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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Entscheidungspartie
Eingestellt am 07. 11. 2002 14:05


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visco
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Entscheidungspartie


      ┬╗So, das war┬┤s. Ich w├Ąr┬┤ dann fertig.┬ź Den Werkzeugkoffer in der Hand wandte er sich dem merkw├╝rdigen Kauz zu, der ihn in dieser stillgelegten Fabrikhalle einen Billardtisch hatte aufstellen lassen ÔÇô nicht etwa einen dieser kleinen M├╝nztische, wie man sie im Hinterzimmer einer Gastst├Ątte vorfindet, sondern ein exklusives Modell mit feinstem Tuch und offiziellen Turnierma├čen. ┬╗Ist wohl f├╝r┬┤n Fototermin?┬ź Der Monteur grinste verschmitzt. ┬╗Sch├Âne Models und so, wie?┬ź Aus der Brusttasche seines Overalls z├╝ckte er die Rechnung und hielt sie dem Kunden hin. Titus Tathoff, heute erfolgreicher Unternehmer und Teilhaber einer Technologieschmiede, tauschte das Papier ungelesen gegen ein B├╝ndel Banknoten. ┬╗Den Rest k├Ânnen Sie behalten┬ź, sagte er gedankenverloren und ging ein paar Schritte n├Ąher an das erworbene Prunkst├╝ck heran. Etwas ungl├Ąubig, dann aber doch mit freudiger Miene lie├č der Monteur das Geld in seiner Tasche verschwinden. ┬╗Tja, also wenn ich noch mal ÔÇÖwas f├╝r Sie tun kann, ...┬ź Titus nickte fl├╝chtig. Dann endlich lie├č ihn der Monteur allein. Fr├╝hsommerliche Sonnenstrahlen fielen durch eingeworfene Sprossenfenster, und von irgendwoher waren die Fl├╝gelschl├Ąge einiger V├Âgel zu h├Âren, als der Lieferwagen davonbrauste.
      Titus verharrte bewegungslos an Ort und Stelle. Sein Blick haftete an dem gr├╝nen Tuch und den farbigen Kugeln. Das Szenario einer offenen Feldschlacht, nachgestellt mit runden Zinnsoldaten in bunten Uniformen. Elf Gewinnspiele, neun Kugeln, ein Sieger. Zu bezwingen galt es niemand Geringeren als Roman Posch, damals eine bekannte Gr├Â├če im europ├Ąischen Poolbillard, so wie er selbst. Nie zuvor hatten sie sich in einem Finale gegen├╝ber gestanden, bis zu jenem denkw├╝rdigen 13. Juni. Sein halbes Leben lag das nun zur├╝ck, durchaus gute Jahre, in denen aus einem ├╝berheblichen Hei├čsporn ein gut verdienender Gesch├Ąftsmann wurde, und doch nicht lange genug, um die Erinnerung an diesen einen Tag verblassen zu lassen.

