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Leselupe.de > Erzählungen
Die Verschwörung
Eingestellt am 02. 08. 2003 09:58


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Dorahn Mavelius
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2003

Werke: 15
Kommentare: 10
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Eines meiner frühen Werke. Ich bitte um Feedback gleich welcher Art.


Die Verschwörung

Es war einer dieser trübkalten Novembertage, an denen der Nieselregen so langsam fällt, das man meint, er stehe in der Luft wie eine Wand aus Nässe. Malachai wachte irgendwann gegen zehn Uhr auf, quälte sich aus dem Bett, zog die Jalousie des Schlafzimmerfensters hoch und blickte, das Zugband noch in der rechten Hand, nach draussen. Mürrisch grunzend liess er die Jalousie wieder herab, ging zur Tür und schaltete die Deckenbeleuchtung ein. Das Schlafzimmer bot einen Anblick, als habe das Kommando Spezialkräfte KSK letzte Nacht heimlich hier geübt! Kleidungsstücke und Zeitschriften, zumeist Pornomagazine, lagen verstreut um das Bett herum. Auf dem Weg zum Schrank trat Malachai fluchend barfuss auf eine umgekippte leere Flasche Wodka, die sich mit einem verschwitzten Hemd tarnte, und vor dem Schrank auf ahnungslose Füsse lauerte. Auf einem Bein hüpfend, liess er sich aufs Bett fallen und rieb sich den schmerzenden Fuss. Bei dem Versuch, die Schublade vom Nachttisch zu öffnen, riss er den Nachttisch aus der Verankerung und fiel mit ihm vor das Bett. In dem Gerümpel fand er nach einiger Wühlerei eine zerknitterte Packung Luckys, steckte sich eine zwischen die Lippen und… nichts. Wo hatte er gestern abend das Feuerzeug hingelegt? Wütend und mit einer schnellen Handbewegung zog er die Zigarette aus dem Mund und warf sie hinter sich. Er öffnete die Schlafzimmertür und schlurfte nackt durch den Flur, der so kalt war, dass er ohne Mühe mit einem Kühlhaus hätte konkurrieren können.Durch die erste Tür links im Flur gelangte er in das Bad. Malachai interessierte vorrangig die darin befindliche Toilette. Während er seine Notdurft verrichtete, kratzte er sich am durchtrainierten Bauch und an einer etwas entlegeneren Körperregion. Nach erfolgreicher Aktion stieg er in die Dusche ein und zog den Vorhang zu. Langsam wurde er vom lauwarmen Wasser, das der Brausekopf auf ihn herabschickt, wach, seifte sich von oben bis unten sein und spülte alles nach einigen Sekunden des Einwirkens wieder ab. Vorsichtig stieg er aus der Dusche auf den Vorleger, der leicht rutschte, ansonsten aber an seinem Platz verharrte. Jede heterosexuelle Frau, die ihn in diesem Moment erblickt hätte, wäre in Ohnmacht gefallen. Kein Gramm Fett zuviel, alles Muskeln; seine Brust- und Bauchmuskulatur war gut ausgeprägt, nicht zu übertrieben, aber doch sichtbar. Seine Arme und Beine passten sich diesem fast perfekten Erscheinungsbild an.

In nun wachem Zustand ging er die wenigen Schritte zum Waschbecken, nahm Zahnpasta und eine Zahnbürste und putzte sich vier lange Minuten ausgiebig die Zähne. Nachdem er den Mund mit Wasser ausgespült und mit einem Handtuch abgetupft hatte, hängte er das Tuch wieder an seinen Haken und verliess das Badezimmer in Richtung Küche. Was das Kleidungschaos im Schlafzimmer war, waren die auf der Spüle aufgestapelten Teller, Tassen und Besteck in der Küche. Malachai suchte einige Augenblicke den Tellerstapel durch, bis er ein Exemplar fand, dessen Reste noch keine eigene Lebensform gebildet hatten und scheuerte ihn unter zu Hilfenahme von Bürste und Spülmittel ab, trocknete ihn mit einem Tuch und stellte ihn auf den Tisch. Diese Prozedur wandte er ebenso bei einer Tasse und einem Messer an. Die Kaffeemaschine bot einen skurillen Anblick, da das Kunststoffgehäuse vor längerer Zeit eine kurze, aber heftige Beziehung zu dem nur wenige Zentimeter entfernten Toaster eingegangen war; dennoch, sie funktionierte.
Malachai entnahm einer Schublade einen Kaffeefilter, setzte ihn in den Filtereinsatz, öffnete eine Dose Kaffeepulver und schaufelte drei gehäufte Esslöffel Pulver hinein. Den Einsatz klappte er ein, nahm die Tasse vom Tisch, füllte sie am Wasserhahn der Spüle mit Wasser, welches er in die Kaffeemaschine einfüllte; viermal wiederholte er den Vorgang. Aufgrund der Gehäusedeformation passte die Glaskanne nicht mehr unter den Filtereinsatz, was Malachai geschickt mit einer kleinen Keramikschüssel, aus der er gewöhnlich Cornflakes isst, ausglich. Während die Kaffeemaschine nun gurgelnd und zischend ihre Arbeit begann, öffnete er den Kühlschrank, entnahm Toastbrot, Butter und Konfitüre und stellte alles auf den Tisch. Den Toast, der zu Malachais Überraschung noch nicht verschimmelt war, steckte er in den Toaster, drückte den Hebel hinunter und schickte die zwei Scheiben in die Gluthitze hinab. Während der Kaffee durchlief und der Toast braun wurde, starrte er aus dem Fenster; hier konnte er es, im Gegensatz zum Schlafzimmerfenster war die Jalousie in halber Höhe verklemmt. Das Läuten des Telefons riss ihn aus seinen Gedanken, dem entfernten Ton nach lag es irgendwo im Schlafzimmer. Nicht sonderlich eilig setzte sich Malachai in Bewegung, vermochte aber in dem Durcheinander sein Handy nicht ausmachen. Als er es endlich in der Hand hielt, es hatte sich unter einem alten Paar Socken vor ihm versteckt, verstummte der Klingelton. Schulterzuckend nahm er es mit in die Küche. Kaffee und Toast waren noch immer nicht fertig, wie er enttäuscht feststellte, und so ging er zurück ins Schlafzimmer, öffnete den Schrank und schob, als er die Türen weit aufmachte, sämtliches im Öffnungsbereich links und rechts der Türen zusammen. Das Innere des Schrankes schien aus einer fremden Dimension zur selben Zeit hineingesprungen zu sein, als er geöffnet wurde.

