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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Ein letzter Blick
Eingestellt am 15. 09. 2007 01:19


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Janno
Hobbydichter
Registriert: Aug 2007

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Wie ein verliebter Teenager schaute ich in den klaren Sternenhimmel. Ich meinte sogar, eine Sternenschnuppe gesehen zu haben. Solche, die ich zuletzt vor zw├Âlf Jahren gesehen habe, als ich mit meiner damals f├╝nfj├Ąhrigen Tochter Clara einen Spaziergang am Fluss machte. Ich w├╝nschte mir damals, dass meine Tochter bis in alle Ewigkeit gesund und munter bleiben wird. Clara wollte mir ihren Wunsch nicht verraten. Sie sagte, da├č er sonst nicht in Erf├╝llung gehe. Doch dieses Mal hatte ich mir etwas anderes gew├╝nscht, als ich meine Augen f├╝r einen kurzen Augenblick zukniff. "Solche W├╝nsche gehen doch eh nie in Erf├╝llung" h├Ątte mich Sabrina getadelt, denn sie glaubte nicht an solch abergl├Ąubischen Geschichten. Doch werd ich sie nie wiedersehen, da sie bei der Geburt von Clara ihr Leben lassen musste.
Sie fehlt mir. Sie fehlt mir so sehr, da├č ich mich an keinen Tag erinnern k├Ânnte, an dem ich mich nicht in den Schlaf geweint habe. Dennoch hatte ich manchmal das Gef├╝hl, als ob sie noch neben mir einschlafen w├╝rde, Tag f├╝r Tag, Nacht f├╝r Nacht. Und ich wusste, wenn ich in den Himmel starrte, schaute sie herunter und wachte ├╝ber mich. Nur heute f├╝hlte ich sie nicht. F├╝hlte nicht ihren wachsamen Blick. Was ich f├╝hlte war Trauer und Verzweiflung. Gef├╝hle, die ich dank Clara etwas verdr├Ąngen konnte.
Doch nun kroch auch die Einsamkeit in mein Leben, denn Clara ist fort. Sie ist Sabrina gefolgt. Ich habe ihr oft von ihrer Mutter erz├Ąhlt. Oft habe ich von der Person geschw├Ąrmt, die sie nie kennenlernen durfte. Fast t├Ąglich fragte sie mich, wie die Frau war, die ihr das Leben schenkte. Jedesmal stieg der Verlust in mir hoch, als ich wieder und wieder begann, von ihr zu erz├Ąhlen. Ich versuchte, die Tr├Ąnen zur├╝ckzuhalten, was mir meistens auch gelang, aber dennoch war stets tiefe Trauer in meiner Stimme und in mein Gesicht geschrieben. Ich erz├Ąhlte ihr von der Zeit, als wir uns kennenlernten und wie ich bei einem sommerlichen Picknick um ihre Hand angehalten habe, als wir noch Teenager waren.
Ich konnte mich noch genau an ihr Gesicht erinnern, wie ├╝berrascht es aussah. Sie strahlte ├╝ber ihr ganzes Gesicht und selbst die kleinen Sommersprossen auf ihrer Nase schienen zu tanzen. In ihren rehbraunen Augen funkelte pures Gl├╝ck, w├Ąhrend ihr langes schwarzes Haar in der Julisonne gl├Ąnzte. Ich erz├Ąhlte ihr von den Pfannkuchen, die sie jeden morgen f├╝r mich machte, bevor ich zur Arbeit ging und sie sich nie beschwerte, obwohl sie daf├╝r schon um 5 Uhr morgens aufstehen musste. Ich habe noch heute diesen s├╝├člichen Geruch von Ahornsirup in der Nase, welchen ich immer dazu a├č.
Und ich erz├Ąhlte Clara von den letzten Worten ihrer Mutter, die mir immernoch, egal wie sehr ich mich dagegen wehrte, erneut die Tr├Ąnen in die Augen trieben. "K├╝mmere dich um unser Baby. Sorg gut f├╝r sie. Ich liebe dich f├╝r immer...f├╝r immer und bis in alle Ewigkeit", sagte sie mir mit schwacher Stimme im Kreissaal, bevor sie f├╝r immer ihre Augen schloss. Ich hielt ihre Hand und versprach ihr bei meinem Leben, da├č ich mich um Clara k├╝mmern w├╝rde, so wie es die Pflicht eines Vaters ist.
Ich bin jedoch kein guter Vater, denn ich habe diese Pflicht verletzt und ein Versprechen gebrochen. Die goldene Regel, f├╝r das eigene Kind da zu sein, habe ich gebrochen. Ich habe meine einzige Tochter auf eine dieser Technoparties gehen lassen. Und ich wunderte mich, da├č sie diesen Abend nicht nach Hause kam. Die Polizei sagte, es sind Spermaspuren und Sch├╝rfwunden an ihr gefunden worden. Zudem wurden ihr beide Arme gebrochen. Es konnten drei M├Ąnner festgenommen werden, mit denen Clara zum letzten Mal gesehen worden war.