      ┬╗Hey, Titus! Tolles Spiel!┬ź, rei├čt ihn eine unbekannte Stimme aus seinen Gedanken. Gesichter, die er nicht gleich zuordnen kann, umringen ihn. Fremde H├Ąnde klopfen ihm auf die Schulter, als er sich seinen Weg nach drau├čen bahnt, vorbei an den Zuschauerr├Ąngen. Andere Partien sind noch in vollem Gange. Auf der Anzeigetafel erlischt das Ergebnis seiner Begegnung und wird durch ein neues ersetzt. Geschafft. Eine Runde weiter. Sein Gegner im Viertelfinale ist noch nicht ermittelt. Olssen oder van Bruiken, beides Spitzenspieler. Besonders van Bruiken hatte ein starkes Jahr. Drei Turniersiege, amtierender niederl├Ąndischer Meister im 9-Ball. Ob er sich aber gegen Olssen durchsetzen kann, diesen brillianten Techniker mit gutem Sicherheitsspiel, das wird sich zeigen.
      An den Infost├Ąnden und vor dem Turnierplan im Vorraum der Sporthalle dr├Ąngt sich eine bunte Menge aus Billardsportinteressierten und von den Plakaten in der Umgegend Angelockten. Dazwischen dickb├Ąuchige Repr├Ąsentanten verschiedener Fachverb├Ąnde und einige der Teilnehmer mit ihren Angeh├Ârigen. Drau├čen auf dem Vorplatz das gleiche Bild. Nur der Ger├Ąuschpegel ist deutlich h├Âher. Der Geruch von Grillkohle und verdampfendem Fett liegt in der Luft. Dank des sch├Ânen Wetters haben die Essensst├Ąnde und Getr├Ąnkebuden gut zu tun. Zu aktuellen Musiktiteln aus ├╝berdimensionierten Lautsprechern werden Billardartikel feilgeboten, vom n├Âtigen Equipment ├╝ber mehr oder minder sinnvolles Zubeh├Âr bis hin zu allerlei Alltagsg├╝tern mit Billardmotiven.
      Auf den Holzb├Ąnken vor dem Bierzelt herrscht eine ausgelassene Stimmung. Einer seiner Gegner aus der Vorrunde prostet ihm anerkennend zu. Andere fachsimpeln ├╝ber gesehene Partien oder streiten ├╝ber die Spielst├Ąrke namhafter Poolspieler, manche schlie├čen Wetten ├╝ber den Ausgang des Turniers ab. Zwei Namen fallen immer wieder: Roman Posch und seiner.
      ┬╗Eine wirklich ├╝berzeugende Darbietung. Kompliment, Titus, nur weiter so.┬ź Am Pr├Ąsidenten des nationalen Billardverbands geht man nicht einfach vorbei. Das angebotene Getr├Ąnk lehnt Titus h├Âflich ab. Ein paar lobende Worte ├╝ber den Ausrichter und das variantenreiche Spiel des gerade Besiegten geh├Âren zur Pflicht und lassen zufriedene Mienen zur├╝ck.
      Auf dem Parkplatz steuert er zielstrebig seinen Wagen an. Die Fahrert├╝r steht offen. Sabines F├╝├če baumeln aus der heruntergelassenen Seitenscheibe, und Titus ahnt bereits, in wessen Scho├č ihr Kopf ruht, noch bevor er Roman direkt in die Augen blickt.
