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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Die letzte Erzählung
Eingestellt am 17. 02. 2005 00:21


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tocotomic
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2003

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Kommentare: 23
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Die letzte Erzählung


- 0 -


Der Typ saß einfach auf meinem Kühlschrank, fraß einen von meinen Äpfeln und schlenckerte mit den Beinen. Er hatte sich die Schuhe nicht ausgezogen und da es draußen schon seit Tagen regnete, hatte er meinen wunderschönen Läufer ruiniert. Braunes Matschwasser lief an der Kühlschranktür herab und bildete auf dem Küchenboden kleine Pfützen
Zu allem Überfluß richtete er auch noch eine Waffe auf mich.
Kein allzu angenehmes Verhalten von einem Gast.
„ Gast“ könnte man hier wohl als Euphemismus bezeichnen.
„ Und“, fragte er kauend „ hast du das Geld“.
„Nein“; antwortete ich wahrheitsgemäß, das wertvollste in diesem Raum dürfte wohl bis eben noch der Teppich gewesen sein.
„ Tja, hm, dann werde ich dich leider erschießen müßen“, meinte er achselzuckend und man nahm ihm das „leider“ irgendwie nicht ganz ab.
Er legte den Apfel beiseite, überpfüfte den Schalldämpfer nochmal und sah mich dann an.
„ Irgendwelche letzten, bedeutenden Äußerungen, Fragen, Wünsche oder so ?“
„ Äähm, darf ich mich vielleicht noch schnell umziehen“?
„ Negativ! Willste nen Apfel“?
Ich nahm dankend einen meiner Äpfel.
Mit einem Apfel in der Hand, einer alten Unterhose und einem ausgeleierten „ Radiohead“ T-Shirt bekleidet.
So werde ich also sterben ging mir durch den Kopf
So werden sie mich finden.
Wenigstens hatte ich nicht die Angewohnheit, in Damenunterwäsche zu schlafen.

Schweigend aß ich meinen letzten Apfel. Viele Leute glauben sicher, daß sowas ein ganz besonderer Moment ist, daß man nie in in seinem Leben bewußter ein Apfel gegessen und geschmeckt hat, aber dem ist leider nicht so.
Der Apfel schmeckte wie ein Apfel schmeckte wie ein Apfel.
Der größte Irrtum der Menschen, fiel mir ein, ist wohl sicherlich, daß sie alles was sie tun, für bedeutend halten.
Wie sich der Apfel zu diesem Zeitpunkt wohl fühlte.
Einen Moment spielte ich mit dem Gedanken, den Apfel als Wurfgeschoß gegen meinen Gast einzusetzen, verwarf ihn dann aber wieder.
Er hätte mich sicherlich spätestens im Flur wieder eingeholt . Meine Kondition ist nicht so überragend.
Im Polizeibericht wäre dann die Rede von Kampfhandlungen vor meinem Tod gewesen und irgendein Donut fressender Polizist hätte sicherlich „ Schwuchtel“gezischt, wenn er gelesen hätte, daß ich versucht hatte mich mit einem Apfel zu verteidigen.
Das wollte ich nicht.