Akkurat und wie mit Lotblei vermessen hingen darin Anzüge und mehrere Paar brauner und schwarzer polierter Lederschuhe standen darunter. Ein Seitenfach gab den Blick frei auf erlesene Designer-Unterwäsche, -Socken und -Krawatten. Weiterhin bot sich eine Auswahl teuren Parfums. Malachai mochte eine männliche Schlampe sein, aber er hatte Geschmack!
Mit der Gemütsruhe eines Elefanten kleidete er sich an, überlegte einen Moment und sprühte seine Brust mit einem süsslichen, nach Zitrusfrüchten riechenden Duft ein, bevor er das Hemd zuknöpfte und die Anzugjacke darüberzog. Dann schloss er den Schrank und stakste vorsichtig zurück in den Flur. Am Garderobenspiegel überprüfte er noch einmal den korrekten Sitz seiner dunkelblauen Krawatte und ging zufrieden lächelnd in Küche zurück.
Vorsichtig füllte er den Kaffee von der Schale in die Tasse, stellte die Schale wieder auf den Tisch und ging zum Toaster. Es war sein Glückstag, nur eine der beiden Scheiben war verkohlt. Seufzend kratzte er mit dem Messer das Schwarzverbrannte ab. Beide Scheiben wurden mit Butter und viel Konfitüre bestrichen. Heissen Kaffee schlürfend und Toast essend sass Malachai da, als das Telefon erneut klingelte. Schnell schluckte er den Bissen hinunter, räusperte sich und drückte die ´Gespräch annehmen´-Taste.

„Malachai Rome.“
„Lena van Horn. Arbeiten Sie noch im Personenschutz?“
„Ja, Frau van Horn.“
„Gut, ich habe einen Auftrag für Sie, Herr Rome.“
„Darf ich fragen, worum es sich handelt?“
„Mein Bruder Paul braucht Schutz.“
„Schutz wovor?“ Malachai versuchte, den Auftrag einzuschätzen.
„Ich fürchte um sein und mein Leben.“
„Warum gehen Sie nicht zur Polizei?“
„Die würden uns nicht glauben, es geht um eine Verschwörung des Geheimdienstes.“
Malachai hatte in seinem Leben schon viel verrücktes Zeug gehört und konnte deshalb angemessen ruhig reagieren.
„Wir sollten das nicht am Telefon besprechen. Kommen Sie in meine Wohnung, Hummelgasse 12. In einer Stunde?“
„Gut. Vielen Dank und bis gleich, Herr Rome.“

