie┬┤s wissen, wenn ich jemand mein Wort gebe, und egal wie lange das her ist, dann bin ich zur Stelle, da frag┬┤ ich nicht erst gro├č nach.┬ź
      ┬╗Sekunde ┬┤mal! Es ist doch nicht zuviel verlangt, ... ich wei├č ja nicht einmal, ... so warten Sie doch! ... Daniela!┬ź
      ┬╗Hey, mu├č jetzt wirklich los.┬ź Und weg ist sie. Nat├╝rlich eile ich ihr hinterher, aber sie ist schneller und reagiert auf keinen meiner Zurufe, auch nicht, sie selbstverst├Ąndlich gerne zum Bahnhof zu fahren.
      Zur├╝ck bleiben ein Dutzend unbeantworteter Fragen und die H├Ąlfte eines Geldscheins als einstiges Symbol immerw├Ąhrender Freundschaft mit Notruffunktion. Bei den vielf├Ąltigen medialen M├Âglichkeiten heutzutage scheint es fast, als sei Axel auf seine alten Tage sentimental geworden, dabei w├╝├čte ich f├╝r meinen Teil auf Anhieb nicht einmal zu sagen, ob ich das Gegenst├╝ck ├╝berhaupt aufbewahrt habe.
      Ich drehe und wende das auf h├Âchst altmodischem Wege durch einen Boten ├╝berbrachte St├╝ck abgerissenen Papiers in meiner Hand, betrachte es genau, als berge es ein Geheimnis, das nur auf seine Entschl├╝sselung warte, und mir wird klar, da├č eine per SMS, E-Mail oder sonst wie ├╝bermittelte Nachricht nicht ann├Ąhernd den gleichen Effekt erzielt h├Ątte. Gleiches gilt insbesondere f├╝r ein pers├Ânliches Gespr├Ąch. Dieses Relikt aus vergangenen Tagen hingegen vermag wie nichts anderes die Erinnerung an jene Zeit wieder wachzurufen. Was Daniela mir auch immer verschwiegen hat oder auch nicht zu sagen wu├čte, so ist mir pl├Âtzlich, als ob hinter diesem und f├╝r sich alleine unbrauchbaren Teil eines Zahlungsmittels mehr steckt als nur ein Aufruf, und bei allem, was mir heilig ist, hoffe ich, da├č ich mich irre.



