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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Erster Schultag
Eingestellt am 21. 06. 2002 22:28


Autor
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Chocos_Ramabotti
???
Registriert: Mar 2002

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Diese Geschichte schrieb ich einmal f├╝r einen Wettbewerb. Sie spiegelt meine eigenen Erlebnisse wieder, mit ein paar Ab├Ąnderungen. Viel Spass beim Lesen
__________________________________________________________

Vor einem netten, kleinen Geb├Ąude mit vielen Fenstern, das von reichlich Geb├╝sch umringt war, tummelte sich eine recht gro├če Schar von Kindern, von denen keines ├Ąlter als sieben sein mochte. Jedes Kind hatte aber auch Papa oder Mama und einige auch beide Eltern mitgebracht. Vor der Eingangt├╝r dieses Geb├Ąudes stand eine Frau in mittleren Jahren, eine Lehrerin, und rief Namen auf, worauf sich immer ein Kind meldete. Eine gespannte Atmosph├Ąre herrschte. Die Kinder waren ein wenig ├Ąngstlich, denn sie wu├čten ja nicht, was sie in der Schule erwarten w├╝rde. Die Schule war einerseits ein drohender Schatten, der sich nun auf ihr Leben warf, andererseits eine verlockende neue Erfahrung.
„Sandra Mayer!“, rief die Lehrerin. Kein Kind meldete sich. Alle sp├Ąhten umher. „Sandra, du mu├čt dich melden!“, rief Herr Mayer seiner Tochter zu. Diese nickte und reckte zaghaft die Hand nach oben. „Hier.“, sagte ihr zartes Stimmchen. Alle andern Kinder drehten sich nach ihr um, und Sandra konnte f├╝hlen, wie ihre fragenden Blicke sie durchbohrten. Verlegen sah sie zu Boden. „Du bist in der Klasse 1B.“
Etwas sp├Ąter sa├čen s├Ąmtliche neuen Schulkinder in ihrem Klassenzimmer. Die Kinder der Klasse 1B hatten sich nun alle irgendeinen Platz geschnappt und horchten nun aufmerksam ihrer recht jungen Lehrerin zu. An einem Tisch nahe der Fensterreihe sa├č Sandra zwischen einem gro├čen Jungen und einem recht kr├Ąftigen M├Ądchen. Alle Kinder be├Ąugten einander neugierig. Sch├╝chtern und scheu streifte Sandras Blick umher, mied direkten Augenkontakt mit anderen, denn ihr kamen sie feindselig und ├╝berm├Ąchtig vor. Gegen├╝ber anderen hatte Sandra sich schon immer sofort unterlegen gef├╝hlt.
Zuerst spielten sie ein Spiel, in dem es galt, sich einander vorzustellen. Dabei warf man sich ein Wollkn├Ąuel gegenseitig zu, und wer es erhielt, sollte etwas ├╝ber sich sagen und das Kn├Ąuel dann weitergeben. „Ich hei├če Fabian. Ich bin sieben Jahre alt. Ich mag gern Fu├čball spielen und...ja, das war’s.“ „Ich bin Kevin. Ich spiele gern Gameboy und ich fahre gern Skateboard.“ „Und wie alt bist du?“, fragte die Lehrerin. „Sieben.“, erg├Ąnzte Kevin rasch. Und so ging es weiter, bis auf einmal das Wollkn├Ąuel auf Sandras Scho├č landete. Sie hatte gedankenversunken ins Leere gestarrt, und war m├Ąchtig erschrocken, als sie da auf einmal von dem knallroten Wollkn├Ąuel getroffen wurde. Es kullerte von ihrem Scho├č, und sie hob es wieder auf. Nerv├Âs stammelte sie: „Ich, ich bin Sandra. Ich bi-bin sechs Jahre alt. Ich zeichne gerne...und schaue gern Fernsehen und gehe gern raus.“ Hastig sah sie sich um, fragte „Wer war noch nicht?“, und warf das Wollkn├Ąuel einem M├Ądchen zu, das sich gemeldet hatte.
Insgesamt waren es dreiundzwanzig Kinder in der Klasse. Das waren viel. Sandra kam sich klein vor in dieser gro├čen Menge.
Bald klingelte die Pausenglocke, und alle Kinder gingen ├╝ber die kleinen Balkone auf den Hof hinaus. ├ťberall bildeten sich kleine Gr├╝ppchen, und alle Kinder hatten ihren Spa├č. Neidisch sah Sandra alledem zu. Da, Melanie schien ein paar aus einer anderen Klasse zu kennen. Die lebhafte Melanie hatte einen netten Eindruck auf Sandra gemacht, und sie wollte gern ihre Freundin sein. ‚├ťber was redet ihr denn gerade?’ Ja, so will ich sie ansprechen, ganz locker und l├Ąssig, dachte Sandra bei sich. All ihren Mut zusammennehmend ging sie langsam auf die kleine Gruppe um Melanie zu, atmete tief durch – und blieb stumm. Die Worte wollten einfach nicht aus ihrem Mund heraus. Sandras Sch├╝chternheit raubte ihr die Stimme. Hilflos trippelte sie um das vergn├╝gte Gr├╝ppchen herum, hoffte verzweifelt, von ihnen bemerkt zu werden, aber sie schien wie Luft f├╝r die anderen zu sein. So ging das die ganze Pause lang. Mal ging Sandra verzweifelt in ein einsames Eck des Hofes, dann schlich sie wieder um die Gruppen der anderen Kinder herum, und als die Glocke schellte, ging sie verzweifelt wieder ins Klassenzimmer, wo der Unterricht weiterging.
Tag f├╝r Tag wiederholte sich dieses stumme Schauspiel, und Sandra war oft den Tr├Ąnen nahe, wenn die Glocke schellte und der Chance, mit den anderen zusammen zu sein, ein Ende setzte. Pah, dachte sie dann. Fein, wenn die sich nicht um mich k├╝mmern, brauch ich mich ja auch nicht um sie zu k├╝mmern. Aber eigentlich f├╝hlte sie sich einsam, hilflos und war schrecklich eifers├╝chtig auf ihre Schulkameraden. Doch schmerzte diese Wahrheit zu sehr, und so wollte Sandra sie sich gar nicht eingestehen.