Malachai begann nachzudenken. Geheimdienstverschwörung? Er lachte kurz, der Gedanke war so absurd! Der Bruder von Frau van Horn hatte sie ja nicht alle. Eine Stunde später meldete die Türklingel Besucher. Malachai öffnete und begrüsste zwei gegensätzliche junge Menschen. Lena van Horn war schlank gebaut, unwillkürlich schätzte Malachai ihre Körbchengrösse auf etwa 75C, hatte kurzes dunkles Haar und grüne Augen. Ihr Bruder war kleiner als sie, untersetzt und trug einen etwas dümmlichen Gesichtsausdruck.
„Willkommen, Frau van Horn. Kommen Sie und Ihr Bruder doch bitte herein!“
Zögernd traten die Beiden ein. Malachai öffnete die Tür zu seinem Arbeitszimmer, das als einziger Raum der Wohnung blitzsauber aufgeräumt war. Er bot Lena und ihrem Bruder enen Platz an, setzte sich hinter seinen Schreibtisch und schaltete sein Laptop an. Es war nicht das neueste Modell, genügte jedoch vollkommen zur Erfassung aller notwendigen Informationen, die einen Auftrag betrafen.
„Erzählen Sie mir bitte, warum Sie glauben, der Geheimdienst plane eine Verschwörung.“ meinte Malachai freundlich. Vor seinem geistigen Auge rechnete er bereits aus, was er an der Sache verdienen würde.
„Mein Bruder gelangte zufällig in den Besitz einer Akte, als er mit einem Freund aus der Nachbarschaft in einem Altpapiercontainer wühlte…“
„Entschuldigung.“ unterbrach Malachai sie.
„Er stöberte wo? In einem Altpapiercontainer? Das macht man mit sechs Jahren, aber doch nicht in seinem Alter.“
„Nein, Herr Rome, eigentlich nicht, aber Paul ist geistig zurückgeblieben und sein Gehirn nicht so entwickelt, wie das der Fall sein sollte.“
´Toll. Leibwächter für einen Bekloppten!´ dachte Malachai.
Lena schien seine Gedanken zu erraten.
„Er ist nicht dumm! Nur manchmal etwas kindisch.“
Malachai fühlte sich ertappt und wurde unwillkürlich rot.
„Äh, fahren Sie bitte fort, Frau van Horn. Was stand in der Akte?“
„Verschlüsselte Angaben der Geheimhaltungsstufe 1 zur Operation ´Macbeth´.“
„Hmhm. Wie kam sie auf den Müll?“
„Das weiss ich auch nicht, Herr Rome.“
„Darf ich die Akte sehen, bitte?“
„Ich habe sie nicht bei mir. Sie liegt in einem Schliessfach am Bahnhof.“
Malachai wurde zunehmend unruhiger. Einen geistig Behinderten hatte er noch nie als Klienten, wie würde sich der Junge in einer Gefahrensituation verhalten? Aber das waren nur Überlegungen, vermutlich gab es gar keine Verschwörung.
Paul sass die ganze Zeit regungslos neben seiner Schwester, als sei er eine Puppe.
„Kann er auch was dazu sagen?“ Malachai deutete in Pauls Richtung.
„Er redet nicht mit Fremden.“ erklärte Lena.
´Das wird schwierig. Ich mach erstmal mit, könnte einiges bei rausspringen!´ dachte Malachai.

„Gut, Frau van Horn. Ich nehme den Auftrag, Sie und ihren Bruder zu beschützen, an. Mein Tagessatz beträgt 500 Eurocredits, für Verpflegung, Benzin, Munition ist eine einmalige Zahlung von 2.000 Eurocredits erforderlich.“ Er zog die Schublade zu seiner Rechten auf, entnahm einen Auftragsvordruck und schob sie wieder zu. Kurz prüfte er die eingetragenen Summen auf ihre Richtigkeit, dann nahm er seinen Kugelschreiber und unterzeichnete auf der gestrichelten Linie, unter der ´Malachai Rome, Personenschützer´ stand. Er reichte Lena Blatt und Schreiber und lehnte sich entspannt zurück, während sie sich alles sorgfältig durchlas und bei ´Klient/in´ ihre Unterschrift setzte. Malachai hatte noch eine Frage.
„Wie sind Sie überhaupt auf mich gekommen?“
„Wissen Sie, ´Persona Secura´ wollte den Auftrag nicht, aber der Mann, mit dem ich telefonierte, Jack White, gab mir Ihre Telefonnummer. Er sagte, Sie seien einer der Besten. Kennen Sie sich?“
„Ja, Jack, wir nannten ihn ´Bull´, hat mich ausgebildet. Ein kantiger, aber gutmütiger Kerl.“ Malachai lächelte.
„Gut. Es wird folgendermassen laufen: Sobald Sie oder Ihr Bruder sich im Freien aufhalten, bin ich Ihr Schatten. Noch Fragen?“
Lena lächelte ihn warm an. Malachai wurde heiss, allerdings nicht im Kopf, sondern weiter südlich.
„Haben Sie Beide schon zu Mittag gegessen? Ich lade Sie ins ´Pizza Presto´ ein, ein kleiner italienischer Laden nicht weit von hier.“
„Gerne, vielen Dank. Bei der Gelegenheit gebe ich Ihnen dann auch gleich das Geld für eine Woche.“
Malachais Gedanken überschlugen sich. 5.500 Eurocredits hatte er seit einigen Jahren nicht mehr verdient!

„Ich rüste mich nur noch schnell aus, einen kleinen Augenblick, bitte.“ Er stand auf, ging ins Schlafzimmer und nahm sich, während er sich einen Weg zum Waffenschrank bahnte, vor, in nächster Zeit unbedingt aufzuräumen. Allerdings verfolgte er diese Idee nun schon seit drei Monaten erfolglos. Er öffnete den Stahlschrank, der entgegen gesetzlicher Anweisung unverschlossen war. Malachai begründete es damit, dass er in einer Notsituation kaum Zeit haben würde, erst den Schlüssel zu suchen. Klappernd gingen die Türen auf; der Inhalt bot einen interessanten Anblick. Neben den gängigen Handfeuerwaffen Beretta 93R, Glock 20 und SigSauer befanden sich ein Blaser Scharfschützengewhr, ein Heckler & Koch G36 und ein Heckler & Koch MP5SD darin. In der rechten Tür hingen zudem zwei schusssichere Westen. Malachai wählte sorgfältig, liess die Westen, wo sie waren und nahm die Glock 20 aus der Halterung, liess das Magazin herausrutschen und stellte zufrieden fest, das sich alle 15 Patronen darin befanden. Mit einen ratschenden Klacken schob er das Magazin zurück in die Pistole, zog den Schlitten einmal durch; jetzt befand sich eine Patrone im Lauf; sicherte die Waffe und verstaute sie im Schulterholster. Den Waffenschrank liess er offen zurück, was nutzte es, ihn zuzuklappen, wenn er nicht abgeschlossen wurde? Auf dem Weg zur Tür verhedderte Malachai sich mit den Füssen in einer herumliegenden Jeans, strauchelte und schlug der Länge nach hin. Das Poltern war bis ins Arbeitszimmer zu hören, wo Lena van Horn erschrocken aufsprang. Vorsichtig lugte sie in den Flur und rief verhalten

