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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Diese eine Nacht
Eingestellt am 06. 10. 2010 14:40


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djepicx
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2009

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Es war mittlerweile kurz vor Mitternacht und die M├╝digkeit kroch langsam in seine Knochen. Er l├Ąchelte als er an seine Freundin dachte, die jetzt wohl entweder mit einem Buch auf dem Bauch im Bett eingeschlafen ist oder, was am wahrscheinlichsten ist, rauchend im Keller stand und auf ihn wartete, zusammen mit einer gro├čen Tasse kalten Kaffee. Er bog nach links ab um kurz darauf gleich wieder links in eine Sackgasse zu fahren, an deren Ende er eine neue Heimat gefunden hatte. Sein Handy meldete einen SMS Eingang, er ├Âffnete die Nachricht und schmunzelte, sie war also noch wach. Er wollte gerade antworten, als ein eingehender Anruf ankam, er schaute auf das Display und als er die Kennung des Anrufs sah ├╝berkam ihm ein ungutes Gef├╝hl. Er nahm ab und bevor er etwas sagen konnte erklang eine tiefe, befehlsgewohnte Stimme:
┬╗ Wir haben ein Problem! ┬ź
Er hielt mit seinem Wagen an und stellte den Motor ab. Noch war er verh├Ąltnism├Ą├čig ruhig aber immer wenn die Kennung der drei Fragezeichen anrief war etwas verdammt schief gelaufen.
┬╗ Ich bin ganz Ohr. ┬ź
┬╗ Es geht um Deinen letzten Auftrag, wir rechneten damit das er Staub aufwirbeln w├╝rde, ┬ź der Anrufer hielt kurz inne bevor er fortfuhr, ┬╗ das daraus ein globales Erdbeben entstehen w├╝rde haben wir nicht erwartet. ┬ź
┬╗ Ich verstehe nichtÔÇŽÔÇŽ. ┬ź
┬╗ Unser Informant in Adelaide wurde vor einer Stunde regelrecht hingerichtet. Indizien die auf einen stinknormalen Raub├╝berfall hindeuten waren nicht ersichtlich. Man wollte dass wir wissen dass es geplant war. ┬ź Er war sich nicht sicher aber er dachte aus der Stimme etwas Unsicherheit herauszuh├Âren.
┬╗ Es k├Ânnte ein Zufall sein dasÔÇŽÔÇŽ ┬ź
┬╗ Auf seine Brust wurden drei Fragezeichen eingeritzt! ┬ź
Es wurde still, niemand sagte etwas, jeder hing seinen Gedanken nach.
┬╗ Du musst untertauchen, wir wissen nicht wie sie an die Informationen gekommen sind aber ich vermute das wir einen Maulwurf haben und dieser muss in unserer unmittelbaren N├Ąhe operieren. Ich habe Untersuchungen einleiten lassen, wir werden den Laden von innen nach au├čen st├╝lpen bis wir den Mistkerl gefunden haben aber bis dahin musst Du Dich unsichtbar machen und zwar sofort. ┬ź
┬╗ Das geht nicht, das wisst Ihr. ┬ź Seine Stimme wurde ├Ąrgerlich. ┬╗ Ich heirate morgen und ich werde einen Teufel tun und jetzt untertauchen. ┬ź
Der Ton des Anrufers wurde v├Ąterlich.
┬╗ Ich wei├č dass Sie Dir viel bedeutet und genau deswegen musst Du gehen, keiner von euch ist mehr sicher. Wir wissen nicht im Geringsten welche Daten im Umlauf sind. Schon jetzt k├Ânnen vielleicht welche in eurem Haus auf Dich warten. Es ist zu gef├Ąhrlich dort zu bleiben. ┬ź
Er schluckte, denn er wusste dass er Recht hatte. Es war nicht das erste Mal das er kurzfristig alle Zelte abbrechen musste um unterzutauchen. Krisen gab es immer wieder, ein gef├Ąhrliches Spiel an dem er teilnahm und das seit jeher sein Leben bestimmte. Zum ersten Mal in seinem Leben verfluchte er den Tag, an dem er sich dazu entschloss diesen Job anzunehmen.
