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Leselupe.de > Erzählungen
Donau-Reise
Eingestellt am 12. 03. 2006 18:04


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KurzeXL
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2005

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Vorwort:

Gibt es Zuf√§lle im Leben? Werden unsere Tr√§ume und W√ľnsche durch sie gelenkt, oder ist die Welt wirklich manchmal ein Dorf? Ist diese fiktive Geschichte wirklich m√∂glich? Wir k√∂nnten uns dar√ľber streiten. √Ąhnlichkeiten von Namen oder tats√§chlichen Ereignissen sind v√∂llig unbeabsichtigt.
Ich weiß nur eines: Ich glaube schon an solche und ähnliche Zufälle...!



Marie ist traurig, sie hatte sich so sehr auf die Reise mit Rebecca gefreut. Doch nun ist ihre gleichaltrige Freundin unerwartet krank geworden und sie soll diese Schiffsreise auf der Donau ohne sie antreten.
"Es wird dir auch ohne mich gefallen, Marie! Zieh bitte nicht so ein Gesicht und mach es mir nicht so schwer, zur√ľckbleiben zu m√ľssen. Die Buchung ist storniert, vielleicht bekommst du statt meiner ja eine nette Reisebegleitung, wer wei√ü." Rebecca versucht die Freundin aufzumuntern. Ihre Blinddarm-OP kam wirklich nicht gerade gelegen, aber wer kann sich sowas schon aussuchen?
Um die Freundin nicht noch mehr zu belasten, sagt Marie jetzt tapfer: "Ok, morgen Vormittag werde ich in Passau ankommen. Dann schaue ich mich ein wenig in der Stadt um. Ich werde viele sch√∂ne Fotos f√ľr dich mitbringen. Versprochen! Aber ohne dich zu fahren macht nicht halb soviel Spass, ich werde schrecklich einsam sein." Rebecca protestiert. "Du bist fast 25 Jahre alt und eine h√ľbsche, lebenslustige, junge Frau. Da√ü du keinen lieben Menschen auf diesem Schiff kennenlernen wirst, glaubst du doch wohl selbst nicht. Und ich meine damit nicht diese M√∂chte-gerne-Casanovas, sondern einfach Menschen wie du und ich. Erinnere dich, wir waren nie lange allein, wenn wir verreisten. Irgendwelche Bekanntschaften ergeben sich immer." Rebecca ist ein wenig genervt. Die Freundin schaut sie noch immer missmutig an. Sie kann Marie ja verstehen, aber wenn sie so weiter macht, wird sie sich die ganze Reise verderben.
Sie reden noch √ľber ein paar Formalit√§ten, dann geht Marie heim. Rebecca winkt ihr vom Fenster aus nach, sie ist skeptisch.

"PASSAU", liest Marie auf den gro√üen Schildern des Bahnsteiges, auf den sie soeben aus dem Zug gestiegen ist. Sie schleppt ihre Reisetasche m√ľhsam zu einem der Koffertransportwagen. In der Hand h√§lt sie den etwas zerknitterten Zettel mit der Anschrift ihrer kleinen Pension f√ľr diese Nacht. Morgen in aller Fr√ľhe wird das Schiff gen Wien ablegen.
Es ist ein sonniger Fr√ľhlingstag und diese sch√∂ne Stadt l√§dt sie wirklich zum Schauen ein. Nachdem sie sich in ihrem Zimmer frisch gemacht und etwas gest√§rkt hat, bummelt sie durch die Stra√üen. Sie besichtigt den Dom, steigt zum Kloster hinauf, von dessen Mauern aus man einen herrlichen Blick auf die Stadt hat. Sie fotografiert wie wild, damit Rebecca sp√§ter all die vielen Eindr√ľcke wenigstens auf diese Weise teilen kann. Wie sch√∂ne w√§re es, w√§re sie jetzt hier! Sie seufzt. Aber all diese Sch√∂nheiten, die Landschaft, das herrliche Wetter, diese friedliche Stadt und das gl√§nzend dahin flie√üende Wasser lassen sie doch eine gewisse Vorfreude auf die Schiffsreise empfinden.