„Alles in Ordnung, Herr Rome?“
„Jaja, alles Bestens!“ erwiderte Malachai gereizt. Er befreite sich von der Jeans, knüllte sie zusammen und warf sie, nachdem er sich wieder aufgerichtet hatte, wütend in eine Ecke.
´Muss mal aufräumen´ stellte er zum wiederholten Mal fest, während er zum Arbeitszimmer ging, wo Lena und Paul auf ihn warteten.

Malachai zog einen schwarzen langen Wintermantel an, schloss die Wohnungstür hinter ihnen ab und folgte ihnen zwei Stockwerke die Treppe hinunter. Draussen atmete er tief ein und aus, der Atem kondensierte in der kühlen Luft umgehend. ´Scheisswetter!´ murmelte er.
„Kommen Sie, hier entlang.“ Malachai ging zu drei nebeneinander aufgereihten Fertig-garagen und öffnete die erste. Das aufschwingende Tor offenbarte einen äusserlich schäbigen BMW 520, der sich allerdings grundlegend von seinen Brüdern auf der Strasse unterschied. Dieses Modell war stärker motorisiert und etwa 1,5 Tonnen schwerer, Panzerstahl und kugelsicheres Glas sowie Reifen forderten ihren Tribut. Behende verschwand Malachai im Auto, fuhr es aus der Garage und liess Lena und Paul einsteigen.
„Gut, fahren wir zum Schliessfach, ich möchte einen Blick auf die Akte werfen, bitte.“
Malachai parkte den Wagen in einem Parkhaus ganz in der Nähe des Bahnhofes und musste sich einen Fluch über die saftigen Stundenparkgebühren verkneifen. Zu Fuss schlenderten sie über die Strasse zum Terminal. Der Bahnhof war nicht riesig, lediglich zehn Bahnsteige, aber dem Gewimmel der Reisenden nach zu urteilen, waren sie in einer Grossstadt. Zielstrebig gingen die drei zu den Schliessfächern, öffneten Nummer 128, nahmen die Mappe an sich und verliessen das Gebäude ebenso schnell, wie sie gekommen waren. Im Auto klappte Malachai den Aktendeckel auf und die Buchstaben ´BND´, zusammen mit dem Stempel ´Geheimhaltungsstufe 1 – Nur für den Dienstgebrauch!´ sprangen ihm ins Auge. Er überflog den Text, konnte aber nichts damit anfangen, da dieser verschlüsselt zu sein schien; so ergab er jedenfalls keinen Sinn.
„Hmhm…“ murmelte er, während Lena neugierig und aufgeregt auf dem Beifahrersitz hin- und herrutschte.
„Was steht drin?“ begehrte sie zu wissen.
„Das es ein geheimes Dokument ist.“ Lächelte Malachai gequält, denn das war eine Information, die jeder hätte geben können, der lesen kann. Lena warf ihm einen wütenden Blick zu.
„Momentan kann ich damit nichts anfangen, Frau van Horn, aber ich werde gleich einen alten Freund beim BKA anrufen.“ sagte Malachai, da er das Gefühl hatte, sich rechtfertigen zu müssen. ´Sie sieht toll aus, wenn sie wütend ist´ flüsterte eine Stimme in Malachais Kopf.
„Können Sie ihm vertrauen?“ fragte Lena.
„Hmm, ich glaube schon, wir waren zusammen in der Mordkommission.“
Malachai zog sein Handy aus der Tasche und tippte Ernsts Nummer. Es dauerte etwas, aber dann ertönte ein Freizeichen.
„Bundeskriminalamt, Ernst Bernheim. Was kann ich für Sie tun?“
„Guten Tag, Herr Bernheim, Rome hier.“
Stille. Man konnte Ernst Bernheim fast denken hören. Endlich ereilte ihn die Erkenntnis.
„Malachai. Alter Haudegen! Wusste ich doch, das ich die Stimme kenne!“ Ernst schien erfreut, von Malachai zu hören.
„Ernst, ich habe eine chiffrierte Akte bei mir und möchte, das einer deiner Leute sie sich ansieht und mir gegebenenfalls übersetzt.“
„Mal, ich arbeite beim BKA, nicht bei einem Auftragsdienst.“
Malachai verdrehte die Augen, hielt die Hand auf das Telefon und flüsterte Lena zu
„Er zickt rum!“
„Ernst, es könnte das Land gefährden…“
Er glaubte zwar nicht, dass dem so war, aber es würde Ernst neugierig machen.
„Hmm…ja, gut, komm um 15.00 vorbei.“
„Danke! Bis gleich!“ Malachai war freudig erregt, während Bernheim seufzend auflegte.
Mittlerweile war es kur vor 14.00.