Ich sah diese M├Ąnner auf dem Polizeirevier und wusste, da├č sie meine siebzehnj├Ąhrige Tochter vergewaltigt und umgebracht hatten. Ich sah es genau vor mir, wie sie sie von der Party in den nahegelegenen Wald f├╝hrten und auf sie einschlugen, bis sie zu Boden ging. Wie sie ihr die Kleider vom Leib rissen, als w├Ąre sie ein Gegenstand, den es zu benutzen galt. Als sie sich zu wehren versuchte, brachen sie ihr die Arme, um sie ungehindert sch├Ąnden und erniedrigen zu k├Ânnen. Ich sah alles genau vor mir. Ich sah auch die Angst der M├Ąnner, als sie ihre abscheuliche Tat vollendeten. Die Angst, ihr Opfer k├Ânnte alles der Polizei erz├Ąhlen. Sie stachen mit einem Messer siebenundzwanzig Mal auf Clara ein, bis ihr Atem langsam aussetzte und das Herz zu schlagen aufh├Ârte. Ebenso konnte ich meine hilflose Tochter sehen, wie sie um Gnade bettelte und ihren Peinigern hilflos ausgeliefert war. Ihr tr├Ąnenverschmiertes Gesicht, welches vor Schmerz grausam verzerrt war, brannte sich in meine Gedanken.
Als ich sie das letzte Mal in der Leichenhalle sah, um sie zu identifizieren, starb alles in mir. Ich habe nicht auf sie geachtet, habe sie in den Tod geschickt. Sie musste sterben und es war meine Schuld. Ich habe Sabrina entt├Ąuscht und unsere Tochter verloren. Ich habe sie in die Arme brutaler Triebt├Ąter getrieben. Nun habe ich nichts mehr. Nur die Erinnerung bleibt mir erhalten, doch schmerzt sie von Tag zu Tag mehr. Sie schmerzt so sehr, dass ich es nicht ertragen kann und schreien m├Âchte.
Ich blickte in den Himmel und wartete auf die Stimmen meiner geliebten Familie, doch sie blieben aus. Das Gesicht gen Himmel gestreckt verlor ich den festen Boden unter meinen F├╝├čen. Ich sp├╝rte den frischen Herbstwind auf meiner Haut, w├Ąhrend die gro├čen Fenster der einzelnen Stockwerke an mir vor├╝berzischten. Ich sp├╝rte keine Furcht, sondern f├╝hlte mich frei. Tats├Ąchlich hatte ich in diesem Moment den Song "Free as a bird" von den Beatles im Kopf, als irgendwelche Angst zu versp├╝ren. Ich sah Menschen panisch in alle Richtungen laufen, die zu mir auf blickten.
Ich schloss die Augen und erwartete das Unvermeidliche. Den L├Ąrm, den ich unter mir erst nicht wahrnahm, wurde von Sekunde zu Sekunde lauter. Die Luft wurde mir w├Ąhrend des Fallens vollst├Ąndig entrissen, so das ich nicht mehr atmen konnte. Ein leichtes L├Ącheln erschien auf meinem Gesicht, w├Ąhrend ich dem Anfang vom Ende immer n├Ąher kam. Ich breitete meine Arme aus, als k├Ânne ich wie ein Falke durch die L├╝fte gleiten.
Kurz darauf wurde es dunkel um mich herum, als sei die Welt verschluckt worden. Ich h├Ârte keinen Ton mehr, kein einziges Hupen der Autos auf der Stra├če, kein Geplapper der Leute, die an diesem Abend durch die Stra├čen wandelten. Es war totenstill. Der Versuch, meine Augen weit zu ├Âffnen schlug fehl, denn meine Lider waren schwer wie Blei. Doch pl├Âtzlich drang durch die Dunkelheit etwas Licht, was sich langsam ausbreitete. Nun erkannte ich vage Umrisse von Menschen, die auf mich zukamen. Eine Person kam bis auf sch├Ątzungsweise 40 Zentimeter an mich heran und streckte mir das Gesicht entgegen, welches ich immernoch nicht erkennen konnte. "Dad, endlich bist du bei uns. Ich habe es mir so sehr gew├╝nscht, dich wieder in den Arm zu nehmen", schallte eine Stimme durch die ansonsten be├Ąngstigende Stille. Ich erkannte diese Stimme. Es war Clara, die vor 1,5 Monaten auf qualvolle Art und Weise ihr Leben verlor.
Dann kam die andere Person auf mich zu, legte ihre Hand auf meine rechte Schulter und fl├╝sterte mir ins Ohr: "Du hast nichts falsch gemacht. Du warst ein guter Vater." Es war die Stimme meiner geliebten Frau, dessen Klang ich schon fast vergessen hatte. Endlich war mein Leid verflogen, denn ich habe meine Familie wieder an meiner Seite.
In den Nachrichten vom 21.12.2006 hie├č es, da├č ein 46j├Ąhriger Mann vom Hilton-Hotel in den Tod sprang und auf der Stelle starb. Das entsprach nicht ganz der Wahrheit. Gestorben bin ich bereits am 06.11.2006, an dem Tag, als meine Tochter nicht mehr nach Hause zur├╝ckkehrte. Dieser Sprung war f├╝r mich eine Fahrkarte in die Freiheit. Nun beginnt ein neuer Abschnitt f├╝r mich und niemand wird mir das mehr nehmen k├Ânnen, was das Wichtigste f├╝r mich ist: meine Familie.