Die dunkel, verrauchte Stimme meines Gastes riß mich wieder aus meinen Gedanken.
„ Scheiße, Mann, friß endlich den Scheißapfel oder ich erschieß‘ euch beide“:
Um das zu unterstreichen, entsicherte er die Waffe klickend ein zweites Mal.
Dann passierte etwas, daß mir noch nie vorher passiert war.
Unfähig leise zu denken, murmlte ich : „ Ich will noch nicht sterben!“
Er sah mich etwas überrascht an, es klang wohl weniger wie ein Flehen, als mehr wie eine Feststellung.
„ Weißt du, niemand will wirklich sterben“ meinte er.
Er stand auf und steckte sich den abgenagten Apfel in die Hosentasche.
Ein Vollprofi.
„ Die Leute kriechen vor mir auf den Knien, betteln um ihr Leben, als wäre ich Gott und könnte darüber entscheiden. Aber das kann ich nicht! Ich mach nur meine Arbeit. Ich hab meine Anweisungen. Ein Busfahrer kann auch nicht entscheiden wohin er fährt. Außerdem, wenn du mal genau überlegst, warum solltest du denn so unbedingt weiterleben wollen ? Du hast keine Frau, keine Familie, gar nichts. Es ist doch egal, ob du heute stirbst, oder in 70 Jahren. Was genau bringt dich dazu, so dringend weiter leben zu wollen.“
„ Ich habe nichts geschafft, das weiter lebt. Ich werde einfach so beerdigt werden, und innerhalb von wenigen Wochen wird mich jeder vergessen haben. Ich habe nichts hinterlassen.“
„ Oh Mann, da bist du in guter Gesellschaft.“
Er streifte durch die Wohnung die so klein war, daß er keine Befürchtungen haben mußte, daß ich ihm entkommen könnte.
Ich folgte ihm.
Dann fiel sein Blick auf die Schreibmaschine die im sogenannten Wohnzimmer auf dem Tisch stand, auf das einsame Blatt Papier daß eingespannt war und ich hatte das Gefühl daß er anfing zu begreifen.
„ Du bist Schriftsteller ?“
„ Hmmhmm“
„ Muß man was von dir kennen?“
„ Eben nicht !“
Er zog das Blatt aus der Schreibmaschine und fing an laut vorzulesen.


Nacht der Einsamkeit

Von Peter Blair


Jefferson sah aus dem Autofenster auf den sich wie eine allwissende Schlage hinschlängelnden Verkehr vor ihm. Es regnete wie aus Eimern. Er wußte genau, daß keiner der Milliarden Menschen dort draußen ihm noch helfen könnte.
Niemand wollte ihm auch helfen. Es war alles so gekommen, wie es ihm viele Leute immer gesagt hatten, daß es kommen würde. Sie hatten alle Recht. Und das machte ihn fast wahnsinnig.
Sie. Sie wollte daß am allerwenugsten daß hatte sie ihm heute abend klar gemacht, als...