┬╗ Ich werde dar├╝ber nachdenken. ┬ź Seine Stimme klang genauso ├Ąrgerlich wie resignierend. Ein Wechselbad der Gef├╝hle brachte seine Gedanken durcheinander. Er wusste dass er eine Entscheidung treffen musste, die wahrscheinlich schwerste seines Lebens.
┬╗ Denk nicht zu lange nach mein Junge. Pass auf Dich auf und Du wei├čt was zu tun ist. ┬ź
Der Anrufer beendete das Gespr├Ąch und er sa├č in Gedanken versunken hinter dem Steuer, nicht in der Lage das geh├Ârte zu verarbeiten und zu verstehen. Er lie├č den Motor wieder an und fuhr die restlichen Meter bis er zuhause ankam. Er stellte seinen Wagen an die rechte Seite, nahm seine Jacke vom R├╝cksitz und stieg aus. Er schaute hin├╝ber zum Haus und dachte nach, morgen sollte der sch├Ânste Tag in seinem Leben werden. Er wollte die Frau heiraten die seinem Leben einen neuen Sinn gegeben hat. Er wollte nach der Heirat den Job wechseln, er wollte f├╝r immer mit Ihr hier wohnen bleiben und sein Gl├╝ck mit Ihr genie├čen. Sein ganzes Traumger├╝st fiel nun in sich zusammen, er hatte Angst. Nicht vor der Situation, er hatte immer mit der Gefahr gelebt. Immer damit gerechnet, das der n├Ąchste Auftrag sein letzter sein k├Ânnte. Aber er hat alles erledigt was man ihm aufgetragen hatte, er war ein Naturtalent, ├Ąu├čerst effektiv und einfallsreich in der Durchf├╝hrung seiner Auftr├Ąge. Jetzt hatte er Angst davor, die Frau zu verlieren die einfach alles f├╝r ihn ist. Er war verwundbar.
Er ├Âffnete das Gartentor, schloss es wieder und lief zur T├╝r. Nachdem er das Haus betreten hatte, h├Ąngte er seine Jacke an die Garderobe und h├Ârte von oben leise Musik, ÔÇ×Halfway to heavenÔÇť das Lied ihrer Liebe. Er l├Ąchelte, entledigte sich seiner Schuhe und lief leise die Treppe zum Schlafzimmer hinauf. Er ├Âffnete die T├╝r und sp├Ąhte hinein, da lag Sie und las in einem Buch. Sein Herz pochte unruhig und sein Blick bekam etwas Sentimentales. Er liebte diese Frau, seit ihrem ersten Treffen, vor ungef├Ąhr eineinhalb Jahren, war er Ihr verfallen. Sein Herz krampfte sich zusammen wenn er daran dachte, was er tun musste damit Sie in Sicherheit war. Sie w├╝rde es nicht verstehen, sie w├╝rde ihn daf├╝r hassen und verurteilen. Die Liebe, die sie f├╝r Ihn empfand, w├╝rde verloren gehen aber die seine f├╝r Sie, ewig andauern.
Er hatte seine Entscheidung getroffen und es brach ihm das Herz.
┬╗ Hallo Schatz, endlich bist du da. ┬ź Sandra l├Ąchelte und sein Herz bl├╝hte auf. Sie legte das Buch weg und schaute ihn erwartungsvoll an.
┬╗ Komm ins Bett Liebling, ich kann nicht einschlafen wenn ich Dich nicht sp├╝re. ┬ź Sie verkroch sich in der Decke und blickte ihn an. Er musste sich zusammenrei├čen um nicht zu schreien. Er zog sich aus und schl├╝pfte zu ihr ins Bett. Sie schlang ihr Arme um ihn und kuschelte sich an seine Brust.
┬╗ Bist Du aufgeregt wegen morgen? ┬ź Sie sah zu ihm auf, ihre Augen strahlten und er konnte den Kampf in seinen Eingeweiden sp├╝ren.
