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Leselupe.de > Ungereimtes
Erster Beitrag in der Leselupe
Eingestellt am 30. 03. 2001 14:04


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sailor
Hobbydichter
Registriert: Mar 2001

Werke: 34
Kommentare: 44
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Hallo zusammen,
ich bin seit ein paar Tagen registriert und ziemlich ĂŒberwĂ€ltigt von der FĂŒlle der BeitrĂ€ge hier. Hier kann man sich ja richtig satt lesen, und fĂŒr Nachschub wird stĂ€ndig gesorgt! Schön, gefĂ€llt mir gut.
Heute stelle ich Euch mal ein Gedicht von mir vor.

Viel Spaß
sailor

Manchmal bin ich Gott

Geboren bin ich NeunzehnfĂŒnfundfĂŒnfzig,
das ist jetzt eine ganze Weile her.
Und eigentlich bin ich ja ganz vernĂŒnftig,
doch ruhig zu bleiben fÀllt mir manchmal schwer.

Ich bin zwar nur ein kleiner Angestellter,
(im Hintergrund hör ich schon euren Spott -
ihr habt natĂŒrlich höhere GehĂ€lter!)

doch wenn ich Verse schmiede, bin ich Gott!

Ich lasse Menschen leben oder sterben,
ich lasse Blumen blĂŒhn oder vergehn.
Ich hau, wenn’s mir gefĂ€llt, die Welt in Scherben.
Wenn ich es will, dann bleibt sie einfach stehn.

Ich mach aus Hosenscheißern große Helden,
die MĂ€chtigen der Welt mach ich ganz klein.
Bei mir hat nur wer Mensch ist, was zu melden.
Ich kann ganz lieb sein, - oder ganz gemein.

Mich int’ressiert auch keine Anstandsregel,
nehm’ ich mal die Politiker auf’s Korn.
Ich nenne Kriecher, Spinner oder Flegel,
blĂ€st irgendwer in’s erste beste Horn.

Wenn irgendwer sich als ein Unmensch outet,
dann schreib ich ihm ein fieses Spottgedicht.
Ich mach ihn fertig, die Devise lautet:
Unmenschen akzeptier ich einfach nicht!

Ich schreib auch ĂŒber ganz banale Sachen.
Die Autobahn, den morgendlichen Stau,
die Apotheke und den Kinderdrachen,
den Schornsteinfeger und die Modenschau.

Doch meistens will mir das nicht recht gelingen,
ich bin nun mal kein KĂ€stner oder Roth.
Mir liegt nicht viel an den banalen Dingen,
als Herrscher ĂŒber Leben oder Tod.

Ich schlafe mit den allerschönsten Frauen,
und selbstverstÀndlich beten sie mich an.
Ich platze fast vor lauter Selbstvertrauen.
In meinen Versen bin ich Supermann!

Das Verseschmieden ist mein großes Laster,
dabei kommt die Semantik oft zu kurz.
Ich lass sie schrei’n, die alten Kritikaster.
Die Reichs und die Ranitzkys sind mir schnurz.

Das Leben ist nicht leicht, schreibt man Gedichte,
die Themenvielfalt ist unendlich groß.
Was heut’ passiert, ist morgen schon Geschichte,
und Reime fallen mir nicht in den Schoß.

Ich sitz’ oft da und such’ in dicken BĂŒchern.
Die Reime geben manchmal keinen Sinn.
Hab endlich einen Vers in ”trock’nen TĂŒchern”–
und schreib am Ende doch was and’res hin.

Ein Thema gibt’s, dass ich besonders hasse,
(an dieser Stelle wird der Leser bleich)
von dem ich lieber meinen Griffel lasse.
(habt doch Geduld, ich sag es euch ja gleich)

Das Thema, dass ich meide, ist die Liebe!
Da fĂ€llt mir um’s verrecken nichts zu ein.
Das ist ein Worte hin- und hergeschiebe.
Am Ende glaubt mir sowieso kein Schwein!

Selbst einen Gott plagt manchmal das Gewissen,
besonders wenn’s um Menschenrechte geht.
Auf die wird auf der Welt zu oft geschissen,
doch da kommt selbst ein Gott wie ich zu spÀt.

Ich werd nie aufhör’n, fĂŒr das Recht zu streiten.
Ich kÀmpfe gegen Kriege, Macht und Gier.
Als Dichter hab ich tausend Möglichkeiten —
gewaltfrei, nur mit Bleistift und Papier.

Wenn hundert Leute meine Zeilen lesen
und neunundneunzig fĂŒhlen sich gequĂ€lt,
dann buch’ ich neunundneunzig ab - als Spesen.
Der eine Leser ist’s, der fĂŒr mich zĂ€hlt!

Als Angestellter/Dichter hab ich Tage
da brennt vor lauter Stress die Tastatur.
An solchen Tagen stellt mein Chef die Frage:
”Herrgott, was machen Sie denn heute nur?”

Dann sag ich: ”Chef, ich bin heut sehr in Eile.”
Den ”Herrgott” nehm ich absolut nicht krumm.
Ich widme meinem Chef die nÀchste Zeile.
Ich glaube, er ist gar nicht mal so dumm.

Und da ich grad von meiner Arbeit rede:
Hier macht das Verseschmieden wirklich Spaß!
Ich schau die Leute an und stantepede
schreib ich fĂŒr jeden einen Vers nach Maß.

Da gibt’s zum Beispiel den Kollegen Berger,
der trieb’s mal mit der SekretĂ€rin Sand.
Jetzt macht die Sand dem Berger mĂ€chtig Ärger
und Berger macht es nur noch mit der Hand.