      ┬╗Na endlich!┬ź, st├Âhnt Sabine, als sie ihn bemerkt, aber selbst in seiner Gegenwart macht sie keine Anstalten, eine andere Position einzunehmen. ┬╗Bitte sagÔÇÖ mir, da├č Du verloren hast und wir nach Hause fahren k├Ânnen.┬ź
      ┬╗Tja, ich denke, ich werdÔÇÖ dann mal wieder┬ź, bleibt Roman gelassen und steigt aus. Neben Titus h├Ąlt er kurz inne. Kameradschaftlich klopft er ihm auf die Schulter, erntet daf├╝r aber nur einen abf├Ąlligen Blick.
      ┬╗Wir sehen uns im Finale. Wenn Du es bis dahin schaffst, hei├čt das┬ź, gibt Titus ihm noch mit auf den Weg. Dann steigt er zu Sabine in den Wagen.
      ┬╗Und bevor Du fragst, es war nichts, okay?!┬ź, l├Ą├čt sie ihn augenblicklich wissen.  ┬╗Ich habÔÇÖ nichts gesagt.┬ź  ┬╗Aber gedacht. Das denkst Du doch immer!┬ź  ┬╗Nur, wenn ich Grund dazu habe.┬ź  ┬╗Und das nennst Du also einen Grund, ja? Da├č ich mich nicht zu diesen ganzen Verr├╝ckten setze, die nichts als Billard im Kopf haben, und da├č mir vielleicht langweilig ist, auf die Idee kommst Du wohl nicht?!┬ź  ┬╗Du h├Ąttest zusehen k├Ânnen. Ich habÔÇÖ gut gespielt.┬ź  ┬╗Na klasse! Zugucken, wie zwei Jungs mit Murmeln ÔÇÖrumknickern. Echt aufregend!┬ź  ┬╗Poolbillard ist ein Sport. Wir knickern nicht. Und ich z├Ąhle zuf├Ąlligerweise zu den Besten. Ich habe vor, dieses Turnier zu gewinnen, und es w├Ąre sch├Ân, wenn Du mich dabei wenigstens ein bi├čchen unterst├╝tzen k├Ânntest!┬ź  ┬╗Pah! Zuf├Ąlligerweise geh├Âre ich zu den Besten, und ich habe vor, das Turnier zu gewinnen┬ź, ahmt sie ihn mit qu├Ąkender Stimme nach. ┬╗Und wenn Du es gewonnen hast, was dann? Welches Turnier ist dann so wichtig, da├č das ganze verdammte Wochenende dabei draufgeht, heh? Und was ist mit mir? An welcher Stelle komme ich?┬ź  ┬╗Von dem Preisgeld k├Ânnten wir zum Beispiel in Urlaub fahren, nach Italien oder vielleicht ans Mittelmeer. Dahin wolltest Du doch immer.┬ź  ┬╗Dann la├č uns gleich fahren, hm?┬ź, sie legt ihre Hand auf seine, ┬╗... egal wohin, einfach nur weg, die Sonne auf der Haut sp├╝ren und sich den Wind durch die Haare wehen lassen, Arm in Arm ├╝ber Wiesen schlendern und den Tag genie├čen, nur Du und ich.┬ź  ┬╗Was, gleich jetzt?┬ź  ┬╗Ja, jetzt sofort. Was hindert Dich?┬ź  ┬╗Ich kann jetzt nicht weg! Ich stehÔÇÖ im Viertelfinale!┬ź  ┬╗Na und?┬ź  ┬╗Was hei├čt hier na und? Bist Du verr├╝ckt? Ich kann doch jetzt nicht einfach abhauen! Noch zwei Spiele, und ich stehÔÇÖ im Finale! Wei├čt Du eigentlich, was das hei├čt? Das ist hier nicht irgendeine Dorfveranstaltung!┬ź Sabine zieht ihre Hand wieder zur├╝ck und senkt den Kopf. ┬╗Roman w├╝rde. Hat er gesagt.┬ź  ┬╗Roman w├╝rde was?┬ź  ┬╗Mich nicht hier alleine sitzen lassen. Und soll ich Dir ÔÇÖwas sagen? Ich w├╝rde mit ihm gehen!┬ź

