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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Die rote Blume (5)
Eingestellt am 07. 09. 2002 07:07


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Rolf-Peter Wille
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Die rote Blume


von Rolf-Peter Wille


zurĂŒck: zu Teil 4      zum Anfang der ErzĂ€hlung (Teil 1)


[Teil 5]


Die rote Blume


Marias Hand war feucht und verschwitzt. Auch ihre Lippen waren feucht. Durch ihre Armbewegungen spĂŒrte W. die Schwingungen des MĂ€dchenkörpers und fĂŒhlte sich wie ein Wesen mit vier Beinen. Maria war außerordentlich schlank, und die Schwerelosigkeit ihres Gehens umfing W. AllmĂ€hlich hatte er die Trennung von der Gruppe vergessen, und er glaubte sich zu erinnern, bereits als Kind an der Seite Marias gegangen zu sein.
         Er befand sich in einem tranceĂ€hnlichen Zustand und hörte aus der Ferne die Melodie eines vertrauten Liedes.
         "Hast Du ein Handy?" fragte Maria. Plötzlich bemerkte der AuslĂ€nder, daß er noch immer das winzige Handy bei sich hatte, welches ihm das MĂ€dchen in der Subway gegeben hatte.
         "Es klingelt." W. war verwirrt. Maria nahm ihm das Handy aus der Tasche und antwortete. Das GesprĂ€ch war recht kurz. Maria gab zwei lakonische Antworten, und der AuslĂ€nder hörte nur: "Wir wandern." und "Heute abend."
         "Wer war es?" fragte W.
         "Ein Arzt vom Krankenhaus." sagte Maria. "Sie suchen mich."
         "Bist Du weggelaufen?"
         "Ich mache Pause."
         "War es Michael?"
         Maria sah ihn fragend an. W. wußte nicht, ob er wieder ihre Hand nehmen sollte. "Du schwitzt sehr stark." sagte er. Maria nahm ihre feuchte Hand und preßte sie mit Nachdruck auf den Arm des AuslĂ€nders.
         "Igitt!" sagte W. Dann gingen sie wieder schweigend nebeneinander her.
         Als sie wieder die Hochebene erreicht hatten, stand die Sonne bereits tief. Sie fĂŒhlten eine angenehm harmonische Mattigkeit, und als sie an einer Wegkreuzung einen großen flachen Stein fanden, setzten sich beide gleichzeitig.
         "Bist Du sicher, daß es keine Salamander gibt?" fragte W. Er hoffte, daß Maria ihn wieder kniffe, aber sie nahm wortlos seine Hand. Auch die Natur fĂŒhlte sich angenehm ermattet. Sie war so leise, daß man den eigenen Atem hören konnte. Sie lauschten auf das Atmen des anderen, und es entspann sich ein Dialog im Ein- und Ausatmen.
         Von rechts vernahm man ein Kichern. Die restliche Gruppe der Wanderinnen mußte einen anderen Weg nach oben genommen haben. Einen Weg, der nun den ihren kreuzte. Die Wanderinnen gingen in PinkelpĂ€rchen, jedes PĂ€rchen Hand in Hand, und stets in gleichem Abstand voneinander. Sie benahmen sich so, als wĂŒrden sie W. und Maria nicht sehen, aber der AuslĂ€nder bemerkte, wie manche ruckartig nach ihnen schielte und in sich hineinkicherte. "I love you." sagte ein MĂ€dchen im letzten Paar und umarmte ihre Partnerin, nachdem sie vorbeigegangen waren.
         Maria hatte diese Prozession gebannt beobachtet. W. spĂŒrte, daß sie seine Hand fester drĂŒckte. UnwillkĂŒrlich schauten sie einander in die Augen, und W. glaubte, eine Spiegelung seines eigenen Ausdrucks zu erkennen.