Kapitel 2


      Bernd ist ein Draufg├Ąnger. Ob er das heute noch ist, wei├č ich zwar nicht, aber damals war er einer. Wir haben uns auf einer Klassenfahrt angefreundet, und es gab niemanden, der mehr Unfug im Kopf hatte als Bernd. Die M├Ądchen schienen darauf zu fliegen. Eine Freundin hatte er eigentlich immer, manchmal auch mehrere gleichzeitig, und wenn mit der einen Schlu├č war, gab es auch schon eine Neue. Wen sollte es da wundern, wenn ich nicht gerade begeistert war, als er mit meiner Schwester anb├Ąndelte? Lena war au├čerdem viel zu jung f├╝r ihn.
      Verhindern konnte ich es nat├╝rlich nicht, und trotzdem mache ich mir heute Vorw├╝rfe deswegen. Das Leben kann so verdammt ungerecht sein! W├Ąre ich damals mit ihm im Wagen gesessen, dann h├Ątte es vermutlich mich erwischt. Laut dem Hergangsbericht der Polizei hat er den Unfall zwar nicht verursacht, aber ich bin sicher, da├č er wie immer viel zu schnell gefahren ist, deshalb nur noch ausweichen konnte, von der Bahn abkam und so im mehrere Meter tiefer gelegenen Feld landete. Den Wagen hat es regelrecht zerlegt.
      Lena hat noch gelebt, als der Notarzt eintraf, aber sie war eingeklemmt. Sie starb noch bevor man sie endlich aus dem Wrack befreite.
      Bei den Sicherheitsstandards der heutigen Fahrzeuge w├Ąre das wahrscheinlich nicht passiert. Auch wurde die Gefahrenstelle, wie es so sch├Ân hei├čt, schon vor Jahren entsch├Ąrft. Nat├╝rlich ist es m├╝├čig, sich dar├╝ber heute noch den Kopf zu zerbrechen, denn nichts davon bringt Lena zur├╝ck, aber verzeihen kann ich ihm das nie! Niemals!
      Gesehen haben wir uns das letzte Mal vor achtzehn Jahren. Zu dem Zeitpunkt hatte er noch einen Buchladen, der aber nicht besonders gut lief. Wie ich h├Ârte, macht er inzwischen auf Galerist.
      ┬╗Kunsth├Ąndler, nicht Galerist. Er sammelt altes Zeugs und vertickt es an Leute, die bereit sind, f├╝r etwas Geld zu blechen, was andere wegwerfen.┬ź
      ┬╗Was du beschreibst, nennt man einen Tr├Âdler, jemand, der mit Tr├Âdel handelt. Das kann ich mir bei ihm allerdings nicht vorstellen.┬ź
      ┬╗Ja, von mir aus. Ist mir doch egal. Er sollte sich lieber langsam mal melden!┬ź
      ┬╗Das wird er. Er meldet sich. Oder kommt vorbei. Ganz sicher.┬ź
      ┬╗Wie kannst du da so sicher sein? Das mit eurer Freundschaft kannste ja wohl knicken. Habt doch seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr. Warum eigentlich nicht? Ich denke, ihr wart mal echt dicke.┬ź
      Das habe ich auch gedacht, aber wie hei├čt es doch so sch├Ân? Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Oder so ├Ąhnlich. Und nat├╝rlich hat sie Recht. Es ist ganz und gar nicht sicher, da├č Bernd sich blicken l├Ą├čt. Er mag unbest├Ąndig sein, was seinen Lebenswandel anbelangt, leichtsinnig, vielleicht ab und zu sogar Risiken eingehen, wo jeder andere nur den Kopf sch├╝tteln w├╝rde, aber leider Gottes war auf ihn noch immer Verla├č, und er hat stets Wort gehalten. Tut er das auch jetzt, dann r├╝hrt er garantiert keinen Finger.
      ┬╗Wir haben Streit bekommen.┬ź
      ┬╗Ach nee, und worum ging┬┤s?┬ź
      ┬╗Das geht nur ihn und mich etwas an.┬ź
      ┬╗Klingt interessant. Erz├Ąhl┬┤ doch mal. Ich sag┬┤s auch nicht weiter.┬ź
      Neugierige G├Âre! Sie glaubt wohl, nur weil sie mich in der Hand hat, w├╝rde ich ihr gleich alles auf die Nase binden. Und wenn ich es mir recht ├╝berlege, dann bin ich mir nicht einmal sicher, ob ich selber den wahren Grund kenne. Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell ein Wort das andere geben kann, und ehe man sich versieht, sagt man etwas, das man sp├Ąter bereut. Nur ist es dann nat├╝rlich zu sp├Ąt.
      Bei Geld h├Ârt jede Freundschaft auf, hei├čt es, und vielleicht ist dem auch so. Ich wei├č es nicht, aber so ganz von der Hand zu weisen ist es bestimmt nicht. Streng genommen ging es aber eigentlich nicht um Geld, jedenfalls nicht direkt. Angefangen hat alles mit einem Tausch, seine Photoausr├╝stung gegen den alten Schreibtisch, den mir mein Opa vermacht hatte.
      Urspr├╝nglich wollte ich mir Kamera und Zubeh├Âr blo├č f├╝r die Hochzeit von Heikes Schwester borgen, aber es hat mir soviel Spa├č gemacht, und dann sind die Bilder auch noch richtig gut geworden. Ab da an habe ich geknipst wie ein Weltmeister, nat├╝rlich Heike und unseren Sohnemann ÔÇô Kevin war damals noch nicht auf der Welt ÔÇô bei Spazierg├Ąngen im Park, die Tiere im Freiwildgehege, die n├Ąhere Umgebung, einfach alles, was mir vor die Linse kam. Die Tasche, vollgestopft mit verschiedenen Objektiven, Aufs├Ątzen, Blitzlicht und anderen Utensilien, hatte ich von nun an st├Ąndig dabei.
