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Leselupe.de > Erzählungen
Ein perfekter Plan
Eingestellt am 07. 01. 2002 10:16


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Breimann
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Registriert: Dec 2000

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Ein perfekter Plan
„Das war ein toller Nachmittag, Helen! Könnte ich täglich machen; Bummeln, gemütlich Kaffee trinken, shoppen.“
„Und flirten, Petra!“ Helen lachte übermütig. „Vergiss deine Flirterei nicht, du leichtlebiges Weib!“
„Pst! Nicht so laut! Hier haben sogar die Bäume lange Ohren - und erzähl’s nicht in der Montagsrunde! Versprich es! - Sofort!“
„Ja, ja! Ehrenwort! Solange du dabei bist, sag ich nichts!“
„Ekel!“
„Selber Ekel! Denk mal, was los war, als du Fred von meinem sündhaft teuren Mary Joe BH erzählt hast.“
„Kommt nie mehr vor! Mensch, was freue ich mich auf Montag! Fährst du – oder soll ich fahren?“
„Mir wär’s recht, wenn du fahren könntest. Ich weiß nicht, ob Fred den Wagen schon am Montag, oder erst am Dienstag zur Inspektion bringt. Würde’s dir was ausmachen?“
Petra nahm die Tragetasche vom Rücksitz des Cabrios und zog den Hausschlüssel aus der Handtasche.
„Quatsch! Du weißt, wie gerne ich fahre. Mein Golfchen muss ja bewegt werden, sonst wird er noch ganz steif!“
„Grüß’ deinen Pingelskopp von mir! Tschüss!“
„Ja, mal sehen! Also, am Montag um zehn; ich hupe zwei Mal kurz. Ein schönes Wochenende. - Grüß’ Fred von mir. Tschüss!“
„Tschüss!“ Helen winkte lässig, während sie schon ziemlich flott losbrauste; die langen blonden Haare flogen hoch, wirbelten im Fahrwind.
Petra warf den Hausschlüssel auf das Garderobenschränkchen und schleuderte die Schuhe mit kräftigen Schlenkern quer durch den Flur. Barfuß lief sie die Treppe rauf ins Schlafzimmer.
Sie schüttete den Inhalt der schwarzen Tragetasche mit dem leuchtend roten Aufdruck ‚Mode-Prinz’ aufs Bett, riss die Preiszettel ab und zog sich blitzschnell um.
Das rote Top passte zu den schwarzen Haaren und dem hellbraunen Teint; es ließ den Bauchnabel frei, zeigte genau zwei Zentimeter sonnengebräunte Haut.
Mit gespreizten Fingern fuhr sie sich durch die kurz geschnittenen Haare, zog den angefeuchteten Zeigefinger über die fein gezeichneten Augenbrauen, riss die schwarzen Augen weit auf, betrachtete sich von Kopf bis Fuß und lächelte zufrieden.
„Siehst doch noch ganz gut aus, Petramaus! Sollen sich die Weiber doch das Maul zerreißen! Mit fünfundvierzig noch so auszusehen, ist ja wohl nicht selbstverständlich.
Sie dachte an ihre kuchenverschlingenden Freundinnen, deren Taillen nicht mehr existierten. ‚Du brauchst doch nicht hungern, liebe Petra! Mensch, deine Figur müsste man haben!’ Sie sprach mit verstellter, affektierter Stimme zum Spiegelbild und grinste hämisch.
„Die haben doch keine Ahnung! Etliche Kubikmeter Jogurt, unzählige Zentner Äpfel und Kiwis, Hektoliter Mineralwasser, ständiger Frust, Hunderte Batterien für die Badezimmerwaage - und Tausende Versuchungen!“
Sie strich sich dabei sanft über den gut geformten Busen, die schmale Taille und die schlanken Oberschenkel.
„Wozu das alles?“ Sie blickte das Gesicht, das ihr aus dem riesigen Spiegel zusah, skeptisch an. „Kurt ist ein Ignorant, blind für das da und ein nie schmelzender Eisblock. Wenn ich an den Verkäufer bei Mode-Prinz denke. Mensch hat der Stielaugen gemacht, als ich mit Jeans und BH aus der Kabine gekommen bin!“
Sie sah auf die Uhr, stieß einen kleinen Schrei aus.
„Oh mein Gott! Schon vier Uhr! Kurt kommt gleich! Ich muss Essen kochen, verdammt! Freitags kommt er doch meistens schon um fünf!“
Sie zog sich hastig um, warf Jeans und Top zurück in die Tragetasche, versteckte sie auf dem Schrankboden unter abgelegten Pullovern, raste die Treppe runter und stürzte Barfuß in die Küche.

„Hallo!“ Die Stimme klang dumpf, wie aus einer Gruft.
Petra stand am Herd, eingehüllt in Kochschwaden, den Geräuschen brutzelnder Hähnchenschenkel und wirbelnder Schlagzeuge, die Victor Gaskin so berühmt gemacht hatten.
„Jazz ist etwas ganz besonders; hör dir doch wenigstens mal ein einziges Stück an, Kurt“, hatte sie gefordert, aber er hatte böse geknurrt. „Bleib mir mit dieser Negermusik vom Hals! Überhaupt! Diese ständige Dudelei geht mir auf den Wecker! Stell das Ding bloß nicht an, wenn ich im Haus bin!“
„Ach Kurt! Manchmal merkt man dir die zehn Jahre doch an, die du älter bist als ich“, hatte sie schnippisch geantwortet. Sie hörte die Musik halt, wenn er nicht im Haus war.
„I’m on my way…“ Sie hatte es schon Dutzende Male gehört, summte mit und wiegte sich dabei in den Hüften. Sie war zufrieden, mochte ihr Leben; alles war gut. Sie lauschte dem Trompetensolo von Louis Hayes. „Was meinem Mann alles entgeht! – Nicht nur musikalisch!“
„Hallo! Petra! Oh, mein Gott, diese Scheißmusik!“, ertönte es schwach im Hintergrund.
Freitags war Hähnchenschenkeltag! Hähnchenschenkel, Salzkartoffeln mit einer leichten Geflügelsoße und Eisbergsalat; das festgelegte Essen für den ersten Freitag im Monat; es war – wie immer - alles pünktlich fertig.
Kurt legte schon seit Jahren den Speiseplan fest, hatte unumstößliche Vorschriften für Speisefolgen und -mengen, für Zutaten und Getränke erlassen. Ihr war es recht; das Einkaufen war einfach, ließ sich per Anruf beim Tingelbügel an der Ecke leicht erledigen.
„Petra! Hörst du schlecht? - Hallo!“, klang es zwar noch immer dumpf, aber schon wesentlich energischer. Da gerade der Deckel auf der Pfanne das Brutzelgeräusch dämpfte und der Anfang von „Sweet Emma“ sehr leise war, hörte sie diesen Hilferuf.
„Kurt? Was ist? Warte, – ich komme!“ Sie stellte den CD-Player ab, öffnete im Laufen die Schürzenschleife, warf das bunte Tuch achtlos auf die Garderobe im Flur.
„Ich komme schon! - Was ist los, Kurt?“
Die Flurtür zur angebauten Garage war weit geöffnet. Sie stutzte einen Augenblick, konnte sich nicht erinnern, sie geöffnet zu haben.
Unten in der Garage sah sie Kurt, der am Wagen lehnte. In der Hand hielt er ein weißes Taschentuch, das er mit zittriger Hand über die Stirn gleiten ließ; sein Arm fiel erschlafft herunter.
„Kurt! Um Himmels willen! Was ist mit dir? Hast du was?“
„Ich kann ja ruhig sterben! Hauptsache du hörst deine Scheißmusik! Ich ruf' schon seit Ewigkeiten um Hilfe!“
Sie sprang die drei Stufen herunter, stürzte auf ihn zu, fasste mit beiden Händen den Oberkörper des schwankenden Mannes, versuchte ihn zu stützen.
„Hör auf! Du bringst mich vollends um!“
„Was hast du denn? Hast du einen Unfall gehabt?“ Sie schielte auf die Motorhaube des schwarzen 7er BMW. Alles glänzte; kein Staubkorn war zu sehen; keine Schramme verschandelte den schönen Lack!
„Nichts kaputt; – hätte mich auch gewundert!“
Kurts Gesicht sah eigentlich auch ganz normal aus, wie sie mit prüfendem Blick feststellte. Massiger Kopf auf einem dicken Hals, leicht gerötete, pralle Wangen, blassblaue Eisaugen unter dem militärisch kurzen Haaransatz.
„Auch nichts kaputt! Verdammt“ Sie spürte Ungeduld aufsteigen.
„Jetzt sag schon was! Brauchst du einen Arzt?“
„Keinen Arzt! Bist du verrückt? Hilf mir lieber die Treppe hoch.“ Er legte den rechten Arm abstützend auf Petras Schultern; sie sackte in die Knie und stemmte sich mühsam hoch.
„Nicht so feste, Kurt! Ich breche zusammen!“
Sie griff unter seinen linken Arm, versuchte den massigen Körper zu stützen. Kurt wankte los, schlackerte hilflos mit der Taschentuchhand und stolperte die Stufen hoch.
„Leg dich erst mal auf die Couch, dann sehen wir weiter.“
Das Stöhnen klang bedrohlich, als er sich auf die Couch fallen ließ und dabei mit der freien Hand zwei Kissen auf den Boden fegte.
„Oh, mein Gott!“
Er schoss hoch, sah sich hektisch um. „Was ist?“
„Riechst du’s nicht? Ich hab’ die Hähnchenschenkel auf dem Herd!“ Sie rannte bereits raus - und er fiel matt zurück.
Es klapperte, schepperte; aus der Küche konnte man Petras verärgerte Stimme hören.
„Er wird ja heute doch nichts essen können; ich müsste die ganze Haut abkratzen! So ein Mist, elender! Alles stinkt in der Küche!“
„Kurt! Was machst du?“
Sie starrte ihn fassungslos an. Er stand am Getränkewagen und goss sich einen Cognac ein. Das rein weiße Taschentuch hatte er in die Brusttasche gesteckt.
„Was ist denn? Es war nur ein kleiner Schwächeanfall; da hilft Cognac am besten, wie du weißt.“
„Das ist jetzt in knapp vier Wochen der dritte Anfall, der sich blitzschnell in Luft auflöst. Verdammt, was soll das?“, dachte sie.
„Kurt! Ich falle immer wieder auf diesen Scheiß rein! Weißt du, was du mir zumutest?“
„Langsam, langsam, mein Mädchen! Ich simuliere nicht! Mir war hundeelend und schlecht. Ich dachte, ich hätte schon wieder einen Infarkt gehabt.“
„Du und deine Infarkte! Hinterwandinfarkte! Die ganze Übelkeit kommt nur von deiner irren Raserei! Du fährst auf der Autobahn, als wenn’s ums Überleben ging! Dabei geht es dir nur um Nervenkitzel und Angeberei!“
„Quatsch! Du verstehst nichts davon. Auto fahren ist meine Passion; das bringt mich nicht um. Wie ist das jetzt mit dem Abendessen? Ich habe Hunger!“
„Ich breche zusammen! Gerade stirbt der Mann noch, ich will den Notarzt holen, und der Kerl schreit nach Hähnchenschenkeln!“
„Wegen dem bisschen Übelkeit willst du kein Abendessen machen? Der Cognac wirkt schon.“
Das merke ich! Na, mir soll’s egal sein. Ich habe alles fertig – nur die Hähnchenschenkel gibt’s halt ohne Knusperhaut!“
„Mist!“
„Das kommt von deiner blöden Simuliererei! Gewöhn dir das ab!“