Danach sah er mich fast mitleidig an.
„Hm, das ist ziemlich scheiße.“
„ Hey, laß den Scheiß ! Erschieß mich einfach und mach dich nicht auch noch über mich lustig! Sonst beschwer ich mich bei deinem Vorgestzten.“
Der Killer lächelte ein wenig.
„ Sorry, aber das weißt du doch genauso gut wie ich, oder ? Außerdem,“ er wedelte mit dem Blatt „ mein „ Vorgesetzter“ würde dich dafür zu Tode foltern und vermutlich sogar zu Recht.“
„ Dein Vorgesetzter weiß nen Scheiß“!
Ich wurde etwas lauter.
Eigentlich unangebracht in meiner Situation.
Er blieb ruhig. Wie gesagt, ein Vollprofi.
„ Hey, du tust ihm Unrecht, er ist ein sehr belesener Mensch. Und er haßt schlechte Literatur. Außerdem ist er nicht mein Vorgesetzter. Ich arbeite freiberuflich.“
Er wedelte nochmal mit dem spärlich beschriebenen Blatt Papier. „ Das hier behalte ich! Als Erinnerung an einen großen, aber leider viel zu früh verstorbenen Schriftsteller. Also, bringen wir`s hinter uns ?“
„ Kein Mitleid ?“
„ Doch ! Aber darauf kommts nicht an. Wenn du magst kann ich dich ja aus dem Fenster schmeißen, dann stehst du morgen wenigstens in der Zeitung.“
„ Sehr witzig. Bist du nicht neugierig wie die Geschichte weiter geht ?“
„ Nicht im geringsten. Du mußt etwas weniger bedrückende Geschichten schreiben. Sowas liest doch keiner, am besten .... hm, ist wohl etwas spät für Tips. Also, paß auf ! Du stellst dich vors Fenster, ich erschieße dich und dann fälltst du hinten über , 8 Stockwerke in die Tiefe, wenn du Glück hast und nichts großartiges passiert ist diese Nacht, reicht das sogar für die Titelseite irgendeiner Lokalzeitung. O.K ?“
„ Tja, das wars dann eben. Krieg ich noch nen Apfel ?“
„ Nein!“
„ Schade !“
Ich stelle mich vor das Fenster und warte auf den Schuß.
„ Willst dus ins Herz oder in den Kopf ?“
„ Ins Herz, damit man mein Gesicht auf den Fotos erkennt.“
„ Alles klar“, er richtete die Waffe auf mein Herz „ Hey, tut mir echt leid und das kriegen nicht viele Leute von mir zu hören.“
„ Schon okay.“ Wir lächelten uns aufmunternd zu.
Ich stand also da, vor meinem Fenster, mit meinem Apfel in meiner Unterhose und wartete.
Und in diesem Moment klingelte mein Wecker.
„ Fuck !“
„ Was ist?“ Ich öffnete meine Augen wieder.
„ Da draußen, auf dem Gang. Die Tür.“
„ Ja und ?“
„ Es ist jetzt 5 Uhr und das war der erste der zur Arbeit gegangen ist. Wenn ich dich jetzt abknall sind schon zuviele Leute wach. Das heißt, das sich auf jeden Fall irgendjemand an mich erinnern wird, wenn ich draußen jemandem begegne. Scheiße ! Scheiße ! Scheiße !“
Er schien wirklich verärgert zu sein.
„ Und jetzt ?“
„ Halts Maul ! Ich denk nach“
Und ich hielt mein Maul.
Er ging ein paar Mal vor mir auf und ab, während ich immer noch wie ein Idiot halbnackt vor dem Fenster stand. Langsam ging die Sonne auf. Nach ein paar Minuten angestrenftem Nachdenken kam er auf mich zu, er wirkt jetzt sehr ernst, sehr bedrohlich. Er drückte mir die Pistole in den Schritt und starrte mir in die Augen, machte noch eine kurze, dramatische Pause. Dann:
„ Also, paß auf. Du hast noch eine Woche Zeit. Schreib dein Buch, schreib deine Geschichte,geh von mir aus anschaffen; tu was du willst. In einer Woche komm ich wieder und dann will ich dich hier wieder antreffen. Entweder hast du dann das Geld oder wir machen das, weswegen ich eigentlich hergekommen bin. Und das nächste Mal werde ich nicht so blöd sein und mir dein Gelabber anhören bis es zu spät ist. Also: Nutz deine Zeit, und.... wenn du auf die dumme Idee kommen solltest abzuhauen oder zu den Bullen zu gehen“, er drückte die Waffe jetzt etwas fester rein „ dann finde ich dich, und dann kommst du garantiert auf die Titelseite, wenn auch nur stückchenweise. Kapiert? „
„ Kapiert !“
Er ging einige Schritte rückwärts, bis er aus dem Zimmer draußen war, dann drehte er sich um.
„ Hey“ rief ich ihm hinterher „ Danke !“
„ Fick dich“
Dann hörete ich die Tür zuschlagen und die Sonne ging auf.
Ich ging schlafen und beschloß, ihn nicht zu enttäuschen.