      Eines Tages wollte Bernd nat├╝rlich seine Sachen zur├╝ck. Ich glaube nicht, da├č er sie wirklich vermi├čt hat, aber es war eben nur geliehen und nicht geschenkt. Ich fragte ihn, was er daf├╝r haben wolle, aber er meinte, unter Freunden spreche man nicht ├╝ber Geld. Statt dessen bekundete er sein Interesse an dem alten Schreibtisch, den ich eigentlich noch nie richtig leiden mochte, weil er zu niedrig war und kaum gen├╝gend Platz f├╝r meine mittlerweile angewachsene Computerausstattung bot. F├╝r mich klang dieser Handel mehr als fair.
      ┬╗Nun sag┬┤ schon. Um was ging es bei dem Streit?┬ź
      ┬╗Um Geld. Was denn sonst? Es geht doch immer nur um┬┤s Geld.┬ź
      ┬╗Wieviel denn? Oder was genau? Mensch, nun la├č dir doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen!┬ź
      ┬╗Ich habe mir etwas von ihm ausgeborgt, und als ich es ihm zur├╝ckgeben wollte, da behauptete er, es w├Ąre besch├Ądigt und verlangte, da├č ich es auf meine Kosten reparieren lasse oder ersetze, was ich aber nicht einsah.┬ź
      ┬╗Hast du es denn kaputt gemacht oder nicht?┬ź
      ┬╗Nein. Deswegen ja der Streit.┬ź
      Ich w├╝nschte, es w├Ąre so einfach gewesen. Als Heike von dem Tauschgesch├Ąft erfuhr, bekam ich vielleicht ein Donnerwetter zu h├Âren! Was mir einfiele, ein Erbst├╝ck mit hohem ideellen Wert, das bestimmt auch noch antik w├Ąre und dadurch auf jedem Tr├Âdelmarkt eine Menge Geld br├Ąchte, f├╝r eine popelige Kamera wegzugeben, die man doch in jedem Supermarkt nachgeschmissen bek├Ąme! Ganz sicher h├Ątte Bernd das auch erkannt, der ja sowieso immer nur auf seinen Vorteil bedacht sei, sonst h├Ątte er den Handel doch nie vorgeschlagen. Es war v├Âllig aussichtslos, ihr das auszureden, und am Ende glaubte ich es sogar selbst.
      Als er den Schreibtisch abholen kommen wollte, erkl├Ąrten wir ihm also, da├č er schon noch etwas ┬┤drauflegen m├╝sse, oder er k├Ânne seine Kamera zur├╝ckhaben, und der Deal w├Ąre geplatzt. Er hatte extra einen Lieferwagen gemietet, weil der Schreibtisch nicht zu zerlegen war und nat├╝rlich nicht in seinen Wagen pa├čte. Nicht ganz zu Unrecht war er nun ziemlich sauer, da wir ihm vorher nichts gesagt hatten und mit einem Leihwagen nun mal Kosten verbunden sind.
      Er war nicht bereit, den Gegenwert durch irgendeine Geldsumme aufzustocken, stellte sich sogar richtig pikiert an und pochte auf die getroffene Vereinbarung. Alternativ dazu wollte er seine Photoausr├╝stung zur├╝cknehmen ÔÇô in dem Zustand wie ├╝bergeben, oder wie er sich ausdr├╝ckte ÔÇô und die ganze Sache vergessen. In dem Falle sollten wir allerdings f├╝r den Leihwagen aufkommen.
      Ich wei├č nicht mehr, wer dann was genau zu wem gesagt hat. Laut geworden ist eigentlich nur Heike, und irgendwann meinte ich nur, es w├Ąre vielleicht besser, wenn er jetzt ginge. Es war kein Rausschmiss, aber er fa├čte es so auf und warf mir vor, ich w├╝rde unsere langj├Ąhrige Freundschaft auf┬┤s Spiel setzen. Seine Drohung, wenn er jetzt durch diese T├╝r ginge, dann f├╝r immer, habe ich damals nicht so ernst genommen. Ich sah aber auch keine andere M├Âglichkeit, um Schlimmeres zu verhindern.
      ┬╗Mu├č ja voll hei├č her gegangen sein, wenn ihr das bis heute nicht wieder auf die Reihe gekriegt habt! Schade. H├Ątte ich echt gerne gesehen, wie zwei Spie├čer aufeinander los gehen!┬ź
      Ihr bl├Âdes Gekichere geht mir langsam auf den Geist! Wenn ich sie doch nur zu fassen bek├Ąme, dann w├╝rde ihr das Lachen schon vergehen! Aber dann gibt┬┤s immer noch diesen Chester, ihren Freund, dieser obercoole M├Âchtegern-Abzocker ohne jeden Funken Grips im Kopf. Wenn ich k├Ânnte, wie ich wollte, m├╝├čte der in Zukunft seine Br├Âtchen lutschen! Aber ich mu├č an meine Familie denken! Ich sollte besser nichts riskieren! Noch nicht.
      Bernd braucht wirklich lange! Dieser alte Sturkopf! Wenigstens melden k├Ânnte er sich, aber dann bricht ihm wohl ein Zacken aus der Krone.
      Ich h├Ątt┬┤s wissen m├╝ssen! Am Ende erinnert er sich nicht einmal. Liegt ja auch schon eine ganze Weile zur├╝ck, bestimmt drei├čig Jahre oder so.
      Verdammt, Bernd! Jetzt la├č mich nicht h├Ąngen!