Am n√§chsten Morgen steht Marie als eine der Ersten an der Anlegestelle. Die freundliche Besatzung begr√ľ√üt sie und ihre h√ľbsche, kleine Kabine ist schnell eingerichtet mit all ihren Sachen. Nur das zweite Bett darin ist frei, leider.
Marie schlendert √ľber das Deck, schaut sich die R√§umlichkeiten f√ľr die Fahrg√§ste an und f√ľhlt sich wie eine kleine K√∂nigin in all diesem Luxus. Sie kommt aus einfachen Verh√§ltnissen und hat noch nie so eine teure Reise gemacht. Sie ist ein Geschenk ihrer Eltern zu ihrem 25. Geburtstag, den sie auf der Reise begeht. Schon als kleines M√§dchen wollte sie die sch√∂ne Stadt Wien mit all ihren Sehensw√ľrdigkeiten besuchen. Ihr Gro√üvater hatte einen Bildband √ľber die Stadt und oft hat er ihr davon erz√§hlt.

Langsam f√ľllt sich das Schiff mit all den Reisenden. Der Zeiger klickt auf zehn Uhr. Ein Pfiff - dann legt es unmerklich ab. Marie beobachtet die Matrosen, die die dicken Taue einholen, von der Reeling aus. Langsam verschwindet die Stadt hinter ihnen. Die Sonne brennt und Marie beschlie√üt, zun√§chst in der Kabine ihre Sonnencreme zu suchen. Sie will schlie√ülich nicht, da√ü ein Sonnenbrand am ersten Tag die Reise vermiest.

Als sie nun die Kabinent√ľr √∂ffnen will, ist diese unverschlossen. Marie wundert sich. Hatte sie vergessen, diese zu schlie√üen? Sie betritt vorsichtig den Raum. Eine Dame, Marie sch√§tzt sie auf etwa 40 Jahre, ist dabei, ihre Sachen einzur√§umen. Sie l√§chelt Marie an. "Ich bin Erika Neumann. Man hat mir diese Kabine zugewiesen. Wir werden uns hoffentlich gut vertragen, Fr√§ulein, an mir soll es nicht liegen!"
Marie wundert sich. Doch dann f√§llt ihr ein, da√ü Rebecca und sie sich darauf geeinigt hatten, das freie Bett weiter zur Verf√ľgung zu stellen. Sie mustert ihre Kabinengenossin und reicht ihr dann l√§chelnd ebenfalls die Hand. Die Dame macht einen angenehmen Eindruck, auch wenn sie sich eine j√ľngere Begleiterin gew√ľnscht h√§tte. "Angenehm, Marie Siegel, ", stellt sie sich vor. "dann w√ľnsche ich uns eine gute Reise!" Sie scheinen sich irgendwie zu m√∂gen, geht es beiden in diesem Augenblick durch den Kopf. Schnell ist ein munteres Gespr√§ch im Gange. Sp√§ter sitzen sie gemeinsam an Deck bei einem Kaffee.

***********************************************************************

Im Laufe der Reise haben die zwei Frauen einander wirklich m√∂gen gelernt. Kaum eine Stunde, die sie nicht miteinander verbringen. Sie duzten sich und Marie f√ľhlte sich, als habe sie eine neue Freundin gewonnen.
So langsam hatten sie sich ihre Lebensgeschichte erzählt. Nur auf die Frage, ob Erika auch Kinder hat, antwortet sie immer wieder ausweichend. Erika, so hat Marie erfahren, ist 42 Jahre alt und aus der ehemaligen DDR. Mit 18 Jahren hat sie einen Antrag gestellt, diese zu verlassen und kam schließlich mit 21 Jahren in die BRD. Seither wohnt sie in Ingolstadt. Sie lebt allein, geheiratet hat sie nie. Eine kleine Firma in der Werbebranche hatte sie aufgebaut. Seit Jahren ist dies ihr erster wirklicher Urlaub.
Marie dagegen lebt seit ihrem 2. Lebensjahr bei Pflegeeltern. An ihre eigene Mutter und die Zeit vor der Pflegefamilie kann sie sich nicht mehr erinnern. Man hatte sie mit knapp einem Jahr ins Heim eingewiesen, wie sie von ihren Eltern inzwischen wei√ü. Wer ihre Mutter oder ihre Eltern waren, werde man nie in Erfahrung bringen. Dar√ľber g√§be es keine Akten. Sie wohnten damals in Zwickau. Seit 1990 lebt sie mit ihren Eltern in der N√§he von Bayreuth. Das alles hatte sie Erika erz√§hlt.
Erika hatte aufmerksam zugeh√∂rt und war manchmal sehr nachdenklich, wenn Marie von ihrer Entwicklung sprach. Aber sie √§u√üerte sich nie dazu. Marie ahnte, da√ü sie etwas bedr√ľckte, doch ihr Taktgef√ľhl sagte ihr, da√ü sie nicht fragen sollte.