┬╗ Jep, und wie. ┬ź Seine Stimme klang ruhig, nichts an ihr verriet eine Anspannung. Er k├╝sste sie, leidenschaftlich und voller Liebe. Sie erwiderte den Kuss und danach liebten sie sich im schummrigen Licht einer Kerze, bis sich beide gl├╝cklich und ersch├Âpft in den Armen lagen. Er lag noch lange wach, Sandra war auf seiner Brust eingeschlafen. Er sp├╝rte ihre tiefen Atemz├╝ge die ihm signalisierten dass sie sich im Tiefschlaf befand. Er bettete sie auf ihre Seite, sanft und z├Ąrtlich. Danach stand er auf, zog sich an und verstaute einige wichtige Dinge in einer Sporttasche. Er ging hinunter in die K├╝che, setzte sich an den Tresen, zog Papier und Stift zu sich heran und schrieb. Als er fertig war, faltete er den Zettel und ging noch einmal nach oben. Die Kerze flimmerte durch einen Luftzug des gekippten Fensters, er ging um das Bett herum, legte den Zettel auf die Nachtkommode, ging in die Hocke und betrachtete noch ein letztes Mal Ihr Gesicht , blies die Kerze aus und bevor seine Augen von der Dunkelheit verschluckt wurden, sah man eine einzelne Tr├Ąne die sein Gesicht herablief.


Als Mandy ins Wohnzimmer kam, sah sie Sandra dasitzen, v├Âllig apathisch, das Gesicht verheult, die Haare fielen ihr wirr ins Gesicht und man sah ihr sofort an das sie kurz vor dem durchdrehen war. Mandy eilte zu ihr, nahm sie in den Arm und Sandra fing wieder an zu weinen, sie lie├č ihren Gef├╝hlen freien Lauf.
┬╗ Was ist denn passiert, Kleine? ┬ź
Sandra antwortete nicht, ihr schluchzen war herzzerrei├čend, sie gab Mandy einen Zettel. Sie entfaltete ihn und las ÔÇ× Es tut mir leid.ÔÇť
┬╗ Das glaub ich jetzt nicht. ┬ź Mandy war sichtlich geschockt, nie im Leben h├Ątte sie gedacht das Christian ÔÇ×SeineÔÇť Sandra verlassen w├╝rde. Sie liebten sich, das war so offensichtlich, da brauchte man noch nicht einmal fragen. Die beiden waren wie f├╝reinander geschaffen. Seit diesem schicksalshaften 03. August 2010 war Sandra wie ausgewechselt, sie entwickelte eine wahnsinnige Lebensfreude und alle ihre Freunde und Bekannte waren verbl├╝fft. Als sie dann mit der Sprache rausger├╝ckt kam, das ein Mann in Ihr Leben getreten war, der sie so faszinierte, war uns alles klar. Als sie dann immer ├Âfter zusammen auftauchten, konnte selbst ein Blinder mit dem Kr├╝ckstock erkennen, dass da etwas Au├čergew├Âhnliches passiert ist. Diese Vertrautheit zwischen den beiden, wie sie miteinander umgingen, die Liebe die sie sich gaben, die f├Ârmlich Sicht- und f├╝hlbar war, all das zeigte uns dass diese beiden sich gesucht und gefunden haben. Niemals sahen wir ein perfekteres Paar als Sandra und Christian. Pl├Âtzlich sollte das alles vorbei sein? Das war unvorstellbar. Das war nicht seine Art, Christian war einer jener M├Ąnner die offen ├╝ber alles reden konnten, der Probleme an der Wurzel packte und zu l├Âsen versuchte, statt sie zu verdr├Ąngen oder davor wegzulaufen. Das war nicht er. Aber er war weg und keiner konnte ihn erreichen. Niemand hatte ihn gesehen, keiner wusste wo er war. Spurlos verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt.
Sandra weinte immer noch als Heiko ins Zimmer kam. Er war etwas durch den Wind und zappelte herum wie ein kleines Kind. Er bedeutete Mandy dass er ihr etwas mitteilen wollte aber wenn m├Âglich ohne dass Sandra etwas mitbekam. Mandy nickte.
┬╗ Ich mach uns erst mal einen Kaffee, okay? ┬ź Ohne auf eine Antwort zu warten l├Âste sie sich sanft von Ihr und ging gefolgt von Heiko in die K├╝che.
┬╗ Was gibt es denn? ┬ź
┬╗ Ich habe in seiner Firma angerufen undÔÇŽÔÇŽ ┬ź Mandy fiel ihm ins Wort.
