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Die Regeln des Spiels
Eingestellt am 17. 06. 2005 13:12


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catalina
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2005

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Die Regeln des Spiels

Sie war sehr fr├╝h am Morgen gekommen. Als er die T├╝r ├Âffnete, f├╝rchtete sie ihre Beine w├╝rden vor M├╝digkeit unter ihr nachgeben. Sie blinzelte um die aufsteigende Dunkelheit zu vertreiben.
- Was tust du hier ?
Sie zuckte die Schultern, wusste es selbst nicht genau und ging nur schweigend an ihm vorbei ins Haus.
- Hast du Kaffee ?
Er deutete stumm in die K├╝che, folgte ihr nur mit Blicken und blieb im Flur stehen. Dann setzte er sich und lehnte sich gegen die Wand.
Die Kaffeemaschine dr├Âhnte in ihren Ohren. Sie ├Âffnete einige Schr├Ąnke, bevor sie eine Tasse gefunden hatte. Sie fuhr mit dem Finger ├╝ber den Rand, sp├╝rte die raue Stelle an der das Keramik gesprungen war.
Dann erst blickte sie ihn zum ersten Mal bewusst an. Die M├╝digkeit lie├č die Wirklichkeit verschwimmen und sie empfand seine Silhouette im dunklen Flur als verzehrt.
- Geh schlafen !
Sagte sie nur, h├Ârte ihre Stimme wie ein Echo. Sie wollte noch eine Zigarette rauchen. Er wirkte m├╝de. Es war erst kurz vor F├╝nf. Doch er stand nicht auf.
Der Kaffee pl├Ątscherte in die Tasse, die Maschine surrte. Sonst war es still.
Sie verbrannte sich die Zunge, fluchte leise und setzte sich neben ihn.
- Was tust du hier ?
Seine Stimme klang rau. Sie roch den Alkohol, wandte leicht den Kopf ab um gegen die ├ťbelkeit anzuk├Ąmpfen.
- Kaffee trinken.
Er mochte ihren Zynismus nicht. Nicht um diese Zeit. Sie sah es an dem leichten Verdrehen seiner Pupillen. Fast unmerklich wie er den Blick abwandte um ihn dann wieder auf sie zu richten. Sie w├╝rde es nicht sagen. Vielleicht ahnte er das ja, denn er stand auf.
- Lass uns ins Bett gehen !
Sie sch├╝ttelte den Kopf.
- Gut.
Er schwieg kurz.
- Ich gehe jetzt ins Bett. Gute Nacht !
Sie nickte. Er ging in sein Zimmer, sie stand auf, f├╝hlte sich wie ein kleines Kind, das hinter einem anderen hertapst.
In seinem Zimmer ├Âffnete sie die Terrassent├╝r, setzte sich unter die halb heruntergelassene Jalousie und lehnte sich gegen den Fensterrahmen.
Das Feuerzeug zischte leise. Der Geschmack der Zigarette war ungewohnt bitter.
Sie beobachtete wie er die Decke fast bis ├╝ber seinen Kopf zog und nichts blieb au├čer ein wirrer Haarschopf. Er schlief schnell ein. Sie beneidete ihn darum.
Sie richtete den Blick wieder nach drau├čen. Der Himmel war in ein k├╝hles, dunstiges Licht geh├╝llt. Es w├╝rde Regen geben. Und Hitze.
Sie zog an der Zigarette. Der Wind k├╝hlte ihr verschwitztes Gesicht. Sie hatte es ihm ja nicht gesagt. Dachte sie.
Wieder die aufsteigende ├ťbelkeit. Sie dr├╝ckte die Zigarette aus. Fast war sie versucht, sie in seinem buntkarierten Teppich auszudr├╝cken. Es reizte sie. Vielleicht war es auch nur die M├╝digkeit. Doch sie dr├╝ckte nur mit den blo├čen Fingern die gl├╝hende Asche aus, biss sich auf die Lippen, als der Schmerz kam und legte die Zigarette dann neben die offene Terrassent├╝r. Den Kaffee hatte sie im Flur stehen lassen.
Sie zog sich das T-Shirt ├╝ber den Kopf, warf einen Blick auf ihre schmutzigen, nackten F├╝├če, ehe sie die Jeans auszog. Ihre Haut f├╝hlte sich klebrig an, roch seltsam s├╝├č.
Er hatte nur eine Decke. Sie wollte ihn nicht wecken und rollte sich zusammen. Die M├╝digkeit war ihr beinahe unertr├Ąglich. Gedankenfetzen im Kopf ehe sie endlich schlief.

