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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Eine Badewanne voll Cappuccino
Eingestellt am 09. 01. 2008 00:41


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Lupa
Hobbydichter
Registriert: Jan 2008

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Der Titel könnte Anlass zu Spekulationen geben. Aber nein, ich kreiere keinen neuen Badezusatz, um etwa die alternde Haut zu straffen, zu tönen oder sonst irgendwie dem Geschmack und den AnsprĂŒchen der heutigen Gesellschaft anzupassen. Auch handelt es sich hierbei um keine wissenschaftliche Untersuchung, um herauszufinden, wieviel Koffein der Mensch ĂŒber die Haut aufnehmen kann oder gar um eine Wette, wieviel Cappuccino ein Mensch in der Badewanne liegend mit aller Gewalt trinken kann.
Nichts dergleichen, es geht hier nur um eines dieser Ereignisse, die immer nur mir passieren.
Es begann ganz harmlos, soweit in meinem Leben etwas harmlos beginnen und auch noch verlaufen kann. Ich reiste im FrĂŒhjahr mit einer Freundin fĂŒr drei Wochen nach Indien und könnte Sie natĂŒrlich stundenlang mit unseren Reiseerlebnissen und Fotos unterhalten oder auch langweilen. Je nachdem, wieviel Interesse Sie fĂŒr Indien aufbringen.
Der Flug war ganz o.k., keine nennenswerten ZwischenfĂ€lle, die Ankunft in Delhi bei Nacht ein beeindruckendes Erlebnis. Auch die ĂŒbrige Reise ĂŒberstand ich ohne grĂ¶ĂŸere Blessuren, sieht man von dem Sturz auf das linke Knie bei Ankunft im ersten Hotel einmal ab. NatĂŒrlich schmerzte das Knie wĂ€hrend der nĂ€chsten drei Wochen, aber solche Dinge bin ich gewohnt, die nehme ich hin wie Naturereignisse. Auch einen weiteren Sturz, dieses Mal in die Hinterlassenschaft einer dieser allgegenwĂ€rtigen heiligen KĂŒhe, konnte mir die Reise nicht wirklich vermiesen. Die Inder meinten, das bringe GlĂŒck bzw. Geld. Allerdings warte ich noch heute darauf, auf beides. Aber das nur am Rande bemerkt.

Wir flogen auch einige Male im Inland, Indien ist ein riesiges Land, und wir wollten zumindest vom nordwestlichen Teil eine gehörige Portion kennen lernen. Leider war mein Koffer bereits am zweiten Tag den Strapazen und rohen KrĂ€ften der indischen MĂ€nner nicht gewachsen und weigerte sich standhaft, alle seine Schlösser – vier an der Zahl – geschlossen zu halten. Eines der beiden, die fĂŒr die Sicherheit der Seitenteile zustĂ€ndig waren, sperrte stĂ€ndig sein Maul auf, abwechselnd mal das linke, mal das rechte. Aber mit einem netten bunten Gurt hatte ich das Problem schnell im Griff, will heißen, ich verlor nichts vom Kofferinhalt. Dieser bunte Riemen brachte zudem noch den Vorteil, daß ich mein GepĂ€ckstĂŒck auf dem Förderband wenigstens gleich erkannte.

Auf einem dieser InlandsflĂŒge geschah es dann. Wir waren die einzigen EuropĂ€er inmitten lauter Einheimischer, die auf dem kleinen Flugplatz gelandet waren. Es war brĂŒtend heiß, die Ventilatoren quirlten den heißen Mief mĂŒde und verdrießlich ein wenig durcheinander und wir hatten mehr als zwei Stunden VerspĂ€tung, weil der Flieger auf dem letzten Flugplatz nicht starten konnte. Wegen der großen Hitze war die Bereifung seiner RĂ€der weich geworden und musste somit erst abgekĂŒhlt werden.
Aber jetzt waren wir hier und warteten auf unsere Koffer, die dann endlich kamen. Das heißt, alle fuhren brav auf dem Band heran, nur meiner fehlte. Ich hĂ€tte ihn sicherlich sofort an seinem bunten Riemen erkannt, er war nicht da! Der Schreck fuhr mir ganz schön in die Knochen, ich brauchte meine Kleider noch! Wenigstens einen Teil davon. Was völlig logisch war, denn bei diesen Temperaturen schwitzte man ja alles mehrmals tĂ€glich durch und musste sich entsprechend oft umziehen.

Am Ende des Förderbandes blieb zum Schluss ein unförmiges Paket liegen, verpackt in einen Plastiksack, verklebt mit Paketband. Mein Koffer! Bis zur Unkenntlichkeit entstellt! Lediglich identifizierbar an dem bunten Gurt, der vage durch den Plastiksack hindurch schimmerte. Was war denn mit dem passiert? Aber zunĂ€chst blieb keine Zeit fĂŒr lange Fragen und Vermutungen, an der Anzeigetafel begann unser nĂ€chster Flugtermin bereits zu blinken und wir brachten unser GepĂ€ck inclusive meines Monsterkoffers schnellstens zur Abfertigung.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht doch einmal eine ErklĂ€rung abgegeben. Wenn man eine Reise plant – noch dazu in ein so entferntes und eher hauptsĂ€chlich aus Filmen und Reisebeschreibungen bekanntes Land – meint der eine oder die andere aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis, brauchbare RatschlĂ€ge abgeben zu mĂŒssen, was fĂŒr unterwegs nĂŒtzlich oder aber gar unverzichtbar sei. Man will es ja nicht mit jedem verderben und so nimmt man den einen oder anderen Rat eben an. Einer dieser befolgten RatschlĂ€ge war - weil sehr eindringlich geĂ€ußert - unbedingt Toilettenpapier einzupacken, und auch der, Cappuccino-Pulver mitzunehmen. Denn in den meisten Hotels stĂŒnden Wasserkocher zur VerfĂŒgung, mit deren Hilfe sich somit ein wohlschmeckendes GetrĂ€nk herstellen ließe. Dem war auch so und wir tranken auch ab und zu einmal eine Tasse davon, aber am besten schmeckte uns doch der einheimische Tee. Wir hĂ€tten das Cappuccino-Pulver getrost zu Hause lassen können und hĂ€tten nichts entbehrt!
(Weitere Erkenntnis: Auch das Toilettenpapier hĂ€tten wir nicht importieren mĂŒssen, in Indien gibt es davon genĂŒgend.)