      Der pl├Âtzliche Stich in der Magengrube war so heftig, da├č Titus sich vor Schmerzen kr├╝mmte. Schwei├č brach ihm aus und ├╝berstr├Âmte seinen ganzen K├Ârper. Hastig kn├Âpfte er sich den Kragen auf und lockerte die Krawatte. Noch immer nach Luft ringend stolperte er vorw├Ąrts bis zum Tisch. Er mu├čte sich abst├╝tzen, um nicht in die Knie zu gehen. Die Augen weit aufgerissen starrte er auf eine der Kugeln, die einmal f├╝r so viel mehr gestanden hatten als nur ein Spiel. Da packte ihn die Wut, und mit einem m├Ąchtigen Hieb fuhr er achtlos durch das Abbild geschlagener Schlachten, da├č trotz der begrenzenden Bande einer der Spielb├Ąlle vom Tisch geschleudert wurde.

      Ein Raunen geht durch die Halle. ┬╗Drittes Foul, Spiel Tathoff. Neuer Spielstand ... drei zu zwei Posch. Game Tathoff. Mister Posch leads three games to two┬ź, verk├╝ndet der Schiedsrichter nach Romans drittem regelwidrigen Sto├č in Folge. Der Spielverlust bringt Titus wieder bis auf ein Spiel heran. Neun weitere trennen ihn vom Sieg. Der Beginn dieses mit Spannung erwarteten Finales ist von gro├čer Nervosit├Ąt auf beiden Seiten gepr├Ągt. ┬╗Quiet, please.┬ź Hunderte von Zuschauern verstummen schlagartig und beobachten Titus, der gerade zum Ansto├č der n├Ąchsten Partie ansetzt. Die Anspannung aber auch sein Siegeswille stehen ihm ins Gesicht geschrieben.
      Die farbigen Kugeln sind zu einem Rhombus aufgebaut. Mit Wucht trifft der wei├če Spielball auf den Pulk und sprengt ihn auseinander. Die B├Ąlle jagen ├╝ber den Tisch, werden von der Bande zur├╝ckgeschleudert, kollidieren miteinander, und zwei Farbige gehen in die Tasche. Kurzer Applaus von den R├Ąngen, dann ist wieder Stille. Titus wechselt das Queue. Sorgf├Ąltig kreidet er die Spitze und studiert dabei die Lage der Kugeln. Die Reihenfolge ist vorgegeben. Er geht ein paar Schritte am Tisch entlang. Und zur├╝ck. Ab und zu beugt er sich bis dicht ├╝ber das Tuch herunter. Jetzt setzt er zum Sto├č an. Mehrmals schwingt er das Queue, bevor die lederne Pomeranze auf die Wei├če trifft und sie quer ├╝ber den Tisch schickt. Die angespielte Gelbe verschwindet in der Ecktasche. Verhaltener Beifall. Wieder pr├╝ft Titus die Stellung. Er wei├č, da├č jede Ablage stimmen mu├č, will er mit jedem Sto├č eine Kugel versenken und damit am Spiel bleiben; bei einem Fehler m├╝├čte er die Aufnahme an Roman abgeben. Er zielt. Und locht. Kugel um Kugel. Von Nervosit├Ąt keine Spur mehr. Endlich zeigt Titus, was er kann. Roman ist zum Zusehen verurteilt, w├Ąhrend Titus bereits auf die letzte verbliebene ÔÇô die gelbgestreifte ÔÇ×9ÔÇť ÔÇô ansetzt ... und sicher senkt.
      ┬╗Herr Tathoff gleicht aus┬ź, ert├Ânt die Stimme des Schiedsrichters. ┬╗Neuer Spielstand ... drei beide. Game Tathoff. Three games all.┬ź

      ┬╗NEEEIIIIIIN!!!┬ź, brach es nun aus Titus heraus. L├Ąngst war es dunkel geworden, und der Regen suchte sich seinen Weg durch das undichte Dach der alten Halle. Ein paar aufgeschreckte Tauben flatterten auf. Und kamen wieder zur Ruhe. Titus sackte in sich zusammen. Er konnte den Film, der vor seinem inneren Auge ablief, nicht anhalten. Vergebens w├Ąlzte er sich auf dem na├čkalten Steinboden und pre├čte sich die H├Ąnde an die Ohren.