- 1 -

Die fette, haarige Hand seines „Vorgesetzten“ donnerte vor ihm auf den Schreibtisch. Das Wasser in der großem Karaffe schwappte fast über und ein Kugelschreiber, der sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte fiel vom Tisch.
„ Was soll das heißen?“ brüllte er den Killer an „ es ging nicht“
„ Es war schon fast morgen. Irgend jemand hätte mich bestimmt gesehen, wenn ich das Haus verlassen hätte.“
„ Das ist mir sowas von egal, das ist deine Sache, du hast gefälligst dafür zu sorgen, daß sowas nicht passiert. Warum bist du eigentlich erst so spät dahin, verdammt?“
Der Killer war froh, daß sein Vorgesetzter in seiner Wut nicht auf eine Antwort wartete. Er brüllte einfach weiter.
„ Erklär mir mal, warum ihr Schwänze, egal wie zuverlässig ihr auch lange Zeit arbeiete, warum ihr euch immer irgend wann anstellt wie Schulmädchen beim Kinder kriegen.“
Kirks arbeitete mittlerweile schon so lange für seinen Chef, daß er den bestialischen Gestank der in seinem Büro herrschte, schon gar nicht mehr wahr nahm. Aber in dieser Situation empfand er diesen Geruch als eine Bedrohung, wie eine Person die hinter dem Chef stand um ihn einzuschüchtern.
Er mußte versuchen einen kühlen Kopf zu bewahren.
„ Ich weiß es nicht, vielleicht ist es der Streß.“
Er wußte, daß es nicht klug war, jetzt frech zu werden, aber er hatte auch keine Lust sich einen Vortrag darüber anzuhören, wie er seine Arbeit zu machen hatte.
Der Fettsack, der ihm gegenüber saß, bekam einen hochroten Kopf, goß sich ein Glas Wasser ein und trank es in einem Zug leer. Er sah ihn jetzt wieder an und sprach langsam in normaler Lautstärke zu ihm. Er wußte daß das gefährlicher war, als wenn er schrie.
„Du gehst jetzt zu ihm, schießt ihm ins Gesicht und bringst mir seinen Personalausweis. In 2 Stunden bist du wieder da.“
„ Das ist unmöglich, es ist hellichter Tag, ich könnte genauso gut gleich ins Gefängnis gehen.“
Er ernetet ein Schulterzucken.
„ Kommen Sie“, der Killer stand jetzt auf, er wußte daß es, gleich wie gemäßigt die Unterhaltung gerade verlief, gerade um sein Leben ging. „ ich habe ihm gesagt, daß ich nächste Woche wieder kommen werde, und...
„ Und dann wird er auf seinem Stuhl sitzen, mit einem Sack Geld in der Hand und auf dich warten, genau . Mann, Kirks, wann genau hat ihn diese Herde Kühe eigentlich ins Gehirn geschissen, so lange kann es ja noch nicht her sein.“
„ Er wird nicht abhauen.“
„ Und warum nicht, wenn ich fragen darf“?
„ Ich weiß es, vertrauen sie mir“
Der Fettsack trank noch ein Glas Wasser, dann wendete er sich wieder Kirks zu.
„ Ein letztes Mal ! Sie haben es verdient. Wenn er weg ist, krieg ich das Geld von ihnen, ansonsten lege ich sie persönlich um, und das hab ich seit 20 Jahren nicht mehr gemacht. Und jetzt raus aus meinem Büro, du Penner !“



- 2 -

Ich stand etwas früher auf als gewöhnlich, es war glaube ich 11 oder so. Immerhin hatte ich einiges zu tun. Mir war ziemlich bewußt, daß eine Woche ein etwas kanpp bemessener Zeitraum war um ein Buch zu schreiben, einen Verlag zu finden und den Verleger einen Vorschuß von 150.000 Steinen aus den Rippen zu leiern. Die Zeit würde allerhöchstens reichen um das Buch fertig zu kriegen und es einem Freund zu schicken, der sich um die Verlegung und den posthumen Ruhm kümmern konnte. Der Killer hatte mich überzeugt, daß ich nicht unbedingt 130 werden mußte, aber das Buch wollte ich schreiben, einfach um irgendetwas vorweisen zu können, sollte ich nach dem Tod meinem Vater im Himmel begegnen. Außerdem war es mir wichtig, irgendeine Art von gedrucktem Werk zu hinterlassen. Das war meinens Erachtens nach sowieso das einzige, was uns Schriftsteller antrieb. Was wollte ich denn mehr erreichen ?

Ich machte mir einen Kaffee, spannte ein neues Blatt in die Schreibmaschine und fing an. Sofort kam mir die fantastische Idee, daß es Unsinn war eine klassische Erzählung zu schreiben. Es gab zuviel Belletristik, als das es realistisch wäre, daß ein unbekannter Autor mit seinem ersten Werk gleich den Durchbruch schaffen würde, vor allem wenn er nach Veröffentlichung verhindert wäre, an Lesungen teilzunehmen. Es mußte ein Manifest sein, eine Abhandlung über die Umstände der Zeit in der der Autor gelebt und gestorben war. Sowas machte einen Legendär.
Sowas brachte Stadtväter dazu Straßen und Grundschulen nach dir zu benennen.
Der Kaffee war kalt als ich anfing.