Das „Kleine Café“ war, wie immer montags, voll besetzt. Nur Frauen im mittleren und gehobenen Alter saßen an den schön gedeckten Tischen. Petra und ihre Freundinnen hockten an ihrem großen Stammtisch, aßen Kuchen, tranken Kaffee und redeten alle gleichzeitig, wenn der Mund nicht gerade mit was anderem beschäftigt war.
„Du glaubst nicht, wie der mich in den letzten Wochen nervt! Mal steht er am Morgen nicht auf, weil er Schweißausbrüche hat und einen Kreislaufkollaps vermutet, mal stirbt er mir im Bad, weil er sich beim Rasieren geschnitten hat und angeblich verblutet. Ein anderes Mal muss ich ihn von der Garage ins Haus tragen, weil er einen bösartigen Hinterwandinfarkt hatte, den leider niemand feststellen kann. ‚Hinterwandinfarkt war das, mein Kind! Da können die Weißkittel noch so viel untersuchen. Den finden die nie!’ sagt er, wenn ich das bezweifele. Wenn der so weiter macht, wandere ich aus!“
„Nimm´s nicht so tragisch! Wohin willst du denn verschwinden? Egal, wo hin du auswanderst, sie sind alle gleich! Männer sind so! Du müsstest mal meinen Fred sehen, wenn ihn ein leichter Schnupfen befällt!“
„Aber Kurt war sonst nie so! Das hat erst kürzlich angefangen. Du hättest ihn früher mal hören sollen! ‚Ha! Diese Weicheier! Rennen wegen jedem Bisschen zum Arzt! Schwächlinge!’ Jedenfalls muss das einen Grund haben – da bin ich mir sicher!“
Sie löffelte den Sahnerest vom Teller und machte ein schuldbewusstes Gesicht.
„Morgen habe ich wieder ein Kilo mehr drauf! Bloß, weil ich einmal schwach geworden bin!“
„Hör auf! Du hast es doch nicht nötig, bei deiner Figur, Petra!“ Anne grinste sie an und alle Frauen nickten zustimmend – auch Helen.
„Blöde Weiber!“ Sie lächelte freundlich in die Gesichter der kuchenlöffelnden Freundinnen.
Sie trafen sich alle vierzehn Tage montags im „Kleinen Café“ und veranstalteten bei reichlich Kaffee und Kuchen eine ‚Petzstunde’, wie Petra das nannte.
„Kurt, du kannst machen, was du willst! Diese Montage sind heilig! Ich muss wissen, was hier im Viertel los ist! In der Runde erfahr ich sofort, wenn du eine Freundin hast!“ Sie verteidigte diese Treffen nachdrücklich, wenn Kurt ihr riet, die Zeit besser zu nutzen.
„Quatschweiber, seid ihr! Ich und eine Freundin! Du spinnst! Wenn ich mal pensioniert bin, ist Schluss mit der Quasselbude! Dann hört das auf mit diesem Gerüchteverbreiten. - Als hättet ihr nichts Anständiges zu tun!“ Kurt hasste diese Treffen, wurde wütend, wenn er davon erfuhr.
„Zum Glück hat der noch zehn Jahre, mein Kurt, dann wird’s eng!“ Helen und die anderen Frauen nickten verständnisvoll.
„Ich weiß, woran du denkst!“ Helen grinste, und Petra wurde rot bis zum Haaransatz, als die anderen Frauen laut auflachten. „Du hast nur Angst, dass wir dann über dich herfallen und dich zerfleischen.“
Aus eben diesem Grunde war die Runde der acht Nachbarinnen fast immer vollzählig.
Grrr!“, machte Petra und zeigte die schönen Zähne, die alle noch echt waren.
„Die Blonde, die hinten am Ende der Storchenstraße wohnt, die hat’s faustdick hinter den Ohren!“ Helens Blick machte allen klar, dass sie genau wusste, was da so faustdick hinter den niedlichen Ohren steckte – und womöglich noch einiges mehr.
„Meinst du die große Blondine mit dem ausgestopften Busen? Die, die immer so mit dem Hintern wackelt, dass unser Dackel neidisch wird?“, fragte Ina Kruse - nur um diesen Scherz landen zu können.
Sie kreischten auf, prusteten laut; das Gelächter wollte nicht enden, und als Helen aufstand und das Hinterteil übertrieben schwenkte, brach eine neue Lachwelle los.
„Ach so! Die meinst du?“, rief Petra. „Brockes heißt die, sie hat angeblich einen Geliebten!“
„Genau die meine ich! Passt auf! Einen Italiener hat die – mindestens zwanzig Jahre jünger! Heißblütig und unersättlich! Stellt euch vor! Wenn dieser Brockes morgens aus dem Haus geht, steht der schon mit runtergelassener Hose hinter den Büschen!“
„Angeblich bezahlt die den dafür!“
„Nein! Das gibt’s doch nicht!“
„Was ich euch sage!“
Sie hatten eine Menge zu tratschen und zu lachen an diesem Tag, und als Petra am frühen Abend den Golf in die Garage fuhr, fiel ihr der Italiener mit der runtergelassenen Hose wieder ein. Sie wackelte versuchsweise mit dem Hinterteil, schwenkte die Handtasche und sprintete die Flurtreppe rauf. Sie lachte noch, als sie in den Flur trat und die Schlüssel auf den Garderobenschrank warf.
„Na, du scheinst ja gute Laune zu haben!“
„Kurt! Hast du mich erschreckt! Wieso bist du schon hier? Ist dir nicht gut? Hattest du wieder einen Hinterwandinfarkt?“
„Rede nicht so einen Stuss! Willst du mich lächerlich machen?“
„Natürlich nicht, Kurt! Was soll der Ton?“ Das Lachen war weg, und nichts Spaßiges wollte ihr im Augenblick einfallen.
„Sei gefälligst ernst, ja? Ich habe mit dir zu reden!“
„Ach Gott! ‚Ich muss mit dir reden!’ So beginnen in den Soaps immer die blödsinnigsten Auseinandersetzungen. Kommt jetzt so was?“
„Verdammt - komm ins Wohnzimmer! Ich meine es ernst!“
„Das habe ich schon längst begriffen; Spaß hört sich anders an.“
Er ging mit gebeugten Schultern vor ihr her und warf sich schwer in den Fernsehsessel. Sie schlenderte bewusst langsam - auch ein wenig besorgt - hinterher und setzte sich sprungbereit auf die Sesselkante. „Also! Was gibt’s Weltbewegendes? Fahren wir überraschend erstmals seit zwanzig Jahren in Urlaub? Möchtest du – noch überraschender – jetzt doch ein Kind von mir haben?“
„Petra, es reicht! Dein ewiger Sarkasmus geht mir auf den Geist! Auch wenn du es nie begreifen wirst, in dieser Welt gibt es auch noch andere Dinge als Cafébesuche, Geschwätz, Langeweile und Faulenzerei!“
„Das musste kommen! Mach es nicht so spannend. Ist was mit deiner Gesundheit? Du solltest doch in dieser Woche zur Untersuchung? Haben sie den Hinterwandinfarkt endlich gefunden?“
„Mit dir kann man nicht ernsthaft reden.“
„Hinterwandinfarkte sind etwas Ernstes, sehr sogar – wenn man einen hatte!“
„Ich geb´s auf! Aber was ich dir jetzt sage, wirft dich aus dem Sessel: Also, - ich werde ab dem nächsten Ersten stempeln gehen!“
„Äh, - du wirst was?“
„Stempeln gehen! Weißt du nicht, was das ist?“
„Doch, doch! Ich bin doch nicht blöd! Du musst zum Arbeitsamt, weil du arbeitslos wirst.“
„Mehr sagst du nicht dazu? Wo ist dein Aufschrei, dein Entsetzen? Du fragst nicht einmal warum!“
„Warum frage ich nicht? Hast du mir schon einmal auch nur einen Zipfel von deinem Beruf oder deiner Arbeit gezeigt? Ich weiß gerade mal, dass du als REFA-Fachmann bei Bolten & Garner arbeitest. Aus! Mehr sagst du nicht! Da fragst du, warum ich mich nicht interessiere? Also gut - warum wirst du plötzlich arbeitslos?“
„Weil ich schwer krank bin! Weil ich meinen Job nicht mehr packe! Darum! Ich habe mich frühpensionieren lassen – müssen!“
„Oh, Kurt! Ist das wahr? Hast du mit deinem Arzt gesprochen? Was sagt Dr. Krüger dazu?“
„Krüger! Diese Flasche! Der hat doch nie was bei mir gefunden!“
Sie betrachtete ihre makellos lackierten Fingernägel, hob den Blick und sah ihn ganz langsam, von unten bis oben an, Sie kannte ihn zu gut und wusste, dass da noch mehr kommen würde. Seine Mitteilungen kamen immer als kleine Päckchen, nie als Paket.
„Was noch?“
„Es gibt künftig weniger Geld! Wir werden unser Leben neu organisieren müssen, finanziell meine ich. Das teure Haus – noch nicht abbezahlt. Dein Lebensstil – grenzenlos freizügig. Also, ich muss erst mal abwarten, was am Monatsende rauskommt - dann sehen wir weiter.“
„Das hört sich sehr bedrohlich an.“
„Sicher! Aber du kannst dich auch freuen. Ich bin ab dem nächsten Ersten immer bei dir! Wir frühstücken zusammen, planen alles gemeinsam, machen alles zusammen. Ein neues, schönes Leben liegt vor uns.“
„Das ist ja noch schlimmer als das mit dem Geld!“, dachte sie und ahnte, dass es mit der Freiheit vorbei war.

Er war da – ständig. Das Radio war längst aus der Küche verbannt, stand jetzt im Bügelzimmer, das er nie betrat. Er hatte eine Zusammenstellung der zu erwartenden Einkünfte bekommen und war damit stirnrunzelnd durchs Wohnzimmer gelaufen; so lange, bis sie ihn besorgt gefragt hatte, ob es sehr schlimm sei.
„Schlimm? Schlimmer! Katastrophal! Dafür arbeitet man ein Leben lang, macht sich kaputt und krank. Man sollte sie alle erschießen!“
„Was heißt das für uns – für mich?“
„Eine Menge! Ich werde alles neu einteilen müssen – nachdem ich alles untersucht habe. Du hast das Glück, dass ich als REFA-Fachmann den Blick für richtige, perfekte Arbeitsabläufe – und für kostenoptimales Verhalten habe. Mir entgeht nichts!“
„Oh mein Gott!“

„Wo willst du hin?“
„Ich muss etwas mit Helen besprechen; bin in einer guten Stunde zurück.“
„Moment mal! Ich hatte vor, mit dir den Einkaufscheck zu machen!“
„Was heißt denn das? Wen oder was willst du checken? Warum gerade jetzt?“
„Weil wir den nächsten Großeinkauf erledigen müssen! Darum! Checken will ich die Angebote, die Preise, die Qualität der Produkte.“
„Ich verstehe nichts mehr! Meine Einkaufsliste für die nächsten vierzehn Tage liegt doch auf der Anrichte in der Küche. Die Liste ist fast immer gleich und liefern tut das alles - nach telefonischer Bestellung - der Supermarkt Tingelbügel am Straßenende – frei Haus übrigens!“
„Das ist vorbei! Ein für alle Mal vorbei! Wir lassen uns die Preise nicht von so einem Tingeldings diktieren. Es gibt viele billige Läden in der Stadt. Ich habe auf dem PC deine Liste eingetippt – einige überflüssige Sachen sind selbstverständlich entfallen – und eine Checkliste erstellt. Wir fahren heute alle Läden ab – die Adressen habe ich aus den Gelben Seiten – und stellen fest, wer was am billigsten liefert. Na? Was sagst du? Das ist perfekt, meine Liebe! Ein erster perfekter Plan – und weitere werden folgen!“
„Das ist Wahnsinn – der pure Wahnsinn! Bisher war das doch alles in Ordnung. Warum jetzt plötzlich nicht mehr?“
„Weil wir sparen müssen! Wir haben ein Drittel weniger monatliche Bezüge, bekommen keine Gratifikation und kein Weihnachtsgeld mehr!“
„Was ist mit der Abfindung von hundertundachtzigtausend? Die zählt nicht?“
„Das Geld ist angelegt für schlechte Zeiten. In zwei Jahren brauche ich außerdem einen neuen BMW! Den gibt’s nicht für lumpige zehntausend, meine Liebe!“
„Für deinen neuen Wagen müssen wir sparen? Dafür touren wir bei der Hitze durch die Stadt, spielen Pfandfinder und schreiben Preise auf einen blöden Zettel. Dann bestellst du unseren Bedarf bei zwanzig Läden, ja?“
„Bestellen? Holen, meine Liebe! Einkaufen! Wir fahren rum und besorgen alles nach dieser perfekten Liste!“
„Oh mein Gott! Was hast du mit mir vor? Was läuft hier? Drei Mal wollte ich Helen treffen, drei Mal hattest du mit mir genau zu diesem Zeitpunkt angeblich wichtige Sachen zu besprechen. Erst war es die Kilometerleistung meines Golfs im Jahr, umgerechnet auf den Tag, dann meine Telefonrechnung, aufgeteilt in Gespräche mit meinen Eltern und meinen Freundinnen - und schließlich die blödsinnige Aufstellung meiner Ausgaben bei Cafébesuchen. Es reicht, Kurt!“
„Tut es nicht – leider! Du fährst jetzt mit mir und damit Ende der Diskussion!“

