Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87727
Momentan online:
544 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > ErzÀhlungen
Die rote Blume (3)
Eingestellt am 05. 09. 2002 12:40


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Rolf-Peter Wille
???
Registriert: Apr 2002

Werke: 123
Kommentare: 368
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rolf-Peter Wille eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Die rote Blume


von Rolf-Peter Wille


zurĂŒck: zu Teil 2      zum Anfang der ErzĂ€hlung (Teil 1)


[Teil 3]


Fishing


Plötzlich standen sie auf der Straße. Auf dem BĂŒrgersteig patroullierte noch immer der Polizist auf seinem Motorad. Sein Gesicht verkrampfte sich zu einem Grinsen als er den AuslĂ€nder am Arm Michaels sah. Und seltsmerweise war es dieses Grinsen, welches W. in die Wirklichkeit zurĂŒckrief nach dem entsetzlichen Vorfall im Krankhaus.
         "This is Sam." sagte Michael zu W. und zeigte auf den Polizisten. Dieser hatte bereits das Motorrad geparkt und kam auf W. zu. "My name is Sam." sagte Sam und hielt dem AuslĂ€nder die Hand hin. Es blieb W. nichts anderes ĂŒbrig, als sie zu schĂŒtteln.
         Dann war er verschwunden, und W. zögerte. Sollte er sich von Michael verabschieden?
         "I love fishing!" sagte Michael. Aber W. konnte nichts verstehen im LĂ€rm der T. South Allee. Er war eben im Begriff, sich in seinem Anzug fehl am Platz zu fĂŒhlen, bemerkte jedoch, daß Michael einen ganz Ă€hnlichen Anzug trug. Beide wirkten wie zwei GeschĂ€ftspartner, die auf ihren Driver warten, um zum Business Lunch zu fahren.
         Übrigens erschien dieser Driver in der Tat, und W. erkannte, daß es Sam war in einem recht schĂ€bigen Auto. Sam stieg aus und öffnete dienstbeflissen die TĂŒr. W. erkannte jetzt seinen Irrtum. Sam war offensichtlich der Driver von Michael und nur als Polizist getarnt. ‘Wenn er schon einen Driver hat, warum kauft er sich kein besseres Auto?’ dachte W.
         Michael schien die Gedanken des AuslĂ€nders zu erraten. Das Auto war eigentlich neu und seine schĂ€bige Erscheinung lediglich Tarnung. Michael erzĂ€hlte W. mit großer Unbefangenheit seine Privatgeschichte. Als bekannter Arzt war er stets ein Erpressungsopfer der ‘Mafia’ gewesen. Er hatte sich deshalb kurzerhand entschlossen, auf Ă€ußere Eleganz zu verzichten. Seine Familie war schon lange in Kalifornien in Sicherheit gebracht. Er fuhr nur noch ein schĂ€big aussehendes Auto, und um die ‘Mafia’, wie er die Unterwelt nannte, zu besĂ€nftigen, hatte er einfach einen Gangster als Driver angestellt. Dieser tarnte sich als Polizist, und so konnte auch die Polizei etwas profitieren. "Es ist eine Art Sozialstaat." erklĂ€rte Michael, und Sams Gesicht verkrampfte sich zu einem Grinsen. W. erblickte im RĂŒckspiegel die rote Narbe, welche dieses Grinsen durchzuckte. ‘Vielleicht ist auch diese Narbe nur eine Tarnung.’ dachte er.
         Michael war in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher Arzt. Da er aus praktischen GrĂŒnden auf einige elegante GebrĂ€uche verzichten mußte, hatte er auch mit dem Golfspielen aufgehört. "I hate golf." sagte er. Aber Sam hatte ihn das Fischen gelehrt, und dies war nun seine Leidenschaft geworden. "I love fishing!" sagte Michael. "Just relax."
         Sam hatte nun das Auto in der NĂ€he einer Subway Station geparkt, und der AuslĂ€nder verstand nicht. Sam öffnete den Kofferraum und entnahm ihm Angeln, Kescher, Lunch Boxes in PlastiktĂŒten und diverse andere Utensilien.
         "Wir fahren in die Berge. Es ist sehr nah." sagte Michael, und der AuslĂ€nder verstand nicht. Die Subway Station war neu und gerĂ€umig, und die Klimaanlage funktionierte hier wesentlich besser als die Airconditioning im Auto. Michael und der AuslĂ€nder setzten sich einander gegenĂŒber, und Sam stellte sich mit den Angeln dazwischen. Er lehnte sich an eine Metallstange und war bald eingeschlafen. Michael und W. sagten nichts, und W. begann, aus dem Fenster zu schauen. Der Zug hatte die Innenstadt bereits verlassen und durchschnitt nun ĂŒber der Erde die schĂ€bigen Außenbezirke der Stadt. TatsĂ€chlich konnte man die Berge sehen und bereits nach einer halben Stunde hatte man das Fahrziel erreicht.
         Die drei MĂ€nner verließen wortlos die Subway Station und nahmen ein Taxi, welches sie zusammen mit den Angeln, Keschern, Lunch Boxes und anderen Utensilien in die Berge fuhr.