Sie waren nun den 6. Tag unterwegs. Der Morgen begann mit herrlichem Sonnenschein und man konnte schon ahnen, da√ü man mittags, in Wien angekommen, sehr viel Freude an der Stadtbesichtigung haben w√ľrde.
Als sie in den Speisesaal kamen, wo sie beide auch am gleichen Tisch sa√üen, standen Blumen und eine Kerze auf Maries Platz. Das Personal kannte solche Ereignisse wie ihren heutigen Geburtstag und solche Aufmerksamkeiten waren eine Selbstverst√§ndlichkeit. Man gratulierte ihr jetzt von allen Seiten und Marie wurde richtig verlegen. So hatte sie sich diesen Tag gar nicht vorgestellt. Sie wollte ihn eher still f√ľr sich genie√üen. Vielleicht h√§tte sie Erika in Wien in eines der Kaffeeh√§user eingeladen und dort diesen Geburtstag wie nebenbei erw√§hnt. Sie mochte nicht so viel Rummel.
Da√ü Erika sehr bla√ü und still geworden war, hatte Marie in all der Aufregung √ľberhaupt nicht bemerkt. Nur sp√§ter, als Erika so gar keine fr√∂hliche Miene machen konnte und kaum etwas sagte, f√ľhlte Marie sich sehr unwohl. Ob sie etwas falsch gemacht hatte? So kannte sie Erika gar nicht! Sie beschloss, Erika beim Kaffee danach zu fragen. Marie wollte nicht, da√ü sie traurig und bedr√ľckt war und vielleicht konnte sie ihr ja wirklich helfen.

Die wenigen Stunden bis zum Anlegen in Wien waren rasch vergangen. Das Schiff w√ľrde hier nun 2 Tage bleiben, soda√ü reichlich Zeit war, die Stadt zu erkunden.
Nach der Stadtrundfahrt per Bus, vorbei am Schlo√ü Sch√∂nbrunn, dem Hoftheater, dem ber√ľhmten Cafe Sacher, dem Hundertwasser-Haus und dem Halt am Stephansdom machten die beiden Frauen einen Stadtbummel. Immer wieder versuchte Marie, die √Ąltere f√ľr etwas zu begeistern, doch Erika schien wie abwesend. So langsam stieg Wut in Marie hoch. Sie konnte sich nicht vorstellen, warum Erika ausgerechnet an diesem Tage so √ľbel drauf war. Schlie√ülich war heute ihr Geburtstag, sie war in Wien und sie wollte heute fr√∂hlich sein.
Nach einiger Zeit sa√üen die beiden dann in einer Seitenstra√üe am Dom bei einem leckeren Eis und Cappuccino im Stra√üencafe. Erika stocherte irgendwie lustlos in ihrem Becher herum. Da fuhr es aus Marie heraus: "Kannst du mir bitte mal erkl√§ren, was dir seit heute Morgen die Petersilie verhagelt hat? Du bist still und lustlos und scheinst irgendwie ganz wo anders in Gedanken. Ich finde das gerade heute nicht fair von dir. Wenn dich irgend etwas bedr√ľckt, so kannst du doch mit mir reden, das wei√üt du. Wir haben uns doch bisher alles gesagt!" Fragend sah sie Erika abwartend an.
Erika traten Tränen in die Augen. Umständlich nestelte sie ein Taschentuch hervor. "Nein Marie, wir haben uns bisher nicht alles gesagt." Sie schluckte, ihre Hände zitterten.
"Aber warum nicht, was ist so schlimm, da√ü es dich ausgerechnet heute nicht losl√§√üt, Erika? Was kann so schlimm sein, da√ü du es mir nicht sagen kannst? Ich verstehe das nicht.", schrie ihr Marie hilflos entgegen. Passanten schauten die beiden kopfsch√ľttelnd an.