„Nein, Helen, hör zu! Ich kann nicht so lange sprechen! Kurt kommt gleich aus dem Keller; er zählt unsere Vorräte durch. Wir müssen es so machen, dass du mich künftig anrufst; ich gebe dir das Geld wieder. - Ja, machst du das?“
„Ich werde dir eine Telefonrechnung erstellen! Ha! Mit Einzelnachweis! Du hast sie nicht mehr alle, Petra!“
„Quatsch, Helen, natürlich bekommst du das ersetzt. Kurt ist so genau; der lässt sich diesen Einzelnachweis doch jeden Monat erstellen. Du glaubst nicht, wie ich seit drei Monaten hier lebe! Wahnsinn!“
„Halte durch! Alles wird gut!“
„Ja, Helen, ich versuch’s. Tschüss!“ Sie legte auf und ging zur Kellertür.
„Kurt? - Kann ich dir helfen, Kurt?“
„Nein, nein. Hab schon alles erfasst. Wahnsinn! Was du hier unten an Dosen gehortet hast. Das reicht für einen dritten Weltkrieg! Deine Gefriertruhe läuft über! Wir werden erst mal aufbrauchen, was du angesammelt hast. Ich mache mit dieser Bestandsliste einen Essensplan für die nächsten sechs bis sieben Wochen.“
„Arschloch!“
„Was?“
„Ach so, habe ich gesagt.“

„Heul doch nicht Petra - davon wird’s auch nicht besser! Komm, wir gehen ein Stück durch den Forst, tratschen dir den Kummer von der Seele.“
„Wenn das man so einfach ging!“ Sie hing sich bei Helen ein und drückte sie fest an sich.
„Wenn ich dich nicht hätte, würde ich das nicht überleben. Es ist so grässlich, so würdelos. Ich bin bloß noch der dumme Lehrling, den der Meister schulen, rügen und zurechtweisen darf. Ich halte das nicht mehr aus!“
„Du wirst es aushalten! Gewöhn dich daran, lass den Idioten doch wurschteln und schnüffeln - und sieh zu, dass du ihn betrügst. Du bist doch clever genug dazu. Der will doch betrogen werden!“
„Mit dem heißblütigen Italiener!“
„Ha, ha! Mit den Dingen, die er dir aufzwingt - von mir aus auch mit einem Italiener!“. sagte Helen mit ernstem Gesicht.
„Ach, ich weiß nicht. Meine ganze Lebensfreude ist weg. Was habe ich denn noch? Weißt du was? Ich habe mir überlegt, dass ich einfach abhauen könnte. Ich miete mir eine Zweizimmerwohnung in der Innenstadt, such mir einen Job und lasse Kurt bezahlen. Später reiche ich die Scheidung ein und bin fein raus!“
„Du bist fein in der Scheiße, wenn du das machst, meine Liebe! Er wird den besten Anwalt auf dich hetzen und dir alle Konten sperren. Es wird Jahre dauern, bis du Geld siehst. Glaub bloß nicht, dass du seine Sparkonten jemals zu Gesicht bekommst; eher sieht sie das Finanzamt! Nach der Scheidung bekommst du – von einem Arbeitslosen – ein Taschengeld! Wie willst du bis dahin überleben? Du hast nichts gelernt, kannst nur einen Haushalt führen und sonst nichts!“
„Ich werde eben Hausmädchen - oder so was! Hauptsache raus!“
„Du verlässt euer schönes Haus, die schönen Möbel, den herrlichen Garten und ziehst in eine dunkle, schmuddelige Bude unterm Dach. Der Hausherr fast dir unter den Rock und die Herrin haut dir den Kochlöffel aufs Haupt! Ne, ne. Das ist doch Quatsch mit Soße!“
„Ich geh zum Sozialamt, hol mir Stütze!“
„Ach du meine Güte! Du gehst betteln, ja? Du isst Abfälle und trockenen Brötchen, die dir der Bäcker schenkt – aus Mitleid! Du schläfst unter der Seebrücke und trinkst billigen Fusel. Brrr!“
„Du bist gemein!“
„Ja sicher - und du bist blöde! Was fehlt dir denn jetzt wirklich? Mach doch das Beste daraus!“
„Meine Freiheit fehlt mir, das Schwätzen mit dir. Keine Cafébesuche mehr! – Übrigens! Fallt ihr jetzt auch über mich her? - Oh Gott! Natürlich tut ihr das! Ihr widerlichen Weiber habt ein neues Opfer gefunden – und ein so saudummes noch dazu! Los! Was sprecht ihr über mich?“
„Nichts! Rein gar nichts – fast nichts. Nur – sie schimpfen über deinen Mann und überlegen, wie man dir helfen kann.“
„Lüg mich nicht an! Sag' es offen und ehrlich! Ich kann damit umgehen. Reden sie auch über meinen Wackelarsch?“
„Nein!“ Helen lachte laut auf. „Nein, dazu ist er zu klein und niedlich. Aber darüber, dass du dir das gefallen lässt, da reden sie schon - und auch darüber, dass Kurt dir nicht die Wahrheit gesagt hat.“
„Was? Was hat er mir verschwiegen? Ich hab’s geahnt! Er hat also eine Freundin - ich hätte es wissen müssen. Darum tut sich bei uns nichts mehr! Dieses elende, miese Schwein!“
„Halt! Dazu ist der doch zu doof! Der kann doch einen Pferdeschwanz am blonden Mädchenkopf nicht von einem am dicken Pferdearsch unterscheiden. Nein, er ist gezwungen worden, in den Frühruhestand zu gehen. Er kam nicht mit bei den neuen REFA-Verfahren, das in Berlin entwickelt wurde, sagt Fred. Er muss es wissen, er sitzt doch bei Bolten & Garner im Personalwesen. Da dein Mann schon fünfundfünfzig ist, haben sie ihm das Modell aufgedrückt; du weißt schon!“
„Ach herrje! Das hat er nicht verkraftet, dieser tolle Mann und hat mir den furchtbar Kranken mit dem Hinterwandinfarkt vorgespielt. Na warte! Ich werde ihm was erzählen!“
„Wirst du nicht! Du weißt jetzt, was er in Wahrheit ist: ein Versager! Das macht dich stark! So einer will dir, die doch immer alles super gemacht hat, jetzt Vorschriften machen? Das ich nicht lache! Du lachst jetzt gefälligst auch, hörst du?“
„Ja, Helen, ich könnte dich küssen!“
„Wird jetzt bloß nicht lesbisch wegen diesem Dämlack.“

Sie lag mit offenen Augen und lauschte. Er schnarchte melodisch und sanft wie immer. Sie konnte sonst ganz gut dabei einschlafen; es wirkte auf sie wie ein Schlaflied bei einem Baby. Neuerdings aber regte es sie furchtbar auf; sie stieß ihn oft hastig an, freute sich, wenn er sich verschluckte und wild grunzte. Meistens war danach einige Zeit Ruhe, aber irgendwann ging’s wieder los.
„Ich hasse ihn! Er ist ein Widerling; fett, träge - feist sogar - und schnarchen tut er auch noch! Mit Sex hat er gleich gar nichts am Hut! Andererseits ... ein Glück, verdammt! Da kann ich ja sogar noch froh drüber sein!“
„Ich könnte ihn umbringen. Wie war das noch in dem Film ‚Tote Männer küsst man nicht’? Da hat sie ihm einfach ein Kopfkissen auf den Schnarchschnabel gelegt, hat sich draufgesetzt und so lange gesungen, bis er tot war. Hat mir irre gut gefallen, damals. Was hat die noch gesungen? Mein Gedächtnis! Was würde ich denn dabei singen? Ach Mist, ich geb´s auf. Ich hätte nie den Mut dazu; das können die bloß im Fernsehen und im Kino.“