      ┬╗Herr Posch nimmt eine Auszeit┬ź, t├Ânt es ├╝ber die Lautsprecher. ┬╗Das Spiel wird f├╝r zehn Minuten unterbrochen. Time out by Mister Posch. The match will be continued in ten minutes.┬ź
      Titus nimmt auf seinem Stuhl Platz, trinkt etwas, und mit einem Tuch f├Ąhrt er ├╝ber das Oberteil seines Queues. Aus den Augenwinkeln sieht er seinen Kontrahenten durch die Absperrung und aus der Halle gehen. Viele Spieler nutzen die Auszeit als taktisches Mittel, um den Gegner aus dem Rhythmus zu bringen. ÔÇÜIch werde ihn schlagenÔÇÖ, spornt Titus sich selber an, ÔÇÜich werde Dich besiegen, Du elender, mieser Hund! Nicht mal ein Wunder kann Dich jetzt noch retten!ÔÇÖ
      Die Minuten vergehen wie Stunden, Sekunden werden zu einer Ewigkeit. Titus st├╝tzt seinen Kopf auf und schlie├čt die Augen. Unter den Zuschauern braucht er nicht nach ihr zu suchen. Er wei├č, da├č sie nicht da ist, nicht mitfiebert, wie andere es tun, sondern nur darauf wartet, da├č es endlich vorbei ist. Sie versteht eben nicht, da├č es hier um mehr geht als nur einen weiteren Turniersieg, irgend eine Meisterschaft oder ein hohes Preisgeld. Um weit mehr.
      Die Ger├Ąuschkulisse nimmt zu. Das Publikum wird zunehmens unruhiger. Die Turnierleitung diskutiert mit anderen Offiziellen. Einer deutet auf die Uhr und gestikuliert Unverst├Ąndliches. Ein Dickb├Ąuchiger reagiert mit Achselzucken. Die Zeit ist l├Ąngst ├╝berschritten, und noch immer keine Spur von Roman Posch. Ratlosigkeit. Dann allgemeines Kopfnicken unter den Offiziellen. Man ist sich einig. N├╝chtern verk├╝ndet der Schiedsrichter die gef├Ąllte Entscheidung. ┬╗Spiel, Satz und Sieg Tathoff. Game, set and match Tathoff.┬ź
      Unf├Ąhig zu einer Reaktion verharrt Titus auf seinem Platz. Der Beifall und die Unmutsbekundungen entt├Ąuschter Zuschauer vermischen sich zu einem lauten Get├Âse. Der Schiedsrichter gratuliert als Erster. Blitzlichter gehen. Eine Menschentraube nimmt Titus in ihre Mitte. Alle reden durcheinander. Jemand greift zum Mikrophon und h├Ąlt eine Ansprache. Dann wird Musik gespielt. Die R├Ąnge leeren sich. Endlich fa├čt Titus die Kraft und steht auf. H├Ąnde werden gesch├╝ttelt. Jeder will gratulieren oder ihm auf die Schulter klopfen. Die Menschentraube geleitet ihn bis zum Siegertreppchen. Der Drittplazierte, die Sponsoren, Turnierleitung und Veranstalter stehen schon bereit. Die Musik verstummt. Jemand ruft Titus zum Sieger des Turniers aus. Von Beifall begleitet steigt Titus auf dem Treppchen ganz nach oben. Ein korpulenter Mann mit Bart ├╝berreicht den Siegerpokal. Einer der Sponsoren h├Ąndigt Titus einen ├╝berdimensional gro├čen Scheck aus. Wieder werden H├Ąnde gesch├╝ttelt. Links unterhalb von Titus nimmt der Drittplazierte seinen Platz ein. Auch er erh├Ąlt einen Pokal. An der Stelle des Zweitplazierten bleibt das Treppchen frei. Gruppenfoto. Niemals hat Titus sich einsamer gef├╝hlt oder so betrogen. Dann ert├Ânt die Nationalhymne.

      Inzwischen war es dunkel geworden. Und merklich k├╝hler. In den Unebenheiten des Bodens hatten sich Pf├╝tzen gebildet. Das marode Dach knarrte. Der b├Âig aufbrausende Wind pfiff durch Spalten und ├ľffnungen. Flatternde Plastikfolien. Quietschende Scharniere. Irgendwo ein metallisches Klirren.
      Titus brummte der Sch├Ądel. Leise aufst├Âhnend rappelte er sich hoch. Gegen den Tisch gelehnt kramte er sein Taschentuch heraus und wischte sich den Schwei├č von der Stirn. Der Kopfschmerz lie├č allm├Ąhlich nach. Titus atmete ein paar Mal tief durch. Dann machte er sich auf den Weg nach drau├čen zu seinem Wagen. Aus dem Kofferraum nahm er sein Spiel-Queue und einen Kanister und ging zur├╝ck. Das Queue legte er zu den Kugeln auf den Tisch. Dann schraubte er den Deckel des Kanisters ab und go├č den Inhalt ├╝ber dem Tisch aus. Schon bald war die Luft vom Gestank des Bezins erf├╝llt. Aus Vorsicht trat er etwas zur├╝ck, z├╝ndete ein Streichholz und warf es vor sich auf den Boden. Ein nur kurzzeitig helles Aufflammen, begleitet von dem puffenden Ger├Ąusch schlagartig verbrannten Sauerstoffs, dann schnellte ein bl├Ąuliches Gl├╝hen auf den Tisch zu. Es kroch an ihm hoch und breitete sich rasant aus. Aus den Ritzen quoll dichter Qualm, grelle Flammen z├╝ngelten ihm nach, umzogen bald den ganzen Tisch, um dann meterhoch nach oben zu schlagen. Das Holz verf├Ąrbte sich schwarz, Kunststoffteile warfen Blasen, schmolzen oder platzten ab. Es knackte und knirschte. Funken wurden wie Geschosse herausgeschleudert. Schwarzer Rauch stieg auf, in dunklen Wellen zog er an der Decke entlang und drohte alles einzuh├╝llen. Die Hitze war unertr├Ąglich. Titus nahm den Arm vorÔÇÖs Gesicht und wich immer weiter zur├╝ck. Dann ein ├ächzen und Rumpeln. Der Rahmen gab nach, und mit einem lauten Krachen fielen die schweren Schieferplatten nach unten durch. Die Beine knickten ein, und das ganze Gestell brach in sich zusammen. Glut wurde aufgewirbelt, prasselte als Funkenregen wieder zu Boden, dann wurden die Flammen ruhiger und gleichm├Ą├čiger.
      Erst im Morgengrauen war die letzte und entscheidende Schlacht geschlagen, die verzehrenden Qualen der Erinnerung endlich ├╝berwunden. Triumphierend sah Titus auf die bis zur Unkenntlichkeit verbrannten ├ťberreste des Besiegten. Dann wandte er ihm f├╝r immer den R├╝cken.