Zeige Kapitel 3+4


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Rote Socke
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Liebe Viktoria,

eine interessante Geschichte ist Dir da gelungen. Ein starker Einstieg und insgesamt eine starke Sprache. Die Figuren tauchen vor meinem Auge auf und die Szenerie l├Ąsst sich prima verfolgen.

Nir ein Satz klingt etwas unwirklich, ein klein wenig umst├Ąndlich, irgendwie sprachlich zu abgehoben, einfach zu lang:

"Zur├╝ck bleiben ein Dutzend unbeantworteter Fragen und die H├Ąlfte eines Geldscheins als einstiges Symbol immerw├Ąhrender Freundschaft, ein trotz der vielf├Ąltigen M├Âglichkeiten des medialen Zeitalters auf h├Âchst altmodischem Wege durch einen Boten ├╝berbrachter Hilferuf."

Aber sonst sehr sehr ordentlich und genug Spannung da, um die Fortsetzung lesen zu wollen.

LG
Volkmar

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visco
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Lieber Volkmar,

lieben herzlichen Dank f├╝r dein tolles Lob.
Mit deinem Hinweis hast du gleichzeitig zielsicher den Satz herausgepickt, mit dem ich selber nicht besonders gl├╝cklich bin. Die n├Âtige ├ťberarbeitung des Textes ist mit Sicherheit noch nicht abgeschlossen - aber genau aus diesem Grund steht der Text ja auch hier in der LL. F├╝r Kritik und/oder Anregungen bin ich immer dankbar, und das gilt insbesondere f├╝r die nachfolgenden Kapitel, die ich wohl in den n├Ąchsten Tagen einstellen werde (da mu├č ich vorher einfach noch mal dr├╝berschauen).