In einer Kurve bremste der Fahrer jĂ€h ab und bog in eine unscheinbare Landstraße, die plötzlich steil hinabschoß und als Sackgasse vor einem protzigen Metalltor endete. Sam zĂŒckte seine Remote Control und schien recht stolz ĂŒber dieses magische ‘Sesam öffne Dich’. Die exklusiven SchĂ€tze des Sultans bestanden jedoch nur aus einem recht trĂŒben Swimming Pool sowie einer Ă€ußerst schĂ€big wirkenden Baracke aus grau verwaschenen BetonwĂ€nden und einem verrosteten Wellblechdach. Direkt dahinter befand sich ein Gehöft, welches als Schweinestall fungierte. Dies folgerte der AuslĂ€nder, als er aus dem Auto stieg, da die stickige Luft von einem Geruch geschwĂ€ngert war, in dem sich das Schweinische mit dem Fischigen vermischt hatte. Die letztere Komponente entstieg ĂŒbrigens der Kloake, in der W. fĂ€lschlicherweise einen Swimming Pool gesehen hatte, die jedoch ein kĂŒnstlich angelegter Fischteich war. Um dieses Betonbecken mit der grĂŒnlich trĂŒben FlĂŒssigkeit kauerten einige Gestalten, die wohl Angler zu sein schienen. Sie erweckten einen recht schmierigen Eindruck, der eher durch ihre Gestik als durch die Kleidung hervorgerufen wurde. Die Bewegungen dieser MĂ€nner hatten etwas negativ Erotisches. Die lĂ€ssig lutschenden Bewegungen ihrer Betelnuß kauenden MĂ€uler hatte etwas Fischiges. Hin und wieder spuckten sie in die Kloake, und es war widerlich anzuschauen, wie die Fische nach diesem rötlichen Speichel schnappten und sogar sich schlĂ€ngelnd darum bekĂ€mpften.
         ‘Wahrscheinlich werden auch diese Fische einen Betelnußgeschmack haben.’ dachte W., der sich in seinem Anzug fehl am Platz fĂŒhlte. Er bemerkte, daß Michael sich in dem schĂ€bigen Betonhaus umgezogen hatte und bereits ein Angler geworden war. Sam war ohne weitere UmstĂ€nde zur Sache gekommen. Er benahm sich, als wĂ€re er der Boß des Unternehmens, welches man ĂŒbrigens nicht ausschließen konnte.
         Michael nĂ€herte sich dem AuslĂ€nder mit einer komplizierten Metallapparatur. "Relax." sagte er. "Here is your gentler." W. setzte sich in die Hocke und zwar so, daß sein Hosenboden die eigenen Hacken, nicht jedoch den dreckigen Beton, berĂŒhrte. Der Gentler in seinen HĂ€nden war ein mörderisches GerĂ€t und wirkte wie eine ĂŒberdimensionale Mausefalle mit einem polyphonen Gewirr von DrĂ€hten und rasiermesserscharfen Widerhaken, an denen sich der Fisch selbst zerfetzen sollte.
         W. ĂŒberlegte, warum ein so entsetzliches GerĂ€t ausgerechnet ‘Gentler’ hieß, aber sein Finger hatte sich bereits in dem Gentler verfangen. W. geriet in Panik, da er sich nicht von dem Gentler befreien konnte und sein Finger bereits blutig war. Zum GlĂŒck hatte Michael seine Notlage beobachtet und den Gentler mit einer geschickten Bewegung auseinandergeklappt. W. besah sich seinen Finger, konnte jedoch keine Wunde und kein Blut erkennen. Wahrscheinlich hatte der schweinisch fischige Gestank sein Wahrnehmungsvermögen getrĂŒbt. "Warum heißt es Gentler?" fragte er Michael. Dieser jedoch schaute ihn verwundert an. "I said: Use it gently." sagte er.
         Aber nun rief Sam, daß die Lunch Boxes bereit seien. Man begab sich in das kahle Betonhaus, wo eine PlastiktĂŒte mit den Lunch Boxes lieblos in eine Ecke geworfen war. Sam offerierte Zigaretten, die der AuslĂ€nder annahm, obwohl er eigentlich ein Nichtraucher war. Michael erzĂ€hlte von seiner Villa, die sich angeblich in unmittelbarer NĂ€he befand. Es war ein Traumhaus, aber W. war inzwischen recht skeptisch geworden. Michael jedoch liebte seine Villa. FrĂŒher hatte er regelmĂ€ĂŸig dort ĂŒbernachtet, aber in letzter Zeit erlaubte ihm seine Arbeit im Krankenhaus nicht mehr, seine Villa zu besuchen.
         "Let’s go." sagte er, und W. war froh, den ekelhaften Fischteich verlassen zu können.