┬╗ Er ist nicht aufgetaucht, richtig? ┬ź
┬╗ Jein! ┬ź
┬╗ Wie Jein? Muss ich Dir eigentlich alles aus der Nase ziehen? Was meinst Du mit jein? ┬ź
┬╗ Bei Kaeser kennt man keinen Christian Liebl ┬ź Mandys Kiefer klappte herunter.
┬╗ WAS!!! Bist Du Dir da sicher? ┬ź Heiko rollte mit den Augen. ┬╗ Nat├╝rlich, ich habe sogar noch in der
Personalabteilung angerufen und mit einem Dr. Eberwein gesprochen. Bei Kaeser gab es seit Bestehen der Firma keinen Mitarbeiter der so hie├č. ┬ź Sie kniff die Augen zusammen, das ganze wird noch unwahrscheinlicher als sie angenommen hatte. Wie sollte sie das Sandra beibringen? Sie w├╝rde das auf gar keinen Fall verkraften, zu wissen dass er sie von Anfang an in dieser Hinsicht belogen hatte. Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht.
Mein Gott Christian was ist blo├č mit Dir geschehen? Was hast Du vor Ihr geheim gehalten? Was muss vorgefallen sein, das Du einfach in der Nacht verschwindest und Sandra mit gebrochenem Herz zur├╝ckl├Ąsst. Das ist nicht seine Art, sie kannte ihn ja auch schon seit einem Jahr und alles was er tat und sagte hatte Hand und Fu├č, er war umg├Ąnglich, er war immer hilfsbereit und absolut vertrauensw├╝rdig. Sandra und er waren ein Herz und eine Seele, er trug sie auf H├Ąnden und las ihr die W├╝nsche von den Augen ab. Als Sie ihn fragte, ob er sie heiraten wolle, hatte er Tr├Ąnen in den Augen und war so gl├╝cklich dass er fast vergessen hatte ja zu sagen, diese Art M├Ąnner verschwanden nicht einfach ohne Grund.
┬╗ Sollen wir es ihr sagen? ┬ź
┬╗ Nein! ┬ź Ihre Stimme war gepresst. ┬╗ Das w├╝rde sie umbringen. Wir m├╝ssen irgendwie versuchen herauszufinden wer er wirklich war. Falls uns das je gelingen sollte. ┬ź
Sie ging zur├╝ck zu Sandra, Heiko betrachtete die beiden noch kurz, dann ging er.


Ca. 1 Jahr sp├Ąter

Sandra lag in ihrem Liegestuhl im Garten und versuchte sich auf das Buch zu konzentrieren das sie jetzt schon seit ├╝ber einem Jahr nicht mehr anger├╝hrt hatte. Stieg Larssons ÔÇ×VerdammnisÔÇť, immer wenn sie den Titel las musste sie an Ihn denken. Das letzte Jahr war die H├Âlle f├╝r sie. Der Schmerz nicht wirklich vergangen, noch viel zu oft weinte sie sich nachts alleine in den Schlaf. Nur um am n├Ąchsten Morgen voller Wut den Badespiegel zu zertr├╝mmern und weinend auf den Boden zu sinken. Sie versuchte sich abzulenken aber ihre Gedanken fanden immer wieder den Weg zur├╝ck, an die Erinnerung, an einen Mann der sie ein Jahr lang zur gl├╝cklichsten Frau gemacht hatte und sie dann, am Tage ihrer geplanten Hochzeit, in der Nacht verlie├č und nicht mehr auffindbar war. Sie hatte die Polizei eingeschaltet, einen Privatdetektiv, hatte in jeder gr├Â├čeren Zeitung Landesweit eine Annonce geschaltet um ihn zu finden aber alles verlief sich im Sand.
Sie wollte anfangen es zu akzeptieren aber es ging nicht. Ihre Liebe war wie eine T├Ątowierung, er hatte sie gezeichnet, er hatte sich auf sie gepr├Ągt. Alle Versuche ihrer Freunde, sie dabei zu unterst├╝tzen ihn endg├╝ltig loszulassen, scheiterten. Man wollte sie wieder verkuppeln, man war der Meinung nur eine neue Liebe k├Ânnte sie heilen aber das war von vorneherein ein heilloses Unterfangen. Sie lie├č niemanden an sich ran, ihr Herz war noch immer von ihm erf├╝llt. Den er war ihre Liebe des Lebens und niemand konnte das ersetzen.