So verharrten sie eine lange Zeit wie hypnotisiert voneinander und erwachten erst aus ihrer Erstarrung als die Sonne rot untergegangen war. Maria wirkte ermattet. W. hob sie von dem Stein und trug sie auf seinen Armen. Er erinnerte sich an den Rollstuhl im Krankenhaus. Obwohl es nicht ihr Rollstuhl gewesen war, fĂŒhlte W., daß er sie aus dem Rollstuhl heben und nach Hause tragen sollte. Nun erinnerte er sich auch an ein Traumfragment der vergangenen Nacht: Sie hatten nachts am Strand gestanden und wollten in ein fernes Land reisen. Das Meer war dunkel und die Wellen haushoch. Schwimmend mußte er Maria durch dieses Meer tragen.
         ‘Wir werden sehr vertraut miteinander sein, wenn wir das Meer miteinander durchqueren.’ hatte W. im Traum gedacht.
         "Ich kann gehen." sagte Maria. Vorsichtig stellte W. sie auf den Erdboden. Sie legte ihren Arm um seine HĂŒfte, und er fĂŒhlte, daß sie ihm vertraute im Halbdunkel des Waldes. Nach einer Weile lichtete sich dieses Halbdunkel. Der Waldweg mĂŒndete in eine breite Treppe, die leicht hinan fĂŒhrte zu einer weiten Aussichtsterasse. Vor ihren FĂŒĂŸen lag ein kleiner bewaldeter HĂŒgel und dahinter eine ferne Ebene im Abendrot.
         Maria lĂ€chelte, und W. spĂŒrte eine grenzenlose GlĂŒcklichkeit in diesem LĂ€cheln. Er fĂŒhlte eine unendliche Kraft in sich. Eine Kraft, die sicherlich ein Wunder bewirken konnte.
         "Ich werde Dich heilen." sagte W. zu Maria. Hierbei erhob sich sein Arm wie in einer segnenden GebĂ€rde und deutete auf den kleinen bewaldeten HĂŒgel vor ihnen.
         Da erschien in der VerlĂ€ngerung dieser Geste ein heller Lichtpunkt von ĂŒberirdischer IntensitĂ€t. Es schien, als wenn die Sonne hinter dem HĂŒgel wieder aufgehen wollte. Diesem grellen Lichtpunkt entsproß eine flackernde ovale Knospe, deren tiefes Dunkelrot sich allmĂ€hlich zu einer zitternden BlĂŒte von durchsichtigem Hellrot entfaltete. Wie die Leuchtkugel eines Feuerwerks zu neuen phantastischen Formen und Farben explodiert, so schien diese gigantische Blume immer neue geĂ€derte BlĂŒtengebilde aus der grenzenlosen Energie ihres Mittelpunktes zu gebĂ€ren. Es brannte der HĂŒgel, und eine Korona von gleißendem Licht umgab seinen dunklen Wald.
         "Es brennt." sagte Maria.
         Nun erkannte auch W., daß ein Feuer vor ihnen ausgebrochen war.
         "Es brennt." sagte W. Er fĂŒhlte sich magisch angezogen von dem Feuer, aber Maria wollte ihn zurĂŒckhalten.
         "Hast Du Angst?" fragte W. und zog die widerstrebende Maria mit sich. Der Weg fĂŒhrte hinab zum Saum des HĂŒgels und brachte sie in die gefĂ€hrliche NĂ€he des brennenden Waldes. W. bereute bald seinen Mut. Er wußte nicht, mit welcher Geschwindigkeit sich ein Waldbrand ausbreitet. Ein rötlicher Schein lag hinter den BĂ€umen am Weg. Funken prasselten, und die wĂŒtenden explosionsartigen GerĂ€usche von berstendem Holz ließen eine infernalische Bestie in unmittelbarer NĂ€he erahnen. Nun stand auch ein heller Schein in ihrem RĂŒcken, und lĂ€hmendes Entsetzen bemĂ€chtigte sich W.’s: Ihr RĂŒckweg schien abgeschnitten. Nur schnelle Flucht nach vorn konnte sie retten.
         Sie zögerten. Ein Aufruhr entstand hinter ihnen. Das helle Licht stammte von den Handscheinwerfern der Feuerwehr. Ein Trupp von MĂ€nnern in roten Teerjacken nĂ€herte sich. "Die HĂŒtte brennt!" riefen einige von ihnen im VorĂŒbereilen. Maria und W. folgten den MĂ€nnern, die bald rechts abbogen und sich auf einem Kletterpfad dem Feuer nĂ€herten.
         Die Feuerstelle war hell erleuchtet von flutlichtartigen Scheinwerfern. Die WaldhĂŒtte war bereits von selbst abgebrannt. Nur sehr wenige der umliegenden BĂ€ume hatten Schaden genommen, und es waren offensichtlich die Bretter der HĂŒtte gewesen, deren Brand das infernalische GerĂ€usch von berstendem Holz erzeugt hatte.
         Die Glut der verkohlten Überreste wirkte ĂŒbrigens etwas dĂŒrftig im Scheinwerferlicht.
         Die FeuerwehrmĂ€nner hatten sich auf die SteinbĂ€nke vor der HĂŒtte gesetzt und berieten, wo sie ihr Abendessen einnehmen sollten. Sie schienen W. und Maria kaum zu bemerken.
         Plötzlich ertönte ein scharfer Befehl. Zwei MĂ€nner hatten sich mit gezĂŒckten Videokameras platziert. Die FeuerwehrmĂ€nner erhoben sich und stellten sich mit den LöschgerĂ€ten in eine Falance vor die kĂŒmmerlich glĂŒhenden Kohlenreste. Einer von ihnen schrie rhythmisch Anweisungen. Die uniformierten MĂ€nner zĂŒckten ihre LöschgerĂ€te wie Maschinengewehre und synchronisierten ruckartig heroische GebĂ€rden in soldatischer Choreographie. Nachdem sie diese Szene einigemale wiederholt hatte, waren die VideomĂ€nner zufrieden. Die Feuerwehr packte die Scheinwerfer und LöschgerĂ€te zusammen und verschwand in geradezu gespenstisch anmutender Schnelle.

