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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Erntedank
Eingestellt am 26. 12. 2007 21:41


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Limba
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2007

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Tag und Nachtgleiche, ein starkes Symbol, die Zeit schwebt scheinbar schwerelos im Gleichgewicht, halb Tag, halb Nacht und doch ein Wendepunkt. Zeitenwende!
So oder so, wohin die Welt sich wenden muss, hin zum Licht, zu Sommer und Frucht im FrĂŒhling, oder wie jetzt, im September, dem Winter zu. In Schlaf und Frost versinkt nun bald das Leben, dass vor einem halben Jahr gerade erst geboren. Im FrĂŒhling erst!
Blauer Himmel und gelbe Erde tanzten wie in jedem Mai ihren Hochzeitsreigen, zeugten abertausend Kinder allerorten. Doch schien mit Kraut und Busch und Baum all ihre Phantasie verbraucht, ein jedes ihrer Kinder steckten sie in grĂŒne Kleider.
Vielleicht ist GrĂŒn nur deshalb eine Wohltat fĂŒr das Auge, weil jedes Elternteil zu gleichem Part seine Farben beigemischt, in Harmonie gezeugt, lebt alles GrĂŒn immer nur den Frieden.
Fad wird es im September, Oliv, gemahnt mit braunem Gelb und mattem Himmelsblau an das bald schon sterbende Jahr.
Doch bÀumt sich alter Saft und gutes Leben noch einmal auf in Gold und Rot, als ob das Blut der WÀlder wie im Gebet zur Sonne strebte, wenn mit den goldnen Tagen des Oktobers alles Blendende darin erstirbt.
Noch hÀngt Blatt an Blatt in stolzer Pracht, doch wartet nur! Der Herbst blÀht in den Bergen schon die Backen.
Vergebens ist alle Hoffnung, alles Halten, nicht der Tag, die NÀchte werden lÀnger.
Die Zeit der Besinnung und des Dankes steht nun an und wehe wer nicht gut versorgt aus den Tagen des Erntens in die ZĂ€sur der langen NĂ€chte geht.
Der Mensch hört gern auf seinen Bauch, er schlĂ€ft erst ruhig, wenn die Speisekammer voll ist bis zum Rand, so hĂ€ngt er WĂŒrste in den Rauch, hortet gutes Korn und mancher KĂ€selaib wird hundertmal gesalzen.
Endlich ist es vollbracht, wie schön das klingt in alter Sprache! Voll bracht? die Kammer! Voll Pracht? Die dichte Reihe draller Schinken!
Dank reicher Ernte kann der kommende Winter nicht schrecken.
Erntedank steht vor der TĂŒr!
Die Herrschaft rĂŒstet zum Fest!
Von fröhlichen GesÀngen begleitet, ziehen die MÀdchen und jungen Burschen am Vortage des Festes hinaus auf die Kirchwiese. Tische und BÀnke werden in die Buden gestellt, mit bunten Girlanden bekrÀnzen sie KoppelzÀune und WÀnde, hÀngen Laternen an die StÀmme und stellen Puppen aus Stroh an den Weg.
Bis ganz zuletzt bleiben die bunten BĂ€nder liegen, doch es hilft nichts, sie mĂŒssen hinauf in die Zweige der Pappeln.
Kichernd und drucksend schieben die MĂ€dchen immer eine die andere vor, bis sich endlich eine traut. Die Zweige locken hoch und die MĂ€nner mĂŒssen die Leitern halten.

Traut es euch, MĂ€dchen, wir halten die Leiter,
leicht seid ihr, MĂ€dchen, klettert heiter,
schön seid ihr, MÀdchen, macht ruhig weiter,
wir sehen, MĂ€dchen, zum Fuß der Leiter.

So singen die Burschen. So schwören sie! Nie und nimmer wĂŒrden sie nach oben schauen, nimmer und nie.
Kichern wird Lachen und Drucksen zu Kreischen, die MÀdchen aber halten sich an den schwankenden Leitern fest, statt die Röcke zusammen und es macht ihnen nichts aus.
Die frechsten von ihnen wackeln sogar etwas mehr mit dem Hinterteil, als die Balance erzwingt, pfeffern schließlich alles hinab in die lachenden Gesichter der Kerle, die ĂŒberall hinschauen, nur nicht weg.
Schade, dass der Pastor dabei ist, den Festschmuck zu segnen, da bleibt bei aller Fröhlichkeit der Anstand gewahrt, vielleicht auch das Ärgste verhĂŒtet.
So aber kommen sie alle unbeschadet zu ihren MĂŒttern zurĂŒck, die den Töchtern den lockeren Spaß von Herzen gönnen, schließlich zogen sie FrĂŒher selber gar zu gerne hinaus, bevor sie unter die Haube kamen. Ja FrĂŒher

Erntedank auf Leuben ist in der ganzen Gegend berĂŒhmt.
Dann endlich, der Tag ist da!
Die Herrschaft ist sich nicht zu schade, an diesem Tag mit dem gemeinen Volk am selben Tisch zu sitzen und die lÀndlichen TÀnze zu tanzen.
GnÀdig ist der Herr und voller Melancholie, das ist seine Art.
GnÀdig ist die Messe auf freiem Feld, gnÀdig kurz.
Auch mit dem anderen kommt man gut voran, die Kuchenberge schmelzen, wie Schnee in der Sonne, der junge Ochse, seit Stunden am Spieß, geht auch den Weg alles Irdischen, etwas frĂŒher vielleicht, als von der Natur vorgesehen, aber schließlich muss diesen Weg jeder gehen, auch König und Papst, und sei es durch den Bauch einer Made.
So denkt der Herr, mit der Hand an der Wange.
Das Rindvieh eignet sich aber wirklich hervorragend, um in einem Atemzug mit FĂŒrst und PrĂ€lat genannt zu werden, es wird als großes Tier geboren, manches, wie der Ochse, zum Zölibat verdammt, immer aber dafĂŒr gemacht, sich vor den Karren zu spannen. Doch nicht nur beim Ochsen muss man meistens feste draufhauen, bevor solch ein störrisches Vieh zu nĂŒtzlicher TĂ€tigkeit zu bewegen ist.
So ist er nicht, der Herr.
Doch an den Weg alles Irdischen denkt außer ihm niemand. Wie auch, wenn das Leben lockt. Fiedeln und Flöten, Dudelsack und Schallmai, Trommel und Brummtopf, spielen keinen Trauermarsch!
Die Weiber aus dem Dorf tanzen an den Tisch heran, nehmen die Herrin an die Hand und ziehen sie mit in ihren Kreis.
Der Herr aber schaut ihnen nach.
Die Wangen gerötet, die Arme in die Seiten gestĂŒtzt, strahlend und voller Saft und Kraft, gebrĂ€unt von der Sonne und mit BlumenkrĂ€nzen im Haar, drehen sich die Weiber im Reigen, tanzen in die Abendsonne, heiß und danach verlangend, die ewige Kette des Lebens mit ihren Leibern aufs neue zu schmieden.
Da vergisst der Herr alles um sich herum, die Gedanken weichen ab, heute ist Erntedank und stark das Verlangen, errötend schreitet er zu den Weibern und reiht sich ein in ihren Kreis.

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Reden ist Silber! Ist Schweigen Gold?

Version vom 26. 12. 2007 21:41

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