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Leselupe.de > Theoretisches
Die Stanze
Eingestellt am 27. 06. 2012 18:33


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Bernd
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Die Stanze

Das Wort Stanze hat drei grundlegende Bedeutungen in der Literatur.
Die erste, „Strophe eines Gedichtes“, wird heute kaum noch verwendet. Die zweite beschreibt eine spezielle, in sich abgeschlossene Strophe, in der dritten Form handelt sich um eine Erweiterung der zweiten, die Stanzenstrophe wird hierbei als Teil in einem längeren Werk (Gedicht, Schauspiel, Epopöe) eingesetzt (Beispiel: Goethes „Faust“).

Erste Strophe aus Goethes „Faust“, Abschnitt „Zueignung“

„Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,
Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert
Vom Zauberhauch, der eueren Zug umwittert.“



Nach Wikipedia Hier klicken ist die Stanze eine aus Italien stammende Gedichtform, die aus acht elfsilbigen Verszeilen mit dem Reimschema abababcc besteht.

Im Deutschen gibt es eine Abweichung, die Stanze weist demnach meist abwechselnd weibliche und männliche Kadenzen, fünfhebige Verse mit jambischem Versmaß und eine Zweiteilung in die Gruppe der ersten sechs Verse und die Gruppe der letzten zwei Verse mit entsprechendem Wandel im Rhythmus auf.

Der Begriff kommt von ital. „stanza“, „Raum“ im Sinne von: Gedanken Raum geben)
Die Gedichtform wird auch Oktave (ital. Ottava rima) genannt.

Nach dem „Handbuch der poetischen Nationalliteratur der Deutschen von Haller“ Bd. 3, S. 375 Hier klicken
wurden Stanzen von Italienern und Portugiesen gedichtet.

Wir beschäftigen uns hier also mit der achtzeiligen Stanze.
Ich gehe in der weiteren Beschreibung vom oben genannten „Handbuch“ aus. Den kompletten Artikel kann man dort nachlesen, ich beschränke mich auf eine etwas vereinfachte Darstellung.

Im Normalfall hat die Stanze Verse im fünffüßigen Versmaß, es gibt aber auch vier- und sechsfüßige Beispiele.
Die Abweichungen können aber den Wohlklang der Stanze verderben.

Bei den portugiesischen und italienischen Stanzendichtungen handelt es sich oft um Epopöen, während im Deutschen oft - auf Grund des anderen Sprachcharakters - lyrische Werke entstehen - auch bedingt durch die andere Nutzung des Reimes.

Nach dem „Handbuch“ müssen die Verse der Stanze einen Abschnitt haben, gewöhnlich nach dem zweiten, aber auch nach dem ersten oder dritten Takt. Beispiel aus der Fauststrophe: „Ihr naht euch wieder, / schwankende Gestalten ...“

Die damaligen deutschen Dichter, insbesondere Wieland, haben sich, so wird angegeben, große Freiheiten genommen, die aber teilweise dem Wesen der Stanze widersprächen, indem Zahl und Ordnung des Reimes verletzt würden.

Sehr oft wurde die Stanze für romantische Gedichte eingesetzt.

Renate Golpon Hier klicken gibt in ihrem Lyrikkalender einen formalen Überblick über die (deutsche) Stanzenform. Insbesondere erwähnt sie die Schlusszeilen: „Wie beim Sonett fassen sie zusammen, spitzen zu, kulminieren, krönen – oder setzen der ersten Aussage etwas entgegen.“
Als Varianten der Stanze benennt sie Siziliane, Nonarime, Huitain und Spenser-Strophe.

MasterAdaM gibt in Hier klicken „WWW. Literaturforum .de“ an, dass eine Stanze positiven Inhalt haben und Liebe, Romantik, Partnerschaft, Erotik (ästhetisch, kein plumper Sex), usw. zum Inhalt haben müsse. Alles andere seien „Pseudostanzen“, insbesondere, wenn die Stanze negativen Inhalt hat. Ich denke, dass auch Humor, Politik und anderes zum heutigen Inhalt gehören kann.

Ich glaube nicht, dass sich MasterAdaMs Standpunkt aufrecht erhalten lässt. Es ist ein typisch ausschließender und vorschreibender Standpunkt. Trotzdem gibt es Anhaltspunkte über den vorzugsweisen Inhalt.

Alle zuletzt genannten Quellen schreiben nichts über den oben benannten Einschnitt in den Verszeilen. Dabei ist das eine wichtige und nicht selbstverständliche Formfrage.

Kochrezept für eine Stanze:

Eine Strophe
8 Verse
je 5 Versfüße
männliche oder weibliche Kadenz
Einschnitt im Vers nach dem zweiten bzw. nach dem ersten oder dritten Versfuß.
Reimschema: abababcc

O Dichter, möchtest du in Stanzen dichten,
verpasse nicht, wenn deine Muse naht;
schreib Vers auf Vers in hoffnungsfrohen Schichten,
verwende höchsten Stil, das sei mein Rat,
kannst über Liebe, über Lust berichten,
streu sacht Erotik ein, schmück’s mit Brokat;
Willst du das Herz der Liebsten dir erringen,
es sei: Die Stanze möge dir gelingen.


__________________
Copy-Left, samisdada

Version vom 27. 06. 2012 18:33

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