Liebe Gr├╝├če,
      Viktoria



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visco
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Lieber Volkmar,

die von dir angesprochene Textpassage...:

      Zur├╝ck bleiben ein Dutzend unbeantworteter Fragen und die H├Ąlfte eines Geldscheins als einstiges Symbol immerw├Ąhrender Freundschaft, ein trotz der vielf├Ąltigen M├Âglichkeiten des medialen Zeitalters auf h├Âchst altmodischem Wege durch einen Boten ├╝berbrachter Hilferuf. Man k├Ânnte beinahe annehmen, Axel sei auf seine alten Tage sentimental geworden, dabei w├╝├čte ich f├╝r meinen Teil auf Anhieb nicht einmal zu sagen, ob ich das Gegenst├╝ck ├╝berhaupt aufbewahrt habe.
      Ich drehe und wende das St├╝ck abgerissenen Papiers in meiner Hand, [..]

habe ich wie folgt abge├Ąndert...:

      Zur├╝ck bleiben ein Dutzend unbeantworteter Fragen und die H├Ąlfte eines Geldscheins als einstiges Symbol immerw├Ąhrender Freundschaft mit Notruffunktion. Bei den vielf├Ąltigen medialen M├Âglichkeiten heutzutage scheint es fast, als sei Axel auf seine alten Tage sentimental geworden, dabei w├╝├čte ich f├╝r meinen Teil auf Anhieb nicht einmal zu sagen, ob ich das Gegenst├╝ck ├╝berhaupt aufbewahrt habe.
      Ich drehe und wende das auf h├Âchst altmodischem Wege durch einen Boten ├╝berbrachte St├╝ck abgerissenen Papiers in meiner Hand, [..]


Was meinst du? Besser so? (Nat├╝rlich darf sich auch jeder andere Leser angesprochen f├╝hlen.)


Liebe Gr├╝├če,
      Viktoria

P.S.: ich habe mir erlaubt, am Ende des Textes einen Link zu dem Beitrag einzuf├╝gen, der die nachfolgenden Kapitel 3 und 4 enth├Ąlt.

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Rote Socke
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Perfekt! Perfekt!

Hi Viktoria,
haste prima gemacht. Jetzt liest sich diese Passage in einem Rutsch und passt gut in den ├╝brigen Erz├Ąhlfluss hinein. Mich pers├Ânlich st├Ârt noch etwas das Wort "medialen", aber das ist Ansichts- und Geschmackssache.

Kam gerade vor einer Reise zur├╝ck und werde mich sobald wie m├Âglich zu Kap. 3+4 begeben.

LG
Volkmar

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visco
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Alternative zu 'medialen'

Hallo Volkmar!

Tja, ich habe ein bi├čchen ├╝ber Alternativen zu dem tats├Ąchlich etwas gew├Âhnungsbed├╝rftigen 'medialen' nachgedacht (das mich pers├Ânlich irgendwie immer an 'medieval' [engl.: mittelalterlich] erinnert). Leider ist mir au├čer dem Wortmonster 'Kommunikationsm├Âglichkeiten' anstelle von 'medialen M├Âglichkeiten' nichts wirklich Brauchbares eingefallen. Du hast nicht zuf├Ąllig eine Idee, oder?

Liebe Gr├╝├če,
      Viktoria


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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Viktoria...

...wenn ich es mir recht ├╝berlege, ist dieses mediale Wort gar nicht so verkehrt. Es k├Ąme wohl etwas anders/besser zur Geltung, wenn Du die Passage einfach etwas umstellen w├╝rdest. Dies ist nur ein Vorschlag:

Mir scheint fast, als sei Axel auf seine alten Tage sentimental geworden, dabei w├╝sste ich f├╝r meinen Teil auf Anhieb nicht einmal zu sagen, ob ich das Gegenst├╝ck ├╝berhaupt aufbewahrt habe.
Ich drehe und wende das auf h├Âchst altmodischem Wege durch einen Boten ├╝berbrachte St├╝ck abgerissenen Papiers in meiner Hand, betrachte es genau, als berge es ein Geheimnis, das nur auf seine Entschl├╝sselung warte. Mir wird klar, dass bei den vielf├Ąltigen medialen M├Âglichkeiten heutzutage, eine per SMS, E-Mail oder sonst wie ├╝bermittelte Nachricht nicht ann├Ąhernd den gleichen Effekt erzielt h├Ątte.

LG
Volkmar

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