Sie lie├č das Buch sinken, wieder mal ohne eine Seite gelesen zu haben. Sie sah ein Eselsohr, das hatte er rein gemacht als er das erste Mal bei Ihr zu Hause war. Sie stand auf, lief ins Haus und schnappte sich ihren Autoschl├╝ssel, ging nach drau├čen, setzte sich in den Wagen und fuhr einfach los, ohne dar├╝ber nachzudenken wohin. Nach ca. einer dreiviertel Stunde stand sie auf dem Parkplatz in Oberhof, wo sie sich damals das erste Mal getroffen hatten. Sie lief die Strecke entlang wie damals und auch jetzt regnete es. Es war wie ein Deja Vu, nur mit dem Unterschied das er diesmal nicht neben ihr herging, auch nicht den Schirm hielt und sie ihn nicht ber├╝hren konnte. Sie erkannte das Cafe in dem sie sich zum ersten Mal gek├╝sst haben. Die Erinnerung daran lie├č sie erschauern. Sie ging trotz des schmerzenden Herzens hinein und der Platz war frei. Sie setzte sich hin und versuchte zu erf├╝hlen wie es war mit ihm hier zu sitzen. Sie schluckte, ihre Augen wurden nass und noch bevor die Bedienung sie erreichte, sprang sie auf und verlie├č mit schnellen Schritten das Cafe. An der frischen, regennassen Luft lie├č sie ihren Tr├Ąnen freien Lauf. Sie verbarg ihr Gesicht in Ihren H├Ąnden und weinte bis sie an ihrem Auto angelangt war.
Sie fuhr wieder zur├╝ck, stellte den Wagen ab und ging ins Haus.

Sie stand da und wusste nichts mit sich anzufangen, warum hat sie sich diesem Schmerz ausgesetzt? Was hat sie dazu getrieben die Orte aufzusuchen, wo sie die gl├╝cklichste Zeit verbracht hatte? Warum konnte sie ihn nicht einfach vergessen und versuchen ein neues Leben zu beginnen? Und auf diese Fragen antwortete ihr Herz: Weil er noch immer ein Teil von Dir ist!
Sie ging in die K├╝che, f├╝llte eine gro├če Tasse mit kalten Kaffee und ging ins Wohnzimmer. Sie setzte sich und schaltete mit der Fernbedienung den Fernseher ein, mittlerweile konnte sie es, Christian hatte ihr jeden Abend aufs Neue erkl├Ąrt, welche Taste welche Funktion besitzt. Es wurde ihm nie zu viel, seine Augen lachten wenn er sie dabei beobachtete wie sie mit angestrengtem Blick auf die Fernbedienung starrte und versuchte sich zu erinnern, was sie dr├╝cken musste.
Sie l├Ąchelte bei der Erinnerung, er war sehr geduldig, im Gegensatz zu ihr. In ihren Gedanken h├Ârte sie sein herzhaftes Lachen, das immer dann zu h├Âren war wenn Ihr mal wieder ein Missgeschick passiert ist und er es mitbekommen hatte. Sie hatte ihn nie zornig oder b├Âse erlebt, er war immer ausgeglichen und gut gelaunt. Sie konnte sich noch an den Spa├č erinnern den sie hatten, als sie im Baumarkt einen Baum gekauft hatten, den sie anschlie├čend im Garten eingepflanzt hatten. Sie war damals mitsamt dem Setzling, der verh├Ąltnism├Ą├čig gro├č und schwer war, ├╝ber den Einkaufswagen geflogen, direkt in ein Stiefm├╝tterchen Beet. Christian war schwer beeindruckt davon wie elegant sie sich abgerollt hatte, um innerhalb von Sekunden wieder die Haltung zu bewahren. Sein Gesicht verriet die Anstrengung, die vonn├Âten war, nicht in einen Lachanfall zu vergehen, seine Augen wurden feucht. Und als sie dann zu ihm sagte: ┬╗ Schatz, w├╝rdest Du bitte? ┬ź und ihm den Setzling reichte, konnte er sich nicht mehr halten.