Aber das nur am Rande, zurĂŒck zum Geschehen: Kaputter Koffer + Cappuccino-Pulver im Koffer ergibt eine Gleichung, die nichts Gutes verheißt. Durch die erneute rĂŒde Behandlung meines GepĂ€cks hatte sich der Deckel der Dose selbstĂ€ndig gemacht, ja sogar die Flucht ergriffen und das Pulver verteilte sich nicht nur im Innern des Koffers zwischen und auf meinen Kleidern, sondern stĂ€ubte auch aus dem seitlichen Schlitz, der bereits seit Beginn der Reise wegen des defekten Schlosses vorhanden war, im Flugzeug herum. Der gesamte Laderaum und natĂŒrlich auch das GepĂ€ck der ĂŒbrigen Passagiere waren in akuter Gefahr, von einer schokoladebraunen Staubschicht eingehĂŒllt zu werden. Das Personal hatte deswegen diesen Schmutzfink von Koffer in einen Plastiksack gesteckt und hermetisch mit Paketband versiegelt, um den Schaden zu begrenzen.

Auch dieser Tag nahm glĂŒcklicherweise ein Ende und wir waren endlich wieder in einem Hotel angekommen. Ich schĂ€lte mĂŒhsam meinen Koffer aus seiner Verpackung, öffnete vorsichtig die ĂŒbrigen drei Schlösser, die noch ihrer Verantwortung gerecht wurden und den Koffer zusammenhielten, und wagte einen Blick auf den Inhalt. Meine Kleider! Über und ĂŒber braun eingepudert! Aber sie rochen wenigstens gut nach Schokolade, denn es handelte sich um Schoko-Cappuccino.
So schĂŒttelte ich ein StĂŒck meiner Garderobe nach dem anderen ĂŒber der Badewanne aus, um noch zu retten, was zu retten war. Zum Schluss noch den Koffer ausgeleert und das Pulver mittels Dusche hinuntergespĂŒlt. Dachte ich mir.
Das Bad sah inzwischen auch nicht mehr sehr rein und gepflegt aus, denn trockenes Pulver verteilt sich bekanntlich sehr gut in RĂ€umen, und da ich meine Kleidung recht energisch ausgeschĂŒttelt hatte, waren die Fließen oberhalb und rund um die Badewanne von einer dichten hellbraunen Staubschicht ĂŒberzogen. Ich duschte also die WĂ€nde ausgiebig ab und dunkle BĂ€che strömten in die Wanne. Aber warum wurde diese immer voller? Warum lief die braune BrĂŒhe so langsam ab? Bei genauerem Hinschauen - jetzt schon einer Panik nahe - stellte sich heraus, sie lief ĂŒberhaupt nicht ab, ausgerechnet in der Wanne unseres Badezimmers war der Abfluss verstopft!Vielleicht waren es die AbflĂŒsse in anderen Badewannen dieses Hotels ebenfalls, was in diesem Augenblick aber völlig unerheblich war, denn bestimmt hatte nicht noch ein Gast solche Mengen von Schoko-Cappuccino oder Ă€hnlichem in seiner Wanne aufgebrĂŒht und nun MĂŒhe, dieses Zeug wieder los zu werden. Es war die Katastrophe, der Pegel stieg – ich war darauf fixiert, die WĂ€nde sauber zu spĂŒlen - und die Wanne fĂŒllte sich immer mehr mit dem zugegebenermaßen appetitlich duftenden GebrĂ€u.

Blubb, blubb, blubb: Ein paar trĂ€ge Luftblasen quĂ€lten sich aus der Öffnung, die eigentlich ein Abfluss sein sollte, als ich nun schon einigermaßen verzweifelt den Strahl der Dusche verstĂ€rkte und in diesen Bereich richtete. Es nĂŒtzte nichts, der Abfluss zeigte weiterhin hartnĂ€ckig keinerlei Neigung, etwas abfließen zu lassen. So gab ich mich geschlagen und bat telefonisch bei der Rezeption um Hilfe, natĂŒrlich ohne in die Details zu gehen,was mir erstens sehr peinlich und zweitens mangels ausreichender Sprachkenntnisse sowieso nicht möglich gewesen wĂ€re.

Der freundliche Angestellte, der daraufhin das Bad begutachtete, hörte sich mein verlegenes Gestammel höflich lĂ€chelnd an, ließ sich jedoch nichts anmerken, außer dass sich seine Augenbrauen bedenklich seinem Haaransatz nĂ€herten, nickte und holte seine Utensilien, um den Schaden zu beheben.

Ich habe keine Ahnung, was sich der nette Mann vom Zimmerservice tatsĂ€chlich gedacht hat. Ehrlich gesagt, hat es mich auch nicht wirklich interessiert. Ich kann mir schließlich nicht stĂ€ndig auch noch den Kopf zerbrechen ĂŒber die Gedanken anderer Leute, die zufĂ€llig in die ungefĂ€hr 300 Missgeschicke, die mir im Laufe eines Jahres begegnen, verwickelt sind.





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