Sie durchquerten das schweinische Gehöft, in dessem Lehmhaus jedoch weder Schweine noch Menschen zu erkennen waren. Nur eine offene TĂŒr und ein Fernsehapparat verrieten, daß es bewohnt war. Über eine Hintertreppe gelangten Michael und der AuslĂ€nder auf die betonierte Landstraße, und von dort fĂŒhrte ein Kletterweg in den Urwald. "A short cut." sagte Michael. Nichts jedoch ließ auf ein modernes Villenviertel schließen, und W. fĂŒhlte sich beklemmt. Der Urwald, der nur an einigen Stellen von verfallenen GrĂ€bern unterbrochen wurde, erschien nur wie eine Fortsetzung der Stadt mit anderen Mitteln. Die schwĂŒle Luft und ein Geruch verwesender Organismen erstickten jedes GefĂŒhl von Besinnlichkeit. An Stelle der Menschen lĂ€rmten hier die Zikaden, und statt der MotorrĂ€der schlĂ€ngelten sich giftige GewĂ€chse umeinander. Die ruckartigen Bewegungen der Insekten erschienen als nervöse Verzierungen entzĂŒndeter BlĂŒten. Der AuslĂ€nder fĂŒhlte seinen von MĂŒckenstichen juckenden Körper als eine blĂŒhende EntzĂŒndung. Er hatte sein Jackett ausgezogen und das Hemd klebte ihm auf der schwitzenden Haut. Auch der Dschungel schwitzte in seiner ewigen Agonie des Lebens und Sterbens. WĂ€re plötzlich ein Saurier vor ihnen erschienen, so hĂ€tte sich W. vielleicht erschreckt, nicht jedoch verwundert.
         "I love nature." sagte Michael und warf seine Zigarettenkippe auf ein Grab. Der AuslĂ€nder schwieg in der stickigen Luft, und Michael informierte ihn ĂŒber die GrundstĂŒckspreise in den Bergen. Im Moment war alles noch recht preisgĂŒnstig, aber bestimmt wĂŒrde sich alles verdoppeln, wenn die neue Autobahn fertig war. Sie war ĂŒbrigens so gut wie fertig, und da Michaels Villa eine große Garage besaß, hatte er bereits eine Auffahrt aus Beton gießen lassen, die er nun inspizieren wollte.
         In der Tat hatten die beiden nun wieder die Hauptstraße erreicht, die jedoch keineswegs wie eine Autobahn wirkte. Sie mĂŒndete in einen Kreisel, dessen Mitte ein rundes Betonbecken mit grĂŒnlicher FlĂŒssigkeit bildete. Es war dies aber kein Fischteich sondern eine Fontaine, die jedoch nur angestellt wurde, wenn jemand ein Haus kaufen wollte, wie Michael mit ironischem LĂ€cheln erklĂ€rte. Auch um dieses Becken saßen verschiedene grinsende Gestalten, die Michael auf recht vertrauliche Art grĂŒĂŸte. Den AuslĂ€nder stellte er als seinen besten Freund vor.
         Von dem Kreisel fĂŒhrte ein Schotterweg wieder nach unten und W. erblickte eine Backsteinmauer, hinter der in der Tat eine Villa hervorragte. Diese Villa entsprach in keiner Weise den Vorstellungen W.’s. Er hatte ein weißes exotisches Haus in mediterranem Stil vermutet, fand jedoch eine etwas klobige Festung aus fels-artigem Naturstein vor.