Die ICH- AG

Von Peter Blair

Anfang der 80 er Jahre kam es im Zuge der aufwärts gehenden Konjunktur und der neuen Möglichkeiten auf dem Markt zu einem wahren Aktienboom. Viele Kleinunternehmen wagten den Börsengang und für die großen Gesellschaften war es fast undenkbar nicht mehr an der Börse zu sein. Durch verbesserte Einkaufbedingungen und weniger Bürokratie entschlossen sich neben der vielen Großaktionäre auch viele Privatleute zum Aktienkauf. Bald hatte fast jeder der etwas auf sich hielt Aktien. Die Lage war stabil und man konnte sich damit bequem ein nettes Zubrot verdienen.
Mitte der 90er Jahre wurde es immer moderner und lukrativer sein Arbeitsfeld als Selbstständiger zu umschreiben. In vielen Firmen arbeiteten bald der Großteil der Belegung nicht mehr als Angestellte sondern auf selbstständiger Basis. Durch diesen Umstand und die Schädlichkeit der Schwarzarbeit für die Gesellschaft und die Wirtschaft entstand bald die Idee, den Menschen das Arbeiten auf Selbsständiger Basis noch mehr zu erleichtern. Der nächste Schritt muß sein, daß Selbstständige ihre Leistung und ihre Arbeitskraft, verbunden mit ihrer finanziellen Situation ähnlich wie bei Unternehmen bewerten lassen und durch den Verkauf von Anteilspapieren Geldmittel bekommen, die sie unterstützen auf dem weg zum vollständigen Unternehmer. Das würde dazu führen, daß....


Frustriert gab ich es wieder auf, ein Buch über ein Thema zu schreiben, von dem ich nicht die geringste Ahnung hatte. Außerdem bekam ich bei Altavista 272.697 Einträge zu dem Stichwort „ ICH AG“. So neu war die Idee wohl doch nicht. Ich riß das Papier aus der Maschine, warf es weg und betrank mich wüst.


- 3 –

Sich durch den dichten Feierabendvverkehr pressend, dachte Kirks über seine Vorgehensweise nach.
Er hatte genug Zeit dazu, denn ungefähr 200 m vor ihm war ein Milchlaster umgekippt, dessen Inhalt sich über die Fahrbahn ergoß. Die Feuerwehr war angerückt und schüttete Sand auf die ausgelaufene Milch, als handelte es sich um giftige Chemikalien. Das ganze behinderte den Verkehr natürlich umso mehr. Außerdem war es vollkommen idiotisch, da es Herbst war und die ganze Zeit regnete.
Die Milch hatte nicht den Hauch einer Chance zu gefrieren und damit eine Gefahr dazustellen. Der Regen würde sie innerhalb von Minuten weggewaschen haben. Dachten diese Idioten, daß die Pest ausbrechen würde, wenn sie die Milch nicht sofort entfernten. Kirks machte sich Gedanken über die Anziehungskraft von Milch auf Ratten.
Als er sich dabei ertappte, drehte er das Radio voll auf. Bei lauter Musik konnte er am besten seine Gedanken ordnen.
Der Schriftsteller, den er so dilletantisch hatte laufen lassen, dieser nichtsnutzige Vollidiot, der ein riesiges Bild von einer Japanerin im Kimono die an einem Stück Melone lutschte als einzige Wanddekoration besaß und in dessen Wohnung es nach alten Bananan stank, hatte jetzt mehr oder weniger sein Leben in der Hand.
Er mochte solche Situationen nicht, er ließ sich noch nicht mal gerne operieren.
Wenn der Typ auf die Idee kam, einfach zu verschwinden, hatte Kirks einen Menge Ärger am Hals.
Sein Chef hatte es sehr ernst gemeint, als er ihm sagte, daß Kirks sozusagen jetzt der Bürge für diesen Idioten war. 150.000 Steine hatte er nicht und wenn er statt dem Geld keine Leiche vorweisen konnte, würde er abhauen müßen. Er war sich ziemlich sicher, wenn er weder das Geld, noch die Leiche ableifern könnte, würde er eben selbst die Leiche sein müßen.
Das war das beschißene an so einer Bürgschaft.
Abhauen würde bedeuten, alles was er hier hatte zurückzulassen, sein mühsam erarbeitetes Prestige, seine mittlerweile recht braucbar eingerichtete Wohnung, sein recht angenehmes Leben. Er wäre wieder auf der Flucht. Scheiße. Aber er war sich ziemlich sicher, daß er sich auf den Schriftsteller verlassen konnte und seine Gespür für Menschen hatte ihn noch nie enttäuscht.
Sein Instinkt für wirklich verzweifelte Menschen.
Trotzdem fuhr er bei der nächsten Ausfahrt ab und suchte sich ein Münztelefon. Er wollte einafch mal wissen, wie weit der Kerl schon war.
Nur Interessehalber.