Als sie wach wurde, f├╝hlte sie sich ersch├Âpft. Die W├Ąrme des Zimmers legte sich feucht auf ihre Haut. Ihr Kopf pochte. Wie sp├Ąt war es ?
Die T├╝r zum Zimmer stand offen, irgendwo im Haus hatte jemand Musik angemacht. Ihr Mund f├╝hlte sich trocken an.
Als sie sich aufrichtete, wurde sie sich erst bewusst, dass er sie zugedeckt hatte.
Sie nahm das zerknitterte T-Shirt vom Boden, zog es sich im Gehen ├╝ber. Es war kein schnelles Gehen. Eher ein Schleppen. Ihre Beine kamen ihr d├╝nn vor. Eklig d├╝nn.
Die Kaffeetasse stand nicht mehr im Flur. Wie sp├Ąt war es ? Welcher Tag war heute ?
Sie ging in die K├╝che. Trank beinahe gierige einige Schl├╝cke Wasser aus einer der zerbeulten Plastikflaschen.
- Morgen !
Pl├Âtzlich stand er in der K├╝chent├╝r. Erschrocken zuckte sie zusammen, lie├č beinahe die Wasserflasche fallen.
- Wie sp├Ąt ist es ?
- Drei Uhr.
- Nachts ?
Er lachte. Sie blickte aus dem Fenster, das helle Licht schmerzte in ihren Augen. Es war Tag. Tag. Wieso diese ├╝berfl├╝ssige Frage. Sie dachte, es w├Ąre Nacht. Es war alles so dunkel.
- Willst du duschen ?
Sie war noch zu benommen. Er schob sie ins Bad, zog ihr das T-Shirt ├╝ber den Kopf.
- Setzt dich in die Badewanne.
Es war so irreal. Sie sp├╝rte die K├╝hle der Fliesen unter ihren nackten F├╝├čen, den Druck seiner Hand auf ihrem R├╝cken um sie zur Wanne zu f├╝hren.
Ihr war schwindlig. Die ├ťbelkeit kroch ihre Kehle hinauf, dann pl├Âtzlich die Erinnerung.
Der Wein. Sie dr├╝ckte seinen Arm beiseite, ├╝bergab sich ins Waschbecken. Roter Brei.
Ihr blasses, nassgeschwitztes Gesicht im Spiegel. Ihre H├Ąnde zitterten. Seine Hand, die sie ruhig am Arm hielt, damit sie nicht fiel.
- Du solltest Wasser trinken. Etwas essen.
Er stellte den Wasserhahn an.
- Alles in Ordnung ?
Sie wollte Nein sagen. Nickte nur. Sie wusch sich das Gesicht. Er dr├╝ckte sie bestimmter zur Badewanne. Lie├č warmes Wasser ein.
- Ich mach dir einen Tee.
H├Âr auf, dachte sie. H├Âr auf. Komm her, pass auf mich auf. Geh nicht. Wortbrocken. Widerspr├╝chlich.
Er ging in die K├╝che. Sie sank in das warme Wasser.
Irgendwann kam er wieder, stellte eine Tasse Tee neben ihr ab. Es war dieselbe. Sie sah den kleinen Sprung im Keramik.
Sein Telefon klingelte. Sie tauchte im Wasser unter. Verschloss fest die Augen. Werde wach. Werde wach. Fl├╝sterte sie. Wasser drang in ihren Mund. Ihre Lungen schienen bersten zu wollen. Ihr K├Ârper schob sich wie von allein nach oben. Sie holte Luft.
Er lehnte neben der Wanne. Das Telefon klingelte nicht mehr.
- Kannst lange die Luft anhalten.
Es f├╝hlte sich gut an. Dieser belanglose Satz. Er nahm ein Handtuch und hielt es ihr hin. Sie zog das H├Âschen unter Wasser aus, lie├č es auf der Oberfl├Ąche schwimmen und wickelte sich in das blaue Frotteehandtuch.
Sch├Ân, dachte sie. Nur sch├Ân. Sie nahm die Tasse Tee, lief durch den Flur, hinterlie├č nasse Tapsen auf den Fliesen.
- Hast du eine Hose ?
Fragte sie. Er gab ihr eine Jeans.
- Die ist zu kurz.
Stellte sie fest. Er gab ihr eine Andere. Sie stand einen Moment in seinem Zimmer, Wassertropfen auf der noch nassen Haut. Sie fror. Nur an den Beinen war ihr warm.
Er zog noch einen Pulli aus dem Schrank.
Dann setzten sie sich auf die Terrasse, rauchten eine Zigarette, schwiegen.
- Danke.
Sagte sie dann.
- Wof├╝r ?
- F├╝r den Tee.
Er antwortete nicht, starrte in den Himmel. Sie war an der Reihe.
- Wie gehtÔÇÖs dir ?
Er zog an seiner Zigarette, schien ├╝ber ihre Frage nachzudenken, in sich hineinzuhorchen.
- Ersch├Âpft.
Das war alles, was er sagte. Sie lehnte sich in dem Plastikstuhl, in dem sie sa├č, zur├╝ck.
- Warum ?
- Wei├čt du.
Sie nickte. Obwohl sie unsicher war. Er zog wieder an seiner Zigarette und sie beobachtete den Rauch, der aus seinem Mund quoll.
- Was brauchst du ?
- Wof├╝r ?
- Um die Ersch├Âpfung zu vertreiben.
Er setzte ein gespieltes L├Ącheln auf. Ein m├╝des L├Ącheln.
- Ruhe.
- Vor was ?
Er antwortete nicht, beobachtete nur wie die Zigarette im Aschenbecher vergl├╝hte. Zuckte dann die Schultern.
Sie lie├č ihn. Dr├╝ckte die Zigarette aus. An zwei Fingern hatte sie eine Brandblase. Die Haut spannte sich wei├č an den Stellen. Es tat weh.
Er stand auf.
- Hast du Hunger ?
Sie sch├╝ttelte den Kopf.
- Du solltest etwas essen.
- Nein.
Sein Blick verharrte kurz an der W├Âlbung ihres Mundes, als w├Ąre er sich unsicher, ob sie wirklich etwas gesagt hatte. Dann drehte er sich um, ging in sein Zimmer.