Die Erinnerung verblasste und die Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit kehrte zur├╝ck. Wie gl├╝cklich h├Ątte ihr Leben werden k├Ânnen wenn diese eine Nacht nicht gewesen w├Ąre.
Sie seufzte, ging in die K├╝che zur├╝ck, stellte die Tasse in die Sp├╝lmaschine und sah aus dem Fenster. Der Baum ihrer Liebe schwankte leicht im Wind, sie erkannte die zwei Plastikkarten in denen sie jeweils ihren Namen geschrieben haben. Es war ein richtiges Ritual gewesen, was er damals beim Pflanzen vollzog, Ihr Sohn Nils hatte sich fast weggeschmissen vor Lachen, als er uns beide beobachtete. Christian hat gesagt, das man auf einen Zettel etwas schreiben muss was f├╝r den anderen gedacht war und wenn man ganz sehr traurig ist soll man diesen Zettel herausnehmen, lesen und die Traurigkeit w├╝rde vergehen. Sie wusste noch dass sie geschrieben hatte, dass sie Ihn f├╝r immer lieben w├╝rde und dass keine Macht der Welt es ├Ąndern k├Ânnte. Sie faltete das Papier damals und schob es in die Plastikfolie, Christian schrieb davor seinen Namen drauf und versiegelte die Karte. Dann schrieb er etwas auf einen Zettel, faltete ihn und steckte es in die andere Plastikkarte, nat├╝rlich vorher auch mit meinem Namen gekennzeichnet.
Sie hatte daran gar nicht mehr gedacht. Er hatte immer solche romantischen und au├čergew├Âhnlichen Ideen. Sie wandte sich ab um zu gehen, blieb dann aber stehen, drehte sich noch einmal zum Fenster und sah den Baum. Der BaumÔÇŽÔÇŽwenn man ganz sehr traurig istÔÇŽÔÇŽÔÇŽ.
Sie rannte aus dem Haus in den Garten, Liz folgte ihr in der Hoffnung auf ein kleines Spielchen. Sandra erreichte den Baum, ihr Herz klopfte wie verr├╝ckt. Sie nahm die Karte mit ihrem Namen und brach das Siegel. Mit zitternden H├Ąnden nahm sie das kleine gefaltete Papier heraus und entfaltete es. Sie las und ihr stockte der Atem.

23570 L├╝beck/Hermannsh├Âhe Gro├čenhof 4

Vor ihren Augen drehte sich alles, sie schwankte und hielt sich den Kopf. Ihr Atem ging heftig und sto├čweise. Eine Hitzeanwallung nach der anderen durchfuhr ihren K├Ârper. Eine Adresse, er hat eine verdammte Adresse darauf geschrieben.
Sandra eilte aus dem Garten, rannte die Stra├če entlang bis sie v├Âllig au├čer Atem vor Mandys Haus stand und Sturm klingelte. Mandy erschien kurz darauf und blickte verwirrt drein.
┬╗ Gott Sandra was ist denn passiert? Du siehst aus als h├Ąttest Du einen Geist gesehen! ┬ź
┬╗ So etwas ├Ąhnliches! ┬ź
Mandy blickte irritiert und wartete auf eine Erkl├Ąrung aber die kam nicht.
┬╗ Ich muss nach L├╝beck fahren, kannst Du Dich bitte um Liz k├╝mmern. Danke. ┬ź
┬╗ Was willst DuÔÇŽÔÇŽ.. ┬ź Aber Sandra war schon umgedreht und rannte zur├╝ck zu ihrem Haus.
Eiligst verstaute Sandra die wichtigsten Sachen in ihrer Sonnengelben Handtasche, schnappte sich den Schl├╝ssel vom Tresen und fuhr keine f├╝nf Minuten sp├Ąter aus Goldbach hinaus.

Ca. 5 Stunden sp├Ąter

Sie fuhr in der D├Ąmmerung einen schmalen Weg entlang, er verlief parallel zur K├╝ste und laut Navi war ihr Ziel nur noch einen halben Kilometer entfernt. Sie bog um eine leichte bewaldete Kurve und sah in einiger Entfernung ein einsames Haus stehen. Es brannte Licht. Sie fuhr langsam weiter den Weg entlang. Als sie noch einige Meter vom Haus entfernt anhielt, sp├╝rte sie ein Kribbeln in Ihrem Bauch. Etwas was sie schon lange nicht mehr gesp├╝rt hatte.