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Zefira
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Hallo visco,
Gratulation von mir! Eine der tollsten, spannendsten und farbigsten Geschichten, die ich hier bisher gelesen habe!

Hochinteressantes Milieu, atmosph├Ąrisch dicht geschildert, stimmige Charakterzeichnung, TOLL!

Mir gefallen die Wechsel zwischen den Erz├Ąhlebenen besonders. Ein Tip: eine sch├Âne Verbindung zwischen den Ebenen w├Ąre hergestellt, wenn nach dieser Stelle

>Da packte ihn die Wut, und mit einem m├Ąchtigen Hieb fuhr er achtlos durch das Abbild geschlagener Schlachten, da├č trotz der begrenzenden Bande einer der Spielb├Ąlle vom Tisch geschleudert wurde.<

das "Foul" nicht gegen Roman, sondern gegen Titus verh├Ąngt w├╝rde (falls Du Dich dazu durchringen kannst, da├č Titus ein Foul kriegt...).

An dieser Stelle
> ┬╗NEEEIIIIIIN!!!┬ź, brach es nun aus Titus heraus. Heulend sackte er in sich zusammen. <
... kommt mir der Energieausbruch etwas zu pl├Âtzlich und zu heftig. Bitte, wenigstens nicht "heulend". Das kann ich mir ├╝berhaupt nicht vorstellen. Weint er oder jault er wie ein Wolf?

Sonst Super Geschichte - nochmal Gl├╝ckwunsch von mir! Hoffentlich lesen's recht viele!

Liebe Gr├╝├če,
Zefira

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visco
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Hallo Zefira!

Zuallererst nat├╝rlich ganz lieben Dank f├╝r Dein gro├čes Lob! :-) Mit einer derartig positiven Reaktion hatte ich gar nicht gerechnet, wenn ich ehrlich bin. Ich war sehr unsicher, ob es mir gelungen ist, die Motivation des Protagonisten "Titus" f├╝r sein Tun nachvollziehbar zu schildern.
      Die mehreren Wechsel der Erz├Ąhlebene erlauben zeitliche Spr├╝nge in den R├╝ckblenden, aber auch hier war ich nicht sicher, ob sie vielleicht zu ungewollten Verwirrungen f├╝hren. Umso mehr freue ich mich, da├č meine Bef├╝rchtungen offensichtlich unbegr├╝ndet waren. :-)