Der Blonde an der Rezeption heißt Schröder.
Blondinenwitze sind ja wohlbekannnt, —
der blonde Schröder ist noch sehr viel blöder.
Man kennt die »Schröders« ja in diesem Land.

Am Morgen drei StĂŒck Schokoladenkuchen,
bis Nachmittags die dritte Flasche Wein.
Nur fressen, saufen, auf DiÀten fluchen:
Herr Mager ist ein fettes, faules Schwein.

Am liebsten schreib ich ĂŒber Herrn Johannsen,
ein ungewaschenes Konglomerat
aus Deo-Roller und Geruch von Pansen.
FĂŒr den Mann hab ich stets ‘nen Vers parat.

Ich könnt’ noch stundenlang so weiterschreiben,
doch dieses Thema war heut’ gar nicht dran.
Der Dichter in mir lÀsst sich manchmal treiben,
ein Verseschmied, der nicht mehr anders kann.

Doch irgendwann schreib ich die letzte Zeile,
dann gehe ich nach Haus zu Frau und Hund.
Dort leb’ ich in gepflegter Langeweile.
Bei mir zu Hause heißt es: "Halt den Mund!"

Zusammenfassend möchte ich bemerken:
Als Mensch bin ich ein ganz normaler Mann.
Ich bin nur Gott in meinen kleinen Werken.
Ich hoffe, dass ER mir verzeihen kann.

© UweSt. 10/00

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fangor
Hobbydichter
Registriert: Dec 2000

Werke: 26
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O Gott, Bitte lass mich leben!

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Sansibar
Guest
Registriert: Not Yet

Erster

Guten Tag Sailor,
willkommen auf der Lupe. Du scheinst ja den richtigen Weg gefunden zu haben. Mir gefÀllt was du geschrieben hast denn ein bischen ist es doch wie KÀstner oder Roth.Mir hat dein Gedicht gefallen und ich habe es sogar ausgedruckt, weil man das ruhig mal in aller Ruhe lesen kann.
Du hast mich nicht nach einem Rat gefrgt, dennoch erteile ich ihn dir: Stell, auch wenn es schwer fĂ€llt nicht zu viele Texte auf einmal ein!!!!!!In jeder Rubrik höchstens einen und als AnfĂ€nger schafft man locker jeden Tag welche, denn man hat ja auch schon "vorgetextet". Die Begeisterung ĂŒber das eigene Werk, gelesen, beachtet und im Internet weltweite Beachtung zu finden, das kann schon atemlos machen.
2. Poste viel!!!Das setzt voraus, das du die Werke der anderen lesen mußt.Du wirst bald Kritiker oder Bewunderer haben, je nach Text, Wetterlage und Laune der einzelnen Lupis.
3. Erlaube dir und anderen die Wahrheit
4. Unbedingt Humor in den Laden bringen, denn big ist fort.
5. Niiiiiiiie provozieren lassen, ignorieren!
6. Immer hhöflich bleiben, auch in schwierigen Situationen
7. Viele schöne Texte, am besten fĂŒr jeden registrierten Lupi eine spezielle Version
8. Liebesgedichte brauchst du nicht schreiben. dafĂŒr ist Feder zustĂ€ndig. Die kann das einfach unglaublich gut.
9. Jedes Posting bearbeiten, sprich beantworten( Liste fĂŒhren, sonst verlierst du den Überblick
10.jeden Tag in der Lupe sein, rund um die Uhr ist da immer jemand.
So, das sind meine nicht ganz ernst gemeinten VorschlĂ€ge und nun viel Spaß beim veröffentlichen wĂŒnscht dir
Sansibar aus Sansibar

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caspar
Guest
Registriert: Not Yet

lyrisches fast food!

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Birgit Kachel
Hobbydichter
Registriert: Feb 2001

Werke: 52
Kommentare: 285
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Lieber Sailor,

wie schon Sansibar sagte, es ist ein bischen was von Roth, KĂ€stner u.Ă€. in deinem Gedicht drin - vielleicht die sich selbst widersprechende "Leichtigkeit".

Es war schön zu lesen bis zu der Stelle, wo du deine Kollegen auf die Schippe nimmst, da kam ich mir dann plötzlich wie auf einer dieser schrecklichen Betriebsfeiern vor, in denen ein sich zum Dichter Berufener endlich verausgaben kann.

Ansonsten lĂ€ge hier sicher in der KĂŒrze die WĂŒrze.

Besten Gruß

Birgit Kachel

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Birgit Kachel
Hobbydichter
Registriert: Feb 2001

Werke: 52
Kommentare: 285
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Guten Morgen, Beisswenger,

daß du in Sailors Gedicht nichts von KĂ€ster u.dgl. sehen magst/kannst, ist ok - aber anmaßend wie auch oberflĂ€chlich finde ich deinen eigenen Auftritt (deine Selbstdarstellung) im "Herzlich willkommen und tschĂŒĂŸ!" - zu welchem Literaturgott hast du dich auserkoren? Wie das Leben so erfordert auch das Schreiben stĂ€ndiges lernen, erfahren, erkennen, umsetzen, eben die Weiterentwicklung, und anstelle jemanden aus der Leselupe herausdrĂ€ngen zu wollen, solltest du dich selbst einmal hierin, z.B. in konstruktiver Kritik, ĂŒben; aber ein Schreibermacho wie du wohl gerne sein willst, so wie du Feder als Schreibermaus titulierst (sag mal, sind wir wieder in das "Sozialistische BĂŒro" zurĂŒckgefallen??), hat das ja nie und nimmer nötig.

Wenn ich falsch liegen sollte (und du dich nicht dabei an dem "liegen" aufhÀngst) - ruhig heraus damit.

Gruß

Birgit



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