         Das Innere des Hauses war recht spartanisch eingerichtet, und eine Wand des Wohnzimmers erschien als Imitation eines Weinkellers. Michael prĂ€sentierte auch ohne weitere UmstĂ€nde die besten Chateaus seiner Rotweinsammlung. Er entkorkte sofort die teuerste Flasche, in der sich eine rote FlĂŒssigkeit von essigartigem Geschmack befand.
         "Chateau de la Cleau 1837." sagte Michael. "I love wine."
         Übrigens war der AuslĂ€nder recht froh, dem Dschungelklima entronnen zu sein. Denn, um seinen Rotwein zu schĂŒtzen, hatte Michael die Klimaanlage in seinem Chateau 24 Stunden am Tag in Betrieb. Es war so kalt, daß W. sein Jackett wieder anziehen konnte und vielleicht sogar gefroren hĂ€tte, wenn er nicht den antiken Weinessig getrunken hĂ€tte. Selbst die Imitation eines zĂŒnftigen Kamins mit elektrischem ‘Flackern’ erschien nicht unvernĂŒnftig gegen diese elekrische KĂ€lte.
         "Do you like the house?" fragte Michael, und der AuslĂ€nder beteuerte es. "Du kannst hier jederzeit wohnen." sagte Michael und legte die SchlĂŒssel auf den Tisch. W. war etwas beschĂ€mt und lehnte dies allzu großzĂŒgige Angebot ab. Michael jedoch bestand darauf. Es sei eine Verschwendung, daß dieses wunderbare Haus immer leer stĂŒnde. Als Arzt habe man nun einmal kein Leben. W. könne jederzeit kommen zum Wandern oder Fischen. Und wenn er sich entspannen wolle, gĂ€be es Rotwein im Überfluß. Da W. immernoch protestierte, zeigte ihm Michael kurzerhand das Versteck fĂŒr die SchlĂŒssel. "Just come over." sagte er und beschrieb die genaue Lage seines Chateaus.
         "Was ist Mycosis Fructoides?" fragte W.
         "Eine Art Fungoides." sagte Michael nach einer Weile.
         "Wie ist die Prognose? Gibt es Heilungschancen?"
         Michael machte eine eigenartige Geste mit seinem Zeigefinger. Er krĂŒmmte ihn und streckte ihn wieder, als wenn er eine Pistole abfeuern wollte, und W. erinnerte sich, diese Geste gesehen zu haben, wenn man vom Abkratzen sprach.
         "Wieso kennst Du diese Krankheit? Sie ist unglaublich selten." fragte Michael.
         "Eine SchĂŒlerin von mir. Sie ist im 89. Stock."
         "B?" fragte Michael skeptisch. "Ist das nicht Psychiatrie-Neurologie?"
         Aber W. glaubte zu bemerken, daß Michael in seiner Freizeit nur unwillig von Krankheiten sprach, und schwieg. Michael wollte noch eine zweite Flasche entkorken, aber W. erinnerte sich nun daran, daß er ein Seminar im Kulturzentrum habe und vielleicht vor dem Verkehrsstau in die Stadt zurĂŒckfahren mĂŒsse.
         Michael fĂŒhrte den AuslĂ€nder zurĂŒck zum Kreisel, und dort wartete bereits ein Taxi mit geöffneter TĂŒr.
         "Kulturzentrum." sagte Michael zum Fahrer. "Kulturzentrum." sagte der Fahrer.

