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Leselupe.de > Erzählungen
Erinnerungen
Eingestellt am 08. 05. 2002 19:25


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Freeda
Autorenanwärter
Registriert: May 2002

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Erinnerungen

Manchmal (und gern) erinnere ich mich an meinen ersten Kuss, der so warm und weich und von kurzer Dauer war, aber dennoch so intensiv, wie keiner später.
Dieser zarte, vorsichtig hingehauchte Kuss kam von einem Jungen aus der Nachbarschaft, der so gro√ü war (obwohl nur unbedeutend √§lter als ich), dass ich zu ihm aufschauen musste; erster Bartflaum spross √ľber seiner Oberlippe, und er hatte rotblondes Haar.
Wir waren beinahe noch Kinder, und wir verbrachten, wie die meisten Kinder unserer Straße, die Nachmittage zusammen, spielten Tischtennis und Federball oder dachten uns Spiele aus.
Der Kuss kam √ľberraschend, spontan, nicht geplant; ich befand mich im Haus und der Nachbarsjunge drau√üen, das Fenster zwischen uns weit ge√∂ffnet, Sommerm√ľcken einladend. Ich kann mich nicht erinnern, warum ich in seinem Zimmer stand und er im Garten, vielleicht war es ein Spiel. Er lehnte sich √ľber die Fensterbank und hielt mich fest und zog mich zu sich heran, wobei ich mich ein wenig zierte, denn pl√∂tzlich ahnte ich sein Vorhaben, und ich wusste nicht, was ich davon halten sollte.
Er war ein R√ľpel mit allerlei Flausen im Kopf (obwohl er so wundersch√∂n Klavier spielen konnte, und bis dahin dachte ich, dass ein Mensch, der Klavier spielen kann, nie etwas Unrechtes im Sinn hat); er legte Dornen auf die Strasse in der Hoffnung, ein Auto (oder wenigstens ein Fahrrad) f√ľhre sich daran einen Reifen platt, er bewarf den Kater von nebenan mit Steinen, bis der schreiend floh, oder er setzte zum Zwecke der Vertreibung irgendwelcher Viecher aus dem Garten gleich das Luftgewehr ein; und er flog von verschiedenen Schulen (was nicht verwunderte), bis er irgendwann im Internat landete und ich ihn aus den Augen verlor.
Aber in diesem Augenblick war er z√§rtlich, obwohl er meine Arme packte, und ich zierte mich nicht l√§nger, schloss die Augen, hielt ihm mein Gesicht entgegen in Erwartung des Kusses; bislang nicht mehr als ein Nachbarsjunge, doch pl√∂tzlich irgendwie anders, ber√ľhrte er meinen Mund mit seinem Mund; und dieser kurze Moment war wie ein Stromsto√ü; ein Gef√ľhl, so unglaublich sch√∂n und neu und atemberaubend, dass ich eine Weile einfach so stehen blieb.
Und als ich die Augen wieder öffnete, war der Junge fort, und mir schien, als hätte ich geträumt während eines kurzen Moments des Schlafes.
Ich kletterte √ľber die Fensterbank hinaus in den sommerlichen Garten, lief um B√§ume und B√ľsche herum, weil ich dachte, der Nachbarsjunge verstecke sich. Und als ich auf die andere Seite des Hauses kam, stand er dort und wartete auf mich und grinste frech.
Er zeigte mir, wie man Mofa f√§hrt, und an sch√∂nen Tagen fuhren wir zum nahen Wald, setzten uns auf eine Bank, schauten die B√§ume an und k√ľssten uns.
Doch der Zauber des allerersten Kusses war verflogen.
Nur manchmal, wenn ich an dieser Bank vor√ľberkomme, die noch immer dort im Wald steht, verwittert inzwischen, dann denke ich an den ersten Kuss und sp√ľre ihn, als w√§re er gar nicht lange her; und ich frage mich, was wohl aus dem Nachbarsjungen geworden sein mag.
Diesem z√§rtlichen R√ľpel.

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