„Ich muss mit dir reden, Petra!“
Er stand in der Haustür und beobachtete, wie sie auf den Knien über den Rasen kroch und Löwenzahn ausstach.
„Oh Gott! Schon wieder was Neues?“ Sie richtete sich mühsam auf.
„Nichts, was dich aufregt, aber es ist wichtig.“
„Ich halte den Scheiß bald nicht mehr aus!“ Sie warf das Messer wütend in den Eimer und stand auf.
„Was?“
„Ich sagte, ich bringe das noch eben in den Müll.“
„Aha - aber beeile dich!“
Sie schnappte sich den Eimer und brachte ihn in die Garage. Die Abfalltonnen standen an der Rückwand. Sehr langsam schüttete sie das Unkraut in die Tonne und lehnte sich an die Wand.
„Ich halte es wirklich nicht mehr aus; ich dreh’ noch durch! Jetzt spreche ich schon laut, was ich denke. Petra – reiß dich zusammen!“
Sie setzte sich ihm gegenüber, legte die Beine eng aneinander, faltete die Hände auf den Knien und sah ihn matt an.
„Dann man los!“
„Ich habe einen perfekten Plan gemacht. Du hast dich sicher gewundert, warum ich in den letzten Wochen deine Arbeitsgänge so neugierig verfolgt habe. Ich habe ja wirklich nichts ausgelassen!“
„Das kann man wohl sagen! Sogar aufs Klo bist du mir nachgegangen!“
„Na, na! Aber was du nicht weißt, ich hatte in der Hosentasche eine Stoppuhr. Alle deine Arbeitsgänge, die Leerläufe und unsinnigen Rennereien, das ewige Zeitungslesen, die Tratscherei am Telefon, das Hocken vor der Glotze - alles habe ich gestoppt! Sekundengenau!“
„Nein!“
„Doch!“
„Wozu denn das?“
„Zur Optimierung, zur Verbesserung deiner Arbeitsabläufe. Wir REFA-Fachleute kennen das natürlich aus dem Eff-Eff. Also, kurz und gut, ich habe deine Wochenarbeit in ein Ablaufkorsett gegossen – optimiert versteht sich. Hier! Das ist natürlich nur ein erster Ansatz. Da lässt sich noch was rausholen. Aber fang erst mal damit an. Ich glaube, du sparst mindesten dreißig Prozent deiner Kraft und Zeit.“
„Neiiiiin! Ich will nichts mehr davon hören!“
„Du musst! Du kannst dich nicht weigern. Wir müssen daran arbeiten, damit wir mehr Zeit für uns haben – verstehst du?“
„Nein, versteh ich nicht, will ich nicht verstehen! Du bist einfach unerträglich! In der Firma konnten sie dich nicht mehr gebrauchen, und jetzt willst du in unserer Zweipersonenfirma den großen Fachmann spielen?“
„Wer erzählt dir so was? Etwa diese Helen, dieses Quatschweib, diese Tratsche, die über jeden herzieht? Die lügt dir die Hucke voll, und du glaubst der alles! Ich habe dir gesagt, warum ich in den Ruhestand ging.“
„Ja, hast du! Und ich sage dir: Du bist ab sofort gekündigt! Ich schmeiße dich raus! Du gehst ohne Abfindung, ohne Sozialplan! Ich will nichts mehr von dir hören!“
„Bist du fertig? Den Schock habe ich oft erlebt, wenn wir in Wildwuchsarbeiten Ordnung gebracht haben. Das hört auf, das legt sich - warte nur ab!“
„Nichts legt sich! Nichts! Es reicht! Mein Haushalt! Meine Arbeit! Mein Leben! Du hältst dich da raus!“
„Hier - lies nur mal die erste Seite; du wirst begeistert sein.“
Automatisch griff sie zu, sah auf das Blatt. Die Hand zitterte, alle Zeilen auf dem Papier verschwammen vor den Augen. Mühsam entzifferte sie die ersten zwei Zeilen:
„8.00 Uhr aufstehen! (Anmerkung: Duschen nur samstags oder vor Feiertagen!)“
„8.30 Uhr frühstücken!“
Sie schrie laut auf, sah wie irre um sich, griff den dicken Bernsteinaschenbecher – das Geschenk der Firma für Kurt, als er fünfundzwanzig Jahre hinter sich gebracht hatte – und warf ihn mit voller Wucht auf ihn. Der wirbelnde Aschenbecher flog knapp an seinem Kopf vorbei und knallte mitten in die Butzenscheiben des Wohnzimmerschranks.
Es klirrte, schepperte, rummste und krachte, als das gute Tafelservice sich in Einzelstücke zerlegte, als der gelbbraune Ascher von der Hinterwand abprallte und auf die Fliesen knallte. Kurt starrte sie fassungslos an.
Irgendwie tat ihr das gut – glaubte sie wenigstens. Also ergriff sie den kupfernen Kerzenleuchter und warf ihn ebenfalls. Sie zielte wieder nicht richtig; der Leuchter segelte in den Fernseher. Das wirkte nicht ganz so spektakulär wie zuvor, denn diesmal gab es keine Scherben. Jetzt wachte Kurt auf, fühlte sich offensichtlich doch getroffen. Er schrie laut, stürzt sich auf sie und fiel ihr in den Arm, mit dem sie gerade die Blumenvase greifen wollte.
„Halt! Du bist ja irre! Aufhören! Sofort aufhören!“
Sie drehte sich aus seinen Armen, lief heulend die Treppe hoch ins Schlafzimmer, schloss sich ein, warf sich aufs Bett und drückte den Kopf ins Kissen.

Sie ließ ihn an der Tür rappeln, bis er aufgab, schlief ein, wurde wach, weil sie mal musste und heulte dabei gleich wieder los, als sie im Wohnzimmer die Scherben sah. Kurt war nicht zu sehen.
„Mein schönes Service! Alle haben mich darum beneidet. Dieser Idiot! Warum musste der mich so reizen? Er ist schuld an meinem Ausraster!“
Sie schlief ein und wachte erst am frühen Morgen auf. Vorsichtig suchte sie alle Zimmer ab, aber er war weg – ohne Frühstück, wie es schien – und der BMW war auch nicht da! Sie schlang hastig eine Scheibe Schwarzbrot runter und packte einige Sachen in einen kleinen Reisekoffer.
Im Flur blieb sie stehen, zögerte einen Augenblick und schaute nachdenklich auf den Spickzettelblock neben dem Spiegel. Hier hinterließen sie wichtige Nachrichten, meldeten Abwesenheiten und die wahrscheinlichen Zeiten fürs Wiedereintreffen.
„Quatsch! Der kann mich mal!“
Sie lief die Stufen runter in die Garage. Während der Fahrt schaute sie ständig nervös in den Rückspiegel, suchte den schwarzen BMW. Sie war erst erleichtert, als sie vor Helens Haustür stand.
„Es ist aus, Helen! Aus, aus, aus! Und erzähl' mir keine rührseligen Geschichten! Ich habe fertig! Gestern hab ich ihn mit dem schweren Aschenbecher – du weißt schon, der aus Bernstein – beworfen!“
„Oh! - Ist er tot?“
„Quatsch! Mein Service ist kaputt!“
„Das gute Porzellanservice? Oh, mein Gott! Furchtbar; es war fast so schön wie meines! Musste das sein?“
„Ja, es ging nicht anders; das mit dem Service tut mir auch leid. Es ist ganz allein seine Schuld; er hat mich bis zur Weißglut gereizt. Kann ich bei euch wohnen? Nur für ein paar Tage - bis ich was gefunden habe. Ich kann nicht mehr mit diesem Ungeheuer in einem Haus leben!“
„Petra, ich weiß nicht - komm erst mal rein. Fred ist auch da, er hat heute frei.“
„Mist!“ Sie nahm den Koffer aus dem Auto und folgte Helen ins Wohnzimmer.
„Asyl! Asyl!“, rief sie mit leidender Stimme und gab Fred die Hand. „Ich hoffe auf einen positiven Bescheid!“
„Ach du Scheiße!“, stöhnte Fred. „Das hat gerade noch gefehlt. Erst ruft um sieben Uhr heut früh - stell dir das mal vor! – Helens Mutter an. ‚Ihr habt doch Platz? Ich muss für einige Tage Urlaub machen, bin total fertig, kann keinen klaren Gedanken mehr fassen! Papa betrügt mich!’ So ein Schwachsinn! Und jetzt du noch! Das ist zu viel! Ich zieh ins Hotel!“
„Entschuldigt! Ich wusste ja nicht, dass ihr hier ein anerkanntes Asylantenheim für verstoßene Frauen habt. Bleib du lieber hier, Fred; ich geh ins Hotel.“
„Halt! Fred, das geht doch nicht! Ich rufe Mutter an, die kann eine Woche später kommen! Die soll erst mal mit Papa reden; das ist doch alles ein Witz! Mit siebzig geht der doch nicht mehr fremd!“
„Helen, die ist jetzt fertig, nicht in einer Woche! Du kennst sie doch, die redet nie alleine mit Papa darüber; das musst du vermitteln. Außerdem! – Sie wird ernst machen, und dich enterben; das hat sie dir schon einmal bei einer Absage angedroht - lass es nicht so weit kommen.“
„Fred hat recht, Helen!“
„Setz dich erst mal und erzähl. Vielleicht gibt’s ja noch eine andere Lösung.“
Sie weinte ein bisschen, aber nicht zu viel, denn das Make-up musste geschont werden; sie hasste verschmiertes Make-up. Fred lachte laut auf, als er von Kurts Optimierungs-Bemühungen hörte. Petras plastische Schilderungen ließen selbst Helen grinsen.
„Lacht ihr ruhig! Mir ist zum Heulen zu Mute. Letzte Woche hat er festgelegt, dass ich erst die oberen Fenster putze, ganz zum Schluss die Kellerfenster, da das Wasser erst da unten richtig schmutzig würde. Danach muss ich die Fliesen schrubben – mit dem selben Wasser, weil das so viel kosten würde. So geht das mit allen Dingen; er bestimmt, was gemacht wird, wann, wie und wie oft.“
„Ist das denn so schlimm? Was fehlt dir denn, Petra?“
„Das fragst du, Helen? Was würdest du denn sagen, wenn dein Fred so übergeschnappte Dinge machen würde? Mir fehlt die Freiheit; ich habe keine Luft mehr zum Atmen!“
„Wie ist er denn – ich meine man bloß – wie läuft es denn bei euch sonst so?“, fragte Fred mit frechem Grinsen.
„Fred, das geht zu weit! Halte deinen Babbel! Du denkst nur an das Eine!"
„Lass ihn ruhig, Helen, er hat doch recht; das gehört auch dazu. Also, nix ist damit, Fred! Wenn ich mich vor ihm ausziehe, sortiert er die Unterwäsche nach Fein- und Kochwäsche - Letztere nach dunkel und hell. Ansonsten könnte ich auch eine Schaufensterpuppe sein. Aber wer weiß! Vielleicht machte er gerade einen Plan dafür – mit Stoppuhr und Checkliste!“
„Ach du meine Güte! Bei deinem Aussehen und deiner tollen Figur!“
„Fred! Halte deine Klappe! Was geht dich Petras Figur an`“
„Ach Helen! Die Männer sind so! Große Klappe und nichts dahinter. Also, das ist noch längst nicht alles! Hört zu: An jedem Montag fahren wir alle Geschäfte ab und vergleichen die Preise. Gestern hat er mir einen perfekten Plan vorgelegt - auf fünf Seiten - nach dem ich künftig arbeiten muss. Sogar die Zeiten fürs Nachrichtenschauen hat er bestimmt; ich muss ‚Tagesschau’ statt ‚Heute-Nachrichten’ sehen, weil ich um sieben den Plan noch nicht abgearbeitet hätte. Als er mir diesen ‚Perfekten Plan’, wie er ihn nennt, vorgelegt hat, da bin ich geplatzt. Ich habe leider mein gutes Porzellan statt Kurts dicken Schädel zerschlagen. Ich habe ihm gesagt, er soll verschwinden – und jetzt ist er tatsächlich weg!“
„Na also! Warum willst du abhauen? Lass ihn doch machen, was er will!“, sagte Helen.
„Was, wenn er wiederkommt? Nachher prügelt er mich noch!“
„Ach was, der ist doch nie fähig, dich zu schlagen!“
„Da bin ich mir nicht mehr sicher. Wenn’s in seinen perfekten Plan passt ... Ihr meint also, ich soll einfach ausharren?“
„Ja, und du solltest noch mehr tun! Nimm es gelassen, was der Kurt da veranstaltet. Das legt sich wieder! Es ist das Frühpensionierungs-Syndrom, das haben alle – mehr oder weniger“, sagte Fred, während er aufstand.
„Ich muss los! Ich will joggen; du gehst nachher zur Anna?“, fragte Fred.
„Ja – ich denke, ja.“
„Anna? Triffst du dich mit der Schnepfe von gegenüber? Ich dachte, du fändest die doof und eingebildet?“
„Ach weißt du, Petra, - es ist so ... Also, wenn man sie näher kennt, ist sie ganz nett! Du kommst ja nie mehr! Mit wem soll ich denn schwätzen?“
„Alle verlassen mich; ich sinke – ich geh unter!“
„Quatsch! Warte ab, das kommt alles wieder ins Lot!“
„Ich seh überhaupt kein Land mehr! Trotzdem - ich höre auf euch! Ich fahr zurück - und wenn er ins Haus will, erschieße ich ihn!“
„Womit denn? Mit Wattebäuschchen?“
„Ha, ha! Wartet nur ab!“
„Mach keinen Blödsinn! Hörst du? Der Frauenknast ist furchtbar; da ist dein Kurt Gold gegen, Petra!“