Bereits auf der Hauptstraße, die Michael eine Autobahn genannt hatte, gab es den ersten Stau. Als sie die Außenbezirke der Stadt verlassen hatten, war der Verkehr vollstĂ€ndig zum Erliegen gekommen. Da sie sich jedoch in der NĂ€he der Subway Station befanden, entschied sich der AuslĂ€nder, das Taxi zu verlassen. Um den Fahrer nicht zu verĂ€rgern, gab er ihm ein erhöhtes Trinkgeld und drĂ€ngte sich durch die dschungelartige Masse von Menschen, MotorrĂ€dern und Autos zur Subway Station.
         Auch diese Station war von Menschen gefĂŒllt. Aber ihre Bewegungen hatten das Urwaldartige abgestreift und wirkten zielgerichtet. Die SterilitĂ€t der Station schien sich auch durch das Benehmen der Menschen auszudrĂŒcken.
         Da es eine Endstation war, stand der Zug schon bereit. W. begab sich in den vordersten Wagen und war ĂŒberrascht, noch einen freien Platz zu finden. Bald durchschnitt der Zug wieder die schĂ€bigen Außenbezirke der Stadt. Es entstand ein Gemurmel in dem Wagen, und alle Insassen schienen gleichzeitig miteinander zu sprechen.
         Doch W. erkannte allmĂ€hlich, daß niemand miteinander sprach. Jeder redete in ein winziges Handy. Jeder war allein und nur mit einer unsichtbaren Person verbunden. Und trotzdem entstand durch die Gleichheit des Getrenntseins eine Art ĂŒbergeordneter Rhythmus, dem die Telephonierenden unterworfen schienen.
         Der AuslĂ€nder ĂŒberlegte, ob er diesen Rhythmus unterbrechen könne und starrte auf ein gegenĂŒbersitzendes MĂ€dchen, welches ihn eigenartig beobachtete, wĂ€hrend es in sein Handy kicherte.
         Plötzlich erhob sich das MĂ€dchen und ĂŒberreichte W. sein Handy. "It’s for you." sagte es, und W. vernahm eine ihm vertraute Stimme. Es war die Stimme von Pa-Yueh, der Freundin Marias. "Herr Lehrer," sagte Pa-Yueh, "Maria lĂ€ĂŸt grĂŒĂŸen."
         "Du weißt von ihrer Krankheit?"
         "Sie ist im Success-Krankenhaus." sagte Pa-Yueh.
         "Hast Du sie besucht?" fragte W.
         "Nein. Gehen wir nicht morgen wandern?"
         "Morgen? Ist es nicht in einem Monat?"
         "Oh — Herr Lehrer. Du bist wohl betrunken."
         "Nur eine Flasche Rotwein." Pa-Yueh und W. verabredeten den Treffpunkt fĂŒr die Wanderung. Offensichtlich hatte Maria bereits alles telephonisch geregelt.
         Der AuslĂ€nder wollte dem MĂ€dchen das Handy zurĂŒckreichen, aber das MĂ€dchen saß nicht mehr auf seinem Platz und war offensichtlich bereits ausgestiegen.
         Die anderen Insassen sprachen ausdruckslos in ihre Handys und kĂŒmmerten sich nicht um den AuslĂ€nder. W. steckte das Handy in seine Jackettasche