„Möchten Sie etwas essen?“ Malachai wandte sich an Lena und Paul. Sie stimmten zu und Malachai fuhr los. Das italienische Restaurant, zu dem er wollte, hatte wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, so kehrten sie bei McConolly´s ein, einem Fast-Food-Laden, der die Bezeichnung ´Restaurant´ nicht verdiente, obwohl er ihn im Firmenamen führte. Malachai bestellte sich einen Conolly-Spezial, Lena einen Chef-Salat und für Paul bestellte sie ein Kid´s Package. Malachai zahlte für alle, man suchte sich einen freien Tisch und fing zu essen an. Während Lena in ihrem Salat mehr herumstocherte, als das sie etwas davon ass, baute Paul aus seinem Menü lustige Figuren, er schien nicht auf den Gedanken zu kommen, etwas davon zu essen. Malachai hatte nach über 20 Jahren Fast-Food immer noch nicht gelernt, einen Burger so zu essen, das sich die Remoulade nicht nach hinten herausdrückt und prompt bekleckerte er seinen Mantel. Wenn er es bemerkt hatte, war es ihm egal, denn er machte keine Anstalten, den Klecks zu entfernen. Lena lächelte ihn kopfschüttelnd an.
„Sie sind ein kleines Ferkel, Herr Rome!“ stellte sie fest.
„Wenn Sie wüssten! Ich bin sogar schon ein grosses Ferkel!“ Beide lachten, Paul konnte mit der Unterhaltung nichts anfangen und spielte weiterhin mit den Pommes und dem Burger. Nachdem Lena genug von ihrem Salat gegessen hatte, fütterte sie ihren Bruder. Für Malachai hatte es etwas Seltsames an sich, zu sehen, wie ein 25jähriger das Essen in kleinen Häppchen vorgesetzt bekommt. Malachai bewunderte Lena für ihren Mut und ihre Ausdauer, zu ihrem Bruder zu stehen und ihn nicht in ein Heim abgeschoben zu haben. Unwillkürlich hörte er auf zu essen und schaute zu. Auch die Gäste in der näheren Umgebung sahen herüber. Allerdings nicht mit Malachais Neugier, sondern mit Ekel und Abscheu.

Die Welt hatte sich seit der Umweltkatastrophe 2009 kaum verändert, Malachai versank in Gedanken. Ausser, das alles teurer geworden war und die Autohersteller, die ihre Fahrzeuge bereits mit Brennstoffzellen auslieferten, gute Umsätze machten, war alles beim Alten. Er erinnerte sich gut, was für Überredungskunst und Arbeit nötig war, seinen gepanzerten BMW 520 auf Zellbetrieb umzurüsten. Sein erster Gedanke war, sich ein fabrikneues Modell panzern zu lassen, aber der Vertragshändler lächelte ihn nur dünn an und beschied ihm, dass er sich den neuen 5er in gepanzerter Ausführung nicht werde leisten können. Also entschied er sich, seinen 1995er BMW umbauen zu lassen. Insgeheim, er würde es nie laut aussprechen, machte er den kürzlich verstorbenen Ex-Präsidenten der USA, George W. Bush für die Mühe mit dem Wagen verantwortlich. Wäre Bush damals nicht aus dem Kyoto-Protokoll ausgestiegen… Aber das waren Spekulationen. Vielleicht lag es auch an den Seelenverkäufern, die, beladen mit Zigtausend Gallonen Öl, havarierten und die Ozeane verseuchten. Heute sind die grossen Meere tot. Fisch wird nachgezüchtet und mit Gold aufgewogen. Die Polkappen fingen an, stark abzuschmelzen, was zur Folge hatte, das in Deutschland die See jetzt wenige Kilometer hinter Hamburg beginnt. Laut Expertenschätzung steigt der Meeresspiegel in den nächsten 25 Jahren um 50cm an. ´Aber warum mache ich mir Sorgen?´ dachte Malachai. ´Die Amerikaner und Russen hatten bereits eine Siedlung auf dem Mond und eine Wissenschaftsstation auf dem Mars. Die ISS war voll ausgebaut und funktionierte einwandfrei. Warum sorgten sich so viele Menschen um die Erde? Es gab doch noch so viele Planeten da draussen, auf denen die Menschheit Unruhe stiften konnte. Grimmig hoffte Malachai auf einen Virus, der die Rasse Mensch ein für alle mal aus diesem Universum tilgt. Doch dazu, das wusste er auch, würde es nicht kommen. Im Gegenteil; schon jetzt leben 9 Milliarden Menschen auf der Erde, sie drohte, zu platzen. Nichts hatte sie aufhalten können. Pest, Krebs, AIDS, HARM, alles hatte sie überstanden. HARM (High Active Radical Menace) war so verheerend, das das Ebola-Virus dagegen wie ein Kindergeburtstag aussah. Es raffte allein in Zentralafrika, wo es zum ersten Mal auftrat, in kurzer Zeit mehrere hunderttausend Menschen hin. Ein Gegenmittel konnte oder wollte nicht gefunden werden. Wie erst Jahre später durchsickerte, stammte HARM aus den Bio-Waffen-Laboren des US-Geheimdienstes, der auf diese Art seinen Beitrag zur Bevölkerungskontrolle beisteuern wollte. Mit Sorge dachte Malachai an Lenas Akte, vielleicht war es besser, sich nicht einzumischen, man lebte sehr gefährlich, wenn man in der falschen Liga zu spielen versuchte.