Er kam gegen Abend, tat so, als wenn nichts passiert wäre, sagte nichts über den Streit. Sie erschoss ihn nicht, fragte ihn nicht, wo er den ganzen Tag verbracht hatte. Um sieben Uhr schaltete sie trotzig die Heute-Nachrichten an.
„Hast du nichts anders zu tun?“
„Nein!“
„Du verstehst nicht, dass ich es gut mit dir meine!“
„Nein!“
„Wir müssen uns einmal richtig aussprechen. Ich erklär dir Schritt für Schritt, warum ich hier einiges ändern muss! Verstehst du?“
„Nein!“
„Kannst du noch was anderes sagen als nein?“
„Nein!“
„Eines Tages wirst du verstehen; du brauchst eben länger als andere. Das ist nicht schlimm! Mach dir deshalb keine Sorgen, mein Schatz. Gemeinsam kriegen wir das schon hin – und genießen in aller Ruhe unseren Lebensabend.“
Sie gab keine Antwort, schluckte schwer und blieb sitzen. Sie schaltet den Fernseher nach den Nachrichten aus und ging wortlos ins Bett. Sie lag lange wach, dachte, sie könne nie mehr einschlafen. Als Kurt sich auszog, schloss sie die Augen und stellte sich schlafend.
Sie lauschte seinen Atemgeräuschen und hasste ihn ganz furchtbar.
„Der liebt seinen BMW mehr als mich; der sollte besser diesen Angeberwagen heiraten. Mit dem dicken Schlitten protzen, das ist ihm wichtig, langsamere Autos scheuchen, über die Fahrer von Kleinwagen mitleidig lächeln, das ist sein ganzes Vergnügen! Oh, wie ich das alles hasse!“
Sie stellte sich vor, wie Kurt über die Autobahn zur Stadt raste. Er drückte die schwarz behaarten, breiten Hände auf das Lenkrad, hupte anhaltend, grinste überheblich, als er den Vorausfahrenden, dem er wie üblich an der Stoßstange klebte, zu einem hastigen Ausweichmanöver verleitete.
„Ich hasse dich, du elender Angeber!“
Schadenfroh ließ sie auf beiden Fahrspuren zwei dicke Lastwagen fahren, die ein mühsames, lang anhaltendes Überholmanöver veranstalteten. Kurts schwarzer BMW galoppierte wie ein unbändiges Fohlen heran.
Sie ließ ihn hupen, andauernd, nervtötend – und vergeblich. Aber es reichte ihr noch nicht; da musste noch was mehr sein.
„Na warte! Jetzt zeig ich’s dir!“
Er musste verzweifelt aussehen - wie damals, als der neue Wagen auf Glatteis weggerutscht war und er den Zusammenstoß nur knapp verhindert hatte.
Diesmal musste er so hilflos und wild drein schauen, weil die Bremsen nicht funktionierten. Sie ließ ihn wild am Lenkrad drehen, wollte ihn erst auf den LKW auffahren lassen, aber dann jagte sie den Wagen eine steile Böschung runter und vor einen mächtigen Baum, den sie im letzten Augenblick noch hinstellte.
Lautlos schlang sich das wunderbar gepflegte, lackschadenfreie Auto um den mächtigen Stamm. Aus der offenen Tür des völlig zerdepperten Wagens hing Kurt. Die Augen standen weit offen, und das blutige Gesicht sah ziemlich schmutzig aus.
„So könnte er sterben - schnell und schmerzlos! Man ist ja kein Unmensch!“ Sie erschrak, als ihr auffiel, dass sie laut gedacht hatte; kurz danach schlief sie schon und der Traum überfiel sie mit voller Wucht.
Kurt lag unter dem Auto und kontrollierte mit einer Checkliste unsichtbare Teile. Das Autoradio spielte laut und dröhnend „Somewhere“. Sie tanzte auf der Motorhaube, hatte die Arme verzückt zum Himmel gestreckt. Mit einem lauten Schrei sprang Kurt auf, schlug mit einem Hammer auf das Radio ein.
„Nein!“, wollte sie rufen, aber die Lippen klebten aufeinander.
Kurt riss sie herunter, warf sie zu Boden, schob sie unter das Auto und zeigte ihr eine ganze Reihe ölige schwarze Schläuche, die vom Bodenblech herunter hingen und sich wild ringelten. Sie schauderte vor den gespaltenen Zungen; gelbe Augen glotzen sie an. Kurt nahm einen glitschigen Schlauch und legte ihn um ihren Hals; er zischelte, drehte sich und drückte zu.
Sie schrie – nein, sie versuchte zu schreien, bekam den Mund nicht auf. Verzweifelt drehte sie sich weg, aber Kurt hielt sie fest. Als ihr die Luft knapp wurde, die Panik am schlimmsten war, wachte sie auf. Sie fühlte den kalten Schweiß zwischen den Brüsten und im Gesicht.
„Du hast einen Albtraum gehabt!“ Kurts Stimme klang verschlafen und er schnarchte sofort wieder leise ins Kissen.
„Hm“, sagte sie trotzdem und drehte sich zur Seite.

In jeder der folgenden Nächte lag sie wach, ließ den BMW mal gegen einen Baum, mal gegen einen anderen Wagen krachen. Immer hing Kurt aus der Tür, und immer waren die Eisaugen starr auf sie gerichtet. Nach einer Woche begann sie zu überlegen, ob man so einen Unfall nicht herbei führen könne.
„Mist! Ich weiß nicht mal, wo so ein Bremsschlauch versteckt ist. Unter der Haube wahrscheinlich - oder? Ob ich mal in der Werkstatt nachfrage? Lieber nicht! Das könnte mich verdächtig machen. Aber wie ...“
Mitten in der Nacht stand sie auf, schlich zur Toilette und setzte sich auf den geschlossenen Deckel. Sie dachte lange nach, wurde rot bei ihren Gedanken, kniff sich in den Oberarm und war entschlossen. Sie huschte Barfuß in die Garage.
Der BMW knackte zur Begrüßung, und sie lehnte sich verschreckt an die Wand. Sie machte kein Licht, tastete sich zum Wagen, zog sich am Metall um das Auto herum, bis sie die Beifahrertür gefunden hatte. Das Geräusch der sich öffnenden Wagentür war irrsinnig laut.
„Was sage ich, wenn Kurt plötzlich da oben steht?“
Fahrig und zitternd suchte sie den Griff des Handschuhfachs. Die dicke Mappe mit der Bedienungsanleitung und den Serviceunterlagen lag oben auf allen anderen Sachen.
Sie ging leise zurück, legte die Mappe auf den Küchenschrank und schob sie hinter die Zinnkannen. Völlig erschöpft und frierend legte sie sich wieder ins Bett.

Kurt stand breitbeinig auf der Garageneinfahrt. Die Hosenbeine des Overalls steckten in den gelben Gummistiefeln; auf dem Kopf trug er eine gelbe Sportmütze mit dem Aufdruck „Shell“.
Der Wasserschlauch lag ruhig in der rechten Hand, die linke stemmte er in die Hüfte. Das Wasser spritzte aufs Autodach, fegte die Schaumschlieren herunter. Die Wagenpflege war seine regelmäßige Samstagsbeschäftigung, die erst endete, wenn es Zeit fürs Abendbrot war.
Sie stand hinter der Gardine und beobachtete ihn. Noch bestand keine Gefahr, dass er ins Haus kam. In dieser wichtigen Reinigungsphase war er höchstens durch den nicht mehr auszuhaltenden Druck der Blase vom Auto weg zu bekommen.
Sie las das Inhaltsverzeichnis der Bedienungsanleitung, fand „Bremsen“, „Bremsflüssigkeit“, „Bremsleuchten“, „Bremskontrollleuchten“ - und keine Bremsschläuche. Sie blätterte vor, schielte ständig aus dem Fenster und las quer über die Seiten.
„Da! Das liest sich gut!“
„Bremsflüssigkeit“ war also lebenswichtig. Man musste überprüfen und nachfüllen lassen. Schön sah der Behälter aus, der angeblich an der linken Seite im Motorraum untergebracht war.
„Treffer! Den findet doch ein Blinder!“ Sie beobachtete, wie Fred den Wasserschlauch einrollte.
Aus dem Gefäß mit der Bremsflüssigkeit ringelten sich zwei Schläuche. Das war’s! Das mussten sie sein!
„Ich hab’s - und ich mach’s!“
Sie legte die Bedienungsanleitung wieder auf den Schrank, kramte in der unteren Schublade, fand die Taschenlampe und legte die Küchenschere daneben.
Morgen würde Kurt über die Autobahn in die Stadt fahren und den Wagen zur Inspektion bringen. Er fuhr immer über die Autobahn; sie war zwar nur zehn Kilometer lang, aber da gab er richtig Gas, holte alles aus dem Wagen raus.
„Da gebe ich dem Wagen so richtig die Sporen! Der braucht das ab und zu!“, sagte Kurt, wenn sie ihn darauf hinwies, dass es die viel kürzere Landstraße zur Innenstadt gab.
Der Schock kam ganz unerwartet; ein eisiger Schreck fuhr ihr in die Knochen. „Mist, Mist! Der putzt gleich den Innenraum und saugt das Handschuhfach aus. Was mache ich bloß?“
Kurt kam aus der Garage, zog den Staubsauger hinter sich her, öffnete die Beifahrertür und beugte sich ins Auto. Panik befiehl sie, die Knie zitterten.
Ohne nachzudenken, öffnete sie das Fenster und beugte sich raus. „Kurt! Telefon! Deine Firma!“
„Scheiße! Was mache ich bloß für einen Mist!“ Sie rannte ins Wohnzimmer, legte den Hörer neben das Telefon, sprintete in die Küche und grabschte auf dem Schrank herum, bis sie die Mappe fühlte. Sie hörte ihn im Flur poltern - er zog die Stiefel aus.
„Ja? Hier Berger! Kurt Berger am Apparat.“
Sie rannte los, durch den Flur, in die Garage, durch die geöffnete Tür raus und war schon am Wagen. Die Seitentüren standen weit auf. Sie schob die Mappe in das Fach und richtete sich erleichtert auf. Langsam ging sie zurück und pfiff dabei - ziemlich falsch - „Blue Daniel“. Im Flur kramte sie in der Garderobenschublade, legte die Kleiderbürste von links nach rechts.
„Petra! Wer war denn da dran?“
„Wieso? - Warte mal - Müller! Richtig, Müller hieß er. Wollte dich dringend sprechen. Warum fragst du?“
„Der Arsch hatte schon aufgelegt! Na warte, wenn der wieder anruft!“
Er verschwand in der Garage, und sie legte die Bürste wieder von rechts nach links.

„Gute Nacht!“ Sie hatte eine belegte Stimme, spürte ihr Herz klopfen und drehte sich von Kurt weg.
„Gute Nacht! Schlaf gut, Petra.“
Sie wollte bis nach Mitternacht warten, lag verkrampft und angespannt, lauschte auf seinen Atem, starrte mit offenen Augen in die Schwärze, war völlig gedankenlos – und plötzlich wurde es ihr klar. Sie fühlte die Enttäuschung, die schwindende Anspannung. Dabei hatte sie überhaupt nicht an den BMW gedacht – da war sie sich sicher. Er schob sich einfach vor und grinste sie überheblich an.
Es konnte nicht klappen! Es war alles kindischer Quatsch! Fred musste aus der Garage raus, ungefähr einen Kilometer durch bebautes Gebiet fahren; danach erst kam die Autobahn!
„Mist, verdammter Mist! Der kann doch nicht ohne zu bremsen bis zur Autobahn fahren! Warum ist mir das nicht früher eingefallen!“
„Du bist ein Schaf, Petra! Du dümmste verhinderte Ehegattenmörderin aller Zeiten!“
Sie lag noch lange wach, nur den Traum mit Kurts verunglückenden BMW, den wollte sie jetzt nicht mehr sehen.