Erika sah das M√§dchen erschrocken an. "Entschuldige bitte!", begann sie stockend zu reden. "Ich hatte eine Tochter..." Ihre Stimme versagte, Tr√§nen liefen ihr unabl√§ssig √ľber die Wangen. Nach einiger Zeit, die Marie wie eine Ewigkeit vorkam, sprach sie weiter:
"Meine Kleine ist geboren, als ich noch nicht ganz 18 Jahre alt war. Meine Mutter mu√üte damals deren Pflege √ľbernehmen. Ich war jung und wild, trug gr√ľne Haare, dicke Ketten und viele Ohrringe. Ich h√∂rte √∂ffentlich die Stones und sogar Udo Lindenberg. Damals in der DDR war das verp√∂hnt. Mein Freund, der Vater meiner Tochter, hatte Tatoos und ebenfalls ganz bunte Haare. Er trug immer eine Lederjacke und fuhr in einer Truppe Motorrad. Als meine Tochter zur Welt kam, war ich gerade wegen irgendwelcher Staatssch√§digung zu einem Jahr Jugendwerkhof verurteilt worden. Man hatte eben was gegen diese Jugend, die nicht artig Blauhemd trug und sich absolut nicht anpasste. Sp√§ter, ich stellte noch im Werkhof einen Ausreiseantrag, sagte man mir, da√ü meine Mutter mit der Pflege des Kindes √ľberlastet sei. Man habe die Kleine ins Heim gebracht und zur Adoption frei gegeben. Man nahm damals Ausreisewilligen einfach ihre Kinder weg und gab sie zur Zwangsadoption frei." Erikas Stimme versagte zwischendurch immer wieder, ihre H√§nde zitterten und Marie f√ľhlte gro√ües Mitleid mit ihr. Langsam hatte sie Erikas Hand gefa√üt, gewillt, sie nicht wieder loszulassen, ihr Trost und Halt zu geben. Zwar hatte Marie selbst ja noch keine Kinder, aber sie konnte sich diese furchtbare Pein wohl vorstellen.
"Wo meine Tochter geblieben ist, habe ich nie in Erfahrung gebracht. Diese Zwangsadoptionen galten als streng geheim. Ihre Akten sind weitgehend vernichtet. Ich hatte geglaubt, √ľber diesen Verlust hinweg zu sein. Aber du hast meine Gedanken dahin wieder geweckt. Deine Art, dein L√§cheln, deine Augen - all das erinnert mich so sehr. Irgendwie sah ich darin die ganze Zeit etwas unerkl√§rlich Vertrautes. Doch als heute morgen dann die Blumen auf deinem Platz standen, bin ich so furchtbar erschrocken. Meine Tochter Claudia w√§re heute auch 25 Jahre alt geworden." Jetzt schluchzte Erika hemmungslos und auch Marie begann zu weinen. Da√ü sie mitten in einer Fu√üg√§ngerzone sa√üen, da√ü Passanten und G√§ste sie l√§ngst beobachten, interessierte die beiden nicht.
Dann plötzlich sah Marie Erika mit ganz großen Augen an: "Dann bist du ja vielleicht meine Mutter..." Der Gedanke erschien ihr so absurd, so unglaublich schön zugleich, daß sie laut zu lachen begann.
"Das wage ich nicht zu glauben, Marie. Sehr viele Dinge sprechen daf√ľr. Deine Heimat, dein Aussehen, deine Geschichte, alles ist irgendwie passend. Wirkliche Aufkl√§rung, so glaube ich, w√ľrde nur ein Blutgruppentest bringen. Dar√ľber habe ich heute den ganzen Tag nachgedacht. Aber ich f√ľrchte mich auch davor. Es k√∂nnte eine Ent√§uschung f√ľr uns beide sein und ich wei√ü auch nicht, ob deine Eltern das m√∂chten. Ich m√∂chte ihnen nicht weh tun. Nicht zuletzt m√ľ√ütest auch du zustimmen."

Auf dem Schiff angekommen folgte eine lange, schlaflose Nacht. Die beiden sprachen kaum noch √ľber diese Erkenntnis. Alles war so unglaublich. Es schien, als m√ľsse man endlich aus einem Traum erwachen.
Die Tage gingen dahin. Die Reise wurde den beiden immer l√§nger, sie wollten jetzt nur noch nach Hause. Zwar vergn√ľgten sie sich wie gewohnt mit einander, doch immer wieder fielen sie in stille, nachdenkliche Augenblicke.
Marie war sich nicht sicher, ob und wie sie den Eltern das erkl√§ren sollte. Sie gr√ľbelte laufend, ob sie diese Untersuchung wirklich wollte. Was, wenn sie sich beide t√§uschten?