Er bemerkte Lenas ungeduldigen Blick und erst jetzt fiel ihm auf, dass er völlig in Gedanken weg geglitten war. Verlegen räuspernd räumte er seine Essensreste in den bereit gestellten Mülleimer, putzte sich mit einer Serviette Mund und Mantel ab und ging mit Lena und Paul hinaus. Sie stiegen wieder in den Wagen ein, verliessen den Parkplatz und fuhren auf direktem Weg zum BKA. Der Pförtner dort war gerade erst vor einigen Tagen eingestellt worden und tat gerade so, als plane Malachai ein Attentat auf den Bundeskanzler! Alle mussten aussteigen, zwei herbeigerufene Beamte mit Spürhunden durchsuchten das Auto, der Pförtner übernahm die Personenkontrolle.
„Was soll das überhaupt?“ fragte Malachai gereizt. Der Pförtner sagte nichts, war aber doch erstaunt, bei Malachai eine Schusswaffe zu finden.
„Was haben wir denn hier?“ fragte er rhetorisch.
„Wonach sieht es denn aus? Es ist eine Espressomaschine! Mann, das ist eine Glock 20!!“ Malachai stand kurz vor einem Wutausbruch.
„Die bleibt hier!“ entschied der Pförtner in einem Anfall von Wichtigkeit.

Nachdem die Beamten enttäuscht festgestellt hatten, dass sich im Auto keine Granatwerfer oder Sprengstoff befanden, durfte Malachai in den Innenhof fahren und sein Fahrzeug parken. Lena war wegen der Durchsuchung sichtlich beunruhigt, jedoch blieb ihre Tasche unberücksichtigt. Am Eingang erkundigte sich Malachai mit ausgesuchter Höflichkeit nach Ernst Bernheims Büro.
„Vierter Stock, Zimmer Eins, er erwartet sie bereits.“ Antwortete ihm die junge Dame am Empfang lächelnd. Alle passierten den Metalldetektor und das Durchleuchtungsgerät und gingen zu den Fahrstühlen. Die dort postierten Wachen reagierten nicht, was Malachai durchaus positiv registrierte, seine Nerven lagen seit der Durchsuchung am Haupttor ohnehin blank. Während sie mit dem Fahrstuhl in den vierten Stock hinauf fuhren, fiel Malachai auf, das Lenas Bruder Paul noch nicht ein Wort gesagt hatte. Nicht ein Wort, seit sie seine Wohnung betreten hatten, nichts bei McConolly´s, vielleicht sprach er überhaupt nur mit seiner Schwester? – Bei jeder Etage, die der Fahrstuhl passierte, gab er ein akustisches Signal von sich. Im vierten Stock hielt er ruckend und leise glitten die Türen auf. Die kleine Gruppe trat hinaus in einen hellgrünen, freundlich wirkenden Flur mit Türen zu beiden Seiten. Zimmer Eins befand sich an der Stirnseite des Flures; Malachai klopfte und trat unmittelbar danach ein, ohne ein ´Herein´ abzuwarten. Eine junge Frau, Malachai schätzte sie auf höchstens 23, begrüsste sie und nahm ihnen die Mäntel ab. Über die Telefonanlage meldete sie den Besuch an und es dauerte nicht lange, bis das Türschloss zu Ernst Bernheims Büro summte und die sich einen Spalt breit öffnete. Malachai ging voraus und zog die Tür auf, Lena und Paul folgten ihm dichtauf.

Bernheims Büro war so, wie man es sich für den Leiter des BKA vorstellt. Ein grosser Raum mit einer Fensterfront, die vom Boden bis zur Decke reicht und einen imposanten Ausblick auf die Stadt und den Fluss gewährt. Davor ein langer ovaler Konferenztisch für zwanzig Personen und am Kopfende ein Laserprojektor, der wichtige Daten auf die gegenüberliegende weisse Wand zu werfen vermag. In der entgegen gesetzten Ecke des Raumes stand ein Schreibtisch von verhältnismässig bescheidenen Ausmassen , dafür jedoch aus Eiche und mit kunstvoll gedrechselten Beinen. Abgerundet wurde alles von impressionistischen Bildern und einem beigen Teppich. Am Schreibtisch sass Ernst Bernheim, ein Mann von 1,80m Grösse und, dank der mangelnden Bewegung, 110kg Gewicht. Die Haare, die ihm auf dem Kopf fehlten, hatte er durch einen Vollbart kompensiert. Auf dem etwa sechs Meter langen Weg von der Tür zu seinem alten Freund bemerkte Malachai, das der dicke Teppich schallschluckend war und dachte unwillkürlich an die Fensterfront, sicher aus entspiegeltem Panzerglas, und die Assistentin im Vorzimmer? Bestimmt mit GSG-9-Ausbildung! – Freudestrahlend und mit offenen Armen empfing ihn der inzwischen aufgestandene Bernheim. Die beiden Männer umarmten sich und scherzten. Malachai stellte Lena und Paul vor, die schweigend da standen und nur höflich nickten.
„Was führt dich nach so langer Zeit zu mir?“ wollte Bernheim wissen.
„Unsere Freundschaft, Ernst. Ich habe ein möglicherweise brisantes Dokument, das entschlüsselt werden müsste.“ Bernheims Augen wurde gross.
„Ist das die Akte, von der du am Telefon gesprochen hast?“
„Ja, mich irritiert deine Verwunderung etwas, ich habe dich doch informiert.“
„Nun, Mal, ich dachte, du scherzst!“ Bernheim stand etwas hilflos da.
„Ich scherze dachtest du?? Was ist, hast du nun einen Spezialisten, der es sich anschaut oder nicht?“ fragte Malachai wütend.
„Schon gut. Ja, ich habe einen, mich selbst. Moment, ich rufe das entsprechende Programm in meinem PC auf. Lena gab Malachai die Akte, der sie an Ernst Bernheim weiterreichte. Während Bernheim den Buchstabenwirrwarr eintippte, herrschte völliges Schweigen. Das einzige Geräusch verursachten die klackenden Tasten des Keyboards. Nach etwa fünf Minuten, die Malachai ewig vorkamen, hämmerte Bernheim auf die ENTER-Taste und gestattete sich ein Lächeln.
„Gleich wissen wir mehr!“ frohlockte er.
„Möchten Sie beide sich nicht setzen und etwas trinken?“ wandte er sich an Lena und Paul, die jedoch höflich ablehnten.
„Mal? Möchtest du etwas?“
„Hm? Ja, danke, ich nehme einen Drambuie, bitte.“