Maria und W. waren allein zurĂŒckgeblieben in einer unwirklichen Stille. Sie saßen getrennt voneinander und starrten in die schwelende Glut. Der Geruch von Holzkohle erinnerte W. an Gegrilltes, und er fragte Maria, ob sie nicht essen wolle. Sie schien jedoch betĂ€ubt und nickte nur wortlos. Es war nun auch ziemlich dunkel geworden, und W. bedauerte es plötzlich, daß sie nicht die Geistesgegenwart besessen hatten, den FeuerwehrmĂ€nnern zu folgen. Im Scheinwerferlicht hĂ€tten sie sicherlich leicht hinabsteigen können.
         Zum GlĂŒck kannte W. den Weg. Maria nahm wieder seine Hand, aber es war dies nun eine Notwendigkeit, um sich nicht in der Dunkelheit zu verlieren. Hin und wieder funkelte ein Irrlicht vor ihnen. Es schien, als wenn diese GlĂŒhwĂŒrmchen, aus der Glut des HĂŒttenbrandes entflohen, nun als Samen umherirrten, um einen neuen NĂ€hrboden fĂŒr weitere FeuersbrĂŒnste zu finden.
         "Warst Du einmal in einem Feuer?" fragte W., aber Maria verneinte es. Er erkundigte sich nach den roten Flecken auf ihren Beinen. "Brennt es bei der Bestrahlung?" Maria verneinte es.
         Nach einer Weile fragte Maria, ob W. schon einmal als Kind geschlagen worden sei.
         "Eigentlich nicht." sagte W. "Ich hatte keine Mutter. Bist Du geschlagen worden?"
         "Vielleicht." sagte Maria.
         "Wer?"
         "Mein Vater."
         W. stellte vorlĂ€ufig keine weiteren Fragen. Der Weg war jetzt recht gefĂ€hrlich geworden, da man die schlĂŒpfrigen Steine in der Dunkelheit nicht recht erkennen konnte. Sie hatten die neblige Region des Regenwaldes erreicht. Auch nachts war es hier stickig vom Geruch verwesender Organismen, und die schneidenden Dissonanzen der Zikaden erhielten in der Tiefe durch das unflĂ€tige RĂŒlpsen der Ochsenfrösche ein recht vulgĂ€res Ostinato. Der Dschungel schien sich selbst zu verschlingen.
         Als W. nun eine leicht schweinisch fischige Luft witterte, fiel ihm ein, daß sie sich in der NĂ€he von Michaels Villa befanden. Er wußte, wo die SchlĂŒssel versteckt lagen, und vielleicht war es in dieser Situation nicht unvernĂŒnftig, eine Pause einzulegen. Sie konnten sogar in dem klimatisierten Haus ĂŒbernachten, im KĂŒhlschrank gab es sicher Speisen, und selbst der Genuß einer Flasche roten Weinessigs erschien verfĂŒhrerisch.