Es dauerte einige Zeit, bis jemand abhab. Eine verschlafene, betrunken wirkende Stimme.
„ Jjjjaa?“
„ Ich hoffe du erinnerst dich an mich ! Hast du geschlafen ?“
Sofort war sämtliche Müdigkeit aus der Stimme am anderen Ende verschwunden. Trotzdem lallte der Schriftsteller noch, auch wenn er sich bemühte klar zu sprechen
„ Oh, hallo, ääääh, also.... die Woche, weißt du, ich meine die Woche, also, äh..“ überschlug sich seine Stimme.
„ Ist noch nicht vorbei, ich weiß“, half ihm Kirks den Satz endlich fertigzustellen „ ich wollte nur wissen, ob du noch da bist. Kirks fiel plötzlich auf, daß er sich sicherlich seit 10 Jahren nicht mehr so geschämt hatte.
Er versuchte seine Stimme wieder etwas strenger klingen zulassen. „ Kommst du voran, wie weit bist du ?“
„ Ja, ich, also, ääh,“ man hörte eine Flasche auf dem Boden fallen, dann einen leise gezischten Fluch „ Super, ich mein, danke, echt klasse, 20 Seiten, super Story, ich bin im Kopf schon fertig, nur noch schreiben, verstehst du, echt klasse, tolle Story, wann kommst du ?“
„ Um was geht’s denn ?“
„ Um ne Frau“
„ Und was macht die so ?“
„ Tja, ääh, was Frauen halt so machen, ich mein...“
„ Und was machen Frauen so“
Kurze Pause. Dann.
„ Ja, ääähm, ich , also, hey, du machst dir die Überraschung kaputt!“
„ Achso, also du schreibst.“
„ Ja, klar,Mann. Hey verlass dich auf mich“
„ Nicht daß du...“
„ Neeeeeein, hey, also , ne, also, auf keinen Fall“
„ Gut. Ich mach jetzt mal Schluß“
„ Okay, bis Sonntag!“
„ Montag !“
„ Oh, ja klar, umso besser, machs gut.“
Kirks wollte noch irgendeine Drohung ausstoßen, aber ihm fiel keine ein. Der Schriftsteller hatte eh schon aufgelegt. Irgendwie hatte Kirks das Gefühl, daß es leichter wäre, eine Klosterschülerin zu erschießen, warum wußte er nicht.


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tocotomic
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Das sind die ersten 3 Kapitel des ersten Romanversuchs von mir. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir mitteilt was ihr davon haltet, ob es euch neugierig auf mehr gemacht hat oder ob es euch jetzt schon langweilt. Ich hab mittlerweile 42 Seiten fertig, wollte die aber nicht alle hier rein stellen, ich denke das sprengt den Rahmen ein wenig. Wäre nett wenn mir ein Moderator mitteilen könnte, ob es hier erwünscht ist, E-Mail Adressen anzugeben für den Fall, daß jemand die ganze bisherige Geschichte haben möchte.

Danke

tocotomic

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Zinndorfer
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Lustig zu lesen, ich habe gelacht, danke. Mir gefällt der Ton sehr gut.

Mir ist der Text insgesamt jetzt nur zu lang ...

Du hast ziemlich viele Fehler, die raus müssen. Sprachlich verdichten. Siehe Absatz 1. Keine Kalauer bitte, siehe Absatz 2. Der Satz "Hm, das ist ziemlich Scheiße" ist herrlich, da brauchst du nicht noch was hinterher zu schieben, das muss genauso trocken rüber kommen und bleiben.