Vielen Dank auch f├╝r Deine hilfreichen Tipps!
      Das Foul von "Roman", das zum Spielverlust f├╝hrt, und mit dem Titus' Erinnerung an das Finale beginnt, leitet die Wende ein. Ja, Du hast Recht, bei der ├ťberleitung vom Jetzt zur R├╝ckblende w├Ąre es 'runder', wenn Titus, der im Jetzt die Kugel vom Tisch schleudert, auch in der R├╝ckblende das Foul begeht. Ich schrieb das (wiederholte) Foul dem in F├╝hrung liegenden "Roman" zu, um die sp├Ątere Entwicklung anzudeuten. Wenn er nicht mehr zur├╝ckkehrt, so hoffte ich, wird man denken, er habe zu Beginn der Partie dar├╝ber nachgedacht und sich nicht voll und ganz auf das Spiel konzentrieren k├Ânnen. - Ich werde aber ein wenig dar├╝ber br├╝ten und es ggf. noch ab├Ąndern.
      Der Ausgleich ist neben dem Foul die zweite Schl├╝sselszene des Finales. Im Jetzt wei├č "Titus" bereits, da├č es nach dem Gleichstand keine weitere Partie mehr geben wird. Ihm wird zwar der Turniersieg zugesprochen, aber er hat seinen Gegner nicht wirklich geschlagen. Dar├╝berhinaus ist zu vermuten, da├č er seine Freundin an "Roman" verloren hat. Seine Reaktion ist eine Mischung aus Wut und Verzweiflung. ┬╗Heulend ...┬ź ist tats├Ąchlich etwas ungl├╝cklich gew├Ąhlt. Ich danke Dir f├╝r den Hinweis. Wie w├Ąre es statt dessen mit ┬╗Kraftlos sackte er in sich zusammen.┬ź? Oder hast Du einen anderen Vorschlag?

Liebe Gr├╝├če,
      Viktoria

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Zefira
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"Kraftlos" ist es auch nicht, liebe visco...
Die Geschichte geht dann ja so weiter, da├č er sich am Boden w├Ąlzt und die H├Ąnde auf die Ohren pre├čt. Wenn ich mir das bildlich vorstelle, habe ich das Bild eines Energieschubs, der sich in Titus' Innern verhakt und sich keine Bahn nach au├čen schaffen kann... Dann ist er nicht kraftlos. Vielleicht eher "hilflos"? Du k├Ânntest auch einfach setzen: "Er sackte in sich zusammen"...

F├╝r mich war ├╝brigens ganz klar, da├č Roman nicht wiederkam, weil er sich mit Titus' Freundin davongemacht hat. Das hast Du geschickt angedeutet, und mir gef├Ąllt sehr, da├č es nicht direkt ausgesprochen wird.

Meine "10" ist im Rohr; wenn wir den kleinen Holperer mit Titus' Zusammensacken rauskriegen (vielleicht hat ja noch jemand anders eine Idee?), schicke ich sie ab

Zefira


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visco
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Hallo Zefira!

Ich habe die betreffende Textstelle jetzt wie folgt abge├Ąndert:

quote:
┬╗NEEEIIIIIIN!!!┬ź, brach es nun aus Titus heraus. L├Ąngst war es dunkel geworden, und der Regen suchte sich seinen Weg durch das undichte Dach der alten Halle. Ein paar aufgeschreckte Tauben flatterten auf. Und kamen wieder zur Ruhe. Titus sackte in sich zusammen. Er konnte den Film, der vor seinem inneren Auge ablief, nicht anhalten. Vergebens w├Ąlzte er sich auf dem na├čkalten Steinboden und pre├čte sich die H├Ąnde an die Ohren.
Was h├Ąlst Du davon?

Lieben Gru├č,
      Viktoria


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Zefira
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So ist es wirklich besser.

Ich habe es eben noch mal ganz gelesen und bin von neuem beeindruckt. Die ganze Atmosph├Ąre, die ├ťberg├Ąnge zwischen den Zeitebenen... "Bitte sag mir, da├č du verloren hast." Das kommt wie eine kalte Dusche.

Gro├čartige Geschichte. Also ab mit der 10, die sollte auf die Bestenliste kommen!
War ein toller Neueinstieg f├╝r mich nach der Lupenpause
Liebe Gr├╝├če,
Zefira

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