„Ich bin ein Wrack, Helen! Ich geh nicht mehr zum Frisör, ich fresse Kuchen, Sahne und Schinken. Mein Gewicht habe ich seit Monaten nicht mehr kontrolliert – wozu auch? Ich trage meine alten - meine uralten - Klamotten. Weißt du was? Erinnerst du dich, als wir – warte mal, ich glaube, vor sechs oder sieben Monaten – letztmals in der Stadt zusammen eingekauft haben?“
„Bei Mode-Prinz, stimmt´s? Du hast damals ziemlich geflirtet.“
„Richtig! Das irre enge Top und die knackigen Jeans! Du meinst den Verkäufer, der meinen BH auffressen wollte - so hat der wenigstens geglotzt!“
„Sah aber gut aus, der Junge! An dem Tag hatten wir einen ziemlichen Spaß!“
„Ja, genau! Die Klamotten liegen noch in der Einkaufstüte! Ich habe sie noch nicht einmal rausgeholt! Es geht zu Ende mit mir!“
„Quält er dich so sehr? Hast du dich noch nicht an seine Marotten gewöhnt oder hat er einen neuen Tick entwickelt?“
„Einen neuen Tick? Na klar! Die neueste Marotte ist jetzt das Stromsparen. Nein, falsch! Er sagt: ‚Du musst die funktional richtige Beleuchtung haben, mein Kind!’ Stell dir vor: ‚Mein Kind’, sagt der Idiot! Der rennt von Zimmer zu Zimmer, hat einen Lichtmesser oder wie das Ding heißt und eine Liste dabei. Er misst, schreibt, schüttelt den Kopf, schraubt Birnen raus, dreht Neue rein, misst wieder - so geht das seit Tagen. Jetzt hat er entdeckt, dass ich in der Küche zu schwach beleuchtet bin! Kurt ist selber zu schwach beleuchtet, Helen.“
„Ach du meine Güte! Na sei froh, dass er dich nicht im Dunkeln arbeiten lässt – bei seinem Sparfimmel!“
„Ja, muss ich wohl. Der hat sogar verlangt, dass ich mich kürzer fasse, wenn ich anrufe. ‚Bemüh dich, kürzere Sätze zu sprechen! Und frag nie was, wenn du angerufen hast! Du kriegst minutenlange Antworten!’ So einen Mist fordert der, stell dir das bloß vor!“
„Kannst du denn jetzt ungestört sprechen?“
„Er ist in der Stadt, kauft eine spezielle Lampe mit Strahlern für Energiesparbirnen. Da soll ich eine auf den Herd richten, eine auf die Arbeitsplatte und die andere jeweils abschalten. Da kommt er, ich höre den Wagen. Ich muss Schluss machen! Tschüss, Helen! Halt! Ruf mich wieder an, ja? Tschüss!“

„Weißt du, wie viele Kilometer du in einem Monat mit deinem Golf fährst?“
„Nein, sollte ich das wissen?“
„Erwarten könnte man das schon – wenn auch nicht unbedingt von dir, mein Kind. Also, ganze 120 Kilometer! Was sagst du dazu?“
„Was soll ich dazu sagen? 120 Kilometer sind 120 Kilometer. Wenn ich die laufen müsste - mein lieber Mann! - Dann hätte ich was zu tun!“
„Weißt du, was mich jeder Kilometer kostet, den du fährst?“
„Nein, will ich auch nicht wissen! Übrigens, wieso kostet er dich so viel? Haben wir keine Gemeinschaftskasse mehr? Du vergisst außerdem, dass es noch andere Werte gibt, als diese Kilometer: Freiheit, Beweglichkeit, Bequemlichkeit, Freude, Unabhängigkeit! Das müsstest du doch am besten wissen - du bist doch der Autogeile!“
„Ich fahre auch mehr als zwanzigtausend Kilometer im Jahr. Vergleich dich nicht mit mir! Autogeil will ich übrigens nicht gehört haben!“
„Dann eben verrückt! Ja, du bist autoverrückt!“
„Das ist mir egal! Wir brauchen jedenfalls nur noch ein Auto! Klar?“
„Du willst also dein Auto abgeben?“
„Ha, ha! Dein Scherz war keiner! Du gibst dein Auto ab!“
„Du meinst das nicht wirklich, oder?“
„Doch! Dein Auto kommt weg!“
„Dann bring ich dich um!“
„Sag, was du willst, ich habe deinen Golf bereits dem Händler für siebentausend Mark angeboten. Morgen ist er weg - garantiert! Wir zahlen doch keine Steuern und Versicherungsprämien für das Rumstehen. Außerdem gewinnen wir Platz in der Garage für die Gartengeräte.“
„Nein! Wenn du das machst, bringe ich dich wirklich um – oder ich zerdeppere dir dein Auto! Denk an den Aschenbecher!“
„Du sollst nicht immer so emotional sein! Kein Mensch nimmt dir so einen Mist ab, also sag ihn auch nicht! Wozu willst du einen eigenen Wagen? Du solltest dich daran gewöhnen, dass wir künftig alles gemeinsam machen. Wir kaufen zusammen ein, wir fahren am Wochenende zusammen an den See, wir gehen zusammen ins Kino. Das machen Eheleute so, wenn der Mann pensioniert ist.“
„Ich hasse dich, ich hasse dich, ich hasse dich!“ Sie rannte schluchzend aus dem Zimmer.