Bernheim ging zur Bar, die Malachai gar nicht bemerkt hatte, da sie hinter einen breiten Pfeiler verborgen war, nahm etwas gestossenes Eis, das er in ein Glas gab, schraubte eine neue Flasche Drambuie auf, deren Inhalt sich zum Teil alsbald gluckernd über das Eis in das Glas ergoss. Er reichte Malachai den Drink, den dieser dankbar nickend annahm und ging zum PC zurück. Während Malachai in kleinen geniesserischen Schlucken seinen Drambuie zu sich nahm, piepte der PC mehrmals hintereinander.
„Donnerlüttchen!“ flüsterte Bernheim, nachdem er den dechiffrierten Text überflogen hatte. Alle Augen waren jetzt auf ihn gerichtet; die Spannung im Raum war deutlich spürbar.
„Was ist?“ fragte Malachai ungeduldig.
Ernst Bernheim reagierte zunächst nicht, fasste sich aber, als er ein zweites Mal angesprochen wurde.
„Das ist eine BND-Akte, hierin wird beschrieben, wie Geheimdienstleute politische Schlüsselstellen besetzen, der Kanzler soll durch einen Doppelgänger ersetzt werden. Es scheint, der BND will die Regierung übernehmen!“
Lena fasste ängstlich Pauls Hand, Malachai war zu irritiert, um etwas halbwegs intelligentes sagen zu können und entschied sich unbewusst, den Mund zu halten.
„Wenn die Presse davon Wind bekäme, wäre das Vorhaben doch gescheitert, oder?“ schlug Lena hilfsbereit vor.
„Nicht unbedingt, Frau van Horn. Erstens würde der BND dementieren, die Akte zu kennen und sie als Fälschung mit dem Ziel, dem BND zu schaden, hinstellen und zweitens müsste der Plan nur einige Jahre aufgeschoben werden, solange, bis entweder keiner mehr daran denkt oder alle, die in unmittelbarem Kontakt zur Akte gestanden und nicht dem Geheimdienst angehören, eliminiert wurden.“ Bernheim lehnte sich zurück und legte seine gefalteten Hände auf den Bauch, während er seufzte. Malachai atmete einmal tief ein und aus.
„Puh, das ist heikel. Was sollen wir tun, Ernst?“ fragte er.
„Nichts, Mal, ich lasse zur Sicherheit deine Wohnung observieren. Das sollte unsere Gegner vor unüberlegten Aktionen bewahren.“
Der BND und das BKA waren nicht gerade das, was man Freunde nennt, und so lauerte jeder darauf, dass der andere in ein Fettnäpfchen trat und man dieses zum Schaden des Gegners ausweiden konnte. Bernheims Leute würden ihre Aufgabe ernst nehmen.
„Fahrt nach Hause. Ich überlege mir etwas.“ riet Bernheim und reichte Malachai die Akte, der sie an Lena weitergab. Sie verabschiedeten sich von Ernst Bernheim und fuhren in Malachais Wohnung, um sich zu beraten.
„Sollen wir wirklich warten? Und auf was?“ wollte Lena wissen.
„Ja, wir warten! Ernst Bernheim war damals bei der Mordkommission mein Partner, wenn er sagt, es ist o.k. so, dann ist es o.k.!“ antwortete Malachai ene Spur zu trotzig.
„Schon gut!“ fauchte Lena.
„Ich mache Ihnen und Paul das Gästebett fertig, sie sind sicher erschöpft und möchten sich ausruhen.“
Malachai zeigte seinen Gästen die sanitären Einrichtugen, wünschte ihnen eine gute Nacht und warf sich müde in sein Bett.

