Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87780
Momentan online:
318 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Die Schwester meines Vaters - Tante Dosis
Eingestellt am 15. 01. 2008 19:36


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Impermeabile
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2007

Werke: 11
Kommentare: 16
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Impermeabile eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Wer keine Tante Doris in seiner Verwandschaft hat, der braucht jetzt nicht weiter zu lesen. Wem es aber beliebt, und wer eine Tante Doris hat, der bleibe diesen kurzen Moment.

Als ich 1958 geboren wurde, war es f├╝r mich im ersten Augenblick noch ziemlich un├╝bersichtlich, die Menschen einzuordnen in Verwandte und weitestgehend Fremde. Relativ schnell kriegte ich spitz, da├č Verwandte h├Ąufiger um mich und meine Wiege standen, als zum Beispiel die Hebamme und der Arzt, die mich im Krei├čsaal in Empfang nahmen. Diesen beiden Menschen begegnete ich sp├Ąter nicht mehr sehr oft. Ihre Gesichter verbla├čten. Und ich h├Ątte sie in unserer Stadt auch nicht wiedererkannt, w├Ąren sie mir auf der Stra├če begegnet. Gewisserma├čen strahlend aber sa├č ich zu anfang meines Lebens in einem fantastischen Vierradgef├Ąhrt im Hof vor der Haust├╝r und lernte schnell meine Umgebung kennen und einsch├Ątzen. Insgesamt z├Ąhlte ich f├╝nf Familiemitglieder, Mutter und Vater, Gro├čvater Zilli, die Gro├čmutter Dicke Berta und die Schwester meines Vaters, Tante Dosis.

Wie man dieser Einf├╝hrung entnehmen kann, lag mir sprechtechnisch weder das hintere Gaumen-R, noch das vordere Zungenspitzen-R. Ich versuchte einfach cool zu bleiben, mir keinen abzubrechen und setzte statt des R einfach ein S an seine Stelle und Tante Dosis war es zwar nicht recht zufrieden, aber sie wu├čte, da├č sie gemeint war, wenn ich von meinen Erlebnissen aus den Federkissen meines Wagens berichtete. Sicherlich verzieh mir meine Gro├čmutter das ÔÇťDicke BettaÔÇŁ, weil ich zu diesem Zeitpunkt nicht nur der erste Enkel, sondern auch ein ganz s├╝├čer Fratz war: ÔÇťDu bist meine liebste Omma, aber du hast 'nen Kopp wie'n B├Ąr.ÔÇŁ

Tante Dosis war 17 Jahre alt, als ich im ersten Lebensjahr meinen Verwandten von den Ungeheuerlichkeiten auf unserem Hof berichtete. Da waren zum einen die streunenden Katzen, zum anderen die stinkenden Fische, die Gro├čvater Zilli von seinen Angeltouren an der Ruhr heimbrachte, von ihm im Schuppen ger├Ąuchert, Aale und sowas, oder aber auch anderes Gr├Ątengetier, Rotaugen, Schleien, sie wurden von Omma Dicke Betta in der Pfanne kro├č und knusprig zubereitet, da├č die Katzen immer mehr wurden. Hunger direkt kannten wir nicht. ├ťberm├Ąchtigen Durst auf jeden Fall die M├Ąnner.

Zwischen dem zweiten und dritten Geburtstag wurde die Familie etwas gr├Â├čer, und zwar gesellte sich der rattenscharfe Hund Spitz dazu, ein Spitz auch von der Rasse her, frech, vorlaut, beissfreudig. Als Haus- und Hofhund gegen die vermehrt eintrudelnden Katzen vorgesehen, dieser Arbeit letztlich nicht m├Ąchtig, verlagerte sich sein Interesse auf die Hosenbeine und Rockzipfel der vorbeigehenden Nachbarn. Die B├╝rde, als Katzenj├Ąger versagt zu haben, versetzte ihn in rasende Wut, so da├č er schlie├člich selbst nicht mehr unterschied zwischen Freund und Feind und geradezu irrsinnig auch seine Ern├Ąhrer zum Feind erkl├Ąrte. Einzig Gro├čvater Zilli erkannte er noch am Geruch der Fische. Ich verlie├č mein sportliches Kabriolet zu dieser Zeit nur noch auf den Armen von Tante Dosis, die sehr gut roch und warm sich anf├╝hlte.

Spitz blieb nicht sehr lange bei uns. Denn eines sch├Ânen Tages nahm Omma Dicke Betta Spitz an die Leine und sagte: ÔÇ×Komm.ÔÇť Es war klar, wohin sie mit ihm wollte, n├Ąmlich zu Stink-Koch. Wenn der Wind g├╝nstig stand, vermischte sich der Fischgeruch auf unserem Hof mit dem der nur hundert Meter entfernt liegenden Abdeckerei Koch. Als sie wieder unseren Hof betrat, mutterseelenallein, hielt sie mir zwei St├╝ck Kernseife unter die Nase und sagte: ÔÇ×Das Mistst├╝ck kommt nicht mehr wieder.ÔÇť
Auf die Frage meines Gro├čvaters, wo denn Spitz abgeblieben sei, zuckte Gro├čmutter mit den Schultern und kniff mir ein ├äuglein zu: ÔÇ×Ich hab ihn heute morgen das letzte mal gesehen.ÔÇť
Auf dem Waschbecken aber lag ein gro├čes St├╝ck Feine Kernseife, die nicht den Fischgeruch an den H├Ąnden beseitigte, dennoch ein sauberes Gef├╝hl hinterlie├č.

Im Alter von vier Jahren, und da h├Ątte mir Spitz gute Dienste leisten k├Ânnen, immer noch auf Kriegsfu├č mit dem Buchstaben R, aber bereits selbstst├Ąndig stehend und manche verbale Attacke gegen die nun eintrudelnden Verehrer und Verf├╝hrer meiner Tante Dosis reitend, griff ich nicht selten auch zum Besenstiel, um die halbw├╝chsigen Rock ÔÇśn Roller ├╝ber die ├äcker des Bauer Flocken zu jagen. So sehr war ich eifers├╝chtig auf meine Tante Dosis. Sie war meine erste Geliebte. Zwar war mir klar zu diesem Zeitpunkt, da├č ich sie nicht heiraten w├╝rde k├Ânnen, der Altersunterschied war einfach zu gro├č. Aber auch nicht jede vorstellig werdende Schmalzlocke konnte der Auserw├Ąhlte sein, nur eben einer. Er wurde von mir, sitzend in meinem gepflegten Oldtimer vorbeigelassen. Meine Wahl traf den Richtigen. Ein Anruf am heutigen Abend, meine Neujahrsw├╝nsche an Tante Dosis, best├Ątigt wieder einmal meine damals gute Entscheidung. Er ist immer noch bei ihr, mein Onkel Horst

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Erz├Ąhlungen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!