Die Schulglocke schellte abermals und signalisierte das Ende des Schultages. Nur ein paar Minuten vergingen, bis schrilles Lachen den Hof erf├╝llte. Und alsbald tummelten sich Scharen von Kindern auf dem Hof, und mitten darin lief Sandra. Sie achtete nicht auf die umstehenden Altersgenossen, betrachtete statt dessen das Gr├╝n der Baumkronen, der Str├Ąucher und des Grases, die von der Sonne beleuchtet wurden. Sandra hatte das schon immer gemocht, die Natur beruhigte sie, brachte ihrer jungen Seele einen Frieden, den sie in der Schule verloren hatte.
Nun gingen alle nach Hause, und Sandra tat das auch. Daheim gab es Mittagessen, wobei sie pl├Âtzlich ├Ąu├čerst gespr├Ąchig wurde, und danach hockte sie sich vor den Fernseher. Stumpfsinnig sass sie davor w├Ąhrend die Sonne ├╝ber den Himmel wanderte. Irgendwann ├Âdete die Flimmerkiste sie an, und sie ging ein wenig auf die Terrasse hinaus, tapste dort ein wenig hin und her, lief in den Garten, kletterte auf einen Baum. Die Vertrautheit des Gartens, die seltsam angenehme Einsamkeit und die romantische Stimmung, die die anbrechende D├Ąmmerung ├╝ber dem Land verbreitete, taten ihr wohl und sie f├╝hlte sich erfrischend befreit von den Sorgen und Qualen des Alltags, die sie in der ersten Klasse bereits plagten.
Der Wind fuhr durch ihr Haar, die Ger├Ąusche des Abends drangen an ihr Ohr, das Rauschen des Windes im Blattwerk der B├Ąume und B├╝sche, das Lied der Grillen, und...Kinderstimmen. Sie drangen ├╝ber einige G├Ąrten von der selten befahrenen Strasse entgegen, wo die Kinder aus den H├Ąuserblocks spielten. Schwermut legte sich ├╝ber Sandras Gem├╝t. Sie beneidete die fernen Kinderspiele, sie sehnte sich nach dem Kontakt zu anderen Menschen ihrer Altersgruppe. Doch sie traute sich nicht. Sie kannte dort nur ein paar der Kinder fl├╝chtig, und ginge sie hin, so w├╝rde sie doch nur wieder um die spielende Gruppe herumschleichen und ihnen eifers├╝chtige Blicke zuwerfen. Das wu├čte sie. Schon oft hatte ein kleiner Ausflug die Strasse hinunter so geendet. Sandra war oft genug von ihrer eigenen Unf├Ąhigkeit zum Zusammensein mit anderen Menschen entt├Ąuscht worden. Trotzdem hatte sie weiter Sehnsucht nach dem fr├Âhlichen Treiben.
Die menschliche Seele kann ohne Kontakt zu anderen Menschen nicht funktionieren, oder tut sich zumindest schwer dabei. Denn Einsamkeit macht traurig, Traurigkeit lenkt ab, dank der Ablenkung verschlechtern sich eventuell die Leistungen, und schlu├čendlich ist alles ein Teufelskreis, aus dem man nur schwer wieder ausbrechen kann.
Hach, seufzte Sandra noch einmal in Gedanken. K├Ânnte ich nur dort bei ihnen sein. Doch m├Âglich war es nicht...noch nicht...
Sie bemerkte erst, wie schnell die Zeit vergangen war, als sie die rotgl├╝hende Sonne erblickte, die sich schon anschickte, hinter dem Horizont zu verschwinden. Und morgen wieder zu kommen.
__________________
*z├╝ckt die Sonnenbrille* Yo!