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Duisburger
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Hallo Janno,

warum ist das eine Erz├Ąhlung? Ich denke. es passt eher nach Tagebuch.
Sollte es dann noch ein (dein) pers├Ânliches Erlebnis (Empfinden) sein, geh├Ârt es auch in das Tagebuch, allerdings in dein eigenes, pers├Ânliches.
Sollte letzteres der Fall sein, so ist dieser Text nicht zu kommentieren, h├Âchstens, um Anteilnahme mitzuteilen und daf├╝r ist das hier die falsche Plattform.

lg
Duisburger
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Unter den Kastraten ist der eineiige K├Ânig (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

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Arthrys
Guest
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Hallo Janno,

Ich denke, du hast so ziemlich alle Kriterien betreffend einer Erz├Ąhlung einflie├čen lassen, Einleitung, R├╝ckblende, Erz├Ąhlweise, Handlung, Dialog, H├Âhepunkt, z.B. ├╝berraschender (verbl├╝ffender) Abschluss.
Selbst erlebt? Wohl kaum, sonst k├Ânntest du nicht dar├╝ber schreiben, weil du dann tot w├Ąrst. Vielleicht aus 2.,3.,4. Sicht erlebt und erdacht, das so Erfahrene in einer Erz├Ąhlung dargestellt. Der Text au├čergew├Âhnlich in seiner Art. F├╝r Satzstellung und Wortwahl solltest du vielleicht noch mal r├╝bergehen.
LG
Arthrys

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In den Nachrichten vom 21.12.2006 hie├č es, da├č ein 46j├Ąhriger Mann vom Hilton-Hotel in den Tod sprang und auf der Stelle starb. Das entsprach nicht ganz der Wahrheit. Gestorben bin ich bereits am 06.11.2006, an dem Tag, als meine Tochter nicht mehr nach Hause zur├╝ckkehrte. Dieser Sprung war f├╝r mich eine Fahrkarte in die Freiheit. Nun beginnt ein neuer Abschnitt f├╝r mich und niemand wird mir das mehr nehmen k├Ânnen, was das Wichtigste f├╝r mich ist: meine Familie.

Wie meinen, Arthrys?
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Duisburger
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Es geht nicht darum, ob die Formalien einer Erz├Ąhlung erf├╝llt sind (die Kriterien f├╝r eine Kurzgeschichte treffen ebenso zu), sondern um die Ausrichtung des Textes.
Er ist in Form eines Tagebucheintrages geschrieben, das war meine Einlassung. Daher bin ich der Meinung, er geh├Ârt dort hin.
Ob der Autor hier wirklich eine pers├Ânliche Erfahrung schildert, wird er uns hoffentlich noch mitteilen.
Dann, und nur dann, verbietet sich eine Auseinandersetzung mit dem Inhalt.

lg
Duisburger

@A.
Guter Versuch, doch so durchsichtig. Beachte, du hat meine Kritik kritisiert, nicht umgekehrt. Und lass den Quatsch von wegen "Disput vom Zaun Brechen". Wer den ersten Stein wirft...

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Janno
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Also denn werd ich mich hier auch mal zu ├Ąu├čern.
Ich finde schon, dass es durchaus eine Erz├Ąhlung ist. Wenn alle "Ich-bezogenen" Texte Tageb├╝cher w├Ąren, w├Ąren sicherlich SEHR VIELE B├╝cher nicht erschienen, die einen ├Ąhnlichen Stil haben und durchaus als Erz├Ąhlungen/Kurzgeschichten durchgehen.

Und ob ich das Geschriebene erlebt habe?
Nat├╝rlich hab ich das Ganze NICHT erlebt. Ich bin "erst" 27 Jahre alt, habe weder Frau noch Kinder (auch keine verblichenen) und, wie man merkt, bin ich am Leben

Ich habe diesen Text aus einer leicht depressiven Laune heraus geschrieben und sehe ihn durchaus als Erz├Ąhlung/Kurzgeschichte.

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