**********************************************************************

Sie waren in Passau nicht von Bord gegangen, ohne ihre Adressen zu tauschen. Sie wollten auf jeden Fall weiter in Verbindung bleiben. Erika hatte es Marie einger√§umt festzulegen, ob und wann so eine Untersuchung stattfinden w√ľrde.
Monate waren seither vergangen. Die beiden hatten einander Briefe geschickt, man sprach sich am Telefon. Doch dieses Thema wurde nie wieder angeschnitten. Es war einfach tabu f√ľr sie beide. Erika hatte sich sogar Vorw√ľrfe gemacht, das M√§del √ľberhaupt in ihre Gedanken eingeweiht zu haben. Aber dazu war es jetzt zu sp√§t.

Erikas 45. Geburtstag nahte. Sie hatte Marie dazu eingeladen. Es sollte der erste Besuch des Mädchens bei ihr sein. Zögerlich, ja ängstlich und eher halbherzig hatte sie auch ihre Eltern mit zu dieser Feier eingeladen. Sie gehörten dazu und wenn sie wirklich... Erika mochte diese Gedanken nicht weiter verfolgen, sie taten ihr zu weh.
An einem frostigen Wintertag war es dann soweit. Marie stand fr√∂hlich vor Wiedersehensfreude mit den Eltern vor Erikas T√ľr. Das schmucke, kleine H√§uschen war sehr einladend hergerichtet. Zahlreiche G√§ste sa√üen und standen im Wohnzimmer. Es wurde gelacht und sich rege unterhalten. Kaum jemand nahm die neuen G√§ste aufmerksam wahr. Marie gesellte sich augenblicklich in die K√ľche zu Erika, die eben dabei war, das Buffet herzurichten. Ihre Eltern nahmen an der gro√üen Tafel Platz und waren alsbald in ein angeregtes Gespr√§ch mit ihren Tischnachbarn vertieft.
Das Buffet wurde er√∂ffnet. Erika bedankte sich zuvor bei allen G√§sten f√ľr ihr Erscheinen und f√ľr die sch√∂nen Stunden, die man bereits erlebt hatte und die noch kommen sollten. Sie verga√ü nicht, besonders zu erw√§hnen, da√ü sie sich √ľber den Besuch von Marie und ihren Eltern am meisten freute.
Es wurde ein gelungener Abend. Sp√§t war es, als sich Marie mit ihren Eltern auf den Weg machen wollten. Sie standen bereits in der T√ľr und reichten sich die H√§nde zum Abschied, als Maries Mutter zu Erika sagte: "Sie sind eine sehr sympathische und lebenslustige Frau. Ich habe sie heute kennenlernen d√ľrfen und Marie hat uns nicht zu viel versprochen, wenn sie begeistert von ihnen sprach." Erika bedankte sich verlegen. Doch die Frau sprach weiter: "Marie hat uns sofort nach ihrer Reise erz√§hlt, was sie √ľber sie erfahren hat. Wir waren anfangs sehr geschockt. Schon fr√ľher haben wir uns Gedanken gemacht, was wohl einmal passieren w√ľrde, wenn Maries Mutter ihren Aufenthaltsort in Erfahrung bringen w√ľrde. Doch man versicherte uns, da√ü dies nie geschehen k√∂nne. Aus Maries Schilderungen entnahmen wir, da√ü sie sehr gern wissen m√∂chte, ob sie wirklich ihre leibliche Mutter sind. Doch sie hat es nie auszusprechen gewagt. Wir glauben, sie wollte uns damit nicht konfrontieren. Als ihre Einladung bei uns eintraf, √ľberlegten wir uns, was wir ihnen wohl schenken k√∂nnten. Das kleine Pr√§sent war nur ein Teil davon. Wenn sie es noch m√∂chten, wenn Marie es noch m√∂chte, dann sind auch wir einverstanden, da√ü dieser Test gemacht wird." Marie strahlte. Freudentr√§nen liefen ihr √ľbers Gesicht. Erika sagte nichts. Sie wollte diese Frau jetzt nur noch umarmen. Die beiden weinten. Maries Vater r√§usperte sich verlegen, auch er k√§mpfte mit seinen Emotionen. Marie dr√ľckte ihm einen dicken Kuss auf die Stirn. "Danke Papa!", fl√ľsterte sie.

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Sind sie, haben sie, werden sie...?

Ich lasse diese Stelle offen. Auch wenn dies eine fiktive Geschichte ist, auch wenn es solche Zufälle wohl doch nicht gibt; solche Maries und Erikas gibt es. Und ich wollte diesen Menschen mit dieser Geschichte einen Augenblick des Gedenkens an ihre Schicksale gönnen.





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Euch viel Spa√ü beim Lesen und mir konstruktive Kritik w√ľnscht
die Kurze

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