Gruß Zinndorfer


Der Typ saß einfach auf meinem Kühlschrank, fraß einen von meinen Äpfeln und schlenckerte mit den Beinen. Er hatte sich die Schuhe nicht ausgezogen und da es draußen schon seit Tagen regnete, hatte er meinen wunderschönen Läufer ruiniert. Gut Braunes Matschwasser lief an der Kühlschranktür herab und bildete auf dem Küchenboden kleine Pfützen. Gut
Zu allem Überfluß richtete er auch noch eine Waffe auf mich. Gut
Kein allzu angenehmes sympathisches Verhalten von einem Gast.
„ Gast“ könnte man hier wohl als Euphemismus bezeichnen.
„Und“, fragte er kauend „ hast du das Geld“. Fragezeichen!
Nein“; antwortete ich wahrheitsgemäß, das wertvollste in diesem Raum dürfte wohl bis eben noch der Teppich gewesen sein. Gut
„ Tja, hm, dann werde ich dich leider erschießen müßen“, meinte er achselzuckend und man nahm ihm das „leider“ irgendwie nicht ganz ab. gut
Er legte den Apfel beiseite, überpfüfte den Schalldämpfer nochmal und sah mich dann an.
„ Irgendwelche letzten, bedeutenden Äußerungen, Fragen, Wünsche oder so ?“ gut
„ Äähm, darf ich mich vielleicht noch schnell umziehen“? zu überzogen
„ Negativ! Willste nen Apfel“?gut
Ich nahm dankend einen meiner Äpfel.
Mit einem Apfel in der Hand, einer alten Unterhose und einem ausgeleierten „ Radiohead“ T-Shirt bekleidet.
So werde ich also sterben ging mir durch den Kopf
So werden sie mich finden.
Wenigstens hatte ich nicht die Angewohnheit, in Damenunterwäsche zu schlafen.


Danach sah er mich fast mitleidig an.
„Hm, das ist ziemlich scheiße.“
„ Hey, laß den Scheiß ! Erschieß mich einfach!" und mach dich nicht auch noch über mich lustig! Sonst beschwer ich mich bei deinem Vorgestzten.“

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Dominik Klama
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Anfang eines Kriminalromans, in dem ein erfolgloser Schriftsteller einen Deal mit einem Killer eingeht, der ihn erschießen soll, weil er jemand 150.000 „Steine“ schuldet. (Warum er so viel Geld „geliehen“ bekam und für was, wird nicht gesagt.) Der Schriftsteller wird einstweilen am Leben gelassen, wenn er innerhalb einer Woche einen Roman produziert. Allerdings mangelt es ihm an Ideen. Eine Streitschrift über Ich-AG’en versandet schnell und zu Frauen fällt ihm nichts ein.

Jemand, der leider die deutsche Rechtschreibung nicht beherrscht, sich nicht die Mühe macht, seine Manuskripte mehr als einmal Kontrolle zu lesen, schafft es immerhin, einen halbwegs überzeugenden Abklatsch vom Beginn eines Philip-Marlowe-Romans zu erzeugen.

> „Wie sich der Apfel zu diesem Zeitpunkt wohl fühlte.“

Ist vielleicht der lustige Satz in diesen Werk. Einsame Loser-Männer-Helden in dieser Art von Krimi müssen sich immer schwer einen abbrechen, witzig zu sein.

> „Um das zu unterstreichen, entsicherte er die Waffe klickend ein zweites Mal.“

Das heißt, er hatte sie zwischendurch wieder gesichert? Anders ginge das ja nicht.

> „Jefferson sah aus dem Autofenster auf den sich wie eine allwissende Schlage hinschlängelnden Verkehr.“

Schlängelt eine allwissende Schlange sich anders als eine unwissende? Wo nimmst du dieses Bild her, die allwissende Schlange? Von der im Garten Eden an dem Apfelbaum? Was hat stockender Großstadtverkehr damit zu tun? Was hat stockender Autoverkehr überhaupt zu tun mit Allwissenheit? Er hat ja noch nicht mal mit All-Erreichbarkeit was zu tun.