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ElsaLaska
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Hallo liebe Schoggi!

Fein, endlich mal keine Fan-Fiction!
Ich hab mir vorgenommen, ich pick mir erst mal die Stellen raus, die mir gefallen haben. Und wenn Du Dich dann so richtig freust, dann mache ich eisenharte Textarbeit, o.k?

Hier die sehr guten Stellen!
"Die Schule war einerseits ein drohender Schatten, der sich nun auf ihr Leben warf, andererseits eine verlockende neue Erfahrung. "
Das hast Du prima formuliert.

"Hilflos trippelte sie um das vergn├╝gte Gr├╝ppchen herum, hoffte verzweifelt, von ihnen bemerkt zu werden, aber sie schien wie Luft f├╝r die anderen zu sein. So ging das die ganze Pause lang. Mal ging Sandra verzweifelt in ein einsames Eck des Hofes, dann schlich sie wieder um die Gruppen der anderen Kinder herum, und als die Glocke schellte, ging sie verzweifelt wieder ins Klassenzimmer, wo der Unterricht weiterging."
Vor allem das Trippeln ist klasse, um die Aussichtslosigkeit und Hoffnungslosigkeit von Sandra ausdr├╝cken.

Auch die Szene mit der Abendstimmung im Garten hast Du sehr sch├Ân gestaltet.

Mir hat Dein Thema gefallen, es ist ein gutes, interessantes Thema (Selbstisolation ?), aber wir k├Ânnten es noch ein bisschen herausarbeiten, was meinst Du?

Die Textarbeit kommt im n├Ąchsten Kommentar, wenn Du Dich von diesem hier erholt hast

Es dr├╝ckt Dich
Elsa

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Chocos_Ramabotti
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 4
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Huhu Elsa

Och, vielen Dank, freut mich, dass dir das gefallen hat

...aber muss die Textarbeit unbedingt sein? K├Ânnen wir das nicht lassen? Bitte bitte verschone mich... <bettel><fleh><zitter>



...................................
__________________
*z├╝ckt die Sonnenbrille* Yo!

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willow
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Hallo Chocos,

einige Kleinigkeiten fielen mir auf beim Lesen, aber insgesamt h├Ątte ich eine solche Qualit├Ąt nicht erwartet.

Der erste Schultag ist wohl f├╝r jeden von uns pr├Ągend. Er bestimmt vielleicht unsere gesamte Schullaufbahn, vielleicht auch unser Leben dar├╝ber hinaus. Aber wer kann sich noch genau daran erinnern?

Wundervoll vor allem der letzte Abschnitt, aus dem so viel Weisheit spricht, wie ich sie von einem jungen Menschen nicht erwartet h├Ątte. Eine wirklich gute Geschichte, Chocos.

Lieber Gru├č,

willow

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Chocos_Ramabotti
???
Registriert: Mar 2002

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Danke, willow ^_^ <verbeug>

Nuja, ich kann mich noch relativ gut daran erinnern, ist ja auch noch nicht gar so lange her

Findest du? Wow ^_^ Freut mich ^_^

<bussi>
Val ^_^
__________________
*z├╝ckt die Sonnenbrille* Yo!

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ElsaLaska
Guest
Registriert: Not Yet

Ok Schoggi, ich will mal nicht so sein,

und beschr├Ąnke mich auf diesen Hinweis:
├ťberpr├╝fe bitte nochmal alle "und" und "auch", sie kommen zu oft nacheinander vor.
Das wars schon.
Ich lobe daf├╝r nochmal den Schluss, genau wie Willow.
Das mit der Sonne, das war gekonnt.
Lieben Gruss
Elsa (mach weiter so, ich bin sehr stolz auf Dich!)

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