Er stand in der Küche auf der Stehleiter und drehte die Birnen der alten Lampe raus, schraubte die Fassung ab und zog die Abdeckung herunter. Nachdenklich betrachtete er die Drähte, die steif gespreizt aus der Decke hingen. Petra lehnte mit verschränkten Armen an der Tür und dachte: „Idiot!“
„Geh mal in die Garage und mach die Sicherung aus, ja?“
„Welche Sicherung?“
„Himmel! Weiber sind doch für nichts zu gebrauchen!“
Er stieg von der Leiter und zog sie mit in die Garage. Der Sicherungskasten stand offen; er hatte wohl bereits daran rumgefummelt.
„Hier! – Nein, warte. – Hier! Das sieht doch ein Blinder! Da steht dran: ‚Licht Erdgeschoss’. Den Schalter kippt man nach unten, - so - dann ist die Sicherung aus. Verstanden?“
„Ja!“
„Jetzt brauchst du nur zu warten, bis ich rufe ‚Sicherung ein’. Dann drückst du ihn wieder nach oben. Klar?“
„Ja, ich glaube. Kurt?“
„Was noch? Was glotzt du mich so an?“
„Schau dich mal an, Kurt! Dein Gesicht ist puterrot und du hast den Schweiß auf der Stirn stehen. Wenn du dich weiter so aufregst, kriegst du einen Herzinfarkt.“
„Quatsch nicht! Meine Pumpe tut’s noch lange! Mach dir keine Hoffnung!“
Es dauerte. Sie setzte sich auf die Motorhaube des BMW und stierte den Sicherungskasten an. Weiter hinten im Raum sah sie zwei Ölflecken auf dem Boden. An der Wand hing der farbig gestaltete Plan für Ölwechsel, ASU, TÜV und Inspektionen.
„Mein schöner Golf, mein Golfchen. Dieser elende Hund hat dich einfach verkauft – einfach so! Das verzeih ich ihm nie!“
Leises Fluchen, nur ganz schwach hörbar, dann deftige Flüche, Bohrgeräusche, noch lautere Flüche, erneute Bohrgeräusche – dann Stille.
Kurt stand in der Tür und starrte sie fassungslos an. Das Gesicht war vom grauem Staub gesprenkelt; die Shellmütze hing verrutscht über einem Ohr; sein Mund stand offen; die Augen quollen ihm aus dem Kopf.
„Petra! Gehst du wohl von meinem Wagen runter! Sofort runter! Bist du irre? Ich glaub´s einfach nicht! Setzt sich das Weib auf die Motorhaube! Die beult ein! Wenn das dein Wagen wäre und ich würde das machen! Mann, oh Mann!“
Sein Gesicht war dunkelrot und er schnappe nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen.
„Kurt, du siehst nicht gut aus! Hör lieber auf und ruh dich aus!“
„Weiber! Haben von nichts Ahnung, aber immer große Klappe. Beweg dich!“
„Ich meine es ernst, Kurt. Du kriegst einen weiteren Hinterwandinfarkt, wenn du dich nicht abregst!“
„Wie soll ich mich bei so einer Frau abregen? Komm, schau dir an, was die mir angedreht haben; diese Idioten - die sind bescheuert!“
Sie ging missmutig hinter ihm her in die Küche. Er hielt sich am Schrank fest und zeigte nach oben.
„Da! Die neue Lampe! - Die bauen vielleicht einen Mist! Die Kabel sind viel zu kurz, ich muss sie erst verlängern. Verstehst du?“
„Nein!“
„Dachte ich mir. Also, du kannst inzwischen die Waschmaschine ausräumen oder die Betten beziehen – guck in den Plan, was gerade dran ist. Ich rufe dich, wenn ich so weit bin, dass du die Sicherung einlegen kannst.“
Sie ging ins Schlafzimmer, setzte sich auf die Bettkante und betrachtete ihr Gesicht im großen Schrankspiegel; es sah blass und müde aus; sie hatte dunkle Schatten unter den Augen.
„Das kommt von den schlaflosen Nächten und dem Ärger mit meinem Kurt.“
Dann verschwamm alles und sie sah den geöffneten Sicherungskasten, die flitzende Scheibe, den Digitalzähler und die vielen Schalter, die alle eine Zuordnung hatten.
„Da kann sich einer aber mal schnell vertun!“
„War es der dritte von links? Nein, falsch, – der vierte von rechts, oder?“
„Petra! – Petraa! Verdammt, wo steckst du?“
Der Sicherungskasten war verschwunden und sie erblickte wieder ihr Gesicht; es machte ihr Angst.
„Ich komme ja schon!“
„Mach die Sicherung aber erst rein, wenn ich’s sage, Ok?“, rief er aus der Küche. Sie sah im Vorbeigehen nur die blaue Arbeitshose und die weißen Socken.
„Wie kommt der an weiße Tennissocken?“, dachte sie stirnrunzelnd.
„Petra! Ich höre nichts!“
„Ja!“
„Du weißt noch genau, welche es ist?“
„Ja, ja! Bin doch nicht blöd!“
„Na, hoffentlich! - Sicherung ein!“ Sie legte den vierten Schalter von rechts auf „Ein“.
„Mist! Verdammte Scheiße! Sicherung aus!“
„Ja! Ist aus!“ Vor ihren Augen drehten sich die Schalter wie auf einem Karussell, wurden immer schneller. Ihre Hand griff in diesen wirbelnden Strom, zögerte, zuckte zurück und drückte dann entschlossen zu. Sie legte den dritten Schalter von rechts auf „Aus“.
Zunächst ganz leise - noch stockend - sang sie: „Heile, heile Gänschen, ist bald wieder gut! Dann schon flüssiger: Kätzchen hat ein Schwänzchen ...“
Die Schalter kamen zur Ruhe. Es summte leise im Kasten und in ihrem Kopf; es war ihr, als höre sie Roy McCurdy, dessen Saxofonsolo stets ganz leise begann.
„Haaaaaaarrrch!“ Der Schrei wollte nicht aufhören. Es polterte, schepperte und klirrte.
Totenstille - lange, sehr lange diese summende Stille, in der sie auf Zehenspitzen stand, lauschte und schließlich ihr Lied wiederfand.
„... ist bald wieder gut! Heile, heile Mausespeck – in hundert Jahr’n ist alles weg! – In hundert Jahr’n ist alles weg!“
Sie lauschte angestrengt; Roy McCurdy blies im Sicherungskasten immer noch sein Solo und in der Küche sprang der Kühlschrank an.
„Furchtbar laut ist der! Ich werde wohl bald einen Neuen kaufen müssen.“ Sie ging langsam hoch.
„Kurt? Kurt?“
Er lag lang ausgestreckt auf den Kaffeetassen, die sie nach dem Frühstück noch nicht weggeräumt hatte.
„Noch ein Service kaputt!“
Sie betrachtet Kurt von den weißen Socken bis zum Kopf, der über der Tischkante herunter hing, seinen verschwitzten Hals freilegte; die Shellmütze lag auf dem Boden.
Ihr Blick blieb an seinem Gesicht hängen. Die Eisaugen waren weit aufgerissen, blickten sie an. Er lächelte! Das ganze Gesicht war zu einem hübschen Lächeln verzogen. Die Arme hingen an den Seiten des Tisches schlaff herunter.
„Kurt? - Hast du dir weh getan? - Machst du wieder so ein Scheißspiel mit mir? - Hinterwandinfarkt? - Kurt? - Sag was!“, forderte sie mit energischem Ton von dem lächelnden Gesicht.
Als Kurt sich nicht rührte, nahm sie den linken Arm, suchte mühsam die Stelle, an der sie den Puls vermutete, und schaute nachdenklich in die eisblauen Augen. - Kein Puls!
„Oh! – Meine Güte! Das ist ja ein Ding! Kurt, das stand nicht in deinem perfekten Plan, was?“
Sie holte aus der Küchenschublade die Taschenlampe und leuchtete in die starren Augen. Nichts! Die Pupillen veränderten sich nicht! Sie kniff in seinen Handrücken und kitzelte ihn hinter dem linken Ohr; er war sehr kitzelig! - Nichts! Aber es roch! Es roch ganz schrecklich!
„Meine Güte! Er wird doch nicht? Ich glaube doch; er hat ... Puh! Er ist wirklich tot! - Jetzt mal ganz langsam Petra - ganz, ganz bedächtig! Was mache ich zuerst?“
Sie ging in die Garage und legte den dritten Schalter von rechts wieder auf „Ein“.
Als sie dem Notruf den Unfall meldete, stotterte sie aufgeregt, vergaß die Adresse, legte mitten im Gespräch auf.
„Ja, ja! – Ach, die Adresse! - Entschuldigen Sie bitte, ich habe die Adresse vergessen; Gänsestraße 49, Kurt Berger. - Ja, ich bin seine Ehefrau - Petra. Ja, ich mache die Tür auf.“ Sie hatten innerhalb weniger Sekunden zurückgerufen.
Sie atmete tief durch, ging nochmals in die Küche und leuchtete lange in Kurts Augen. Keine Regung!
Helen war direkt nach dem ersten Klingeln am Apparat.
„Er ist tot!“
„Aha! Wer ist tot? Sprich nicht immer in Rätseln, Petra!“
In ihrem Kopf drehten sich riesige Schwungräder, wollten sie mitreißen. Sie schoss durch ein Wechselbad der Gefühle, spürte Entsetzen, ein komisches Glücksgefühl, Zufriedenheit und Angst.
„Ich hole dich am Montag ab - zum Treffen im ‚Kleinen Café’. - Ich komme mit dem BMW!“
„Wow! Sag mal, bist du jetzt übergeschnappt oder was? Was sagt denn dein Kurt dazu? Wieso bringst du plötzlich den Mut auf, ihn zu fragen? Petra? - Ist alles in Ordnung mit dir?“
„Mit mir – ja, soweit ja. Ich hab’s doch gerade gesagt: Er ist tot! - Tot! - Tot! Begreif doch endlich!“
Der Schrei am anderen Ende der Leitung war so laut, so schrill, dass Petra den Hörer ein Stück vom Öhr weg hielt.
„Fred! Freeed! Komm sofort ans Telefon! - Petra ist dran! Sie sagt, Kurt sei tot! Mir ist ganz schlecht vor Schreck; sprich du mit ihr!“
„Petra! Hallo! Hier ist Fred. Helen dreht durch! Was ist denn los?“
„Kurt ist tot! Er liegt mausetot auf dem Küchentisch!“
„Hast du ihn geschlachtet?“
„Fred! Bist du verrückt?“
„Wieso liegt dein Mann sonst auf dem Küchentisch? Was macht er da?“
„Er liegt da, weil er von der Leiter gestürzt ist, als er beim Lampeninstallieren eine gewischt gekriegt hat. – Also, ich nehme das mal an; er hat wohl einen Stromstoß abgekriegt!“
„Davon stirbt doch ein erwachsener Mann nicht! Das gibt es nicht!“
„Kurt schon! Du weißt doch - das Herz! Er sah den ganzen Tag abwechselnd grau und dunkelrot aus - und er fühlte sich nicht wohl.“
„Oh mein Gott! Bist du sicher, dass er tot ist?“
„Ja, bin ich. Ich hab' im Fernsehen gesehen, was man machen muss. Alles stimmt; er ist tot! Es war ein Unfall, ein total dämlicher Unfall noch dazu. Gleich kommt der Notarzt. - Ich muss aufhören. - Ich melde mich später noch einmal.“
„Halt! Halt, Petra! Brauchst du Hilfe? Sollen wir kommen?“
„Ja, nein, – ich weiß nicht ... Wenn ihr Kurt mal auf dem Tisch liegen sehen wollt? Ach, macht, was ihr wollt! Ich muss auflegen!“
Sie stellte sich im Flur vor den Spiegel und legte sich angestrengt Falten auf die Stirn.
„Meine Güte! Wie seh ich aus! Was sollen die bloß von mir denken!“
Die alte, an den Knien ausgebeulte, verwaschene Jeans, der sackartige, verfusselte Pullover, die ungekämmten, leicht fettigen Haare! Dazu das blasse, müde Gesicht! Sie schüttelte den Kopf, fand sich potthässlich, uralt und abscheulich.
Sie lauschte angestrengt. Draußen war alles still, - aber in der Küche knackte es.
„Er wird doch nicht?
Sie rannte in die Küche und blickte in die eisfarbenen Augen; die langen Beine mit den Tennissocken hingen da wie zuvor.
„Rühr dich bloß nicht vom Fleck!“ Sie rast die Treppe rauf.
Die Tragetasche lag noch unter den Pullovern. Sie schüttete Top und Jeans auf das Bett, zog sich hastig um, warf die alten Sachen in den Kleiderschrank, rannte ins Bad, wusch sich kalt, bürstete die Haare, sprühte etwas Haarspray drauf, warf noch einen kritischen Blick in den Spiegel, blieb unzufrieden, zuckte mit den Achseln und lief wieder nach unten.
Kurt blickte sie lächelnd und bewundernd an; da schoss es ihr blitzartig durch den Kopf! Sie wurde starr vor Schreck. Alles hatte sie falsch gemacht. Alt, müde, geschockt, elend musste sie aussehen - und nicht sexy!
„Oh mein Gott! Was werden die von mir denken!“ Sie hastete zum Flurspiegel und verzog das Gesicht zu einer weinerlichen Grimasse.
„Wie sieht man geschockt und traurig aus? Mist!“ Sie verstrubbelte die Haare. Weit weg hörte sie einen Heulton. „Oh, verdammt! Sie kommen!“
Sie quetschte mit beiden Fäusten das Gesicht, machte sich rote und weiße Flecken, verzog die Nase. Sie wollte traurig sein, spürte nichts und dachte dann an die kleine Katze, die sie im vorigen Jahr überfahren hatte - das niedliche weißbraune Kätzchen, die niemandem gehört hatte. Sie hatte ihr so leid getan! Damals hatte sie geweint. Sie schnüffelte leicht – und einige Tränen füllten die Augen.
„Das reicht nicht!“
Sie lief in die Küche; ein übler Geruch erinnerte sie; sie warf einen schnellen Blick in Kurts Gesicht, spritzte sich ein paar Tropfen Wasser ins Gesicht, warf nochmals einen Blick auf den unbeweglichen Kurt, im Flur einen in den Spiegel und hörte schon die jaulenden Signaltöne vor der Einfahrt.
„Genug! Das muss reichen!“
An der Tür klingelte es Sturm. Uniformierte Polizisten, Sanitäter und Notarzt stürmten an ihr vorbei ins Haus.
„Wo?“, rief einer, der einen metallenen Notfallkoffer in der Hand trug.
Ihr blasses, fleckiges, tränennasses Gesicht sah mitleiderregend aus - und niemand beachtete es.
„In der Küche – geradeaus!“ Ihr Kopf schmerzte und sie lehnte sich an die Wand. Sie hörte undeutliche Geräusche aus der Küche und dann einen Handy-Klingelton.
Langsam schlich sie ins Wohnzimmer und setzte sich. Die Cognacflasche stand neben einem benutzten Cognacschwenker auf dem Getränkewagen; Kurt hatte sich wohl zwischendurch ein Glas gegönnt – wie so oft in letzter Zeit.
„Den könnte ich jetzt auch gebrauchen. – Aber wie sieht das aus? Im Fernsehen trinken die Mörderinnen auch immer, um ihre Nerven zu beruhigen. Lieber nicht! Petra – du bist eine Mörderin! Mein Gott, du hast es getan!“
Es klingelte Sturm und sie öffnete die Haustür, ohne hinzusehen.
„Kommen Sie herein“, sagte sie geistesabwesend.
„Guten Tag! Frau Berger? Morus, Hans Morus. Ich bin vom 1. Kommissariat, also K 1, zuständig für unnatürliche Todesfälle.“
„Oh! Unnatürliche ...“
„Keine Angst, wir müssen jeden Todesfall untersuchen, der nicht von den Ärzten als ‚natürlich abgesegnet wird.“
Sie blickte dem hageren Mann erstmals ins Gesicht. Er war noch jung, hatte einen Stoppelbart und lächelte unschuldig. Die verwaschenen Jeans und das karierte Hemd passten nicht zu ihrem Bild von einem Kommissar; sie blickte ihn mit verschleierten Augen an.
„Hat unser Hausarzt das gesagt? Unnatürlich?“
„Nein, nein. Nur die Umstände haben meine uniformierten Kollegen veranlasst, uns zu rufen. Wie heißt er denn, ihr Hausarzt.“
„Krüger, Dr. Ewald Krüger heißt unser Hausarzt - aber der ist nicht hier.“
„Macht nichts, den finde ich schon,“
Er schrieb etwas in ein Miniatur-Blöckchen, das er aus der Hemdenbrusttasche zog, und ging schreibend in die Küche.
Sie schlich ihm langsam nach, spürte ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, dachte wieder an den Cognac, stellte sich an den Schrank und sah den Männern zu. Niemand kümmerte sich um sie!
Der Kommissar sprach mit einem uniformierten Polizisten, dann länger mit dem Notarzt. Er schrieb und schrieb, leckte an seinem streikenden Kugelschreiber und schrieb weiter.
„Wo ist der Sicherungskasten?“
Sie zuckte zusammen, warf ihm einen schnellen Blick zu und ging wortlos voran in die Garage. Er folgte in einigem Abstand und sah sich aufmerksam um; sie zeigte mit zittriger Hand auf den Sicherungskasten. Er nahm ein rotes Taschentuch aus der Jeans und zog den Deckel auf. Plötzlich hatte er eine Lupe in der linken Hand, stellte sich auf die Zehenspitzen und betrachtete jeden Sicherungsschalter; dann schloss er den Kasten wieder.
„Hat ihr Mann die Sicherungen heute einmal ausgeschaltet?“
„Oh! Ich glaube – ich weiß nicht. Er wollte mich nie dabei haben, wenn er im Haus was repariert hat. Ich hätte keine Ahnung und meine ständige Fragerei rege ihn auf, sagte er immer. Ich habe oben - im Schlafzimmer - aufgeräumt.“
„Hm.“
Er schrieb, leckte den Kugelschreiber und schrieb,“
„Wie erreiche ich diesen Dr. Krüger?“
„Die Nummer steht im Büchlein – da, neben dem Telefon.“
Sie hörte zu, verstand undeutlich, dass Dr. Krüger sofort kommen sollte.
„Hatte ihr Mann eine Erkrankung? War er akut krank?“
„Sein Herz – er sagte immer, er hätte einen Hinterwandinfarkt gehabt. Deshalb konnte er auch nicht mehr arbeiten – hat er gesagt.“
„Ah! Und wie war er heute? Gab’s Anzeichen für eine Verschlechterung?“
„Ja, schon, eigentlich schon. Ich hab’ ihm gesagt, er soll das Arbeiten lassen und sich ausruhen – und sich nicht so aufregen. Aber er hat nicht gehört.“
„Aufregen? Haben Sie ihn aufgeregt?“
„Nein, nein! Es war nur, weil die neue Lampe zu kurze Kabel hatte. Er war dunkelrot vor Wut – wo die doch so teurer gewesen war, die neue Sparlampe.“
Sie stand wieder in der Küche und hörte das Murmeln der Stimmen, das sie an den Bach erinnerte, der im Park, dicht neben dem Spazierweg herlief. Der beruhigte sie immer, wenn sie sich über Kurt aufgeregt hatte und Helen ihr Leid klagte: aber dies hier, das regte sie noch mehr auf. Sie konnte nichts verstehen und niemand achtete auf sie; sie schien überflüssig zu sein.
Ihr Ärger wuchs; immerhin war sie eine Hauptperson. Schließlich wurde sie regelrecht wütend, seufzte sehr laut, lehnte sich schräg an den Schrank, wartete einen Augenblick, seufzte wieder - noch lauter - und sackte sehr langsam in die Knie.
„Menschenskind! Geben sie der armen Frau doch was, Dok! Verdammt, immer zuerst die Lebenden! Wie oft soll ich das sagen?“ Der Polizist mit den Jeans sah wütend aus, zeigte auf sie und schüttelte den Kopf.
Zwei Sanitäter hoben sie hoch, stützten sie, führten sie ins Wohnzimmer und ließen sie in den Sessel gleiten. Der Arzt war sehr jung, sah aus wie der Mann bei Mode-Prinz.
„Oh, ist mir übel Herr Doktor.“ Sie stöhnte herzerweichend, während er ihr den Puls fühlte, sah ihm mit verdrehten Augen zu, als er eine Spritze aufzog und ihr den Arm abband. Der Einstich schmerzte und Nebel waberte vor dem Gesicht des Doktors; dann war sie wirklich ganz weg.
„Hören Sie mich? Hallo, Frau Berger! Hallo! Sind wir wieder da? Wie geht es uns?“
„Waren Sie früher bei Mode-Prinz, Herr Doktor?“, fragte sie mit sanftem Augenaufschlag.
„Sie kommt! Sie ist noch etwas durcheinander, aber sie ist wieder wach! Mensch, Frau Berger, Sie haben uns einen Schreck eingejagt! Sie waren plötzlich bewusstlos!“, sagte der Kommissar und las in seinen Notizen.
„Das ist der Schock!“ Der Arzt fühlte noch einmal den Puls; er hatte sehr weiche und warme Hände.
Es klingelt und sie wollte aufspringen, aber ihre Beine waren wie Gummi.
„Bleiben Sie sitzen! Das wird Ihr Dr. Krüger sein.“
Es war Dr. Krüger! Er war schon der Arzt ihres Vaters gewesen, hatte sie bei der Hausgeburt, die so nicht geplant war, zur Welt gebracht und nannte sie immer ‚Kindchen’.
„Was machst du denn für Sachen, Kindchen?“
„Ich nicht, Herr Doktor. Der Kurt macht Sachen – der hat was angestellt.“
Er knurrte und verschwand in der Küche. Der Polizist mit der engen, verwaschenen Jeans ging schnell hinter ihm her und redete dabei auf ihn ein.
Der Notarzt räusperte sich und machte Anstalten, den beiden zu folgen. „Diese Amateurhandwerker! Ohne die Sicherung raus zu drehen, fummeln sie an den Stromleitungen rum! Arme Frau! Sie brauchen jetzt Ruhe!“ Die junge Stimme des Arztes wirkte so sympathisch und ihr wurde ganz anders.
„Stirbt man denn einfach so, Herr Doktor, wenn man eine gewischt kriegt?“
„Ach wo! Eigentlich nicht - es sei denn, man ist schwer herzkrank. Dann kann es sein, dass der Schlag einen Infarkt auslöst. Ist mir schon vorgekommen.“
„Kurt hat immer gesagt, er hätte schon einen Infarkt gehabt; ich hab das nie geglaubt. Der Arme!“
Der Arzt drückte tröstend ihren Oberarm und ging wieder in die Küche. Sie lehnte sich zurück und schloss die Augen. Plötzlich sah sie Kurt auf sich zuwanken. Er hatte ein Kabel in der Hand und ein fieses Lächeln verzerrte sein Gesicht.
„Weiber sind zu blöd für einen Mord! Ha! Nicht mal das kannst du; alles muss ich alleine machen!“
„Haben Sie jemanden, der auf Sie aufpasst?“, fragte eine Stimme und sie öffnete entsetzt die Augen. Vor ihr stand der uniformierte Polizist.
„Ja“, sagte sie matt. „Rufen Sie Helen Schobel an. Die Nummer steht im Büchlein - da vorne, neben dem Telefon.“
„Sie kommt sofort!“ Der Polizist war schnell zurück. „Mein Kollege und ich warten so lange. Wir können sie ja nicht alleine lassen.“
„Mein Mann! Was ist jetzt mit ihm?“
„Es war kein Unfall!“, sagte der für unnatürliche Todesfälle zuständige Kommissar. Er lehnte im Türrahmen und schrieb in seinem Heftchen. Der Kuli funktionierte ohne Lecken!
„Kein Unfall? Oh, mein Gott! Was – was war es denn dann? Mord?“
„Nein, nein. Beruhigen Sie sich. Ihr Hausarzt und der Notarzt sind sich ganz sicher; es war ein Infarkt!“
„Nichts mit Stromschlag? Aber ...“
„Ein Infarkt kommt ungerufen, zu allen möglichen Zeiten. Bei ihrem Mann eben, als er bei der Arbeit war. Krüger sagt, er wäre seit einem Jahr ein Infarktkandidat gewesen; war aber nie zu belehren. Hatte wohl auch schon mal einen kleinen Hinterwandinfarkt.“
„Oh – das hat Kurt auch immer gesagt.“
„Nur gelebt hat er nicht danach. Hat ihn erwischt, als er an der Lampe rumgepfuscht hat. War wirklich Pfuscharbeit, was er da vorhatte. Nicht isolierte Drahtverbindungen! Lag aber nicht am Strom; der Infarkt hatte andere Gründe. Ihr Hausarzt stellt gerade den Totenschein aus.“
„Kurt war aber ein guter Handwerker! Man soll Toten doch nichts Schlechtes nachsagen!“
„Jeder, wie er kann. Es gibt außerdem keine Anhaltspunkte für einen unnatürlichen Tod, nichts, was eine Obduktion rechtfertigen würde. Meine Arbeit ist hiermit beendet. Ich muss Sie lediglich bitten, keine Feuerbestattung vorzunehmen. Sonst müssten wir in jedem Fall obduzieren.“
„Nein, nein! Ich verbrenn' den Kurt doch nicht! Der kommt ins Grab, wo schon sein Vater und seine Mutter liegen. Da ist Platz genug. Was soll ich mit Kurt machen? Er ist ganz schmutzig – und riecht. Soll ich ihn waschen?“
„Nein, nein; das brauchen sie nicht. Ihr Dr. Krüger hat ein Bestattungsunternehmen angerufen. Die kommen gleich und holen ihren Mann ab. Für so was sind die zuständig.“
„Gott sei Dank! Aber die schrecklichen Tennissocken sollen die sofort wegwerfen, ja? Können die den Küchentisch auch mitnehmen?“ Sie blinzelte verlegen in das freundliche Polizistengesicht.
„Wohl kaum; notfalls geben Sie ihn zur Müllabfuhr, wenn Sie’s gar nicht anders aushalten. Abwaschen? Reinigen?“
„Nein – furchtbar – ich würde ihn immer zwischen den Tassen liegen sehen.“