weiter: (Teil 4)

Mir gefĂ€llt die Leselupe, deshalb unterstĂŒtze ich sie... ... indem ich bereits regelmĂ€ĂŸig die Leselupen-Shop-Links nutze.
... indem ich die Leselupen-Shop-Links in Zukunft nutzen werde.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Barbarella
Guest
Registriert: Not Yet

NatĂŒrlich weitergelesen

Auch, wenn's mich am ganzen Körper auch schon zu jucken scheint und ich nicht mit dem AuslÀnder hÀtte tauschen wollen, so bin ich doch gespannt auf die Fortsetzung. Andere LÀnder, andere Sitten ...
Gruß !

PS: Hoffe, Email ist angekommen .

Bearbeiten/Löschen    


Rolf-Peter Wille
???
Registriert: Apr 2002

Werke: 123
Kommentare: 368
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rolf-Peter Wille eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Auslaender

Hallo Barbarella,

das freut mich, dass Du's noch liest! Dann werde ich jetzt die naechsten 50 Folgen..., na ja zwei gibt's noch. Drueck' die Daumen, dass uns morgen hier der Taifun nicht fortweht wie den "Fliegenden Robert". Heute las ich uebrigens mit Verwunderung das Motto vom Deutschen Akademischen Austauschdienst: "Jeder sollte einmal in seinem Leben ein Auslaender sein." Originell, nicht wahr? Ich dachte natuerlich, sie wuerden schreiben: "Niemand sollte jemals ein Auslaender sein." Aber ich habe sie unterschaetzt...

E-mail ist angekommen. Vielen Dank!

Gruss,
RP

Bearbeiten/Löschen    


Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Zefira eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Rolf-Peter,
auch ich habe bis hierhin mitgelesen, obwohl ich immer verwirrter werde. Deine Geschichte ist in ihrer totalen Mißachtung von Konvention und erzĂ€hlerischer Logik (wenn das nicht schon wieder eine eigene Logik ist) geradezu kafka-mĂ€ĂŸig.

Zwei EinwÀnde bis jetzt, die beide eigentlich zum ersten Teil gehören (bin jetzt zu faul, den aufzurufen):
"Er konnte jedoch nicht den falschen Akzent des AuslĂ€nders verstehen." Gemeint ist doch wohl, daß er den AuslĂ€nder wegen seines Akzents nicht versteht.

Und etwas spĂ€ter: "Es war nicht ohne weiteres zu verstehen, ob W. hier aus Haß oder nur aus Gewohnheit ausgestiegen war."
Das ist Kameraperspektive und paßt nicht recht zu dem Übrigen, da Du ansonsten immer wieder die Gedanken des AuslĂ€nders kennst - also weitgehend aus seiner Perspektive erzĂ€hlst (wenn auch die benennung "Der AuslĂ€nder" immer wieder fĂŒr Distanz sorgt - eine gute Idee). Zumindest solltest Du vielleicht so formulieren, daß sich W. in diesem Augenblick selbst nicht recht versteht.

Ich lese weiter mit - und wenn`s noch so gruselt.
Bis dann
Zefira

Bearbeiten/Löschen    


Rolf-Peter Wille
???
Registriert: Apr 2002

Werke: 123
Kommentare: 368
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rolf-Peter Wille eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Perspektiven

Liebe Zefira,

vielen Dank fuer's Mitlesen und natuerlich fuer den Kommentar. Du hast recht. "W." erinnert etwas an Kafkas "K." oder an den "Fremden" von Camus. Es stimmt sicher: Der "Auslaender" wird aus schwankender Pespektive beleuchtet. Er selbst schwankt auch. Er kann sich noch nicht einmal entscheiden, ob er der Motorradfahrerin helfen soll oder nicht. Vielleicht habe ich mich als Autor von seinem Schwanken beeinflussen lassen...

Viele Gruesse,
RP

Bearbeiten/Löschen    


herb
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 32
Kommentare: 261
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um herb eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
uff

Hallo Rolf-Peter,

ich habe jetzt die drei teile hintereinander weg gelesen, und schreibe meinen kommentar ohne denkpause, irgend etwas stimmt nicht, es ist dicht, es ist ehrlich, authentisch, keine frage, es ist auch gut geschrieben, nimmt einen fast die luft zum atmen, vielleicht ist es das, es fehlt vielleicht eine gewisse ironische distanz des autors, stellen, die einem auch mal wieder zur ruhe kommen lassen, dass der autor sich vielleicht (blöder vergleich) ab und an auf einen stern setzt und so von oben herabschaut,
es sind soviel details, alle echt, ,keine frage, aber ich jedenfalls ( ich bin nur ein einziger leser) ertrinke in dieser flut von details, wenn das so weiter geht - und trotzdem werde ich weiterlesen, es ist zu interessant, ich werde weiter lesen in der hoffnung, irgendwann aufzutauchen

herzlichen gruß

PS an Kafka erinnert es mich nicht, Kafka hat klar und streng an sprachregeln sich haltend auch die absurdesten sachen geschrieben, smile, er hat geschrieben wie glenn gould bach spielt
das ist aber nicht abwertend gemeint, warum solltest du schreiben wie kafka, den gab es doch schließlich schon
__________________
hier Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. KĂ€stner

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  ErzĂ€hlungen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!