Am nächsten Morgen stand er sehr früh auf, schlich am Gästebett vorbei zur Haustür und holte sich die Tageszeitung rein. Auf dem Weg zurück ins Bett traf ihn fast der Schlag! In der Zeitung stand die Schlagzeile ´BKA-Chef wurde Opfer eines Raubüberfalls!´ Eilig überflog er den Artikel, wonach ein entflohener Geisteskranker Ernst Bernheim in einer Ladenpassage niedergeschossen und ausgeraubt hatte. Die Täterbeschreibung passte gut auf Paul, das fiel Malachai sofort auf. Er war sich sicher, dass der BND auch eine Akte vorlegen konnte, aus der hervorging, das Paul irgendwo aus einer Anstalt ausgebüxt war. Sicher, Lena und er selbst konnten bezeugen, das er zur Tatzeit hier in der Wohnung war, doch er müsste sich auf jeden Fall der polizeilichen Befragung und womöglich einer psychologischen Untersuchung unterziehen; das wollte Malachai ihm unter allen Umständen ersparen. Er weckte Lena und Paul und erklärte Lena die neue Situation. Inmitten der folgenden Ratlosigkeit klingelte Malachais Handy.
„Ja?“ fragte er misstrauisch, nachdem er das Gespräch angenommen hatte.
„Herr Rome, wir wissen, das Sie eine Akte aus unserem Haus besitzen, die wir gerne zurück hätten. Ich bin ermächtigt, Ihnen ein Geschäft vorzuschlagen. Sie geben uns die Akte und dafür bleiben Sie und die Gschwister van Horn unangetastet. Es gibt sogar noch einen Bonus: Sowohl Sie, Herr Rome, als auch Lena und Paul van Horn erhalten einmalig 500.000 Eurocredits in bar. Ich gebe Ihnen zehn Minuten Bedenkzeit und rufe Sie dann wieder an.“ Die Verbindung wurde unterbrochen. Nach einem kurzen Streit mit Lena, die argumentierte, Malachai habe vor, die Wahrheit für Geld zu verhökern, entschieden sich alle für die Geld-Option. Malachai war es völlig schnuppe, wer in Deutschland die Zügel in der Hand hielt. Keine der Parteien im Land kümmerte sich um den kleinen Mann, im Gegenteil, der Bürger bekam immer weniger und die Politiker stopften sich die Taschen mit immer höheren Diäten voll. Vielleicht war es an der Zeit, frischen Wind in die miefige Regierung zu bringen und möglicherweise war der Geheimdienst geeignet dafür. Schlimmer, als es jetzt war, konnte es nicht mehr werden. Malachai bestätigte zehn Minuten nach dem ersten Anruf das Geschäft; die Übergabe fand vor seinem Haus statt. Mit der Akte unter dem Arm ging er hinaus und entdeckte zwei Aluminiumkoffer. Kein lebendes Wesen war in der Nähe, doch Malachai war sicher, das der BND jede Bewegung und jedes Wort aufzeichnete. Er öffnete die Koffer und zählte deren Inhalt langsam und sorgfältig durch. Die Summe ging auf, und so nahm er die Koffer auf, liess die Akte unter dem wegrutschen und auf die Treppe fallen. Zurück in der Wohnung verfolgte er aus dem Fenster, wie die Geheimdienstler abzogen. In einem Anflug von Grosszügigkeit verzichtete er darauf, Lena eine Rechnung für seine Dienste zu schreiben. Lena und Paul van Horn verliessen ihn bald, wie Lena sagte wollte sie mit Paul in eine andere Stadt ziehen. Malachai war sich ziemlich sicher, das sich Paul zu keiner Zeit der Brisanz seines Fundes bewusst war, was man schon ironisch nennen konnte. Malachai legte sein Schweigegeld grösstenteils in Gold und Diamanten an, behielt aber 6.000 Eurocredits zum Erwerb neuer Haushaltsgeräte zurück. Ernst Bernheim überlebte das Attentat, kündigte allerdings seinen Job mit der Begründung, soviel Geld könne ihm der Staat gar nicht zahlen, das er sein Leben dafür aufs Spiel setze und widmete sich ausschliesslich der Rosenzucht.

Im Jahr 2015 wurde den Bürgern Deutschlands langsam bewusst, das der Kanzler sich geändert hatte. Die Zeit wird zeigen, ob der BND dieses Land besser führen kann, als die Politiker.

ENDE

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Rainer
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hallo dorahn mavelius,

aus zeitnot nur ganz kurz:

starker anfang mit hintergründigem humor, etwas konstruiert wirkender mittelteil dafür ohne logik-fehler, und, tut mir leid, schwaches ende.

dein prot ist zu beginn klischeehaft, wird aber im fortgang sympathischer und menschlicher, alle anderen bleiben blaß.

vielleicht etwas länger ausführen, das ende ist doch mehr ein protokoll - mehr prosa wie zu beginn, und ich finde deinen text richtig gut.


eilige grüße

rainer
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Dorahn Mavelius
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Hi, Rainer,
danke für Deine Kritik. Ich selbst halte "Die Verschwörung" für ein eher schlechtes Werk. Lange Texte machen mir Freude, nur leider wurde dieser hier aus Zeitgründen am Ende regelrecht zurechtgestoppelt, nur um ihn zu Ende zu bringen.
Ich habe die "dumme" Angewohnheit, mich nicht auf zwei Texte gleichzeitig konzentrieren zu können, hatte aber schon das Konstrukt zu "Das Abenteuer" im Kopf. Daher ist dieser etwas "verunglückt".
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Dorahn Mavelius
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