Sie stieg aus, schl├╝pfte in Ihre Jacke und ging auf das Haus zu. Sie war nerv├Âs und das Kribbeln wurde immer schlimmer. Sie atmete einmal tief ein und klingelte. Sie lauschte auf Schritte aber sie konnte nichts h├Âren. Sie klingelte nochmals, diesmal etwas l├Ąnger aber auch darauf folgte keine Reaktion. Sie ging um das Haus herum und erreichte eine Terrasse von der man ├╝ber eine Holztreppe direkt auf den Strand gelangte. Sie stand da, Ihre H├Ąnde umklammerten die Br├╝stung, das Haar wehte im warmen Abendwind und sie schloss die Augen. Als sie sie wieder ├Âffnete, sah sie in einiger Entfernung jemanden ├╝ber die D├╝nen laufen. Sie blickte zu der Person und diese blieb pl├Âtzlich regungslos stehen. Sie konnte aufgrund der einbrechenden Dunkelheit die Person nicht erkennen aber sie sp├╝rte dessen Blick auf Ihr ruhen.
Ihre Knie zitterten, sie l├Âste sich von der Br├╝stung und stieg langsam die Treppe hinab zum Strand. Die Person in der Ferne lie├č etwas fallen und setzte sich ebenfalls in Bewegung. Ihr Herz raste, das kribbeln wurde unertr├Ąglich und je k├╝rzer die Entfernung wurde desto mehr wurde ihr bewusst, das sie alles um sich herum vergessen hatte. Sie erkannte Haare die ihr so vertraut waren, sie sah Bewegungen die sie in sich aufgesogen hatte, ihre Schritte wurden schneller, genau wie seine, ihre Augen f├╝llten sich mit Tr├Ąnen, sie waren nur noch wenige Meter voneinander entfernt. Sie sah seine braunen Augen, sie erkannte die Liebe in Ihnen die ungebrochen strahlte. Er hatte sie nie vergessen, das wusste sie jetzt, Tr├Ąnen rannen seinen Wangen hinab, er hatte ebenfalls gelitten, genau wie sie. Sie schluchzte, das Herz brannte, und dann nach einer gef├╝hlten Ewigkeit sp├╝rte sie wieder jenes Gef├╝hl, das ihr den Himmel auf Erden bereitete. Sie sp├╝rte ihn, seine Kraft, seine H├Ąnde, seinen Atem. Sie begann in diesem Augenblick wieder zu leben, endlich wieder. Er hielt sie fest, sie sp├╝rte sein Gl├╝ck, sie h├Ârte ihn weinen. Seine Stimme die bebte als er sagte: ┬╗ Ich wollte Dir das nicht antun aber ich hatte keine Wahl. ┬ź
Sie blickte ihn an, legte ihren Finger an seine Lippen. Dann nach einem intensiven Blick voller Liebe, Verlangen und Gl├╝ck, k├╝sste sie ihn und alles verschwamm zur Bedeutungslosigkeit. Sie wollte keine Erkl├Ąrung, keine Geheimnisse und keine Vorstellung davon haben was er durchgemacht hatte. Sie wusste, dass er sie aus Liebe besch├╝tzt hatte, sein eigenes Leben f├╝r sie nach hinten stellte. Ihre Liebe war nie versiegt, seine Liebe war nie aus ihrem Herzen verschwunden. Weil er sie immer geliebt hatte und auch ├╝ber die Entfernung hinweg sp├╝rten die beiden Herzen das sie zusammen geh├Ârten. Ihre Herzen hatten den Kontakt zueinander nie verloren.
Sie standen eng umschlungen am Strand, sie barg ihren Kopf an seine Schulter, er k├╝sste ihr Haar. Er nahm sie z├Ąrtlich in den Arm, blickte ihr tief in die Augen. Sie schlossen die Augen, ihre Lippen trafen sich und es begann zu regnen.


Version vom 06. 10. 2010 14:40

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