Sie legte eine CD ein. Er lag auf dem Bett, beobachtete sie kurz bevor sein Blick wieder leer wurde. Sie setzte sich neben ihn, hatte den Drang ihm ├╝ber den Bauch zu streichen. Ihn zu beruhigen wie es bei Kleinkindern gemacht wird.
Doch dann legte sie sich nur neben ihn. Er sagte nichts. Sie f├╝hlte sich schwer innerlich.
War sich unsicher, was sie tun sollte.
Schlie├člich zog sie ihn vorsichtig an sich und nahm ihn in den Arm. Er lie├č sie gew├Ąhren.
Sie sp├╝rte sein leichtes Zittern. Schlo├č die Augen, wusste nicht ob er weinte. Wollte es nicht wissen. Es war ihr nicht gleichg├╝ltig.
Sie strich ihm ├╝ber den Kopf, wartete, lauschte auf das Lied, das ged├Ąmpft aus den Lautsprechern drang. Sein Zittern schw├Ąchte ab, wurde ruhiger.
Sie ├Âffnete die Augen, leichte Entspannung. Er hob den Kopf. Sein Gesicht war dicht vor ihrem. Be├Ąngstigend vertraut. Still, dachte sie. Still.
Er setzte sich hin.
- Essen wir was.
Er lie├č kein Nein gelten.

In der K├╝che. Das trockene Brot, das ihr den Mund zu verkleben schien.
- K├Ąse ?
Sie sch├╝ttelte den Kopf, beobachtete wie er K├Ąse und Salami auf einem Br├Âtchen aufeinanderstapelte. Dann hineinbiss. Mit jungenhafter Art kaute.
Kleiner Junge. Kleiner Junge. Wechselspiel des Besch├╝tzens. Er schien gefasster. Was war schon ein Schein ? Er existierte nur f├╝r den Moment.
Sie hatte Durst. Trank einen halben Liter Wasser bis er anfing zu lachen. Wasserflecken auf seinem Pulli und auf den wei├čen Fliesen.
Die Nacht vor den Fenstern. Lass uns Wein trinken, wollte sie sagen. Lass uns barfuss ├╝ber eine Wiese gehen. Wo ist der Ring von Orion, wollte sie ihn fragen.
Doch es gen├╝gte ein L├Ącheln. Er verstand das schon. Sie vertraute darauf.

__________________
Sie sah zu, wie in der D├Ąmmerung
langsam die Lichter der Br├╝cke aufleuchteten
und empfand einen Moment lang Geborgenheit.

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Lillia
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 8
Kommentare: 85
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Profil

Der Titel hat mich neugierig gemacht und gefaellt mir. Der Text gefaellt mir, ich habe ihn sehr gerne gelesen.
Ich mag die Athmosphaere und ich bewundere den Dialog. Mich erinnert das Ganze an die Art junge Literatur, die gerade ganz gut verkauft wird (zB. Judith Hermann) aber das ist ja nichts Schlechtes. Mich interessiert, ob Du das bewusst gemacht hast? Oder in letzter Zeit viel Derartiges gelesen hast?

Gestolpert bin ich irgendwo ueber ..."stellt sie fest." das unterbricht meinen Lesefluss.

Auch finde ich den Schluss enttaeuschend, dabei bin ich eigtl gar kein Freund von Schlusspointen, weil man dafuer m.E. schon richtig was drauf haben muss, damit's gut wird.
Aber die ganze Zeit schwebt zwischen den beiden etwas, von dem ich als Leserin hoffe, spaeter zu erfahren was es ist. Dann kommt nichts mehr.
Wenn das die ganze Zeit nicht da waere, ginge zwar etwas Spannung verloren, aber das wuerde den Text nicht weniger gut machen.

Gruesse
-lilli-
__________________
Ich brauche keine Bequemlichkeiten. Ich will Gott. Ich will Poesie und Freiheit und Tugend. Ich will S├╝nde.

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