Maria erschien nicht sonderlich verwundert, als sie Michaels Villa betraten. Vielleicht mochte sie denken, daß es W.’s Haus sei. Mit großer SelbstverstĂ€ndlichkeit ging sie zum KĂŒhlschrank, fand ein paar Überreste getrockneter kleiner Fische mit Mandelsplittern und stellte diese auf den pseudo-rustikalen Wohnzimmertisch. Das ‘Chateau’ wirkte des nachts wie ein Weinkeller und W. erinnerte sich an einen Witz ĂŒber die Hölle. Maria hatte bereits zwei WeinglĂ€ser gewaschen und blickte fragend auf W.
         Es hĂ€tte zu lange gedauert, Michaels Weinsammlung zu studieren, und so nahm W. ziemlich wahllos eine Flasche Rotwein und entkorkte sie.
         Erst jetzt bemerkte er, daß die Klimaanlage ausgefallen war. Er wollte sie anstellen, aber dann befĂŒrchtete er, daß sich die verschwitzte Maria verkĂŒhlen möchte.
         Sie hatten nichts gegessen, und bald spĂŒrte W., wie ihn die Hitze des Weines in einen tranceartigen Zustand versetzte. Das Zirpen der Zikaden in der stickigen Luft wirkte hier weniger dissonant.
         Marias Blick schien hypnotisierend. Sie hatte die Fenster geöffnet und das Licht gelöscht. Ein elektrischer MĂŒckentöter warf einen blĂ€ulichen Schein auf Marias Gesicht. In unbestimmten AbstĂ€nden sah man einen kurzen Blitz und hörte ein knallendes GerĂ€usch, wenn ein MĂŒckenkörper verzischte.
         "Trinkst Du viel?" fragte Maria.
         W. nickte. "Ich kann nicht schlafen." sagte er. Er holte eine kleine Plastikflasche mit Schlaftabletten aus seiner Hosentasche und stellte sie neben die Weinflasche auf den Tisch. "Eine nette Kombination." sagte er.
         Maria legte ihre Hand auf W.’s Arm. "Nimm keine Schlaftabletten." sagte sie.
         W. war ĂŒberrascht von der Eindringlichkeit ihrer mĂŒtterlichen Geste. Er zögerte. "Was war der fĂŒrchterlichste Moment Deines Lebens?" fragte er schließlich.
         Maria zögerte. "Ich wußte nicht, daß Dich das interessiert."
         "Es interessiert mich." sagte W.
         "Aber es ist sehr langweilig. Ich habe einmal versucht, mich zu töten."
         "Warum?" fragte W. interessiert.
         "Ich war noch in der Grundschule. Aber es ist sehr langweilig. Ich war allein im Zimmer und wollte mich am Bett aufhĂ€ngen. Ich schlief im oberen Bett. Ich stand schon auf dem Stuhl und hatte die Schlinge um den Kopf gelegt. Aber ich konnte mich nicht entscheiden zu springen. Ich bin ein Feigling. Verachtest Du mich?"
         "Was ist dann passiert?"
         "Nichts. Meine Oma hat gerufen, daß das Essen fertig ist."
         "Und dann bist Du zum Essen gegangen?"
         "Ja. Niemand hat etwas gemerkt. Du bist der erste Mensch, dem ich das erzĂ€hle."
         "Vielen Dank fĂŒr das Vertrauen. Warum wolltest Du Dich umbringen?"
         "Ich konnte die Schule nicht mehr aushalten. Meine Mutter war sehr ehrgeizig."
         "Und warum gerade aufhĂ€ngen?"
         "Ich hatte ein Buch gelesen. Eine Anleitung zum Selbstmord. Kennst Du das nicht? Ein Japaner hat es geschrieben. Damals gab es eine Übersetzung."