> „Wenn er weg ist, krieg ich das Geld von Ihnen, ansonsten lege ich Sie persönlich um und das hab ich seit zwanzig Jahren nicht mehr gemacht. Und jetzt raus aus meinem Büro, du Penner!“

Das ist sehr verwirrend, dass der Boss (vielleicht doch ein wenig passenderer Begriff als „Vorgesetzter“) den Killer die ganze Zeit geduzt hat, der ihn aber soeben gesiezt hat, worauf der Boss nun auch siezt, um am Ende doch wieder zu duzen.

> „Der nächste Schritt muss sein, dass Selbstständige ihre Leistung und ihre Arbeitskraft verbunden mit ihrer finanziellen Situation ähnlich wie bei Unternehmen bewerten lassen und durch den Verkauf von Anteilspapieren Geldmittel bekommen, die sie unterstützen auf dem Weg zum vollständigen Unternehmer.“

Ein wenig Marx-Lektüre, wenn vielleicht auch nur in der Digest-Form der Sekundärliteratur (hab ihn selber nie im Original gelesen), hätte hilfreich sein können. Der Witz beim Kapitalismus liegt ja darin, dass die Arbeitskraft von Menschen (und auch ihr geistiges Potenzial, also das betrifft genauso die moderne Angestellten- und Scheinselbstständigen-Gesellschaft) wie eine Sache, wie ein Produktionshilfsmittel betrachtet wird, das einen genau abgemessenen, beschränkten Wert hat und jederzeit ersetzt werden kann, nämlich zu dem Preis, der diesem Wert entspricht allemal erneut erworben werden kann, falls Bedarf da ist. Dass aber die „Sache“ Geld, nämlich Investivkapital, wie ein allmächtiger Gott wirken und über dieses Produktionshilfsmittel Mensch verfügen darf. Folglich kriegt jemand, der Kapital zur Errichtung einer Produktivstätte anzubieten hat, weiteres Kapital in Form von Aktienanteilscheinen immer hinzu, während dem einzelnen Menschen, der „nur“ Muskelkraft, Erfahrung und kreativen Geist anzubieten hat, niemals Kapital anvertraut wird, um damit zu „arbeiten“. Wir wissen das im Grunde alle, dass der Kapitalismus ein mörderisches System ist, weigern uns jedoch beharrlich, darüber nachzudenken, ob es auch ohne ihn ginge. Das funktioniert so: Die Kapitalisten haben Kapital. Das, sagen sie, ist ihrs, das darf niemand wegnehmen. Wir haben Autos und Fernseher und Kühlschränke, das sagen wir, ist unsers, das darf uns niemand wegnehmen. Folglich sind wir ein Herz und eine Seele mit den Kapitalisten, deren höchst ersetzbare Produktionsmittel wir bilden, um uns Autos, Kühlschränke oder Urlaubsreisen kaufen zu können. Wodurch die, die Kapital haben, am Ende immer noch mehr Kapital bekommen, wir aber weiter nur die Hilfsmittel bleiben, die wir immer schon waren.

> „Es gab zu viel Belletristik, als dass es realistisch wäre, dass ein unbekannter Autor mit seinem ersten Werk den Durchbruch schaffen würde, vor allem, wenn er nach Veröffentlichung verhindert wäre, an Lesungen teilzunehmen. Der Kaffee war kalt als ich anfing.“

In „Der schwarze Schwan“, dem Buch des libanesischen Wall-Street-Mannes und Freizeitphilosophen Nassim Nicholas Taleb, kann man nachlesen, dass es durch alle Zeiten sozusagen ein Naturgesetz ist, dass 98 Prozent der Schreibenden ihr ganzes Schaffen über ausschließlich Werke produzieren, die dann nie wieder von jemandem beachtet werden. Während unter den restlichen zwei Prozent sich die Super-Überraschungserfolg-Bestseller befinden, von denen die ganze Branche lebt, welche unsterblich machen und schwer reich. Und ob man Lesungen anbieten kann oder nicht, ändert wenig daran. Mehrere Tausend Leselupen-Beiträger sind willens, als schwarzer Schwan sich aus den Heerscharen der Versunkenen abzuheben. Hilfreich könnte vielleicht sein, wenigstens die Regeln der Kommasetzung vor diesem Versuch schon begriffen zu haben.


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"Die uns bekannte Welt versinkt, indem sie Geschichten für passé erklärt, im Wahnsinn."
(John Ashberry)

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