Helen und Fred stürmten die Einfahrt hoch, als gelte es ein Leben zu retten. In der Haustür trafen sie mit den uniformierten Polizisten zusammen, die ihnen empfahlen, Frau Berger nicht aufzuregen und sie, wenn möglich, ins Bett zu bringen.
„Petra! Mensch, was ist los? Wo ist der Kurt? Liegt er noch auf dem Küchentisch?“
Petra winkte mit schlaff erhobener Hand ab. „Nein Gott sei Dank! Die haben ihn schon abgeholt - in einem schwarzen Sarg! Stell dir das vor, Helen!“
Während Fred in die Küche ging, um den ‚Tatort’, wie er grinsend sagte, zu besichtigen, hockte sich Helen zu Petra auf die Couch und hielt ihre Hand fest.
„Armes Ding! Was der Kerl dir alles zumutet! Wie geht es dir? Soll ich dir was bringen?“
Sie wusste nicht, ob sie etwas wollte, fühlte sich leer und einer neuen Ohnmacht nahe.
„Nein, nichts. - Ich hab’ ihn nicht umgebracht, Helen! Der Jeans-Polizist ist sich ganz sicher! Wirklich nicht! Selbst dafür war ich zu blöde; der Kerl hat sich einfach so aus dem Staub gemacht. Nicht einmal die Küchenlampe hat er vorher fertig gemacht. Haut einfach ab, das Ekel.“
„Wieso ‚nicht umgebracht’? Hattest du so was vor? Sag bloß, du wolltest ihn wirklich ...“
„Quatsch! Ist mir nur so raus gerutscht! Nein, nein! War ein blöder Scherz. Jedenfalls war er wohl wirklich schwer herzkrank und wir haben es alle nicht geglaubt.“
„Soll ich die Lampe fertig machen?“, rief Fred aus der Küche.
„Oh ja! Mach das, Fred! – Halt! Aber mach vorher die Sicherung raus! Einer genügt! Und stell das Fenster weit auf, hörst du?“
„Ich denke, es war ein Infarkt?“, fragte Helen erstaunt.
„Schon, aber ... Könnt ihr vielleicht einen Küchentisch gebrauchen, Helen? Für den Keller oder so?“


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Ralph Ronneberger
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Hallo Eduard,

dein "Perfekter Plan" ist nicht nur perfekt geplant, sondern auch geschrieben worden. Ein echter Breimann. Zu lang? Klar, vielleicht fände man hier oder da etwas zu Kürzen, aber ist es dann noch stimmig? Ist halt dein Stil. Und der muß so sein. Ich habe mich jedenfalls richtig amüsiert und schmunzelnd registriert, wie "Pingelkopp Kurt" immer mehr zum Ekel verkommt. Allerdings möchte ich mit der flatterhaften und leicht beschränkten "Nur-Hausfrau" Petra auch nicht verheiratet sein. Obwohl man ihr Handeln versteht, ja - sogar nachvollziehen kann, kam nie so etwas wie echte Sympathie für sie in mir auf. War das Absicht?
Ich wünschte mir und vor allem dir, daß es hier noch mehr Kommentare gibt. Na ja - abwarten. Beim fremden Land ist der Knoten ja schließlich auch noch gerissen.

Beste Grüße aus dem vereist-verschneiten Spreewald von
Ralph

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Breimann
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Lieber Ralph,
leider krankheitsbedingt, eine sehr späte Reaktion von mir.
Ich freue mich, dass ich meinen "Breimann-Stil" gefunden und gehalten habe. Das ist, bei fehlendem Zuspruch, gar nicht möglich. Aber es hat ja immer wieder Bestätigung gegeben – auch und besonders von dir. Ich beschreibe zu gerne die so unwichtigen Kleinigkeiten, mag Verläufe gerne in Einzelheiten darstellen. Ach ja, und da ich diese „Zufälle“ eigentlich ein wenig satirisch angelegt hatte, war eine gewisse Distanz, eine leicht ironische Betrachtung der Proteges tatsächlich gewollt. Du weißt - z. B. aus "Ein fremdes Land" - dass ich die Hauptfigur sonst mit Vergnügen sympathisch mache – und das auch beherrsche.
Zur Resonanz: Die hat, besonders bei den Erzählungen, die natürlich etwas länger geraten, in der LL sehr nachgelassen. Ich poste hier deshalb nur noch ungern.
Liebe Grüße aus dem warmen Rheinland (aktuell 13, 5 Grad)
Eduard

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