         "War das Buch nicht verboten?"
         "Am Anfang nicht. Ich habe es zufĂ€llig gekauft und versteckt."
         Es stellte sich heraus, daß Marias Mutter kurze Zeit spĂ€ter gestorben war. Maria lebte von da an allein mit ihrem Vater und ĂŒbernahm die Rolle der Ehefrau.
         "Ich habe niemals mit jemandem darĂŒber gesprochen." sagte Maria.
         "Ist es zu privat?" fragte W. interessiert.
         Maria verneinte. Ihr Vater war ein jĂ€hzorniger und egoistischer Mensch.
         "Hat er Dich geschlagen?"
         Maria nickte.
         "Hat er Dich belĂ€stigt?"
         Maria nickte.
         "Wieso lĂ€ĂŸt Du Dir das gefallen?"
         "Ich bin ein Feigling. Das habe ich doch schon gesagt."
         W. ĂŒberlegte fieberhaft.
         "Wie gibst Du Deinem Haß Ausdruck?" fragte er plötzlich.
         "Ich schweige." sagte Maria.
         "Dein Haß wird Dich selbst zerfressen." sagte W. "Vielleicht ist das auch die Ursache Deiner Krankheit."
         Maria zuckte mit den Achseln. "Vielleicht ist es besser, wenn ich weg bin."
         "Dein Vater soll weg sein. Nicht Du!" sagte W.
         "Aber was kann ich machen?" fragte Maria.
         W. ĂŒberlegte fieberhaft. "Es gibt eine Hemmschwelle." sagte er. "Man muß nur die Schwelle ĂŒberwinden."
         Plötzlich durchzuckte ihn eine Idee. "Wir können ein Experiment machen." sagte er. Die Möglichkeit der AusfĂŒhrung erregte seine Vorstellungskraft. "Ich schlage Dich. Und Du schlĂ€gst zurĂŒck."
         Maria sah ihn fragend an.
         "Es sind nur symbolische Gesten." sagte W. Er hob seine Hand und streichelte ihre Wange. Plötzlich versetzte seine Hand ihrer Wange einen recht kurzen, akzentartigen Klaps. Mit großer Verwunderung starrten ihre Augen auf den AuslĂ€nder. Plötzlich durchzuckte ihr Körper in blitzartiger Ruckhaftigkeit, und ihre Hand schlug in das Gesicht des AuslĂ€nders. W. spĂŒrte einen elektrischen Schlag. Eine teuflische Flamme von Scham und Wollust verbrannte ihn. Automatisch erhob sich sein Arm und versetzte Maria eine schallende Ohrfeige.
         Ihr Gesicht verkrampfte sich zu einer Maske des Hasses. Nie zuvor in seinem Leben hatte W. diesen Haß gesehen. Instinktiv ergriff er die Rotweinflasche.
         Maria ergriff die Flasche mit den Schlaftabletten. Im Nu hatte sie die Flasche geöffnet und mit ruckartiger Bewegung verschluckte sie die Tabletten.
         Der AuslĂ€nder hatte sofort das Licht angeknipst. Er kĂ€mpfte mit Maria wie mit einem Tier. Gewaltsam öffnete er ihren Mund und grub mit den Fingern in ihrem Schlund, bis sie sich erbrach und die Tabletten auf den Fußboden gespuckt hatte. Es waren kleine weiße Lozenges. Einige waren blutig. ‘Sie hat ihre ZĂ€hne ausgespuckt.’ dachte der AuslĂ€nder. Auch seine Finger waren blutig. Marias Körper lag leblos in einer Ecke des Zimmers.


weiter: (Teil 6 und Nachwort)

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